Skip to main content

Full text of "Deutsche Handschriften in England. Erster Band: Ashburnham-Place, Cambridge, Cheltenham, Oxford, Wigan. Mit einem Anhang ungedruckter Stücke"

See other formats


This is a reproduction of a library book that was digitized 
by Google as part of an ongoing effort to preserve the 
information in books and make it universally accessible. 


Google books 


https://books.google.com 


Google 


Über dieses Buch 


Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 


Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun Öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 


Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei — eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 


Nutzungsrichtlinien 


Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 


Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 


+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 


+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern dıe Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 


+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 


+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sıe sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 


Über Google Buchsuche 


Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 


Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter|http: //books.google.comldurchsuchen. 


,- 


. 
“ . . > 
“. ’ 
. 5 . 
Tr . „w en 
. . .. 
“. x Ss 
N r * ’ 
„’ «" > .. 
. 
bon ö * »’ 
“4 
v 
” 


fr u 
. 


a EN 1 ent a ha er | Eat 
3 » 


| “w, ET 
“ >. 
na f “ 


u TEE ı Di . . 


ne M Aut,, ‚ . a3 77, 07 Fu. PEREN „22er un a rn fi > 


4 en 


Harbard College Librarv 
FROM THE 


SUBSCRIPTION FUND, 


BEGUN IN 1858. 


Ihupı /87 6. 


ji 


w 


ge m 


DEUTSCHE 
HANDSCHRIFTEN IN ENGLAND 


BESCHRIEBEN 


VON 


DR. ROBERT PRIEBSCH 


ERSTER BAND 


ASHBURNHAM-PLACE CAMBRIDGE CHELTENHAM OXFORD WIGAN 


MIT EINEM ANHANG UNGEDRUCKTER STÜCKE 


ERLANGEN 
VERLAG VON FR. JUNGE 
1896 


el. Hof- u. Univers.-Buchdcucherei von Pr. Junge (Junge & Sohn) Erlangen 


Pe 
PEN 


Li 


u 


VORWÜORT. 


Als im Sommer 1892 mein lange gehegter Wunsch, die Schätze des 
British Museum kennen zu lernen, sich erfüllt hatte, fasste ich auf Grund 
summarischer Durchsicht der Cataloge den Plan xu einer systemalischen Be- 
schreibung seiner sümmtlichen deutschen Handschriften*),; das Dezemberheft des 
Litteraturblattes für germ. und rom. Phrilologie 1892 S. 438 gab davon kurze 
Nachricht. Nachdem ich aber bald darauf mit den Verzeichnissen von Ash- 
burnham-Place und Cheltenham vertraut geworden war, erweiterte sich meine 
Absicht : ich beschloss alle öffentlichen und so viele Privatbibliotheken Ionglands, 
als mir zugänglich werden würden, in den Bereich meiner Arbeit einzubeziehen. 
Denn auf die letzteren setxte ich besondere Hoffnungen: sowohl der Umstand, 


dass man bisher von ihnen noch recht wenig wusste, als auch die Art ihrer 


Entstehung und Vermehrung — vielfach waren umfängliche alte Bestände des 
Continents ihnen einverleibt worden — liessen bedeutende Funde möglich er- 
scheinen. 


Die nüchste Folge der Erweiterung meines Plans war die, dass ich müt 
den Handschriften der Universitütsbibliotheken zu Cambridge und Oxford mich 
xu beschäftigen und gleichzeitig Verbindungen anzuknüpfen begann, welche den 
Zugang zu einigen grösseren Büchersammlungen englischer Adliger mir bahnen 


sollten. Das Glück begünstigte mich: rasch nach einander bewilligten die Be- 


*, Den ersten, auf fünf zufällig herausgegriffene spätmhd. Codices beschränkten 
Ansatz zu einem derartigen Unternehmen bilden bekanntlich J. Baechtolds Deutsche 
Hss. aus dem Britischen Museum, Schaffhausen 1873. Von den zahlreichen nl. 


Manuscripten der Anstalt existieren nur knappe Listen ohne wissenschaftlichen 
Wert. 


IV VORWORT 


sitzer dreier der reichsten Privatbibliotheken Englands mein Gesuch um deren 
Benutzung. Da von dieser Erlaubnis selbstverständlich jedes Mal sofort (Ge- 
brauch gemacht werden musste und da ferner der Stoff, welchen Cambridge und 
Orford für meine Zwecke darboten, ein verhältnismässig begrenzter war, so 
gelangte ich mit der Bearbeitung der deutschen Handschriften ausserhalb Lon- 
dons früher zum Abschluss als mit der Beschreibung der im British Museum 
aufbewahrten. Zudem erschien eine Teilung meines Werkes in zwei handliche 
Bände recht wünschenswert. So entschloss ich mich, rorerst nur über die von 
mir bereits ausgebeuteten Bibliotheken xu berichten, hingegen das Verzeichnis 
der deutschen Hss. des British Museum sowie solcher Privatsammlungen, in 
welche ich vielleicht noch Einlass erhalte, für den zweiten Band zu ver- 
sparen. 

Der Begriff “deutsch”, den das Buch auf seinem Titel führt, ist nicht in 
dem universellen Sinne Jacob Grimms zu verstehen. Er beschrünkt sich viel- 
mehr auf die continentalen Germanen, umfasst somit das ober- und das nieder- 
deutsche, das niederländische und das friesische. Innerhalb dieser Grenzen habe ich 
alle Handschriften beschrieben, die über die Scheide des xvi. und xvır. Jahrh. 
hinaufreichen; jüngere fanden nur dann Aufnahme, wenn sie Copien älterer 
Litteraturdenkmale waren oder wenn ein besonderes Interesse sich an sie 
knüpfte (so Ar. 171) oder endlich wenn, wie in Wigan, die geringe Menge der 
überhaupt in Betracht kommenden AMss. einer Bibliothek absolute Vollständiy- 
keit der Aufzählung nahe legte. 

Mein Buch dient practischen Zwecken: es soll den deutschen Philologen 
und Ilstorikern angeben, welches Material für ihre Arbeiten in England ver- 
streut liegt. Fpochemachende neue Funde vermag wch leider nicht mitzuteilen, 
obwohl ich ihnen eifrigst nachspürte. Denn ich habe mich nirgends auf die 
Angaben der Cataloge verlassen, sondern mir alle Handschriften reichen lassen, 
bei welchen auch nur die leiseste Möglichkeit vorlag, dass sie deutsche Bestand- 
teile oder Worte enthielten. Im Peterhouse College zu Cambrülge durfte ich 
sogar Coder für Codex selbst aus dem Repositorium nehmen und durchsehen: 
leider ohne jeden. Frtrag. Trotzdem scheint es mir wichtig und nutzbringend, 
dass man einmal klar übersicht, wie viel Reste unseres Mittelalters noch an 
versteckten Orten Englands aufbewahrt werden. 

Um die Orientierung zu erleichtern, war ich auf tunlichste Übersicht- 
lichkeit bedacht. Deshalb wurden die behandelten Bibliotheken, ohne Rick- 
sicht auf ihren privaten oder öffentlichen Charaeter, in alphabetischer Folge 


vorgeführt, die Handschriften arithmetisch geordnet. Bei diesen war ich. be- 


VORWORT V 


strebt, 1) den Leser hinreichend über ihr Äusseres zu unterrichten, 2) ihn mü 
ihrem Inhalt, wenigstens dem deutschen, vollständig bekannt zu machen, 3) aber 
ihre Provenienz und Geschichte, soweit es sie zu ermitteln gelang, festzustellen. 
Zu dem Ende habe ich nicht nur Anfang wund Schluss aller einzelnen Stücke 
verzeichnet, sondern auch nach bestem Vermögen die einschlägige Litteratur zu- 
sammengetragen. Freilich bin ich mir bewusst, dass ich hin und wieder hinter 
diesen. selbstgestellten Anforderungen zurückblieb. So habe ich nachträglich be- 
merkt, dass mehrmals eine Angabe über den Einband fehlt: indes wird dieser 
Mangel kaum ins Gewicht fallen, wenn ich versichere, dass es sich dabei stets 
um moderne Umschläge handelt. Ich darf aber auch auf die besonderen 
‘Schwierigkeiten hinweisen, unter denen an Privatbibliotheken meine Arbeit sich - 
vollzog. Einerseits duldete die erteilte Zutrittsgenehmigung, mit welcher 
mehrfach gastfreieste Aufnahme sich verband, keinen Missbrauch: ich war daher 
genötigt, mein (Geschäft so rasch .wie möglich abzuwickeln. _Anderseits sah 
ich mich von fast allen litterarischen Hilfsmitteln entblösst. Wenn daher viel- 
leicht vereinzelte Schreibfehler untergelaufen sind, wenn öfters meine Mit- 
teilungen sich auf die bedeutsamsten Partien eines Codex beschränken und 
nicht alle Detuils erschöpfen, so wolle man die angeführten Umstände ent- 
schuldigend in Erwägung ziehen. Ich bin zufrieden, wenn meinem forsghenden 
Bliek niehts wichtiges entgieng. Bei dem ausserordentlichen Reichtum und der 
erstaunlichen Mannigfaltigkeit der Bibliotheca Phillippica freilich kann ich nicht 
einmal dafür garantieren. Ein ausführliches Register am Schluss des Bandes 
wird, wie ich hoffe, seine Benutzbarkeit erhöhen. 

Die schwere Zugänglichkeit der meisten von mir beschriebenen Saınm- 
lungen verunlasste mich zur IHinzufügung eines Anhanges. Er vereinigt, voll- 
ständig oder in Auszügen, Stücke, welche entweder bisher ganz unbekannt 
waren oder sich als neue, für die Kriik nicht unwichlige Fassungen be- 
kannter Texte darstellen. Ihr diplomatisch getreuer Abdruck *), wenn er auch 
aus typographischen Gründen nicht immer das Bild des Oriyinals wahrhaft 
treu wiederzugeben vermag, entsprach dem Zweck, welchen ich verfolgte, am 
meisten. Doch trachtete ich sowohl durch Einführung von Interpunection und 
Beigabe von Besserungsvorschlägen das Verständnis zu erleichtern, als ich 

*) Ein Ausrufungszeichen deutet an, dass nicht ein Schreib- oder Druckfehler 
vorliegt, sondern ein Versehen der Hs.; ein Fragezeichen weist auf die Unsicherheit 
der Lesung hin. In runde Klammern eingeschlossen sind Verse, Worte oder Silben, 
welche ich für interpoliert ansehe; eckige Klammern machen meine Ergänzungen 
kenntlich. 


vI VORWORT 


auch Anlass nahm, mich über Heimat und Entstehungsgeschiehte mehrerer wich- 
tigerer Denkmüler zu äussern. 

Ohne die tatkräftige und nachhaltige Förderung, welche von vielen Seiten 
aus mir zu Teil wurde, hätte ich das vorliegende Buch überhaupt nicht schrei- 
ben können. Zu cehrerbietigstem Danke fühle ich mich verbunden dem hoch- 
gebornen Lord Ashburnham, welcher nicht nur in zuvorkommendster Weise mir 
Einblick in seine kostbare Sammlung gewährte, sondern auch ausgexeichnetste 
Gastfreundschaft während eines mehrtägigen Aufenthaltes auf seinem Landsitz 
erwies, sowie dem hochgeborenen Earl of Crawford, der. meinen Wünschen be- 
reitwilligst entsprach, und seinem Bibliothekar, Mr. J. Edmond, in dessen Fa- 
nulienkreise ich unvergessliche Stunden verlebte und der mir ein ebenso ver- 
ständnisvoller wie kenntnisreicher Führer durch die Bücherschätze von Haigh-Hall 
war. Dass ich die grossartige Bibliotheca Phillippica für meine Zwecke nutzen 
durfte, verdanke ich der Güte des Mr. Fitzroy Fenwick, welcher mir zu wieder- 
holten Malen dort längere Zeit zu arbeiten gestattet. Nicht geringeren Dank 
schulde ich den Beamten der Bodleiana zu Oxford und der Unixersitätsbiblio- 
thek zu Cambridge, insbesondere den Herrn F. Jenkinson, G. Macray, F. Ma- 
dan, A. Neubauer, G. Parker und A. Rogers. Auch die Bibliothekare der Colleges 
S. John, Peterhouse und Trinity zw Cambridge, und Mr. M. R. James am 
Fitzwilliam-Museum daselbst haben mich lebhaftest verpflichtet. Für manchen 
Ratschlag wie für das freundliche Interesse, welches er jeder Zeit meinen Ar- 
beiten zuwandte, habe ich Herrn Prof. A. Napier in Orford herzlichst zu danken. 
Endlich möchte ich schon jetzt das stets hilfsbereite Entgegenkommen des Per- 
sonals auf dem British Museum rühmend hervorheben. 

Aber die Liste der Förderer dieses Werkes bliebe unvollständig, wenn ich 
nicht zum Schluss in aufrichtigster Verehrung des Mannes gedüchte, der so 
viel zu der Form beigetragen hat, in welcher es nunmehr erscheint. lIerr 
Prof. I. Steinmeyer hatte die yrosse Güte, nicht nur mein Manuseript einer 
endgiltigen Redaetion zu unterziehen, sondern auch bis Signatur 25 eine zweite, 
von da ab sämmtliche Correeturen xu lesen. 

Möchte so vielfältiger Unterstützung der Nutzen des Buches einiger Massen 
entsprechen ! 

London, Weihnacht 1895. 


ROBERT PRIEBSCH. 


DEUTSCHE 
HANDSCHRIFTEN IN ENGLAND 


nr >” 


mn 


I 


ASHBURNHAM-PLACE. 


BIBLIOTHECA ASHBURNHAMIANA. 


Der Vater des jetzigen Lord Ashburnham hinterliess bei seinem Tode 
(F 1878) eine der ausgexeichnetsten Hss.-Sammlungen, die je im Besitze eines 
Privatmannes gewesen sind. Sie umfasste damals vier getrennte Tele, die zu- 
sammen etwa 4000 Nrn. enthielten. Diese waren: 1) Die Libri- Sammlung, 
1923 Nrn., erworben 1846: vgl. darüber Catalogue of the manuseripts at Ash- 
burnhamplace, part the first, comprising a collection forıned by professor Libri, 
London (o. J.) 4%. 2) Die Barrois-Sammlung, 702 Nrn., erworben 1848: be- 
schrieben im Catalogue of Ihe manuscripts at Ashburnhamplace, part the se- 
cond, comprising a collection formed by Mr. J. Barrois, London (o. J.) 4°. 
3) Die Stowe- Sammlung, 996 XArn., erworben 1849: a) Bibliotheca manu- 
scripla Stowensis, a descriptive catalogue of the mss. in the Stowe library, by 
the Rev. Charles O’Connor, Buckingham 1818 and 1819. 2 Voll. 4%. b) Ca- 
talogue of the important collection of manuseripts from Stowe, which will be 
sold by auction by Mess. S. Leigh, Sotheby and C®. on monday 11% of June 
1849 and seven following days. xı und 252 SS. 4%. 4) Der Appendix, etwa 
250 Hss., die Lord Ashburnham einzeln oder in kleinen Gruppen erworben 
hatte: vgl. Catalogue of the manuseripts at Ashburnhamplace, Appendix. Lon- 
don printed by Charles Francis Hodgson, 1861. 192 SS. 4°. 

Von diesen Sammlungen gieng Nr. 3 im Jahre 1883 zum Teil an das 
British Museum!) über, zum Teil, soweit irische oder auf die Geschichte Ir- 
lands bexügliche Hss. sich darunter befanden, an die Bibliothek des Trinity 
College in Dublin. Über die Ankaufsverhandlungen vgl. Deseription of the Ash- 
burnham mss. and account of offers of purchase etc. .... by Edw. Bond, 1883. 
Von Nr. 1 ist nichts, von 2 und 4 nur ein Rest xzurückgeblieben, denn im 
Jahre 1888 kam der Teil der Libri- und Barrois-Hss., dessen Abkunft aus fran- 
zösischen öffentlichen Bibliotheken erwiesen war, an die Pariser Nationalbiblio- 


1) Ein ausführlicher Catalog ist in Vorbereitung. 
Deutsche Hess. in England 1. 1 


2 I. ASHBURNHAM-PLACE 


thek zurück!), nachdem schon 1884 der Rest der Libri-Hss. und die hervor- 
ragende Dante-Sammlung des Appendix von der italienischen Regierung angekauft 
und in der Laurentiana zu Florenz niedergelegt worden war (vgl. Ministero 
della pubblica istruxione. Indiei e cataloghi vıu. 1. Codiei Ashburnhamiani 
della R. biblioteca Mediceo-Laurenziana di Firenze vol. ı, fasc. Le 11, Roma 18837). 

Von den historischen Hss. findet sich eine kurze Beschreibung im Neuen 
Archiv 4, 609— 618, sowie mit besonderer Berücksichtigung der Stowe- Collec- 
tion im Eighth report of the Royal commission of historical mss., Appendix 
part ıı, London 1881 fol. 


1. Barroıs-Hss. 


1. 

372. Pap. (doch wurde von Bl. 306 ab auch Perg. verwendet als vordere 
und hintere Custode zu je einer Lage von 4 Papierbll). xv. Jh. 52 Blätter 
(alte Zählung 272— 323; die vorliegende IIs. ist also wohl nur Fragment). 
32,2 x 25,7, durchaus von derselben Hand geschrieben, erst zwei-, dann ein- 
spaltig. Rote Initialen und rot durchstrichene grosse Buchstaben ; einzelne Sätze 
rot unterstrichen. In modernem grünem Maroecoband mit Goldschnitt. 

Bl. 272 Generatio regum francor ex Troyanis descendentium qui olim Me- 


rovingi dicebantur ...... eX quUoR Ppagine ...... duces videlicet lotharingie ct 
braban ...... originem traxerunt principalem. Yon Priamus — Philippus 


huius nominis dux scedus. 

Bl. 234 Liber generationis philippi Burgundie lotharingie Brabaü et lym- 
burgi ducis filii karoli magni. 

Lat. Urkunden und Prirtlegien. 

Bl. 307 — Schluss. Copien von solchen in mnl. Sprache. a) Tenor trär 
diuisionum inter ducem Brabantium et dnös grimbgen sequit? et est talis. Wij 
Jan bi der genaden goods herthoge van lotharingie van Brabant....... maken 
cond allen den ghenen die dese Iren selen sien en horen ....... 1297. db) Tot 
welker hant die van louen en van Bruessel liggen selen als men int gemeyn 
orloge wttreet.... 1340. rc) Dit sijn die leenrechten van ons genadigen hee’n 
Camere de scheidinge en deylinge nad* came’n Recht van Brabant. d) Die 
leenrechten des hoofs van Santhouen. e) Sek°e voirraet van sekeren punten 
hier onder gescreuen tot zanthouen aen de manne gehaelt van wegen wilen 
mijns genedigs he’n hertoge philips van Brabant. f) Dit sijn önige vonnisse 
die thof van vecle heeft gegeuen in tijden van leden. 9) Hier na volgen die 


1) Vgl. Les manuscrits du comte D’Ashburnham .... par L. Delisle, Paris 1883, 
4°, und über die Verhandlungen, deren eines Resultat bekanntlich die Herausgabe 
der Manesseschen Hs. an Deutschland war, das Vorwort (U—XCVI) zum Catalogue 
des manuscrits des fonds Libri et Barrois par L. Delisle, Paris 1588. 


2 3 


Rechten vand‘ Banck eü den houe van veele. h) Sequitur noua declaratio..... 
sup preseriptis Iris p.... ducem Wenceslaum et ducissam Johannam facta 
consentiente Caplo Scolastico et opido (!) Bruxellen vt patet in fine p eorum 
appensiones sigillor ......... (mal); M.c.c.c. tachtentich eü cen. 


2. 

486. Pap. xv. Jh. (1463 für ı1). 257 Blätter (doch 21—23. 255 —57 
leer). 29,7 x 20,9. Moderner roter Maroccodeckel mit Goldschnitt. Ursprünglich 
3 selbständige Llss.; aber von der land desselben Schreibers, der sich am 
Schlusse von 11 (s. unten) nennt. 

I. Bl. 1—23. Lagen von S BU. (doch »ählt die 2. nur sieben), zweispaltig 
geschrieben (zu 30 Zeilen die Spalte, wenn ausgeschrieben). Bi. 1%. 3*. 5°. 6. 
Ss», 9b, 112. 12b. 14%, 156. 17°. 18P ohne Text, wohl aber mit blattgrossen, in 
rohem Stile ausgeführten Bildern, Scenen des Textes illustrierend. Verschieden- 
farbige Initialen, rot durchstriehene grosse Anfangsbuchstaben der abgesetzten 
Verse; an den Zeilenenden häufiy rote Schlangenlinien. Wasserzeichen: drei- 
blättrige Blume auf zackigem weitgeschweiften Kelche. 

(Ohne Titel) Gedicht auf einen IUIerzog von Braunschweig. 

1® leer, 1P Bild. 

‚Anfang 2*: Eyn hertzoch was zu brunenezwich 
In groissen eren vd rych 
Beyde |von] guyt vnde von lande 
Unde stont allet yn syner hande. 
Schluss 202: Dyß hait gedicht Augustyn 
Ouermytz des konings bede 
Hy hayt ey ende dese rede 
Nu moyß got alle vnB sachen 
Ayn vnssem ende ezu gude mache 
Des güne vns allen samen 
Dye hemelsche konigyjnen ame. 
Jhesus ma’ia Johanen. 

S. Waitz, Neues Archiv 4, 614 f. unter dem Ilinweis auf Reinfried von 
Braunschweig, mit dem aber vorlieyendes Gedicht gar nichts zu tun hat. Vol. 
Bartsch Germ. 24, 421. Goedeke 12, 259 und die Auszüge unten im Anhang. 

ıı. Bl. 24— 248. Lagen von verschiedenem Umfange; zwerspallig mi 
verschiedener Zeilenzahl, die Spalten von Linien umrahmt. Rote Initialen (nur 
die erste verschiedenfarbig); rot durchstrichene grosse Buchstaben. 

Das Buch von Lohier und Maller. 

24° Anfang: Ir herr& (machent)!) freden dur(ch got)!). Der da hymel 


a 


!) Das eingeklammerte rot. 


4 I. ASHBURNHAM-PLACE 


vnd die firmament geschaffen hait. Der uch hie wil lasßen lebe. bitz ir sin 
hulde wail verdyenet. So werden ir horen eyn schone historie. die verse daryn 
sint liplich. 

Schluss 248° (Sp. 1): Als die heiden gesahö so vil werlet vnd banner 
komen. Do begonden sye gemeyniclich alle sament zu fliehen. Als das die 
cristen gesagen, do yleten sy yn alle naich vnd slugen vmmer zu dode als das 
daz sy betradent. || Hye hait eyn ende dis buche von Lohier vnd mallare. die 
czweyne gesellen waren so getruwe als sye ye worden geboren. vnde dis buch 
dede schriben «. s. w. (= der Nachschrift der Wiener Hs. 2816 v. J. 1493) — 
vnd ist vollenbraicht yn den iaren MPccco'xxxvIr jare ....... (wie im 
Strassburger Druck von 1513); endlich so ist dis gegenwirdich buche geschre- 
ben.... in den iaren MccccLxım von mir bruder Johan von Wormsze. 

S. Goedeke 12, 357. Bearbeitung von Fr. Schlegel, Frankfurt a|M. 1805, 
Erneuerung durch K. Simrock, Stuttgart 1868. 

ım. Bl. 249—257. Lage von 8 Bil. mit Custode am Schlusse, zweispaltig ; 
verschiedene Zeilenzahl. Rote Initialen (die erste verschiedenfarbig); rot durch- 
strichene grosse Anfangsbuchstaben der Verse; rote Überschrift: Des konigs | 
boich von | Frankrich | geit hyr | ain ıe. | 

Anfang 249*: Dje schryfft bedudet so waz geschach 
| Daz man yn hoger ere sach 
Von franchrich eyne konink guet 
Der waz vor wandel wail behuit. 
Schluss 254®: Hye mit hait diß buech ey ende 
Gott vns alle von sunde wende. 
Amen. 

Nach der Wiener Hs. 2800 gedruckt Diut. 3, 378—97, nach einer Her- 
zogenburger (angezeigt Altd. Bil. 1, 381 f.) GA. Ar. 8, nach der Hs. Meyers in 
den Altd. Dichtungen von N. Meyer und E. F. Mooyer 52—62. Über andere 
Hss. s. Goedeke 1?, 223, über den Meistergesang Die Königin von Frankreich 
ebenda S. 310. | 


3. 

487. Pap. xv. Jh. (1453). 88 Blätter, von einer Hand zweispaltig ge- 
schrieben zu 36—37 Zeilen; die Spalten von Linien umrahmt. 27,5 x 20. 
Rote Initialen und Überschriften, rot durchstrichene grosse Buchstaben, zahl- 
reiche sehr roh ausgeführte Illustrationen im Texte. Moderner brauner Papier- 
deckel mit Goldschnitt; am Rücken die Aufschrift: Schriftliche moralische 
Fabeln. 

Sammlung von Tierfabeln, die 4 Cardinaltugenden (Weishait, Grös- 
mutichait, Gerechtichait vnd Mässichait) sowie ihre Widerparte (Trachait, Hoch- 
fart, Gewtichait vnd Unmässichait) beleuchtend. 


2 —4 5 


1° (rot): Hie heben sich an die vier Angell der tugent als Aristotiles der 
haidnisch maister spricht vnd hernach schreybet ....... Der hochswebent in 
natürlichen chuüstn Maister Aristotiles spricht in pbleumatibus ....... 

Die Fabeln selbst beginnen 1° (Sp. 2) mit: von eynem Raben vnd Fuchs 
vnd vö ßwaim nackchunden chindern. 

Schluss 88® in der Fabel von ainem Chuunt vnd von seynem herren vnd 
(Anweisung für den Illustrator) der mües hinder im gemalt werden mit ainem 
chnuttell vnd von aynem wolff 2€ das merckch mit vlais gar eben ıC. Dann 
rot: Et sic est finis p manus Johannis mör de Constantia anno 1453. 

Vgl. über den Erlauer Codex v. d. Hagens Germania 4,126 ff.; über eine 
Hs. in Büschings Besitze dessen Wöchentl. Nachrichten 1, 56 f. Eine bisher 
unbenulzte Hs. im British Museum Egerton 1121. 


4. 

495. Pap. xv. Jh. 355 Blätter. 28x 20,4, von einer Hand, einspaltig 
mit verschiedener Zeilenzahl. Grosse, rot durchstrichene Buchstaben häufig, 
ebenso rot unterstrichene Wörter und Überschriften. Farbige Wappenzeichnungen 
zwischen dem Texte oder am Rande; 7 blatigrosse, farbige Federzeichnungen 
(Portraits Philipps des Schönen und Isabellas von Spanien, Karls des Kühnen 
und seiner Gemahlin Margarete von York; dann Christus, endlich der Schrei- 
ber der Hs. kniend in Mönchsgewand: über ihm ein Schild mit einem Frauen- 
kopf von einem Pfau gehalten. Spruchband: he& hu ghelieue dat Ic mach zijn 
van huwen scapen, ein anderes um das Schild:.Om te ghelieuene. 19 Lagen 
zu je 12 Bil. (die 1. hat nur noch 10, da 2 zu Anfang fehlen), bezeichnet 
durch ı—xıx auf dem ersten und letzten Blatt jeder Lage; dann wieder 10 
Lagen (i—x) zu 12 Bll. und eine (die letzte) zu 9 Bü. Wasserzeichen: vier- 
teiliger Schild mit Lilien. Brauner Lederband mit gepressten Lilien. 

Chronik von Flandern aus der Zeit Philipps des Schönen und Karls 
des Kühnen (1420— 1477). 

Beginnt fragmenlarisch (s. oben): Int tselue jaer lach de coninc welge- 
minde die men hiet coninc karel coIc van vranckerycke de welke gheboren was 
in een casteel ghenaemt et casteel van gonnessen ome twelke de zömeghe sery- 
uene cö karel van vranckerycke dye men heet van gonnessen | dese vorseide 
cö lach voor eene stede die men heet meluun Jde welke stede staet int tlande 
van normandyen daer in laghen quade Rouers en malfaytuers. 

Aus dem Bl. 65 unter der Überschrift de calis vaerdt Anno m.ccccxxxVvI 
en dat de steden van vlaenderen vute traken beginnenden Abschnitte hebe ich 
‚hervor Bl. 68* Item vp sinte lauwercius Auet doe quame dinghelschen Int 
noort vrye tusschen der groeden en den hende den noordt wech eh zy roofden 
sconedycke gaternesse de groede steenkerke en zy staken tvyer in dye husen 


6 ÄASHBURNHAM-PLACE 


en dit es dat Incarnacion | Vier waerfften xprs al huut ghespelt. Ihs 
en Ihm daer toe ghestelt | doe lach men voor calis al vp dat velt 
naer dat hoye en marke ware ghevelt (das gesperrt gedruckte rot unter- 
strichen). 

Schluss des 1. Teils (mit dem Tode Philipps) Bl. 226. 

2273 (2. Teil) Anfang: Dits voor tJaer AP m.cccc.ıxvir Karel de Valoys 
heere van charloys htoghe phs sone hij was de xxxr1.ste graue van vlaendern. 

244® Dit naer volghende es den ontfang die te brugghe ghedaen was der 
hoghe eü moghende princesse vrau Margriete shertoghen dochter van Jorck des 
sconIcxs Edewaerdts zustre van Inghelant ..... Dese moghende karle die 
hadde zynder beminder bruudt ghesonden drie nieuwe hanghende waghee .... 
— 251° en daer mede nam de feeste een hende. Dieses Stück deckt sich fast 
wörtlich mit einem Teile (S. 17—32) der von W. Brill, Kronijk van het histo- 
risch Genootschap, ıv. Ser. xxıı. Jg. S. 17—71 veröffentlichten Huweliüks- 
plechtigheden van Karel van Bourgondi@ en Margaretha van York. 

Schluss des 2. Teils der Chronik Bl. 352°: Ic hebbe ghebeyt naer her- 
toghe Karels Comste vır Jaer, vır maenden, vır weken, vır daghen, vıı hueren 
Ende zeuen munnten. Ic Corronickiere nv hertoghe Karels comste Es huute :c. 
(das letzte wichtige Ereignis ist der Tod Karls des Kühnen vor Nancy 350®»). 

Es folgt noch ein Refereyn, wohl von dem Verfasser der Chronik: 


353°? Hy es weildich die vrucht int zyne heeift 


» on „»„ die wel te vooren es 
„on „ die zonder pyne leift 
„on » die wel gheboren es ete. — 


354° Doch om ontpluncken de crancke struncken 
Myner zine in weuen 
Ic ne cant ontduncken noch naerder luncken 
Voor nicht noch neuen 
Dan mate doet weildeghen Rustelicxs leuen. 


Nota bn. 


D. 

565. Pap. xv./xvı Jh. 50 Blätter. 21,3 x 15,5, von mehreren Ikinden 
geschrieben. 

Bl. 1 Qualiter unusquisque se et domum suam regere debet secundunı 
doctrinam beati Bernhardi. 

Bl. 7 Modus vivendi (unrollständig). 

Bl. 10 Versus per tetrasticha in salve regina misericordiae etc. 

Bl. 12 De arte predieandi arrengandi et collationandi. 

BI. 41 Sermo de morum disciplina, virtutum dignitate ct hominum bea- 
tissima vita, 


4—6 


-} 


Bl. 50 Hymnus Pange lingua de Corpe Christi ex Latino in idioma 
vulgare sub congruis rythmis p Sebastian Brant traductus. 


Min Zung erkling | 
vnd frölich sing 
von d& zarten lychnam fron | 


von dem blät vnd kostlichem ding | 


das gpgossen hat der welt zü lon | 
frucht des wybes | 

reines 1ybes | 

der kung aller völker schon 


Nobis natus 
Vüis geboren 
vserkoren | 
von der reinen iungkfrou fin | 
by vns dru vnd dryssig jaren | 
vßgespreitt den samen sin | 
da beschlossen | 
vnuerdrossen | 
sin!) zyt in wunderwerck vnd pin 


In supremis 
An des lettsten | 
nachtmals essen | 
als er by den brudern saß 
des gesettzs ward nit vergessen | 
als ers osterlämlin aß | 
wolt er senden | 
mit sin henden | 
len Jungern sich zü eine?) maß 


Verbum caro 
Fleisch vB worten | 
vnd wares brot | 
ward vB wort zü fleisch gemacht | 
win verwandelt sich in das blüt | 
wie wols vernüfft nit verstät | 
vns zü stercken | 
ist zu merken | 
allein güter gloub ist not 
Tantü ergo sat 
Darüb löond vns flyßklich eren | 
ein so grosses Sacramet | 
das nüw ist | 
vnd müß vffhören | 
zgsattz des alten Testamets | 
der gloub leeren | 
soll vnd meren | 
das der sya nit hat erkent | 
Genitori genitog; 
Lob vnd fröud | 
syg Gott dem Vatter | 
Got dem sun syg heil vnd pryß | 
Krafft ! zierd | ewig segen hat er | 
de geist so von inn entspryßt | 
Lob «leßglichen | 
ewisklichen | 
von jnn gnad vnd tugent flüßt. Amen. 


Gedruckt bei Wackernagel KL. 2 Ar. 1364 (ohne Verfassernamen aus 


dem. Enchiridion, Nürnberg 1525). 


Thuter den kleinen deutschen (Gedichten 


S. Brants (s. die Litieratur darüber bei (ioedeke 12, 339,17) finde ich es nicht. 


6. 


593. Pap. xv. Jh. 214 Blätter (handschriftliche Zählung 1—cexum, doch 
ist zwischen v und v1, XIX und xx je ein (nicht mitgezähltes) Ilalbblatt ein- 
geheftet), und 2 vordere, sowie eine hintere Custode. 19 x 14,3, zweispaltig 


von einer Hand geschrieben mit verschiedener Zetlenzahl. Rote Initialen und 


!) am Rande: hic abundat vna sillaba. 
?) am Rande: hic 4; [abundat una sillaba). 


8 I. AsußURNHAM-PLACE 


Absätze; rot durehstrichene Buchstaben. Lagen von 8 Bil. mit Custoden. Alter 
Holzdeckel mit braunem Leder. 

Prosalegenden von Heiligen und Sermones, mnl. 

Tafel van desen boec auf der 2. vorderen Custode: 1. van S. Urbanus 
paeus. 2. van Beda die eersamghe priester. 3. vanS. Bonifaes ende sijn ghe- 
sellen. 4. van S. Basilius. 5. van S. Alexius confessor. 6. van S. Quiritus 
en iulita. 7. van S. Geruasius eh protacius. 8. van die tien dusent martelare 
ende ..... va paulinus die biscop. 9. op sinte Jan baptiste auent een omelie 
beda (des eersame& priesters. 10. Op sinte Jan baptiste dach van da vordelen 
die sinte ian verdient heeft bi gode een sermoen. 11. Op ten seluen dach van 
der lanteerne die beide lichtet vü bernet een sermo& bernardus. 12. Op sinte 
iohanes baptisten dach die omelie des eersamen bede 13. Van S. radbodus 
bisscop. 14. Van S. Johahes en paulus martelaers.. 15. Op te seluen dach 
een omelie sinde gregorius. 16. Van die seuen slapers. 17. Van S. benignur. 
18. Op S. Pieter en S. powles auont. 19. Omelie des eersame beda. 20. Op 
ten seluen dach een sermoen bernardus. 21. Op sinte pieter en S. pouwels 
dach een omelie des eersamen bede. 22. Op ten seluen dach een sermoen 
bernaerdus. 23. Van «dien woerde dit siin namen der barmherticheit bernardus 
sermoen. 24. Van volcome ruste hier bove. 25. S. Powels des apostels peus. 
26. Van cen devoet broeder. 27. Van die vandinge Marien tot Elisabet haere 
nichte. 28. Van S. Kilian. 29. Van die seu& broederen. 30. Op ten seluen 
dach een epistel pawels. 31. S. Gregorius omelie opt dit... ewangelie dat hi 
prediete .... te roemen in S. felicitas kerke. 32. Hier beghint epieticus ende 
astions leuen. 33. Van S. vrederics leuen des heileghe bisscop. 34. Van S. 
arcenius monic. 35. Van S. Margrieta. 36. Van S. Cristina. 37. Wat die 
naem cristoferus beduut. 38. Die seuen machabeeusche martelaren. 

Zur Geschichte: auf der hinteren Custode steht: Dit boec hoert toe den 
susteren van sinte katrijnen huus te hoern (andere hand noch des xv. Jh.) en 
heeft ghescreu& welmoet ian gales dochter onse profess:e sust® bidt voer hoer 
om goeds willee Als spätere Besitzer der Hs. nennen sich auf der ersten vor- 
deren Custode: C. N. Alkemade, P. van der Schelling, endlich mit Bleistift auf 
der Innenseite des Vorderdeckels: M" Barrois Hötel de M... the 65. 


T. 

615. Pap. (einzelne Perg.-Bll. ohne bestimmte Ordnung zugeheftet). xv. Jh. 
403 Blätter. 15 x 10,5, ron einer Hand geschrieben zu 20—21 Zeilen, die 
Seiten von Linien umrahmt. Zu Beginn eines jeden Artikels reich verzierte 
Initialen, die übrigen blau oder rot; rote Überschriften und rot durchstriehene 
grosse Buchstaben; mehrere Illustrationen. Lagen ursprünglich zu 8 Bll., doch 
fehlt nun einzelnen jel Bl.; auch mangeln mehrfach ganze Lagen. Alter Holz- 
deckel mit gepresstem Lederberug; Reste zweier Schliessen. 


6—8 9 


Geistliche Prosa-Trarelate, nınl. 

Die grösseren erhaltenen sind: 

Bl. 1 Hier begijnt een deuoete oeffeninge van den lijden (durehstrichen) 
leuen eh lijden ons lieven heren ihesu christi ende sijnre lieven moder ende 
van hoeren groeten rouwen «len sij hadden. O Maria alre suuerlixste mechdeken 
gy apenbae’de v in uwe’ otfenckenisse der duysterre verdwaelder werlt als die 
sterne bauen den neuel en als dat roesken bauen den «doerne ..... 

Bl. 48° Hier begijnt een deuoete meditatie des berchs van caluaere ghe- 
heite. 

Bl. 78® Hier begijnen sömige punt& gescreue wtter passien ons lieue he’n 
ihu xpi alsoe onse lieue he’ selu@ geapenbaert heeft eenre lants vrouwe ge- 
heiten brigida (fehlt das 1. Bl. Pergy.). 

Bl. 108° Dat is vä der vrysenisse ons lieue here en hoe hy hen sijnre 
lieuer gebenedider moder apenbaerie. 

Bl. 229° Hier begijnt dat boeck der sueten lerynge ende der devoeter 
colacien die die persoen des soens ende des heiligen geest gedaen hebben den 
genen die geminnt waren van dem vader. 


8. 


618. Pap. xv. Jh. 119 Blätter (und 1*. 2* + Pery.-Custode). 21x 14,3, 
einspaltiy geschrieben mit 22—24 Zeilen; die Seiten von Linien umrahmt. 
Rote Initialen (nur die erste blau), rote Absätze und rot durehstrichene grosse 
Buchstaben. Lagen von 10 DU. (in der Hs. bezeichnet durch al, a2 .... a, 
Di325% b5 — Im, 2m...... 5m). Holzdeckel mit braunem Lederbexug, Reste 
von Schliessen. 


Spiegel der uolcomenheyt!), mal. 

Bl. 1 leer. 2% (rot) Hier begint een spiegel der öleomanheyit daer der 
nıynre broder staet in begonnen is. Dyt were is uergadert wt sonige ouden 
legenden die se& fräciseus gesellen in alre hande steden insereuen eh bescery- 
uen deden. Sunte franciscus maeete drie regulen ........ Legenden und ygeist- 
liche Lehren aus dem Kreise des hl. Franciseus, besonders dem 8. Aegidius in 
den Mund gelegt. 

Schluss 218° Salich is die knecht die all dat güet dat hem die heer hier 
bewiset | recht als enen schat in den hemel vergadert ........ Salich is die 
knecht die die heymelike dynghen gaeds verberget in sijnre herten wellike ver- 
berghen ons moet ghonne die vader ende die soen ende die heilige gheest 
amen. 


') Hat bei Gleichheit des Titels sicher nichts mit dem Hendrik van Erp zuge- 
geschriebenen (vgl. De Katholiek 92 (1887), 209—12 und Jostes Germ 31, 5) Spiegel 
der volcomenheit zu tun. 

Deutsche Hss. in England 1. 2 


10 I. AsSHBURNHAM-PLACE 


Dieser Tractat zwn Teil auch in MS. Phill. Nr. 4022 Bl. 1348 ff. (s. 
unten). | 

Zur Geschiehte: auf der Perg.-Custode von einer Hand des xv.[xvı. Jh.: 
Dit boeck hoert toe nymege op süte peters berch den suster& van der darder 
regel fräcisci, und auf 118b (xvı. Jh.): Dit boce hoert den susteren opte alden 
berch toe. 


9. 
690. Perg. xıv.[xv. Jh. 87 Blätter (Lücke von 1 resp. 2 Bl. nach 8 und 
72), von einer Hand geschrieben; erst von 708 ab — Schluss in abgesetzten 


Verszeilen. 13x 13,5. Abwechselnd blaue und rote Initialen, erst spüler ron 
anderer Hand eingefügt, da öfter falsch yeset:t; die erste eines jeden Gesunges 
grösser, reicher in beiden Farben ausgeführt, mit Arabesken (nur zu Anfang 
des 4. resp. 5. rerloschen); rot durchstrichene Buchstaben. Lugen von verschie- 
denem Umfange. Moderner Einband. 

Bruder Hansens Marienlieder. 

Es ist dieselbe “schöne Perg.-Hs!, die Beihmann Z. f. d. A. 5, 419— 21 
unter dem Titel * Marienliede? angezeigt hat (damals noch im: Besit:e Barrois)). 
Darauf gestüt:t wies Bartsch (Germ. 12, 89 f.) sie als eine Is. von Bruder 
Hansens Marienliedern nach. Im ANeuen Archiv 4, 616 als Liebfrauenmutter 
Liederbuch bezeichnet ; dieser Titel befindet sich auf der vordern (modernen) C'u- 
stode von ganz junger Hand; möglich, dass er auf einer nun fehlenden alten 
Custode stand. Im Vergleich zu P (Petersburger Is.) beginnt unsere IIs. erst 
mit der zweiten Reihe: Ave vil werte zuesse..... Die dort fehlenden Strophen 
(”. 1210—51) sind in unserer Ils. dureh einen merkwürdigen Zufall auch 
nur teilweise erhalten (vgl. den vollständigen Text in D (Düsseldorf) Z. f. d. 
Ph. 11, 223 f.): 

Bl. sp In dien daz wir eyn® eunnö 

Ave ynnichlych(en ge)!)prechen 

Mit rou“® onser sunde 

So en mach ons ghein ghenate nicht ghebrechen. 
Went wie solde man so weinzel mogen hurtzen 
Een was dz vol van wasser weer 

Daer en mueste ynners ichtes icht wz stiertze. 
Eya reyn du ghehuere 

Du zu louf vnser arnıen 

Wie lyse daz man dich rure 

Mit Ave zwaer du sturtes dyn erbarmen 

Sam eyn vul vaz daz miltlich ouerloufet 


1) Das eingeklammerte ausradiert, aber noch leserlich. 


8—9 11 


Du gebes dyn ghenaten 
Mit zu ghedructer maes vnde uph gheheufet. 


Reyn meechdelyche moeter 

Vnde moeterlyche maecht 

Ihesus dijn son vil goet® 

Dem haet Ave dis wort se (!) wol behaget. 

Doe her dyns reynen libs wolde haben mangl (!) 
Das Ave was der pesser syn 

Doe her den zirkel mas wz dem triangel. 


Ich wolde vil gheern ingraben 
Vnde..... (Lücke von einem DI.) 


Es folgt 9% [Gheplant]zet haat den eppel von gharnate 
dz ist die leuedige vrucht . 
da sich die minnende ziel aen sal versaten = P 1277 ff 
Die 2. Lücke zeigt sieh nach Bl. 72 durch den Sprung im Acrostichon 
ron 1 in Maria zu U in gracia. Schluss 72b (P 3788) Geboot Jdaz her sin 
kindekin nam; Anfany 73% (P 3862) Das nach leufet vber daz velt. 2 BU. 
werden hier ausgefallen sein‘). Diese Lücke sowie das einmalige Fehlen einer 
Initiale haben zur Folge gehabt, dass Belhmann a. a. O. sagt, die Strophen der 
letzten Reihe seien zwar von demselben Bau, aber von ungleicher Länge. 


Anfang und Ende der Liederrethen: 
ı (P ı1) 1% Ave vil werte zuesse 
Ave vil toghentryche 
Ave ich dich gruze 
Du werte libe moeter minnencliche 
De alder werlt schepper wurdes dragende 
In dinem zarten libe 
Da Gabriel dir dis ave was sagende. 
* 2 * 
166 Nu helf dan vrou ons beiden 
Bi dinen tzartzen (!) kinden 
De du haez hie gescheiden 
Dz iezlijich da den anderen weter vinde 
Se is dijn dern ich bin dijn armer slaue 
Ich gheer daz sy ons leste woort 
Aue moter semper virgo aue. 


Amen. 


! Dazu stimmt folgende Berechnung: 72 Verse fehlen; von 70 ab aber stehen 
18 Zeilen auf der Seite, also 2 Bü.= 153x4 =712 Zellen, 


12 


ı (P ım) 17% 


33b 


ı (P ıv) 34% 


51b 


ıv (Pv) 528 


69 


I. ASHBURNHAM-PLACE 


Aller tubel twingerin 
Und aller engel vrouwe 
Ervucht mijn turre tumme sin 


Sam in dem meye de blüemelijn van dem touwe 


Uyser truger eerten lustlye konnen brechen 

So laiss wsß tummen hertzen 

Mich hondert lieter dir zu lobe sprechen. 
* r * 

Gun ons daz wir im himelrijch beid samen 

Eynander lieblich widerseen 

Darzu helph ons «dlijn zuesse ınoter amen. 

Amen. 

Anevanc al mijnre salden 

Mijns heyls unde mijns geluckes 

Nu laes doch nicht vercalten 

Daz vur daz du in minen hertzen truckes 

Unde laes es rijch vaclen vnd brinnen 

In onlesscheliker wisen 


Mit vuriger liebe in steter truwer minnen. 


* * 
* 


Nach bid ich coninghinne 
Sint ich bin vber gebende 
Durch dijn zarte minne 
Die libste die ich uph erten hi hab (?) lebende 
Ich nen se nicht du kinst wol iren namen 
Daz du vns helphes 
Dz wir dijn kindes hulde erwerben. 
Amen. 
Aber wil ons glimmeren 
Der liechten sonnen glesten 
Vogel suyt man sümeren 
Ir nisten hy vnd dart uph groenen esten 
Der somer sijn g@selt haect uph gheslagen 
Zu wald und uph dem velde 
In busch in heyd in anger und in hagen. 
* " "x 
Nu wil nıir hi was geben 
Mich armen broter hanze 
Vü stuer also mijn leben 
Dz ich mach come doort aen dinen danze 
Ich vnde die alre liebste min zu samen 


I—10 13 


Die ich durch dich gelaessen hacn 
Dz gun vns durch dijn groze guete. 


Amen. 

v (P vn) 70% Aber spricht mijn hertze mir I 
Daz ich der zarten coningin 
Der die luchtende cherubin 
Unde die brinende cheraphi 
Dient vnde sint ondertaan 
Hondert liet tzo lobe beghin 
Nu sint mijn tumme toren sin 
Soe wijt gestrouwet heer vnde hin 
Daz ich der const onwitzich bin 
Doch wil ichz vrilich ane vaen 
Man spricht daz man mit arbeit win 
Vil etel silber viz den zin 
Vnde daz man golt vz copher brin 
Ich hooff daz mir ir zarte min 
Sol gheben stuer vnde wilz bestaen 


Sus heb ich aan. 


* %* 
* 


— Schluss 87®; bricht ab mit M (mulieribus) des Acrostichons: Costlich ge- 
ziert van menger verb Is ir gegerv = P 4400 f. 

Zur Geschichte: auf der Rückseite des leeren Bl.69 von junger Hand der 
Name: Paulus veı (van?) Haegh. 

Ausgabe (lediglich nach der S. Petersburger Hs.) durch R. Minzloff, Han- 
nover 1863. Vgl. hiexzu F. Gerss, Zu Bruder Hansens Marienliedern, Z. f. d. 
Ph. a. a. OÖ. Nach einer Kölner Hs. teilweise gedruckt (ohne Verfassernamen) 
bei Ph. Wackernagel, KL. 2, 772 f. Dazu Germ. 24, 251. Zur Sprache J. 
Franck, 2. f. d. A. 24, 373—425. Zur Quellenfrage E. Schröder, ebenda 25, 
127—30. Zu V. 4155 Germ. 18, 112 f. 


2. APPENDIX. 


10. 

37. Perg. xv. Jh. (1480). Nicht paginiert. 20,9 x 14,3. Initialen in blau 
und Gold; der äussere Rand der meisten Di. reich verziert; Bilder in feiner, 
flämischer Kunstarbeit. Lagen von S Bil. Brauner gepresster Lederband. 

Psalter, mnl. 

1. Kalender. 

2. Dit es de tafle van den sautere. Elken psalm opt ghetal. I—-CLxxXxIVv. 


14 I. AsHBURNHAM-PLACE 


Anfang der Psalmen: Salich es die man die niet af en ghine in den raet der 
onghenaldigher ..... | 

Den Schluss bildet das Credo: Ic gheloue in eenen god vad‘ almachtich 
makere des hemels ende der acrden und das Gloria in execelsis: Glorie inde 
oocheden te gode.... 

Zur Geschichte: auf dem letzten Bl., von reich verziertem Rahmen um- 
schlossen: Dit boec heuet doen maken Vrouwe Anthonine van massemen eru- 
achtige vrouwe van calkene Ende van den lichteräeltseen binnen wettre 
Voeghdersse van wichlen. Ende van scheerscanp. Weduwe van wylen zaligher 
memorie heer martin vysam ruddere Heere van Reesseghein. van sente Jans 
tsteene. Ende eruachtich eolateur van assenede. Ende van Assenede ambocht. 
Int Jaer ons heeren Düust vierhondert ende LXXX. 


11. 

59. Perg. xv. Jh. (1443). 220 Blätter. 18,9%x 13. Dlaue und role Inı- 
tialen mit Arabesken, rote Überschriften und rot durchstrichene grosse Buch- 
staben; 19 Vollbilder in grau auf einzeln eingehefleten Pergamentblättern. La- 
gen von S DU. Alter gepresster Ledereinband. 

Gebetbuch, mnl. 

Kalender und astronomische Tafeln — Bl. 14; auf dem letzten das Da- 
tum 1443. Darauf Die getide van der wijsheit. Onser vrouwen ghetide. Die 
lange cruce ghetide ...... Die seuen Psalmen ...... Een oefeninghe van 
elken daghe und zahlreiche Prosagebete. 

Zar Geschichte: auf einem der Innenseite des Vorderdeckels aufgeklebtem 
Papierstreifen: Johanna van Egmondt. Auf Bl. 1: Jacob van der Does Sy- 
monsZ. 


II 


CAMBRIDGE. 


A. BIBLIOTHECA UNIVERSITATIS. 


Über die Geschichte der Universitätsbibliothek handeln: 1) The university 
hbrary, papers contributed to the Cambridge university gaxette, 1869 by H. 
Bradshaw. Cambridge, Macmillan, 13831; aufgenommen als Nr.x in Collected 
papers of Henry Bradshaw, comprising 1. Memoranda. 2. Communications. 
Cambridge, university press, 18389. 2) Les manuserits frangais de Cam- 
bridge ıı — Bibliothöeque de Uuniversite par Paul Meyer, Paris 1886 (Extrait 
de la Romania t. xv). Äuf diese, für den vorliegenden Zweck erschöpfenden 
Darstellungen muss verwiesen werden. Dagegen sei hier kurz zusammengestellt, 
was sich über die IIerkunft der unten beschriebenen Iandschriften der Biblio- 
thek ermitteln liess. Bedauerlieh ist nur, dass man nicht in allen Fällen zur 
Sicherheit gelangen kann; häufig mag die Schuld daran liegen, dass die meisten 
Hss. im xvur. Jh. neu gebunden wurden, wobei gewiss manche ihre Provenienz 
anzeigende Notizen auf Custoden oder Innenseiten der Deekel verloren gegangen 
sind. Die Ilälfte der verzeichneten Hss., d. ti. die Arn. 12. 14— 16.18—19, wer- 
den aus der reichen Sammlung des Bischofs von Ely, John Moore, stammen, 
die nach seinem Tode (F 1714) durch König Georg 1. angekauft und der Uni- 
versitätsbibliothek geschenkt wurde. leute trägt die Mehrzahl der auf diese 
Weise erworbenen ss. (in unserem Fulle alle bis auf Nr. 19) eine gravierte 
Buchmarke auf der Innenseite des Deckels mit der Inschrift: Munificentia regia 
1715. Diese Buchmarke muss öfters als der einzige Beweis für die Zugehörig- 
keit eines Ms. zu der Sammlung betrachtet werden, da von ıdhr nie ein voll- 
ständiger Catalog existiert hat. Ihren Bestand im Jahre 1697 verzeichnet in 
zwar wenig wissenschaftlicher, aber doch verdienstvoller Weise der Catalogus 
mss. Angliae et Hiberniae (11, 361—78. 393—9); über spätere Erwerbungen 
giebt ein handschriftlich auf der Bibliothek liegender Catalog Auskunft. In- 
dessen scheint keiner von beiden auf Vollständigkeit Anspruch machen zu kön- 
nen. Nur Nr. 18 (Hh. 1. 9) und 19 (li. 6. 38) lassen sich im Cataloge von 
1697 wiederfinden als Nr. 469 und 189; nach den übrigen sucht man ver- 


16 II. CAMBRIDGE 


gebens. — Nr. 17 (Gg. 5. 35) gehörte der Bibliothek der berühmten Abtei 
S. Augustin in Canterbury, der Stiftung (605) und nachmaligen Begräbnis- 
stütte König Ethelberts. 1168 legte ein Brand den grössten Teil der Kirche 
und des Klosters in Asche und vernichlete viele der alten IHss. Mit manchen 
anderen teilte auch diese Abtei das Schicksal der Sücularisation unter Hein- 
rich vır. (1529). Der letzte Abt war John Sturvey (Essex). Ihre Bücher- 
schätze wurden xzersplittert (mehr als 30 Hss. befinden sich jetzt im British 
Museum), aber ein glücklicher Zufall führte die nachmals so berühmt gewordene 
Liederhandschrift auf die Cambridger Universitätsbibliothek, als ein kostbures 
(feschenk des Bischofs von Coventry und Lichfield, Hacket, e. 1660.— Was end- 
lich den Rest, die Arn. 20--26 anbelangt, so gehören sie sämmtlich dem Fonds 
der Additional mss. an, d. h. derjenigen, welche nach Fertigstellung des neuen 
Cntalogs (1867) ron der Bibliothek durch Kauf oder Schenkung erworben 
wurden. 


12. 


Did. 4. 59. Pap. xv. Jh. (1489). 236 BU. und je ein leeres nach 89 
und 236 (nach der Zählung der Us. ccxıvu Bi.; doch ist Bl. c übergangen 
und von CLXXXIX auf CC gesprungen; nach Bl. 51 findet sich ein schmales, 
nur auf der Aussensetite beschriebenes und nicht mitgexühltes BDlättchen einye- 
klebt). 21,3 x 14, durchweg von einer Hand in zwei von Linien umrahmten 
Spalten zu 29 Zeilen geschrieben. Blaue und rote Initialen, zwei mi Ara- 
besken. verziert; rote Überschriften und rot durehstriehene grosse Buchstaben. 
Lagen zu 8 Bü. (doch die 11. zu 10, die letzte xu 12 Bil). Wasserzeichen: 
vierblättrige Blume aus gegabeltem Schafte wachsend. Moderner Pappdeckel- 
einband mit Lederrücken. 

S. Bernhards Sermonen(17) auf den xc. Psalm: Qui habitat ete. 

1° Prolog: Hier beghint dat prologus des heylighe abts #’b’naerd’ op te 
psalm Qui ht. Brueders ic aensie uwen arbeyt niet sonder groot mededoghen- 
der begheerten — 2# Nu willen wi van den psalm dien wi ghecoren hebben 
wat mitter hulpen gods seggen en exponiere. 

28 (‚Sp. 2) Anfany der Sermones. Überschrift: Dat eerste sermoen opten 
psalm Qui habitat. Die woent in der hulpen des alre ouerste die sel wonen 
in der bescermenisse gods des hemels. 

Ende der Sermones 89»: O here dan seltu dijnen knecht na dijnen woer- 
den late in vreden als mijn ogh& sellen sien dijnen heylgeuer dijnen xpm mij- 
nen h’e die bouen al is ghebenedijt god in der ewicheyt amen. 

S. Migne 183, 185 — 254. 

S. DB. Sermones de diversis (37). 

Überschrift 908: Dit sin die sermoenen sunte beernaerdus dat in latijjn de 


diuersis hect. 


12 — 13 17 


Anfang: Tis te male een waer woert dat dat leuen der menschen op der 
eerden al becoringe is. 

2366 Ende: ten lesten voersichtich en onderwesen ende volcomen in dat 
regimet der caritaten amen. 

'S. Migne a. a. O. 537 f. Den 37 Sermonen der Hs. entspricht bei Migne 
1—3, dann Sermo vı in quadragesima (Migne 181 ff), darauf 4A—-31. 36. 
32. 40—42. 

236 (Sp. 2) in nicht abgesetzten Zeilen: 

O mensche en wilt dese werlt nyet mynnen 
Si haten se die se te gronde bekennen 


Hoer blytscap (!) is mit rouwen ghemenget 
Dat loen dat se horen mynres schenct 
Is ewighe pijn na deser tijt 
Hoet v daer voer wie ghi oec sijt. 
Darunter: Dit boec is ghescreu& int jaer ons heren MCccc ei LXXXIX en 
wert gheeynt des vridages na s’mertyn translatio. Een aue maria om gods wil 
voer den scriuer (folgt r und Kryptogramm). 


13. 

Da. 6. 49. Pap. xvı. Jh. (1562). 41 Blätter und die leeren 1* — 5*, 
42*—43* 20x 13,6. Mi der Feder gezogene, grotesk verzierte Initialen. Zu- 
sammengebunden unter modernem Deckel mit Dd. 6. 48. 

Album. 

1% Federzeichnung; im Innenschild: Dit boeck hoort toe Lyntgen Jacops 
dochter woonende an die coorenmart int Jaer ons heeren 1562. 

22 —278 Sinnsprüche eu je 5—b6 Zeilen), nach dem Anfangsbuchstaben 
alphabetisch geordnet. 

Anfang: Al sent den heere ons tribulatie 

In siecken quellagen derschelic ghepynft] 

tziin al gracien niet om ıinurmureere[n] 

Want niemandt en zal ook despereere[n] 

Na dat ons de wijsemä de waerh; ontbynt 
De vader die de Rijs spart die haet zy kynft]. 

BI. 28 leer. 

292 —41® Chansons anno MCCCccxXcıK. 

302 Een nieu liedeken op die wijse alst begint vande 5 sinnen 

Lest ginck ick in de mey spanceren 

Wandelen met lusten fijn etc. (5 zehnzeilige Str.). 
31b Nieu Liededen (!) op de wijse vant voorgaende 

Schoon jonckheerken hups en trouwe efc. (4 neunzeilige Str.). 
Deutsche Hss. in England 1. 3 


18 II. CAMBRIDGE 


32b Op de vois (!) al hadden wy 25 bedden 
Wy dancken den waert eic. (4 achtzeilige Str.). 
33% Een Amoreusch Liede 
O roosken root, o paerle peur ete. (4 sechszeilige Str.). 
34® Nae de voix vng (!) coeur 
Ick sat en fantaseerde etc. (Dialog zwischen vrier und vrijster, 10 
achtzeilige Str.). 
36® Liedeken van bomel op de wijse schoon Jonckheerken 
Schen[ke]: Coompt Seingnor en laet v schenken ete. (7 zehnzeilige, 
1 achtzeilige Str.). 
38b Nieu liedeken op de wise Wilhelmus van nassau 
Venus eerbar goeddinne etc. (5 achtzeilige Str.). 
40° Een nieu Liedeken 
Wilt thoch (!) op mij eens dencken ete. (8 sechszeilige Str.). 
41° Een nieu Liedeken op de wijse van soet Robbertge 
Doer het gesichte van v mijn lieff eerbaer (3 sechszetlige Str.). 


14. 


Da. 12. 25. Perg. xın.|[xıv. und xıv. Jh. 14x 10,5. Zwei Hss. (1 und ıı) 
unter einem Holzdeckel mit schwarzem Lederbexug vereint; auf dem Rücken in 
Goldschrift: Dutch Prayers. 

1. 60 Bil. (handschriftliche rote Zählung nur von I—Xxı in der Mitte oben) 
von zwei durch Schriftcharacter und Tinte deutlich geschiedenen Hiünden geschrieben. 
Von der ersten rührt Bl. 1»—11b, 208 (unteres Viertel) bis 21® her, alles übrige von 
der zweiten. Die Zeilenanzahl schwankt bei der ersten Hand zwischen 22 und 24, bei 
der zweiten beträgt sie durchweg 25. Rote Initialen, rote Überschriften (mit Ausnahme 
des Titels immer die Namen der Evangelisten), rot durchstrichene Buchstaben. Nach 
Bl. 21 eine Lücke (von mehreren Lagen?). Erhalten sind 6 Lagen, die 1. (mit Vor- 
der-Custode) bis 5. zu 10 Bil., die 6. zu 8 mit Vorder-Custode ; eine handschrift- 
liche Lagenbexeichnung am Schluss (durch die A nfangsworte der folgenden) be- 
steht nur bei 3-—5. Bleistiftnotizen (von Bradshaw's Hand) durch die Hs. xer- 
streut, weisen auf das Fehlen von Bil. und auf übereinstimmende Buch- und 
Capitelzahlen aus Unum er quatuor des Zacharias Chrysopolitanus hin. 

Leben Jesu, mnl. 

18 Überschrift (1. Hand): Dit is dat lefie vns leide heren ih’s xps un 
sine wandelinge vn sine wercke I principio iohes. 

Anfang: In deme beghinne was dat wort en dat wort was bi gode en 
got was dat wort.... (Cap. 1 der Ausgabe, s. unten). Von dieser Hand bis 
11 en dor de craft der wöder de si sagh@ so hadde he een ylie gherne 
ontfanghe en he antworde ice moet oec anderen steden predighen dat rike gorz 
want daer to bin ie ghesant (Cap. 34). 


13 — 14 19 


12% (2. Hand): Doe ih’s sach die grote scare die h& uolchde. doe ghine 
hi op ene hoghen berch (Cap. 35) — 20* En die iongheren ghingen prediken 
den uolke dat si penitencie deden en uele dier bezeten ware uerdreuen si eü 
ucle zieken salueden si met olien en maket“"se ghesont (Cap. 56). 

20* (1. Hand): In d® zijt ou* dri dage waren brüloefte I chana galilea 
(Cap. 57) — 21 en do ihs de moder sach wiene do wart hie (beweget 2c” 
Randschrift des xıv. Jh. Cap. 62); dann Lücke. 

22® (2. Hand): Op enen dach was feeste tot ihrl’m die hiet encenia 
(Cap. 182) — 60 Eü onse here wrochte mede en starcte hare woerde met 
nae uolghenden teyken (Cap. 245). Explicit. 

Vorliegende Hs. repräsentiert m. W. die älteste, erhaltene Gestalt jener 
mnl. Ervangelien-Synopse, deren W. Moll, Johannes Brugmann, Amsterdam 1854, 
2,11 f. Bijlage 1,255 f. nach einer Haager Hs. vom J. 1473!) ausführlich Er- 
wähnung tut. So rückt diese E.- S. hinsichtlich ihrer Entstehungszeit viel 
näher, als es Moll ahnen konnte, an die von G. J. Meier, Groningen 1838, 
nach einer Hs. von S. Truijen herausgegebene Evangelien-Harmonie Het leuen 
van Jexus, mit deren Terte sie so viele wörtliche Übereinstimmungen zeigt, 
dass diese wohl kaum allein auf Rechnung desselben Stoffes und der gleichen 
benutzten Quellen zu setzen sein werden; freilich fehlen ihr gegenüber die Vor- 
rede und die Glossen des Autors, in Folge der Lücke auch die Capitel 62—181. 
Mehr abseits stehen die Sieversschen Fragmente einer mnd. Evangelienharmonie 
Z. f.d. Ph. 21, 385 ff. (s. die correspondierenden Stellen im Anhange). -—- Auch 
in sprachlicher Bexiehung ist das Cambridger Ms. interessant. Zwei Ilände ha- 
ben abwechselnd (s.oben) geschrieben. Sind die Lautformen des zweiten Schrei- 
bers (wohl der Vorlage entsprechend) rein nl., so entschläpfen dem ersten oft 
genug hochdeutsche Formen, um einen Schluss auf seine Heimat zu erlauben. 
Den Umfang der Arbeit jedes der beiden genau festzustellen, macht allerdings 
die Lücke nach Bl. 21 unmöglich. 

ı1. 15 Bil. zu 19—20 Zeilen, von einer Hand geschrieben. Rote Initialen, 
rot durehstrichene grosse Buchstaben. 2 Lagen zu 8 Bll., doch fehlt jetzt das 
letzte der 2., das wohl leer war. 

Prosagebete und Litanei. 

Anfang 1° (Gebet zu den (rliedern Christi mit eingeflochtenem Sünden- 
bekenntnis): Ghebenedijt ende gheloft sij dat werde hooft ons lieues heren dat 
met scaerpen dornen cronen dorbroken wert... . also dat rode bloet Ouer 
dat anschijn vloet. Ende ghelue] my sculdich al der sonde die ie met mynen 
sondighen hoofde ye ghedede — 4b ende ewelike ende in alre tijt so sij sijn 
zoete name ghebenedijt. a.m.e.n. 


1) Aus demselben Jh. auch Nr. 3155 der v. Arnswaldtschen Bibliothek, vgl. Jb. 
f. nd. Sprachforschung 10, 33. 


20 II. CAMBRIDGE 


Es folgen eine Litanei und kürzere (Gebete. 

Schluss 15b: Bi onsen here ihesum xpm in den hemel metten vader ende 
metten heligh& geest leeft ende regneert ouer al van euwicheden in euwicheden 
amen. amen. 


15. 

Dd. 12. 26. Pap. (nur als Schutzbll. der ersten Lage Perg. verwendet). 
Frühes xv.Jh. Unpaginiert. 14x 10,5. Zwei Hss. unter grünem Pappdeckel 
mit Lederrücken vereint. Auf der Innenseite des Hinterdeckels ein beschnittenes 
Pergamentbl. aus einer lat. Hs. des xıı. Jh. aufgeklebt. | 

I. Rote und blaue lnitielen, die erste blau auf Goldgrund, reich verziert, 
ebenso farbige Randverzierungen auf der 1. Seite; rote Überschriften. Lagen 


. zu 12 Blü., doch die erste und letzte zu 8. 


Tractat von dem Altarsacrament und Gebete, mnl. 

Anfang: Coemt tot mi alle die pijnlike arbeiden ende swaerlike belast 
siin eDn ic sal v vermak& — Cranck in de holte des cruce. starc in de stride. 
Snoede eü v’smaet in de lichaem. gewapent in de sege. Mismaect in den doot. 
schoen in der v’risenisse. Blanc van der ioncfere geboren. roet in de cruce. 
Bruyn in den laster claer in den hemel. 

I. Rote Initialen, die erste mit Arabesken; rote Überschriften und rot 
durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen zu 12 Bll., die letzte zu 6 (mit ein- 
geheftetem 7.) und leer mit Ausnahme der 1. Seite. 

Marien-Psalter. 

Überschrift: Hier beghint onser lieuer vrouwen salter eh is guet gelese 
voer die ziele die daer syn in d& vegevuer. 

Anfang: O Maria doe op mynen mont te lauen dynen alre heilichsten 
en onsprekeliken naem — In dy vrouwe hapende moeten wy ghebruken dyns 
aensichtes in ewicheit. Amen. 


16. 

Da. 12. 52. Pap. xıv./xv. Jh. Unpaginiert. 14 x 19,3, von einer Hand 
in plumpen Zügen geschrieben. Rote Initialen, rot durchstrichene grosse Buch- 
staben und rote Überschriften. Lagen von verschiedenem Umfange; mehrere Bl. 
fehlen vorn. Auf dem 1. Bl. das Datum 1591, wohl von einem früheren Be- 
sitzer. Einband wie Nr. 14. 

Gebetbuch, mnl. 

Anfang: ..... relt leere der waerh! en geuer Weest gegruet — Lof eer 
cracht eü glorie si god den vader en den soen mitten heiligen geest in der 
ewicheit amen. | 


17. 
Gg. 5. 35 (olim 1567), die bekannte Handschrift der Cambridger Lieder. 


14 — 17 2 


Litteratur verzeichnen MSD? 2, 99 f. Ich versuche an dieser Stelle eine aus- 
führlichere Beschreibung der schwierigen Hs., mit besonderer Rücksicht auf den 
die Lieder enthaltenden Teil. 

Dass die unter einem Pappdeckel des xvır. Jh. vereinigten Stücke, welche 
aus palaeographischen Gründen sämmtlich dem xı. Jh. zuzuweisen sind, schon 
von Haus aus die jetzige Reihenfolge besassen und nicht erst später derartig zu- 
sammengebunden wurden, macht die Lagenzählung, auf die ich unten zurück- 
komme, wahrscheinlich; jedesfalls beweist das Vorhandensein dieser Ordnung 
im xı. Jh. ein augenscheinlich dieser Zeit angehörendes Inhaltsverzeichnis !), 
welches auf der zweiten Vordercustode der Hs. eingetragen ist. Seine ziemlich 
summarischen Angaben hat eine Hand des xv. Jh. ergänzt, dieselbe — wie Ver- 
gleichung lehrt —, welche die Blätter der Hs. nummerierte. Ferner ergiebt sich 
aus diesem Verzeichnisse, dass dem ursprünglichen Bestande der Hs. nunmehr 
zwei Stücke mangeln, nämlich: 1) Orationes ciceronis, ergänzt von zweiter Hand 
durch: ff? 455 usq; in finem; 2) v’s’ de laude cueuli ff? 450 (dieser Eintrag 
ganz von zweiter Hand). Alles übrige?) ist auf uns gekommen; nur sind in 
Folge des Verlustes einzelner Blätter mehrere Artikel lückenhaft. — Die Hand, 
welche im xv. Jh. den Codex foliterte, zählte von 1—454; wie viel darauf 
noch: folgte, wissen wir nicht. Aber diese Zählung ist nicht fehlerlos: sie springt 
von Bl. 78 auf 80 und lässt Bl. 294* unbexeichnet. Freilich kann schon da- 
mals die Hs. nicht mehr intact gewesen sein: es fehlte ein Blatt nach 180, fer- 
ner, wie sich zeigen wird, eines nach 440 und zwei nach 453. Gegenwärtig be- 
steht das Ds. nur noch aus 442 (Mass 22 x 15) Blättern, weil eines nach 235, 
drei nach 277, zwei nach 441, sechs nach 445 verloren gegangen sind. 

Die Bezeichnung der Lagen am Schluss durch die römischen Ziffern 
I—XLINI (welche indessen durch nachträgliches Beschneiden des unteren Randes 
mehrfach geschwunden sind) ist alt, d. h. meines Erachtens der Herstellung des 
Codex gleichzeitig. Die Lagen bestehen bis auf die letzte, welche 12 Blätter 
zählt, weil zweı Einzelblätter zugeheftet wurden, aus je 10 Blättern, und zwar 
so, dass bei den Lagen 2. 3. 5. 30. 31. 33. 35. 37. 44 statt des innersten 
Doppelblattes immer zwei Einzelblätter mit übergreifenden Falzstreifen verwendet 
sind. Die Signatur xLıı befindet sich auf der Rückseite von Blatt 431. Daraus 
lässt sich folgern, dass entweder bei der Nummerierung der Lagen eine Ziffer 


1) Am Kopfe desselben die für Hss. aus S. Augustin in Canterbury characte- 
ristische Abkürzung von Distinctioxı Gra... (d. h. Gradus u.s.w.), ferner: Collcoes 
cü A Liber sci Augustini Cant. Ein alter handschriftlicher Catalog (xv. Jh.) der 
Bibliothek von S. Augustin befindet sich im Trinity College, Dublin (D. i. 19): No- 
tes and queries, II. series, 1,485—86; Edwards, Memoirs 1,102—104; Gottlieb, Über 
mittelalterliche Bibliotheken S. 159 f. 

?) Vgl. die Inhaltsübersicht im Catalogue of the mss. preserved in the library 
of the university of Cambridge 3 (1858), 201—5. 


22 II. CAMBRIDGE 


übersprungen wurde, oder dass eine ganze Lage schon vor dem xv. Jh. (keine 
entsprechende Lücke ın der Blattzählung!) ausgefallen war. Dies letztere könnte 
nur stattgefunden haben nach Lage 28, der die letzten drei im xv. Jh. noch 
gezühlten Bil. 278*— 280* fehlen, während die nächste Lage mit einem neuen. 
Artikel!) beginnt. Dass xLımı (resp. xLıu) nicht mit Bl. 432 abschliesst, hängt 
mit dem beim Zählen begangenen Versehen und dem Fehlen von Bl. 180* zu- 
sammen. Alü Bl. 431 endet die Lagenzühlung, oder genauer gesagt, wir fin- 
den keine Spur einer Lagenbezeichnung weiterhin: das nächste Bl. 432 eröffnet 
den Abschnitt der Cambridger Lieder. Zu ihm wendet sich nun unsere Be- 
schreibung. 

In diesem Teile sind die Aussenränder des ziemlich dünnen Pergaments 
stärker abgebröckelt als sonst; dadurch wird an mehreren Stellen auch der Text 
geschädigt. Die Liederanfänge sind durch schmucklose Initialen hervorgehoben 
(nur bei De Heinrico Bl. 437* Sp. 2 fehlt sie), deren Farbe abwechselnd hell- 
und dunkelrot ist. Die Lieder selbst sind durchweg zweispaltig geschrieben; 
jede Spalte enthält 40 Zeilen. Eine scheinbare Ausnahme macht Bl. 437° (Sp.1) 
mit nur 39 Zeilen; da ist nämlich die erste Zeile nachträglich ausradiert wor- 
den, als der Schreiber oder ein späterer Leser bemerkte, dass der Anfang des 
Liedes Audax es vir (Jaff6 xxıı) schon auf der letzten Zeile der 2. Sp. von 
436® gestanden hatte; die Initiale A, die bei dem wirklichen Anfang auf 436b 
fehlt (also .udax), ist auf 4378 stehen geblieben und hängt nun gewissermassen 
in der Luft. Endlich hat 441° Sp. 2 401], Zeilen, weil auf diesem Bruchtele 
die letzte Zeile des zum grössten Teil ausradierten Liedes V .... (Jaffe xxxımn) zu- 
sammengedrängt ist (vgl. auch Breul Z. f. d. 4. 30, 192 Anm.) 

Bekanntlich spricht die Form einzelner Buchstaben in den Liedern, so des 
t und r und teilweise auch des g, für einen ags. Copisten. Fraglich ist nur, ob 
er in England oder auf dem Continente schrieb. Die Entscheidung darüber ist nicht 
leicht. Mit Bl. 425b (Mittelstück der den Liedern vorausgehenden Lage) beginnt 
eine andere Hand einen medizinischen Tractat Qui ult potione solutionis accipe 
hoc m id faciat —, bricht ihn aber am Ende der Lage Bl. 431b, also unmil- 
telbar vor den Liedern, ab, um ihn Bl. 452’—4A54" fortzusetzen, diesmal also 
im Lagenumfange der Lieder. Vor diesem neuen Beginne und im unmiltel- 
baren Anschluss an die Lieder hat eine dritte Hand mehrere unten genauer 
anzuführende Stücke eingetragen. Diese beiden Hünde lassen jene ags. Charac- 
teristica der Liederpartie vermissen. Dennoch macht die Schrift im ganzen den 
entschiedenen Eindruck, dass sie auf englischem Boden entstand. Wir dürfen 
eben nicht vergessen, dass seit dem x. Jh. die continentale Minuskel, wie sie 
sich in Frankreich und Deutschland ausgebildet hatte, ihren Weg nach England 
gefunden hatte und nun in lateinischen Texten verwendet wurde, während die 


!) Althelmi (!) de laude virginitatis Bl. 281—319b, 


17 23 


ags. Schrift zumeist nur auf Texte in dieser Sprache beschränkt ward (vgl. 
E. M. Thompson, Handbook of greek and latin palaeographie, London 1893, 
Ss. 245. 253. 267 f.).. — Ist aber die Hs., die, wie wir wissen, im xır. Jh. 
nach S. Augustin in Canterbury gehörte, in England geschrieben worden, so 
muss auch ihre Vorlage sich daselbst befunden haben, am wahrscheinlichsten 
wohl in demselben Kloster, wo der unglückliche Brand des Jahres 1168 sie zer- 
stört haben mag‘). Denn auch aus dem alten, in Dublin befindlichen Catalog 
des Klosters liess sich nur die Eristenz der uns erhaltenen Hs. constatieren. 


Wie verteilen sich nun die Lieder und die ihnen folgenden Stücke auf die 
beiden letzten (nicht mehr bezeichneten) Lagen der Hs.? Gegenwärtig nehmen die 
Cambridger Lieder eine Lage zu 8 Bil. nebst Vorsatzblatt (Bl. 432— 440) ein 
und greifen dann mit Bl.441 auf die nächste über. Aber eine Lage, die aus 
8 Bü. und einem Vorsatzblatt besteht, würde dem sonst tm Codex üblichen 
Lagenumfang durchaus widersprechen. Ferner ist die Art der Befestigung dieses 
Schutzblattes mittels einer dicken Kleisterschieht recht verdächtig; und schwer 
füllt ins Gewicht, dass dem letzten auf Bl. 440® stehenden Liede (Jaffe Nr. 37; 
Breul a. a. O. S. 189) die Schlusszeile der sechsten Strophe mangelt. Nun 
zeigt aber die 2. Spalte von 440® die durchaus regelmässige Anzahl von 40 Zei- 
len; man hat also keinen Grund, an eine höchst sorgfältig ausgeführte Rasur 
einer ganzen Zeile zu denken, vielmehr wird diese als erste auf einem folgen- 
den, jetzt verlorenen Blatte 440* gestanden haben. Damit wäre der Lage der 
gewöhnliche Umfang von 10 Bi. gegeben, zugleich aber eine, wie ich glaube, 
bis jetzt unbeachtet gebliebene, grössere Textlücke erwiesen, die freilich schon zu 
der Zeit, als die jetzige Blattzählung vorgenommen wurde, d. h. im xv. Jh., 
bestanden haben müsste. Grössere Schwierigkeiten macht die Beurteilung der 
nächsten Lage. Sie enthält jetzt nur 6 Blütter, aber schon der zweimalige 
Sprung in der Blattzählung (von 441 auf 444, von 445 auf 452) lässt sie als 
ein Fragment erscheinen. Das Vorhandensein einer Lücke nach 445 (der nun- 
mehrigen Lagenmitte) geht überdies daraus hervor, dass der Hymne Virgo dei 
genetrix eia obsecro (dem letzten Stücke auf 445®) der Schluss fehlt; sie bricht 
ab mit den Worten Ut cü sctis adstare, während das nächste Blatt (452) mit 
anderer Hand den Schluss eines andern Hymnus (?) ut p nris depreceris dnm 
nrm delictis beginnt; ferner fehlen die im Inhaltsverzeichnis (s. oben) für ff? 450 
vermerkten versus de laude cuculi?) vollständig. Die Lücke ist also da, und 
wir brauchen keinen Anstand zu nehmen, ihr in Übereinstimmung mit der 
Blattzählung den Umfang dreier Doppelblätter zuzuweisen. Wie steht es nun 
mit dem Sprung nach Bl. 441? Den Seitenschluss (441®) bilden die traurigen 


') Eine Durchsicht der aus S. Augustin stammenden Codices im British Mu- 
seum und in der Bodleiana hat, wie voraussichtlich, kein Resultat gehabt. 


?) Vgl. Z. f. d. A. 22, 334; 23, 67 ff.; Ebert, Allg. Gesch. der Litteratur 11,68 f. 


24 II. CAMBRIDGE 


Reste des schon erwähnten lateinischen Stückes (JaffE Nr. xxxım, Breul a.a.O. 
S. 191 (0), von dem sich nicht sagen lässt, ob es vollständig ist oder nicht. 
Die nächste Seite 444% beginnt (von anderer Hand, s. oben) mit einem lateini- 
schen Gedichte, das über den Fall der Engel, die Vertreibung aus dem Paradiese, 
Christi Menschwerdung, Wunder, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt: handelt: 
Turgens in terra. Lucifer ille 
Demon efficit?. Lubrieus anguis 
Aequans se soboli. Cunctiparentis 
Quappter baratro, Trudit? atro — 
444b (Sp. 2) Hoc donet genitor filius atq: 
Flatü p pprium. munere largo 
Simplex & trifidus.. Qui manet idem 
Viuens atq: regens. omnia secula. Amen. 
Im Anschlusse Hymnen mit folgenden Anfängen: 
444b (Sp. 2) Alme facture Sator & nutritor —. 
445° (Sp. 1) Criste mearü 
Lux tenebrarü (als Versus Godescalei in der Wolfenbüttler 
Hs. Helmst. 1062) —. 
445® (Sp. 2) Dauid regem inclita —. 
445b (Sp. 1) Dauid uates. dei fili isai —. 
445b (Sp. 2) Virgo dei genetrix. eia obsecro (vgl. oben) 
Pro nrIs criminibus eia obseero —. 
Also — und das ist sehr merkwürdig — nichts aus des Boethius Conso- 
latio philosophiae oder von “noch einer Seite abgebrochener Gedichte, das letzte: 
Felix qui potuit boni 
Fontem visere lucidum —, 
wie Pertz im Archiv vu, 1003 und wieder Jafe a. a. O. S. 453 Anm.1 an- 
geben. Wenn ihre Nachricht nicht auf einem Irrtume beruht, indem Pertx 
Auszüge aus einer andern Hs. mit solchen aus Gg. 5. 35 vermischt und Jaffe 
ohne nachzuprüfen sich an die im Archiv gegebenen Anfänge gehalten hat, so 
müsste man annehmen, dass die Lücke hinter Bl. 441 erst nach 1839 oder 
gar nach 1869 entstanden ıst, die fehlenden Blütter also erst in jüngster Zeit 
abhanden gekommen sind. Das ist indessen sehr wenig wahrscheinlich. Ferner 
füllt auf, dass keiner der beiden Gelehrten die oben angeführten Stücke erwähnt, 
deren erstes mit seinem jetzt fehlenden Anfange doch wohl an die Boethius- 
Stücke sich angeschlossen haben müsste. Endlich: diese letzteren reichten nach 
Pertz bis Felix qui potuit boni (Liber ı1, 12). Waren sie bis zu diesem Puncte 
vollständig — und die ununterbrochene Reihenfolge der 8 angeführten Gedichte 
spricht dafür —, so umfassten sie (gexählt nach Peipers Ausgabe, Leipzig 1871) 
587 Verse, für deren Niederschrift (die Spalte wieder zu 40 Zeilen gerechnet) 
die beiden nicht einmal ganz zur Verfügung stehenden Blätter schwerlich aus- 


17 25 


gereicht haben würden. Anderseüs scheinen die fehlenden Bil. 442*. 443* 
schon zu der Zeit, als die Blatizählung vorgenommen wurde, nur noch als Ein- 
zelblätter bestanden, d. h. ihre Correspondenzblütter nach 453 gefehlt zu haben: 
denn die Zählung zeigt keine Lücke. Dass diese Correspondenzblätter jedoch 
ursprünglich vorhanden waren, geht daraus hervor, dass das letzte auf 453b 
stehende Recept von einer jüngeren Hand ergänzt ist: Ad digestione. Sal. pip. 
mel. coq: usq. ad spissitudine. p’ea in mod[ü nn.... (unleserlich) fundameto 
ponl. So haben wir anzunehmen, dass diese Lage ursprünglich 16 Bil. zählte; 


ihre jetzige (Gestalt aber ist folgendermassen: 
41 44 45 452 453 454 


Auf sie folgte dann noch jene Lage (oder Lagen?), welche die Orationes 
Ciceronis enthielt. Ob also das letzte auf 441 stehende Stück ursprünglich das 
letzte der Cambridger Lieder war, lässt sich mit Sicherheit nicht sagen; da 
aber die Schrift, wie oben bemerkt, enger und zusammengedrängter erscheint 
(401/, Zeilen), dürfen wir es vermuten. 

Ich will diese interessante Hs. nicht verlassen, ohne zur Kritik des viel 
besprochenen Liedes De Heinrico (Bl. 4378b) Stellung genommen zu haben. Es 
erfüllt mich mit einiger Genugtuung, nachdem fast zwei Jahrhunderte seit der 
ersten Bekanntmachung des Liedes durch Eecard verflossen sind, hier die rich- 
tige Lesung der Z. 7 geben und zugleich die scharfsinnige Vermutung Stein- 
meyers MSD? 2, 106 glänzend bestätigen zu können. Mittels Anwendung eines 
Reagens! liess sich das eorrupte brı . ... dieser Zeile ohne besondere Schwierig- 
keit und erfreulicher Weise ohne irgend einem Zweifel Raum zu lassen als 
bringt erkennen; somit wird das anstössige bruotiher aller bisherigen Text- 
abdrücke wohl für immer zu Grabe getragen sein. Die Zeilen 7 f. lauten also 
in der Hs.: | 

Hic adest Heinrich bringt her hera kuniglich 
dignum tibi fore thir selue moze sine. 

Bei der neu erschlossenen Lesung brin gt überrascht die Syncope des En- 
dungs-i. Wiederholie aufmerksame Betrachtung hat zweifellos ergeben, dass so 
und nicht anders im Texte xu lesen ist (zwischen dem g und t lüsst sich keine 
Spur eines i-Striches entdecken, ja es war auch kaum. Raum dafür, da die 
beiden Buchstaben in Ligatur stehen). Die Syncope wird also durch Anlehnung 
der Pronominalform her an das Verbum erklürt werden müssen, ohne dass 
man an ein dem ags. Schreiber vorschwebendes bringd zu denken brauchte. 


') Schon vorher erlaubten ganz schwache Spuren der g-Schleife das richtige zu 
ahnen oder wenigstens an der herkömmlichen Lesart zu zweifeln. 
Deutsche Hss. in England I, 4 


26 II. CAMBRIDGE 


Das -a in hera erklärt Steinmeyer a. a. O. S. 106. Fore scheint mir ent- 
weder für foret verschrieben zu sein, oder der Schreiber liess absichtlich im 
Hinblick auf den gleichen Anfangsconsonanten des nächsten Wortes das t 
fallen (über deutsche Beispiele eines solchen Sandhi s. Kraus, Deutsche Gedichte 
des xıı. Jh. S..75). 

Schwieriger dürfte die deutsche Halbzeile zu erklären sein. Hält man an 
der handschriftlichen Lesung bis auf die Differenz in der Abteilung der Worte 
selvemo ze fest, so wird man sine wohl am besten mit Heinzel —= ze sehenne 
zu fassen haben, entweder in absoluter Bedeutung oder mit Ausfall des prono- 
minalen Objectes iz (selvemo iz ze); die Übersetzung würe dann: es wäre dei- 
ner würdig, für dich selbst (hin)zusehen (es (an)zusehen). Störend wirkt nur, 
dass in den folgenden Zeilen von einer Besichtigung des Heeres nicht die Rede 
ist, sondern nur von dem Entgegengehen Ottos und der Begrüssung der beulen 
Heinriche‘). Dem Sinne nach passte da freilich besser die Conjeetur Seelmanns 
Jb. 12, 77, der thu selvo mozes ine schreibt. Dass das thir aus einem un- 
deutlichen thu verlesen worden sein kann, darf zugegeben werden, um so cher 
als thi zu erwarten wäre; dagegen scheint mozes trotz der Verteidigung Seel- 
manns nach wie vor bedenklich, und das in& neben dem durchgängigen ina ist 
auch nicht ganz selbstrerständlich. So haben beide Deutungen ihre Vorteile und 
ihre Nachteile. Aber auch die dritte Möglichkeit, bei welcher sine = wesenne 
yenommen werden wüsste, nämlich zu schreiben: Dignum ibi foret «. s. w., 
unterliegt Bedenken. 

Welchen Wert hat die neue Lesart für die Datierung des Liedes? Stein- 
meyer üussert sich a. a. O.: hat aber bruother Z.7 nicht gestanden, so könnte 
leicht das Gedicht auf die letzten Lebensjahre Heinrichs ı1., x. B. auf seinen 
Zug nach Brandenburg 992, Otto ııı. zur Hilfe, gehen; es würe nach seinem 
Tode und Ottos ı11. Kaiserkrönung (996) verfasst? Bei unbefangener Betrach- 
tung scheinen. die Z. 5—9 in der Tat eher auf den Zuxug eines Hilfsheeres 
als auf die Begegnung bei einem Reichstage zu passen. Was hätte auf einem 
solchen auch ein “königliches Heer zu tun? Und zu Gunsten des Branden- 
burger Zuges spricht es, dass von einer besonderen Kriegstat keine Rede ist; 
derselbe endete bekanntlich ohne Blutvergiessen mit einem Friedensschluss (Jbb. 
des deutschen Reiches 2, 73). Nicht minder ungexzwungen liesse sich das ver- 
zweifelte aequivoci erklären, wenn wir — was freilich nicht überliefert ıst — 
‚annehmen dürften, dass der damals zwanzigjährige Sohn Heinrich ın. (als 
Kaiser Heinrich ı1.) den Vater auf dem Zuge begleitet hätte. Weniger passt da- 
gegen zu dem Inhalte der VV. 17 ff. das wahre Verhältnis zwischen Otto 1. 


1) Freilich liesse sich die Situation so denken, dass, während das Heer sich la- 
gert, die beiden Herzöge und ihr Stab (socii nicht gleichzusetzen mit hera kuniglich!) 
dem herannahenden Kaiser entgegeneilen und von ihm begrüsst werden. 


17 —18 27 


und Heinrich ı1., wenn es sich auch seit 982 zum besseren gewendet hatte. Ve er- 
gleichen wir nun einige Stellen, an denen sich Hirsch, ‚Jbb. des deutschen Reiches 
unter Heinrich ı1. Bd. 1, 183 f. über die Beziehungen Ottos ı11. zu dem nach- 
maligen Kaiser Heinrich ı1. äussert: "wir finden ihn im Januar 998 zu Cre- 
mona neben dem Kaiser; am 27. April desselben Jahres belohnt der letztere von 
Rom aus die Hingebung und den treuen Dienst des Vetters durch das Geschenk 
eines Gutes in der Ostmark; ..... wir führen kaum an, dass bei Geschäften, 
die irgendwie das bairische Dukat betreffen, Heinrichs Intervention oder Fürbitte 
in der Regel begegnet; bemerkenswerther ist, dass er auch bei sehr wichligen 
Akten, die seine amtliche Stellung nichts angehen, wie jene Verleihung von zwei 
Comitaten an das Bistum Würzburg, als Fürsprech genannt wird? Ferner 
S. 185 Heinrichs Einfluss auf den Gandersheimer Streit. Stimmt das alles 
nieht auffallend zu der Stellung, die dm Heinrich unseres Gedichtes zugeteilt 
wird? Wäre es nicht denkbar, dass der Dichter das innige Verhältnis des 
Sohnes zum kaiserlichen Herrn auf das Bild des verstorbenen (V. 4 qui.... 
bewarode) Vaters übertragen hätte, um es der pietätvollen Erinnerung desto teurer 
zu machen? Gerade die so unbestimmt und allgemein gehaltenen Ausdrücke, 
die eine Anknüpfung an ein oder mehrere historische Ereignisse höchstens ver- 
muten lassen, sprechen m. E. zu Gunsten der Hypothese. Würe speciell der 
Augsburger Reichstag, als Heinrich ı. von der königlichen (inade voll bestrahlt 
war, gemeint, so hütte der Dichter dieser Tatsache sicher in greifbarerer (restalt 
gedacht, während eine Übertragung der historischen Verhältnisse vom Sohn auf 
den Vater diese in unbestimmterem Lichte erscheinen lassen musste. Wenn da- 
neben das einzige historische Ereignis, das für Heinrich ı1. in Betracht kommen 
könnte — falls ich es richtig erkannt habe —, nicht klarer erhellt wird, so 
muss man bedenken, dass darüber eben nicht viel zu berichten war. Ich glaube 
also, dass das Lied De Heinrico eine Eulogie des Baiernherzogs Heinrichs ı1. ist, 
um das Jahr 1000 entstanden, als der Kaiser (V. 6 ther unsar kaisar guodo) 
Otto m. dem Herzog Heinrich ı11. schon vielerlei Beweise seiner Gnade ge- 
schenkt hatte. Was die Person des Dichters anbetrifft, so kann an der MSD? 
2, 105 ausgesprochenen Ansicht festgehalten werden, nur ist er natürlich an 
den Hof des dritten Heinrich zu versetzen. 


18. 


Hh. 1. 1. Perg. xv..Jh. 78 Blätter (doch sind die Perg.-BU.1—4.71—78 
und die Pap.-Bil. 5—8. 21—28 später ergänzt). 23,5 x 16,1. 

Dem Hauptinhalte nach ein stark beschädigtes lat. Missale; aber auf den 
zugehefteten Pergamentbll. Einträge von der Hand h’en dionys lieuwis zum Teil 
in nl. Sprache geschrieben zwischen 1520 und 1527. Sie betreffen hauptsüch- 
lich Angelegenheiten der Kirche von Rykel, so 1° Conditio fratrü presbitero- 
rum mit folgendem Register der Wohltäter; besonders aber Bl. 72» Dyt ys 


28 II. CAMBRIDGE 


syntte Anne bruderscap die sal men dets (!) iars eens lesen om yn memorie te 
blyuen: Stiftung einer Dienstags-Messe zu Ehren S. Annens im Jahre 1500 
durch heren dionys van lieuwe als oetmoedighe dynre moembare !) vorgengere 
eü persoen der kerken van rykel eü onderseten by synt truden yn haspengoe 
om te begripen te ordyneren en te maken Een mylike douote (!) eerwerdighe 
brud’scap Eh een gulde vand’ heyligher werdigher myldigher bystendigher 


en moder 
barmphertogher vrouwen » syntte Annen. Aufzählung der Mitglieder, nähere 


Bestimmungen für die Messe, Bezahlung des Priesters ee. Am Fusse von 75% 
von derselben Hand: Anno dni xv° x’xı?. februarii xvıı Exequias heinrici 
sculteti celebrauim’ cü nou& missis...... cü commendatione Et dicta ala ei’ et 
ale oim fideliü defüctor p miam dei requiescant in pace Amen Audiui® oes 
in eccl’ia existentes vocem magnä clamant& Ad modum morbi sci egidij Et 
nemin® vidim’ neque reppim’ in ecclesia vel extra ecclesiam | de®... 


19. 


R. 6. 38. Perg. Frühes xv. Jh. Unpaginiert. 14,9x 10. Blaue und rote 
Initialen, einzelne reich verziert. Lagen zu 8 Bil. Zwei Hss. scheinen zusam- 
mengebunden ; von beüden ist das erste Bl. — wohl des Initialenschmuckes und 
der Randverzierungen wegen — abgerissen worden. 

Gebetbuch mit vorangehendem Kalender, mnl. 

Anfang: ... heer laet ons iubilieren gode onsen heilgheuer — Die leues 
eü regniers een god eweliken sonder eynde Amen. 


20. 

Add. 2606. Perg. xv. Jh. Unpaginiert. 10,4 x 6,8, von einer Hand ge- 
schrieben. Blaue und rote Initialen, zum Teil mit Arabesken; rote Überschriften 
und rot durchstrichene Buchstaben. Lagen von verschiedenem Umfange. Alter 
Eichendeckel (Rücken fehlt), Reste zweier Schliessen. 

Gebetbuch, mnl. 

Auf einen Kalender folgt: Hier beghinen die hondert artikeln van der 
passien ons lieu& here. 

Für alte Drucke vgl. Campbell, Annales Nr. 187. 188. 

Schliesst mit den Tractat: Hier beghynö suuerlicke blytscappen van onser 
lieuer vrouwen ontfenckenysse. Aue. 


21. 


Add. 2614. Pap. xıx. Jh. 41,6x 27,3. ‚Schwarzer Maroecoband mit Gold- 
schnitt. Copie von Des Heiligen Römischen Reichs Adels Ursprung von Hart- 


1) 1. noembare. 


1822 | 29 


mann Deutschold vor Jahren beschrieben. Verbessert von Gregorius Laetus 
(Froelich) anno 1544. Zahlreiche farbige Wappenabdrücke ete. auf Oleaten. 
Angekauft von H. Bailliere, foreign bookseller, London. 


22. 


Add. 2876. Zwei Mss. unter altem Holzdeckel mit dunkelbraunem Leder- 
bezug und 2 Schliessen. Pap. (nur als Vorsatzblatt der 1. Lage des ersten und 
der 1. und 2. Lage des zweiten Ms. Pergament verwendet). xv. Jh. 316 Blätter 
und 3*—11*. 13,8x 10,2. Rote und blaue Initialen, viele mit Arabesken, rote 
Überschriften und rot durchstrichene grosse Buchstaben. Randverzierungen auf 
Bl. 1%. 170% und 206». | 

Gebete und geistliche Tractate, nınl. 

ı. Bl. 3*—11* und 1—158; Lagen von 10 und 12 Bl. 

3*—11* Inteinischer Kalender; nur März bis November, da zu Anfang 
und Ende je ein Blatt fehlt. 

12—158b Prosagebete (besonders nach S. Bernhard), Litanei, mediteringe 
des berchs van caluarieıt etc. 

ı1. Bl. 159-—316; Lagen von 12 Bil, die vorletzte an falscher Stelle. 

159* Hier begint dat croenken des loefs der glorioser conniginen maria 
(bis hieher rot). Gewerdige mi di te lou& O geheilichde maget maria — 1930 
met Inig& betruwe el gans& geloue en sond* twyuel gi sult v’eryge dat gi be- 
geert. 

194* Hier begint onser lieuer vrouwen psalt® ende is guet ghelesen tot 
hoere eren. O here duet op myn& möt te louen dynen alre heilichsten name — 
254b En mijn siel leiden totter ewijger blijtscappen des hemels ou*mits onse 
here ihm xpm amen. || Hier gaet wt ons‘ lieu® vrouws psalter den die ynige 
leere sunte bernard’ heuet gemact op die v’se dauid® psalt‘. Folgen 2 Gebete. 

Über Drucke vgl. Campbell, Annales Nr. 278 f. 

256° Dit syn onser lieuer vrouwen woerde tot eynre religioser deuoter 
dienrisse die si in hoere borsten hebbe sal als costelike voerspanne (bis hieher 
rot). Ic ben die coniginne des hemels en moed* gods Ice sal di nv bewijsen 
volcomeliker Dat. doen ic hoerde in mijnre kyscheit dat god was eh ic dat 
verstont doen was ic also sorchuoldich en anxtuoldich van mijnre salicheit eü 
van mijnre obseruäcie — 265° Sich dochter alsodanige dingen heuet mijn 
soen om dijne wil geleden Des moet hij ewelijke geloeft wese Amen. Maria 
schildert ihr gottergebenes Leben von Jugend auf, die Botschaft des Engels, die 
Geburt Christi, sein Leiden und seine Grablegung; einfache, gemütvolle Prosa. 

266° Dit syn vijf rouwen van onser lieu® vrouwen. God gruet v enige 
roese blome gesproten wter wortelen van iesse — 268°» En psenteere nu uwe 
l’ soen op dat ic mit he eh mitti ind® ewiger vrouden blyu& moet ewelic en 
viniermeer ame. . 


30 II. CAMBRIDGE 


269% Dit sy die cort getydekes op onser lieu® vrouwe druck die sce cle- 
mes die paus heeft [gegeue]. Gefolgt 271® ron einer bedinge dit hebben ge- 
geuen die heilige vaders die pausen Johes die .xxır. en honori’ die seste und 
anderen Prosagebeten. 

286* Van den leuen der w’diger maget maria (mit Glossen) — 307, un- 
terbrochen (falsch eingeheftete Lage) durch: Hier begint ihesus gulden eroenken 
(2932 — 303). 

Von 308 an Prosagebete. 


23. 


Add. 2877. Perg. und Pap. Noch 201 Bü. (die vorhandenen teilweise falsch 
geordnet, sodass Bl. 2—3 nach 16, Bl. 4 vor 163 gehört; Bl. 1 nur noch 
Rest eines Pergamentbl., aufgeklebt auf dem Vorsatzblatte). 11x 7,3, von einer 
Hand, einspaltig zu 16—18 Zeilen. Blaue und rote Initialen, mehrere auf 
Goldgrund mit Arabesken; rote Überschriften und rot durchstrichene grosse 
Buchstaben. Lagen ursprünglich wohl aus 4 Papierbü. mit Vorder- und Hinter- 
Pergamentcustoden bestehend, von denen aber die 14. und 15. fehlt. Hol:deckel 
mit schwarzem Lederberug; auf dem Rücken die Aufschrift in Gold: Gebet 
Buch circa 1460. 

Gebetbuch in nd. Sprache. 

Anfang: SCHOENHEIT des hilligen mans voertbrenghende na den leuen 
de glorie des hilligen eruces prediket hijr de schoenheit. 

Schluss 201b: da wi mit holpe sines gebedes bi dinre barmherticheit ge- 
uestet werden in de hemel Ou’mids xpü vsen h’e Ame. (dann rot) Vä en& cfes- 
sor (fehlt mit der letzten Pergamenteustode). 

Genauere Angaben über den Inhalt wird Dr. K. Breul bringen. 


24. 

Add. 2992. Perg. xıu. Jh. (erste Hälfte).. 52 Blätter (doch fehlen mehrere 
am Schluss). 20x 12,3. 

Boethius De consolatione philosophiae. 

Anfang: Carmina qui quondä studio florente peregi 

Flebilis heu mestos cogor inire modos. 

Schluss fragmentarisch in Buch v: Hic si dicas q, euentm d’s uidet id n 
esse... .. 

Commentar zu Textstellen am Rande; zahlreiche Interlinearglossen, darunter 
wenige deutsche; sie werden berücksichtigt werden im ıv. Bd. von Steinmeyers 
Ahd. Glossen. 

25. 
Add. 3173. Zwei Pergamentblätter. Frühes xv. Jh. Noch 21,4 x 12,6, 
einspaltig zu 32 Zeilen auf und zwischen Linien. Rot durchstrichene grosse 


Buchstaben. Die beiden Blätter gehören augenscheinlich derselben Hs. an, folg- 
ten aber nicht auf einander. 

Bl. 1 aus einer Auslegung der Bergpredigt. 

12 [ver]ghencliken dinegen. Want ic my willendes sette to wesen enen 
knecht — 1b Laet vns seluen an denken. up dat (bricht ab). 

Bl. 2 über die Geburt Christi. 

2%... in leyde den eerst gheborenen in den vmering der werlt so sprac 
he — 2b Du god alre cereaturen woldes als een medeknecht dy (bricht ab). 

S. den vollständigen Text unten im Anhang. 

Auf dem Papierumschlag, in dem sich diese und andere (lateinische) Frag- 
mente vorfanden, steht: 15 Fragmente von theol. Büchern, Stargard (Antiquar) 
86, Nr. 1766. 


26. 


Ms. Sandars (noch ohne Nr.). Perg. xrı. Jh. 161 Blätter. 10x7,5, von 
einer Hand in verschiedenen Tinten (schwarzer, roter und grüner) geschrieben. 
Drei reich verzierte Initialen in Gold auf 4%. 5% (durch Seidenläppchen ge- 
schützt). 148, der Rest einfach blau oder rot mit Arabesken; grosse rote, blaue 
oder grüne Buchstaben; auf 33® ein blatigrosses, zweiteiliges farbiges Bild (Chri- 
stus vor Pilatus (?), Abendmahl) im ausgesprochenen Stile des Jahrhunderts; 
Neumen häufig über dem Texte. Lagen meist zu 12 Bü. Alter Eichendeckel 
mit braunem gepresstem Lederbexzug, Messingplatte auf der Mitte des Vorder- 
deckels, Reste einer Schliesse. 

Lateinische Hymnen und Gebete für die Osterzeilt. 

Anfang (mit Neumen; nicht abgesetzt, wie durchgängig): 

Hec est sponsa sümi regis 
que descendit de supnis 
habıs claritatem dei —. 

Auf 8% Precamur ergo te dne ut nos famulos tuos omnem clerü 7 deuo- 
tissimü pplm una cü papa nrö N. 1 gloriosissimo rege nr6 Rodolfo nec non 
uenerabili antistite nrö N quiete temporum tcessa in his festis paschal; (dies 
Wort am Rande ergänzt) sseruare digneris. Unter diesem Rudolf kann nur der 
Forchheimer (F 1080) verstanden werden, denn palaeographische Gründe verbie- 
ten die Entstehung der Hs. in die Zeit Rudolfs von Habsburg zu verlegen. Da 
anderseits aber die Schrift nicht wohl ins xı. Jh. zu setzen ist, so bleibt 
nichts übrig, als das Hymnarıum für Abschrift einer älteren Vorlage anzusehen. 

Auf 9b ein lateinisches Gebei zum Preise der Osternacht mit eingestreuten 
deutschen Worten: 

Salue nox hertelef. wnne miner sinne. trost mines liue’ !). lon miner sele. 


1) 8 ergänzt. 


32 II. CAMBRIDGE 


blischab!) ther gotelichen ere. plena suauitate ?2) melliflua de habundantia dei- 
fice suavitatis. que illuxisti de solio pat’ne maiestatis. claritat& celorü ssumasti. 
tenebras inferni effugasti. dü scire meruisti temp’ et horä. in qua ds pater cele- 
brauit iocundü epulü in sepulcro cü filio uirginis. Resuscitanto illü a mortuis 
post labore passionis. coeternü scoequale (!) illü diuine maiestati effecit. coronä 
regni phennis Iposuit te. I diem ppetue felicitatis ı gaudii smutavit. 

Ebenso 13b Salue nox blome mines herten in qua verus sol xpe toecis 
libertatis auctor zabulo superato mortis aculeo calcato. astris gaudentib; anglis 
letantib; inferis eiulantib; ad corpus iä glificatü ppria uirtute rediit ele. 

Es folgen lateinische Osterhymnen, dann 59b ein deutscher Oster- 
leis in grüner Schrift: 

Also helich is de dag 
thene neman met loue gheuullen nemach 
ane the einiche godes sone, 
de the helle to brac 

5 unde thene leiden duuel thar inne bant. 
dar mede losde he the de (!) xpenhet: 
dat was crist silue. Kyriel. 

Abgedruckt bei Hofmann, (reschichte des deutschen Kirchenliedes 234 f. 
Nr. 114 (115) aus Wielii Psaltes eeclesiastieus 1550 Bl. 99; bei Waucker- 
nagel, KL. 2, 742 Nr. 968— 970; vgl.auch Daniel, Thesaurus hymn. 1, 169— 172, 
endlich Jb. f. nd. Sprachforschung 5, 50°). Thnser Text liefert den sichersten 
Beweis für das hohe Alter dieses noch im xvnı. Jh. (Nie. Beuttners Gesangbuch 
1660) gebräuchlichen Leises. Dagegen lisst sich aus dieser ältesten nd. Über- 
lieferung noch nicht schliessen, dass der Leis auf nd. Sprachgebiete entstanden 
sein müsse. — Zu V. 6 vgl. Hoffmann a. a. O. 37 Xr. 5, Osterlied V. 4 dä 
mite löste er die kristenheit. 

Anschliessend der Osterhymnus: Alma dies, dulcis quies, 

cum triumphi cumulo, 
Leo fortis, vietor mortis, 
qua surrexit de tumulo efe. 

Dann ein anderer 62* (mit Neumen; Zeilen nicht abgesetzt) in abwechselnd 
grüner, schwarzer und roter Schrift: 


1. Hec dies pasche sanctissiıma 2. Hec dierü nobilitas 
e dulcior quä milia qua firmat patris claritas 
pcellit os gla. ppetuo gaudio. 


!) schab auf Rasur, nach i ein Buchstabenrest. 

?) Bis sua rot. . 

5) Die daselbst angeführte Hildesheimer Hs. vom J. 1478 hat manche Ahnlich- 
keit mit der obigen. Vgl. auch ebenda 11, 133—135; Germ. 2, 164—167. Z.f. d. A. 
1, 546 f. 


3. Ornando sole (!) luce ampliore 


luna illustrando solis 
iubare atq; decore. 

4. Salue (dies amabilis 
pashalis dies nobilis 
Salue salue hertelef. 

5. Salue dies optabilis 
que das pace seclis 
Salue dies min sote lef. 

6. Salue dies sal miserorum 
Salue dies que es duleis 
Spes angelorum. 


Salue dies melliflua 

que luce tua fulgida 

celü replens (!) gloria. 
Salue patris amenitas 
Salue filii iocüditas 

Sulue salue hertelef. 
Salue dies opus trinitatis 
Salue dies qu& pelegit 
Rex seculorü. 


Im direrten Anschlusse, gleichfulls abwechselnd grün, rot und schwarz ge- 


schrieben : 

1. Vale dies mines herten trost 
que luces aput superos 
in paradisi ‚gaudiis. 

2. Vale dies an ende fro 
que regnas sine termino 
vale vale hertelef. 

3. Vale dies fauor deitatis 
vale dies quä illustrat 
splendor summ® divinitatis. 

4. Vale dies bouen alle ho 
thu bist ein trost to aller not 
thinen eneten gif got (!) Ion. 


5. 


6. 


The eren thic !) to aller stunt 
Te minnen die van herten grunt 
hertelef thes bis tu werth 2). 
|TJerrestrib; da gaudiü 
celestib; 17 premiü 

in futuro seculo 

|P]erpetue leticie 

sperantes p te uivere 

cü xpo et’nalit‘. 

Ubi regnat sponsus inmortalis 
ibi nobis duleis (tu) sis 

uale perpetuale. 


Endlich gehört in denselben Zusammenhang Bl. 64»: 


1. Hec dies uenerabilis 
dies paschalis nobilis 
dies quä fecit ds 
p qua redemit secim. 
2. Salue dies thu bist so g[r]ot?) 
que luces sine termino 
que anglorü glam 
firmasti tua gr°a. 
3. Salue dies d[es] egeles t[rJost 
q de paterno solio 


>. 


mdü replesti gaudio 

dü redit de baratro 
Vietor pompa cü nobili 
seeü adducens agmına #) 
p que refet patriä 

et renouau ol. 

(Celü phenni lumine 

'ı terra nouo g’mine.) 
Salue dies ppetua 

que es scor gla 


1) c sieht wie ein o aus, wofür auch der Schreiber, der weiter unten die schreibt, 


das c seiner Vorlage gehalten haben wird. 


?2) Conjectur. Hs. uan her uul hertef Ief thes bis tu werh. 
®) Die deutschen Worte radiert und nur undeutlich sichtbar. 


%) agmina adducens Hs. 
Deutsche Hss. in England I. 


[es | 


34 II. CAMRRIDGE 


qua oIb; pfecit uid’e pat’s speci6 
in qua pat? splacuit 1 filii decore 
6. Parare nrm pmium (7 spd iuuamine 
ı dare uite meritü sine 't&pore regnare) amen. 


Alle drei Stücke liefern einen frühen Beweis für die Ahschpoesie in geist- 
lichen Gedichten, die im xıv. xv. Jh. so häufig wird. 

‘on Bl. 65 ab beginnt die Osterliturgie bis zum Schlusse 161P: (Ge- 
bet) Salue 1 vale dies Ielita cuis lux & scä tinitas q lux & duleis T corde flo- 
ridi coronati iocüdissimi "7 speciosissimi corpis xpi. Cöouertisti p. Benedietus. Pat’ 
nf. Ds qui nos re (bricht ab, ein oder mehrere Blütter fehlen). 

Zur Geschichte: diese für den Litterarhistoriker wie Hymnologen gleich 
interessante Hs. erhielt die Bibliothek im Jahre 1892 mit andern Hss., haupt- 
sächlich aber älteren Drucken als Geschenk von Mr. Samuel Sandars (vgl. Aca- 
demy, July 6, 1895, S. 11), der sie bei einem Londoner Antiquar erworben hatte. 
Aller Wahrscheinlichkeit nach ist sie identisch mit dem Preeum liber cum hym- 
nis, der als Nr.566 in dem Auctionscataloge der Culemannschen Bibliothek (Lon- 
don at Sotheby’s 7. Febr. 1870) aufgeführt ist. 


B. FITZWILLIAM-MUSEUM. 


Ttichard Viscount Fitzwilliam (M. A. of Trinity Hall 1764) hinterliess bei 
seinem Tode (F 1816) der Universität Cambridge seine Sammlungen von Ge- 
mälden, gedruckten Büchern, Handschriften ete. nebst der runden Summe von 
£ 100000. Als die Zinsen dieses Capitals sich auf £ 40000 beliefen, wurde 
der gegenwärtige prüchtige Museumsbau aufgeführt (1845—47) und die Samm- 
lungen darin untergebracht. Die Bibliothek, deren Stand sich durch Geschenke 
sowie durch Ankäufe seither erheblich vergrössert hat, zählt heute gegen 10000 
Druckwerke und 200 Handschriften. Ein sümmtliche Hss. umfassender Catalog 
wird von M. R. James, M. 4A. Assistant Director, vorbereitet. Einen Ted der 
Handsehriftensammlung behandelte W. George Searle, AM. A., in The üÜluminated 
mss. in the library of the Fitzuilliam museum Cambridge, eatalogued with de- 
seriplions and an introduction, Cambridge 1876. — Die Hauptstärke der Col- 
leetion beruht in Werken, die sich auf den Gottesdienst oder die häusliche An- 
dacht beziehen, also in MMissalen, Psaltern, Breviarien, (Gebetbüchern, Bibeln, 
legendarischen Schriften ete. Hervorgegangen sind bei weitem die meisten aus 
französischen und flämisch-niederländischen Schreiber- und Malerschulen. 


’ 27. 

6. @.8 (Fitzwilliam 126). Perg. xv.Jh. 189 Blätter und 1*—6*. 190*—92* 
(leer); die Hs. zählt cıxı, indem sie die nur Bilder enthaltenden Blätter nicht 
mitrechnet. 27,2% 19,4, durchaus von einer Hand auf Linien in zwei von 


26 — 27 39 


Linien umrahmten Spalten zu je 30 Zeilen geschrieben. Initialen. blau und rot, 
mehrere auf Goldgrund, fast alle reich mit Arabesken verziert; rote Überschrif- 
ten, rot durchstrichene grosse Buchstaben und das Zeichen || (rot und blau) zur 
Einführung eines neuen (Gedankens. 30 die ganze Seile einnehmende Bilder, 
stets dem Anfange desjeniyen Capitels gegenüber, zu dessen Inhalt sie in Be- 
ziehung stehen; quite Ausführung und besonders reiches Farbencolorit. Prächtige 
Randverzierungen, Blumenqguirlanden bildend, aus denen Figuren von Heiligen, 
Tieren ete. hervortreten; ähnlich auf den ihnen gegenüberstehenden Textseilen. 
Lagen von 8 BU., in welche die Bildblätier einzeln eingeheftet sind; doch die 
erste Lage zu 4, die letzte zu 6 Bll., das erste und letzte Blatt am Deckel 
aufgeklebt. Alter Eichenholzdeckel mi braunem gepresstem Lederbezug. Zwei 
Schliessen, deren Bänder aber modern ergänzt sind. 

Leben Jesu, mnl. 

1*—4* leer bis auf einen Eintrag (s. unten). 5* Register (rot) Hier be- 
ghint die tafel v& dese boec. Dat leuen ons her& ihesus cristi — 5*b Dat slot 
van desen boeke. Hier eindet die tafel. ih. Darnach 57 Cap., im Texte aber 
nur 54 (die Zählung beginnt dort erst bei Cap. 19): das 3. der tafel scheint 
als 1. gerechnet zu sein, ferner sind 2 Cap. (tarcie tijt und sex tijt) zu einem 
ZUSAMMENGgEXogen. 

6*d 1. Bild; Jesus auf der Spitze eines Berges auf der Weltkugel stehend, 
ein geöffnetes Buch in der Linken; im Hintergrunde Jerusalem. 

1° (rot) Hier beghint dat prologus van de leue ons h’ren. Dicwile eü 
läge heb ick in minen sinne ghehadt. te maken in duutscher talen uten latijn 
een tractate van den leuen ons here ihesu eristi — 1P Bidt hem dat hi mi 
gheue gracie d’ consten dit boee te make. hem te loue eü tot stichticheit alle 
der gheenre die daer in lesen sellen. Des güne mi die vader. die soen cüh die 
heilighe gheest Amen. Dat prologus gaet wt. 

2a (rot) Hier beghint dat leuen ons heren ihesu eristi. Soe als sunte 
pauwelus die apostel serijft in sijre eerster epistelen in den derden cappittel 
tot dien van corinthien. Niemät ghe@ ander fondament setten en mach. dan 
dat fundament dat gheset is dat cristus ihs is. 

Schluss 189 || Aldus hebstu den name ihesu in dine armen anderen luden 
mede te hulpe te come. En du hebste den seluen name in dijnre herten daer 
du dijn werken eü dijn sinnen. in onthouden moechste dat si niet en vervulen. 
Ende of se veruuylt sijn daer du se mede ghenesen mogeste. Ghebedijt si die 
suete ihesus ind? ewicheit Amen. 

Zur Geschichte: auf 4*® von derselben Hand, die den Text geschrieben 
hat: Dit boec hoert toc beyatris gherijts docht? van assendelf. Die Schreiberin 
des prächtigen Ms. war also wohl auch die erste Besitzerin desselben. Auf 1*® 
von wenig jüngerer Hand: Dit boeck hoert toe die Regulierissen te zijl binnen 
haerlem. Eü is gecomen van suster beatris gerijts die van Assendelff. Dar- 


PP Ar u Hr m. en 


36 II. CAMBRIDGE 


unter: Is geerft en Gecomen Van onse Moeye tot haerlem Marytghen Jans 
1635. Der erste Eintrag wiederholt sich auf Bl. 192* (Hand des xvı. Jh.) 
mit dem Zusatz: Schrijft wijsheijt in der Tijt der Leedicheyt. Eecelesiasticus 
xxXxvilm cap. Bemine godt bouen al. Endlieh auf 5°: Fitzwilliam 1813 Nr. 126 
(Autograph). 

Die vorliegende nl. Bearbeitung des Lebens Jesu wird von W. Moll (Jo- 
hannes Brugmann 2,39 —45 und Biülage v, S.262—71) het Bonaventura- 
Ludolphianische Leven van Jezus benannt. Ilier auch Anführung an- 
derer Ilss.!) und Abdruck des Prologs ete. Über eine in nd. Sprache geschrie- 
bene Prayer Hs. vgl. J. Kelle Z. f. d. A. 19, 93 f. (und ebenda S. 41 f.). 
Die Mollsche Publication war ihm unbekannt. 


28 — 37. 

IMerunter fasse ich zusammen die Hss.: 28 = 6. @. 6* (Fw.12), 29 = 
6. @G. 7 (Fw. 10), 30 = 6. G. 10* (Fw. 43), 31 = 6. @. 11* (Fw. 102), 
32 —= 6. G. 12 (Fu. 22), 33 = 6. @. 16 (Pre. 110), 34 (noch unsiyniert) als 
Breviare, 35 = 6. G. 14 (Fu. 20) und 36 (noch unsigniert) als Gebetbücher 
in mnl. Sprache, endlich 37 (ebenfalls noch ohne Nummer) als (Gebetbuch in 
(zum geringen Teile) deutscher Sprache. Es sind mit Ausnahme von Nr. 36 
Pergamenthandschriften des xv. Jh. (freilich mit dem weiten Spielraume vom 
Beginn bis zum JIonde des Jh., ja in Nr. 33 und 37 auf das folgende hinüber- 
greifend). Ihre Grösse bewegt sich in den Grenzen 22x 14,6 und 8,5 x 6,6. 
Bet aller Verschiedenheit des Inhalts im einzelnen zeigen sie doch zu schr den 
Typus der in zahllosen Eremplaren auf uns gekommenen Andachtsbücher dieses 
Jh, um für den Litterarhistoriker ein besonderes Interesse zu bieten; eher viel- 
leicht für den Kunstkritiker, den namentlich die feine Ausführung des Bilder- 
und Initialenschmuckes in den drei mit Stern versehenen Hss. anziehen dürfte. 
Viscount Fitzwiliam erwarb diese Mss. in den Jahren 1806—15 (nur Xr. 34, 
36 und 37 sind spätere Ankiäufe). Als frühere Eigentümer nennt Nr.32 Kathe- 
rina van daernick und Elisabeth van Hooren. Von Interesse ist ferner folgen- 
der Eintrag auf Bl. 177° der Nr. 37: Das büchlin ist der tugendßamen vnnd 
gaystlichenn frawen Veronica welßerin zu Sant Katherina zu Augspurgk vnnd 
ist geschribenn vnnd vollendet funffzehenn hundert vnnd ein iar. am samstage 
vor dem suntage Exaudi. Bruder Albrecht (der Schreiber). Sonst enthält die 
xierliche Hs. in deutscher Sprache nur noch drei Gebete von dem antlitz vnßers 
hern ihu xpi auf Bl. 162° — 5%. Alles übrige ist lateinisch: Gursus beate marie 
sempergq; virginis secundum vsum ordinis fratrum predieatorum. Das Museum 
erwarb sie von dem Londoner Antiquar S. Sandars, dieser wiederum beim Ver- 
kaufe der Hamulton-IIss. 


1) Yyl. ausserdem die Beschreibung der v. Arnswaldtschen Hss.-Sammlung Jb, 
f. nd. Sprachforschung 10, 33 Nr. 3155. 


nd 


27 — 38 37 


Eine besonders auf den Bilder- und Initialenschmuck eingehende Beschrei- 
bung der Nrn. 28—33 und 35 liefert der oben erwähnte Catalog G. Searle’s 
Ss. 129—137. 


38. | 

Noch unsigniert. Perg. xıv. Jh. 59 Blätter und 1*—7* (handschriftliche 
Zählung von ı-ıvın). 32x 22,4. Rote Initialen (nur auf 7 W in Gold, 
der Innenraum ron einem Bilde ausgefüllt; auf dieser Seite auch reiche Rand- 
verzierungen), rote Überschriften, wenige rot durchstrichene Buchstaben. Von 
einer Hand in klaren, ziemlich grossen Zügen geschrieben. Zeienzahl verschie- 
den. Lagen von 8 Bil. (doch zählt die 1. nur 6, die letzte nur 4); in der Hs. 
sind bloss bezeichnet 11 (in Wirklichkeit die 3.) bis vır (wofür unrichtig VIII ge- 
schrieben ist). Alter Holzeinband mit braunem gepresstem Lederbexug, gravier- 
ten Messingbeschlägen an den Ecken und in der Mitte, endlich zwei wohlerhal- 
tenen Schliessen. Auf der Aussenseite des Vorderdeckels ein Pergamentstreifen 
mi den Worten: Das Landtr...t Püch in Oberen Payeren (xvı. Jh.). 

Kaiser Ludwigs bairisches Landrecht. 

1*b Name eines früheren Besüzers (xvı. Jh.): Nicolaus Winzurn Constan- 
tinus 1538. Darunter: Questio | Recht weret lanng | Responsio | Man brucht 
das selten | Tertius | Unnser sunnd ist schuld | Homo ! Domine ne in furore 
tuo arguas me (Psalm 6, 2) — Quoniam inigtate meam ego cognosco (Psalm 
50, 5). Deo gratias. 

2*® (rot) Secundunı ysidorum — grä esse maiestatis iussit conseribi. Dann 
Register: Tytulus primus de iudiciis et quibusdam annexis. 1. Das man nie- 
mant nötte sol zv cheiner chlag — 6*2 Tytulus que sit pena furantium pisces, 
LvIsI von vischen. LvIm von vischraeuzzen. 

7*b Wir Ludweich vo Gotes genaden Margraue ze Brandenburch....... 
haben angesehen den gebresten -— armen vn reich® vngeuaerleich richten sullen. 

1® (rot) Tytulus primus........... annexis. Daz ist daz recht püch also 


gantz alt gepezzert vnd auch new artikel gesaemmöt. aus allen gerihten steten 
vnd maerckten. nach dez kaisers haizzen. (rot) Daz man nieman nötten sol zv 
cheiner chlag. Des ersten seczen wir vnd gepieten vestichleichen .... 

Schluss 58% (tm Abschnitt von visch ralzzen) er hab visch in den rauzzen 
funde od® nicht. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Hinterdeckels (mit Bleistift): Co- 
dex A 1346. Ex auct. Ebner 1816. 1Sf 2xr. Im Catalogus Bibliothecae Eb- 
nertanae (1, 19) trägt sie die Nr. 164 und wurde, wie ein handschriftlicher 
Eintrag in dem mir vorliegenden Exemplar des (Catalogs besagt, um 15 Fl. an 
H (?) verkauft. Das Museum erwarb sie von der Londoner Firma J. & J. 
Leighton. 

Ausgabe durch Heumann, Opuscula (1747) S. 11—144, ferner durch M. 


38 II. CAMBRIDGE 


v. Freyberg, Sammlung historischer Schriften und Urkunden 4, 383—500. 
Vgl. auch v. d. Pfordten, Studien zu Kaiser Ludwigs Oberbayerischem Stadt- 
und Landrecht, München 1875. 


C. S. JOHN’S COLLEGE. 


S. John’s College, eine Gründung des xvı. Jh. (1511), besitzt eine ars 
Druckwerken und Handschriften sehr reiche Bibliothek. Catalog: A desertiptire 
catalogue of the manuscripts and scarce books in the library of S. John’s col- 
lege, Cambridge, erschienen als Nr. vıund vıı der Publicationen der Cambridye 
antiquarian society. Rev. Morgan Cowie, der Verfasser des Catalogs, hat aber 
weder alle Handschriften aufgenommen, noch eine Altersbestimmung gewagt, wo 
dieselbe nicht durch die Handschrift selbst geboten war. 

Wie die meisten übrigen Colleges-Bibliotheken verdankt auch die von S. John 
fast ihren ganzen Bestand reichen Schenkungen, die ihr im Laufe des xv1. 
und xvu. Jh. zufielen. Keine derselben war so bedeutend, als die des Earl of 
Southampton, Thomas Wriothesley, der 1635 die von seinem Vater Henry er- 
worbene Collection Wuliam Crashaw’s, eines Fellow von S. John’s College, an 
dasselbe überliess. Sie führte der Bibliothek gegen 200 Hss. und 2000 Druck- 
werke zu. Eine Buchmarke macht die so erworbenen Alss. noch heute kennt- 
lich. Als andere Wohltäter wären zu nennen Mr. Baker, Dr. Beale und Bi- 
schof Gunning. 


39. 

A. 19. Pap. xv.Jh. 28,6 x 21. Zwei Hss. sind zusammengebunden unter 
altem Holzdeckel mit braunem gepresstem Lederbezug. 

I. 81 Blätter (die Hs. selbst zählt die Seiten) und 1*--3*. 82*—8%7* leer, 
durchweg von einer Hand in zwei von Linien umrahmten Spalten geschrieben. 
Rote Initialen, die erste blau und rot mit Arabesken, rote Überschriften und rot 
durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen von 10 Bü. (die letzte enthält nur 7). 
Wasserzeichen: Stierkopf mit einem zwischen den Hörnern emporwachsenden 
Quirl. 

Jan Ypermans Chirurgie. 

1° Überschrift von moderner Hand: Ypermanni medieina. Dann rot: Hier 
beghint die cirurgie van meester ian ypman ende es getrocken wt alle de auc- 
toers d* meste’n. Darauf Register — 1b. 

1b (rot) Dits beghin van cirurgien. Hier begit die Cirurgie des meest’s 
ypmäs do welke Jat hi vte latine en vte sy selues v*städenisse eh leringe eh 
wt sine goeder geloefter w’k& dit troc hi eü maecte I dyetsch® tale..... Zer- 
fällt in 3 Partien, jede derselben in mehrere nach Capiteln abgeteilte Bücher. 

Schluss Bl. 81® im bouc van den quaden beene mit dem Cap. van den 
cancker die comt in den beenen. Übrigens scheinen, nach der dem Buche vor- 


38 — 39 39 


angehenden taffele zu schliessen, 10 Capitel zu fehlen, für welche vielleicht die 
leeren Bil. 82*—87* bestimmt waren. 

Ausgabe auf Grund der Cambridger Hs. (nach einer Mitteilung von Herrn 
Prof. Verdam in Leiden freilich sehr unzuverlässig) durch M. C. Broeckx, La 
chirurgie de maitre Jehan Yperman..... publiee pour la premiere fois d’apres 
la copie flamande de Cambridge, Anvers 1863 (Extrait des Annales de lacade- 
mie d’arch£ologie de Belgique t.xx). Den in der Einleitung S.14 f. genannten 
Handschriften zu Brüssel und Gent sei hinzugefügt: British Museum Harl. 1684, 
Papierhs. des xv. Jh. in Quart. Das für B. unerklärliche Datum 1310 (8.26 f. 
der Ausgabe) bezieht sich nicht auf das Todesjahr Ypermans, sondern ist das 
Abfassungsjahr der Chirurgie. Harl. 1684 Bl. 143® best: ...... in welk& dienst 
dat hy sterft jnt jaer ons he'n doe me scref m.ccc. en x. doe maecte hy dit 
werc I diesche (nach sterft wird ein Punct zu setzen sein). 

I. 19 Blätter und ein Rest am Schlusse, zweispaltig von einer Hand ge- 
schrieben. Rote Initialen und Überschriften, rot durchstrichene grosse Buch- 
staben. 2 Lagen von je 10 Dil., mit aı...... av, bI...... bv signiert. 

Chirurgia Lanfranci Mediolanensis. 

1° (rot) Hier beghint den Jon lanfranc Ende hy beghint erst an dat hooft. 
Ic Jonghe läfrane wille v leren hoe me wonden h(!)handelen sal. 

Schluss 17® Ofte nemt puluer ghelyc dat ghi ghenouch vint ghescreue 
hier voren ende dan gheuesten alst hu voerleert es. Explicit lanfrancus juvenis. 

Rest der Seite Recepte von jüngerer Hand. Von einer dritten Hand end- 
lich noch eine Recepisammlung auf Bl. 18 und 19. 

Ältester Druck: in die vniversiteijt van louen, Conraert Braem 1481; gl. 
Campbell, Annales S. 306; jüngerer: thantwerpen 1529 (Eixenplar im British 
Museum). 

Zur Geschichte: Buchmarke mit der Aufschrift: E Libris Gulelmi Crashaw 
M. A. | huius collegii olim socii | Cod. MSS. cıxvim coemptos |! D. D. | Vir 
honorabilis Thomas Comes Southamptoniensis A. D. 1635. | 


D. TRINITY COLLEGE. 


"Die Geschichte der Bibliothek ist ausführlich von dem jetzigen Bibliothekar 
Robert Sinker, D. D., behandelt worden: The library of Trinity college Cam- 
bridge, Cambridge, Deighton, Bell & Co., 1891. Ich entnehme dieser Arbeit 
folgende Daten: Trinity College wurde durch Heinrich vını. im Jahre 1546 unter 
Einbeziehung zweier schon im xıv. Jh. bestehenden Colleges (Kıngs-Hall und 
Michaelhouse) gegründet. Ein besonderes Bibliotheksgebäude ward indessen erst 
zwischen 1599 und 1601 vollendet und diente als solches beinahe 100 Jahre. 
Sir Edward Stanhope, John Christopherson und Dr. Thomas Nevdle (der be- 
rühmlte Canterbury- oder kadwin’s Psalter ist sein Geschenk) sind im xvı. Jh., 


40 II. CAMBRIDGE 


Dr. James Duport und Sir Henry Newton (Puekering) im xvur. die hervor- 
ragendsten Wohltäter der Bibliothek, für die inzwischen (1694/95) ein neues 
stattliches Gebäude errichtet worden war. Auch im xvım. und im xıx. Jh. fielen 
ihr glänzende Vermächtnisse zu — so 1712 die grosse Biüchersammlung John 
Laughton’s, 1738 die des Dr. Th. Gale (s.unten). Der gegenwärtige Bestand. der 
Bibliothek beläuft sich auf ce. 80000 gedruckte Bücher (darunter viele Incuna- | 
bein und seltene alte Drucke) und 1918 Handschriften; von diesen besteht kein 
gedruckter Catalog und der in Ms. vorliegende entspricht selbst den müssigsten 
Anforderungen nicht. 


A. 

O. 1. 41. Perg. xıv. Jh. 54 Blätter und je eine Custode zu Anfang und 
Schluss; zwischen der vorderen und Bl. 1 ein in drei Teile gefaltetes Papier- 
folioblatt eingeklebt mit einem Capitelverzeichnis in englischer Sprache von einer 
Hand des xvır. Jh. 19x 13,5, durchweg von einer Hand geschrieben. in cha- 
racteristischen kräftigen Zügen des Jh. Einfache rote Initialen, rote Übersehrif- 
ten und rot durchstrichene grosse Buchstaben. Layen von 10 Bil. (doch zählt 
die 1. nur 9, da zu Anfang ein Blatt verloren ist, ebenso die 4., der das 6. Bl. 
fehlt; die letzte, sechste Lage enthält nur 6 Bil). Moderner Pappendeckel mit 
Lederrücken. Frühere Nr. auf der Vorder-Custode 68 und O.14.8; hier auch 
die Buchmurke des College. 

Statuten des deutschen Ordens. 

18 (Anfang im Prologe) ...... syme presante. Unde do opende eme de he- 
lige geist. dat de de de hogesten stat heuet in der ecelesien. wo lef he sole 
hebben riddere vn wo he se entphan sole. myt deme segene in den scherm der 
ecclesien myt sunderlichen gunsten — 28 Darumbe desen sunderlichen orden. 
de sich gemenliche erbutet to deme nvtte der heligen ecclesien. ane sagen ma- 
nigerleie pauese myt vrolichen ogen. vn hebbet en erluchtet vn bestedeget myt 
manigerhande vriheide vä priuilegen. 

2a (rot) Dit is de regele der brodere van deme dudeschen hus sente ma- 
rien denest lude. | 

Anfang: To deme loue der heren driualdicheit (2) ane vehet hir de re- 
gele der brodere van deme spitale sce marien des dudeschen huses van ihefu- 
salem. vn is in dre del vnderscheden — 198 .... dat he in allen dingen na 
godes heren (!) den vromen vn de nvt bedenke. (rot) Hir nemet de regele ende 
(sie enthält 37 Capitel). 

Hir heuet sich an de gesettede der brodere des dudeschen huses. 

Anfang: An de gesetten tyt so solen de brodere doreh andechticheit to 
der kerchen (!). oder in deme hus. noch in anderen steden dorch licheit willen. 
noch dorch cortewile nicht baruot gan .... 

Schluss 51%: ... dat is och to behaldene dat man an deme vridage so 


40 41 


man van vnser vrowen singet. nicht sal venyen to vespere. bet an den ma- 
nendach to mottene. (rot) Hier heuet de regele ende vü (de gesettede. 

Darunter (rot): Wol deme de dat beste dot 

Deme wert sin ende gherne gut 
und ohne Absatz: Dit is wan de broders solen venyen 
vnde och wan se solen stan. 

Anfang 51: Alle dage so man nicht enhat negen lectien noch octauen 
so salme venyen — 54 vn an der venie sin bit man spreket. Benedicite. so 
sal man vp stan. 

Auf der hinteren Custode noch folgender Fintrag: Anno dnT MmPcccexun. 
Weyr bruder her'ynkhusen setze myt gemeyner wylle d’ gebyteger vnd volbort 
in den grossen Capittel das dese bruder mogen dy ezwene tage tzu vasnacht 
essen vleyschz vi vor dy drey tage solen dy brud® vasten dy mitewoche do- 
ne’stag vor pfhingesten vi dy vigilia kat’eine | vü wart geboten ezu halden in 
grosse Capittel ezu Marienb’g im Suntage noch fräcisc. Och vaste weyr nycht 
dy vigilia d$ dreyger könygynne. 

Ausgabe der Statuten durch E. Hennig, Königsberg 1806, dann nach einer 
Wiener Hs. durch O. Schönhuth, Heilbronn 1847; neuerdings kritisch durch 
Max Perlbach, Die Statuten des deutschen Ordens nach den ältesten Handschrif- 
ten, Ilalle 1890. Die Cambridger, welche sicher zu dieser Klasse zu zühlen 
wire, ist ihm unbekannt geblieben. Ihre Sprache weist auf das westliche Nie- 
derdeutschland, wenn auch einzelne hd. Lautformen (aus der Vorlage?) sieh ein- 
mischen. Da die in L (vgl. Perlbach a. a. O. S. xxvır) fehlenden Capitel in 
der vorliegenden Hs. erhalten sind, kann sie zur Ergänzung des nd. Textes be- 
nulxt werden. Im Anhange teile ich Cap. 22—23 und 28 mit. Im einzelnen 
bleibt noch folgendes zu erwühnen: auch hier schliesst sich Capitel 108 der 
Regel ohne besondere Überschrift an Cup. 10 an (Perlbach xxx1), ebenso die 
Figilien an die Gewohnheiten. Der Schluss der (Gesetze und der Anfang der 
Gewohnheiten fehlt wegen der Lücke in der 4. Lage (s. oben), sodass im Text 
ein Sprung von Cap.43 (Perlbach Bl.8S) der Gesetze (Van der swareren scult 
vn er bote) auf Cap. 2 (Perlbach Bl. 90) der Gewohnheiten (Van der tit der 
welunge des mesteres) stattfindet. 

Zur Geschichte: wann und durch wen das Ms. nach England gekommen, da- 
für mangelt jegliche Spur. Nur so viel lässt sich sagen, dass es zu der reichen 
Handschriften-Colleetion gehörte, welche 1738 durch Royer (ale, den Sohn des 
Sammlers Dr. Thomas Gale, Dean of York, an Trinity College geschenkt wurde. 
Der Inhalt derselben ist verzeichnet in Bernhards Catalog v. J. 1697 ı1, 135 —195, 
obiges Als. scheint dort jedoch nicht erwähnt zu sein. 


Deutsche Hs». in England I. 6 


II. 


CHELTENHAM. 


BIBLIOTHECA PHILLIPPICA. 


In Middlehill und später in Cheltenham speicherte Sir Thomas Philipps 
Bart. (F 6. Februar 1872), ein Bibliophile im eminentesten Sinne, die reichen 
Schätze an Handschriften und gedruckten Büchern (darunter viele Inceunabeln) 
auf, die er sed früher Jugend teils auf dem Continent, teils und hauptsächlich 
auf den grossen Auctionen und aus den antiquarischen Bücherlagern Londons 
erworben hatte. Ihre Masse und die fast unglaubliche Manigfaltigkeit ihres 
Inhalts erwarben seiner Bibliothek den Namen der reichsten Privatbibliothek der 
Welt. Gegenwärtig ist sie Eigentum seiner Tochter, Mrs. Fenwick, Gattin des 
Rev. J. E. A. Fenwick, und steht unter der besondern Obhut ihres Sohnes Mr. 
Füx Roy Fenwick. 

Von den Handschriften dieser Sammlung‘) existiert bis zur Nr. 23837 
ein gedruckter Catalog, den Sir Th. Phillipps selbst angelegt und auf seiner 
kleinen Presse in Middlehill hat drucken lassen (Catalogus librorum manuserip- 
torum in bibliotheca D. Thomae Phillipps, Bart. A. D. 1837 — 67), während 
über den Rest (Nr. 23838—34316) erst nach seinem Tode ein sehr summa- 
risches, nicht gedrucktes Verzeichnis angelegt wurde. Es ist bedauerlich, dass 
weder dieses noch der vorgenannte Catalog müässigen Anforderungen entsprechen. 
Selbst die Hss.-Zahl darf nicht wörtlich genommen werden. Häufig genug ist 
eine und dieselbe Hs. an mehreren Plätzen unter verschiedenen Nrn. eingetragen 
oder auch einzelnen Stücken einer Hs. je eine Nr. zugeteilt worden; freilich 
findet auch das umgekehrte statt, nämlich dass eine Reihe von Bänden nur eine 
Nr. erhalten hat. Ferner darf nicht vergessen werden, dass der Hss.-Bestand 
der Bibliothek seit dem Tode ihres Begründers sich um ein. bedeutendes vermin- 
dert hat. Auf zwei Auctionen at Sotheby’s 1394 und 1895 giengen etwa 300U 
(meist minderwertige) Hss. in andere Hände über, 1887 erwarb die kgl. Biblio- 


) Ebenso von den aus der Bibliothek des Professors L. van Ess stammenden 
Incunabeln. 


41 43 


thek zu Berlin die berühmte Meermann-Sammlung aus dem Collegium Clara- 
monlanum!). 1888/89 und 1891 kaufte die beigische und die holländische 
Regierung eine beträchtliche Zahl von Hss. und Urkunden zurück, die aus nl. 
Klöstern, Archiven ete. stammten und von Sir Th. Phillipps zumeist auf einer 
1815 unternommenen Reise um Spotipreise erworben worden waren?). Endlich 
wurden Documente, die sich auf die Geschichte Elsass-Lothringens beziehen, an 
die Regierung dieses Landes abgetreten. Die Bibliotheken und Namen der Anti- 
quare, von denen Sir Th. Phillipps die grösste Zahl seiner Hss. erwarb, hat 
Paul Meyer, Notices et extraits des manuscrils de la bibliotheque nationale 34 
(1891), 149 f. zusammengestellt. Für unseren Zweck kommt in Betracht: A) die 
Sammlung des Theologen und Professors Leander van Ess in Darmstadt, die 
Sir Th. Phillipps en bloc ankaufte. Davon existiert ein privat (?) gedruckter 
Catalog): Sammlung und Verzeichnis handschriftlicher Bücher aus dem vu. 
IX. X. XI. XII XIIL XIV. etc. Jahrhundert, welche besitzt Leander van Ess, 
Theol. Doctor vorhin Professor und Pfarrer in Marburg, Darmstadt 1823. 
B) Handschriften aus dem Antiquariat Varrentrapp in Frankfurt‘). C) Hand- 
schriften, die einzeln oder in kleineren Gruppen auf Auctionen oder durch An- 
tiquare in England erworben wurden. Wo es möglich war, ist der frühere Be- 
sitzer genannt worden. 


A. SammLuna Van Ess. 


41. 


Phil. 469. Perg. xıv.[xv. Jh. 176 Blätter und Custode um Schluss. 
31x 21,8, durchweg von einer Hand in zwei Spalten zu je 39 Zeilen geschrie- 
ben in schöner, klarer Schrift. Rote und blaue Initialen, einzelne mit Arabes- 
ken; role Überschriften. Lagen von 8 Bil. Original-Holzeinband mit gelbem 
Lederbexug, als Mittelstück ein Medaillon mi Christus am Kreuze. 2 Schliessen 
und je 4 Metallknöpfe. — Ess Nr. 84. 

Ss. Gregors Homilien. 

1b Die tafel uan den ewangelien uä sonmughe sonnedaghen. Op den ier- 


sten of op de andere sonnedach uä den aduente 1 — Van eenre ioncurouwe 
intghemeine XL. 


1) Catalog von Valentin Rose, Bd. 12 der Hss.- Verzeichnisse der kgl. Bibliothek 
zu Berlin. 

2) Vgl. Bibliothöque de l’ecole des chartes 49, 694 ff.; Bijdragen voor vaderl. ge- 
'schiedenis en oudheidkunde, 3. reeks (1889) v, 504 f. Im Catalog der kgl. Biblio- 
thek zu Brüssel (II. Erwerbungen seit 1870) finden sich die Mss. Phillippica als 
Nr. 922—1189 (erworben 1888) und Nr. 1394—1481 (erworben 1891). 

%) Exemplar in Cheltenham, woraus die meinen Nrn. beigegebenen Bezeichnungen 
Ess Nr. 84 etc. entnommen sind. 

*) Im Catalogus die Nrn. 1143—1178 umfassend, 


44 III. CHELTEXNHAM 


22 Dit is dat prologus of die voersprake in sunte gregorius omelie in 
duytsche. Men sal weten dat sunte gregorius ende die andere leraers in hore 


ten 
woerden spreken uan der ghedach- !) dat is van der sielen — 2b En voer 


“lke omelie sal ie dat ewangelie in duitsche setten daer se of spreket. Omelie 
beduet goet aenspreken van der saligher lerIghe. WVoer mijn arbeit bid ic elke@ 
die sijn profijt hier in doen sal dat hi voer mi bidde. 

Beginn 2b: op ten anderen sonnendach uan Jer aduente lucas ewangelium. 
Es folgt in Sp. 2: Sunte gregorius omelie die hi prediete op dit selue ewan- 
geliü in süte peters kerke te romen. Onse here ende onse v°loser die ons be- 
gheert bereit te vindene hi u boetscapt ons wat quade volghen in die werlt die 
olt(!) w’t op dat hi ons uan hoerre mIne bedwinghe. Dieser Wechsel zwischen 
Erangelium und Homilie wird beibehalten bis zum Schlusse. 

176* (Sp. 2): Soe wat in die ghedachte kintschelike uerblijt «at sal be- 
dwinghen die scarpheit der ioechtliker disciplinen. op dat wäneer ghi dese tijt- 
like dinghe uwes dancs vliet. die ewighe bliscape sonder pine uererighen moghet. 
amen. Hier eynden sunte gregorius omelien te duutsche. 

Über einen Druck vom J. 1479 vyl. Caonpbell, Annales Nr. 854 (Erem- 
plar auch im Dritish. Museum). 

Zur (ieschichte: auf 18 von einer Hand des xv. Jh. (1440): In isto vo- 
lumine continet® xr omelie bti Gregorii pape. Et datü fuit nobis [Carthusien- 
sib; domus scte barbare]?) I coloiä p religiosü pre; donü adolphü bruwer 
sfratre nrm | p tpe p’or& do’ sc& margarete I basilea minori. post morts hon! dne 
Nese bruwers matris sue | C’ aiä requiescat I scä pace amen. Anno domini 
Millesimo QuadrigetesIo Quadragesino. 


42. 


Phill. 499. Perg. xıv. Jh. 193 Blätter. 9,2 x 6,5, von mehreren Händen 
geschrieben. Alter gepresster Ledereinband. — Ess Nr. 114. 
Gebetbuch. 
Zum weitaus grösseren Teile lateinisch; Gebete in md. Dialeete eingemischt 
Bl. 36° —37b, 53° — 540; auf DI. 56% der Vierzeiler (rot): 
Dauid vnder den schrane 
dem ist daz heübit hol 
her beginnet sere zanne 
wan man yme twahen sol. 
Wieder deutsches auf 81P und zusammenlängend Bl. 122°—139% (doch 
ist 122b. 123. 130". 1326, 133% die Schrift verlöscht), von jüngerer Hand 


') Hier und sonst Correctur von jüngerer Hand, die öfters auch die lat. Glosse 
über einem nl. Wort hinzufügt. 
?) Der eingeklammerte Passus ausradiert, aber noch lesbar. 


41 — 44 45 


(xv. Jh.) auch auf Bl. 119P—122®». Den Schluss jener Reihe bildet ein pro- 
saischer deutscher Reisesegen: 139% Abdon "I se’ues die zwene grozin h’rI die 
senden dich mir gesA’t vn bit heile vn glucke vn gnade h’wid® am. Sprich dru 
pr. ür. vü den sein. dri w’be vb* dine frunt wä er Iweck verit vi Isprich 
nüme zv ime so cümit er dir gesänt h’ wid. 


43. 

Phill. 500. Pap. xv. Jh. 293 Blätter. 13 x 9, von einer Hand. Rote 
Initialen und Überschriften, einzelne farbige Bilder in rohem Stile. Original- 
Holzdeckel mit Schliesse. — Ess Nr. 115. 

Brevier, in niederrheinischer Sprache. 

1e Dit synt de ımı quatertemper durch dat iair. 

22 —1]2b Kalender. 


15° Getzijde van der ewiger wijsheit, van unser lieuer vrauwen etc. 


44. 

Phill. 528. Perg. xv.Jh. 141 Blätter (handschriftliche Zühlung) mit Vor- 
der- und Hintercustode. 22,5% 15,8, von einer Hand geschrieben, einspaltig zu 
29 Zeilen. Rote Initialen und rot durchstrichene grosse Buchstaben, rote Über- 
schriften. Lagen von 10 BU. (Bl. 141 einzeln), signiert je am Schluss durch 
die Anfangsworte der folgenden. Alter Holzdeckel mit Resten einer Schliesse. — 
Ess Nr. 143. 

Sammlung von Heiligen- Geschichten und Predigten auf Fest- 
und Heiligentage im Jahre. 

Custode: Register (von jüngerer Hand): Van den geburte vns hren Jesu 
Christ 8 — vp den maendach na paisschen 139. 

1® Hee beginnent etzliche historien ind legenden van etzlichen hilgen bin- 
nen dem iaer (handschriftlicher Titel. In dem ersten uä onser leuer vrauwen 
dat si intfangen wart | de legende. Salomon der wyse man sprichet also De 
wysheit hait ir seluer ey huuss getzjmert | ind da hait der engel godes eyn 
bode aff gewest -—— 8° Dat verlene ons onse h°e ih’s ir son. de mitte vader 
ind mit dem hilg@ geiste leeft ind regneert got van ewicheiden in ewicheiden 
Amen. | 

82 Van der geburt ons heren ihu® xpi. De geboirte ons heren ihu xpi 
na deme vleische geschach als etzlichen sagent — 178 Laist ons dan de ouer- 
seen ind desen zovoegen. Mit rechte dan dese dach eyn dach is der yube- 
lacien ind der vroude. 

17® Van sente steffaen dem ersten merteler. Sente steffaen was eyn van 
den seuen dyaken de van den apostelen zo «dem dienste geordeniert waeren — 
25b dar na warp hei in op synre dochter lycham ind si stoynt zohantz op. 
ind vil anderen des gelichs gheschagen glorioislich ouermitz de hilgen ind glo- 
riose merteler sente steffae. 


46 III. CuELTENHAM 


25b Van sente iohan ewägeliste. Johannes de apostel xpi ind ewangelist 
dde van gode gemint was ind vsuercoren — 30» Ind de da mit gertoruen wae- 
ren de verweckde hei van dem dode. do wart d* bischof der afgode gelouuich. 

31® Van den onoeselen kinderen. De onnoesel kindere woirden gedoodet 
van herodes ascolonita — 34* Mer remigius sait dat herodes sich seluer doot 
stach mit dem metze dair hei den appel mit schelde ind dat salome alle de 
geuangene dede dooden als ir broder beual. 

34° Van dem hilgen druytze® dach. Druytzeen dach is feestlich om vier 
sachen ind miracule de op den dach geschaegen — 40% Ind dar na als onse 
here operstäden was van dem dode quam eyn van den apostole in ir lant ind 
worde van eym gedouyft ind worden hulpere synre predicacien in dem ge- 
louue xpi. 

41° Van onser vrouwen lichtmisse of purificie. De reynünge off suue- 
rynge onser vrouwe geschach op den viertzichsten dach na dat onse here ihus 
xpus geborn wart — 48b Ind do men si neit genesen enmochte so benachde 
si in onser vrouwen kirche in der feste van onser vrouwen lichtmisse ind da 
wirt (!) si alle genesen. 

48® Op onser vrouwen dach dat ir ihesus gheboitschaft wart. Dese feest 
heyscht onser vrouwen boitschaft Want op desen dach so boitschafte der engel 
onser vrouwen dat si den son gotz intfangen soulde — 57% do hei (lit gesacht 
hadde voir der duuel enwech. 

572 Van der operstentnisse ons h’en. Paischdach. Cristus op staent an 
dem dirden dage na synre passien — 66* Hei is comen stryden ind enmach 
neit verwonnen werde. zo verloesen ind neit zo blyuen. 

66° Van der hemeluart ons here ihu xpi. Onse leue here ihus xpus 
voir op zo hemel.... Van synre opfart »al mö seuen punten mirken — 
74b Here bereyde dattu bereides want du bereydes ons zo dynre behoiff“ als 
du de stat in ons bereydes ind dich seluer in ons. 

74b Op den pinxdach van der nedersendinge des hilg® geistes. Op de- 
sen hilgen pinxtdach als da ghetzugent de werke der apostelen — S4b Off 
dat me de hät opt houyft leget betzeichent absolueringe vä den sunden in der 
byget. 

84b Op des hilgen sacramentz dach eyn sermoen we men sich dar zo be- 
reyde sal. ind ouch als ment intfangen hait. Esset myne vrunde dryncket ind 
werdet dröcken myne alre leefsten — 96° Wilche gaeu& ind vroude ons alle 
samen wille verlenen der vader. der son ind der hilge geist. Amen. 

96* Op onser leuer vrouwen dach visentacie. Dit is de lexe ind* missen 
de wysheit. Als eyn wynstock haen ich vruchte gemachet — 96® De mich 
hoert de ensal neit geschät werden ind de in mich wirken de ensolen neit 
sundige. Ind de mich vssluchten solen ewich leuen hauen. 

966 Evangelium und Legende auf denselben Tag — 109» Dar na sprach 


44 — 45 47 


hei. Eyn quait duuel mois in synen buch gaen de dich dit leerde. do voir hey 
enwech. ind enquam darachter neit me zo ir. 

1095 Dit is eyn Sermoen van onser leuer vrauwen hemelvart. Multe 
fille congregauerüt deuicias ...... Prou°’bior ultimo. Vil doechtere hau& schatz 
vergadert. mer du hais si alle ouergetreden — 114b Des mois ons günen der 
vader der son ind d* hilge geist. Amen. 

1145 Van onser vrouwen geboerte. Joachim onser vrouwen vader was 
vss galileea van der stat nazareth — 121®2 want si is der sterne des mers de 
alle dwelenden in desem wyden onrastigen meer wysende ind leydende is in 
de rechte haue des ewig& leuens. 

121® De legende op alre hilge dach. Alre hilgen dach wart geordeneert 
om vier sachen — 1270 Op dat men op den dach gemeyne waildaed@ dede 
vur de selen de geyn sonderlynge waildaeden erygen enmogen. 

27b Op alre selen dach. [A]lre selen gedencknisse vyrt men op desen 
dach — 1348 Ind zo hantz hoirde men in der lucht geruchte als gebrisch off 
roiffen der lewen. der beren ind der wolue ind sy voirden in enwech. 

1348 Evangelien auf den Östersonntag und -monlag mit den dazu gehö- 
rigen Homilien S. Gregors. Schluss 141® Her om geuet nu xpo dem pilge- 
rym herberge dat hei uch in dem ordel neit als vremde enkenne. mer uch 
intfange in dat ryche als syne eygen vrunde. 

Zur Geschichte: (auf der Innenseite des Deckels) Dit boich gehoirt in der 

. .(ausgeschnitten) cloister bynnen Coelne. + Lvım (1458). Darunter von einer 
Hand des xvı. Jh.: VWur der bruder refenter. 


45. 

Phill. 538. Perg. xv. Jh. (1491). 126 Blätter. 19,7 x 14,4, von einer 
Hand einspaltig geschrieben zu 24 Zeilen. Blaue und rote Initialen, einzelne 
mit Arabesken, rote Überschriften, rot durchstrichene Buchstaben. Lagen von 
8 Bil. (die letzte von 6). — Ess Nr. 158. 

S. Bernhards (xvı) Sermonen auf den Psalm: Qui habitat in adiu- 
torio, in niellerrheinischer Sprache. 

1® (Überschrift) Didt yss der psalme dar vss 8. Bernart hait ghemaicht 
dysse nae geschrifven (!) sermon&. gheheysschen I den latijin Qui habitat 1 adiu- 
tori. De woent in der hulpen des alre oueresten. de sal woene in der be- 
schirmongen goitz dess hemels ıC.. 

1b Vorrede S. Bernhards: Broeder ich anseyn vvren arbeit neit sonder 
groisser mitlydender begerten -- 3® Nu willen wyr van de psalme den wyr 
gekoeren haynt get mit der hulpen goitzs snegen ynd bedäden. 

3b Sermonen: (Überschrift) Hy begynt dat eyrste sermoen S. Bernardus. 
vp den vurgenoemden psalme, ynde men sal yn lesen in der vasten nae den 
süundach | Inuocauit Dat yss der eyrste sundach in der vasten, 


48 III. CHELTENHAM 


Schluss 126°: O h’e dan saltu dynen kneicht nae dyne worden laessen in 
vreden. alss myne ouge sullen seyn dynen heilgeuer. dynen ihm mynen he’n. 
de boeuen al gebenedijt yss in der ewicheit Amen. 1491 (rot). 

Vgl. oben Nr. 12. 

Zur Geschichte: auf Bl. 126%: Zeer eren goitzs geendet. van broed’ de- 
derich clocker!) reguleyr bennen Aeche vp der hilger firauwen daich Synte Geir- 
trude yn behoeff broeder Engels van lancloer kartuser der eyrwerdyger stat 
Collen. doe sych wanten nae der iofferen draicht mccce vnd xcT iaerr, 


46. . 

Phil. 541. Perg. xv. Jh. (1488). 100 Blätter. 14,8 x 10,2, einspaltig 
von einer Hand geschrieben; Zeienzahl verschieden. JRote Initialen (1% der 
Raum dafür freigelassen, 2* eine verzierte), rote Überschriften und rot durch- 
strichene grosse Buchstaben. Lagen von 8 Dil, doch fehlt der 3. 5. 6. 7. je 
ein Blatt. Bexeichnet sind sie in der Hs., jedoch nicht regelmässig 1) durch 
Setzung der Anfangsworte der nächsten an den Schluss der vorangehenden; 
2) von der 3. ab durch b1. b2.... bs. dil.... ds (für 2 Lagen gebraucht) — 
il... .18; dann wieder mit al.... a8 anhebend — d1l.... d8S: also lieyen 
zwei ursprünglich getrennte, aber von derselben Hand geschriebene Mss. vor. — 
Ess Nr. 156. 

Mystische Tractate, in niederdeutscher Sprache. 

18 (ohne Titel) [H]yr is vlitelike to merke — 1P (Schrift auf dieser Seite 
stark verloschen) Dair vme myne geistlike dochter ind bruyt des (bricht ab). 
Wiederholt auf 2*, wo auch der Titel: Hyr begyt ey boie vä warer geistlicheit. 
Hyr is vlitelike to merke. dat vp ertrike ind yn dusser vrgencliker tijt twe 
scholen synt. Zwiegespräch zwischen Meister und geistlicher Tochter, haupt- 
sächlieh von der Andacht, ihren verschiedenen Arten, Graden etc. handelnd. 

Schluss 56° Auer dat eruce is gar eyn sote lichte boirde ind maket alle 
bitter dynge sote ind alle sware boirden licht. Amen. 

Derselbe Trartat im Pal. germ. 23 Bl. 177-—-193 (Bartsch Nr. 20 8.10 f.). 

56b Eyne leirhaftige epistel. Leue gemyde broder ed? suster in xpo wät 
wi yn desen leuen ellendich ynde vremde synt — 65° ind dan van allen 
drucke ind lyde v’loset myt em ind alle engele ind hilge vns moge yn ewicheit 
v’blide Amen. 

65b Van nutticheit des hilg’ sacmetes. Hyr begyt dey rede van vnses 
he’n lichame des bedorue dey erystene lude wail wäte hei vordert der selen 
leue -- 68 God sal syne sele myt syner gnade vore yn dat schone hemel- 


rike Amen. 


1) Derselbe, der 1495 Ms. Germ. g.1 der Bodleiana geschrieben hat, 3. daselbst; 
er gehörte also wohl zur Categorie der geistlichen Lohnschreiber (Wattenbach, Schrift- 
wesen? 5. 402 f.). i 


45 — 47 49 


69% Eyne schone oppebaryge. Up sent poncianus dach geschaich dat ey 
broder yn eine cloister des auentz sait yn syner eellen — 75° Hyr mede quam 
dey broder to sich selue ind wart also seyr schryende. dat id wüder was. dair 
vm dat hey hyr moiste blyue. God sy gelouet...... yn ewicheide der ewi- 
cheidden. Amen. 

752 Evn suuerlike opebarüge. Eyn sele wart getogen yn gegenworticheit 
vnses leu& heren — 83% Hyr myt quam dey sele weder to yr seluer ind dä- 
ckede vnsen leuen he’n van allet dat sy geseyn ind gehoirt. hadde. Ihs xps sy 
velouet Amen. 

838 (ohne Überschrift) In den soten mynliken nafm| vns leuen he’n ihü 
xPi .... il geschaich vp vnser leuen vrauwe hemelvartdach dat ey arm bro- 
der yn einen cloister sait yn syner cellen — 93% Mer dey gehoechnysse der 
ılynge dey hey gesey hadde weren em alle tyt voir den ougen. God de he- 
melse vader ete. 

93b (ohne Überschrift) In eyn& cloister des predikers ordens yn eyner 
stat anseburch genant was eyn..... prior Johannes genomet — 982 So moihte 
hey viınyds erer moderlike hulpe ind gebede yn der genade vns he’n bewart 
werden. des moit güne ete. 

982 Eyn exempel. Id was eyn groit lesemeister ind begerde van vnsen 
heren gode to weten — 99 Der meister gene heyn ind was vnd’wiset der ne- 
gester wairheit mit der grotester gelatenheit dey men yn der tyt hebben maich. 

Jus den Sprüchen Meister Eekharts, vgl. Pfeiffer, Deutsche Mystiker 2, 
623, 66. 

Zur Geschichte: 68 In «den iaren do men schreif dusent veirhüdert ind 
achte ind achtich vp sent sixtus des hilge pays daich wert dyt bokelin ge- 
schreu& ind geendiget yn dem celoister to Ewich !) reguleirs ordes vä frater 
iohes herte supp’or al dair den geistliken suste'n to Ruden (Westfalen) der 


nyer v'gaderige. — Auf 1° Professor van Ess zu Marbure. 
47. 
Phill. 545. Perg. xv. Jh. 127 Blätter (und 128*—-139* Pay... 12,2x8, 
ron derselben Hand geschrieben -— 127b, der Rest und DI. 119 von eimer jünge- 


ren (1489). Dlaue und rote Initialen, teilweise mut Goldrer:terungs 18b von 
einem Bilde (Gabriels Botschaft an Maria) eingenommen, dessen Farben nun 
rerloschen sind. Alter Ledereinband. — Ess Nr. 160. 
Gebetbuch. 
12—42 Astronomische Tafeln. Ilimmelszeichen und ihr Einfluss auf den 
Menschen. Am Schluss: It& welchs zeeichen gantz roit ist das ist gut. Wichs (!) 


!) Domus 5. Salvatoris zu Ewich bei Attendorn in Westfalen, vgl. Acquoy, Ilet 
klooster te Windesheim 3, 87 f. 
Deutsche Hss. in England I. 7 


50 III. CHELTENHAM 


gantz schwartz ist das ist bose. Aber wilchs roit vnd schwartz ist. das ist 


mittelmeissigk. 

5a-—17b Kalender. 

18°*—127b Verschiedene Prosagebete, Psalmen et. Auf Bi. 119 (nach- 
geheftet) ein Reimgebet an Maria: 

Got gruße dich, maria wyß, 

got hat an dich geleid allen synen fiyß. 
Ich byt dich durch dyne wirdekeid | 
mach mir myne sunde leid | 

die myn arme sele dreyt. 

Ich byt dich durch dynes kindes druwen | 
verlich mir maria waren ruwen. 

Wan myn hertze zubreche 

myn munt nume en spreche 

myn ougen sich vorwenden | 

kome maria zu myme lesten ende. 

Ich bidden dich maria gut 

durch dines lieben kindes blüt 

durch syme (!) heilgen funff' wonden | 

die durch dyn hertze flossen vnd rännen. 
Ich bitten dich dorch sinen heilgen bitterlichen doit: 
helff mir uß aller myner noit. Amen. 

Vgl. Graff, Diutisca 2, 39. 

Darunter: Herre ihu crist du hast mit der bitter martel dyn 

zubrochen die bande der sunde myn: 
den weil ich allecezyt widder streben 
vnd mich dir zu eyme opper geben 
vnd weil an ruffen dynen namen: 
Nu und eweglich amen. 

128* Verzückung S. Johannis. Do vnse liebe frauwe waß zeu hymel 
gefaren Do hatte Sanctus iohänes grosse begerunge daz er vnse liebe frau- 
wen gern hette gesehen — 137 Maria...... beschirme vns vor deme bosen 
geiste vnd entphoch vns an vnserm lesten ende das wir mit dir mussen be- 
sittzen die freude in hymelrich an ende. Amen. Anno domi 1489 in die seue- 
rini epl. 

138*—139*b ein Reimgebet an Maria. 


48. 


Phill. 553. Perg. und Pap. xv. Jh. 203 Blütter und 204*— 213* leer, 
ferner je eine Custode. 33x 21,7, durchweg von einer Hand einspaltig ge- 
schrieben mit verschiedener Zeilenzahl. Rote Initialen und rot durchstrichene 


| 


47 — 50 51 


Buchstaben, rote Überschrift. Lagen von 12 Bil. (durch Anfangsworte und 
Buchstaben bezeichnet). — Ess Nr. 169. 

Titel 1* (rot): Incipit hystoria scolastica. Euseby epI vercellensis (!). 

Anfang 1%: Do got in seiner magenkrafte swebet vnd alle Jdinck in sei- 
ner weyshait het — 2038 (Regierung des Königs Zosias) Darumb schull wir 
alczeit dyemutig sein vnd schullen vns vor aller hoffart hutten...... Daz vns 
daz wider var des helfl' vns der vater vnd der Sun vnd der heylig geist Amen. 
Explicit hystoria scolastica Ewseby Epi vercellensis. | 

Ist eine Historienbibel der Gruppe ı (Th. Merzdorf, Die deutschen Histo- 
rienbibeln des Mittelalters, Stuttgart, Litt. Verein Bd. 100 f.). 


49. 

Phill. 570. Pap. xv./xvı Jh. 121 Blätter (in der Ils. gezählt 1—cxxı) 
und 1*—10*, mit Custode am Schluss; vorn eine Lage von 8 Bil. heraus- 
gerissen (leer?). 32x 21,7, von einer Hand geschrieben, einspaltig mit verschie- 
dener Zeilenzahl. Rote Initialen, rote Überschriften und rot durchstrichene 
Anfangsbuchstaben. Lagen von 12 Bil. (die 1. hat nur 10, die 2. und die letzte 
besitzen eine Vorder-Custodr). Alter gepresster Holzeinband mit zwei Schliessen. -- 
Ess Ar. 186. 

Theologische Tracltate in Prosa. 

Die einzelnen Stücke ergeben sich nach dem Register: 1* Hye hebt an eyn 
Register diß nachuolgenden Buchleyns das da ist vnderwisen mancherley stuck 
der Biecht (Bl. 1°-——-12b) vnd züm ersten von den zehend gebotten ...... 
(12b—842) darnach von den dryen geistlichen tugenden (84°—872) darnach 
von den viern furnemiglichen sitlichen tugenden (S7*—89b) darnach von den 
sieben gaben des heiligen geists (895—90b) darnach von den acht seligkeiten 
(90) darnach von den Werken der heiligen Barmhertzigkeit Item von den geist- 
lichen werken der heiligen barmhertzigkeit (91°— 93) von (den zwolff fruchten 
vnd wollust des geyster (93°) Item von den heiligen Sacramenten (93° — 95°) 
Item darnach volgt ein vberschribung von sunden .... (95°—98b) Darnach 
volgt von den Sieben hewptsunden ..... (98P—110P) Item von dantzen 
(110°— 1112) Tornyerenn vnd anderen sunden (111°— 113°) Darnach von denn 
newn frembden sünden Item von sunden widder den heiligen geist (113°—115*) 
Darnach von vill andern sunden (115°— 121). Darin letztes Capitel: Von Rich- 
tern vnd von eynem yeglichenü der oberkeit hatt Recht zu sprechenn. 

Ganz ühnlichen Inhalts scheint Pal. germ. 36 (Bartsch Nr. 28 8. 13) zu 
sein. Vgl. Geffken, Der Bilderkatechismus des xv. Jahrhunderts, Leipxig 1855, 
Beilagen Sp. 19—20. 

50. 


Phil. 575. Pap. xv. Jh. (1435). 157 Blätter und je eine (Custode. 
28,4 x 21, durchweg von einer Hand geschrieben mit verschiedener Zeulenzahl. 


n2 III Cher.TENHAM 


Rote Initiulen (einzelne in irisierenden Farben und mit Zieraten), rote Über- 
schriften und rot durchstrichene Anfangsbuchstaben. Lagen von verschiedenem 
Umfange (die 1. bis 9. zu 12, die 10. zu 4 Bll., dann 2 zu 12, 1 u 9, die 
letzte zu 10 Bll.; handschriftliche Bezeichnung: primus. qu’tus ........ — de- 
eimus; dann primus — tertius =" elucidari; die letzte unbezeichnet). — Ess 
Nr. 191. | 

1. Cantiea Cantieorum, lateinisch-deutsch. 

1° Assit in pn”. scä m. meo. Ineipiunt Cantiea Canticorunı expolco (!) 
eorde in theutonieu et posten in nouü testametü tnsductü et ultio met’ce «po- 
sitü 23€. Sequitur modo p’mü capln. 

Anfany: Oseuletur me osculo oris sul. Theu*" (rot): Kusse er mich mit 
dem kuss sins müdes Eccia (rot): Dickge hieß er mir sme kunft durch die 
wissagen Nu kom er selb vnd kusß mich mit «der süsse sines Ewangelii — 
Schluss 52°: Fuge dilee mi ....... sup montes aromatü. Theto®: Fluch vo mir 
wune mi wiß gelich der rehgeisse vnte dem hintkalbe in den berge der starck 
wurtze. Eccla ad xpm. Du gebutest mir o sponß das ich din ewan’o kunde 
allen den ich muge ete. 

Darunter (rot): Explieiunt Cantica Canticorum seripta et finita ipa die 
Marei et Marcelliani hoc est 14 Kalendas Julij anno dni 1435. Regnäte Sigis- 
müdo Romoör impatore et vngarie Croatie dalmacie etc. A (? Monogramm) tem- 
pore vicarius ppetuus in sultzmatt (Bl. 97® sultzmatt in Elsatia ppe opid Ru- 
biacen.). 

V’yl. (Graf, Diutisca 3, 187, wo auf eine Wiener Handschrift desselben 
Inhalts hingewiesen wird; eine nd. in der Arnswaldtschen. Sammlung, vgl. Ib. 
des Vereins fı nd. Sprachforschung 10, 13; nl. im Codex Theol. 160 der Göl- 
tinger Biblothek, ryl. Verzeichnis der Ilss. im preussischen Staate 2, Göt- 
lingen 2,390, und in Cochran's Catalogue of mss., London 1826, S. 23 Nr. 


u 


1.2. 

2. Lateinische Tractate. 

a) 52° Tractatus de supsticolbus mgri Nicolai gauwer sac’ theologie eximis (!) 
pfersoris — 86%  D) Eplä samuel ad Rabi Salonions p frem Alfonsum ordis 
pdieator de hyspania tnslata de Arabico in latinü — 97b (Hain Nr. 14260 f)). 
ec) Pharetra fidlei Catho"® contra errores dalmuth et contra hereticas eorumg; 
prauitates — 113® (Main Nr.12910 ff). d) Elueidarius — 138®. e) Speculum 
sacdotunn — 146° (Main Nr. 14930) f) Liber de regimine Sanitatis mgri 
cinradi — 157%, 

Zur Geschichte: der Codex ist in Sulzmalt und zum Teil (d—f) in op- 
pido Rubiacen.!) geschrieben worden. Auf der Innenseite des Vorderdeekels ist 
eine Buchplatte aufgeklebt mit dem Namen: J. GC. Gerning. 


!) Dem conventui Rubiacensi gehörte Codex Pal. lat. 1790 (Bartsch Nr. 399). 


50 —52 53 


51. 

Phill. 577.. Pap. xv. Jh. (1456). 230 Blütter (handschriftliche Zählung) 
und 1*—10* mit je einer Custode. 30 x 20,8, xweispaltig von einer Hand ge- 
schrieben, die Spalte su 27—29 Zeilen. Rote luitialen und Überschriften, rot 
durchstrichene Buchstaben. Lagen von 12 DU. (doch die 1. zu 10, die letzte 
xu 14). Alter roter Holzdeckel. — Ess Nr. 193. 

Bruder Bertholds des Dominicaners Bearbeitung der Summa deere- 
talium des Johannes v. Freiburg. 

1* Hie hebet an diß büches register nach dem a. b. ce un wiset wo man 
iglichs capittel vinden sol noch der zale der bletter. Von der vorredde dißes 
buches ı — 10*b zweydracht ist widder die liebe ccxxx. 

1° Forrede: Unusquisq; sicut accepit gräm in alterutrum; illä misträ® 1. 
p. mr. Sanctus petrus aplus sprichet in siner ersten Episteln. 

Anfang des Textes 1%: Wo von eyn Babst gemeylichen den mesch& moge ablose. 

Schluss 230b: vnd an der zweydracht ist etwan zwene oder me noch dem 
als eyner alley ist widder daz daz gut vnd recht ist oder sie alle. Her Tho- 
mas. Et sie est finis Deo gratias. Anno dni MccccLvi t‘tia feria post cor- 
poris xpi. 

Über andere Hss. vgl. Bartsch Nr. 22. 25 ete. 

Zur Geschichte: laut jüngerem Eintrag auf 1* gehörte die Hs. ad biblio- 
thecam monasterii S. Jacobi ordinis S. Benedicti prope Moguntiam. 


52. 
Phill. 554. Pap. Spüätes xv. Jh. 42 Blätter und hintere Custode. 31x 22,3, 


von zwei Händen (1—13® und 136—42») geschrieben, Zeilenzahl verschieden. 
Teote Initialen (ron 16* ab) und rote Eigennamen (auf AP— 140 sind dieselben 
nur in blasser Tinte auf frei gelassenem Raume von jüngerer Hand nachgetra- 
gen). Nur eine Lage. Wasserzeichen: Stierkopf mit Stern. — Ess Nr. 200. 

Sammlung von Sprüchen der Tüten. 

1% Ir sullen an schen die ordenüg des obirsten gotes das got mer libet 
die bekerunge der sunder denne die stetikeit der gerechten — 41° wer seine 
geezeit spricht vor der cezeit der ist als eyn vnezeitig® appel | vnd wer sein 
geczeit sprecht czu rechter ezeit der ist als ein ezeitig‘ appel | vnd wer sein 
ezeit sprecht noch der ezeit | der ist als ey fawler appel. 

Heiligenleben. 

y1® Hir noch volget das lebin sente Pauel als her bekart wart. Man 
vregif wor® (= worumme) mä desin heilige tag bege — 422 (das wir mit sente 
Paub, re schawe musse gold das helfe uns dy heilige dreyfaldikeit. amen. 

j 42° Hir noch so volget «das lebin von sente marien magdalenen. Von 
dirrg vrawin haben etliche eine wonüge das se eine iücfrawe were — 42 vnd 
das wir mit ir selig werde | des gebe uns got alle. amen., 


\ 


54 III. CHELTENHAM 


42b Hir noch folget von sente lorentz. [DJirre heilige was von yspanien 
— bricht ab nach 7 Zeilen mit den Worten: do quam Decius mit grosin erin 
czu Rome. 

53. 

Phill. 602. Pap. xv. Jh. 72 Dlätter und hintere Custode. 29,3x 21,4, 
durchaus von einer Hand zweispaltig zu 37—38 Zeilen schön geschrieben. Rote 
zum Teil verzierte Initialen, rot durchstrichene grosse Buchstaben, rote Über- 
schriften. Lagen zu 12 Bil. (bezeichnet durch 1....... — vı und ausserdem 
durch Anfangsworte). Alter Ledereinband mit Metallknöpfen und Lederschliessen. 
— Ess Ar. 218. 

Eusebius Brief an Damasus und des Augustinus an Cyrillus über 
Hieronymus, verdeutscht von Bischof Johann von Olmütz. 

12 PVorrede und Widmung: Der durchleuchtigen furstinnen vh frawen fra- 
wen Elizabeth Margrafynnen ez& merhern Meiner gnedigen sunderlichen frawen 
Embite ich Joh’es vö gotes gnaden bisschofl’ ezu Olomunez .... Mein demutiges 
gebete — wann ich so gelerter nicht bin daz ich wirdig sey sulche grosse «dink 
czü sinnen vn czü tichten. 

Anfang 1° (Sp.2): Das ist der erste brief de sant Eusebius damasum dem 
bischoffe byeschreibet Sant J’onim’ leben seine achpere lere die er gesaget hat 
seinen brudern in den letzte czeiten seines todes. 118 Capitel — 328, 

32° (Sp. 2): Das ist des bischoues von Olomiez vorrede. Gewonlich ist 
Rittern vnd knechten vnd auch kawflewten vber meer ezü faren — Sey das 
sache das dA die nach geschribne Epistel mit fleizze lesen vnd auch vornemen 
wollest. Darunter: Hie hebt sich an Rubrica. 

32b Dv hebt sich an Sant Augustinus Epistel des meistslichen gzzen leres (!) 
die er von wierdikeit sant J’onim’ geschribe hat ezäü sant Cyrillus dem bi- 
schoue ezü Jerlm. 114 Capitel — 728, 

72b Hye endet Bischoff v6 olomunez dz büch. Gleicherweis als der er- 
wirdige Bischoff sant Cyrillus ..... von sant augustinus..... nicht anders be- 
gert hat nur das er sein in seinem beiligen gebete gedenke wolte — das ich 
mitsäpt euch .... von gotes angesichte ..... nyimer gescheyden werden. 

Vol. J. Feifalik in den Schriften der hist.-stat. Sertion der k. k. mährisch- 
schlesischen (Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaus etc. 9, 193 f., ferner 
4A. f. d. A. 3, 113. Ausgabe durch 4A. Benediect 1830 (Bibliothek wer mhd. 
Litteratur in Böhmen ın): er erwähnt die Cheltenhamer Hs. nicht. Uber die 
litterargeschichtliche Bedeutung Johanns s. namentlich K. Burdach, Vom Mittel- 
alter zur Reformation, Halle 1893. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Deckels, die auch ein Inhalisver- 
zeichnis von nicht viel jüngerer Hand enthält, war der Name des Besitzers der 
Hs. angegeben, er ist aber jetzt ausgeschnitten. 


52 — 55 


ot 
eb | 


94. 


Phill. 603. Pap. xv.Jh. 170 Blätter (handschriftliche Zählung). 28,8 x 21, 
zweispaltig geschrieben mit verschiedener Zeilenzahl. Rote Initialen und Über- 
schriften, rote Anfangsbuchstaben. Lagen ursprünglich von 12 Bll., nun zum 
Teil unvollständig. Alter Hol:deckel mit schweinledernem Rücken. Zum Ein- 
bande sind Stücke einer frx. Urkunde des xv. Jh. verwendet. — Ess Nr. 219. 

Jacobs von Köünigshofen Chronik. 

1° (rot) Diz ist die vorrede in dieser Chroniken. Man vindet geschribe 
in latine vil Chroniken — 1’ vü die rote zale der Jare dar vor ist eine zale 
der bletter do von der selb@ materien me geschribe. 

1b Hie het die vorrede ein ende vn vohet die Cronike an. Got in ewi- 
keit nach sinre grocze miltikeit ete. 

Schluss 170 Friderich von blankenheim wart von dem bobeste bischoff 
zu straczburg gemacht vnd las sine briefe v’ber das bistüm an sant Mauricien 
tage noch gotz geburte MCcCLXXV jor. .... doch schetzete er sine pfaffen vnd 
sine armen lute vaste vnverdrossen zü allir zit. ein gut se .. (undeutlich) geb 
vns got bitten got vor disen schriber nit me beger ich von uch vnverdrossen. 

Es folgen noch (von jüngerer Hand) historische Notizen zu den Jahren 
1450 (Gefangennahme des Grafen von Sawerden, Einnahme des Schlosses Schö- 
wenburg) und 1455 (fragmentarisch). 

Vgl. zur Chronik: Die Chroniken der deutschen Städte, Strassburg 1, 221 ff. 
Für die Fortsetzungen: Mones Quellensammlung 1, 259—65. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Deckels folgende Einträge: a) Der 
Autohr dißer Chronick ist Jacob v. Königshoffen, ‚ein Priester zu Strassburg fol. 1. 
b) Im Archiv der Statt Strassburg ist auch ein exemplar von dißer, des Kö- 
nigshofen, Chronick, welches aber an vielen orthen so wol in worthen alß in 
Rubricis mit dißem nicht gleich lauthet vn etwan mehrere vmbständ hatt etwan 
auch weniger worht hatt al dißes. c) Dieses Chronicon ist auff mich Joh. 
Ulrich Friden, erblich komen von Dr. Ulrich Geiger, dem Me«dlico, meinem Gros- 
vatter sel. sigl. 24. Febr. 1624. 


; 55. 

Phil. 609. Pap. (auffallend stark und schön). xv.Jh. (1469). 235 Blätter. 
40,5 x28, zweispaltig von einer Hand zu 43 Zeilen geschrieben. Rote Initialen 
und Überschriften, rot durchstriehene oder umxogene grosse Buchstaben. Lagen 
von verschiedenem Umpfange. Feiner gepresster Lederband mit apokryphen Tie- 
ren und Arabesken ; verzierte Metallbeschläge mit Knöpfen (vorn 4, rückwärts 5). 
Wasserzeichen: Rosette. — Iss Nr. 225. 

Übersetzung des alten Testamentes. 

‘orreden: 1° Hie ist eyn vorrede des anefanges des buchis Biblie. Do 
gote yn syner mayestat swebit — ys stet yr syn vnd mut alezyt uf obil vnd 


56 III. CHhELTENHAM 

boß dyng. 1b Eyn andir vorrede. Dy guten engeln synt yn gut gesterckt 
das sy nicht gefallen mogen — 1b (S5p.2) dly engel bryng& also vyl menschen 
czu hymel als vyl engel yn dem hymel blyben vnd nicht gefallen synt. 

2b Genesis — 47%; Schreibervers: 

Hye hat das buch Genes ey ende 

Got die von Brandenstey gen hymel sende. 
47% Törodus; 71® Levitieus; Schreiberrvers: 

Das buch Leuitica hat ey ende 

vn hebit an Numeri got vns gelück sende. 
94% Numeri; 121b Deuteronomium; 126 Josue: 

Hye endit sich Josue vn syn tot 

vü hebit an Judicü got helf vns vs not. 
1342 Judieum: Hye hat eyn ende das buch Judieum 

vn hebit an Ruth Got cezu vns kum. 
145° Ruth; 147° 4 Bücher Reyun: 

Hye endin sich dy buch’ regü vyre 

vn hebit sich an das buch esdre. 
1338 Isdre; 186% Thobie; 192 Judith: 

Judith ist hye vfgangen 

vn hebit an hester mit belange. 

197b Hester; 204b Job; 2100 Daniel; 2222 Samuel (?). 

Schluss 235% mil Gebet und Danksagung des Sehreibers: Herre got eyn 
herscher obir alle werlt das du mich Jerisen mit gedult gesuntlichen dorch dyn 
gottliche kraft enthaldin hast dyß werch ezu volbryngen dorüme yn dyner ewig- 
keyt sy dir lob er vnd danck ymer vnd ewigklich geseyt. Amen. 

Zur Geschichte: über Schreiber, Zeit und Ort belehrt 2° Als man cezalt 
von christi gebort vyrezehen hundert tar vnd yn dem achtvndsechsezigisten iare 
an «dem mittebochen des ersten tagis des brachmondes Junij ezu latin | Mit 
willen vnd durch geheysses wegen des Gestrengin vnd ernfesten h’ren Heyn- 
richs von brandensteyn | czu Ramis rytter Amptman ezu wyssenfels vnd fry- 
burg | wart dyße Byblie got dem almehtigen ezu lob und er..... angehaben 
czu schryben | uf dem schloss fryburg | von Jorigen vnuorloschn schiyber | 
dden got genedigklich well enthaldin | dyBs gottlich werch ezu volbrengen (s. 
oben) | vnd all dy dar ynn lesen mit ym frolich gen hymel brengen. Amen. 
Ferner 235% Im xımı hundirt vnd LxTXx jar an sante pauls ersten eynsedils 
tag wart dy biblie uf dem schloss koburg ezu ende volbracht. von Jorigen 
schryber. 4uf der Innenseite des Deckels finden sieh dann auch die Namens- 
züge verschiedener Mitglieder dieses adeligen Ilauses, xuletst (1627) der eines 
H. V. Brandenstein. 

Die Übersetzung scheint sieh der Gruppe ı der Ilistorienbibeln anzu- 


schliessen. 


® 


55 — 56 57 


56. 

Phill. 624. Pap. xv. Jh. (1456). 104 Blätter nebst zwei vorderen Cu- 
stoden. 27,5x 20,5, von einer Hand, zweispaltig zu 26—27 Zeilen. Rote, blaue 
und blau-rote Initialen, teilweise verziert, wieder andere nur mit der Feder ge- 
zogen, role Überschriften und rot durchstriehene grosse Buchstaben. Lagen zu 
12 Bil., nur die letzte zw 8. In einer taschenartigen Hülle aus Schweinsleder, 
(die mittels einer Spange verschliessbar ist. — Ess Nr. 240). 

Von den vier letzten Dingen. 

Vorrede: 1% Memorare nouissima tua et in eternum non peceabis ete. Dit 
leirt vns der wyse man Int beduyt vns In vnseme- duytzschen — 6b dat dar 
enwech loufft Int nyet weder en kompt. 


6d De memoria mortis va gedechtnis des dodes — 9b, 

9% Dat ander van deme lesten vrdele — 278. 

27% Dat dirde van der helschen pijne -— 373. 

37% Dat vierde van der ewiger glorie — Schluss 46b weirlichen Dat is 


‚eyn volek sunder rait Ind sunder wysheit Och off sy smachden Ind verstoin- 
den Ind die lesten dyngen versagen Amen. amen. amen. Expliciunt Quatuor 
nouissimorum anno «nI 1456 sexto mensis augustus (!) die ulti”. | 
Ygl. Hain Nr. 5691 f.; nd. im Cod. Theol. 204 der Göttinger Bibliothek, 
s. Verzeichnis der IIss. im preussischen Staate 2, (Göttingen 2, 427. 
478 (rot) Est nostre sortis | transire per hostia mortis | Est graue transire 


quia transitus absq; redire. | In mundo vili I spem tu tibi ponere noli | Nam 
ubi de multis | hee erit una domus 2c. Darunter Zeichnung eines Sarges und 
anschliessend die deutsche Übersetzung dieser sowie zweier weiterer Strophen. 
Anfang: Uns is altzo mail eyn los geuallen 
Tzo gain durch de portze des doitz mit allen -— 
Des machstu dich wail vermessen 
Dat dyn reyni wirt vergessen. 
47® Dyt synt mirckliche leren de Aristoteles sande dem konynck Alle- 
xander. Heell heymeliche dinge 
Des sy nyet enwyssen. Bl. 48 leer. 


want die wyue ind die kinder verswygen 


49* Hyr volget Isidorus na van vele ind manniche worde up eynen syn 
dragende ind fleissende. 36 Capitel; Schluss 56° Hyr endent die wort Isidori 
mer sy syn wenich gehoirt vmb boisheit der valschen kirstenheit die nv is ıc. 

56° Up eynre anderre stat van der gewaire oitmodichgeit. Eyn gewair 
oitmodich mynsche verblijdt als hie versmait wirt — 56# (Sp. 2) Ind wir soelen 
yn louen. 

56P Rede Christi am Kreuze in Reimen. Vorher 8 Zeilen: 

Want man (dieser geyn envyndt 
Die dyt mit gantzen hertzen myndt 
So is die werelt also sere verblyndt 
Deutsche Hass. in England TI. > 


III. CHELTENHAM 


Dat all mynschen den anderen schyndt 
Dair hie kan ind dair hie mach 
Nummer in zo doin blyden dach 
Mer mit boisheit all gelach 
Voll geit als ich mit ougen sach. 
Darunter rohe Zeichnung: Christus am Kreuze hüngend. 
Anfang: Ir lieue kinder algeıneyne 
Seit an mich | beyde grois ind cleyne -— 
57b Herzelieue mynsche kere noch weder zo myr 
Myne barmhertzicheit | sal vmmer gekert syn zo dir. 


58° Dit is die taiffel des kirsten gelouuen In duitzsche — Schluss 59% 
.. So mois dyn bitter mannichueldige Iyden Ind dyn vnschuldich bitter 
. vur alle myne sunden stain Amen. 


596 (Sp. 2) Strophisches!) Gedicht auf die Ritterschaft Christi. 
Van xpristo Jhesu. 

Nu syngen ich gerne van Ritterschaft kunde ich idt volbrengen | wie dat 
die werde Ritter goit | umb ere gestreden hant. 

'Sent Jorge mit Ritterlicher macht | kunde wail n®eren (!) ryngen durch Crist 
verguys der here syn bloit Der selue Ritter goit | 

Got was ir voerer vnd der voigh die halp yn up die ban Den stryt hoiff 
hie in an. 

Alleyn voirt hie den seluen stryt wail vierdehalff Jair ind dryssich Do hie 
sich in die mynscheit bargh | god vader ind hilger crist. 

Eyn purpel wart eme an geleyt zo den seluen zyden Do der konynck 
des fursten kint Vur den sunder woulde stryden | Die martel ind 
ouch die bitter pyn | die hie da vur vns leyt vnd do hie an deme 
Cruce hienck Ind vur den sunder streyt. 

Dat cleynot up deme houffde syn vnd dat der furste voirt | was eyn Crone 
scharpe dornen | Die eme in syn hyrnne durch reirt Dat eme syn 
gotlicher bart van blode wart nas. Sunder bis da mit nyet zo hart 
In dyn hertze schryff dat. 

Ach sunder ind du sunderyn | nu danck dem Ritter werde der so Ritter- 
lich gestreden hait | vur dich vp dieser erden, 

Wat alle Propheten hant geseit dat hait hie volbracht Do hie sich in die 
mynscheit bargh vader son ind hilger geist. Amen. 

608 (Sp. 2) Gereimte Sprüche mit vorangehendem lat. Text. 

Deutsch: a) Mynsche warumb bis du verblijt 


!) Das Gedicht ist stark verderbt; doch scheinen die Strophen ursprünglich vier- 


zeilig gewesen zu sein. Ich habe deshalb geyen die Hs. im 5. und 6. Absatz Mitte 
grossen Anfangsbuchstaben eingeführt. 


56 | 59 


Du en weis dijns leuens geyne zijt 
Idt en is geyn gelucke so groit 
606 Dat verdryssen mach den doit. 
b) Van weym ich dat beste hore sagen 
Des wapen wolde ich gerne dragen (Freidank 74, 17). 
c) Woulden wir vns hoiden vur den sunden 
Der duuel vns nyet geschaden en kunde. 

612 Messiasbuch. Dit boich begynt hey de Joeden zo ouerwynnen in 
yrme vngelouuen den sy hant van Messyas .... Zwei Vorreden a) Brief des 
broder Alfoncius an broder hugo meister der Prediger orden; b) Brief des meister 
Samuel an meister ysaac, aus dem Latein ins Deutsche übersetzt von eyme 
lesemeister der Mynrebroder ordens vnder «den Jaeren vns heren so man schreyff 
Duysent vierhondert ind eyn ind zwentzich Jair. 

6282 folgt das Buch selbst in 26 Capiteln. Anfang: Van deme swaren 
gevencknisse da die Joeden nu yn synt dat man noempt ezorn gotz — 103» 
(Cap. 26 dat slos alle dieser vurgesprochenre worden) synt sich die leren der 
kirsten alsus vergaderent mit deme Ewen der Propheten ind mit dem heyden- 
sche boiche. 

Nachrede 103b: We lange dit boich verborgen is geweist van den Joeden — 
Ind dit boich wart do verwandelt vä Arabytz in Latyn in deme Jair vnB her’en 
1339 ind vort verwandelt is worden van latyn in duysch do man schreiff 1421. 

Vgl. Wackernagel, Litteraturgesch. 1°, 423; Hain N\r. 14260 ff. 14272 f.; 
Panzer, Annalen 1, 82. 95. 233. Vgl. auch Pal. germ. 5 und 60. 

1046 Schreiberverse: Qui rapit hune librunı 

Demon frangit sibi collum 
Explicit hie totum 
De vino da michi potum :e. 

Ebenda von jüngerer Hand (xvı. Jh.) eine lat. Ostersequen:, Psalm und 
ein deutsches Gedicht auf Jesus: 

1. We bistu Jhesu fruntgyn tzart 
In diesem ellend myr so hart. 

Du wolt mich hie also straiffen, 
Dat ich manchi mail wail reif wafen. 
Durch die pyne die ich miois Ilyden 
Gyff myr hie die sund zo myden. 

2. Myn hertz nym Jhesu frütgy myn, 
Dat ich doch gantz moech wese dy. 
Neit leiffs enınach dyn bruyt vntfaen, 
Och wulds du ir des neit versaen! 

Sy wirt dar durch gar luter reyn, 
Des nert enkvicht (!) die gantz gemeyn. 


Er at a RE 


nn nn 


60 1m. CHELTENHAM 


57. 
Phill. 626. Pap. xv. Jh. (1474). 112 Blätter und nach 104 sieben, nach 
112 vierundvierzig leere, sowie vordere und hintere Perg.-Custode. 29,5 x 21; 
feine, doch schwer leserliche land, einspaltig, verschiedene Zeienzahl. Rote 


‚und blaue Initialen, rot durchstriehene grosse Buchstaben. Lagen von 10 DT. 


(die 2. mit Vorder-Custode), in der Is. bezeichnet; aber nur al, e2....es, fl, 
f2....f5, hi, 13 sind erhalten geblieben. Wasserzeichen: Stierkopf mi Sterr 
(= Phill. 584). Original-Lederband; auf der Vorderseite ein Metallrahmen mit 
eingelegtem Pergamentstreifen, worauf der Inhalt der Hs. angegeben ist. — 
Ess Nr. 212. 

Heinrichs v. Osnabrück Übersetzung von Werken des hl. Ambrosius. 

Vorrede des Autors: 1* Allen junfferen ind weduen cristi ind södirligen 
den junfferen de da c!sto gehilget synt in geistlichen ind besloessene cloiste'n 
..... Ich broder henrich .... hayn zo dudysche gesatz vyss dem edelen swaren 
latysche worden sent. Ambrosii zem yersten drie bochere de sent ambrosius hatt 
gedychtet ind gescreue vä der jüfferschaff darnae eyn boych des selues set Amı- 
brosis dat he hayt gescreue van der pfessie der cloysterjuferen .... zom lesten 
tzwey bochere de s@t Ambrosi» hait gescreuen van dem state der weduysheit 
..... ouch wät ich gef colner byn gebore mer vä osebrugge so enköde ich neit 
entlich&e de colsche sprache scryue darüme wät alle de sproiche s&t Ambross 
syt we hanich dat de hemelsch& byen hayt vergadert de ouch vff em wurden 
gesey as he noch in der wegen lach | so achtet neit dat myn sprache is we 
ey byen korff vä stroe gemachet | mer tastet geloifflichen in des@ korff Ind ir 
sullet söoder der byen stechen haniches baue mayss vyl | ind baue maysse suesse 
ind schoen vynden ...... jnd wat doegden ätrefft dat loset als rosen in ywe 
korff nıyt set Dorotheen. 

1b Vorrede i de boche va der jüffernschaft. 

38 erstes, 11" zweites, 196 drittes Buch. 

512 Hyr begynet dat vierde boich van der professie der jüferen jnd yres 
gelouen bestedonge. 

69° Hyr begynet dat eyrst boych van dem stathe der widue. 

S6b zweites Buch. 

104» Hyr endet dat ander vn dat leste boych sent Ambrosii mediolanes. 
epi vä der weduescheit Anno dnI MecccLXxXTm m festo sCOF UNIVersor .... 
dor her Heinricü van ossenbrug vicariü van dit closter. Darauf 7 leere Blätter. 

105° Sprüche Salomos. 

|E]yn wyse man as he wil horen he weirt wyser — Schluss 112b mit 
Spruch XXV..... ind de kümer groiss we ey gewapet man. Dyt synt de 
sproiche salomonis de de meyste’ oeüsetzden (!) dem konige Ezechias. 

Zur, Geschiehte: auf der Innenseite des Hinterderkels von junger Hand: 
Inn der broder Reventer (wohl in Köln, vyl. Nr. 528). 


57 — 59 61 


58. 

Phill. 638. Pap. xv. Jh. (1462). 262 Blätter und hintere Custode. 22x 15,8. 
Rote Initialen und rot durchstrichene grosse Buchstaben, rote Überschriften. 
Lagen von 10 und 12 DU. (nach Bl. 12 scheint eine ganze Lage bis auf ein 
Blatt zu fehlen). Gepresster Lederband mit Schliessen. — Ess Nr. 254. 

JTeiligenlegenden. 

Beginn van Eucharii valerii vnd materne, schliesst mit van sente lyborius. 
Die Legenden Van sant herbricht bischoff tzo Collen (24°) und Van sent pan- 
thalion als men si zo Collen heldit (45®) weisen auf Entstehung der Is. in Köln. 

Bl. 261: Biddet om gotz willen vär die onnütze schriuerse eyn aue ma- 
ria 2c. in dem jair MCCccLXIT op sante Jacobs auent. 


59. 

Phill. 643. Pap. xv. Jh. 231 Blätter und 3 leere nach 79 sowie 2 Vor- 
der- und 1 Hintercustode. 22,2 x 14,4, zweispaltig zu 30—31 Zeilen geschrie- 
ben. Rote und blaue Initialen, rote Überschriften, rot durchstrichene grosse 
Buchstaben. Gepresster Original- Lederband. Zwei IIss. sind vereinigt. — 
Ess Nr. 259. | 

ı. Bl. 18°—790 (Lagen von verschiedenem Umfange).. Predigten des hl. 
Bernhard auf die Advent- und ÖOsterzeit ete.; Auslegung der Messe, Ende mit 
dem Sermon von der Jonfferschaft. 

tr. Bl. 802-—231 (Lagen von 10 Bü. und ein Doppelblatt; von der ur- 
sprünglichen Lagenbezeichnung sind noch Reste erhalten: a3, b1—b4, f2, f5, p3). 

Predigtsammlung. 

802 Up sent andreas dach. Sent bernart schrift in eyme sermone -— 
81 so begert alezijt die .... hulpe des alre soist@ ind alre genochlichsten gei- 
stes. amen. 

82b Sent bernart in eyne sermon vä d’ aduet. Hude vyren wir dat begyn 
vä der aduente -— 84° de durch sy I vnse vnselicheit gecome is. 

84b Eyn sermon vä «d’ aduet. Hyr vmb myn alre liefsten moiget ir myr- 
ken — 85° vnd ir soilt seyn die hulpe gotz vp uch. 

85* Vah sent nycolaes bischoff. Optaui et dat’ est ..... Der wise man 
spricht in dem boche der wysheit — 86% wie vyl hei hait die doch neit en,hait. 

S6? We got intfange wirt I d’ sel. Nu moisse wir bewyse — 872 Dat 
wir dan alsus moissen leuen :c. des güne vns ıc. 

878 Dit is de rechte maneir vä uartgange eys geistlich& mysch& ey eick- 
lich mach pu& I wat grade hei up geelomen sy want na desem wege mähma (!) 
wairlyche uorit gay vä d® eyre doicht tzer äder. Des äd’en südages I d’ aduöte. 
Erunt signa in sole et luna ıc. Do unse here vp ertriche wandelte —- 91” also 
de pphete spricht In dem hemelesche lande is die vreude also grois dat dar 
dusent iair synt als der dach die v’gägen is, 


62 III. CHELTENHAM 


S. Haupt, Altd. Bil. 2, 173 Ar. 3. Waekernagel, Altd. Predigten 8. 92. 

91 Eyn and? sermoyn vis d& seluen ewangelio. Seitote quia ppe est 
regnü dei. vnse here spricht wyst wan dat riche gotz veh na is — 948 dat 
hei vns brenge in sich da wir in werliche bekenen des helpe vns got amen. 

94* Vp vser vrauwe «dach ccepeio. Dat aue maria dat is goit die eme ge- 
recht deit — 95° also is dat gotz meynyge dat syn eyngebore sun in vns 
vntdecket werde. des helpe vns got. aıne. 

95% Van vnser vrauwe  Egredietur v’ga de radiee yexse Van der wortze- 
len van yesse sal vp gayn eyn rode — 96° Dat got alsus in vns geoffenboirt 
werde des helpe hei vns. amen. 

96° Des veirde sodages I d® aduet. Miserunt iudei ab iherosolimis sac- 
ddotes ... Die ioeden ind de phariseen die sante zo iohänes — 1006 Up dat it 
vns mois bregen I dat ewige Ymer werende eyt des helpe vns got Amen. 

Eine kingere nd. Fassung dieser Predigt abgedruckt im Jb. des Vereins f. 
nd. Sprachforschung 2, 11—18; dieselbe in kölnischem Dialeet im Ms. 14688 
(xıv. Jh.) der kgl. Bibl. zu Brüssel. 

100» (Sp. 2) Item vp de seluen veirden södach I d* aduet. Vox cla- 
mantis I deserto rc. Sent Johä sprach Ich byn eyn stymme des roiffes I der 
woistenye — 103b Dat wir alle her tzo comen des help vns got amıen. 

103 Va d® geboirt vs here. ysidor‘. 

1040 Vä d® geboirt vs here. bernard® (4 Sermonen). 

1136 Up den heilg& jairsdach vä tzeyn name (Zlaupt a. a. O. Nr. 19). 

114® Sent Bernard van der besnydungen vns heren. 

117 Va sent stephae. Stephan’ aute’ plen’ gracia. et fortitudine ze. Dese 
wort schrift sent lucas — 124b Ind dat wir sy ouch vollenbrengen geistliche 
in vns Des helpe vns got amen (Wackernagel 8. 522). 

124® In der kynder dage ey serınoy. Vidi supra mont® syon agnum stan- 
tem :c. Sent iohannes sach eyn lamp steyn vp dem berge syon — 126" Sy 
is in der eynycheit myt neit gelich myt der gelicheit. 

1266 Up der heilger dry köynege dach. |[S]urge illüinare iherusalent :c. 


Dit wort dat ich haynt gesprochen in «dem latine 1272 (hrieht ab) de hait 


alle wege eynen kreich ind evnen tzorn we. 

127% Up sent pauwels dach do hey bekeirt wart. Scio hominem in xpo zc. 
Dese wort spricht sent pauwels — 132? hait ir de reichte myne so sijt ir gotz 
geweldich. 

1322 Des sundages als mä all’a secht in septuage? (siehe unten den An- 
hang). 

134b Des sundages tzo halff vasten. Illa autem que sursü est ihrln :c. 
Set pauwels spricht Ihrlm de dar bouen is — 145° Dat vnse hertze ouch also 
gebreidt mois werd& Des hulpe vs got (a.a. O. Ar. 24). 

145° Van vns heren boitschaff ind vnser vrouwen, Missus est ägelus ga- 


59 63 


briel a deo :c. Alsus schrift sent lucas — 150» Myr geschei na dynen wor- 
den. Do wart eruult alle synre ppheten wort. 

150 It vp den palm dach. Der palm boum hait seuen tzwiger — 
1606 myt de dode bricht men in aff. myt dem beschouwen speilt hei (a. a. O. 
Ar. 12. Wackernagel S. 134). 

160° Van dem Iyden vns heren. Men en vant in alle dem lande — 
164b Da is geuoeget de bie zo dem honyge. de ysope zo dem balsame .: de 
nachtegal zo der harpen.... de sterne zo der lichter sunnen (a. a. O. Nr. 16). 

164" It& van deme Iyden vns heren. Refloruit caro men 2c. Also spricht 
vnse here durch des ppheten mont — 165P hei is ind was ind blinet alezijt 
ewich Ind en nemet nümer ende (a. a. O. Nr. 22). | ; 

165» It& van deme Iyden vns heren. Dis narrabit I seripturis pplor :c. 
Dese wort spricht de pphete dauid — 170® ind dat wir ouch de boese geiste van 
vns vertdriuen de vns willen verleiden. Amen (a. a. O. Nr. 25. Wackernagel S. 127). 

170° Up vns heren hemelvartz dach. Viri galilei ze. Do vnse here zo 
hemel voir — 175% Dat wir dan hye also leuen dat wir come in de ewige gl’e 
na desen leue. Des helpe vns got amen (a. a. O. Xr. 17). 

175° Vp vns heren hemelvartz dach. Videntibus illis eleuat’ est 2c. Sente 
Lucas die schrift van vns he'n vpvart — 184" Dat vns dit geschey. des hulpe 
vns got Amen (a. a. O0. Nr. 10). 

1834" Vp sent peters dach ey sermoy. Petre amas me 2c. Dese wort sp?ch 
vnse here — 188P (a. «a. O. Nr. 15). 

188b In vnser vrauwen auent assüptio. Ego quasi vitis fructificavi. Unse 
vrauwe spricht als eyne wijnreue — 190% Dat is der soisse wailsmachöde wyn 
den got...... allen heilgen schenckt (a. a. O. Nr. 18 oder 21). 

190° Item van vnser lieuer vrauwen. Transite ad me ocs ıc. Dese wort 
spricht vnse lieue vrauwe — 1922 ind vns soisliche eruullen myt ewiger se- 
licheit (a. a. O. Nr. 4). 

1922 Vp alre heiligen dach. Vidi angelü stantem ıc. Dese wort spricht 
sent Johanes in apocalipsi — 199% Ind vnse he vluyst all vmb sy dat sy recht 
myt gode vmvangen is (a. a. OÖ. Ar.8. Wackernagel S. 111). 

199° Van den apostelen yntgemeyne. Hec mando vobis ....:c. Ich ge- 
beid& vch — 208°? Dat is eyun tzeichen dat hei geyne myne enhait zo syme 
euenmyschen (a. a. OÖ. Ar. 6). 

2082 Van eyme merteler eyn sernoyn. Qui vult venire post me .....2C. 
Unse he’ spricht So wie zo mir comen wil — 209 ind wil in sicher machen 
vur alle syne viande. 

2090 Va eyme confessoir sermoy. Justum deduxit dns ......2c. Dese wort 
lyst men — 2202 Dat wir alsus leuen dat wir her comen. des help vns got. 
amen. 

2202 Item van eyme confessoir off va sent merty. Et vos similes hoibus :c, 


64 III. CuELTENHAM 


Dese wort sprach vnse he — 224b dat hei zo der hemelscher vreuden moicht 
comen Des help vns got. amen (a. a. O. Nr. 2). 

224b It& van den iuffrawen. Elegit eam deus. ..... Dese wort synt ge- 
sprochen zo eyme eicklichen nyschen — 231° Dat wir dit alle moissen ver- 
crige des help vns got Amen (a. a. O. Nr.7. Waekernagel S. 531). 

Fyl. zu dieser Sammlung Haupt a.a. O., besonders aber Wackernagel, Altd. 
Predigten und Gebete S. 202 f. 384 ff. Preyer, Mystik 2,9 f. 32 ff. Als weitere 
Is. füge ich hinzu: Ms. Arundel 214 im British Museum (Perg. xıv. Jh.) 

Zur Geschichte: auf der Innenseite der zweiten vorderen Custode steht von 
jüngerer Hand: In desem buch steyt der sermon des vireden sondags in dem 
‚aluent miserunt juder (s. oben BI. 96%; aber in keiner der ron Wackernagel an- 
geführten Iss.), diesen sal men in dem Reiffender dieser gelesen werden (!) dat 
ander wirdt all in dem wercküs (!) gelesen; ebenso zu 1328 am Rande von 
derselben Hand: dit sall men in dem Reiffender lesen (sonst häufig von der 
Tert-Hand der Eintrag: dit en sal men neit lesen). Vielleicht gehörte die IIs. 
mit Nr. 528 und 626 in ein und dasselbe Kloster zu Köln. Der Name van Ess 
steht auf einem Papierstreifen auf der Innenseite des Vorderderkels. 


60. 


Phil. 647. Pap. xv. Jh. 180 Blätter und 4 leere nach 67, 3 nach 118, 
2 nach 158 sowie je eine Custode. 21,5 x 15, einspallig mit verschiedener 
Zeilenzahl geschrieben. Rote Initialen und Überschriften, rot durchstrichene 
grosse Buchstaben. Alter gepresster Lederband mit Schloss (nur die Klappen 
erhalten). 5 verschiedene Codiees vereint. — Ess Nr. 263. 

1. Bl. 1—67. Lagen von 12 BIl. (die 1. mit Vordereustode). 

Susos Buch von der ewigen Weisheit. 

1° Hie begynt dat gotliche ind geystliche boich Dat genant ys de ewyghe 
wysheit. Id stoint ein pretiger zo eynre tzyt na einre metten vur eyme cru- 
cefyx inde elagede gode ynnelike — 67%... dat hei dat vest ind dat ledige 
spatium ind dat geisteliche bilde volbreichte dat eme so lange vur beslossen 
was want it enden moiste Ind tzo hantz wart it volbracht bis vp syn ende. 

(rot) Hie hait dit boich eyn ende 

Got vns syne gnade sende. 

Empfehlung des Buches: Dyt boich dat da heischt de Ewiche wysheit..... 
des materie is van deim anvange bis an dat ende uns heren ihesus eriste myn- 
nekliche liden .... ind hei ynne synt vermenget X materien de vss genomen 
Edel ind nutz sint. Amen. 

(rot) Die ewyghe wysheit is hie vß geschreuen 

(zot geue vns dat ewighe leuen. Amen. 

M. Diepenbrock, IH. Susos, genannt Amandus, Leben und Schriften, Be- 

gensburg 1329, 2. Aufl. 13837. Des sel. Amandus, genannt H. Suso, Leben 


59 — 61 65 


und Schriften, Wien 1863, Bd. 2. Stücke im Original bei Wackernagel, Altd. 
Lesebuch 1, 1213 f. Über Drucke s. Goedeke 12, 212. 

ı1. Bl.68— 118, Lagen von 12 Bll. (die erste zählt nur noch 10, die letzte 8). 

Christi Passion. 

Anfang: 68° O ir alle de da gaynt by dem wege myrcket ind beseyt — 
118® Zo wilchem vns allen moisse brengen Ihs xps eyn gewair got myt dem 
vader ind myt dem heilgen geiste De gebenedeit is in ewicheit. Amen. Darauf 
folgen noch 2 Prosagebete von derselben und eines von späterer Hand. 

ı. Bl. 119—148, zwei Lagen von 12 und eine von 8 Bl. (das letzte 
jedoch ausgeschnitten). 

Sprüche aus Salomo, den Kirchenvätern etc. 

119% Uns leirt der wise ma — 148° Des gun vns alsamen der vader 
ind der son ind der heilge geyst. 

ıv. Bl. 149—158, eine Lage. 

Auslegung des Leidens Jobs nach dem Terte non rephendit me cor 
meum in omni vita men :c. 

149% Min hertze in hait mych negestraiffet — 158" Des verleyn uch 
ind myr God der vader der son ind der heilge geist. Amen. 

Vgl. Phill. 3879 Bl. 109%. | 

v. Bl. 159— 180, zwei Lagen von 12 und 10 Bl. 

1598 Van der navolginge Christi ind versmenisse alre ydele sachen der 
werelt (Übersetzung des Thomas a Kempis, Liber 1). Unse h’e ihesus xps 
sp®c de mir volget de ewandelt neit in dem duischt‘nisse — 1802 Also vil 
saltu dich besseren Ind in doichten zo neme als du dir selu* gewalt an deys. 
Alsus is dit boich volbracht Deo Gratias. Amen. 

Auch in Codex Salemit. ıx, 7. Phill. 719. Oxford Mareschall 124, 6—47. 

180b Register der Capitel. 

Zur Geschiehte: 1% (jüngere Hand) Vur der brueder, der Rest ausgeschnit- 
ten; wahrscheinlich gleiche Herkunft mit Phill. 628. 626. 643. 


61. 

Phill. 654. Pap. xv. Jh. (1468). 154 Blätter. 22% 14,6, von. einer Hand 
mit verschiedener Zeilenzahl. Rote Initialen, die erste rot und grün, rote Über- 
schriften. Lagen von 12 Bil., die letzte nur aus einem Doppelblatt bestehend. 
Alter Lederband mit Schliesse. — Ess Nr. 270. 

Sonnltagsevangelien mit ihren Sermonen durch das yanze Jahr. 

Beginn: Evangelium auf den 1. Advent: Cum appinquasset ihesus efe. 

1. Sermon 1b: Dit is dat heilge ewangeliü na dem texte. hee ynne solen 
wir myrken drey dinck...... 

Schluss (xxXVI sondach na pinxten) 154b: Hee endent de sondachsewan- 
gelien dorch dat iair myt eren sermone geent Anno «ni 1468. 

Deutsche Hss, in England I. N) 


66 III. CuHELTENHAM 


62. 
Phill. 676. Pap. xv. Jh. 276 Blätter. 17,3 x 10,6, von einer Iland ge- 
schrieben. — Ess Nr. 292. 


Prosagebete in md. Dialect. 


63. 

Phil. 677. Pap. xv. Jh. 90 Blütter (Bl. 1 Perg., 91*—97* leer). 16,2x11, 
von einer Hand hübsch geschrieben, 20—22 Zeilen auf der Seite. Die Bl. sind 
mit farbigen Blumengnirlanden umrändert; eine farbige Initiale mit dem Bilde 
eines Kindes in Medaillon zu Anfung, die übrigen und die Überschriften rot, 
rot durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen von 10 Bi. (die 1. zählt nur noch S, 
die letzte S mit Vordereustode). — Ess Nr. 293. 

Legende des hl. Thomas v. Aquin. 


1° Hie hebet sich an der plogus in die legend des hochwirdigen grossen 
ler°s der eristenheit sei Thome de aq’no Der almechtige got der in dem anfang N 
der schöphung der welt het geheisen dz liecht schinen —- 90® vmb alle disse 
ding sig got der her’ gelobt vn gesegnet ewicklichen. Amen. 

64. 

Phill. 679. Pap. xv. Jh. 357 Blätter. 11x 7,2, von einer Hand in klarer 
Schrift. 

Deutsches Brevier. 

1. Geziden vä dem lide xpi 1a. 
. Geziden vä der ewigen wysheit 30%. 
. Geziden vä unser lieber frawe 728, 
Die seben pselmen vor die doden 154%. 


sm a w 


. Zahlreiche Prosagebele — 357». 


65. 

Phill. 683. Perg. xv. Jh. (1448). 159 Blätter (1*. 2* fehlen jetzt zu BDe- 
ginn; moderne Seitenzählung). 22,5 %X15,2. Rote und blaue Initialen, rote Über- 
schriften. Layen zu 8 Bll., bezeichnet durch a, b ete. und durch Anfangsworte. 
Original-Holzdeckel mit braunem gepresstem Lederberug und Resten zweier 
Schliessen. 

Opera quaedam Joannis Ruusbroecit. 

12 Liber de ornatu =piritualis desponsationis venerabilis patris et dnI Johls 
ruysbroec prioris viridis vallis ordinis canoicor regulariü quem mgr Grherhar- 
dus groet transtulit de teutonico in latinü (der Anfang fragmentarisch). 

Vgl. J. G. R. Acquoy, Gerardi magni epistolae xıv 8. 14 f., wo andere 
Hss. dieser Übersetzung aufgezählt werden. 

7% Liber de perfectione filiorum dei siue de caleulo ( Übersetzung des Gui- 
lelınus Jordaens? s. Foppens, Bibl. Belgiea 2, 721). 


62 — 65 


67 


93% Liber de gradibus scale amoris qu& edidit venerabilis düs Johanes 


ruysbroec teutonico yedcomate. 


Am Ende folgendes mnl. mystische Lied, das recht wohl Ruusbroce ange- 
hören kann, wenigstens vollständig im Geiste des vorausgehenden Tractats sich 


bewegt: 


1. Wille) vns wy van bynne merken] 


so mogen wy ons vorstan] 
dat dese groue werken 
om loen syn gedaen. 
We de warheit wil vorstan] 
he moet in hem seluen gaen| 
vnd leu& bou& synne[n]| 
een luter kenne compt va bInen 
(So wal hem "beulden 'diet). 
2, De vns?) heft ghelate 
na syns selues heyt, 
he is myne bouen maten: 
dat licht is em bereet. 
Zo we dat in hem seluen gheet, 


he en vindet der?) werlt lief noch 6. 


leet 
dan een gelutert wesen. 
3. Hem en is noch wech noch wise, 
het is een ewich syn. 
wat men leset of scriuet, 
het bliuet dat silue (!) sijn. 
het is in hem seluen also vrij. 
Kynder nu ghelouedes my: 


@ 
dar en mach gheen töual®) wesen. 7. 


So we dat in hem seluen kent| 
he mach wal blide wesen. 

4. So we de warheyt wal vorsteet 
vn hem kan houden binng, 


eb) | 


dat em enrure noch lef noch leet 

van enyghen dynge: 

Dicke is hem van bynen wale| 

he is behuet vor alle quale, 

dar hem de synen vp keren vte:®) 
och wat vrouden is godes gebruke! 


. Ic hebbe den toeual so dorgän 


na hoger mynen rade| 

my gemuede is ongheuaen| 

ic loue der mynen dade. 

Se kan brigen vit alre not| 

van anderheiden mact se (oec) bloet, 

Se doet de zele voruleten: 

och wen mach ors weghes verdreten? 

O ewich wesen du does beruren 

te male der zelen crachte. 

als du den gheest in dyn woste wilst 
vuren, 

so rostet al dat ye wrachte. 

Dat claer gesichte wardet dar vor- 
claert 

na hoger wezeliker aert 

in dat stille gebruken| 

och laes®) dat wy vns kere vte. 

Dar vloyen de riuiren clar 

van der fonteyn&. wyseloes, 

de dar af drinet leeft sonder var] 

vn het is niet dat he vercoes, 

det bliuet syn gemuede vry| 


1) In nicht abgesetzten Zeilen geschrieben; am Rande von jüngerer Hand, die 


auch sonst noch corrigiert, Ritmus. 
2), De hem? 
s) Am Rande corr.: ter. 


%) e corr. Rührender Reim und überschreitende Zeilenzahl weisen auf Verderbnis, 


5) C'orrectur am Rande: de sine entluke. 


®) I. aylaes. 


68 III. CuELTENHAM 


he heft dar dat verre by| dar men al in een vorsteet. 
he en siet nümer ghelike: God gheue vns dar to komene spoet, 
och dat is vroude rike! wät syn biwesen is vroude grot| 

8. Dicke is hem van bynen wale het doet dar (l. dat) herte in mynen 
di dus der myne weghe gheet, ontsynke: 
wet he horet de vorborghene tale och ho salich is den denken! 


Vgl. Nr. 3 (auch einzelne Stellen in Nr. 2. 4. 5) der fälschlich J. Tawler 
zugeschriebenen Lieder (Kölner Ausg. 1543 Bl. 331; abgedruckt bei B. Hüppe, 
Lieder und Sprüche der Minnesinger, Münster 1844, S. 394—402). Ferner 
ein mystisches Lied bei Preger 2,142, Bartsch, Beiträge zur Quellenkunde 1886 
5. 316 7. und ähnliche Gedanken bei Eckhart (Pfeiffer 2, 516 f.). 

118b (ohne Überschrift) Est aute eterna cognito dei ipe deus eternaliter se 
I se ipo cognoscens "I in cognitoe amans "I in amäte cognitöne sui ipius ola 
cognoscens et amäs — Nä in exteriore exercico non datus spüs libertas sed I 
abnegatoe omnis interne pprietatis. 

Unmittelbar anschliessend (141®) nl.: De ghene de hem werdelike ouermids 
de onbegripelike dreheit godes ter ewygh’ eincheyt godes conen keren de en 
mogh& nicht dolen — God en is Vmer tuchtes nicht schuldich dan he vns vä 
siner vrier eyghere natuerliker goetheit dloen wil. Aus einem Trartate Ruus- 
broees ? 

146° Epla repudicis seu sane intellige ämones t’tiä pte lib’ de spüalib’ 
nuptijs a ruysbroec compositi (am Rande: mgr iö gerson scpsit häc epl). Fop- 
pens a. a. O. 721. | 

149 Epla fris Johis de Sconouia canolei r’gula’is I viridi valle. Foppens 
a. a. OÖ. 725. 

157 Epla mgrI gherardi groct ad fres de viridi ualle iuxta bruxellam. 
Venerabiles fres et dnI dileeissimi in xpo dno obnixi’ vos depcor ut unü de 
magnis voluib» vrIs scT augustini qd mgr egidius nole meo postulabit ad quedä 
michi copianda sibi «cede’ dignemini. 

158® It& epla mgri gherardi groet ad düum iohem ruesbroee in viridi ualle 
priore. Venerabilis pat® my in xpo ihu cordi meo dulcit® predilte Quia her- 
mänus horstiken lator phtiü homo vt pero bone volütatis optat. Die beiden 


‚Briefe nicht bei Acquoy a. a. O. 


Zur Geschichte: 159° (rot) Anno dni MmPcccexLvim® cöscriptus est liber 
iste p Conradü et henricü de lippia et Theodericü de gerden clericos in et pro 
domo sci Maynulfi in bodeken !) Sub venerabili pre ae priore arnoldo de huls 
pio ppagatore aiarü. Pro quibus oratio postulatur. 


ı) Domus S. Meinulphi confessoris in Bodeken (Bodiken, Budiken etc.) in der 
Diöcese von Paderborn gelegen, vom h. Meinulph 837 gestiftet, nach widrigen Schick- 
salen aufs neue (1408) als ein Kloster der regulares canonici bestätigt und seit 1430 
zur Windesheimer Congreyation gehörig. Der erste Abt war Arnoldus de Huls, 


65 — 67 69 


66. 

Phill. 694. Pap. xv. Jh. (1477). 171 und 1* Blätter, in der Hs. gezählt 
von I—-CLXVII. 30,6 x 21,5, zwerspaltig mit verschiedener Zeilenzahl. Rote und 
blaue Initialen, die erste farbig und verziert, rote Überschriften und rot durch- 
strichene grosse Buchstaben. Lagen von verschiedenem Umfange. Alter gepress- 
ter Lederband mit zwei Schliessen. — Ess Ar. 310. 

S. Bernhards Sermones, mnl. 

1* Register. Anfang 1° Op sante Andries auent dat erste sermoen. It 
is soe in geset van den heligen vaders. 

Schliesst (mit dem Sermon van den auentmael op den witten donredach) 
167* Also lange hent dat na der ruste die v’risenisse volge en na den sab- 
beth die paeschdach na volge Amen. (rot) Hier eynde sci bernardi Sermone 
des helig& leerres auer dat wynter stuck vä sömigen helige ed hoichtiden. Ge- 
schreus int Jaer ons her& mcccc® en 1xxvIr Geeyndet op sci victoers auent. 

167 Van der entfencknisse der gloriozen iunckfrawe Marien (jüngere 
Hand), nd. Den auent in der kercken. Salomon secht de wysheit heft er — 
ick bins woll to fredden geloue simplicke so verlustu din& arbeidt nicht. (rot) 
Leset dit den morgen in der kerk&. Maria is wol geheiten eine dag sterne — 
1710 vp dat se vns.... . entfange to inwonneren des hemelschen paradies 
(4 Marienlegenden eingewoben). 

Zur Geschichte: Buchplatte auf der Innenseite von 1*, darunter: Ad Bibl. 
H. zur Mühlen | J. M. Zell. Ffurt. 


67. 
Phill. 710. Pap. xvı. Jh. (1572). 316 Blätter. 33 x 20,6, einspaltig von 
einer Hand. Brauner Lederband mit Schweinslederrücken. — Ess Nr. 326. 


Landordnung Böhmens, Aus Böhemischer in die Teütsche Sprach 
Transferirt Anno domini 1572. 

12 — 2b Yorrede und Widmung an Maximilian, unterzeichnet Wolff von 
‘Wehrsowitz Oberister Landtschreiber zu Königreich Behems. Datum Prager 
Schloss Sonabend nach Maria Himmelfahrdt 1564. 3° —5b Register. 

82 Anfang: Von Election vnd wehlung oder Chur koniglicher Mays. 
Schluss 291. 


Regular von Frendeswege (Acquoy, Het klogster te Windesheim 3, 59 f.). Unter 
ihm muss eine reiche litterarische Tätigkeit der Brüder bestanden haben. Neben 
den 3 Schreibern obiger Hs. nennen sich in einer (verschollenen) Hs. aus demselben 
Jahre 1448 (s. A second catalogue of mss. in different languages .... by John Co- 
chran, London 1837, Nr. 82): Johannes Valbert, Arnoldus de Unna und wieder Theo- 
dericus Gheerden. Zbendahin gehört auch Add. 18007 des British Museum, geschrie- 
ben 1468; hier nennt sich h’man de nouo castro supprior monasterij bodeke (... Et 
äno natitat, mee LXIIIO vi cit’. Bl. 110b), 


m msn m en mr eg in ie mbH SHE  BÄEE En Her me En u 


m mn nn ee in 


70 III. ChELTEXNHAM 


2932 Explicatio etzlicher Behmischer Vocabel die..... nicht deutlich zu 

Teutschen auch nicht von Jederman eigentlich was sie bedeutten zu verstehen sein. 

295* Repertorium oder (alphabetisches) Register ober das bäch der Landt- 
ordnung. 
68. 

Phill. 713. Pap. xvıe Jh. 469 Blätter und 1*—16*, die Is. selbst zühlt 
die Seiten 1—938. 33 x 19,2, von einer Hand in kleiner, zierlicher Schrift 
etnspaltig geschrieben. Zeilenzahl und Lagenumfang verschieden. — Ess Nr. 329. 

Chronik von Bruunschweig. 

1*--16* Vom Anfange und Erbauung der Stadt Braunschweig aus einem 
alten Manuscripto collationiret. Reicht bis zum Jahre 1488: In diesem jahrr 
fanget sich an Lüdeken Hollands Aufruhr davon besiehe drunten 25. capittel 
pag. 156 seqg. 

1e—4182 Chronik von Braunschweig von der Erbauung der Stadt (865) — 
1599. Schluss 14. Martis 1599: Des Burgvogdts in der Burg seine güter wer- 
den von dem Raht verarrestiret. 

Mehrfach Aufzeichnungen historischer Lieder in diesen Teile, so Bl. 95% 
x. J. 1491 (dat Vierdte und letzte Jahr in Lüddeken Hollands seiner Regie- 
rung): Hiernach ward von etlichen ein Pasquille oder Schmähgedichte gemachet 
auf Lüddeken Holland und seiner companen Regiment daß es ein so smähliges 
Ende genommen. Das lautet also: De Katte vnd de Hund 

Heffen gemaket einen verbund .... 48 F. 
Soltaw Ar. 27. Lilieneron 2, 213 Ar. 164. Oesterley, Nd. Dichtung S. 4X. 

DI. 96* Ein Ander gedicht von Lüddeken Holland. Nach Christi gebort 
düsent vierhundert vnd acht und achzig iahr .... 26 V. 

Daran schliesst sich mit demselben Anfang, aber mit 234 V. das Gedicht 
bei Lilieneron 2, 216 Ar. 165. 

Bl. 1206 x. J. 1493 Von der Schlacht bey Bleckenstedt wurd ein Lied 
gemachet das lautet wie folgt: 1. Wil gy hören wat is geschehn .... 17 sechs- 
zeilige Str. Ifildebrand, Deutsche historische Lieder, Leiprig 1856, Ar.5. Ia- 
lieneron 2, 320 Ar. 185. 

Darauf: Noch ein ander lied. Wil gy hören einen niewen Rey....14 
fünfzeilige Str. Hildebrand Nr. 6. Lilieneron 2, 323 Nr. 186. Nd. Jb. 2, 36. 

Noch ein lied. Von «denen hansee Städten im Braunschweigischen und 
lüneburgischen lande wie dieselbe mit den hertzogen auch wieder die Stadt 
Braunschweig gekrieget haben. 

Wil gy hören ein nie gedicht 

Wie seck de hansestädte hebben verpflicht .... 29 fünfzeiige Str. 

Bl. 161® Ein Lied von der Hildesheimschen Fehde. Fründe, marcket junck 
vnd oldt....28 sechszeilige Str. Lüntzel, Die Stiftsfehde (1346) 8.208. Li- 
lieneron 3, 287 Ar. 329. 


67 — 68 71 


Bl. 163° Ein ander Lied haben gedichtet die von Hildesheim von den 
Fürsten als dieselben zu der Zeit in einer Fehde und unfriede zusamen stun- 
den als der Fürst v. Braunschweig und Lüneburg und der Bischoff von Hil- 
desheim und ist geschehen im jahr 1519. Da Gottes Sohn geboren wart .... 
34 sechszeilige Str. Lüntzel 192. Lilieneron 3, 271 Xr. 324 (35 Str.). 

Bl. 242b® Ein Lied von der Eroberung des landes zu Braunschweig und 
Wolfenbüttel und von der Belagerung der Stadt Hildesheim. Ach Gott in siner 
Majestat .... 55 sechszeilige Str. Ilildebrand Xr. 28. 

BI. 353% Reime auf das Wunderjahr 1588, x. B.: 

20. Der Teüffel hatte auch guten gewin 
Einen ‘Jesuiten führet er hin 
Der für alle sine gesellen 
Foriren sollte und platz bestellen. 
22. Ein Königinn aus Schottland gut 
Must auch vergiesseh alles ihr blut 
In Engelland broch man den stab 
Der Kopff' ward ihr geschlagen ab. 


Bl. 418" Anhang oder Zugabe noch etlicher Geschicht die sich von vielen 
iahren her so wol inn: als ausserhalb der Stadt Braunschweig ... .. bis zum 
Ende dieses 15. Jahrhunderts (wohl 1599) begeben... und die in diesem Er- 
sten Theile sind ausgelassen. Darin, Bl. 4218 Ein ander Lied von der schlacht 
zu Bleckenstedt. Wie man schried Tausend vierhundert jahr.... 40 fünf- 
zeilige Str. Lilieneron 2, 325 Ar. 187. 

Bl. 430° Gründung von Helnistüdt: 

König Carolus Kanzler 

Sünte lüder de leve herr 

Wolde Gode ein closter buen 

Tho lev@ in allen truwen 

Ein hündlein he hadde helim genandt 

Ein göttlich nahme wol bekandt 

He Christum vnsen herrn bat 

Da de hündlin sat 

Dat he wolde geven sinen schien 

Ichte dat de stede möchte sin 

Helimstede scholde dat heten 

De stede he vnd vele geneten. 
gefunden im Kloster Marientlial im Crützgange in einem alten fenster. 

Bl. 440% x. J. 973 ein Eintrag über Roswida eine gelahrte Closterjungfrau. 

Die Hs. wird Copie einer Draunschweiger Chronik aus dem Ende des 
xvı Jh. sein, da sieh ein jüngerer Eintrag (DI. 365% Brand des S. Andreas- 
Turmes 1680) von der Hand des Textes selbst findet. 


72 III. CuhELTENHAM 


69. Ä 

Phill. 714. Pap. xvı. Jh. 29 Blätter und je eine Custode. 20,7 x 15, von 
einer Hand mit 22—23 Zeilen auf der Seite. Rote Initialen und rot durch- 
strichene Buchstaben. Eine Lage. — Ess Nr. 330. 

Predigt über Matth. 1, 20. 

1° Josep fili dauidt noli tim‘e accipe Mariä cöiuge tuä. Diß wortt stendt 
geschriebe — 29% by xpın, daß er vns wole furen zu dem hymelsche reiche. 
Amen. 

70. 

Phil. 717. Pap. xv.Jh. 151 Blätter (doch ursprünglich mehr). 21x 14,6, 
ron einer Hand in grossen, ungelenken Zügen einspaltig mit verschiedener Zeilen- 
zahl geschrieben. Rote Initialen, rot durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen: 
die 1. 2.4. 6.—11. zu 12, die 3. zu 10, die 5. zu 14, die 12. 13. 14. (von 


der 14. nur 3 Bl. erhalten) zu 8 BN. zeichnet durch al..... a6, bl..... 
Class — om und durch Anfangsworte. — Ess Nr. 333. 


Dr. Johannes Nieders 24 goldene Harfen, nd. 

Anfang 1* [S]ante Johänes de ewangeliste serivet in den bok& der ewygher 
wysheit (diese beiden Worte durchstrichen) hemelik& openbarvghe van den ge- 
sychte dat he gheseen hadde -—- Srhluss 151® (bricht ab) der wyle de brudegham 
ieghenwordich is mer hir na wan he van eme. 

S. Waekernagel, Litteraturgesch. 1°, 433 f. Schieler, Magister Johannes 
Nider (1885) S. 388 f. Für alte Drucke Panzer, Annalen 1, 66. 

Zur Geschichte: Bl. 148® (andere Hand): Ite dyt boeck hoert den susteren 
zu marienberge in Franckenberg. 


1. 


Phill, 719. Pap. xv. Jh. 254 Dlätter und 1*. 2* sowie je eine Custode. 
15x10,1. Blaue und rote Initinlen, woron zwei verziert, rote Überschriften, 
rot durchstrichene grosse Buchstaben; Zeilenzahl verschieden. Lagen von 8 Bl. 
Gepresster Lederband; im Medaillon Figur eines Heiligen mit einem Kelche in 
der Hand. — Ess Ar. 335. 

1. Nachfolge Christi, mnl. nach Thomas a Kempis. 

1*—2* Register. 

Überschrift 12 Van hoe wy xpm nae uolghen eü alle verganclike dinghen 
sullen versmaden. Dat ierste capittel. Anfang: Soe wie my nae volget — 
46b Tot welcke wi alle comen moeten ende besitten dat ewighe goet. des güne 
ons got doer sf oetmoet Amen. (rofl) Hier eyndet dat yerste boekexken ende 
is daer al. 

48 Hegister. 

49° Hier beghijnt dat anderde boeeskens. En is alte merkelike suuerlike 
hoe dat wy inwendelike mit ihesum xpm onse brudegom ende guedertieren ver- 


69 — 74 73 


loser wanderen sullen. Dat ierste capittel. Onse here sprect. Dat rike gods 
is in v — 86b Tot welcken rike ons moet brenghen die goetheit gods Amen. 
Deo gracias. 

N zu Phill. 647 vu. C.Wolfsgruber, Van der navolginge Oristi ses boeke,1879. 

2. Theologische Tractate, mnl. 

87b Dit navolgende boecsk& is van der lidsamkeit ende is seer merkelie ete. 
Al onse gheestelice voertganc ende onse fondament is — 111* Want si gaen 
baue al offer ende sacraficie die me god doen mach. Deo gracins. Vogl. unten 
Phill. 1175 Bl. 2208. | 

111® Hier beghint suuerlike van den ghebede wt dat yerste boeck vä 
der vaders clacien (!). Eens yeghelickes monickes voertgane — 254b dat is tot 
synre eren eü tot onser ewiger salicheit aıne. 


72. 

Phill. 724. Pap. xvı. Jh. 42 Blätter. 14% 10, von mehreren Händen. Rote 
Initialen und Überschriften, rot durchstrichene grosse Buchstaben. -- Ess Nr.339. 

Gebetbuch. 

12 — 27b 33 Prosagebete auf den Psalm Miserere mei deus, in nd. 
Sprache. 

282? —30b andere Prosagebete, nd., ebenso 38°—39b, 

322 —37b lat. Gebete und 40°—42b Cantica Canticorum lat. 

4uf S1P steht: Dit sal hebn my leue sust* Edelinck vä Asseborch vä 
der fraw’ va h’tzeb yuw°? leu& sust’e. 


73. 

Phill. 731. Pap. xvı. Jh. 85 Blätter. 31,5x 21,1, von einer sehr schönen 
Hand geschrieben. Schweinslederband. — Ess Nr. 347. 

Die Historia von der wale vnd Chronung Kaiser Caroli des Funften. 

Schliesst: Als nun solches (die Krönung) alles gescheen. hat sich Kaiser 
Karl wider in, die Niederlande gewandt vnd seindt die anderen Fürsten ein 
Jeder auch wider in sein Lanndt getzogen. Ende. Darauf: Labores Caroli v. 
Imp. distichis comprehensi per Nicolaum Mameranum (10 Distichen); vgl. über 
ihn Delprat, Over de Broederschap van G. Groote (1830) Bijlage ıx. | 


B. Aus DEM ANTIQUARIAT VARRENTRAPP In FRANKFURT AM. 


74. 

Phill. 1143. Pap. xv. Jh. (1470). 375 Blätter (handschriftliche Zählung 
I—CCCcLXXV) 30,5x 21, zweispaltig von einer Hand zu 36 Zeilen. Rote Ini- 
tialen (doch. die 1. blau), zum teil verziert, rote Überschriften, rot durchstrichene 
grosse Buchstaben. Lagen von verschiedenem Umfange. | 

IHeiligenleben (Sommerteil). 

Deutsche Hss. in England I. 10 


74 III. ChELTENHAM 


1° Hie hebt sich an das Sumertail von der heyligen marter vnd lebenn. 
Beginnt mit dem Leben des hl. Ambrosius, schliesst: Die legennd des heyligen 
vnd hochwürdigenn pischoff Sand Wolffgang. Darunter 375°: Hye hat das 
püch der heyligen leben das sumer tayl ein ennt Als man tzelt hat von Cristä 
geburt. Tausent vierhundert vnd dar nach in dem Sibentzigistem jarenn an sand 
Cecilien tag der heyligen junckfrawenn. 

Vgl. Wackernagel, Litteraturgesch. 1?, 451 Anm. 202. 203. Zahlreiche 
Hss., eine schöne auch Oxford Laud 443. 

Zar Geschichte: 1° oben: Exenmpti Collegii Wengen: Ulmae, unten: Sum 
Andreae Schleicheri Wlonheinii. 


[P} 


Phill. 1152. Pap. xv. Jh. (1493). 215 Blätter und nach 73 ein, nach 95. 
133 und 174 je zwei, nach 181 vier leere. 33 x 22,2, von mehreren Händen 
ein- und zweispaltig geschrieben. Rote Initialen und Überschriften, rot durch- 
strichene grosse Buchstaben, Lagen zu 10. 12 und 14 Bi. Alter gelber ge- 
presster Holzband mit zwei erhaltenen Schliessen. Leseschnüre und Halter zu 
Anfang eines neuen Artikels. 

Heiligenlegenden und theologische Tractate, beginnend mi Bar- 
laam und Josaphat. 

1° (rot) Johannes hieß ein herr der trug gegen got einen steten müt.... 
der selb Johannes was des ordens von zittels ein apt zü Capell er bracht es 
von latein zu teusch vnd vahet also an. Es was hie vor zu Indien — 738 
Dise red ist nit von weltlicher ritterschaft noch von der werlt lieb noch von 
dem liechte’ sumer es ist von der welt widerstreit durch den vnß got allen 
helff zu dem ewigen leben Amen. | 

S. Wackernagel, Litteraturgesch. 1?, 452 Anm. 209. 

74® Legende von dem heilige junge hertzogen Der druwe hundert iar in 
dem paradis was...... und dar nach wider kam. Anfang: Almehtiger ewiger 
got vnßer trost bist du.... (19 Cap.) — 95° Item ein warheit zu erfaren dliser 
matery...so hab ich in dem consily zu baßel mit fleyB gefraget.... Die spre- 
chent. Es wer also war vnd dz Kloster hieß sant michelsberg sant beneditten 
orden.... Ein yegliches nem dar vß dz im dien in gottes namen. 

96° (andere Hand) Leben vnd Iydü der hailegn Regina. 101b Anatholia. 
102b Reparata. 104° Anna. 110° Adelhaid. 116° Theodosia. 123 Lucia. 
125° Theodora. 128° Theophilus. Am Schluss (rot): anno dni mcccc®LXXXXII jar. 

134® Diss heist der geistl. Weegweisser (von später Hand). (rot) Dieß nach- 
geschriben ist ein heilsame nütze ler.... vnd gibt doch do by gutten trost. Es 
fragt ein ellende sundige sele..... yst jemand der mir aeinen weg müg zei- 
gen — Schluss 163 auf eingeklebtem Papierstreifen. 


en 1 


Dr 


14—78 75 


1698 (wieder andere Hand) Diß ist eine gutte matery von dem boße yn- 


wendige grüd des menschen wie man de erkeüen sol — 174#. 
175* (neue Hand) Diß ist ein bredig wid* die murmurierüg. Ob aber hin 
dan vnder vch krieg .... . vff gieng — 181° Jarü sol es nit in vnser wille 


sin die celeide’ zu wesche | (wohl fragmentarisch). 

1822 (Hand wie 169°) S. Apollonia 185° S. Cecilie. 196° S. Helena. 
202 S. Ursula. Schluss (rot): Geschriben vnd geendet an dem hailge tag 
sancti Johannis ante portä latinä den erwirdigen vnd geistlichen frowen zü 
sefflingen anno dnI mcccc® vnd in dem Lxxxxın jare. Johanes Kursj Capplon 
zu vrspringen. 

Es folgt noch: 207® S. Tecla. 213® S. Fides. 


76. 

Phill. 1155. Pap. xv. Jh. (1461). 129 Blätter und 130*—132* leer. 
21,6x 16, von einer Hand zw 24—22 Zeilen geschrieben. Rote Initialen, rote 
Überschriften und rot durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen von 12 Bil. 
‚Alter Lederband mit Metallbeschlägen und Schliessen, welche jetzt fehlen. 

Leiden und Auferstehung Christi. 

12 (rot) Do der minegliche got vnser lieber h’r ihesus eristus — 129% Got 
geb vns den allen sinen freyd vnd götlichen segen. amen. (rot) Diß bäch ist 
geschribn wordü in dem Jar do man zalt von cristi geburt geburt (!) tüsend vier- 
hundert dar nach in dem ains vnd setigosten Järe an der rechtn faßnacht X 
hant geschriben pfaff Johans Schnell capplan zü Burlfingen gedenckend sin 
durch gottes willen. d’o gräs. 


77. 

Phill. 1160. Pap. xv. Jh. 142 Blätter. 29x 20,7, zwerspallig von einer 
Hand geschrieben mit verschiedener Zeilenzahl. Rote Initialen, rot durchstrichene 
Buchstaben. Lagen von 10 (auch 12) Bll. mit Vorder-Custode. 

Vocabularius, lateinisch-deutsch. 

a) 12—117® Nomina, alphabetisch geordnet: Abactor viegdiep vel kudiep 
— zuccariü zucker. 5) 117b—137b Verba, alphabetisch: Abcedere huten vel 
halen — zelotip’e lestern oder verdeckt. ce) Focabular ohne derartige Schei- 
dung 1370—142b: Arbiter schidman — zelotipus argwener od’ eifrer. Darunter: 
ffinis hui’ p me Joh’em berühart de ochsenfurt anno ı€ 1.4.6. 2€. deo gracias. 


78. 

Phill. 1175. Pap. xv. Jh. 271 Blätter. 20,5x 14,1, von einer Hand in 
grossen, klaren Zügen zu 26 Zeilen geschrieben. Rote und zu Beginn eines 
neuen Artikels farbige Initialen, rote Überschriften und rot durchstrichene grosse 
Buchstaben. Lagen von verschiedenem Umpfange. 

Leben des hl. Bernhard ete, 


76 III. CuhELTENHAm 


12 Hie begynet sancte Bernardus leben des sußen lerers. Bernardus was 
geboren in burgundie — 36® vns muße günen der da lebet vnd regieret yn 
ewicheit. amen. 

Darunter (rot): Hie endet sancte Bernhardus lebe des sußen lerers. Hie 
begynöt sancte Bernardus gedachten. zu dem ersten von dem ynnwendigen 
menschen. 

Anfang: 37* Vil lude wißen vil aber sich selber enwißen sie nicht — 
74b d* lebet vnd regnyret yn ewicheit der ewicheyden. Anıen. 

Übersetzung der Meditationes piissimae de cognitione humanae conditionis 
Migne 184, 486. 

75% (rot) Hie begynet eyn ander buch von der hynder sproche. So wer 
mit xpo begert zu wesen eyn erbgename des ewigen lebens vnder alle dingen 
die das hindern mogen ist yme not das er fliehe die vergifft der binderrede — 
111b (Verse): 

Wiltu zu dö geiste racken 
So mustu bloß stan von erdische sachen 
Ich muß dich slahen vü castien 
Sol eynig geist in dir dyg& (!) 
Swig vnd laß vber dich gan 
Wilt du alzijt frieden han. 
It’ frunt yn der not 
Der geit zehen vff ein loit 
Waner sie sollen gut sy 
So dut ir funfzehen vff eyn quyntyn. ffinis est. 

112% Hye begynet sant Augustinus hätbuchel ..... Want wir in mytten 
der stricke gesatzt sint — 148% biß ich moge geen in die freuwede mynes 
h’ren Deo gracias Amen. S. zu Phill. 4082. 

148b Hie begynet das buch von de zwolff dogenden des geistlichen her- 
ren Godeuerdes !) regulers canonikes in den eloster grunendale Eynes von den 
discipelen des erwirdigen in got vnd geistlichen priors h’ren iohan rueßbroches 
da selbest j| Und diß buch leret von zwelff graden der dogeden vnd wie die 
eyne «dogende komet vB der andern (12 Cap.) — Schluss 219® wann so wir 
mer gehorsam syn vnd demudiger so wir mer v’dragen mogen vi xpm dester 
baß nachfolge..... Der gelobet muß syn vn gebenediet ewieliche. Amen. 

Vgl. Werken van J. van Ruusbroce (Uityaren der Maetschappy der vlnem- 
sche Bibliophilen ı1. Ser. Nr. 4; auffallend ist die schwache Überlieferung ge- 
rade dieses Traclats den andern gegenüber (a. a. O. ıx f.); s. auch zu Oxford 
Mareschall 119 und Phill. 9316. 

2208 Hie begynet eyn gude lere von der edeler dogent der gedulticheit 


') vgl. Oxford Mareschall 124 Bl. 59b, 


178 — 79 77 


genomen vß vil buchern der heilige schrift. Alle vnser geistliche vortgang vnd 
vnser füdamet geistlichen lebens — 271" Want sant Jheronimus spricht Es 
ist swere ja vnmogelich von wollusten zu wollusten zu komen. AMEN. S$. zu 
Phill. 719 DI. 888. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Deckels Buchmarke mit der In- 
schrift: Symbolum Bibliothecae Joannis Bernardi Nack Civis et Mercatoris Franco- 
fortensis. Oben (mit Bleistift): Varrentrap. 


C. Aus VERSCHIEDENEN KLÖSTERN UND PRIVATSAMMLUNGEN. 


79. 

Phill. 1244. Pap. Spätes xıv. Jh. 96 Blätter und 97*—102* leer. 22,5xX 15,2, 
von einer Hand geschrieben mit verschiedener Zeilenzahl. Rote Initialen und 
Überschriften, rot durchstrichene grosse Buchstaben. Auf Bl. 6. 37. 38. 82 Fe- 
derzeichnungen eines Mönchs, Bl. il eines an einem Tische stehenden Abts; 
häufig leer gelassener Raum für solche Zeichnungen. Bl. 1—3 haben am un- 
teren rechten Rande stark gelitten, sodass hier die Schrift auf 1° fast unleser- 
lich ist. Lagen von 12 BÜ., nur die letzte von S mit Vorsetzblatt (doch fehlt 
jetzt das 1. Blatt der ersten und das 7. der fünften Lage, daher Lücken im 
Texte); gerählt von tert! — octavus. Alter weisser Lederband mit 4 Metall- 
knöpfen auf jeder Seite; ursprünglich waren es deren 5. Auf der Aussenseite 
des Deckels ein Pergamentstreifen mit dem Titel: 

Regula Beneldicti Theutonice. 


Prolog (fragmentarisch): 1% frod Und darumb so süllent wir nun vff' stän 
wan v’ns dü hailig geschrift lert vnd vf wekt vnd spricht alsus Hora © 
jan nos de sumno surg’e Es ist zit das wir nun vf standint | vo dem schlaff 
ET — 3b das wir damit verdienent das wir werdint mitgesellen sines ewigc 
riches. 

42 Register: Hie vahet an die Capitel der Regul d® münch. ı Von der 
mängi vnd dem geschläht d° münch — 5b ıxxu Do vö daz nit ain icklichü 
behaltnüg der gerehtikait sy in diser regul vff gesetzt. 

6* Hie vahet nun an der text der Regul. E das wir aber gangint an 
den anvang so ist da vor ze merkend (Text, erst lateinisch, dann deutsch. in 
72 Cap.) — Schluss 92b so kumst du mit der schirmung |gotes | zü der inerren 
höhinun | der ler der tugend | der wir vor mäls | da obna gedäht haben | vnd 
das v’ns das allen widervar | des helf vns | der vatter | der sun | vnd der hai- 
lig gaist | Amen. 

9382 Aufzihlung geistlicher Orden, zumeist mit Angabe ihrer Tracht: x. B. 
Ordo scI Basilii ain swartze offen Mantel | vnd aine gräen rok darvnd® vnd 
ainen blaen schappran darob vnd ain wiss schnur där vber als der orden Ba- 
chumii. 


78 III. ChELTENHAM 


94 lat. Regel (der Trappisten?): Silentium summum et ppetuum seruct’ 
in etfna — 96%. 

Deutsche Benedielinerregeln: a) Engelberger im (reschichtsfreund XXXIX 
(1584); 5) Hohenfurter Z. f. d. A. 16, 224—279; c) Münchener WSB. 98 
(1881); d) Orforder hy. von E. Sievers, IIalle 1887; e) Admonter hg. von V. Kü- 
ferbeek im Grazer Gymnastalprogranm 1868; f) im (od. Salem. vıı.2 (xv. Jh.) 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des hinteren Deckels (xv. Jh.): Iste liber 
ptinet ad moste’iü otnbure. 

80. 

Phuül. 2188. Pap. Spätes xvı. Jh. 28 Blätter. 32,5 x 21,2. Jede Seite durch 
rote und schwarze Linien begrenzt; vor jeder Abteilung am Rande ein farbiges 
Wappen; das der Stadt Augsburg (ron 6 anderen umgeben) auf dem Titelblatte. 
Schweinslederband. 

Chronik der Stadt Augsburg. 

12 Hernach volgen | in disser Cronica — 28? Anno 1579 ist die statt 
augspurg 2708 jar gestannden. 

Vgl. Die Chroniken der deutschen Stüdte Bd. 4 und 5. 


81. 

Phill. 2623. Pap. xv. Jh. 97 Blätter. 21,3 x 14,8, von einer Hand ge- 
schrieben. Rote Initialen, die erste grotesk (mit Menschenköpfen) verziert, rot 
durehstrichene grosse Buchstaben. Lagen von 12 BU. (die letzte mit Hinter- 
Custode), durch Anfangsworte am Schluss (doch vielfach weggeschnitten) sig- 
niert. Wasserzeichen: ein nach links gewendetes I mit Blume über dem senk- 
rechten Schafte. Alter IHolzdeckel mit rotem gepresstem Lederbezug. 

feneas Sylvius’ Eurtalus und Lurrelia, deutsch von Niclas von 
W’yle. 

Dedieationen des Aeneas Sylvius: 1) 18 Dem hochgeachten vnd wolgebor- 
nen Ritter her’ Caspar Schlicken herren der nuwen burg keyserlichem Canzler 
vnd heuptman zü egre vnd zü dem elnbogen..... 2) 4" Eneas Silvius.... sagt 
vil heils Mariano sosino .... 

Anfang der Erzählung 8°: Was großer eren angeleyt vnd erbotten wor- 
den syn keyser Sigmüden da er des ersten in reit zü Senis (darinen du vnd 
ich geburtig syn) ist yetzt allenthalben kunstbar vnd offen — Schluss 94% das 
ynen das kom zu nutze vnd sich nit flissen zü trinken das getranck der lieben 
Das fer vnd wyt me aloes vnd bitterkeit in ym hat dan hunges oder susse. 
Vale. Geben zii wien qüto nono(!) July anno «ni millesimo quadringetesino qua- 
dragesimo quarto. 

BI.95 f. leer. BI.97® (xvım. Jh.) Litteraturnotizen über das Werk:...... 
Aus dieser Handschrift ist die sehr seltene Übersetzung abgedruckt auf hiesiger 
Bibliothek (weicher?) fol. 668 p. sine loco et anno. fol. Hinweis auf die Vor- 


78 — 19 77 


genomen vB vil buchern der heilig6 schrift. Alle vnser geistliche vortgang vnd 
vnser füdamet geistlichen lebens — 271® Want sant Jheronimus spricht Es 
ist swere ja vnmogelich von wollusten zu wollusten zu komen. AMEN. $. zu 
Phill. 719 BI. 888. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Deckels Buchmarke mit der In- 
schrift: Symbolun Bibliothecae Joannis Bernardi Nack Civis et Mercatoris Franco- 
fortensis. Oben (mit Bleistift): Varrentrap. 


C. Aus VERSCHIEDENEN KLÖSTERN UnD PRIVATSAMMLUNGEN. 


79. 

Phill. 1244. Pap. Spätes xıv. Jh. 96 Blätter und 97*— 102* leer. 22,5x 15,2, 
von einer Hand geschrieben mit verschiedener Zeilenzahl. Rote Initialen und 
Überschriften, rot durchstrichene grosse Buchstaben. Auf Bl. 6. 37. 38. 82 Fe- 
derzeichnungen eines Mönchs, Bl. {1 eines an einem Tische stehenden Abts; 
häufig leer gelassener Raum für solche Zeichnungen. Bl. 1—3 haben am un- 
teren rechten Rande stark gelitten, sodass hier die Schrift auf 1° fast unleser- 
lich ist. Lagen von 12 Bll., nur die letzte von 3 mit Vorsetzblatt (doch fehlt 
jetzt das 1. Blatt der ersten und das 7. der fünften Lage, daher Lücken im 
Texte); gezählt von tert? — octavus. Alter weisser Lederband mit 4 Metall- 
knöpfen auf jeder Seite; ursprünglich waren es deren 5. Auf der Aussenseite 
des Deckels ein Pergamentstreifen mit dem Titel: 

Regula Benedicti Theutonice. 


Prolog (fragmentarisch): 1% frod Und darumb so süllent wir nun vff stän 
wan v’ns dü hailig geschrift lert vnd vf wekt vnd spricht alsus Hora & 
iam nos de sumno surg’e Es ist zit das wir nun vf standint | vö dem schlaff 
dr — 3b das wir dämit verdienent das wir werdint mitgesellen sines ewige 
riches. 

4° Register: Hie vahet an die Capitel der Regul d?® münch. ı Von der 
mängi vnd dem geschläht d® münch — 5b ıxxı Do vo daz nit ain icklichü 
behaltnüg der gerehtikait sy in diser regul vff' gesetzt. 

6° Hie vahet nun an der text der Regul. E das wir aber gangint an 
den anvang so ist da vor ze merkend (Text, erst lateinisch, dann deutsch in 
72 Cap.) — Schluss 92b so kumst du mit der schirmung |gotes| zü der inerren 
höhinun | der ler der tugend | der wir vor mäls | da obna gedäht haben | vnd 
das v’ns das allen widervar | des helf vns | der vatter | der sun | vnd der hai- 
lig gaist | Amen. 

932 Aufzählung geistlicher Orden, zumeist mit Angabe ihrer Tracht: x. B. 
Ordo scI Basilii ain swartze offen Mantel | vnd ains gräen rok darvnd® vnd 
ainen bläen schappran «därob vnd ain wiss schnür där vber als der orden Ba- 
chumii. 


78 III. CuELTENHAM 


94° lat. Regel (der Trappisten?): Silentium summum et ppetuum seruct® 
in et'na — 968. 

Deutsche Benedictinerregeln: a) Engelberger im Geschichtsfreund xxxıxX 
(1884); b) Hohenfurter Z. f. d. A. 16, 224—279; c) Münchener WSB. 98 
(1881); d) Orforder hg. von E. Sievers, Halle 1337; e) Admonter hg. von V. Kä- 
ferbeck im Grazer Gymnastalprogramm 1868; f) im Cod. Salem. vı1.2 (xv. Jh.). 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des hinteren Deckels (xv. .Jh.): Iste liber 
ptinet ad moste’iü otübure. 


80. 

Phil. 2188. Pap. Spätes xvı. Jh. 28 Blätter. 32,5 x 21,2. ‚Jede Seite durch 
rote und schwarze Linien begrenzt; vor jeder Abteilung am Rande ein farbiges 
Wappen; das der Stadt Augsburg (von 6 anderen umgeben) auf dem Titelblatte. 
Schweinslederband. 

Chronik der Stadt Augsburg. 

12 Hernach volgen | in disser Cronica — 28° Anno 1579 ist die statt 
augspurg 2708 jar gestannden. 

Vgl. Die Chroniken der deutschen Städte Bd. 4 und 5. 


81. 

Phill. 2623. Pap. xv. Jh. 97 Blätter. 21,3 x 14,8, von einer Hand ge- 
schrieben. Rote Initialen, die erste grotesk (mit Menschenköpfen) verziert, rot 
durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen von 12 Bil. (die letzte mit Hinter- 
Custode), durch Anfangsworte am Schluss (doch vielfach weggeschnitten) sig- 
niert. Wasserzeichen: ein nach links gewendetes I mit Blume über dem senk- 
rechten Schafte. Alter Holzdeckel mit rotem gepresstem Lederberug. 

fencas Sylvius’ Eurialus und Lucretia, deutsch von Niclas von 
Wyle. 

Dedieationen des Aeneas Sylvius: 1) 1* Dem hochgeachten vnd wolgebor- 
nen Ritter her’ Caspar Schlicken herren der nuwen burg keyserlichen? Canzler 
vnd heuptman zü egre vnd zü dem elnbogen..... 2) 4” Eneas Silvius.... sagt 
vil heils Mariano sosino .... 

Anfang der Erzählung 8°: Was großer eren angeleyt vnd erbotten wor- 
den syn keyser Sigmüden da er des ersten in reit zü Senis (darinen du vnd 
ich geburtig syn) ist yetzt allenthalben kunstbar vnd offen — Schluss 948 das 
ynen das kom zu nutze vnd sich nit flissen zu trinken das getranck der lieben 
Das fer vnd wyt me aloes vnd bitterkeit in ym hat dan hunges oder susse. 
Vale. Geben zü wien qüto nono(!) July anno dnI millesimo quadringetesimo qua- 
dragesimo quarto. 

Bl.95 f. leer. Bl.97® (xvım. Jh.) Litteraturnotizen über das Werk: ...... 
Aus dieser Handschrift ist die sehr seltene Übersetzung abgedruckt auf hiesiger 
Bibliothek (welcher?) fol. 668 p. sine loco et anno. fol. Hinweis auf die Vor- 


79 — 83 79 


bereitung einer Ausgabe siimmtilicher Werke des Aeneas Sylvius durch Hofrat 
Zapf ete. 

Auf der Innenseite des Vorderdeckels ein Portrait (des Aeneas Sylveius?) 
mit Rotstift. 

Vgl. Kellers Ausgabe der Translationen von Nielas von W’yle, Stuttgart 1861, 
Ss. 13—78. Unsere Is. stimmt zu Pal. germ. 191. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Vorderdeckels: ex bibliotheca J. 
Th. Wideburg Professoris Helmstadiensis. 


82. 

Phill. 2669. Pap. xvi. Jh. 194 Blätter (ausserdem viele leere und 1*. 2*. 
195*—199* zugeheftet). 19,5% 17,3. Rote Initialen und Üoerschriften; rol 
durchstrichene grosse Buchstaben. Gepresster gelber Lederband mit der lJustieia 
im Mittelschilde. 

Hamburgische Rechtsbücher. 

1* (xvım. Jh) Rechtssprüche aus dem alten und neuen Testament: Levitiei 
xıx. Gij schoelt nicht vnrecht handeien am gerichte — 2*s, 

12 Stadtbuch vom Jahre 1497. Yorrede (rot): Wo hamborch in en ys 
ghekäamen vnde mydt velen priuilegyen begyfftygeth. So denne mänygerhande 
gebreke halu& Eyn Radt tho hamb endrachtygen bewillede am .auende aller 
hilge Do m& screff' duset veerhundert Seu& vn negentych Erer Stadt boeck fly- 
tych to besychtyende — 34. 

35°—58b Register; am Schlusse: Ffinis laeth vns gan | dar de beste wynn 
ys anno ıc. 

59®* (rot) Hyr hefft syck an der Stadt bock. In deme name des vaders 
vnde des sones vnde des hilg& geystes Deyth de -Radt vnde wyttegesten va 
hamb wythek alle de jenn@ de nu hir syh dat se syck hebben vorenygeth 
vnd recht ghesetteth — Schluss 128° den schaden doru& de beholden gudere 
nycht mede ......... (unleserlich). ffinis. 

1298 Recessus Hamburgensis Anno xxıx (1529). Dabei vermerkt eine 
Hand des xıx. Jh.: Der lange Recess von A° 1529. Anfang: Gade dem al- 
mehtigenn tho laue....hebben Etlyke des E.R..... dessen nabescr artikell 
Recesses wyße.... yn serifte stellen laten — Schluss 194® dath ghehore frede 
vnde eydracht yn dusser gulen Stadt voderholden vnde ghehandthauet werde 
Amen. Dazu (xıx. Jh.) 195*—197* Register. 

Vol. zu Phil. 7411; zum Stadtbuch Lappenberg, Hamburgische Rechtsalter- 
thümer 1, cxxıv und 163— 320. 

Zur Geschichte: 1° Joachimus Freytagk me possidet 1619. 


83. 


Phill. 2825. Perg. xıv.[xv. Jh. 8 Blätter und je eine C’ustode (das kleinere 
S. Blatt ist auf der hinteren Custode aufgeklebt). 38x 27,1, von einer Hand 


80 III. CuELTENHAM 


einspaltig geschrieben, die Seite zu 29 Zeilen (8% zählt nur 24). Eine rote ver- 
zierte Initiale zu Beginn, rote grosse Buchstaben oder mit der Feder gerogene 
und dann rot durchstrichene und verzierte an verschiedenen Stellen. Das Per- 
gament ist am untern äussern Rande verrissen, ohne dass dadurch der [Tert be- 
schädigt wäre. Eine Lage. Alter Holzdeckel mit braunem Lederberug,; von 
ehemaligen Schliessen sind nur noch die Klappen vorhanden. Auf dem Vor- 
derdeckel in roter Umrahmung mit grossen schwarzen Buchstaben der Titel: 

Das leben säcti Sebaldi. 

12 Es was ein kunig zu Tennmarck Der was tugentlich frum weyß vnd 
gotlich vnd het ein gotlich frum frawen | die het lang nicht erben — 8°? Des 
erwerb vns sant sebald mit der hochgelobte himelkeisserin der junekfrawe marie 
| von der heiligen driueltigkeit amen. Darauf: Item der dise legent von se- 
bakl heran geschriben hat der was eins mals zu frewnden (!) landen | vnd kom 
in grosse kumernuß vnd leyde | do ruft er got vnd sant sehald an vnd pat 
sant sebald das er im vmb got erwurb | das er im hulffe auß de kumernuß 
vnd leide | darumb wolt er mit seinö eigen hant sein legent schreibe | vnd 
herein in sein kirche oppffern | von stunt an ward er erledigt vö seine leiden 
vnd kumernuß | des dancket er got vü sant sebald vnd volbracht sein ge- 
lubde ı€. Deo gratias Amen. 

Vielleieht Originalhs. Vyl. zur Legende Wackernagel, Litteraturgeseh. 1%, 
452. Punzer, Annalen 1, 23. 200. Zusitze 128. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite alte Signatur: Ms. Theologie Nr. 248, 
Histoire Nr. 34, ausserdem mit Bleistift Chardin 2331. Ton diesem Antiquar 
erwarb Sır Thomas Phillipps den Code. 


84. 


Phill. 2926. Pap. xv. Jh. 198 Blätter. 40,5 x 28,2, durchaus von einer 
Hand, zweispaltig zu je 40 Zeilen geschrieben. Initialen am Anfang jedes 
Buches in Gold mit farbiger Bildfüllung und reicher Randverzierung fein aus- 
geführt; die übrigen rot mit grüner, blauer ete. Füllung; rote Überschriften, rot 
durehstrichenie grosse Buchstaben; schr schöne Is. Lagen zu 12 Bl. (die letzte 
zu 6 mit Vorderceustode), in der Hs. bezeiehnet je am Schluss durch die An- 
fangsworte der nächsten. Wasserzeichen: aufyehängter Kochtopf. Alter Holz- 
deckel mit gepresstem gelbem Lederberug; 5 Metalllnöpfe auf jeder Seite, 2 
Schliessen. . 

Deutsche Übersetzung des Compendium theoloyicae veritatis, sieben 
Bücher mit jedem Buche vorangehendem Reyister. 

12 Überschrift: (rot) Hie fancht an das bäch daz man nemet Conpen- 
dium sacra (!) theo® veritatis vnd ist getailet in sieben tail oder büch vnd hät 
yeelich bäch ze vorderst sin tauel oder register. Darauf Register des 1. Buches, 
dann Vorrede: Dye warhait der götlichen subtilikait.... 


83 -- 86 81 


Anfang: 1° Das got ist das wirt bewist in maniger hande wis — Schluss: 
197 vnd er enpfancht lön der blibet an alles ende. Amen. 

Vgl. unten Oxford Laud. misc. 521. 

85. 

Phill. 2946. Pap. xv. Jh. 251 Blätter (alte Zählung). 21,6x14,5. Rote 
Initialen, rot durchstrichene grosse Buchstaben und Absatzzeichen. 

Sumndlung medticinisch-alehymistischer Tractate und Recepte, 
zumeist lateinisch. 

Ju niederländischer Sprache: Bl. 2° Item om lijm te maken van hartshoern ; 
Item om lijm te maken daermen steen of glas mede lijjmen mach. Item om 
gout te maken efe. — 8b Item dat die wijnbeyen gheen steen enhebben. An- 
dere Recepte 63 ff. 66® ein Segen: Item dit is een oratie diemen lest ouer een 
bloem eh heet dens leonis dairmen alle warachtige dinghe toecomende ende ver- 
leden warachtelike bi weten mach en beghint aldus. God gruet v. heilige blome 
minre vrouwen sinte marien crüüt vele goede ghi ‘weet wel wat v min vrouwe 
sinte marie beual doe si v in aertrike liet dat men alle warachtighe dinghe an 
v mercken mohte. ic vermane v bi den heylighen daghe ende by der heyligher 
nacht en bider heyligher goeds eraft (!) en biden vier ewangelisten en bider 
heyligher maecht sinte mari& of dese dine N ghescien sal dat ghi v besoect en 
flüüt (!) wel vaste tuschen hier ei morge noene en of dese dine N niet ghescien 
en sel dat ghi groyt en bloyt wel seoen tuschen hier en morghe noene des 
vermaen ic v p prem et filiü et p spm sein. amen. 

686 Notizen über den Bildersturm zu Leyden 1566. 

712 Hier beghint die aert vande quadräte. Sal men mit desen boke vand’ 
mane gherechtelike werken efec. 

205—22 über die Zubereitung von Gold und Lazur. 

Zur Geschichte: auf der Vordereustode: Sum Joannis alphensis et amico- 
rum. Jan meest...... (unleserlich). 


86. 
Phill. 3379. Pap. xv. Jh. (1406). 122 Blätter. 22x 14,2, von einer Hand 


in enger kleiner Schrift zu 32—33 Zeilen. Rote Initialen, rot durchstrichene 


grosse Buchstaben. Die ersten 6 Bil. sind am unteren Rande verrissen, wo- 
durch der Tert auf Bl. 1 geschädigt wird. Lagen zu 12 Bil. (nur die letzte 
zu 14); auf der Innenseite des Derkels (alter gepresster Lederband mit Spuren 
zweier Schliessen) Reste eines farbigen Holzsehnittes: (Gott Vater mit dem 
Kreuze, an dem der Sohn hängt, in der Hand, sw beiden Seiten die Worte: 
Diß buch sagt wie got dz folck dz vö den heilgen patriarchen geborn vff' furt 
von egippte in dz gelöpt lant vnd wie er wunder mit in würcket vnd in die 
zehen gebott gab ze haltent. :c. 
Deutsche Hss. in England I. 1i 


89 III. ChELTENHAM 


Marcus von Lindau Auszug der Kinder Israel in das geloble Land 
und Buch der 10 Gebote (Dialog zwischen Meister und Jünger). 

12 Noli timere sed descende in egyptü :c. — Also stat geseriba in dem 
ersten buche der alten ee. 

Anfang der Gebote: 13® Septies in die cadit iustus puer. xxımı cpt. Also 
scribet der wise salomon süben stund an dem tage so vellet der gerehte. 

Scheint zu schliessen auf Bi. 109% also dz du die bloße worheit in zijt 
gebrüchest vnd in yemer we’nder selekeit niessest vnd ouch mich blinden man 
in dem selbn ziele findest das vns dz beiden widerfare dz verlyhe mir.vnd dir 
der vatter der sön vnd der heilige geist. Amen. 

Vgl. Geffken, Bilderkatechismus des xv. Jh. S. 42 f. 109 f.; wusere Fas- 
sung entspricht der im Cod. Theol. 285 der Göttinger Bibliothek (s. Verzeich- 
nis der Hss. im preuss. Staat 2, Göttingen 2, 469 f.). 
| Anschliessend (109%): Auslegung des Leidens Jobs auf den Text nec 
rephendit me, ebenfalls in dialogischer Form: xgl. Phill. 647, ıv. 

Endlich ein Prosastück (122° --122b) über die schß stücke die eine mön- 
nichen zügehörent. 

Darunter: Explicit liber decö preceptor anno dni MCCCCVT .nneeeeenn. In- 
ceptü sexta feria post festü pentecoste et finitus dominiea quinta p.. . pente- 
costen anno .... (unleserlich). 

Zur Geschichte: 1° unten: Colegii Societatis Jesu ...... (unleserlich), oben: 


Ex bibl. Speyer de Bale. 


87. 


Phil. 3880. Pap. xv. Jh. (e.1477). 243 Blätter, doch sind nach 53 und 
100 je drei, nach 127 zehn, nach 173 und 231 je zwei, endlich nach 242 
vierundzwanzxig leer. 21,5 x14,4, ron mehreren Hünden geschrieben. Rote Ini- 
tialen (nur die erste mit grüner Verzierung), rote Überschriften, rot durch- 
strichene grosse Buchstaben und rot unterstrichene Worte. Lagen su 12 Bil, 
durch Anfangsworte am Schlusse und teilweise auch durch die Zahlen 11. ıır ete. 
markiert. Wasserzeichen (nur fehlt die Blume) und Einband ww Phil. 2623. 

Buch der Reformation der (Brüder- und Schwester-) Klöster des Pre- 
digerordens in deutschen Landen. | 

Voran geht von anderer Hand 1° Dis sind ab* die namen d? swest‘ elöste’r 
vn öch da bi die zal der jare in dem ein ieckliches ist reformiert | vü darü nach 
dselb& ordenüg sind si nach einand® geschribe. ı. Schönösteinbach Ein mil bij 
Gebwiler... Ano dni MCCCLXXXXVIm — XXIII Medlingen Ano dni MCcccLXVvIn. 

S. Hist.-pol. Blätter 75, 31 f. Anm. 

22 Ordnung der Meister des Ordens und der Prorincialen (diffinitores) im 
Generalcapitel. Der Provineial von Tützschland als mm. im rechten chor, der 
von Saxenland als ıx. im lingen chor. | 


83 — 86 81 


Anfang: 1” Das got ist das wirt bewist in maniger hande wis — Schluss: 
197 vnd er enpfancht lön der blibet an alles ende. Amen. 
Vgl. unten Orford Laud. misc. 521. 


85. 

Phill. 2946. Pap. xv. Jh. 251 Blätter (alte Zählung). 21,6x14,5. Rote 
Initialen, rot durchstrichene grosse Buchstaben und Absatzzeichen. 

Sammlung medieinisch-alchymistischer Tractate und Recepte, 
zumeist lateinisch. 

I niederländischer Sprache: Bl. 2% Item om lijin te maken van hartshoern; 
Item om lijjm te maken daermen steen of glas mede lijmen mach. Item om 
gout te maken etc. — 8b Item dat die wijnbeyen gheen steen enhebben. An- 
dere Recepte 63 ff. 66® ein Segen: Item dit is een oratie diemen lest ouer een 
bloem eü heet dens leonis «dairmen alle warachtige dinghe toecomende ende ver- 
ledden warachtelike bi weten mach en beghint aldus. God gruet v. heilige blome 
minre vrouwen sinte marien erüüt vele goede ghi ‘weet wel wat v min vrouwe 
sinte marie beual doe si v in nertrike liet dat men alle warachtighe dinghe an 
v mercken mohte. ic vermane v bi den heylighen daghe ende by der heyligher 
nacht en bider heyligher gocds craft (!) en biden vier ewangelisten eh bider 
heyligher maecht sinte mari@ of dese dine N ghescien sal dat ghi v besoect en 
flüüt (!) wel vaste tuschen hier eü morge noene en of Jdese dine N niet ghescien 
en sel dat ghi grovt eh bloyt wel scoen tuschen hier en morgh@ noene des 
vermaen ic v p prem et filiü et p spm scm. amen. 

680 Notizen über den Bildersturm zu Leyden 1566. 

71* Hier beghint die aert vand& quadräte. Sal men mit desen boke vand’ 
mane gherechtelike werken ete. 

205—22 über die Zubereitung von Gold und Lazur. 

Zur Geschichte: auf der Vordercustode: Sum Joannis alphensis et amico- 
rum. Jan meest...... (unleserlich). 


86. 

Phill. 3879. Pap. xv.Jh. (1406). 122 Blätter. 22x 14,2, von einer Hand 
in enger kleiner Schrift zu 32—33 Zeilen. Tote Initialen, rot durchstrichene 
grosse Buchstaben. Die ersten 6 Bil. sind am unteren Rande verrissen, wo- 
durch der Text auf Bl. 1 geschädigt wird. Lagen zu 12 Bi. (nur die letzte 
zu 14); auf der Innenseite des Deckels (alter gepresster Lederband mit: Spuren 
zweier Schliessen) Reste eines farbigen Iolzschnittes: Gott Vater mit dem 
Kreuze, an dem der Sohn hängt, in der Hand, zu beiden Seiten die Worte: 
Diß buch sagt wie got dz folck dz vö den heilgen patriarchen geborn vff furt 
von egippte in dz gelöpt lant vnd wie er wunder mit in würcket vnd in die 
zehen gebott gab ze haltent. :c. 


Deutsche Hess. in England I. 11 


82 III. CuhELTENHAM 


Marcus von Lindau Auszug der Kinder Israel in das gelobte Land 
und Buch der 10 Gebote (Dialog zwischen Meister und Jünger). 

12 Noli timere sed descende in egyptü :c. — Also stat geseribä in dem 
ersten buche der alten ee. 

Anfang der Gebote: 13° Septies in die cadit iustus puer. xxımm cpt. Also 
seribet deragise salomon süben stund an dem tage so vellet der gerehte. 

Scheint zu schliessen auf Bl. 109* also dz du die bloße worheit in zijt 
gebrüchest vnd in yemer we’nder selekeit niessest vnd ouch mich blinden man 
in dem selbn ziele findest das vns dz beden widerfare dz verlyhe mir,vnd dir 
der vatter der sön vnd der heilige geist. Amen. 

Vgl. Geffken, Bilderkatechisnius des xv. Jh. S. 42 ff. 109 f.; unsere Fas- 
sung entspricht der im Cod. Theol. 285 der Göttinger Bibliothek (s. Verzeich- 
nis der Hss. im preuss. Staat 2, Göttingen 2, 469 f.). 
| Anschliessend (109): Auslegung des Leidens Jobs auf den Text nec. 
rephendit me, ebenfalls in dialogischer Form: vgl. Phill. 647, ıv. 

Endlich ein Prosastück (122°--122b) über die sehß stucke die eine mön- 
nichen zügehörent. 

Darunter: Explicit liber dec& preceptor anno dni MCCCCVIeseeene ee: In- 
ceptü sexta feria post festü pentecoste et finitus dominica quinta p.. . pente- 
costen anno .... (unleserlich). 

Zur Geschichte: 1° unten: Colegii Societatis Jesu ...... (unleserlich), oben: 


Ex bibl. Speyer de Bale. 


87. 


Phill. 3880. Pap. xv. Jh. (c. 1477). 243 Blätter, doch sind nach 53 und 
100 je drei, nach 127 zehn, nach 173 und 231 je zwei, endlich nach 242 
vierundzwanzig leer. 21,5 x 14,4, von mehreren Händen geschrieben. Rote Ini- 
tialen (nur die erste mit grüner Verzierung), rote Überschriften, rot durch- 
strichene grosse Buchstaben und rot unterstrichene Worte. Lagen zu 12 Bil, 
durch Anfangsworte am Schlusse und teilweise auch durch die Zahlen 11. 11 etc. 
markiert. Wasserzeichen (nur fehlt die Blume) und Einband wie Phil. 2623. 

Buch der Reformation der (Brüder- und Schwester-) Klöster des Pre- 
digerordens in deutschen Landen. 

Voran geht von anderer Hand 1* Dis sind ab* die namen d® swest* clöste’r 
vn öch da bi die zal der jarö in dem ein ieckliches ist reformiert | vn darü nach 
d'selbe ordenüg sind si nach einand® geschribe. ı. Schönösteinbach Ein mil bij 
Gebwiler.... Aüno diäi MCCCLXxXxxvIr — XxItI Medlingen Ano dni MCCccLxvII. 

S. Hist.-pol. Blütter 75, 3l f. Anm. 

2a Ordnung der Meister des Ordens und der Prorineialen (diffinitores) im 
Generalcapitel. Der Provineial von Tützschland als ımı. im rechten chor, der 
von Saxenland als ıx. im lingen chor. 


86 — 87 83 


38 Dis ist die zal der covente d’ brudü pdier orden durch die pütz genät 
Theutonia dz ist Tützschland nach der ordenüg nach ein andere als si alt sind 
ER vn merck öch wel& couente gezeichnet sind mit dem rote erütz dz die 
selb@ reformiert sind .... Im ganzen 54: Frisach Cöln F Strasb’'g — Stüch- 
garte 7 Heidelberg F. 

4® Dis sind die namö d® meist’n pdier ordes vö sins anvang .... bis vf 
dise zitt des jars xpI MccccLxx. I Sant Düäics.... — xxxı Lienhard’ vo pe- 
rus ward meist? des ordes nach Marecialis tode (Zusatz jüngerer Hand: xxxu. 
Saluus cassekel (?) de parnome der xxxır meister des ordens gewelt zü rome 
in dem general cappittel Anno dni MCccccLXXXI....)N). 

7® Dis sind die name d’ pulciale die in vnser tutzsche pultz gereygiert 
hand vö angang bis ietz dz ist aho Ani mccccLxxvi I Berchtold dracho ır Hitto 
— xxxvi Jacob’ vö Stupach meist® d® heilige geschrifft v6 dem reformierte 
guete vö wiene vi ist der erste pücial vö den reformierte vettere etc. 

106 Vorrede zum Buch der Reformation. Überschrift (rot): Hie vacht an 
die vorred od* plog’ in dz büch der reformatio d® clost'n pdier ordes die da 
sind in tützschen lande d’ brüd’n vn öch d’ swest'n. Darnach xerfällt das 
Werk in fünf Stücke (Bücher), deren jedes wieder in Capitel geteilt ist. Über 
ihren Inhalt vgl. Z. f. d. A. 19, 478 f. 

1182 Anfang des ‚Textes. Überschrift (rot): Dis büchel wiset vnd -offenbort 
wie die reformaczie oder beschluczte der reformierten clöster brediger ordes vf 
küme sy..... Von d& Anfang des closter zu sc& brigitte in schönösteinbach | 
dz der erste vrsprüg | vnd müter der reformierten clöster ist gesin. Das erste 
Capitel. In dem namen vnsers herre ihü xpi vnd siner lieben müter Marie.... 
So vohe ich an zu schribe den Anfang des closters zu schönesteinbach — 
Schluss 239% solliches verlihe vns allen got der vatter vi der sün vü der 
heilge geist. Amen. (rot) Explieit hatt ein ende dz büch vö d® reformatio ge- 
nät d® elöst'n pdier ordes in der tützsche pultz | dz mit vil arbeit gemachet vn 
witt (!) ze same gefügt vn bracht ist | vn in dem xpi MccccLxvmm geendet vn 
volbracht ist. Got sy es ein lob Amen. 

Es folgen (239®) noch Nachträge über die Reformation der Klöster Ded- 
lingen in Schwaben, Chur und S. Margarethen xu Strassburg. 

Die Hs. deckt sich inhaltlich mit der von Denifle, Hist.-pol. Blätter 75,26 f., 
ferner Z. f.d. A. 19, 478 ff. aus dem BDesitze des S. Galler Bischofs C. Greith 
benutzten und scheint wie diese nur eine wenig spätere Abschrift des Originals 
vom Jahre 1468 zu sein. Das Leben der Margaretha von Kentxingen steht 


1) Bei Barnabas, dem xv. Meister, heisst es u. a.: bij dis® zitt® lebt& vil heilig‘ 
brüd? den vö hertz& we tett d* abgang d’ obseruätz des ordes | vu dz mans nit refor- 
mier& mocht | vnd® den wz bysund® venturins h, sliss. Johänes Tauler. meist’ Eckard ı€', 


81 IIl. CuELTENHAM 


darin Bl. 137 f. Hieher scheinen auch zu gehören die beiden von Schieler, 
Magister Joh. Nider S. ıx. X angeführten Mss. | 

Zur Geschiehte: auf Bl. 243» die alte Signatur .N. ıxı1. Daselbst (xv. J72.)- 
Dis buch gehört in der swestr& elost® zu sct&e Matheus vnd zu set& nicolaus I 
vndis zü stroßburg brediger ordens (ebenso auf der Innenseite les Deckels). 
Darunter (xvı. Jh.): Dis bäch ist d® swest’n des elvst’s zä Sat Nicolaus in vn- 
dis ze Strasburg pdier ordes. Darunter: Dis buch gehert in daß closter zu 
Säta Margareta in straßbur (!) pdier ordes 1636. Auf 1° (mit Bleistift): Ex 
Bibl. Speyer (rgl. Phill. 3379). 


88. 

Phil. 3979. Pap. xv. Jh. (1434). 106 Blätter und vordere Custode. 15x11, 
einspaltig zu 19-—18 Zeilen. Rote Initialen und rot durchstrichene grosse Duch- 
staben. Lagen zu 12 Bil. (die letzte nur zu 10). In Schweinsleder gebunden 
mit Lederstrippen. 

Büchlein des ordenliche lebe». 

1® Das ewig wort das da ist an beginne vß fliessend von dem vaterlichen 
hertzen das sy mit dir min vsserwelte tochter.... Als du begerest min tochter 


U} 0} e ® e 3 [} we . 
das ich sehriben solle ain büchlein aines ordenlichen lebes..... Nun wisß got 
von hymel das mir der bette nit me zü komen ist — 99% so soltu den willen 


der prelate volbringe als vil du den erkennest. (rof) finitus est liber iste p 
me M. Kratz feria sexta in festo sci Joh. bap'* anno dni 1434. 
Von Jo. Nider, s. Schieler, Mag. Joh. Nider S. 395 f. 
996 Geistlicher Tractat von brüder hans nider (spätere Hand). Dienan - 
die da begerund des aller siesteste ... denerin ze sind dienan winscht brüder 
her hans nider — 105*® wan vnser fäl greser ist den der schlechten menschen 


fal vü anfechtung der andächtigen dem dämietig lerer Amen. 


89. 

Phill. 4022. Perg. Spites xıv. Jh. 182 Blätter und je2 Custoden. 18x12,2, 
einspaltig au 20—19 Zeilen. Rote Initialen und Überschriften, rot durchstriehene 
Buchstaben. Lagen zu 8 Bil. (die erste enthält nur noch 7). Alter schwarzer 
Lederband mit Resten zweier Schliessen. 

Leben der hl. Katharina nach Raymundus von Capua. Anfang frag- 
mentarisch: 1* si ghekerstent was starf ende uoer te hemele. Katherina bleef 
bi der borst haerre moeder die se oce minde bouen al haren sonen of dochteren 
— 133* Men sel mercken dat dit ghetoghen is ende uercortet wt der legende 
dder heyligher maghet katherinen uan senis welke legende ghemacet heeft een 
eersamich broeder ghehieten raymüdus een leere in der godheit..... Nochtan 
so mach men den loop haers leuens die al uan miraculen ende bouen natueren 


was celaerliken bier in merken. 


37 — 91 85 


Vol. Campbell, Annales Nr. 1101. 

1342 Hier beghIn& somighe guld@ woorde eü seer stichtich die egidius die 
mirebroed® S. fräcisc» gheselle ghesproke heeft. Die ghenade gods ende die 
duechden sijn recht als een ledder -—- 168® Salich is die knecht die die hey- 
melike dige gods verberghet in syre hertö. Amen. 

Vgl. Ashburnham- Place Barrois 618; beide gehen wohl auf das specu- 
lum S. Franeisei et sociorum eius (Venetiis 1504) zurück; vgl. auch Pfeiffer, 
Altd. Übungsbuch (1866) 200--206. 

169* Hier beghittet spieghel des söders. O alre liefste broeder want wi 
sijn in den weghe deser vliender werelt ende onse daghe uoer liden alse die 
scade der sonne — 182% Op dattu den ewighen doet ontgaen moechste ende 
mit ih'u xps ewelike leuen dat ons allen te samen moet verlenen die ghebene- 
dlide ewicheit. Amen. Amen. 

Vgl. Geffken a. a. O. Beilage 47 f. und Verslagen en berigten der ver- 
ceniging ter bevordering der oude nederl. letterkunde 4 (1847), 28. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite der 2. vorderen Custode: Item dit boec 
heeft heeft (!) ghesereuen ei ghegheuen haer pieter willams z’ onse pater tot 


een ewighe testament daer om bidt voer die siel om gods willen. Ebenda 
(Mitte): Dit boec hoert tot sinte maria magdalenä sustere wonede toe edanı. 


90. 

Phill. 4082. Perg. Frühes xv. Jh. 120 Blätter. 19 x 13,5, einspaltig zu 
18 Zeilen auf linierten und von Linien eingerahmten Seiten. Blau-rote mit 
Ärabesken verzierte oder rote und ‘blaue Initialen, rote Überschriften und rot 
durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen von 8 Bil. 

S. Augustijns Hantboee. 

1° Hier beghint süte augustijns hantboec. Dat eerste. capittel is van d® 
bescouwIge ons her& ihu crist. Want wi in de middel der strick& gheset sy 
so vercouden wi lichtelie — 595 Alle my wese moet dat begheren thent ie in 
mach gaen in die vroechde mys here. Amen. Hier eyndet sinte augustijns 
hantboec. 

Vgl. Phil. 1175 Bl. 1128— 1488, 

60° Hier beghinne sunte Augustinus ghedachte. Dat eerste capittel. Mit 


wackerre sorghen mit sorchfoudigen harte ..... betaemt ons te ondersoeke eh 
te leren -— 120 nochtä w’de onse siele ouermits syre tegöwoerdich* geestelic 
gespijst. 


Phill. 6731. Pap. xvı. Jh. (nach 1525)'). 75 Blätter und 1*--18* (in der 
Ils. wird von I—ıXxxX gezählt, aber —XV. XVHI—XX und XXıf. bexeich- 


1) 8. unten zu Bl. 30b, 


S6 III. CuErL.TENHAM 


nen Seiten, nicht Blätter). 21,1x14,4, von einer Hand einspaltig mit verschie- 
dener Zeilenzahl geschrieben. Initialen: zu Beyinn eines Liedes meist blau und 
rot mit Arabesken, zu Beginn: der Strophen abwechselnd blau und rot. Rote 
Arabesken auch häufig am Ende von Strophen; rote Überschriften; die Seiten 
von Linien umrahmt; Notenschrift auf xLUP— XLIH®. XLVY—LXXIV® und LXXIX f. 
Lagen von verschiedenem Umfange. Wasserzeichen wie oben Phil. 2623. Moderner 
brauner P’appendeckelband mit Lederrücken, darauf in Goldschrift: Geestelykle] 
liedere[fn] A* 140[0] Manuschfript] (1). 
Ntiederländisches Liederbuch. 
1*b Ein Recept; dann die Notiz: Auct. v. Scheidius 1806 f. 2-10-. 
2* Cum aproximaret dominus efe. (mit Noten). 
9*b Libera me domine ete. (ebenfulls mit Noten). 
11* Recepte für Zukerey, om wafelen te backen etr. 
Die god mint 
12*@ Sprüche: Hy is wijs Di hem seluen wacht vo sonden 
Die hen selven kent elr. 


Got Niet 
Eer ir verloren 2 veel nn verloren 
Aen meret. dit wel. 
13* Recepte: 14*—18* leer. 
Anfang des Tertes: 1° Mijn lyef is schoen ende suuerlijeck 
Seer eedel machtich en rijek — (7 Str.) 

(rot) Dit!) is eens hemels gheestelijek Iyedekin Ende men mocht synghen 
tot alre tijt als men vrolije is voer geestelije ende waerlijeke mensche wt vro- 
lijker harte onbegrepe. 

1b Mit vroechden wille wi singhen — (7 Sfr.). 

Hor. belg. x Nr. 108. W. Moll, J. Brugmann 2, 207 (12 Str.). 

Dyt lyedekijn heeft drie wijsen die eerste is drie heren sijn wt ghetoghen 
in dat gulde Jaer En die and® is heer god wye mach ic elghen mijn verloren 
tijt 2). Die dorde het viel eens hemels douwe op ee eley maech” ?). 

2b Wy willen ons gaen verheffen 

bouen allen aertschen dinghen 
Ende climmen met onse ghedachten 
onder die seraphinnen etc. (Christus und die Seele, 7 Str.) 

Scheurleer, Een deuoet .... boecerken, ’s Grravenhage 1589, Ar. cLvı (13 Str.). 

Dit lyedeky heeft twee wijsen Die een is Ic wil my seluen troesten en 

1) In der Hs. stehen die Anweisungen über Melodie etc. immer vor dem Liede. 


2) Hor. belg. x Nr. 60. 
®) Hor. belg. x Nr. 23. 


91 87 


maeken cenen moet!) Ende die ander is Me'sky wilt ghy met me gaen aen 
ghenre gaerde al daer. 

3b Voerlanghen voerlanghen du doeste mynre jongher hartge pyne — (6 Str.). 

Hor. belg. xı Nr. 157. 

Dit is voerlanghen int gherstelije Ende beghint ald’ eü is cens hemels 
lyedekijn. 

4° Die wynter di wil laten of 

Die meye coet hier strijken — (14 Str.). 

Dit is eens hemels Iyedeken Ende gaet op die wijse Als ons die wynter 
oerloef gheeft soe spruten die bloenkijns suverlyken. 

5b Natur wij moten scheyden 

Dat is my groot profijt — (17 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Ic weet een moellenaerinne van herten 
also fiin?2). Maer die ander twee sine of regulen sellen op gaen als die twee 
eersten Maer die vijften sin of reghel sal nedergaen. 

6b Claerluchtich hoechgheboren Vry edel keyserin — 10 Str.). 

Marienlied; das Acrostichon ergiebt den Namen Katherina. 

Str. 10 Katherina is gheheten 
Dit ouer soete liet 
Ysbrandus suldi weeten 
Heeft dus haer naem bedliet 
God gon hem beyd te samen 
Te comen wt dit ellende 
Mit sielen en lichaem 
Daert vroechden is sonder ende. 
Sonder eynde Claerluchtich ıc. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Ter Maes al opten Rijn Daer woent een 
jonckfrouliin. Maer men sel die woerden van den lesten reghel wat langhe in 
die mont houden ende draeyen want men moet den dutsem altijt wat toeghe- 
ven van allen lyedekens dat een mer dat ander min als men wel ter «deghen 
synghen sal ander en ist niet veel tswaerts den sanghe. 

7b Jhesus mijn alreliefste heer 

Mijn hart dat is tot v altoes — (5 Str.). 

Dit lyedeken gaet op die wijse Het was een wijf sy en had gheen kijnt 
si) settede een kalf op haren schoet. Dazu von spüterer Hand am Rande: 
Dese dree navolghende liedekijns heeft ghedicht die dyt bouck ghescreuen heeft. 

8b Och of ie in den hemel waer — (4 Str., s. Anhang). 

Dit lyedekijn heeft twee wijsen die een is als men acht regulen voer een 


\!) Hor. belg. x Nr. 62 f. 
2) Hor. belg. 11°, xxx. Scheurleer Nr. CVII (ebenfalls als Melodie). 


86 III. CuELTENHAM 


nen Seiten, nicht. Blätter). 21,1x14,4, von einer Hand einspaltig mit verschie- 
dener Zeilenzahl geschrieben. Initialen: zw Beginn eines Liedes meist blau und 
rot mit 4rabesken, zu Beginn. der Strophen abwechselnd blau und rot. Rote 
Arabesken auch häufig am Ende von Strophen; rote Überschriften; die Seiter 
von Linien umrahmt; Notenschrift auf xu.ud —xLin®. XLY—LXXIV® und LXXIX f. 
Lagen von verschiedenem Uhnfange. Wasserzeichen wie oben Phill. 2623. Moderner 
brauner Pappendeckelband mit Lederrücken, darauf in Goldschrift: Geestelyk|e] 
liedere[fn] A>* 140[0] Manusch[ript] (1). 

Niederländisches Liederbuch. 

1*b Ein Recept; dann die Notiz: Auct. v. Scheidius 1806 f. 2-10-. 

2* Cum aproximaret dominus efe. (mit Noten). 
9*b Libera me domine ete. (ebenfalls mit Noten). 
11* Recepte für Zukerey, om wafelen te backen etr. 
Die god mint 
Die hem seluen wacht vo sonden 
Die hen selven kent etr. 


Goe Niet 
Eer a, verloren ES ee verloren 
Sie] ee 


Aen meret dit wel. 
13* Recepte; 14*—18* leer. 
Anfang des Textes: 1° Mijn lyef is schoen ende suuerlijck 
Seer eedel machtich en rijek — (7 Str.). 
(rot) Dit!) is eens hemels gheestelijck Iyedekin Ende men mocht synghen 
tot alre tijt als men vrolije is voer geestelije ende waerlijeke mensche wt vro- 


12*2 Sprüche: Hy is wijs 


al 


lijker harte onbegrepe. 

1b Mit vroechden wille wi singhen — (7 Str.). 

Hor. belg. x Ar. 108. W. Moll, J. Brugmann 2, 207 (12 Str.). 

Dyt lyedekijn heeft drie wijsen die eerste is drie heren sijn wt ghetoghen 
in dat gulde Jaer Eü die and’ is heer god wye mach ic elghen mijn verloren 
tjjt2). Die dorde het viel eens hemels douwe op c& cley maech” ?). 

2b Wy willen ons gaen verheffen 

bouen allen aertschen dinghen 
Ende climmen met ons& ghedachten 
onder die seraphinnen etc. (Christus und die Seele, 7 Str.). 

Scheurleer, Een deuoet .... boecıcken,’s Gravenhage 1889, Ar. cLVI (13 Str.). 

Dit lycdeky heeft twee wijsen Die een is Ice wil my seluen troesten en 
9 In der Hs. stehen die Anweisungen über Melodie etc. immer vor dem Liede. 


2?) Hor. beilg. x Nr. 66. 
8) Hor. belg. x Nr. 23. 


91 87 


maeken cenen moet!) Ende die ander is Me’sky wilt ghy met me gaen aen 
ghenre gaerde al daer. 

3b Voerlanghen voerlanghen du doeste mynre jongher hartge pyne — (6 Str.). 

Hor, belg. xı Ar. 157. 

Dit is voerlanghen int ghegstelije Ende beghint ald’ en is eens hemels 
lyedekijn. 

4® Die wynter di wil laten of 

Die meye coet hier strijiken — (14 Str.). 

Dit is eens hemels Iyedeken Ende gaet op die wijse Als ons die wynter 
oerloef gheeft soe spruten «die bloemkijns suverlyken. 

5b Natur wij moten scheyden 

Dat is my groot profijt — (17 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Ic weet cen moellenaerinne van herten 
also fjjn?).. Maer die ander twee sime of regulen sellen op gaen als die twee 
eersten Maer die vijften sin of reghel sal nedergaen. 

6b Claerluchtich hoechgheboren Vry edel keyserin — (10 Str.). 

Marienlied,; das Acrostichon ergiebt den Namen Katherina. 

Str. 10 Katherina is gheheten 
Dit ouer soete liet 
Ysbrandus suldi weeten 
Heeft dus haer naem bediet 
God gon hen beyd te samen 
Te comen wt dit ellende 
Mit sielen eß lichaem 
Daert vroechden is sonder ende. 
Sonder eynde Claerluchtich ?e. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Ter Maes al opten Rijn Daer woent een 
jonckfroulijn.. Maer men sel die woerden van den lesten reghel wat langhe in 
die mont houden ende draeyen want men moet den dutsem altijt wat toeghe- 
ven van allen Iyedekens dat een mer dat ander min als men wel ter deghen 
synghen sal ander en ist niet veel tswaerts den sanghe. 

7® Jhesus mijn alreliefste heer 

Mijn hart dat is tot v altoes — (5 Str.). 

Dit Iyedeken gaet op die wijse Het was een wijf sy en had gheen kijnt 
sij settede een kalf op haren schoet. Dazu von späterer Hand am Rande: 
Dese dree navolghende liedekijns heeft ghedicht die dyt bouck ghesereuen heeft. 

8b Och of ic in den hemel waer — (4 Str., s. Anhang). 

Dit Iyedekijn heeft twee wijsen die een is als men acht regulen voer een 

!) Hor. belg. x Nr. 62 f. 
2) Hor. beig. 11°, xxx. Scheurleer Nr. CVII (ebenfalls als Melodie). 


88 III. CuhELTENHAM 


vaers synghet dan is die wyse Gueden dach en guelen nacht vens ic die liefste 
mijn. Ende die ander wijse is als men vier regulen voer een vaers synghet. 


dan is die wijse Het quamen drie rutters ghelöpe gheloepen in een lant met 
netten eh met knoepe het waeren die besten die men vant!). 

9b (x) In liden groot heb ick verdriet 

Ice bin daer toe vercoren — (11 Str.). 
. Dit lyedekijn is ghedicht int jaer ons heren 1495. 

11®2 (xıır) Nu wel heen ende dat moet sijn. 

Vander werelt soe moet ie scheyden — (9 Str.). 

Dese vier nauolghende lyedekens (also 112—12b) mach men synghen op 
dese wijsen Die eerste wijse Ic sach my heer van valkesteyn ?). Die ander van 
die hertoch van sassen Die dorde Ic sie die morghe sterre?) Die vierde wijs Het 
viel op eenen morghestont Ende alle ander lyedekys die men op vier regulen 
synghen mach. 

11b (xıv) Noemt Jhesus lief int herte miin — (9 Str.). 

Op Jie seluen wijse Een suuerlyc lyedekijn. 

122 (xv) Een enich een Een een alleen 

Sel dat eenicheit begripen — (8 Str.). 

Noch op die selue wijse Een suuerlije lyedekijn Maer het is wat vernuft. 

12b (xvb) Hy troer die troren wil — (8 Str.). 

Hor. beig. x Ar. 73 (nach derselben Melodie; nur 7 Str.). 

Dyt lyedekijn gaet op die wijse Ic clam dien boem al op die my te hoghe 
was®) ıc. 

132 (xvı) Als ic aensie die min van deser aerden 

Tis niet dan loch ei al bedroch 

Sij is van gheenre waerden 

Daer om ist guet dat ic my keer 

Tot die min van onsen heer 

Och mocht my die ghewarden ete. (8 Str.). 

Dyt lyedekijn gaet op die wijse Och edel mens wilstu dijn god bekönen 
So moestu al dat in dy is ac. 

13b (xvıb) Och edel mens wilstu dijn god bekennen 

Soe moetstu al dat in dy is 
Tot doechden lere wenen — (8 Str.). 

Noch op den seluen wijse Een gheestelijck lyedekijn. 

14® (xvım) Onder allen vrouwen wyntme (!) gheen 


!) Hor. belg. xI Nr. 58. 

2) Hor. beig. 11°, XXIX und 142; Scheurleer Nr. CXCV. 

3) Hor. belg.11?, xXIX. XXX. XI Nr.96; Willens, Qude vlaemsche liederen Nr.67. 
+, Hor. belg. 11?, XXVIM. 


91 89 


Mijns liefs ghelijk 

Och mocht my heyl van haer schye 
Doe waer ic vrolic ewelije 

O edel schoen int hemels throon 
Braechstu die croon van gouden fijn 
Dijn dienre wilice sijn ete. (8 Str.). 

Een suuerlijck lyedekijn van onser lieuer vrouwe die waerde moeder gods 
maria. 

152 (xvırı) Laet ons suetelijecken synghen 

Van cenen wijnghertranck 
Van paulo willen wi dat beghinne 
Hoe hi die heeft gheplant ete. (10 Str.). 

Dit is een suuerlije gheestelije Iyedeken van den heilighe apostel sinte 
pauwels Ende heeft twee wijsen Die een is Ic hoerde een wilt voghel singhen !) 
Ende die ander wijse is Ter maes al op den rijn daer woent e& ıc. 

15b (xıxP) Ic sach een ander enghel schoen 

Ter sonn&e opganc oprijsen 
Gheteykent als die goeds soen 
Dats franciscus hooch va prise ete. (8 Str.). 

Djt is een suuerlije lyedekijn van onsen heylighe vader franciscus Ende 
men macht singhen op die wise Nu laet ons huden vrolije sijn op desen hoeghe 
dach?) Maer die een ander wijse wet die machse singhen. 

16° (xx) Druck heeft bevaen dat herte mijn — (10 Str.). 

Hor. belg. x Nr. 119 und Ms. ıı, 144 Bl. 100 der kgl. Bibliothek zu 
Brüssel. 

Dit lyedekijn heeft gedicht een dominieus broeder ende gaet op die wijse 
troeren moet ic nacht ende dach eh lijde groot verlangh&°). 

17% (xx1) Trueren moet ie nacht ende dach — (6 Str.). 

Auch Brüssel Ms. ı1, 144 Bl. 17; Scheurleer Nr. cxxxım (5 Str.) 

Och op die selue wijse Troer&e moet ie nacht ende dach int gheestelije. 

17b (xxır) Hier bauen in den hemel — (7 Str.). 

Dit is een gheestelije liedekijn ende heeft hier eerst ghesonghen Hillegont 
Aeronts dochter Cornelis Cornelissoens huusvrou int jaer ons heren 1497. 

18° (xxımı und mit diesem Unterschiede bis zu Finde) 

Aen siet hoe lustelic is ons die Mey ontdaen — (7 Str.) 

Vgl. Hor. belg. x Nr. 104. 

Een suuerlije Iyedeken van die mey int gheestelije. 


1) Hor. belg. ı1?, xxIx. 
?) Hor. belg. ı1® Nr. 203. 
®) Hor. belg. x Nr.147 und Brüssel Ms. 11, 144 Bl.%. 


Deutsche Hss. in England I. 12 


90 III. CHELTEXNHAM 


1Sb Als ie beghin te dencken — (8 Str.) 
Scheurleer Nr. CXXIX (7 Str.) 
Dit Iyedekijn gaet op wijse haer vriendelije ogheekijns wencken. 
192 O Sceyden du ereneste my die moet 
Du beroefste my die sinnen 
Hoe wee dat my dat scheyden doet 
Nochtans wil iet berhinnen. Hoe wee ze. (9 Str.) 
Dit Iyedeken gaet op die wijse Heid ie die slotel van den dacch Ile ver- 
pen (!) soe ver aen ghene rijn !). 
19’ Daer isser mer dan tie ghevinden can 
Des en geloceue ie wijf of man — (8 Str.). 
Dit Iyedekijn gaet op die wijse mijn moederky is ghestoerwen die my ten 
besten riet Si gauen my den ouden den ouden man Maer om sys goets wille 
ehine ıc. 


20» Die strijt van Vlanderen is opheuen — (s. Anhang). 

212 Och doot doot doot die niement en spaert — (s. Anhang). 

21]b Tusschen de berch hoghe — (s. Anhang). 

22b Dien edelen heer van Brunsesvick — (s. Anhang). 

23° Her Danel ghy sijt soe schoenen man — (s. Anhang). 

23b Reghenboech waerop so sedt die jonghelyne syne sinnen — (7 Str.) 


IHor. belg. xı Nr. 127 (S Str.). 
Dit. Iyedekijn is van den reghenboech ende van die doet En is seer gue- 
lijieke om horen. 
24° Ick wil verhoechghen mijnen sin 
Ende laten ouerlijden 
Daer werelts vroechlde eü al haer min 
Tot ihesum wil ie my tyden. Daer 20. (13 Str). 
Dit Iyedekijn gaet op die wijse Wildi horen een nuwe liet dat salmen v 
singhen. Hoc dat mijn heer serloes die Jukenaers woude verwinen. 
252 Och waer ie in mijns vaders lant — (8 Nr.) 
Ilor. bely. x Nr. 43, aber 13 Str; Brüssel Ms. m, 144 DU 17% (8 Str.) 
Dit is een gheestelijek suuerlijck Iyedekijn En heeft drie wijsen Die eerste 
is die ou wijs alsoe beghint die konde ghi alle gader wel Die ander is Het 
dlaghet wonderlijke ic sye die liehte dach van die liefte mocht ie swiecen ıc. 
Dit is een ouerlantse wijse (des Lied selbst, 5 neunzeilige Str., zu Brüssel Ms. 
ı, 144 Bl. 76; es ist ein Tagelied) Die dorde wijse is als men een vaers in 
twee delt Het viel op eenen morghe stont. 
25P Min suete lief woent in den hemel — (S Str.) 
Dit is een gheestelije lyedekijn. 


1) Hor. belg. 11°, XXVI. 


91 91 


26° Het bloeyet die werelt ghenoegelie 
In mijnen dommen sinnen — (6 Str.). 

Vol. Hor. belg. x Ar. 79 Str. 2 f. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Wye wil hoeren een nyewe liet En is van 
die koeren bytters van machelen Hoe dat die vrouwen den strijt wonne teghens 
die mans in die dier tijt. 

26b Hoe luydt soe sanc die geest wt rechter minnen 

Soe wye in grooten sonden leeft 
Die mach hem wal versinnen — (5 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Hoe luydt so sanc die leere op der sinne). 

272 In alder werelt en is ghen troest — (4 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Ic sie die morghesterre Mijn liefkijns claer 
aenschy *) :c. 

276 Wi moeten van deser werelt scheyden — (5 Str.). 

Schenrleer Nr. COX. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse het was een scaephaerdekijn wtter syuoen (!) 
hy had sijn scapkijns ghebrocht int perck :c. 

23? Van liefsten coemt groot lieften — (5 Str.). 

Moll, J. Brugmann 2, 175. Willens, Oude vlaemsche liederen Nr. 205; 
vgl. Archief voor nl. kerkgesch. (1886) 42. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse. Van liefste coemt groot lieffen En onder 
willen (!) oeck grot leit?). 

28b Och licht des hemels schijn — (4 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse. Tis al verkert dat plachte sijn In gueder 
trouwer minnen 20. °). | 

28b Jhesus seker toeverlaet -— (6 Str.). 

Dit Iyedekijn gaet op die wijse hanselijn ouer die heide reet?). Men singhet 
veel in discant. 

292 Ic lide soe groet verlanghen 

O lieue here mijn — (Christus und die Seele; 7 Str.) 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Ic lye soe grote vroechde al in dat harte myn. 

29® Een blijden moet in teghenspoet — (7 Str.) 

Moll a.a. O0. 2, 198 ff. (9 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse. Het reet een rider iaghen wt aen geen- 
der heiden staet groene Hi en vant daer niet te iaghen®). 


!) Hor. belg. x Nr. 122 f. Moll 2,189 f. Archief voor nl. kerkgesch. (1856) 47 f. 
2) S. oben S. 885 Anm. 3. 

®) Hor. belg. xı Nr. 158. 

*%) Hor. belg. xı Nr. 148 (gleicher Anfang). 

5, Hor. belg. ı? Nr. 68. 

°) Hor. belg. 11%, XxVLif. 


90 III. CHELTENHAM 


18b Als ic beghin te dencken — (8 Str.). 

Scheurleer Nr. exxıx (7 Str.).. 

Dit Iyedekijn gaet op wijse haer vriendelije ogheekijns wencken. 

192 OÖ Sceyden du ereneste my die moet 

Du beroefste my die sinnen 
Hoe wee dat my dat scheyden doet 
Nochtans wil iet beghinnen. Hoe wee ze. (9 Str.). 

Dit lyedeken gaet op die wijse Hed ie die slotel van den daech Ie ver- 
pen (!) soe ver aen ghene rijn }). | 

19% Daer isser mer dan ie ghevinden can 

Des en geloeue ie wijf of man — (8 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse mijn moederky is ghestoerwen die my ten 
besten riet Si gauen my den ouden den ouden man Maer om sys goets wille 
ghine ıC. 

20» Die strijt van Vlanderen is opheuen — (s. Anhang). 

21° Och doot doot. doot die niement en spaert — (s. Anhung). 

21° Tusschen de berch hoghe — (s. Anhang). 

22b Dien edelen heer van Brunsesvick — (s. Anhang). 

23° Her Danel ghy sijt soe schoenen man — (s. Anhang). 

23b Reghenboech waerop so sedt die jonghelyne syne sinnen — (7 Str.). 

Hor. belg. xı Ar. 127 (8 Str.). 

Dit lyedekijn is van den reghenboech ende van die doet En is seer gue- 
liieke om horen. 

248 Ick wil verhoechghen mijnen sin 

Ende laten ouerlijden 
Daer werelts vroechde en al haer min 
Tot ihesum wil ic my tyden. Daer :c. (13 8tr.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Wildi horen een nuwe liet dat salmen v 
singhen. Hoc dat mijn heer serloes die lukenaers woude verwinen. 

25° Och waer ie in mijns vaders lant — (8 Sfr). 

Hor. belg. x Nr. 43, aber 13 Str.; Brüssel Ms. u, 144 Di. 17b (8 Str). 

Dit is een gheestelijek suuerlijek lyedekijn En heeft drie wijsen Die eerste 
is die ou wijs alsoe beghint die konde ghi alle gader wel Die ander is Het 
daghet wonderlijke ie sye die liehte dach van die liefte mocht ie swiecen zc. 
Dit is een ouerlantse wijse (das Lied selbst, 5 neunzeilige Str, zu Drüssel Ms. 


— 


ı, 144 Bl. 76; es ist ein Tagelied) Die dorde wijse is als men cen vaers in 
twee delt Het viel op eenen morgh& stont. 
25’ Min suete lief woent in den hemel — (8 Str.). 


Dit is cen gheestelije lyedekijn. 


!) Hor. belg. 11%, XXVI. 


91 91 


26° Het bloeycet die werelt ghenoegelie 
In mijnen dommen sinnen — (6 Str.). 

Vgl. Hor. belg. x Ar. 79 Str. 2 f. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Wye wil hoeren een nyewe liet En is van 
die koeren bytters van machelen Hoe dat die vrouwen den strijt wonn& teghens 
die mans in die dier tijt. 

26b Hoe luydt soe sane die geest wt rechter minnen 

Soe wye in grooten sonden leeft 
Die mach hem wal versinnen — (5 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op (lie wijse Hoe luydt so sanc die leere op der sinnet). 

272 In alder werelt en is ghen troest — (4 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Ic sie die morghesterre Mijn liefkijns claer 
aenschy ?) :c. 

27b Wi moeten van deser werelt scheyden — (5 Str.). 

Scheurleer Nr. CCXIM. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse het was een scaephaertekijn wtter syuoen (!) 
hy had sijn scapkijns ghebrocht int perck :ıc. 

25? Van liefsten coenit groot lieften — (5 Str.). 

Moll, J. Brugmann 2, 175. Willems, Oude vlaemsche liederen Nr. 205; 
vgl. Archief voor nl. kerkgesch. (1836) 42. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse. Van liefste coemt groot lieffen En onder 
willen (!) oeck grot leit?). 

28b Och licht des hemels schijjn — (4 Str.) 

Dit Iyedekijn gaet op die wijse. Tis al verkert dat plachte sijn In gueder 
trouwer minnen 2c.%). | 

2sb Jhesus seker toeverlaet -— (6 Str.). 

Dit Iyedekijn gaet op die wijse hanselijn ouer die heide reet?). Men singhet 
veel in discant. 

29% Ic lide soe groet verlanghen 

OÖ lieue here mijn — (Christus und die Seele; 7 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Ic lye soe grote vroechde al in dat harte myn. 

29» Een blijden moet in teghenspoet — (7 Str.) 

Moll a.a. O. 2, 198 f. (9 Str.). 

Dit lyedekijn gaet op die wijse. Het reet een ridder iaghen wt aen geen- 
der heiden staet groene Hi en vant daer niet te iaghen®). 


!) Hor. beig. x Nr. 122 f. Moll 2,189 ff. Archief voor nl. kerkgesch. (1886) 47 f. 
2) S. oben 5. 85 Anm. 3. 

5, Hor. belg. xı Nr. 158. 

*%) Hor. belg. xı Nr. 148 (gleicher Anfang). 

5) Hor. belg. ı? Nr. 68. 

®) Hor. belg. u?, XXVLf. 


92 III. CHELTENHAM 


302 Min hartge dat wil ic gode opgheven 
Ende doen mi alle menschen of — (6 Str.). 

Vol. Catalogus der biblioteek van der maalschappy der nl. letterkunde te 
Leiden 1, 12 Nr. 218 (Onsen god wyl ic myn hartgen opgheven). Bäumker 
in der Vierteljahrsschrift f. Musikwissenschafl 1838 8. 226 f. Ar. 33. 34. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Voerlanghen :c. 

306 Wi willen gode loven 

Mit grooter waerdicheit — (6 Str.). 

Dit lyedekijn heeft hier eerst ghesonghen mijn heer die pastor van die 
nuewe kerck nmıeester Ariaen Cornelis die brouwerssoen int iaer ons heren 1525. 

31®2 Och voer die doot is troest noch boet -- (5 Str.) 

Vgl. Moll a. a. O. 2, 195 f.; Brüssel Ms. ıı, 144 Bl. 13. 

Dit lyedekijn gaet op die wijse Tandernakel al op den ryn!). 

31b Droch werelt my gruwelt vver dijn weesen — (6 Str.). 

Vgl. Hor. beig. ıı!, 83 (als Melodie); Bäumker Nr. 36. 

Dit is een suuerlijk gheestelijk lyedekijn. | 

322 Hadyeu natuer hadyeu solaes — (8 Sir.). 

Brüssel Ms. ı1, 144 Bl. 54. 

Een gheestelije Iyedekijn. 

32b Die werelt heeft my in haer ghewout — (10 Str.). 

Vgl. Archief voor nl. kerkgesch. (1886) 62 f. Alg. konst- en letterbode 
1850 8. 175. Seheurleer Nr. xcıx Van zuster Berthe, aber schon in über- 
arbeiteter Gestalt. 

33® Als ic aensie dit leuen al — (15 Str.). 

Scheurleer Nr. ccııı (10 Str); vgl. auch Bäumker Nr. 51. 

342 Mijn hartge dat leit gheuanghen — (10 Str.). 


34b In hopen wil ic vrolije leuen — (7 Str.). 
34b Mocht ic een weynich spacieren 
Hier bouen inde tbroon — (5 Str.). 
35° Weest vrolije het is gheworden dach — (5 Sir.). 


Hor. belg. ııt, 1, 25 f. Ar. vın. 

35b Jhesus bant o vuerich bant — (6 Str.). 

Hor. beig. x Nr. 60 (aber 10 Str); Archief voor nl. kerkgesch. (1886) 
49 f. Scheurker Nr. xı (8 Str.). 

362 Weest ghegroet o maghet zoet — (9 Str.). 

Auch Brüssel Ms. ıı, 144 Bl. 14. 

365 Jhesus die heeft ende heeft my wt uercoren 

Ic hoep hi ensel my niet laten verloren — (3 Str.). 
37% Daer en is ghen rust in deser tijt — (7 Str.). 


!) Hor. beilg. xı Nr. 149; abweichende Fassung in Brüssel Ms. u, 144 Bl. W. 


91 93 


Auch Brüssel Ms. ı1, 144 Bl. 30; vgl. Hor. belg. x Nr. 69 von Str.2 ab. 

Folgen lateinische Lieder mit Musiknoten (bei den 3 ersten nur für die 
erste Strophe, bei den übrigen durchaus bis 69° — LXXIV*). 

37 Sumus hic sedentes Simul conferentes —. 

38* Surrexit Cristus hodie —. 

38b Osti regis filie eristi —. 

402 Veni sancte spiritus —-. 

40 Ave Maria —. 

40b Felix namque -—. 

41b Salue regina misericordie —. 

43° O lux beata —. 

43b Da pacem domine —. 

44b Benedicamus deuotis mentibus —. 

45b Procedentem sponsum de thalomo (!) —. 

46» Primo tempore alleviata est —. 

48% Consolamini —. 

49 Jube domine silere —. ® 

51* Te deum laudamus —. 

542 Dies est leticie —. 

56® Sanctus sanctus —. 

58* Dies est leticie —. 

59% Puer nobis nascitur —. 

61* Ad festum leticie —. 

62% Verbum caro factum est —. 

62b Ego sum panis vite —. 

63® Sacrum convivium —. 

64* Melchisedech vero rex —. 

64b Discubuit Jhesus —. 

65 Benedic domine —. 

66 Quomodo fiet —. 

67b Regnum mundi —-. 

68% Hoc est preclarum —. 

Wieder nl. Lieder: 

69b Laet ons met herten reyne — (11 Str.). 

Scheurler Nr. ccoxxvı (12 Sir.); Büumker Nr. 48 (hochdeutsch). 

70% God gruet v lieflick beelde soet — (8 Str.). 

712 Mit desen nyewen iaren — (12 Str.). 

Hor. belg. x Nr. 1.2. Willens, Oude vlaemsche liederen Nr. 196 (5 Str.). 

716 Nu laet ons singhen het is tijt — (24 Str.). 

Vol. J. G. R. Acquoy, Kerstliederen en leisen, Verslagen en mededelingen 
der kgl. academie der wetenschapen ıu. deel (1886) S. 367 f. 


94 III. CuELTEXNHAM 


Bl. 73 und 748 leer. 

4b O flos florum —- (mit Noten). 

Zur Geschichte: aus der Bibliothek von Scheidius (s. oben) kam die ls. 
in diejenige Meermanns (Nr. 1042) und von da mit dessen übrigen Hss. in der 
Besitz von Sir Thomas Phillipps. Eine kurze Beschreibung der Hs. gab J. G. 
R. Aequoy in Verslag van de commissie voor geschied- en oudheidkunde varı 
wege de maatschappy der nederlandsche letterkunde te Leiden over het jaar 
1887—88, 8. 56—64. Da diese Hs. unter den spüter erworbenen verspreng& 
stchen geblichen war, gieng sie nicht mit den übrigen Mecermannianis in die 
Berliner kgl. Bibliothek über. Vgl. V. Rose, Lat. Meermann-Hss. 8. v., 


92. 

Phill. 7087. Diese schöne Perg.-Handschrift, deren Hauptinhalt im xıı. Jh. 
geschrieben wurde, ist dieselbe, welche V. A. Kindlinger im Allg. litt. Anzeiger 
1800 Sp. 644—46 beschreibt. Die nur zum kleinsten. Teil von ihm excerpierten 
deutschen (lossen, welche einem sachlich geordneten Glossar auf Bl. 143° Sp.2 — 
1446 Sp.1 und einem alphabetischen auf Bl. 144% und wiederum auf Bl. 167% 
bis 168° Sp. 2 von einer Hand des xım. Jh. übergeschrieben sind, wurden als 
Glossae JMarienfeldenses (Cisterzienserstift Marienfeld in der Diöcese Paderborn) 
in Hoffmanns Althochdeutschen. Glossen $ 40 ron neuem abgedruckt; auf die- 
selbe Us. gehen auch die von Graff mit der Sigle Tr. bezeichneten Glossen zu- 
rück. Vgl. darüber Steinmeyers Ahd. Gil. 3, 421. Die Hs. enthält auf 
Il. 12 —1b Sp. 3 ferner den Marienfelder Bibliothekscatalog, der aus dem Litt. 
Anz. a. a. O. wiederholt in Naumanns Serapeum (1848) 9, 20 ff. steht; vgl. 
auch (G. Becker, Catalogi bibliotheenrum antiqui, Bonn 1335, S. 258 Ar. 168 
und Gottlieb, Über mittelalterliche Bibliotheken (1890) 8. 52. \ 

Das sachlieh geordnete Glossar ist nach meiner Abschrift in den Ahd. Gl. 
3, 715— 722 gedruckt; das alphabetische und eine eingehendere Beschreibung des 
Coder wird der 4. Band bringen. 


93. 

Phill. 7129. Pap. xv. Jh. 46 Dlätter, in der IIs. gexühlt als I—XLYvi. 
31x 22, von einer Hand zweispaltig zu je 40 Zeilen geschrieben. Farbige Inı- 
ttalen auf Goldgrund, rote Ü berschriften, rot durchstrichene grosse Buchstaben; 
fast auf jedem Bl. kleine, schr prinitiv ausgeführte Texrtbilder. Lagen zu 12 Bil, 
die letzte zu 10. Wasserzeichen: zwei gekreuzte Schlüssel. Blauer Atlasband. 

Genesis mi der Glosse. 

12 Wee allen den dy vnnutz gedankcehen habent || Glos wirt den wce dy 
vnnutz gedankchä habent michel wirser wirt den dy vnnutzt vnd pöse sun- 
dige werch wirkchen .... — 46b (Tod Josephs) Wann aber dye andern prudern 
starben Do fürt man sy aus........ (rot) Incidentia was dy tzeit haidenischer 
chunig warenn. endt. finis, 


91 — 9 95 


94. 

Phill. 7341. Pap. xv. Jh. coxxx Dlätter (so in der Is. gezählt, doch 
fehlen jetzt ı—xuı) und 1*—23* 231*—239* sowie vordere (Custode. Ver- 
schiedene Hände und Zeilenzahl. Einzelne rote Überschriften. Alter brauner 
Holzband mit Lederrücken und einer Schliesse. 

Medicinische Tractate ete. über die Pest. 

Auf der Custode Recepte von einer Hand des xvır. Jh. 

1* findet sich der Name: Margaretha Caritt (?) in Wurttzburg [1]565. 

2*_21* Register zu Doctor Heinrich Stainhowells büchlein von 
der Pest (xvı. Jh... Das Büchlein selbst wird auf den fehlenden DU. 1—x1ı 
gestanden haben. 

432 —51b Missa contra subitanea mortem sive pestilentia (Inf.). 

52—59 leer. 60% Item zu der zeit der pestilentz sol man fliehen das ge- 
main pad vnd sol machen ain hauspad von den nachgeschriben stuckein — 61®. 

622 (xvr. Jh.) Hiernach stett geschriben wie man salben vnd plaster ma- 
chen soll — 633%. 

64—71 leer. 72% Contra Pestilentiam (in Briefform): Ach liebes frünt- 
lichs frewlein das ist die erschrockenlichest kranckhait — 74. 

75° Ain kostlich’ tractat von der pestilentz — 91? Schluss (rot): Et sie est 
finis istius libelli de regimine sanitatis contra pestilentiä. 

91" (rot) Aber for die Pestilentz. Item ein ander ertzeney fur den ge- 
brechen nym .... — 1024, 

103 —109 leer. 110% Arzneibuch. Aristoteles schreipt dem kunig Alle- 
xander — 142 (tumeist aus Arvicenna, Almansor ete. genommen). 

143° Hienach vacht an ain püchlein innhaltend vil stuck die das nach- 
geschriben Register tut antzaigen. Ilandelt von den 4 Elementen, der rechten 
Zeit, Arznei zu geben ete., und schliesst mit einer langen Teeceptsammlung — 192. 

1933 Tractat über die Pest, mit Gebeten für ihre Abwehr schliessend — 230. 


95. 
Phill. 7411. Perg. (sehr diek und weiss). xvı Jh. (1533). 81 Blätter 


und nach BI. 10 zwei, much BUS1 einundzwanzig leere sowie je eime Cuslode. 
28,6 x 20, von einer sehr gefälligen Hand xu 23—24 Zeilen geschrieben. Blaue 
und rote Initialen, rote Überschriften und rot durehstriehene grosse Buchstaben. 
Lagen zu 6 Bi. (nur die 3. xu 8). Alter gepresster hellbrauner Lederband mit 
zwei (nun fehlenden) Schliessen. 

Recessus Hamburgensis ab anno xvCxxıx. 

2° Dat Register dusses bokes. Unde int Erste van dren Priuilegien effte 
vrygheidenn dusser Erntriken Stadt Hamborch gegheuenn. Folgt a) der Text 
der 1421 von Sigismund ausgestelllen Privilegien: dat de van Hamborch int 
kamergerichte nicht scholenn geladen effte geesschet werden. 5) 1438 van den 


96 III. CuELTENHAM 


Romesschen koh Albert: dat nemandt de van Hamburch inn eren rechten pri- 
uilegien vnde vrygheidenn vorkorte lette | elder schade by Bwarenn penen. 
c) 1450 von Siyismund gegeben: Dat dridde priuilegium der gantzen dudeschen 
Henße vor den Beuarne kopmann gegheuen (das erste e durchstrichen), lat., 
doch anschliessend nd.: De Inholt summarie vnde Executionn des gesechtenä 
Priuilegij.... — 10b. 

112 Dat Register dusses jegenwardigen Recesses | dat gemaket vnde be- 
leuet ys Anno MDXXxIX. (82 Artikel) Wat vrygheit eyn iderman tho Hamborch 
warrafftich in gerechte geneten mach | dat vindeste in dem ersten artikele alszo 
....— 17° Van vorgaderinge vnde vpplope der gemenheit vnde dar vpp ge- 
stelleder penede. 15 vnde xxxır. artikele. 

18° (rot) Recessus Hamburgensis ab Anno xv’xxıx. Gade dem almech- 
tigen to laue Romescher Keyßerliker Maiestat des geliken ock deme Erff’baren . 
Landeßheren...... hebben ettlike des Erbarn Rades...... Dese nabescreuen ar- 
tikel Recesses wyße.... in scriffte stellen laten. (Tert der Artikel) ı. Vor erste 
Dat men na dissem daghe nemande he sy Borgermeister .... edder Inwaner 
dusser stadt vmme misßedaet willenn vordriuen offte vorwißen — Schluss 81b 
Denn alle vrame borger vnde Inwanere schollen ... myt lyue vnde ghode 
dartho doen helpen vnde vorderen | dat gehore frede vnde eyndracht In dusßer 
guden Stadt vnderholden vnde gehanthauet werde. Amen. (rot) Deo laus et 
gloria qui concessit finire hune Recessum per me Mathiä krogher Anno Christi 
saluatoris nostri 1533 altera die Jacobi apostoli. 

Zur Geschichte: auf 1b (rot) Dyt hoeck horet Hans Kalenberch tho Bur- 
ger in Hamburch Anno domini MDXxxXxTmI (von derselben Hand, die den ganzen 
Coder schrieb. Ebenda am linken Rand: Me possidet Joh. Henricus ........ 
(verschmiert) 1727 d. 20. Apr. 2a unten: Ex Bibl. Dr. Roemer 1818. Auf 
der Vorder-Custode Auetionsnummer: Auct. 1742 11/28 Juni P. 7. N. 4. 


96. 


Phill. 7827. Pap. xv. Jh. (1419). 90 Blätter und vordere Custode. 32x 21,5, 
von einer Hand in zwei Spalten mit verschiedener Zeilenzahl geschrieben. Rote 
Initialen und rot durchstrichene grosse Anfangsbuchstaben der Verse. Lagen zu 
12 und 10 Bil. Wasserzeichen: Stierkopf mit einer Blume auf gewundenem Stabe. 

Strickers Karl der Grosse. 

Anfang 1°: Ich han gemerckt ainen list 
Was in des mannes hertze ist 
Daz wir haissent | den mät 
Er sye v’bel oder gät. 

Schluss 90°: Das was öch pillich vnd recht 
Er was der gewissest knecht 
Aue Judas allaine 


95 — 98 97 


Den die tüufel alle gemaine 
In der werlte y’e gewunnen 
Den söllen wir in wol gunne. Amen. 

Darauf: (rot) Per me Andream Endras genant hüßlin in wangen Anno 
domini M°ccce®xıx ist geendet vnd vBßgeschriben diß libel. An dem zwölften 
tag des aberellen. 

Ausgabe von K. Bartsch, Karl der Grosse von dem Stricker, Quedlinburg 
1357, der diese Is. nicht benutzt hat. Ihr Text reicht nur bis V. 12154 der 
Ausgabe. Sie ist zwar, wie Stichproben ergeben haben, keine Abschrift einer 
der von DB. verwerteten Hss., doch scheint sie für .die Textkrilik nicht von 
Belang. 

Zur Geschichte: die Hs. befand sich vorher in der Bibliothek des Lord 
Guilford. 

97. 

Phill. 8311. Pap. xvum. Jh. (1784). 182 Seiten. 22x 18,5. 

Johannes Rothes (Hs. Rode) Gedicht von der Keuschheit. 

Anfang: Ach wy gar suberlichen vnnd zart 

Ist die reine kusche art. 
Schluss (S. 182): Ich sprech iss vf myn truwe vnnd ere 
Ich wolde das keine juncfrauwe were 
In der werlde nach kein bidder (!) wip 
Die ir sele ere gud vnnd lip 
Gerne wislichen wolden beware 
Sy hetten zu sture disse schone lare. 

Siehe auch den Anhang. ’ 

Auf der Vorder-Custode: Johannes Rode Von der Keuschheit durch Jo- 
hann Rutinck van Sagan im Jahre 1456 abgeschrieben. Tinten: Cepi transeri- 
bere e codice chartaceo Viri Clariss. Ludov. Albr. Gebhardi Professoris Aca- 
 demiae Equestris quae Luneburgi floret, d. 21. Juli 1784 

: Ch. (?) Schmid 
Prof. Coll. Carolini Brunswicenß. 

Bruchstückweise veröffentlicht durch Kinderling in Adelungs Mayazın 2, 4, 
108 f. Vgl. ferner F. Bech, Germania 7, 366 f.; wir haben jedesfalls die Copie 
der als verloren angeführten Hs. vor uns, die dadurch selbständigen Wert er- 
hält. Ausserdem s. K. Bartsch in den Heidelberger Jahrbüchern 1872 8. 10 f. 
(Berlin Ms. germ. 4° 186). 


98. 

Phill. 8315. Pap. xv. Jh. 83 Blätter nebst Custoden. 28,3 x 20,4, von 
einer Hand in 2 Spalten mit verschiedener Zeilenzahl geschrieben. Rote Ini- 
tialen (nur die erste blau) und Überschriften; rot durchstriehene grosse Buch- 

Deutsche Hass. in England I. 13 


98 III. CnheLTENNAM 


staben. Lagen zu 12 Bl. (die letzte zu 10 mit Vorder-Custode), bezeichnet dierch 
1.2.:— 7. 

Prosabearbeitung von Konrads Trojanerkrieg. 

1° (rot) Wie tröye zerstoret wart von helenö wegen. Anfang: Ein stat 
hies troye do was ein kunig ynne der was gewaltig uber manig lant — Sehlass 
832 Sus wart troye zerstört die stat die wz die witeste an begriffen die lüt- 
seligeste an gezierde...... «die beste an allen dingen So man erwünschen noch 
erleneken kan das vormals nach sit her nie ir gelich gesehen wart. Amen dieco 
vob | (rot) Joha, (Name des Schreibers ?). 

Vyl. Goedeke, Grundriss 1°, 372, 7. 

Zur Geschichte: die Is. war vorher in der Bibliotheca TTeberiuma als 
Ar. 1396 (Auctionseatalog, London at Mr. Erans’ 1836). 


99. 

Phill. 8316. Pap. xv. Jh. 50 Blätter und 51*— 57* leer nebst Vorder- 
Custode. 28,3%X20,4, von einer Hand einspaltig mit verschiedener Zeilenzahl 
geschrieben. Rote Initialen und Titelschrift, rot dwrehstrichene grosse Aufangys- 
buchstaben der Verse. Vier Lagen zu 12 Bl., dann ein Doppelblatt mit Torder- 
Custode, endlich eine Lage von 6 Di. Wasserzeichen: ein Kreuz. Moderner 
brauner Peapierbeund. 

Johan vß dem vyrgiere. 

1°? In dei nomine amen. (rot) DißB buch saget von dem starcken helte 
Johan vßer dem friegere vnd dut vns groß mäheit bekant. 

Anfang: Wollent ir horen abenture 

Wie got dirre werlte zu sture — 
Schluss 500: Und manig Greue Ritter vnd kneht 
Die sprachen diß büch were geschriben recht. 
Ryntflevsch 
dar zu viel kalpfleisch. 

Unbekauntes Spielmannsgedieht, angeblich nach flimischer Quelle. Auszugs- 
weise im Anhunge mitgeteilt, 

Zur Geschichte: früher Nr. 1397 der Bibliotheen IITrberiana. 


100. 

Phill. 8368. Pap. xv. Ih. (nach 1479). 98 Blätter und sieben leere nach 
61, vier nach 98. 22%X16,2, von einer Tland. Rote Initialen und rot durch- 
striehene grosse Buchstaben, einzelne Worte häufig rot wnterstriehen. Lagen zu 
12 DU. (die letzte zu 8), in der Is. bezeichnet durch Anfangysworte. Wasser- 
zeichen: Stierkopf mit Blume. Schweinslederband. 

Hans Tuchers und Scbolt Rietters Reise nach dem heiligen 
Grabe (Titel von der Hand des Tertes auf dem Vorderdeelkel: tuch’ers vnnd 
ryetters wallfartt von nurrnberg gen ierußalem vnd zu sant katharf). 


Ss — 102 39 


‚Anfang 1° In nome des almechtige gotzes ()) ..... ist hie nach geschribn 
d® weg vo Nurenb’g aus zu «dem heilige grab gen Jerussalem ..... als hans 
tucher d® elter vn Sebolt rietter .... den weg geezoge.... vnd.... nachfolgend 
mit.... Doctor Otto spigel..... vereinigt haben.... han ich die selbe fart son- 
derlieh beschriben .... — 552 got von hymel geb dz es schir wid’ in der eri- 
sten hand kum Amen. Nota: Als man schreibt noch xpi.... gepurt 1479 iar 
MiIMCLXXIXx Also schreibt ma noch machmetz gepurt SS4 vVINCLXXXITIL. 

56° Ite h’r nach stet beschriben d’ weg vb° lant vö Nurmb’e .... gey 
Irlım — 612%. 

622 Obiger und Dr. Otto Spigels Reise nach dem Grabe der hl. 
Katharina. 

Anfang: Im Nomen des almehtigen gottes .... ist hye nach geschribö 4’ 
weg zw d’ heiligen Sant Kat’ina grab .... als d® durchlewehtigsten furstenn 
her’'n Ernst kurfursten vh her’n Albrechts geprud'nn herezogen zu Sachssen ı€. 
Cancezler her® Otto Spiegel keysserlichen rechten Doctor Hanß tucher vn Se- 
balt Riett?.... den weg gezogen sint — 98° do wir S. Mares thurn zu venedig 
wie’ sahen. die andern gallern komen erst den andern tag am samßtag noch 
vns gen venedig I die’ port. 

Nicht identisch mit dem Text im Reyssbuch von Feyrabend (1584) 8. 349% 
— 375; dagegen stimmt die IIs. zu London Add. 183856 (Fragmente auch in 
Eyerton 1901 Bl. 39—44 nach der Aufzeichnung 8. Jeieters); vgl. Röhricht, 
Bibl. yeographica Palestinue 8. 127 f., wo unsere IIs. fehlt. 


101. 

Phill. 8373. Pap. xv. Jh. (1491—94). 147 Blätter. 23,5 x 20,8. Holz- 
deckel nit yelbem gepresstem Lederbezug. 

Deutsche Übersetzung einzelner Schriften des-M. T. Cicero, so De 
providentia, De senectute efe.; des Aristoteles De rebus domesticis, De mo- 
ribus; des Luetanus Von der falschen verelagung, Von der weltbeschauung ete. 

Als Übersetzer nennt sich im Vorwort und sonst Johannes Gotfrid pfar- 
her vnd Canonick des Stifftes Santt Katherinen zu Oppenheim; er widmet sein 
Buch Friedrich, Keninerer von Dalburg. Yyl. Morneweg, Johann von Dalberg 
(1837) S. 19—21. | 

Zur Geschichte: aus der Bibliothek des Dr. G. Kloss (Auelionseatalog 1835 
Nr. 4548), der in einer Notiz auf der Vordereustode auf Ms. Pal. Nr. 469 hin- 
weist. Thorpe erwarb die Hs. für Sh. 7, 6. 


102. 

Phill. 9065. Pap. xv. Jh. 154 Blätter und ein leeres nach 97. 31,6 x 22, 
von einer Ilınd zu 32 Zeilen geschrieben. Die Seiten dureh rote senkrechte 
Linien abgeyrenzt. Goldene IJnitinle zu Anfang, die übrigen blau (seltener rot) 
mit „Jrabesken; rote Überschriften. Layen von 12 BU. in der Is. je am Ende 


100 III. CHELTENHAM 


durch Anfangsworte signiert. Wasserzeichen: Stierkopf mit Stern. Gelber Holz- 
derkel mit Lederrücken, darauf in Goldschrift: Romances MS.; ursprünglich 
auch 2 Schliessen. 

Guidonis de Columna Historia Troiana in deutscher Prosaüber- 
setzung. 

Anfang 1° Ain künig der saß in thesalia in dem lande zu Romanie — 
97b Do ward die stat verräten von Anthenor vn Sicas dy da alle zit in der 
stat mechtig vi wolgeborn warend .... vnd tettü doch ain groß mort vn v’bel 
an dem künig vh an der stat gemainlich. 

Vgl. über Hss. und alte Drucke Goedeke, Grundriss 1°, 372, 6; daz« 
kommt noch London Arundel Nr. 6. 

Alexander der Grosse in deutscher Prosaübersetzung. 

Anfang 98° (rot) von dem Großen Alexander. In Gottes namen wil ich 
hebn an vü schreybi von Alexandro was ich gelesen han — schluss 154b 
(Brief des Mardocheus an Alexander) Nu sich warvm. leget der goldschmid 
ddas gold yn das fewr.... das tut er dar vm das er das muge versuchh wan 
wirt es in dem fewr blaich oder blaw.... so laßt er das farn sam ces falsch 
sey wirt es ab’.... ye rötter vü rötter.... wä das der gutte maister sieht so 
nympt er das zu in vn behelt das wol vi legt das beste vnder den tewrostä 
schatz. (rot) Sit nomen domini benedietum, 

Vgl. Jacobs und Ukert, Beiträge 1, 432 ff 

Zur Geschichte: 1* (unten) Ex Bibl. Dr. Roemer. Ferner auf der Innen- 
seite des Vorderdeckels weisser Zettel mit: Georgius Kloss M. D. Francoforti 
ad Moenum. Bei der Auction der Kloss’schen Bibl. (London 1835 Ar. 4587) 
erwarb das Ms. der Antiquar Thorpe um 14 Sh. für Sir Thomas Philipps. 


103. 

Phill. 9102. Pap. xv. Jh. (1426). 263 Blätter (1*—11* 1—3. 12—13 
Perg.). 28,8 x 20,3, zweispaltig. Rote: Initialen (die zweite in Gold mit Ara- 
besken), rot durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen von verschiedenem Uhn- 
fange. Kleine Streifen einer lat. Perg.-Hs. des xıv. Jh. sind zum Einbande benutzt. 

1*° Sprüche aus Salomo, Boethius etc. 

Zumeist lat., deutsch nur: Salomon spreket in synen boechen 

In godes vruchten do dich salt ouen 
So herschopestu (!) hyr op deser erden 
Unde salt eyn kynt «des ewiche ricks w°den. 
und Boetius: Eyn anbegin der wisheit 
Dat is godes vruchticheit. 

1*b Credo deutsch. Prim’ articul’ sce fidei: Ich gheleuven in got vader 
almechtich — Ich geleufe in der vpverstentenisse des vleisch ind in dat ewighe 
leuen :c. amen. Darauf: Decem praecepta ee. lat. — 10*. 


102 — 105 101 


1a—244% Brevilogus; eingesprengt einzelne deutsche Worte. Am Schluss 
rot: Explieit Brevilog’ ille..... pertinet henrico velkener de heynsbergh Script’ 
in Brunswick sub än incarnationis dnice MmPcccc’xxvi sabbö die p’ festum de- 
collatoIs bti Johänes bap'® si quis rapuerit male stab! coram facie pelarissima 
in nouissima die. 

244b Grammatischer lat. Tractat. 

261% Grammalische Übunysbeispiele lat.-deutsch: amo ich hayn leiff' amabä 
ich had leif efe. | 

‚Anschliessend ein lat.-deutscher Vocabularius, nur die Buchstaben A—C 
umfassend, — 263». 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Vorderdeckels die Buchplatte: Dr. G. 
Kloss. Im Auctionscatalog Nr. 4677. 


104. 
Phill. 9303. Perg. xıu. Jh. 116 Blätter (eine Lücke von 3 Bil. nach 102). 


Enthält: Vita et epistolae beate üginis hildegardis — 56°, dann die be- 
kannten Glossae S. Hildegardis Bl. 58—62; Excerpta Gebenonis ex prophetiis 
S. Hildegardis — 102b; endlich einen zu Anfang fragmentarischen medieinischen 
Tractat (den Liber compositae medicinae der hl. Hildegard?) mit deutschen Pflan- 
sennamen etc. 

Die Hs. ist von Steinmeyer, Ahd. Glossen 3, 390 ff. benutzt und wird im 
vierten Bande genau beschrieben werden. 


103. 

Phil. 9316. Pap. xv. Jh. 85 Blätter nebst je einer Perg.-Custode. 22,6x15, 
einspaltig mit verschiedener Zeilenzahl. Rote Initialen (eine blau) und rot durch- 
strichene grosse Buchstaben. . Zwei Hss. sind vereint. Auf der Innenseite der 
Vorder-Custode steht: (rot) Liber de xı v°tutib; (jüngere Hand) D. Joänes 
Ruisbroich in duytsche een boeck vä xı dogheden Een seer nutte boeck. 
(schwarz) It@ van Tondeles selen gesicht. 

1. Bl. 1—48. Lagen von verschiedenem Umfang, Pergamentbll. teils als 
Custoden, teils mitten in den Lagen eingesprengt. 

Jan van Ruusbroecs Boec van den twaelf dogheden. 

Anfang 1® Want wy dan van doechten scriu& will& soe ist recht dat wy 
an die doecht begynne — 48b wat nyemät oetmoedig® enwas .... dan hi selue 
Die ghelooft moet sin eh ghebenedijt ewelik&. Amen. 

S. zu Phill. 1175 Bl. 1486, wo die Litteratur angegeben wurde. 

ı. Bl. 49—85. Drei Lagen zu 8 Bl. und eine zu 12 mit Custode. 

Tundalus. 

49s Hie begynt die vurspraeke op Tondalus visioen van Irlant ıc. Sande 
pauwels die apostell seget tot Thimoteum -— 49b ende vort schreff eenre ey- 


102 III. CuELTENHAM 


niger Abilissen diet an hem versoet. Anfang der Legende 496 Hier begint Ton- 
dalus visione eens Ridders van Irlant eh hoe Irlant van vruchte bijnne is. Ir- 
lant is een eylant int achterste van der wester see — 85% op dat sie toe yn- 
nieliker onsen heren diene moghen Die leuet int regnert van ewicheit in ewy- 
cheyden Amen. Hier eindet Tondalus visione eens ridders van Irlant got sy 
eweliken gelofft. Amen. 

Vgl. Ph. Blommaert, Oudrlaemsche gediehten der xıe—xıv® eeuren 2 
(1841), 29—56. 121; nd. im Jb. des Vereins für nd. Sprachforschung 10, 28 
(Hs. Ar. 3144 der v. Arnswaldtschen Bibliothek). 

Zur Geschichte: Vorderseite der Custode: Dyt boch gehort tzo dem...... 
... (ausgekratzt). Dur der brucder Refenter zo den......... (ausgekratzt) im 
Collen 1551. Tgl. Phül 523. 626. 628. 643. Sir Th. Phillipps kaufte die Hs. 
von dem Londoner Antiguar Thorpe. | 


106. 

Phill. 9415. Pap. xv. Jh. 130 Blätter. 28,6 x19. Mit zahlreichen fur- 
bigen Bildern und über 1300 Wappen. 

Jülich-Clevisches Herold- und Wappenbuch. 

Äuf Bl.6 Bild: drei Fürsten in reicher Tracht; darunter : Dit sin die 
drie besten kristen myt yren namen keyser karle | koniek artus ! hertzog goid- 
hart van balynn (!) «. a. m. 

Die IIs. stammt aus der Bibliothek des Dr. Kloss (.luetionscatalog Nr. 4594). 


107. 

Phill. 93487. Pap. (starkes Baummwollenpapier, am Rande sehr abgenutzt; 
Bl.1und6 Pery. als Custoden der ersten Lage). xv.[xve Jh. (1500). 222 Blätter. 
29x22, von einer Iand mit verschiedener Zeilenzahl. Raum für Dilder ist 
frei gelassen, doch keines ausgeführt. Laugen von verschiedenem Umfang. 

Johann Sieders Übersetsung von Lucians Wahren Geschichten und 
L. Apulejus Goldenem Esel. 

1b Furbiges Wappen des Bischofs Johann von Dalberg, mit dem Datum 1500. 

22 Midnung an denselben: Dem hochwürdigen furstenn vnd herrn herrn 
Johannsen des geschlechts von Dalburg Bischouen zu Worms meinem gnedigen 
herrn Entbiet ich Johann Sieder Seeretars ?€. mein vnterthenig gantzwillig dinst 
.... Plato der hochgelert.... hat.... vil hochgeachter discipel vnd nach- 
uolger seiner kunste gehabt vnter denselbig gewest Lucius Apuleius | des büch- 
lein so er beschriben | so voller Kunste sind | das sie in der werekstat Platonis 
geschmidet | von denen die Platonis buchere gelesen haben | wol erkannt wer- 
den | Aber unter den Buchern Apuleij ist eins | mere «er Poetrey dann phi- 
losophey einlich | der guldin Esel genant | so voller fabel vnd beyspiel der 
dinge |....| Also das sich die hohe vernunfft vnd meisterschafft dem leser 
entgegen tragen | ie bißweilen mit so erüsthafften gedicht | das dem leser die 


—— en 


105 — 108 103 


hare mochten zu berg steigen | vnd die stirn vol runtzeln werden | Dann so 
mit lecherlichem geschwetz | das es nit on verclerung des angesichts | vnd mil- 
terung ernstlicher geberde 


vnnd etwas mit lachen mag gelesen werdenn | Das 
mich bewegt gehabt | dasselb büchlein in tewtsche sprach zu ziehen .... Des 
wirdet der Esel nü tewtsch reden | Wiewol er das tewtsch cleid sere geschewt 
vnd (vntz ichs ime angethan) mich offt schwitzen gemacht hat | Und nit ein 
wunder | so dits das erste ist | dar inn ich versucht | weß mir in solcherhandt 
arbeit müglich were ....... Schluss des Prologs 4": Dann dieselben e. f. g. 
haben mich zu unterthenigen beheglichen dinsten gantz willig. Dat, wirtzpurg 
vff Sant Michels tag Anno xv. & (= 15009). 

7° (Prolog zu Lueian) Es ist der fechtmeistere vnnd der ihenen die sich 
geradigkeyt des leybs geprauchü sitt — 7 vnd darumb die ihenen die dits 
lesenn dorfenns nit glawbenn. 

8? Lucianus von der waren sag (an Rande: Das ist von Calpis). Ich bin 
ethwo von den Sew’lü hereulis auß vff’ das nyderleundisch mere geschifft ... . . 
(2 Bücher, — 46b das vbrig so sich vff dem land begeben hat wil ich inn 
den nachuolgendn buchern sagenn. 

47a Hirnach volgt der guldin Esel Apuley. Leber ich wurd dir mit diser 
Milesier Sprach .... monicherley fabel durcheinander mischh — 2223 also hab ich 
widerumb mit lutzel hars mich des eltisten vnd bey zeyten Sylle vffgerichten 
ampts der rednner nit mit bedeekten sonnder kalenn kopff frolich gepraucht. 

Vyl. Morneweg, Johann von Dalberg S. 280 f. ’ 

Zur Geschichte: diese aus der Bibliothek des Bischofs Johann von Dalberg 
stammende Originalls. bildete Nr. 4543 im Auctionscataloge der Kloss’schen 
Bibliothek. Thorpe erwarb sie um den Preis von 5 Sh. 


108. 

Phil. 9600. Pap. xıv.!xv. Jh. 188 Blätter nebst je einer Custode. 21,2% 14,3, 
von zwei deutlich unterscherdbaren Ilünden (die 2. von Bl. 121 ab) einspaltig 
zu 26 resp. 21—22 (2. Iund) Zeilen auf Linien geschrieben und von Linien 
umrahmt. Rote Initialen (selten blaue oder blau verzierte), rote Überschriften 
(doch die erste rot und blau), rot durchstrichene grosse Anfungsbuchstaben der 
Verse (doch nieht durchweg). Lagen zu 12 Bil. (nur die letzte zu 8), gexählt 
in der Os. von 1—16. Wasserzeichen: Stierkopf mit Stern, dann auch ein 
Spaten oder eine Krone. Alter gepresster brauner Lederband mit Metallknöpfen 
und Schliessen, die nun fehlen. Auf dem Rücken in Goldschrift: Alexandri 
Historia M. S. Saec. xIv. 

Seifrieds Alerandreis. 

1° (rot) Allexander. Dann Vorrede: 

Got vader her Jesu christ 


Wannd dein genade vnezergenkleich ist — 


104 III. CuELTENHAM - 


1b Hie mit will ich die vorred lan 
Und will ditz püech hebä ann. 
Anfang: Do die werlt westanden wazz 
Von Adam her gelawbt daz..... 
Verfassername: 187 Ich pit wer das puch les 
daz er mir wol wunsch des 
daz mir got genädig wes 
vn daz ich an der sel genes 
welich ex horn ich des pitt 
daz sy mir armen seydfrid 
Ir gepet tayla mit ...... 
Dichtungsjahr : 187% Das gelaubt mir an allen wan 
Daz got mensch worden was 
Über drew vn hundert jar 
Un ezway vn funftzig furbar 
An sand mertens nacht 
Ward daz puch gar vollpracht .... 
Schluss: 188° Vn daz vns der engel schar 
Vor allem layd vns pewar 
Daz vns das alles wider var 
Des sprecht alle amen gar. 
(rot) Hie hat d* der (!) Allexand’ ain end 
Got vns sein hilff sent. 
Eine Ausgabe wird von Ph. Strauch vorbereitet; eine Tertprobe gebe ich 
unten im Anhang. Über die Iss. vgl. (oedeke, Grundriss 1%, 259, 12. 
Zwischen Vorderdeckel und Custode (auf ihr ron moderner Hand: Alle- 
xander oder Thaten und Schicksale Allexanders des Grossen in altdeutschen 
Reimen) ist ein am rechten Rand beschnittenes Pergamentblatt eingeklebt mit 
einer deutschen Urkunde Auf der Rückseite: Ain v’machtber vö Hainrich chu- 
nig vö paumkirchä vinb heyratguet vnd morgengab. Anfang: Ich hainrich d® 
chunich von Paunikirchen v’gich fur mich vnd alle meine erben allen landen — 
Datum nach Christi gepurt Drwtzehenhund't iar vnd im ain vnd sechtzigsten 
iar an sand Laurentzen. 


Zur Geschichte: 133 Iste liber ptinet illo aichnerin Vrsula clatta (2). 


109. 

Phill. 9649. Pap. xvı Jh. (erste Hälfte). 29 Blätter und nach 24 sieben, 
nach 26 ein, nach 27 einundzwanzig leere. 23x1S,4, von fünf Iländen ge- 
schrieben. Initialen mit der Feder gezogen. Vier Lagen zu je 6, dann je eine 
zu 10 und 14, hierauf eine zu 4 und endlich die letzte zu 6 BD. Alter ge- 


105 — 108 103 


hare mochten zu berg steigen | vnd die stirn vol runtzeln werden | Dann so 
mit lecherlichem geschwetz | das es nit on verelerung des angesichts | vnd mil- 
terung ernstlicher geberde | vnnd etwas mit lachen mag gelesen werdenn | Das 
mich bewegt gehabt | dasselb büchlein in tewtsche sprach zu ziehen .... Des 
wirdet der Esel nü tewtsch reden | Wiewol er das tewtsch cleid sere geschewt 
vnd (vntz ichs ime angethan) mich offt schwitzen gemacht hat | Und nit ein 
wunder | so dits das erste ist | dar inn ich versucht | weß mir in solcherhandt 
arbeit müglich were ....... Schluss des Prologs 4": Dann dieselben e. f. g. 
haben mich zu unterthenigen beheglichen dinsten gantz willig. Dat, wirtzpurg 
vff Sant Michels tag Anno xv. & (= 15009). 

72 (Prolog xu Lueian) Es ist der fechtmeistere vnnd der ihenen die sich 
geradigkeyt des leybs geprauchä sitt — 7’ vnd darumb die ihenen die dits 
lesenn dorfenns nit glawbenn. 

8°? Lucianus von der waren sag (am Rande: Das ist von Calpis). Ich bin 
ethwo von den Sew’lü hereulis auß vff’ das nyderleundisch mere geschifft . . ... 
(2 Bücher) — 46® das vbrig so sich vff dem land begeben hat wil ich inn 
den nachuolgendn buchern sagenn. 

47° Hirnach volgt der guldin Esel Apuley. Leber ich wurd dir mit diser 
Milesier Sprach .... monicherley fabel durcheinander mischh — 2228 also hab ich 
widerumb mit lutzel hars mich des eltisten vnd bey zeyten Sylle vffgerichten 
ampts der rednner nit mit bedeckten sonnder kalenn kopff frolich gepraucht. 

Vyl. Morneweg, Johann von Dalberg S. 280 ff 

Zur Geschichte: diese aus der Bibliothek: des Bischofs Johann von Dalberg 
stammende Originalhs. bildete Ar. 4543 im Auctionscataloge der Kloss’schen 
Bibliothek. Thorpe erwarb sie um den Preis von 5 Sh. 


108. 

Phill. 9600. Pap. xıv./xv. Jh. 188 Blätter nebst je einer Custode. 21,2% 14,3, 
von zwei deutlich unterseheidbaren Iläinden (die 2. von Bl. 121 ab) einspaltig 
zu 26 resp. 21—22 (2. Daund) Zeilen auf Linien geschrieben und von Linien 
umrahmt. Rote Initialen. (selten blaue oder blau verzierte), rote Überschriften 
(doch die erste rot und blau), rot durchstrichene grosse Anfungsbuchstaben der 
Verse (doeh nicht durchweg). Lagen zu 12 BU. (nur die letzte zu 8), gezählt 
in der Is. von 1—16. Wasserzeichen: Stierkopf mit Stern, dann auch ein 
Spaten oder eine Krone. Alter gepresster brauner Lederband mit Melallknöpfen 


und Schliessen, die nun fehlen. Auf dem Rücken in Goldschrift: Alexandri 
Historia M.S. Saec. xıv. 


Setfrieds Alerandreis. 
1® (rot) Allexander. Dann Vorrede: 
x Got vader her Jesu christ 


Wannd dein genade vnezergenkleich ist — 


104 III. ChuELTENHAM - 


1b Hie mit will ich die vorred lan 
Und will ditz püech hebäi ann. 
Anfang: Do die werlt westanden wazz 
Von Adam her gelawbt daz..... 
Verfassername: 187’ Ich pit wer das puch les 
daz er mir wol wunsch des 
daz mir got genädig wes 
vD daz ich an der sel genes 
welich es horn ich des pitt 
daz sy mir armen seydfrid 
Ir gepet taylü mit..... 
Dichtungsjahr : 187° Das gelaubt mir an allen wan 
Daz got mensch worden was 
Über drew vn hundert jar 
Un czway vü funftzig furbar 
An sand mertens nacht 
Ward daz puch gar vollpracht..... 
Schluss: 188° Vn daz vns der engel schar 
Vor allem layd vns pewar 
Daz vns das alles wider var 
Des sprecht alle amen gar. 
(rot) Hie hat d’ der (!) Allexand’ ain end 
Got vns sein hilff sent. 
Eine Ausgabe wird von Ph. Strauch vorbereitet; eine Textiprobe gebe ich 
unten im Anhang. Über die Hss. vgl. (ioedeke, Grundriss 12, 259, 12. 


Zwischen Vorderdeckel und Custode (auf ihr von moderner Mand: Alle- 
xander oder Thaten und Schicksale Allexanders des Grossen in altdeutschen 
Reimen) ?st ein am rechten Rand beschnittenes Pergamentblatt eingeklebt mit 
einer deutschen Urkunde. Auf der Rückseite: Ain v!machtber v6 Hainrich chu- 
nig vö paumkirchüi vmb heyratguet vnd morgengab. Anfang: Ich hainrich d*® 
chunich von Paumkirchen v’gich fur mich vnd alle meine erben allen landen — 
Datum nach Christi gepurt Drwtzehenhund‘t iar vnd im ain vnd sechtzigsten 
iar an sand Laurentzen. 


Zur Geschichte: 188® Iste liber ptinet illo aichnerin Vrsula clatta (?). 


109. 


Phill. 9649. Pap. xvı. Jh. (erste ]lälfte). 29 Blätter und nach 24 sieben, 
nach 26 ein, nach 27 einundzwanzig leere. 23x 18,4, von fünf Ilünden ge- 
schrieben. Initialen mit der Feder gezogen. Vier Lagen zu je 6, dann je eine 
zu 10 und 14, hierauf eine zu 4 und endlich die letzte zu 6 Bi. Alter ge- 


108— 109 105 


presster brauner Lederband mit Resten zweier Schliessen; auf dem Rücken in 
Goldschrift: Minnelieder und Geistliche MS. 
Liederbuch der Herzogin Amalia zu Üleve- Jülich und Berg. 
Es ist das von J. Bolte (Z. f. d. Ph. 21, 397 f.) in England vergeblich 
gesuchte, einst Dr. Kloss gehörige Originalmanuseript. Bolte bediente sich einer 
1825 von dem Schneidergesellen Jacob Lepper für Dr. Kloss gemachten, im 
ganzen sorgfültigen Abschrift. Ich verzeiehne im folgenden die Liederanfänge 
mit ihrer handschriftlichen Ar. und Seitenzahl und gebe zum Schluss die Re- 
sultale einer Collation der a. a. O. abgedruckten Lieder mit der ls. 
Bl. 12 (ohne Nr. von Hand 5) Sprüche in, wie gewöhnlich, nicht abge- 
setzten Zellen: 
Heit ich mich wor wersunen 
des ich mich nä wersa?n etc. (a. a. O. S. 399). 
1b leer. 28 (1. Iland). 1. (Nummer der Hs.) Want alle dyngen an gode 
staent (n.a. O. Ar. 1). 
4® ıı. Idt loufet alltzomaile. 
4b ııı, Mit diesen nuwen iare. 
5* ıv. Ortliches ort | myn eyniges wordt (Nr. v). 
5b v. In liefden ist myr my hertz verbrant (Nr. xıı). 
6b vr. Myt gantzem ellendigen hertzen (Nr. ı1). 
7b vır. Ade myt leyde. 
8° vıı. Der morgens sterne der hait sich vp gedronge. 
98 ıx. Es daget wonenklichen (Nr. vn). 
9b x. Eeyn büeler moyß ich Iyden vyli (Nr. xıv). 
10® xı. Uis gantzen we klaget sich eyn helt. 
122 xı. Der wechter der bließ an den dach (zur Litteratur a.a. O. kommt 
noch eine abweichende Fassung im Ms. ı1, 144 DI. 93% der Brüsseler kgl. Bibliothek). 
13° xırm. Wulde got dat idt geschege (Nr. ıım). 
13b xıv. Wat wyrt es doch. 
14° xv. Die eirste Freud die ich ye gewan. 
15° xvı. Aen dich kan ich niet freuwen mich. 
15b xvır. Och scheyden brenget myr swer (Nr. vIT). 
15P Eyn ander. xvım. Myn gemuedt vnd pluedt. 
16 Eyn ander. xıx. Christe du byst dach vnd dat Iycht. 
17* xx. Nu starcke vns got in vnß noit 
Idt laich eyn armer sunder vnd slieff. 
17b xxı. Maria bluende wertzell garde (nach Bolte a. a. O. S. 403 gehö- 
ren beide Nrn. xx und xxI zusammen, als “besondere Überlieferung der grossen 
Tageweise Peters von Arbery’; die Nummerierung gehört freilich jüngerer Hand 
an, doch kaum der des Dr. Kloss, da es nicht wahrscheinlich ist, dass er dem 
durchstrichenen Liede (xxvi) eine eigene Ar. gegeben hätte). 
Deutsche Hass. in England I. 14 


106 III. CHuHELTENHAM 


Vol. zu dieser Tageweise Germ. 25, 210 f.; nd. Fassung unten Oxford 
Ashmole Nr. 1291. 
186 xxır. In freuden byn ich gantz geletz (Nr. vıı). 
19% ohne Nr. Ich hadt mich vnderwonden (Nr. xıı). 
19», 20% leer. 
206 xxıu. Nu hayn ich alle myn tage gehoyrt. 
21® xxıv. Ach got wat sall ich syngen (Nr. ıx). 
(Am Ende): Stede ind stylle 
Dat ist myn wylle. 
22b xxv. Ich byn durch frawen wyllen. 
232 xxvı. Mit breiten Tintenstrichen überdeckt (wegen anstössigen Inhalts ?), 
daher auch nicht in der Abschrift (vgl. a. a. O. S. 398), nur einzelnes lesbar: 
Ich klage mich — 
oder my (?) der floe verdryff 
syn eygen ich biyff (5 Str.). 
230 xxvri. Wach vff myn Ort v’nym myn wort. 
24b ohne Nr., von 2. Hand. Bedrubt ist mir hertz moydt vnd syn 
(Nr.xn). | 
Darunter eine Federzeichnung: 4 W, darunter GW in Rahmen; am Fusse 
von derselben Hand: Ammellya gebaren herzzicheyn | zo cleue gullych ind berg. 
Diese Nr. ist daher wohl ein Eintrag der Herzogin selbst, der die Hs. gehört 
haben mag; anderseits könnte er freilich auch als erbetene Spende der Herzogin 
zu dem Stammbuch einer Freundin oder Hofdame betrachtet werden. Dann 
würde auch das darin auftretende Gebei an Maria (vgl. a. a. O. S. 399) weniger 
befrenden. Es folgen 7 leere Blätter. 
25b xxvım von 3. land. Wa ssall ich hyn wa ssal ich her. 
26* ohne Nr. Eyn bloymellyn dat heyst meytden. 
26b ohne Nr. Ffyl vngeluyckß yst vff ertden. 
27%» xxıx von 4. Hand. Ich hoeffen mir solsz gelungen (Nr. ıv). 
Darunter 3 Buchstaben, die ich als IME lese; zu beiden Seiten ds M 
die Jahreszahl 1560 (?), im Innenraum: 1. V. Leutzerrardt (?).. Dann 21 leere 
Blätter. 
286 xxx von 5. Hand; feine Züge. Ich hadt meyr vosser voeltletd (l. vs- 
serwelet). | 
298 xxxı von 3. Hand. Ffryssch ffroyllich wyllen wyr syngen (Ar. x). 
Collation. Zu ı (bei Bolte): 1, 1 gode. 1,6 ind, san. 1, 11 heyschet. 
3, 4 tgegen. 4, 7 kyndtz gelaich. 5, 4 vnt-. 5,12 ont. 6,5 de. 6, 8 hy, 
huert. 7, 3 Loch in der Hs.; lesbar w. rich. 7, 8 denn konygen corr. aus deme 
kyndgen. 8,1 kraeme (!). 9,1 kyntgen, siehen (nicht baden). 9,5 eyn diener. 
9, 6 eme syne. 9, 7 ind, sonneklaire. 10, 1 gedayne: erslayne. 10, 4 vnden. 
10, 6 behuedere. 10,7 fair. 11,4 was. 


109 -- 110 107 


ı: 1, 3 vriesen (!). 3,5 godertierü (mnl. goedertiere). 

m: 1, 1 wulde, geschege. 1,4 yerü; ferner augen und klare mit Ver- 
weisung am Rande. 2,1 halt dich stede vnd vast. 

iv: 1,1 hoffen. 1, 6 hoffe. 1,7 sey (so durchgängig). 2,7 moesz. 3,2 
eugelein klare. 3, 6 noch, dragh. 4, 1 hermelein. 4, 2 szweyn, smaell. 4,3 
deugtten. 4,4 alder-. 4, 5 dugentlichge: seufferlichge. 4, 6 darzu. 5, 1 wol 
am Rande. 6,1 baldt fehlt. 6, 2 kummen. 6,5 erfare. 6, 7 getrawees. 

v: 3, 5 briecht mir. 

vi: 2, 4 goider. 2,8 moys steruen. 3,5 twey verdryuen. 

vır: 2,3 deglich. 2,8 läckdurich. 3,4 ich van. 3,5 moys scheyden. 

vi: 1,2 wyle 1,7 geselt. 2,1 halt yn. 2, 2 ich, en werde. 2,3 frucht. 
2,4 hane hane(!). 2,7 doicht. 2,8 myner. 3,1 herden (!). 3,8 en mach ich (!). 

ıx: 1,4 hude (!. 1,8 clage(!). 2,3 kleffer zongen (!. 3,2 snehe. 4, 5 
ich (. 5, 5 yre. 6, 8 groyß truren. 8, 1 freuweden. 8, 3 vmer. 8, 5 deist. 
9,5 syn. 11,5 ich. lieff (!). 

x: 1,4 nyn myn. 2,1 hat. 2,4 roytder. 2, 7 anerschynen. 2,8 jonge 
nicht in der Hs. 3,2 eyn. 4,3 langer we. 6,4 yn an. 

xı: 1,3 hein. 2,1 meytlein. 2,3 meynem, sware. 2,4 van. 3, 1 weider. 
3,3 verwoynt. 3,5 myn hog geacht (!. 3, 6 ytzoms. 

xı: 1,6 yre. 2,6 my. 3,3 hay so, glück. 3,6 my. 4,8 schaff, mun@lyn. 
5, 2 trurlichen (!). | 

xım: 3, 3 mych tzwynget lieues. 3, 4 truwe du hays. 4, 1 Ffair. 5,1 
wordt. 5, 3 haist du geliert. 5,7 dyr ys. 5, 8 jaire. 6, Gind swartz gewert. 
6,8 eyne. 7,8 sienden. 8,2 dw, waene. 

xıv: 1,1 ich (!). 1, 2 yn den (!). 1,4 cathusers (!). 1, 6 und syngen (!). 
5,3 solde (). 5,5 euen mir(!.. 5,7 ind macht, eyn, sy gantz (!). 

Auf BI. 29» folgt noch ein recht prosaischer Eintrag über gelieferte v hyn- 
der, IX muyssen etc. 

Zur Geschichte: auf den Innenseiten des Deckels ist je ein. Pergamentblatt 
(xv. Jh., lat. Rechtsprosa) aufgeklebt. Hier findet sich auch der Name Kathryn 
van haitzfelt (? Besitzerin der Hs.) und Klossens Buchplatte (darauf M 29 und 
Nr. 1129); endlich auf einem Zeitungsausschnitt unter dem Titel: Geschichtska- 
lender der Vorzeit 21. Mai ein Bericht über Anna, des Herzogs Johann zu Cleve 
Tochter geb. 21. Mai 1495, 7 24. Mai 1567; diese hat natürlich mit Amalia 
nichts zu tun. Im Kloss’schen Auctionscatalog hat die Hs. die Nr. 4583; sie wurde 
bei der Versteigerung von dem Londoner Antiquar Rodd für £1 Sh. 3 erworben. 


110. 


Phill. 10236. Pap. xv. Jh. 190 Blätter. 14x10,1. Rote Initialen und 
Überschriften. 
Deutsches Breviarium. 


108 III. CHELTENHAM 


Prosagebete bis 116; 117—124 Die sieben psalmen der hochgelobten ku- 
nigin vnd junffrauwen Marien. 125 Ffolgenn hernach die sieben getzide von 
vnsernm hern Ihü christo; dann Die metten.... Hertligenkalender ete. 

Die Is. scheint Dr. Kloss gehört zu haben. 


111. 

Phil. 10381. Pap. xv. Jh. Noch 306 Blätter. 42,3% 283,6, durchaus von 
einer Hand in zwei Spalten mit verschiedener Zeilenzahl geschrieben. Rote Ini- 
tialen und Überschriften; rot durchstrichene grosse Buchstaben; zahlreiche blatt- 
grosse, im rohen Stile der Zeit ausgeführte Bilder. Moderner brauner Leder- 
band mit Goldsehnitt. 

Eberhard Windecks Chronicon. 

1b Bild (Gott Vater hält das Kreuz mit dem blutenden Sohne in der Hand; 
vor ihm kniet der Kaiser und zwei Fürsten). 

28 Prolog (fraygmentarischh = Mencken 1075 Z. 20. Altmann 2 2. 6: 
ste baß glouben was ich von disen worten wercken geschriben han — vnd hie 
in zit zu verdiens noch disem lebe zu wyersende das ewige leben. Amen. 

Anfang: 2b Also keyser Karle kunig zu behem vor sime tode ordinierte. 

Schluss: 306» (Cap. cccLxıx) Also danne gewonheit ist das man soliches 
zu eines romischen kuniges krönunge phliget zu thun (= JMencken 1285 Sp. 2 
Cap. ccxxv. Altmann Cap. cecLxxviu S. 469). 

Abschrift dieses Ms. durch Dr. Patzig in der Crföltinger Bibliothek; dazu 
Reifferscheiul in den Nachrichten von der kgl. Gesellschaft der Wissenschaften in 
Göttingen 1837 8. 528 f. 

Ausgaben: Menrken, Seriplores rerum germ. 1, 1074-—1288 und W. Alt- 
mann, Eberhart Windeckes Denkwürdigkeiten, Berlin 1893. 

Zur Geschiehte: In Klossens Auctionsratalog werden unter Ar. 4682 2 Voll. 
dieses Werkes aus der Ebnerschen Sammlung stammend (Nr. 82 im Catalogus 
bihliothecae numerosae ab H. G. Ehnero conlecetae, Norimbergae 1812) aufgeführt; 
mit ihnen (oder einem ron iÜhmen) scheint obige Hs. nach den Ausführungen 
leeifferscheids a. a. O. nicht identisch zu sein. Die Ebner-Kloss’schen zwei Vo- 
lumina wurden vom Antiquar Thorpe für £3 Sh. 1 erworben (s. Salecatalogue 
of Sothehy's 1835, May, Vol. 158), ohne dass über ihren Verbleib näheres zu 
erfahren war. 


112. 

Phill. 10400. Pap. xv. Jh. (1447). 214 Blätter und 2 leere nach 174, 
sowie vordere Custode. 30 x 22,2, von einer Hand zwerspaltig in kleiner, schwer 
lesbarer Schrift. Verschiedenfarbige Initialen, rote Überschriften, rot unter- 
strichene Sütze und rot durchstrichene grosse Buchstaben; einzelne schr roh 
ausgeführte Bilder im Terte. Lagen von xerschiedenem Umfange. Alter gepress- 
ler Lederband und Reste zweier Schliessen. 


— ie ggg 


109 -- 110 107 


11: 1,3 vriesen (!. 3,5 godertiern (mni. goedertiere). 

ııı: 1, 1 wulde, geschege. 1, 4 yerü; ferner augen und klare mit Ver- 
wetisung am Rande. 2,1 halt dich stede vnd vast. | 

ıv: 1,1 hoffen. 1, 6 hoffe. 1,7 sey (so durchgängig). 2,7 moesz. 3,2 
eugelein klare. 3, 6 noch, dragh. 4, 1 hermelein. 4, 2 szweyn, smaell. 4,3 
deugtten. 4,4 alder-. 4, 5 dugentlichge: seufferlichge. 4, 6 darzu. 5, 1 wol 
am Rande 6,1 baldt fehli. 6, 2 kummen. 6,5 erfare. 6, 7 getrawees. 

v: 3, 5 briecht mır. 

vi: 2, 4 goider. 2,8 moys steruen. 3,5 twey verdryuen. 

vi: 2,3 deglich. 2,8 läckdurich. 3,4 ich van. 3,5 moys scheyden. 

vo: 1,2 wyle 1,7 geselt. 2,1 halt yn. 2, 2 ich, en werde. 2,3 frucht. 
2,4 hane hane(!). 2,7 doicht. 2,8 myner. 3,1 herden (!). 3,8 en mach ich (!). 

ıx: 1,4 hude (!). 1,8 clage(l). 2, 3 kleffer zongen (!). 3,2 snehe. 4, 5 
ich (!. 5, 5 yre. 6, 8 groyB truren. 8, 1 freuweden. 8, 3 vmer. 8, 5 deist. 
9,5 syn. 11,5 ich. lieff (!). 

x: 1,4 nyn myn. 2,1 hat. 2,4 roytder. 2, 7 anerschynen. 2, 8 jonge 
nicht in der Hs. 3,2 eyn. 4,3 langer we. 6,4 yn an. 

xı: 1,3 hein. 2,1 meytlein. 2,3 meynem, sware. 2,4 van. 3,1 weider. 
3,3 verwoynt. 3,5 myn hog geacht (!). 3, 6 ytzoms. 

xıı: 1,6 yre. 2,6 my. 3,3 hay so, glück. 3,6 my. 4,8 schaff, mun@lyn. 
5, 2 trurlichen (!). 

xım: 3, 3 mych tzwynget lieues. 3, 4 truwe du hays. 4, 1 Ffair. 5, 1 
wordt. 5,3 haist du geliert. 5,7 dyr ys. 5, 8 jaire. 6, Gind swartz gewert. 
6, 8 eyne. 7,8 sienden. 8,2 dw, waene. 

xıv: 1,1 ich (!). 1, 2 yn den (!). 1,4 cathusers (!). 1, 6 und syngen (!). 
5,3 solde (!). 5,5 euen mir(!). 5,7 ind macht, eyn, sy gantz (!). 

Auf Bl. 29® folgt noch ein recht prosaischer Eintrag über gelieferte v hyn- 
der, IX muyssen etc. 

Zur Geschichte: auf den Innenseiten des Deckels ist je ein Pergamentblatt 
(xv. Jh., lat. Rechtsprosa) aufgeklebt. Hier findet sich auch der Name Kathryn 
van haitzfelt (? Besitzerin der Hs.) und Klossens Buchplatte (darauf M 29 und 
Nr. 1129); endlich auf einem Zeitungsausschnitt unter dem Titel: Geschichtska- 
lender der Vorzeit 21. Mai ein Bericht über Anna, des Herzogs Johann zu Cleve 
Tochter geb. 21. Mai 1495, 7 24. Mai 1567; diese hat natürlich mü Amalia 
nichts zu tun. Im Kloss’schen Auctionscatalog hat die Hs. die Nr. 4583; sie wurde 
bei der Versteigerung von dem Londoner Antiquar Rodd für £1 Sh. 3 erworben. 


Ä 


110. 


Phill. 10236. Pap. xv. Jh. 190 Blätter. 14x10,1. Rote Initialen und 
Überschriften. 


Deutsches Breriarium. 


108 III. CHELTENHAM 


Prosaygebete bis 116; 117—124 Die sieben psalmen der hochgelobten ku- 
nigin vnd junffrauwen Marien. 125 Ffolgenn hernach die sieben getzide von 
vnsern hern Ihü christo; dann Die metten.... Heiligenkalender ete. 

Die Hs. scheint Dr. Kloss gehört zu haben. 


111. 

Phill. 10381. Pap. xv. Jh. Noch 306 Blätter. 42,3 x 28,6, durchaus von 
einer Hand in zwei Spalten mit verschiedener Zeilenzahl geschrieben. Rote Int- 
tialen und Überschriften; rot durchstrichene grosse Buchstaben; zahlreiche blatt- 
grosse, im rohen Stile der Zeit ausgeführte Bilder. Moderner brauner Leder- 
band mit Goldschnitt. 

Eberhard Windecks Chronicon. 

1b Bild (Gott Vater hält das Kreuz mit dem blutenden Sohne in der Hand; 
vor ihm kniet der Kaiser und zwei Fürsten). 

22 Prolog (fragmentarisch}h = Mencken 1075 Z. 20. Altmann 2 Z. 6: 
ste baß glouben was ich von disen worten wercken geschriben han — vnd hie 
in zit zu verdiene noch disem leb& zu wyessende das ewige leben. Anıen. 

Anfang: 2b Also keyser Karle kunig zu behem vor sime tode ordinierte. 

Schluss: 306" (Cap. cccLxıx) Also danne gewonheit ist das man soliches 
zu eines romischen kuniges krönunge phliget zu thun (= Mencken 1285 Sp. 2 
Cap. ccoxxv. Altmann Cap. cccLxxvuı S. 469). 

Abschrift dieses Ms. durch Dr. Patzig in der (töttinger Bibliothek; dazu 
Reifferscheid in den Nachrichten von der kgl. Gesellschaft der Wissenschaften in 
Göttingen 1837 8. 528 f. 

Ausgaben: Mencken, Seriplores rerum germ. 1, 1074-—1288 und W. Alt- 
mann, Eberhart Windeckes Denkwürdigkeiten, Berlin 1893. 

Zur Geschichte: In Klossens Auctionscatalog werden unter Nr.4682 2 Voll. 
dieses Werkes aus der Ebnerschen Sammlung stammend (Nr. 82 im Catalogus 
bibliotherae numerosae ab II. G. Ebnero conlectae, Norimbergae 1812) aufgeführt ; 
mit ihnen (oder einem von ihnen) scheint obige Hs. nach den Ausführungen 
Reifferscheids a. a. O. nicht identisch zu sein. Die Ebner-Kloss’schen zwei Vo- 
lumina wurden vom Antiquar Thorpe für £3 Sh. 1 erworben (s. Salecatalogue 
of Sothehy's 1835, May, Vol. 158), ohne dass über ihren Verbleib näheres zu 
erfahren war. 


112. 

Phill. 10400. Pap. xv. Jh. (1447). 214 Blätter und 2 leere nach 174, 
sowie vordere Custode. 30 x 22,2, von einer Hand zweispaltig in kleiner, schwer 
lesbarer - Schrift. Verschiedenfarbige Initialen, rote Überschriften, rot unter- 
strichene Sütze und rot durchstrichene grosse Buchstaben; einzelne sehr roh 
ausgeführte Bilder im Texte. Lagen von verschiedenem Umfange. Alter gepress- 
ter Lederband und Reste zweier Schliessen. 


112 — 116 111 


nach Cgm. 713 gedruckt bei Keller, Fastnachtspiele 3, 1107 f., wo der Dichter 
sich aber der schneperer nennt. 
c) Bruchstück aus Cato (in abgesetzten Versen). 
2b Werent die küdigere 
gütter red nitt gware — 
4b Wan wip kunnent mitt zorn kosen 
Ser weinen vnd losen. 
Von Zarncke, Der deutsche Cato, Leipzig 1852, nicht benutzt; gehört zur 
ältesten Übersetzung und entspricht A 1—412. | 
Zur Geschichte: auf der Innenseite des Vorderdeckels Klossens Buchmarke. 


114. 


Phil. 11060. Pap. xvım. Jh. 20 Blätter. 25,2 x 19,5. 

Joh. Statwechs Reimchronik. 

12 Godde Marien vnd allen hilghen to eren — 20% Wente ik byn vt 
dem poppendyke. 

Auszüge sind mitgeteilt im Jb. des Vereins f. nd. Sprachforschung 13, 
121—28; die Görlitzer Hs. ist verschwunden. 


115. 

Phil. 11079. Pap. xv. Jh. Ursprünglich 95 Blätter; es fehlen jetzt 17. 
19. 28. 40. 52. 65. 70. 79. 82. 87. 89, auch 1 und 12 sind fragmentarisch. 
22x 16,1, zu 24 Zeilen. Rote Initialen, rot durchstrichene grosse Buchstaben 
und rot unterstrichene Worte; farbige, roh ausgeführte Textbilder. Einband 
modern. 

Meister Ingolds goldenes Spiel. 

1» der..... | armut..... | man da by ve..... | spilt er nit. Ersp..... | 
(Schröder 2, 31 f.) — 95* ich han dz min geton on verfenclich wer dz list vnd 
hort der besser es vnd bitt och got flißeclichen vnd ernstlichen fur mich des 
beger ich ain priester prediger ordens bieß maister ingold hat dise spil gemacht. 

Datum 77®.... yetzund da man zalt von cristus geburt a. d. CCccL jar 
traget keplach mit lappen .... 

Ausgabe von E. Schröder, Das goldene Spiel von Meister Ingold (Elsässische 
Litteraturdenkmaäler ı1). 

95% Formulare für Adressen von Briefen an Kaiser, Kurfürsten oder Erx- 
herzoge. 

Zur Geschichte: Klossens Buchmarke; Nr. 4604 im Auctionscatalog von 
1835. 


116. 
Phill. 11080. Pap. xvı. Jh. (1573). 34 Blätter. 20,7 x 13,7, von mehre- 
ren Hänuen. Rote Initialen und Überschriften. In schweinsledernem Umschlag ; 


112 III. CHELTENHAM 


vorgebunden ist ein alter Druck o..J. u. O. Hier beghinnen die miraculen vand* 
heiligher maghet sinte dimpnen. 

1* Hier beghlt die legende va die heighe (!) maghet sinte digna — 7 En 
doe loeflen en dancten si ghemeenlic met vroechden onsen heer ihm die leeft 
ende regniert inder ewicheit. amen. ä 

8® Een suuerlick exempel van die apostolinne xpi ihesu sint maria mag- 
daleene. 

112 Een ander vä helia der pker orden. 

15° Dye legende van den heylighen Confessoor sint Adelbrecht rustende 
in Egmont. Den heylige confessor sinte Albrecht is geboren in Enghelant syn 
vaeder was ghenoemt Edilwaldus end was een coninck der yren ete. (Bekehrung 
der Friesen etc) — 23®b dat hyt gheoffert hadt int Clooster ende Abdye van 
Egmont. (rot) Het eyndt van dye hystorie. Scheint wie das folgende Stück aus 
einem Drucke copiert zu sein. 

24® Hyer beghint die vyndinghe des heylighen waerdighen Sacraments het 
welcke rustende is binne der stadt van Anıstelredam | eh die plaetse wert ghe- 
naemt — 34b Gheschreeuen door myn Broed® Aernt Janssoon dye Raedt van 
Bommel | conuentuael in klooster van den Hern (?) buyten Schoonhooven Int 
jaer ons herren Duysent vyfhondert | ende drye bouen tseuentich op den S..dach 
Julii. 

117. 

Phill. 11082. Pap. xv. Jh. 102 Blätter. 21,5 x15. Initialen mit der 
Feder gezogen und rot umstrichen; rot durchstrichene grosse Buchstaben. Holz- 
deckel mit rotem Lederbezug. | 

1% Überschrift (xvıı. Jh.) Vande Leenrechten van Brabant. (xv. Jh.) Dit 
sin die leenrecht@ van ons genad h’n camer van Brabant ei die steydinge eh 
deylinge naed? seluer came’n recht. Anfang: Primo. Soe wye tens leengoede 
sprek wilt moet ald’ierst den her genoich doin van des men hem sculdich es te 
doine — 4° Toe en sal hij mair hebben een gelte rinswijns En ele nıan een 
gelte sin tsamıe& III gelte rinswijns. 

Es folgen lateinische Stücke: a) P. Nicolai Serrarij Augustiniani de xxxı 
articulis ab eo doctis. 5) Richardi Armacani Archiepiscopi Defensorium Cura- 
torum aduersus Mendicantes (ad annum 1357). Nolite iudicare sedm facis sed 
iustü iudieiü iudicate. c) Epistola Bernardi de mö regdi do” et faliem, d) Ser- 
mones de quatuor Nouissimis. Memora’e nouissima tua.... 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Deckels: Testametü Walt’i de honseem. 


118. 
Phill. 11545. Starkes Baumwollenpap. xv. Jh. 82 Blätter und obere Reste 
von 83-—85. 22,2 xX15, von einer Hand in abgesetzten Verszeilen auf von Li- 
nien umrahnten Seiten zu 20—22 Zeilen geschrieben. Rote Initialen und Über- 


116 — 120 113 


schriften. Lagen: ursprünglich, wie es scheint, durchaus zu 12 Bi. und be- 
zeichnet mit W ...... — vıt je auf dem ersten Bl.; jetzt sind nur noch die 
2.3.6.7. vollstindig, der ersten fehlt das 1. 4. 7. Bl., der 4. und 5. je eines; 
ron der letzten Lage sind nur 4 vollständige Bil. und 3 Reste vorhanden. 
Wasserzeichen: Stierkopf mit Stern. Alter Holzdeekel mit hellgelbem Lederberug. 
Jansen Enikels Fürstenbuch von Österreich und Steiermark. 
Beginn: 1% Darnach vber mange iar 
Ward ein stat fürbar 
Erpawen die hiez fauiana (Megiser S. 23 Z. 17). 
Schluss: 82® Das stund eW laest‘leichen an 
Ob ew vieng ein ander man 
Do sprach der fürst reich... (Megiser S. 181 Z. 1). 

Nach einer Lücke (von 2 Bil.) noch 3 Blattreste. 

Auf 798: Laus deo senper 1583. 

Ausgaben: a) H. Megiser, Fürstenbuch von Österreich und Steyrland, 1618 
und 1740; b) Rauch, Seriptores rerum austriacarum 1, 233—73. Eine kri- 
sche Ausgabe bereitet Ph. Strauch vor, der obige Hs. nach meiner Collation 
benutzen wird. Über Hss. vgl. jetzt noch Massmann, Kaiserehronik 3, 108 f. 


119. 


Phill. 11854. Pap. xv. Jh. 46 Blätter, das erste auf dem. Deckel festge- 
klebt. 30 x 21,5, durchaus von einer Hand zweispaltig zu 30 Zeilen auf Li- 
nien und von Linien umrahmt geschrieben. Eine rote Initiale und Überschrift 
zu Beyinn; grosse Anfangsbuchstaben der Verse (nur auf 1” rot durchstrichen). 
Lagen von verschiedenem Umfange Wasserzeichen: Glocke. Moderner brauner 
Pappdeckel. 

Leben des hl. Stephan, in deutschen Reimen. 

1b (rot) Hie hebt sich an Sandt Stephanus leben. 

Anfang: Es ist von got ein alts recht. 

Schluss: 46® Das trew gen seinem hern hat. 

Also endet. sich sand stephaüs leben 
Got geb vns seinen segen. Amen. 

Darunter standen noch 2 Zeilen, sie sind indes jetzt verschmiert und un- 
leserlich. 

Proben dieses unbekannten Gedichtes teile ich im Anhange mit. 


120. 

Phill. 11856. Pap. xv. Jh. 8 Blätter. 30,3 x 21,5, zwrispaltig. Initialen 
und Überschriften rot, rot durchstrichene grosse Buchstaben. Eine Lage von 
6 Bü. und 1 Doppelblatt. 

Algorismus, deutsch. 

Deutsche Has. in England 1. 15 


114 III. CuELTENHAM 


1° Allew dinkch die von ersten wegunstnüzz der ding sind — 8* wizz 
auch ab die vorgeleyt zal myner ist dann 1000 So heb an an der erstä figur 
ze wurchen. Hie hat der Jdawtzche Algarismus ein end got vns sein genad 
send 2€° Amen. 


121. 


Phill. 12196 (und noch einmal als 18495). Pap. xv..Ih. (1477). 287 Blätter 
und 1*—3* leer, 4*—8* Register, 2838*—293* leer; in der IIs. ist nur ron 
1—194 yexählt. 20x 14,8, von einer Hand mit verschiedener Zeilenzahl. Rote 
Initialen und Überschriften; rot durehstrichene Buchstaben und rot unterstriehene 
Citate. Lagen zu 12 Bü. (die erste und die letzte zu 4 Bil). Roter Papier- 
deckel mit Bändern an Stelle der Schliessen. 

Drei Bücher über die drei Wesen der Menschen. 

4* Hie fächt sich an die täfel uber die drew nachgeschribä puecher die 
vns lerü die drew wesG des menschü vnd das erst weiewt vns lazarus. 33 Ca- 
pitel des 1. Buches. j 

6* Die Capit! des andren püech« von dem aufnemendä wesen pezaichüt 
pey martha. 26 Capitel. 

7* Die capit! des dritn puechs von de volkomen beschauenden wesen pe- 
dewt vns maria magdalena. 21 Capitel. 

Vorrede: 1* Ihesus du heiliger.....nam....in dir heb ich an geschribä 
einer erbirdigen person die lange zeit mit begirlich@ hertzh gepeten hat vmb 
vnderweysung.... — 1® Aber von der jungen chindt wegen .... will ich setzenn 
in geschrifft was der her’ von genaden gebn vnd verliehäi ist (!). 

Anfang: 2® Es ist zw wissen das dreyerley wesen sind der meschn. Et- 
lich werdüt genant anhebent menschen — 194° Da er also »prechn wirt Chumbt 
her ir gesengten (!) meines vaters in das reich das euch von Ewigkeit perait 
ist. Amen. 

Traetat von der Liebe Gottes und der gerechten Meinung in unsern 
Werken. | 

Übersehrift: 195° Dise hernach geschribne materi ist gemacht von ainem 
Carthauser vnd sagt von der grossen nutzperkait der gerechtn lieb gottes vnd 
der gerechtü maygnug (!) in allü vnsern werchn. Liber pruder Conrade ich 
pitt dich fleissicklich das du .... ditz puchleins wellest vberlesen von anffanck 
pis auf das endt.... (Lob des Büchleins: Pfarer hanns wilsegeuert zu auspurg (!) 
hat es dreimal abschreiben. lassen, her fridreich von kristgarten kan ditz puch- 
lein nit volloben, item maister nicolaus von dinckelspüchl von dem die nach- 
uolgent vorred ist den hab ich wol bechant do ich was zu wien wah vnder 
alln maistern vnd doctoribus der heilign geschrifft was er de® aller gelertest vnd 
hat auch etlich predigpucher gemacht wan er was ains heilign lebäs. ....). 
199b Register; enthält 22 CGapitel, 


120 — 124 115 


202b Die eben erwähnte Vorrede: Zu aine warn cristenlichi gelaubn in 
statter hoffnüg halt vns der parmhertzig got ete. 

Anfang des Textes: 203 Also ist zw mercken das der liebhaber aller 
menschä vnser herr’ Jhesus xpüs..... wart er (!) zu ainen zeitten von ainen 
lerar vnd maister der Ee gefragt Maister welchs ist das groist gepot in der 
Piunsesase — 2612.... vnserm lieben hern ihesu xpo der da mit got de vate’ 
vnd mit de heilign geist lebt vnd herscht ain warer got ewigkleichn. amen. 
Deo gratias. 

Von 261b ab ein Tractat über die letzte Zeit vor dem Tode, yeistliche 
Unterweisung der Kranken etc. — 287b. Darunter (rot): Per mans pauli 
Steinfurter. orate fidelit® pro eo. sub an® m°cccc® vnd im 77. In die scI Wolf- 
gangüi episcopi. Laus deo pax vivis requies eterna defunctis ame. Deo gratias ıC. 

Über alte Drucke beider Tractate Hain, Repertorium 1, 1 Xr. 4062—64. 


122. 
Phill. 13956. Pap. xıx. Jh. S71 Seiten. : 37x 22,6. 
Copie von Konrads v. Ammenhausen Schachzabelbuch. 
Anfang: In gottes namen hebe ich an 
Wanne nieman nicht geschaffe ka. 
Schluss: Dis büchlein wart vollebracht 
Da man zalte von gottes gebürt für war 
In dem mertzen dritzehenhundert drißig süben jar. Amen. 
4us der Bibliothek von Dr. Kloss, von dessen Buchmarke noch ein Rest 
sichtbar ist. Der Auctionscatalog bemerkt zu dieser Nr. (4563): A transeript 
of the above work (Papierhs. xv. Jh. nun: im British Museum Add. 11616) 
neatly copied and collated at Friedberg in 1822, 
Ausgabe von F. Vetter, Das Schachzabelbuch Kunrats von Ammenhausen, 
Frauenfeld 1892 (Ergänzungsband der Bibliothek älterer Schriftwerke der deut- 
schen Schweiz). 


123. 

Phill. 16375. Perg. x. Jh. 16 Blätter. 20,4 x 14,4, einspaltig von einer 
Hand. Rote Initialen und eine rote Überschrift. 2 Lagen zu je 8 Bil. 

1° Incipit vita Sci Sole confessoris xpi. Enthält ahd. Glossen, gedruckt 
bei Steinmeyer 2, (64. Am Ende (16) Fin Sernio Ermi Diac et moD de vita 
beatissimi soli PbrI ac Moni. 

Zur Geschichte: die Hs. erscheint als Nr. 1103 in Libris AAuctionscatalog 
(1359) aufgeführt. Faesimile daselbst Tafel xx. 


124. 
Phill. 16376. Pap. xv.Jh. 321 Blätter und 1%—6*, doch fehlt wenigstens 
ein Blatt vor 1*; die Hs. zühlt übereinstimmend von 1—321, doch ist Bl. 1 


116 III. CHELTENHAM 


zweimal vorhanden und dafür Bl. 172 übersprungen. 28,4x 21,4, von mehre- 
ren Händen auf zwei meist von Linien umrahmten Spalten zu 26—3V Zeilen 
geschrieben. Rote Initialen und Überschriften, rot durehstrichene grosse Buch- 
staben. Wasserzeichen: 3 gestielte Kirschen. Moderner carminrolter Marorcoband 
mit Goldschnitt, grünen Lesebändchen und grünen Papierhaltern zum Auf- 
schlagen. Die Hs. befindet sich in einem Gehäuse, auf dessen Rücken in Gold- 
schrift zu lesen ist: Altdeutsche Gedichte und Schriften. 2 Hss. sind zusam- 
mengebunden. 

I. Bl. 1*—6* und 1—162, datiert 1428. Lagen zu 12 Bil, bereichnet 
von der dritten ab durch: 3° sexternus, gqrtus sexternus — dredeeims (!) sexter- 
nus (jedoch nicht überall erhalten, weil der untere Rand beschnitten ist). 

a) 111 Geschichten der Gesta Romanorum, unterbrochen (32%) durch 
solche aus den. Sieben weisen Meistern. 

1* Register a) und b) umfassend, am Anfang fragmentarisch; die beige- 
fügten Zahlen correspondieren nicht mit den, übrigens unnummerierten, (ie- 
schichten: 16. Von dem König Troiano vnd von dem pern d’ niht ein hertz 
hett — 6* 1.2.9. Von dem furganckch der gemainen lewt. Darunter rot: 
Quis hoc schribebat | Nullum nö habebat | Si melius schripsisset | Suum nö 
bene invenissett. 

Anfang des Tertes ohne Überschrift: 1° Pipius waz gewaltig zu Rom ete. 
43 Geschichten (die letzte: Von der stat die mit den tier wesessen waz 31b). 
Dann 32%: Die auentewW von diocleeiano den sein vat® wolt ertött habe nach 
sag des weibs vn in in (!) sein maist” pey de leben behielten — 46P (rot) Da 
mit hat die Abentewer von (diocletiano ein end vü heben sich wid® di gesta an 
von erst von dem Ritt® der seinen knecht in potschafft zü der frawe .... sandt. 
Es folyen noch 68 Erzählungen: die beiden letsten 114" Von Jer frawen die 
den plätigen harnasch in ir kamer aufgehangen hatt und 115” Von dem Ritter 
der di nachtigall in dem paü erschozz vnd gab sy seiner frawen ze esse. Anno 
domini Milesimo ccccxxvIu jar. 

S. H. Oesterley, Gesta Romanorum (1872) 8.8 und 236 unter Nr. CXXXIM. 

b) Schaehbuch des Jacobus de ('essolis in deutscher Übersetzung. 

1178 Anfang: Ich pruder Jacob von Cassalis prediger ordens pin vber- 
wunde vö der prüd® gepett — 161® pey eine maist’ der hiez virgilius der was 
geporn von eine swachen gesläht vn da vo daz er waishait hett ward er er- 
chant in aller welt. (rof) Anno donini Milesimo 1428 in die Urbani finitus est 
liber p manus: Si jo ponat? Et vi sibi assotiat’ Et vs addat? quis schripsit 
sic vocat?. 

Vol. Goedeke, Grundriss 12, 374. 

1622 (Schreiberverse) : 

Suß lach saur lach da wol j 


Da we da dät es sich. 


124 117 


und: Seyt das T (Treue) also stautt 
Das das L (Lüge) da für gautt 
So ist das V (Falschheit) gemert 
Das f (Volk) sich an das R (Recht) nicht chert 
Nü gewint das M (Mensch) die Macht 
Das es sich weder auf das g (Golt) noch vf E (Ehrlichkeit) nicht acht. 


Ka’itas laitt in grosser not 

Iustitia ist geschlage ze tot 

Fallacia ist geporen 

Vides hat den streijt verloren. 

u. Bl. 163 —321, datiert 1424. Lagen zu 12 Bil, in der ls. je am Ende 
bezeichnet durch 1’, d’ and’, 3° — 8, dann nichts mehr. 


a) Ohne Überschrift: 164% Der behaltn wil sein dem ist ein notdurfft vor 
alln dingi daz er behalt christüleichn gelaubä .... (von Gott, der Seele, den 
Himmelskörpern, den Elementen, von Thieren und Menschen, viel vom Ge- 
schlechtsleben) — 223» So sleust got die vernüfftig sel dar inn daz wewärt sich 
an Sant augustin vnd spricht: die sel in ir schephung wirt in den menschen 
gegozzen vnd in irm eingüsz wirt si geschepht. 

b) Ohne Überschrift: Prophezeiung (in Form einer Vision) von Trüb- 
salen, die welschen Ländern, namentlich Rom, durch die Saraxenen so lange 
drohen, bis die deutschen Fürsten zu Hilfe eilen werden. 

224% In dem nam gots Jhesu xpi Amen. An dem auffert abent nach 


metten czeitt..... da gedacht ich in meinem herezen an die chläglich sach die 
da geschehen ist..... ze Jerusalem — 2266 So wirt es sich anheben. vud da 


er mir alles gesagt da verswant er von nıir. 

ec) Ohne Überschrift: Weltzustand. 

226b Das reich ist v°gange von der priesterschafft die gerechtichait von 
de fürsten — Des pischolffs von freissing miltichait vnd des hertzogen von 
osterreich güttichait vnd des auserwelten von Saltzpurg herlichait die drew ha- 
ben pracht Grösz müe vnd arbait 2€. Et sie est finis. 

d) Ohne Überschrift: Arzneibuch. 

227% Got hat vir element gemacht — 270b vnd sol es wol stossen vnd 
malen vnd sol es trinken mit weissen wein neWn tag newcht’n so ist er des 
siechtages ann sorg. 

e) Ohne Überschrift: aus Freidanks Bescheidenheit (Verse nur teil- 
weise abgesetzt). 

Anfang 2718: Mich hat bericht der frydank 

Ein tail von sinnen die sint chrank. 

Überschriften: 274 Von den dienste, 276° Von dem hunger. 


118 III. CHELTENHAM 


Schluss 277: Und hasset wer recht tät 


Disew drew sint tore mät. 
1 3 4 2 6 7 
(rot) Stultux cum stulto maculatur crimine multo. 


Vgl. H. Be:zenberger, Fridankes Bescheilenheit, Halle 1872; er gedenkt 
unserer IIs. 8.52: "Papierhs. aus dem xv. Jh., vgl. Ind. libr. bibliopolae J. A. 
G. Weigel S. xx. 

f) Vö de maist” katho (rot). 

Anfang 279°: Ez was maistern wol erchant 

Katho was er genant. 

Schluss 286b: Also lert der vater sinen sun 

Das er solt reht tän. 

Von F. Zarncke im Deutschen Cato S.113 f. benutzt und mi X bezeich- 
net (vgl. A. f. d. A. 5, 95); daselbst auch kurze Beschreibung der Is. 

9) Sammlung von Sprüchen in Reimen (die Verse nicht abgesetzt), unter 
der Überschrift: Nü merchk hinfür von grossem Mätwilln. 

Anfang 2878: So grosz mätwill wirt nümer gät 

| Der vbels mer denn gätes tät. 
Schluss 307b: Er ist aein esel der sein güt 
Z8& bald in der jugent v’tät 
Man sicht mengen verzeren 
Sein gät mit lützell eren. 
Darin Stücke aus Freidank und dem Renner. 


h) Ditz ist dew tauel von den verborgen tagen. 
3082 Nun sult ir merken das in den tagen die hernach geschrieben staunt 
— 308 welich mensch denn geboren wirt verlaubet nummer mer. Dat. 1424. 
i) Hie hebt sich güt ler an die merk vil salig man (aus Freidank mit 
der lat. Übersetzung). 
Anfang 309°: Lat. Qui no de Iabe cont’to corde grauat? 
Huis apud dominü semp crimen renouat?. 
D. Wa sünd ist an alle rew 
Die werdent vor got new (38, 11). 
Schluss 314°: L. Si laudem pp’am solo qui publicat ore 
Hun laus... est nullo quog; digns (!) fauore. 
D. Wer sich im lobt alleain (!) 
Des lob ist layder chlain (61, 5). 
k) Recept- und Segensammlung von Jüngerer Hand. 
315° Nota gar ain güt ertzuey für das grießB vnd den stain. 
315b Zuei Rossarzneien und ein Rosssegen gegen den auffwerffendn vn 
inwendigen wurm. Ich gepewt dir wurm vnd würmin pey der vil hayligen 
küniginn das du des fleysch noch des pains als lützell mügest gewinnen als 


124 — 125 119 


vnser liebe fraw kain drutt sun me mag gewinnen vä sprich ım pat. n. vä ım 
aue maria. It& vnd segü das Ros ımı tag nanch einander allweg den obgeschri- 
ben segn zu (drey malü aufeinander vn sprich dan ım p. n. vnd II aue maria. 

3165 Blutbesprechung (Nota für «as plüt v’stan) Der heilig Christ...., 
gedruckt MSD? 2, 273. 

Es folgt ein Wassersegen: Das wasser müß als wol gesegent sein als der 
hailig Jordan waz — her Jesu crist das is war In gottes namen. amen. In 
Verbindung damit 3 Wundsegen. | 

Dann 2 Rerepte: Contra pestilentiam das ist für die pläen. Neben anderen 
eins des künigs zü vngern in dem cöstly zü kostnitz .bereytt. 

320b Pfeilsegen: So der mensch geschossen so sprich dise wort In + des 
Vaters + vnd des suns + vnd des hailige geist Amen. + Longinus der Ju- 
den ain Ritter was der vnserm herrn Jesu xpo die nagell vß zoch vß hendü 
vn vß füssen Als waur die wort seyen Alz wärlich geb mir Vlrich got kraft 
vnd macht vVlrichen mir ceristen menschen diss eissen auß bain vnd auz flaisch 
zü ziehen in gotez nanıen. amen. 

Schluss 321° Recepte für dz grieß. 

Zur Geschichte: aus Libris Bibliothek, Auctionscatalog (1862) Nr. 10; 
früher im Besitze T. O. Weigels, vgl. Serapeum (1847) 8. 237 f}. 


125. 

Phill. 16412. Pap. xv. Jh. 122 Blätter (nach 1 fehlt eins). 28,2 x 21, 
ron einer Hand zweispaltig (die Spalten von Linien umrahmt) zu 33—28 Zei- 
len geschrieben. Rote Initialen, rot durchstrichene (von 500 ab ein senkrecht 
durchgehender roter Strich), herausgerückle grosse Anfangsbuchstaben der Verse. 
9 Lagen zu 12 Bil. (doch scheint das erste der 1. Lage nur vorgeheftet zu 
sein), die 10. zu 14 BÜ., bezeichnet mit V—x’ am Schluss. Bl. 1—3 sind 
am Rande verrissen, ohne dass der Text gelitten hätte. Wasserzeichen : Stier- 
kopf mit Blume. Alter Holzdeckel mit rotem Lederbezug, je 5 Metallknöpfe, 
Reste zweier Schliessen. Seiner Innenseite ist ein Pergamentblatt (xıv. Jh.) auf- 
geklebt, grammatischen Inhalts (lat.). 

Rudolf von Ems, Wilhelm von Orlens. 

Anfang 1° (Akrostichon): Rein tugend wyß rat 

Von edels hertze gat. 
Schluss nach 50 Zeilen gegen Mitte der 2. Sp.: Czwey geliben lerte 
Und vnverhauwen serte. 

Darunter in grossen Buchstaben Wilhelm von Orliens. 

Test der Seite sowie 1b leer. 

2a beginnt: So ich aller beste kan 

Dy abenthure griffen an. 
Eyn herre in franckrich saz ete. 


120 III. CuHELTENHAM 


Zwischen dem Schluss von Bl. 1 und dem Anfang von Bl. 2 fehlen also 
78 Zeilen. Ich erkläre mir dies folgendermassen: nachdem der Schreiber die 
50 Zeilen auf 1% geschrieben, fieng er seine Arbeit noch einmal auf dem nun 
fehlenden Bl. 1* an (ein ganz hnliches Beispiel in Phill. 541, s. oben), und 
beschrieb dies vollständig. 50 + 78 = 128 ergiebt 32 Zeilen für die Spalte: 
das stimmt zu dem sonst in der Hs. befolgten Brauch. Das Blatt mag später, 
als man seinen gleichen Anfang mit dem vorangehenden bemerkte, herausge- 
nommen sein, während das Fragment verblieb. | 

Schluss 122": Welch min frunt mir frundes [rat fehlt] 

Ertzuget ane missetat 

Ob mir der rat zu staten stat 

Und mich nicht vnder wege lat 
Der let an mich der truwen wat 
Und tut mir wol wie ez ergat 

Ditz mer alhie ein ende hat. Amen. 

Nur einzelne Stücke des Gedichts sind gedruckt; vgl. (Goedeke, Grundriss 
1%, 123—126. 

Zur Geschichte: in Libris Auetionscatalog (1362) als Nr. 563; vorher im 
Besitze T. O. Weigels zu Leipzig. Der Is. liegt ein Brief F. Pfeiffers vom 
20. Nor. 1858 an Weigel bei: “...... Die Leipziger Hs. ist vollständig bis auf 
das 2. Blait; sie scheint aber einen schon corrumpierten, lückenhaften Text zu. 
enthalten. Der Anfang und Einleitung ist richtig; nach dem 1. Bl. fehlt der 
Leipziger Hs. ein Blatt mit 78 Versen, die aber, da das erste nur 50 Zeden 
enthält, ursprünglich nicht alle darauf enthalten sein konnten [s. oben] .... Der 
Schluss des Gedichtes ist den ührigen ss. entsprechend’. — Der Name einer 
ehemaligen Besitzerin der Hs. steht auf einem Papierstreifen auf der Aussen- 
seite des Deckels. Ich lese ihn: Margar[ete] Büächeim von Eslingen. 


126. 

Phill. 16413. Pap. xıv.|[xv. Jh..174 Blätter und je eine Pergamenteustode 
(aus einer hebräischen Hs... 21,4xX 15, von einer Hand zu 31—33 Zeilen ge- 
schrieben. Rote Initialen und Überschrift (zu Anfang); rot durehstrichene 
grosse Anfangsbuchstaben der Verse, an deren Enden rote Schlangenlinien; auf 
174b ein blattgrosses gemaltes Wappen. Lagen von 12 Bil, zum Schluss zwei 
zu je 2 Bil. und ein Einzelblatt. Wasserzeichen: ein von einem Kreise um- 
gebenes T. Die Verse sind von 10 zu 10 von moderner Hand mit roter Tinte 
am Rande gezählt. Grüner Saffianband mit Goldsehnitt in einem Gehäuse. 

Wigalois des Wirnt von Grarenberg‘). 


1) Phill. 2772 ist eine moderne Copie der Bremer Hs. (L) desselben Ge- 
dichts. 


125 — 127 121 


1® (rot) Ein vorRed des Ritters mit dem Rad | Und ist wygalays genant 
vnd düt | wunders vil bechant Und also muzz | Allen Ritter geling die also 
nach eren ring. 
Anfang: Der nach eren sinne 
 Trewe vnd ere mynne. 
Schluss 174%: Wenn chain herz sie gemessen mag 
Der frevden nicht geleich | 
Die ist in hymelreich 
Da vns got noch hin gesenıd 
Aus diesem ellend 
Und also hat daz puch ein end. Amen. 
Ausgaben von Fr. Beneeke (1819) und F. Pfeiffer (1847). Über unsere 
Hs. Schönbach, Z. f.d. A. 24, 176 f.: sie ist Abschrift der Wiener 2970. 
Zur Geschichte: aus dem Besitze T. O. Weigels (vgl. Serapeum 1847 S. 264) 
kam sie in den Libris: Auctionscataloyg (1862) Nr. 565. 


127. 


Phil. 16414. Pap. Spütes xv. Jh. 148 Blätter und die leeren 149*—187* 
sowie vordere Custode. 22,6 x15,4, von einer Hand geschrieben zu 20—23 
Zeilen. Rote Überschriften; Ruum für Initialen freigelassen, aber in keinem 
Falle benutzt. Lagen zu 12 Bü. (doch die 11. und 13. xu 10, die letzte zu 6), 
bezeichnet mil al, a2 — a6 (dann die ganze Lage am Sehlusse durch al), 
b1 —b6 (bl)...... — gl — g6; und wieder von BI. 85 ab alu. w.... 
el — e6 (Bl. 136); weiterhin fehlen Signaturen: also ursprünglich 2 Hss. 
Wasserzeichen: verschieden, unter anderen der Stierkopf mit Stern. Brauner 
alter Ilolzdeckel mit Lederrücken, eine Schliesse. 

I. Michel Behaims Gedichte. 

1® (rot) Dise nach geschriben geticht sten in michel pehams oster weis 
vnd dises erst in den noten sagt v6 dem heiligen geist vnd seine gnadn die 
er dem menschä (Schluss fehlt). 

[D]v heilger hochgelobt’ geist (Z. 4—6 rot) — 
Nach vmer werndem preise (21 Str.). 

Gedruckt nach Pal. germ. 351 und 312 bei Wackernagel, KL. 2, 666— 68. 

5b Von der verstossung der teufel. 

[A]us nicht schuf got himel vnd erd — 

Das solchs werd abgenomen (21 Str.). 
10b Von der purd ihesu cristi. 

[WJie die gepurd h’ chum€ ist — 

Deins kindes gnad erwerben (15 Str.). 
14b Von propheceyen sagt das (s. Anhang). 


Deutsche Hss, in England I. 16 


122 III. CHELTENHAM 


1832 Exempel von ein esel. 
[Ijch elag euchs all& vberlaut — 
sy doch nit wil an regen (3 Str.). 
192 Von einn esel exempel vnd get auf die narren. 
[H]Jort ein exempel wund’leich — 
vnd doch weis wellen seine (9 Str.) 
21° Von der schephüg der engel wz das die gut& pestüden vnd die po- 
sen verstossen wurden. 
[HJeilger heilg’ heilg’ her got — 
das wir solchs werden erben (47 Str.). 
32b Von den wider pringn des uals der engel. 
[Heiliger geist. ich ruf vnd gilff — 
ezu deiner engel rote (15 Str.). 
36° Von den engeln dy dem meschn geben sein zu hut. 
|D]v milter gnaden reicher got — 
ewigleichen von dire (20 Str.). 
40b Von den teufeln die dem menschen sein geben zw an weigenn. 
|N Jun hilf vns allmachtiger got — 
hilf vns zu deinem reiche (13 Str.). 
44° Wie der mensch peschaffen ist worden. 
[|MJein got mein scheph’ mei hailant — 
an der cristenhait amen (19 Str.). 
48b Wie vns got hat widerpracht mit seiner meschw’dg. 
[Dju parmherezig’ jesu erist — 
Das helff vns got der frome (31 Str.). 
56b Von der gepurt eristi wie die mit gleich (!) in «den geschrifften pe- 
wert ist. 
[MJaria keusche raine mait — 
Durch dein purdt ewig schauen (9 Str.). 
58b Sand hilgarten prophecy. 
[Z]ju eine zeiten sant hilgart — 
Dis gsank macht michel pehen (53 Str.). 
‘2® Ein ander propheci. j 
[N Ju hort ich wil euch chunden hy — 
Leben hie vnd auch dorte (21 Str.). 
77a Von der offnüg die gamaleon erschän. 
[Elin offenüg meld ich euch .do —- 
zunemlich vnd peheltlich (21 Str.). zer 
s32b Von der niderlegeig (!) so die graue von posing auf die vn£ teten. 
[A]n aine Sambstag.das peschach — 
sol diez geschenket seine (9 Str.). 


127 123 


Gedruckt bei Karajan, Zehn Gedichte M. Beheims Nr. 7. 
Darauf: Deo gratias. 


Et———finis a 
ee am aller heilige abent vollent michel hefelin. 


ı1. 85% Dise nachgeschriben geticht sten in michel pehanıs hofweis vnd 
das erst ist ein exempl von der heiligen trinitat. 
[WJol drey gesellen gut (Z. 5—8 rot) — 
Also emphing sy got (5 Str). 
Gedruckt nach Pal. germ. 312 bei Wackernayel, KL. 2,680 f. 
866 Von des himels lauf vn gestirn. 
[A ]llmachtigeleicher gott — 
Sein nam ist michel pehen 
Der dis getichtet hat (27 Str.). 
95» Wie der mensch got danken sol der gnaden die er emphangen hat 
auch auch (!) der kunftigen genaden. 
[Ich sag dir lob vnd er — 
Das hilff vns allen got (3 Str.). 
Gedruckt nach Pal. yerm. 312 bei Wackernugel, KL. 2, 681. 
966 Wie man sich sol peraiten so man das hochwirdig saerument corporis 
christi enphahen wil. 
[H]Jor werder cristen mensch — 
vnd alle cristenhait (27 tr.). 
1056 Von zwain vnd sibenezig namen der kunigin maric. 
[MJaria maget rein -— 
Miserere mei (5 Str.) 
1078 Vom ewangilg als iesus zu samarıa auf dem prün sas vnd das 
fraulin wass’ schepht. . 
[Ulns schreibt Johannes — 
Der dis getichtet hot (15 Str). 
112 Das geticht sagt von «rein rosen gab mir mein her chung lassla 
ılas ich im ein geticht davon macht. 
[N jun merkent «disen sin — 
Dein’ groß mechtikeit (3 Str.) 
Gedruckt nach Pal. germ. 312 bei Warkernayel, KL. 2, 682. 
113° Von dem wort vnd wie man das reden »ol. 
[E]in ding ist gut vnd pos — 
getichtet dis dis (!) gesank (19 Str.). 
119 Wie ein kunig regiren sol. 
[Sjeit des mals das ich weis — 
Aller gnetligsten herren (25 Str.). 
127b Ditz peyspil macht ich mei herren chunig lassla czu prag in pehanı 


124 III. CHELTENHAM 


vnd sagt von (den ketzern wan ich nit offennlich uor im torst singen darüb 
macht ich es in ein peyspil weis das sy es hortenn. 

[E]s was hie uor ein kung — 

war auf die meynüg stet (13 Str.). 

132 Und do ich diez geticht dem chung gesag do sprach er Jdas ich ims 
auslegt was es pedewt do sprach ich wän mir eur gnad sagt wie eur gnad 
solch halten welt die also vngehorsam weren Do sprach der durchleuchtig furst 
er wolt solchen vngeldig (!) sein do sang ich nu die auslegung. 

[D]urchleuchtigster kunig — 
Woll helffen mit im dar (33 Str.). 

1372 Ein wider effen von checern zu peham. 

[Iln allenı romischem reich — 
Des der dis liedlin macht (9 Str.). 

Gedruckt nach Pal. germ. 312 bei Wackernagel, KL. 2, 632 f. 

140° Von meins herren chunig lasla ambtleuten vü den posen vnd vn- 
getreü ein gleichnus. 

[Elin peyspil wunderleich — 
haben vor dir geton (7 Str.). 
142b Ein peyspil vö dreien faulen puben. 
[|HJie horet schand vnd spot — 
Das tut vns sicher not (3 Str.). 
144° Ein peyspil wie ein wolf peicht. 
[| VJernement fromde mer — 
Das ymer ewig ist (5 Str.). 

145b Ein peyspiel vö eim affen vnd perurt die dy nit von in selber 

haltn. 
|EJinsmals was sich ein aff -—- 
des lob ich rumen wil (3 Str.). 

146b Ein peyspil von eim singer der maint sung gar wol vnd sang gar 
vbel. 

[Hlie horent fromden sin — 
den zway vnd dreissig iar (5 Str.). 
148° Von eine kreuß (so!) vnd get auf die prister vnd (Rest fehlt). 
|E]Jins mals het sich gepurt — 
Ir gern hie von dir (= Str. 2 Z. 9; fragmentarisch). 

Vol. (Goedehke, Grundriss 1%, 314. K. Bartsch, Die altdeutschen Ilss. der 
Untversitäts-Bibliothek in Heidelberg (1887) 8. 57 f. Nr. 147. 8.79 f. Ar. 163. 
Ss. 102 Ar. 179. 85.113 Ar. 202. S. 114 Nr. 205. 8. 124 Nr. 214. 

Zur Geschichte: aus Libris Bibliothek, wo sie im Aurtionscatalog von 1862 
die Nr. 692 trägt. Auf dem Rücken des Einbandes finden sich die alten Bi- 
bliootheksnummern 164 und 297. 


127 — 129 125 


128. 

Phill. 17809. Ein Sammelband ron Fragmenten verschiedener Zeit und 
verschiedenen Inhalts, meist lateinisch, selten französisch und englisch. Nur ein 
deutsches Stück darunter: 3 Pergamentblätter (ein Doppelblatt und ein einzel- 
nes dazwischen gehejtet). xıv. Jh. 25,7 x 18. Initialen mit der Feder gezogen; 
von sehr schöner Hand geschrieben. 

Feldkircher Iuberrecht. 

1® Assit principio sancta maria meo. Diz sint die reht die men sprechen 
sol in dem häphoue zäü veltkirche (s. Arhang). 

Ein Teil von 2b und Bl. 3%b leer. bis auf die Worte: Ez mag 3% Auf 3b 
von einer Hand des xvı. Jh.: Des droitz de la may’en (!) de Val.... (undeutlich), 
ferner (xvır. Jh): Les droits de la Cour de Vagmen feldkirch. 


129. 


Phil. 138090: vier Hss. des xu.— XV. Jh. unter modernem Papierdeckel 
vereint. Die 3. ersten (Bl. 1—101) enthalten hauptsächlich lateinische Predig- 
ten, Heiligenleben ete., hier handelt es sich nur um (die vierte. Perg. xır. Jh. 
42 Blätter, signiert Bl. 102 —144. 19,4x 13,6, von mehreren Händen ge- 
schrieben. Rote Initialen und Überschriften, rot durchstrichene grosse Buch- 
staben. Lagen von verschiedenem Umfange: die 1. zu 8 Bil. mit einem ein- 
gehefteten Doppelblatt in der Mitte, die 2. 3. zu 6 Bil. mit Fordereustoden, die 
4. xu 7 mit Vordereustode, die 5. zu 8 Bll., endlich 2 Einzelbll. 

Liturgische Stücke, Predigten ete. 

1022 De transfiguratione dni ad Mat’ cap. Saluatorem expectam’ — 105», 
fortgesetzt 108° —109%, zum Schluss mit Neumen: Die mihi quid € unus — 


Die m ge 5 duodeeim. Duodeci pph’e s. Dazwischen geschoben ist das Dop- 
pelbl. 106. 107 mit Sentenzen und einem Glossar. In let:terem 3 deutsche In- 
terlinearglossen: arra wette, ludeus musare, laqueare getauele. 

1096 Ohne Überschrift: Seripturis (!) romanü imperium primo dicendum 
arbitror qualiter ibi cepit. qm inde in greciä translatü fuerit qualittue uel sub 
quo al nos redierit — Hic heinrie’ quart’ ab humili heinrico reliquit heinricü 
q adhuc adolescens a paschale aplico rome ordinat’ suscep imperiü. 

114% Hec est series pontificum romanor. Petrus apls annos XXv. mienses 
duas. dies tres — Celestinus .m. Lucius .ım. Eugenius (F 1153; dies ergiebt 
den terminus ad quem). 

118° Lateinische (Gebete, Hymne mit Neumen; Kalenderprophezeiung. 

1208 (andere Hand) Über die Dinge bei der Messe: Tolle Thuribulü et 
hausto igne de altari mitte incensü desup pgens cito ad pplm — 126b, , 

Anschliessend in grossen Schrift.ügen der Anfang einer deutschen Homtlie. 
Letentur celi et exultet terra iubilent montes laudenı quia cosolatus & dns po- 


_ 


126 III CuhEeLTENHAM 


pulum suü et pauperü suor miserebit‘. Mine uil liebe kint nu sult ir hivte 
merken dise kurze wort die wir hivte begen in deme heiligen ampte. Vnde die 
der heilige wissage Esayas hat gewissaget. von deme heiligen kriste. do er ge- 
born wart. von der ewigen magede: Sancte Marien. Er sprach also. Letentur 
celi ı rel. Er sprichet also. Himel ynde erde frovdent sich. vä singent die 
berge michel lob. wande der heilige krist.... (bricht ab am Schluss der Seite, 
doch scheint nichts zu fehlen). 

127% (neue Hand) Lateinische Predigten: a) Vidit iacob in sonpnis stante” 
sup t’ra’ anglos —- triumphantes coronant? Amen. 130b (andere Hand) b) De 
dedicat’ eccle, gefolgt von einem neumiterten IIymnus: Ad decus ecclesie reci- 
tatur hodie. 131® e) Über das Pater noster: . mi (= carissimi) hanc oratio- 


nem ipse deus „posuit — Sunt eni in ea VII petitiones que diuidunt” in t°s ı 
or 
‚m. ptes P ta pat° fill’ 7 sps ses. (onorius, Speculum ecelesiac, Migne 172, 


819—822 D). 

132b Confessio (ebend. 824—826 A). Abrenuntio diabolo et omnib’ operib’ 
eius — Et uolo d’o pmittere gıl uolo peccata am de... (bricht ab; vielleicht 
fehlt ein Blatt, die Vordereustode der nächsten Lage). 

1358 (dieselbe Hand, welche die deutsche Homilie 126" schrieb) Lateinische 
Predigt: Ad ordine trium missarü natalis diei dnI misterialiter egnoscendü — in 
qua cum pat° IT spü uiv?'ı reg” ds. p. ola. s. ®. 

1370 (dieselbe Hand) Deutsche Homilie (s. Anhang). 

1412 Stammtafel Mariens; Aufzählung der 7 Planeten ete. Iomilien über 
die Würde des Sonntags und auf die Einsetzung der 10 (Gebote — 144 trans- 
‚tuit ad glam pat's ad euius dexteram sibi coeq*lli]. 

Zur Geschichte: Sir Thomas Philipps erwarb die IIs. von dem Antiquar 
Tross in Paris. 

130. 

Phill. 15908. 5 Blätter, Fragmente dreier Codiees, die aber sämmtlich dem 
vı/Iix. Jh. angehören. 

I. Ein Pergamentblatt, noch 20,4x 14,2, sturk von Motten xerfressen und 
durch Feuchtigkeit beschädigt, daher nur teilweise lesbar. Vorderseite dreispal- 
tig, dJeückseite zweispaltig. 

Ahd. (Glossen von Büumen, Körperteilen, Tieren, Werkzeugen ete., gedruckt 
bei Steinmeyer, hd. Gl. 3, 468. 572 Anm. 437. 454. 456. 462. 450. 634. 

ı1. Zwei Pergamentblätter, 23,5%x15 resp. 16,1, von einer Hand zweispaltig 
geschrieben und sehr gut erhalten. 

Ahd. Glossen zu Gregors Dialogen und ( Yissim, gedruckt bei Steinmeyer 
n.a. O. 2, 247—49 und 145. Farsimile in Libris Auetionscatalog (1859) 
Tafel ıv. xıx. 

m. Ein Pergamentdoppelblatt, 23,5% 13,7 resp. 18,2, ebenfalls sehr gut 


129 — 132 127 


eonserriert. Imhaltsverzeichnis der IIs., der das Doppelblatt angehörte, und lat. 
Gedichte. Fresimilia bei Libri Tafel xvım. 

Genauer werden die Bruchstücke im 4. Bande der Ahd. Glossen beschrieben 
werden. 

131. 

Phill. 19491. Pap. Spätes xıv. Jh. 317 Blätter, vom letzten nur ein 
schmaler Streifen. 32x 21,2, durchaus von einer feinen weiblichen Hand ge- 
schrieben mit verschiedener Zeienzahl. Rote Initialen und rot durchstrichene 
grosse Buchstaben. Lagen zu 12 und 14 Bl. Wasserzeichen: hauptsächlich 
der Stierkopf mit einem Stern. Die Hs. hat durch Nüsse stark gelitten, sodass 
die Schrift auf der obern Ecke jedes Blattes ganz erloschen ıst. Holxdeckel mit 
modernem blauem Wachstaffetband. 

Buch von den zehe dingen in Jen die weishait de’ heiligen geschrift 
mit einander begriffe wirt, zusammengestellt auf Grund von Predigten eines Do- 
minikaners Heinrich. 

12—12b Register über 187 Capitel. Meistens eingeleitet durch die Formel 
So ist ein frag, behandeln sie den Verkehr zwischen Gott und dem Menschen, 
und wie dieser sein Leben demgemüss einzurichten habe; die letzten. 12 bringen 
eine Auslegung des Valerunsers. 

Schluss 316’ vn also seI daz die zeh& «linck in den die weishait de’ hei- 
ligen geschrift mit einander begriffe wirt die dem mensche den not ist zewiss@ 
vn ze erkenne zv dem ewigen leben. vn also hat daz puch ein end got vns 
seinen segen send. vi wer dez puchs list ein teil od’ als der pit got fvrr ein 
arme vndanckperev sunderin die daz puch geschriben hat daz ir got genedig 
sei.... vn sunderliche vergest dez nit von dem sie es genume hat Datz ist 
von I maister Heinrichs predig ein Maister in prediger orden dez predig es als 
ist vn pet deselbe ein pat’ noste’ vn de’ himel kunig (!) ein ave maria amen. 
Von der Schrift auf 317% ist nur noch zu entziffern: Anne Minttrin. 

Zur Geschichte: aus der Unterschrift geht hervor, dass das Ms. dasselbe 
ist, welches der Auctionscatalog der Kloss’schen Bibliothek unter Nr. 4592 an- 
führt: "Heinrichs (von Nordlingen) Meister Predigen (!)....... niedergeschrieben 
von Anna Minterin im S. Klaren Kloster zu Nürenberg um 1380—1400°. 
Die Firma Puitik & Simpson erstand damals die Hs.; von ihr gieng sie (1867) 
in die Bibliothek des Sir Thomas Phillipps über. 


132. 


Phill. 19588. Pap. xv. Jh. 146 Blätter. 14,5X 10,8. Rote Initialen ; rote 
Überschriften und rot durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen meist zu 12 Bl. 
'Iolzdeckel mit rotem Lederbezug. 

Geistlicher Unterricht für Novizen eines Nonnenklosters (in der Is. 
rot bezeichnet: De spitali claustro), lat. und nd. 


128 III. CHELTENHAM 


Anfang: Xpe. pass’ & p nobis vobis Tlinques exemplü ete. Nd. Predigten auf 
43% (rot): An festü desposaciols «lieat? nouiciis de monastiea vita Ihe xpc. Ego 
vos elegi de müdo ut eatis et fructü afferatis et fruct’ ir maneat. Dusse wort. 
de »prikt (!) de lefhebber Ihe xfe to synö lefhebber& alse to gik gheystlike 
kynder€ — 62" Dat vs dat middenäder mote schen des helpe vns de vader 
vn de sone vnd de hilghe gheyst. Ame. Ferner 63° Audi filia et vide ıC. De 
hemelsche vader de benomet eyne gheystlike jewelke brud syne dochter — dar 
gy vn we ok jo syner te ewighen bruken. Amen. 73» (rot) Post letanias inter- 
rogat epus sIgulas psonas et dieit: Vis sacrü velamen quod cötemptü müdi 
significat suscipe. So sechstu dene Volo Ik wille ete. Predigt 74% Deus castor 
corpor amator ....2c. De alwoldighe got de de is eyn lefhebber der kuschen 
lichäme ete. 86% (rof) In vigla Cou°sionis dicat? eis. Hodie scietis q’a veniet 
dns. Seet gy gheystlike küdere de gy mi hude schult benonet werde eyn doch- 
ter des hemelsche vaders — 107 Vnd gy scholt dar stille sitte cötra altare 
also läghe wete to deme Agn» dei so brighet juk de pposit’ pacem. 

Den Rest bilden lateinische Belehrungen mit hie und da ringestreuten nd. 
Sätzen. 

133. 

Phill. 20644. Pap. xv. Jh. (1445). 302 Blätter. 30x 21,5, von einer 
Hand zweispaltig gescehriehen. Verschiedenfarbige mit Arabesken verzierte Ini- 
tialen zu Beginn der Artikel, sonst rot; rot durchstrichene grosse Buchstaben und 
rot unterstrichene Worte. 

Vocabularius latinus DI. 1—213. 

Am Schluss: Explicit pphylogus (!) iste per manus conradi heylant de 
tzell sub anno domini mPccce’xLv Tüe tpis in aldemburg. 

Lat.-deutsches Vocabular, alphabetisch geordnet. 

Anfang: 214% Absid (!) ul absidia ey abseytüg 

Absida media pducta eyn leichhauß. 

Öfters Schreiberverse, so am Schluss der ersten Spalte: Oft traurt meinn 
hertz | Wie wol ich schertz | oder 265® (rot) Hie hat das capitel ein ende | got 
behute dem schreib’ seyn augen vi hende | vn auch vor falschen rat | dy ma- 
nig’ falsch’ mensch in ym hat |. | 

Bl. 302 derselbe Eintrag wie oben 213; darauf mehrere Notizen, denen 
zu entnehmen ist, dass der Schreiber im Jahre 1457 Caplan in Schwabach war. 

Zur Geschichte: Klossens Buchmarke auf der Innenseite des Deckels sowie 
eine Inhaltsangabe von seiner Hand; Auctiousnr. 4678. 


134. 
Phill. 21155. Pap. xıv. Jh. (1323). 147 Blätter (doch ist 71 zweimal 
vorhanden) und vordere zum Teil abgerissene Pergamenteustode. 21x 15,2, sehr 
schön von zwei feinen, augenscheinlich weiblichen Händen in der Art geschrieben, 


En Bin 


132 — 134 129 


dass der zweiten Bl. 82 —114. 134—146 angehören. Die Seiten sind von Li- 
nien umrahmt, die Zeilenzahl varüert. Initialen schwarz und rot umstrichen, 
einzelne rote Überschriften, ebenso sind die am Rande stehenden Citate rot. La- 
gen zu 10 Bl. (doch zählt 8—10 und 13 12 Bil), bezeichnet je am Schlusse 
dureh Anfanysworte. Originaler Schweinslederbund mit roter Ledereinfassung. 
Wasserzeichen: zwei dureh einen Stab verbundene Kugeln. 


Predigten auf Fest- und Heiligentage. 

Auf der Custode Datum und Inhaltsangabe. Vorderseite: Anni ab incar- 
nacöne dnI nrI | mecexxım indietione spl.... | iste In Q stinent? sermones 1 
pr.... | scor In theotunica (!) lingua seri.... | S. Stephani prothomrts. | Füek- 
seite: Ite S’mo de corpe e ı alia plur bona (dieta a seis "1 katholiecis. 

Anfang 1* (ohne Übersehrift): Sine fide Ipossibile & place’ d’o. Uns sagt 
“div heilege schrift daz daz vnmugelich si — Dar nach pittet vmbe alle gelü- 
biegen selen daz in got genellie sei. amen. 

Vgl. MSD®? Nr. xcvis; im Anhange vollständig mitgeteilt. 

1b Von deme svntage (am Rande, wie meistens). Beq'euit düs die sep- 
timo.... Alle die sich hievte hie besamenent habent I dem nam des anl (!) 
gotes an disem heren sonnentage die seulen wize — das vns der ewige liep vö 
sine genade werde. amen. 

Ph. Strauch, Altd. Predigten, Z. f. d. Ph. 27, 148—50 Ar. 1 (aus Com. 
4880). 

2b Von sant stephan marterer. Qu& mittä ul q's ibit nobis. Disiv wort 
m. f. 1. daz sint clagewort — das wi®r nach disem libe den ewigen lip besizzen 
müzen. amen. | 

32 Von sant Johanne ewägelista. Valde honorand’ & bts Johs.... Der 
gvte S. Johs ewü. des tult wier hivte begen der was vnseres h’ren trvt vn. 
seiner mvmen sun — nu sulle wir I vil Inechleichen mane dz er vns q. 

4° Von den chindelin. Amblabunt mecü I alb quö digni st. Dirre heil’ 
tach der ist geheiliget vnd geezieret — vnd ds er vns nach disem leib den 
ewigen leip gebe. 


4% Vo s. thomas von chanzelg. Den lieben vn den suzzen here s. tho- 
mas des hochzeit wier hir begen — das er vns vm got helf ds wier ..... 
besitzen amen. 

6° Von sant siluester pdige. Siluester vrbis Rome eps cü esset Tfantulus 
....2C. Der güte sant siluester der was pabest da eze rome — Nu manet in 
siner genaden ds er iv vmıbe got helfe ıC. 

<@ Von sant paulo der erste einsidele Der heilige h’re sant pauls des 
hochzeit i®r hivte beget -— Nu manet hivte «den güten sande paulen (das er ıC. 

7b Von sant felice briest® pdige. Cum beat’ felix .... adıuetus fuisset ze. 

Deutsche Hss. in England T. 17 


130 III. CHELTENHAM 


Der salige herre sant felix... . der was ein heiliger briester — Sin heilig’ 
leichnam bestatot man mit michele eren. Nu manet ıc. 

8b Von sant mar’o vn siner hvsfröwe Martha mit iren sunen san audifax 
vn abacü. Temporib’ elaudiü impator’s venit quidam vir none marius.... Die 
heiligen d’ hochezeit ir hivte beget san marius vn sines wibes martha. . .. die 
sult ir vil fleizziclichen eren — Do beget vnser h’re vil manich zeichen. durch 
i’r ere an allen den die i®r genad& süchent. Nu manet si ir genaden 2c”. 


92 Von sant sebastian. S. Sebastian dei eultor studiose curabat .. - . 2C. 
Der güte sant Sebastian des hochezeite ir hiute beget — Den selben sant Se- 
bastian dem sult i®r i®uch hivte emphelehen mit leibe vh mit sele. Nu manet 32€. 


9b Von sant agnes. Igressa agnes turpitudinis locü anglm dnT pparatü 
Tuenit. Div heiligitu frowe sant agnes der tult ir hiute beget. diu was von 
rome geborn — die würden erheilt swie getanen siechtäm sie heten. Nu ma- 
net :C. 

10b Sant pauls bech*rüge (unterer Rand). Paulus adhuc spirans minarum 
"ı cedis I diseiplos dnI accessit ad plneipem sacerdotü...2c. Der heilige h’re 
sant pauls «der was vor siner becherde ein vbeler ahtaere «der c'stenheit — das 
er iu antlas i®wer svnde vmbe got werue. das ir nach disem liebe den ewigen 
liep besitzen müzet. amen. 

112 Von sant seuero briest’”. Temporib’ maximiani impatoris orta est seua 
pseeutio adüsvs xpianos ıc. Der heilige h’re sant seuerus .... der was ein vil 
wol gelerter h’re — vn an allen den die genade süchten sant seueri vmbi (!) 
ier not vnd vmb ir angest. Nu manet :c. 

11b Von vnser frawen zer lichtmisse. Postq* impleti st dies....:c. Die 
sagent «die ze deme godes ri"che sulen chom — Nu heizent vns die heiligen 
engele beleiten ze dem ewigen fride ze den ewigen genaden ds bring ivch der 
war gotes svn durch willen siner lieben mvter Sant Marien. amen. 


13° De scö blasio epö et martyre s’mo. Sanctus blasius I sebastia eiui- 
tate capadocie.... natus est. Der güte sant blasius .... der was nach wertli“cher 
gebürte ein edel man — an der selben stat da si gehöptet waren. tät vnser 
h’re grozze genade. vneze an disen hivtigen tach. Nu manet I siner genaden. 

142 Von sant agethen pilige. Agathes letissima "I gloriant’ ibat ad carce- 
rem 2c. In dem lante Sicilia was ein heiligiu mait sant Agatha — vi floch 
das viewer wider in den berch vi würd also ledich. Nu manet si öch hiv (!) 
iren genade. 

15° Von sant Valentin. S. Valentinus int’ranensis epe.... meruit v’tutis 
adherere :e. Der güte sant valentin..... der was bischof ezeiner stat heiezet in- 
t’ranensis —- vnde würden öch von anderen heiligen eisten mit eren bestatete (!). 
Nu manet si hivte 2c. 

15 Von sant peter do er vf den stäl wart gesetzet ze rome p (= preilige). 


134 131 


Quem dieut hoies esse filliü hols at illi dixerü ge. Wier lesen hivte an dem 
heiligen ewägelio wi vnser h’re.... sin iungere fragete — vü vns helfe zu den 
ewige genaden. amen. | 

16° Von sant Mathis zwelfpote pdige. Dederüt sortes apostuli "I iecit sors 
sup mathiam :c. Der vil heilige gotes trv*t sant Mathias.... der was der hei- 
ligen iungeren vnseres h’ren — cze iungist schieder mit der martyr von dirre 
werlt. hineze dem almehtigen got. Nu manet ıe. 

16° Von sant gregori p®pe. Der heilige h’re sant g“goris..... der was nach 
wertlicher gebürte ein edele h’re — das wir mit siner hilfe die ewigen gena- 
den besiezen amen. 

166 Do vnser he’re gechvndet wart v6 dem heilige engele. Descenllit si- 
cut pluma I uelus.... ec. Unser h’re der ewige vat’ der mit sime sune der im 
ebenherre.... ist — So eret elliu div heiligiu christenheit vnser frowen diu da 
erwelt was.... Nu manet ıc. 

17b Von der selben pdige. Missus & angls gabriel a deo :c. Wir lesen 


hivte an dem heilig& ewägelio wie der himeliche (!) chonich im hivte erwelte 
das si iv helfe das ir nach disem liebe den ewigen liep besitzen mäzet. amen. 

15° Von sant Maria egyptiana. Diu heiligiv fröwe sant m. egyptiaca «dliu 
was geborn vz dem lande eze egypto — vü fürten den heiligen lichname hin 
ezirme chloster vü bestatoten diu mit grozzen eren. Nu manet ıc. 

15’ Von sant Georien martrer pdige. Tempore daciani orta est pseeutio 
grädis :c. Bi den zeiten do «daciano kwiser was — der be(!) waren drizech 
tvsent vD nivnhüdert vnd div chvnginne. Nu manet :c. “ 

202 Von sant Marcus den ewangelisten. Der heilige ewägelista san Mar- 
cus der was des aller herste geslehtes — Er was öch der erste pat?arche eze 
alexandria. Nu manet :c. 

Zub In der mereren (!) letanie diu pdige. Misericordia ı veritas pPeedent 
faciem tuam. Wie dirre heilige tach der eistenheit gesatzet würde ze büzen ir 
svnden .... des wellen wier iv sagen -- darin müz i'ch der almehtige got be- 
leiten. Amen. | 

21° Von den zwelfpoten sant Jacob. Viri isrlite ad hoc in sublimi loco 
eleuat’ sum ıc. Der liebev h’re sant Jacob der was nach wertlicher gebürte 
unsers h’ren mvmen svn — dar bringe i'Ych der almehtige got. amen. 
21b Von dem zwelfpoten S. Philippe. Der ander h’re sant philipp’ «des 
tult wir öch hivte begen der pdigot den heiden statecliche vn wart einiv 
ze siner zeswen geleit die anderen ze siner vinster. Nu manet :c. | 


222 Wie «das heilig erüce fünden wart. Helena.... ubi abscorlitü & peiosü 
lignü dominicü :c. Do zweihundert iar vn Jriv vn dri®zech iar ergangen waren — 
daz wir das ewige leben besitzen müzen. amen. 

Strauch a.a. OÖ. S. 175—81 Ar. vıu. 


132 III. CuELTEXNHAM 


235 Von des heiligen eruces holeze. Xpe non immemor nıre suae.. sus- 
cepit in cruce...:c. Des crüces ist der boum des este in die erde sint ge- 
stechet — das wer Jdaz heilige leben besitzen müzen. amen. 

Strauch a.a. O. S.163—68 Ar. v; Fragment (xı1. Jh.) in den Münchner 
Stitzungsberichten 1869, 2, 292. 

24b Von sant iohes vor der welischen porte ze rome. In feruentis olei 
ddolium missus Johes 2€. Do die heiligen poten vnseres h’ren nach siner heren 
vfferte sich teilten — das ier nach disem leben das ewige leben besitzen mäzet. 

25b Von sant Erasme einem pischolf. Facta & psecutö xpianor a dio- 
cleciano ı€. Der heilige h’re sant Erasme....... der was bischolf ze antio- 
chia — vnd die selben genaden las iuch der himelische vater durch sant eras- 
men willen in disme leben verdienen. Amen. . 

27a Von sant veit. Apparuit angls dnI beato vito 2c. Wir lesen an der 
heiligen schrift von dem gütem sante vite — Ir heiligin lichnamen bestatot ein 
heiligiv frowe florencias geheizzen an eine stat «diu heizzet mariam. Nu pittet :c. 

282 Von sant Johes des taufers purte. Inter natos mulierum nö s’rexit 
maior Johaüe baptista. Vnser h’re. sant Johes der töfer..... der hat vrehvnde 
von vnserem h’ren got selbe — Er sach och den heiligen geist vber in cho- 
men. Dar nach lie er sich höpten durch die warheit. Nu manet :c. j 

29° Von sant vigilen ze trie'n pischolf. Beatus vigilius genere romanus 
...2C. Unser h’re sant vigilis... der was ein edel h’re -—- Nu chvmet vigilis ser 
martyrere der vns vz vnseren vazzen vertri®bet. Nu manet ıc. 

295 Von den siben slafferen. In tempore illo regnante impre decio... :c. 
Die heiligen h’ren die siben slafer .... Die waren öch edele herren — die si 
ane rüfent vmb ier not vnd vmb i®r angest. Nu manet ıc. 

318 Von den heilgen zwelf poten sant peter vä sant paul. Post intitü 
magy symonis pcepit nero paulo caput amputa’ :e. Hivte begen wier die 
hochezeit der zweier h’ren — diu milech betivtet sine süzze ler. Nu manet 
si ier heiligen martyr. 

32b Von den heiligen h’ren sant paulus. Oportet nos fres kmi amare 
delicias paradysi ıc. M. f. l. Wir bedurfen des vil wol das wi®er minnen die 
heiligen fröden in dem heiligen paradyso — das ir delle (! = der helle) wice 
vberch werdet vnd das i®r das ewige leben besitzet. amen. 

33b Von sant felieitate mit den siben sonen. Felicitas illust's feminis (!).. 
tenıpta & I viduitate 2c. Diu heiligiu frowe sant felicitas.... diu was ein edel 
wip — da mugen si in wol gehelfen hineze sinen genaden. Nu manet ıc. 

342 Von sant Margarete. Beata margareta erat ‚theodosiü filia ve. \Vnser 
fröwen sät Margarete... diu was eines heiden tochter — das wir i®r helfe ha- 
ben müzzen an dem leibe vnd an der sele. Amen. 

35° Von sant Jolita vA von irem svn Quiriti. In dieb’ illis supplicante 


134 133 


alexandro pside.... faciens multas psecutiones in xpianos ıc. Bi den zeitent (!) 
do Alexander in der stat ze ycoma ... was — die bestaton do i®r heilige 
lichame mit grozzen eren. Nu manet :c. 

36° Von sant Marinen. Frater erat q’dam secula’s habens vnicam filiam :c. 
Vnser frowe sant Marine. .... die sultir eren mit allen gäten werchen — des 
helf iu der almehtige got amıen. 

37% Von sant alexio. Fuit vir nobilis "ı magns Eufemians.... Der hei- 
lige h’re sant alexius .... der was ein edel h’re — die wurden gesvnt. Nu 
manet in hivte :c. 

38b Von sant felice priester. Non oportet ala xplana apparere ante 
c*atore suum 2c. Der heilige h’re sant felix .... der sprach vil gerne disiu 
wort — des werdent si da ledich. Nu manet :c. 

39* Von sant Marien Magdalen. Hie est illa maria eui dimissa sunt 
pecaä :c. Diu liebiu fröwe sant M. magdalene ... diu was nach wertlichen ge- 
burte ein edel fröwe — allen den die si ane räfent umb ir not vnd vinbe ir 
angest. Nu pittet si hivte. 

40° Von sant Apollnare. Bentus petrus ap! dixit appollinari diseipulo 
suo0....2c. Den heiligen pischolf vnd martyrere des almehtigen gotes Sant Apol- 
linaris des genade ir hivte hie gesächet habet den sult ir eren — die sine ge- 
nade süchent mit luteren herezen mit waren ri’wen ir svnden. Nu manet :c. 

41 Von sant Cristinen iunchfröwen. vnd mar. Vnser fröwen sant Cri- 
stina.... diu was ein edel fröwe — der bestat si mit grozzen eren. in der stat 
ze tyroda beget got vil manich zeichen durch ir ere. Nu manet :c. 

42b Von sant Jacoben der da zwelf pote ist. Apls dni nr ihu xpi Ja- 
eob’ .... omne iudea .... visitavit :c. Der heilige h’re sant Jacob... .. der was 
präder sant Johis ewangeliste -—— vnd das in vnser h’re erte mit den hime- 
lischen zeichen. Nu manet ıC.. 

442 Von sant Cristoferen martyrer. Bi den zeiten do der chvnig Dacianus 
ceiner stat chvnich was. heizzet schalima — an allen den die sine genade sA- 
chent durch sante xpöfelen ere. 

45° Von dem heiligen martyrer panthaleon. In der stat ze nicomedia 
was ein edel h’re eustorgi» geheizzen — welhe genade im got geheizzen hat. 
Nu manet in siner genaden. 

47% Do sant peter der zwelfpot vnseres h’ren gevangen warte. Unser herre 
sant peter... . der hiez € symon & im vnser h’re den namen gebe — vnd 
von heiligen engln mit sant peter ze dem himelriche bestatöt wurden. also mäecz 
es vns ergen. amen. 

47b Von sant donat bischof vnd martyrar pdige. Erat quidam puer i ci- 
uitate romana :c. Der güte sante donat®..... der was ein vil wiser h’re — in 
dem grabe das im sant donat? gemachet hete. Da tät got manich zeichen durch ir 
ere. Nu pittet :c. | 


134 IlI. ChELTENHAM 


49% Von sant Lorenezien martyr. Der heilige h’re sant laurentius «der was 
chapelan des güten s. sixtus -— an allen die sine genade süchent. 

49» Von der aufart vnser fröwen marien. Intrauit ihesus in quoddam 
castellü :c. Vns saite hivte der güte sante lucas .... von der grozzen hoch- 
ezeit -— das wir in disem leben das ewige leben verdienen mäüzzen. amen. 

50» ein ander red. Oleü effusum nome tuü adolescentule dilexert te. Ir 
sult hivte ane räfen vnser frowen sant Marien die himelischew chuniginne — 
das si iv helfe vmbe iren lieben svn. das ir z& ir genadecliche chomen müzzet. 


Amen. | 
51® Von dem heiligen h’ren sante bartholon. Der güte sant bartholo- 
meus.... der ist der heiligen zwelfpoten einer -— vnd schiet do von diseni 


leben hineze den ewigen fröden. Nu pittet :c. 

52b Von sant Johannes dem taufer wie er enthaupt wart. Wir begen 
hivte des heiligen töfers hochzeit — das er vns vmb got helf das er vnser 
höpt si vnd wir sine lider sin. amen. 

53° Von sant Egidien. Der liebe h’e sant Egidius .... der was uhe (!) 
werltlicher geburte von chVnechlichen geslehte —- das die heilige engel sine 
sele mit michelme lobe ze himele fürten. Nu manet :c. 

54b Von d’ gepürt Marien. Hodie natus (!) est beata v’go maria ıC. Hvite 
bege wir die hochezeit vnser fröwen sent Marien -— wande si mätter ist der 
gnaden vnd d’ barmunge. Nu bittet das si ir genade vnd barmunge vber uns 
habe. 

55b Von demselben. Wir lesen an der heil schrift. wie d’ chYnig salono 
ime selben einen stül gemachet hete — (daz wir vz disem ellende zv den ewi- 
gen genaden chomen müzzen. 

56° Von d’ hoheung (!) des heil chrüces. OÖ crux gloriosa. O erux ado- 
randa €. Bi den eyten do kunie chosdras ze persin was. wande er ein vbel 
man was — vnd als ir wol v’nom habt vor aller wid°worticheit beschi®rme. 
beide des libes vn der sele. amen. 

572 (über dasselbe Thema) Civitas est berit' vocata...2cd. Wir lesen and’ 
heil schrift. das vnser h’regot vil manig zeichen mit sinem heil eruce |begie] — 
vn das wir nach disem libe das ewig rich besiezen mvzze. amen. 

57b Von sant Math’s. Zv den cezeiten do vnser h’re sinen iung’en sinen 
heil geist sante — vnd für si do zü dem himelrich. dar pring auch vns der 
güte sant Math’. amen. 

59° Von sant Michel engel. Ego sum Michahel archangls :c. In dem 
lant ze Campania do leit inne ein perch der heizzet Garganus — das wir div 
ewigev genade mit im besiezen dacze himel. des helf vns got. amen. 

602 ein ander rede. Factü @ silentiün I celo :c. Alle die hochezeit die wir 
in dem iar begen — Dar pring iuch der alm got durch willen s. Michahel. 


134 135 


60° Von sant Dionisien. Nach der martyr vn nach der vrstende vnsers 
h’ren des heilig xps. do sant pauls predigot athenis den Iuten die da waren 
da vant er da einen wisen man — das ir nach disem leib den ewigen leib 
besitzen müzet. amen. 

622 Von sant Gallen. In dem lant ze Ibernia do was ein heil abbete co- 
lumbans geheizzen — das er vns durch willen sant Gallen erlose vö allen den 
noten vh angsten die wir haben an dem leibe vn an «der sele amen. 

63° Von sant Lucas. Der lieb h’re =. lIucas des hochezeit wir hivte begen 
der ist der heiligen vier ewangeliste ainer -- vnd wart do mit grozzen eren 
bestatot. Nu manet :c. 

63b Von den zwain symon vn Judas. Die heil h’ren d’ hochezeit wir 
hivte begen s. symion vhs. Judas die sint der heiligen zwelf poten zwen. 

65° Von allen gotes heiligen. Wannen diu gewonhait sich erhub das man 
hivt beget dise groz hochezeit aller gotes heil. das wollen wir iv sagen — das 
wir die ewige genade mit in besitzen. amen. 

66° Von dem heiligen h’ren sant Martin. Martinus adhue caticumins hac 
me veste cötexit 2c. Der güte sant martin. ... d* minnete. den alm got von 
chinthait — das wir erlediget werden von vnsern svnten vn vnser vorderen sele 
von den ewigen wi°ezen. amen. 

67% Von der megde vh marterin sät Cecilien. In urbe Roma uigo elaris- 
sima nole Cecilia. ... xpi evangeliü gerebat in peetore. Iz was daz rome ein 
edliv frowe Cecilia geheizzen diu minnete minen trechtein vn diente im — Do 
zaigt min trechtin michel wunder vn michel genade vnez an disen hivtigen 
tag. an allen den die ir genade süchent. Nu manet x. 

69% Von sant Clementen. Der gute sant celemens .... der was von den 
edelisten romsrö geporn — vü ander tugent tüt min trechtin da ierchlich ()). 
Nu manet ıc. 

0° Von sant Katherinen pdige. Erat I civitate alexandria queda puella 
nomine katharina ....:c. Diu heil? mait vn marterinne s. Katherinen .... also 
wir lesen an der heiligen schrift «o was si thochter — Do si do lit do beget 
vnser h’re vil manic zaichen durch ir ere.... Nu pitet si irer genaden ze aller 
czeit. 


“1b Von sant andre den zwelfpoten. Der gut sant andre ...... der was 


flischlich (!) brüder sant peteres — alle die die diu wunder horten vü sachen. 


die wurden alle gelaubich. Nu manet :c. 

71*® Von sant longino den heilichen. In de ziten do vnser h’re der heil 
erist durch hail d’ menschen an das heil eruce erhange wart — Das ergiench 
alles in der stat cesaria capadocie. Nu pittet ?c. 

‘2b Von sant Barbarus. Bei den ziten do Claudius cheiser zu rome was 
— vü bestate si mit grozzen eren. Do beget vnser h’re groz zeichen an den 
siechen durch ir paider ere. Nu manet 2c. 


ar hun nl Le nat pr En a Bd a u, Ep Een ee dh Wu 


136 | III. CHELTEXNHAM 


735 Von sant Nycolas. Der heil notehelfer S. nycolaus.... der was ein 
edel h’re — allen den die in an rufent vmb nucziu dinc. Nu mane wir zc. 

756 Von sant Lucien der marterin. Bei den ezeiten do sant Agatha ge- 
martert wart — die ir genaden mit warem rewen ir sunde suchent. Nv manet 2c. 

76° Von Thomas zwelfpot. Do vnser h’re sin heilige iunger in diu werlte 
sant das si sin wort predigoten — das er iv vmb got helfe das ir nach disen 
leib den ewigen leib müzzet besitzen. amen. 

18° Von allen gotes heiligen. Ego vos elegi de mundo ut eatis ıc. Swie 
wir dliu hochezit der heiligen swelhe vns in dem iar choment .... eren vn be- 
een sullen —- des helfen si vns dureh ir genaden willen. amen. 

798 Von den heiligen martereren. Diu grozzew vü diu hereu hochzit d’ 
heiligen marterare.... die en mohten dehain mensch so wirdichlich geeren so 
si des wert sint — des helffen vns die heiligen martrer vn alle gotes heiligen. 
Amen. 

802 Von den heiligen pihtigeren. Die schonen lylien des heiligen paradises 
vn das lieht das vf diu cherzstal gestechet ist. ... das sint die heil gotes trät. 
— das si vnsern gedenchen da ze dem alm got. das vns der ewig lip gege- 
ben werde. Amen. 

812 Von den heiligen iunchfrawe. Alle die das vmb den alm got verdie- 
net habent das si von den noten vü von d’ manige frais diser vnstetige werlt 
choment sint — vnd das wier genedichliehen zv zim chomen mvzzen. Amen. 


828 (zweite Hand) Won der chirchwei ein pdige. Domü tuä dn& decet 
scitudo. Alle die hochzeit die wir in dem iar begen die sint von got geordinot. 
— daz ir von einem hus da ze himel niht gesunderot wert da diu ewechlich 
fro°ude vü genade ist. 


84% Vo dem iungsten tag. Antixps nascet? in magna babilonia de genere 
mereticü "ız a maleficis I gazraim nutriet? we. Alle die sich hiut hie in mines 
trechtines dinest gesament haben — Si habent. vi“weriniu pant mit den si sint 
besund’lichen an einem iegelichem gelide gevesten. vnd irn haupt sint in ni- 
der gechert. 

Strauch a.a. O. S.150—56 Xr. 115 unser Tert bricht ab mit S.155, 195. 

Predigteyelus über Marienwunder. 


87b Rubrica. Daz ist besunder von der tugent vü genade diu vnser frowe 
sant. Maria hat erzaiget an manigen menschen die in irn dienest sint gewesen. 


Zu des almehtigen gottes lob als man oft hat fur geleit diu zaichen der 
heiligen die durch ir lieb hat begangen de götlich gewalt vil mere sol man der 
gepereinne (!) gottes müter Marien sagen lob wan die sint süizzer danne d’chain 
honich. Dar vmıb ze bestetiren in irem dienst vn ir lieb daz gemüt («trewen. 
vn zerwecken diu hertz der tregen. diu die wir treulichen sagen horen vö dem 
milten h’ren die wellen wir eu twlichen für legen. 


| 
Ä 
Ä 


134 137 


a) Vö dem gewant daz vns’ frowe ein& erzpischolf pracht. Ez waz tze 
Tolet in der stat ein erzebischolf. 

b) 882 V6 einem munich d’ dertrunchen was. Ez waz in einem closter 
ein munich der waz geweltig des amptes sacristan. 

c) 88 Vo eine pfaffen der vzerhalb des fri®thofs wart bestatet. Ez waz 
ein pfafle in taronesi d’ stat. 

d) 89° Von eine and’n pfafl d’ g’zte gott (!) müter. Ez waz auch ein an- 
der pfaff in einer stat. 

e) 892 V6 eine armen mäne. Ein arme man was in ein’ stat. 

f) SP Vo eine arme d’ das almusen gab. Alse vns hat bedutet der gut 
sant Gregori pabest von den siben sternen. 


9) 902 Wi der tiufel ain betroch das er sich selb’ dot. Wir sullen auch 
des nicht v’sweigen zu einer seligen gedenchnus=. 

h) 90° Vo eine priest’ d’ chüd niht Jan ain messe. Ez waz ein priester 
in einer pfarrechirchen. 

i) 906 Von zwain brud’n ze rome gesezzen. Ez waren auch zwen prüder 
ze Rom der ain hiez petrus. 

k) 916 V6 einem wertlichen mann vn der ain paür was. Ez was ein 
wertlich man. 

Es folgt das Vaterunser. 


922 Ohne Überschrift: In noIe d’ni ihü x. Seneca sprichet armät ist ein 
güt das man dä haisset ein mÄt’ der gesunthait — vnd also als er sein genüg 
von niemant hat. dann von im selber. also ist nindert ir genüg dann in im 
selber q. 

94% Ohne Überschrift: Das ist das erst wer geit ainen phenig — das 
ist got lobleicher dann das du speisaezt vil siechen all tag. 

Bischof Albrecht, Z. f. d. A. 8, 217 f. 

94% Nune scio vere q; misit düs angelü suü. wir pegen heut sant peters 
tag — das ist mir an geparn vnd in geparn vnd mit gephlanczet vnd also 
pin ich pehaftet cze syon. 

962 Wer da wel chomen czw sein’ hochstn volkomenhait — vnd das wir 
vns also halden das Got genäm sey des helf vns der war got. amen. 

982 Wer chomen well ezwW sein’ hochstn edelhait — vnd sagt im lob vnd 
Er vmb den ausflus seiner vnmazzig gwt. 

Tractat Eckarts Von der Edelkeit der Seele bei Pfeiffer, Myst. 2,382—94. 
Er zerfällt in 5 durch Initialen und neuen Zeilenanfung unterschiedene Teile: 

1. Wer chomen well ezw sein’ hochstä edelhait — Si haisset da ein vn- 
gemezzens wesen (332, 30—387,13); 2. Nu wil ich sprechen von ain lauttern 
gotleichen wechantnizz — wie dew driualtichait mugenhait hat an der ainichait 

Deutsche Hss, in England I. 18 


138 III. CuELTENHAM 


gotleicher natur (387, 14—388, 31); 3. Zway dinch spricht man von got — 
also sint alle ding gotes vol nach seinem gotleichen wesen (388, 37—389, 32); 


4. Dew dinch sint eze mirkehen an götleichen wesen — Ditz ist wechantnizz 
vnd auch da vore vö der edelechait der sele (389, 33—392, 2); 5. Nu well wir 
sprechen der ainung der sel mit got — vnd sagt im lob vnd Er vmb den 


ausflus seiner vnmazzig gWt (392, 3—394, 4). 

102» Ego sum via veritas et vita. Diez sprach vnser lieb’ herr’ ihs xps 
Ich pin der weg — vnd alles das an ir lasset das an ir ist das minn’ ist dann got. 

Franke von Köln, Z. f. d. A. 8, 243 f. (?). 

1042 In omnib> req’em quesivi. Disew wart stant geschriben — also 
suchen vnd vinden muzzen des helff vns got amen. 

lsckart, Pfeiffer 2, 152 f. 

105% Confortamini in dnö In her’'n Jobe püch ist geschriben -— das wir 
czw diser sterkeh vnd warhait chomen des helff vns got. 

106° Qui wlt venire post me abneget se ipm ı€. Unß h’e sprichet wer 
zw mir chomen wil — so wird es plinder vnd noch serer. 

Eckart, Pfeiffer 2, 173 f. 

106® Vidi ciuitate scam Jersim novam descendentem de coelo ad nos. 
Sund Johannes sach ein stat — Da gepeut got aller volchomenhait ze chomen 
an dew sel. 

Eckart, Z. f. d. A. 15, 415—18. 

107b Diliges dominü deum tuum 2€. Vnser h’re sprach. Du solt dein got 
minnen — Und hant all ezeit ein leben als der erst an vacht die sind es 
(s. Anhang). 

108» Nisi ergo abiro paraclitus non veit. Man list in dem heiligen Ewg® 
das vnser h’r sprach — Da von das ir got wechennet vnd minnet. czw diser 
warhait helff vns got allen. amen. 

Eckart, Pfeiffer 2, 238 ff 

110° Qui mihi ministrat me seq't? 23€. Disew wart spröch vnser h’r wer 
mir dienet -—— Das vns das geschech des helff vns Got amen. 

110® Iustor anime in manu dei sunt. Rechter laut sel sint in der hant 
gotes -—— Das allew dew dinch an vns geschehen des helff vns got. amen. 

lckart, Z. f. d. A. 15, 425— 27. 

111® Zwelf sach sind die einen gaistlichen menschen irrent — das ich 
dir dew potschaft chunt tw- 

112* Welt ir ain güt mensch werden so schult ir ew fleizzichleich vben 
an disen dingen — vnd ein pot von got vnd ein snelles rad das da laufet 
von minnen in der gothait statichleichen. 

112b Quasi stella in medio nebule. Als ein margenstern en mitten in dem 


nebel — daz si die völgrunden nicht enmag. Je tieffer si in get. Je tieffer si var hat, 


134 139 


Eckart, Pfeiffer 2, 267 f. (2). 

114° Der himelisch natürlich sün des vat’s.... der hiezz vns also spchen 
Vater vnser — vnd das vns denn geantwrt werd mit der stimm chömt her ir 
gesegenten in meines vater reych des helf vns got amen. 

116° (von der ersten Hand) In noie ıhü xpi filii dei misefe mei. Sermo | 
de corpe xpi. Wir lesen an den püchen das der vrone lichna gotes den er 
zu einer spise hat gemachet sin& chinden sechs nam& hat — 133% Also daz 
ez zv eine male nimer enpfange wiert dene mit genaden. Amen. Fine jüngere 
Hand fügt hinzu: Die sibent aygenschaft oder articheit die vinztu pey dem 
ezeichen XX. Das Zeichen findet sich aber nicht in der Hs. 

S. Th. Merzdorf, Der Mönch von Heilsbronn (1870) S.5—66; dazu QF. 
15. Z. f. d. A. 20, 92 7. 29, 318 ff. Aleın.3, 108 f. 205 ff. A. f. d. A. 2, 300 ff 
Preger, Mystik 2, 12 7. 40. Die Cheltenhamer Is. nimmt demnach zeitlich 
den ersten Platz ein. 

1342 Sprüche Uhristi, der Vüter etc. 

Unser h’re iesus crist’ sprichet. ich sage euch von allen worten etc. 

143®* Eine Predigt de sca cruce. Sint nyemant ezu eristo kumen mag 
vn sich mit im vrewen wen wer hie mit im leidet — 145b heüt wirst du mit 
mir sein in dem paradis. Des helf vns allen der vat® vnd der son vnd der 
heilige geist. Amen. 

Es schliesst sich an ein Tractat von den 10 Staffeln. 

Das ein mensche müge mer ezünemen in geistleichen dingen — das er 
sihet also vil möschen an den di marter vnsers h’ren verlorn ist. 

Darauf folgt noch ein Stück über Siündenablass zu Rom; dies schliesst 
147b: Sunt Rome mille quingente quing; cappelle. i 

Von den Stücken 18 (= MSD° xcvıs; auch hier Anfang einer Predigths.) 
und 23b von des heiligen eruces holeze besitzen wir im Cym. 5248 fragmen- 
tarısche Fassungen des xıı. Jh. Es kann daher Phill. 21155 leicht eine Copie 
der Münchener Hs. oder einer ihr sehr nahe stehenden sein. Natürlich gilt das 
Gesagte bloss für den ersten Teil Bl. 1-—-91®, denn mit 92% wechselt offenbar 
die Vorlage. Fraglich ist nur, ob alle Stücke jenes ersten Teiles auf diesc ältere 
Quelle zurückgehen ; sprachliche Kriterien werden, so lange die Vorlage nicht 
wiedergefunden ist, am chesten darüber entscheiden lassen. Dabei wäre auch 
Cgm. 4356 (Strauch a. a. O.) zu berücksichtigen: er teilt mehrere Stücke mit 
unserer Hs., während andere, nämlich die Nrn. 1m. Iv. vı. vr. ıx, vr fehlen. 

Zur Geschichte: auf der Innenseite des Vorderdeckels hat eine Hand des 
xv1LJh. eingetragen: Sermones f. (!) setis in Theutunico Carthuss® Juls (?), auf 
dem Rücken steht, vielleicht von derselben Hand: Sermones de setis Teutsch 204. 
Ferner (xıx. Jh): Dering MSS (im Auetionscatalog dieser Privalbibliothek vom 
Jahre 1861 als Nr. 746), endlich Ex Bibl. J. Morton 12. April 1366 (dm Auc- 
tionsentalog 1866 als Nr. 597 Sermones Teutonice). 


140 III. CuELTENHAM 


135. 

Phill. 21951. Pap. xv. Jh. 55 Blätter (und 1*--4*, ferner nach 4* zwei, 
nach 43 ein leeres Blatt); in der Hs. werden die Seiten und zwar als 1—- 76 
gezählt. 22 x 14,5, zweispaltig auf den Bü. 1—17, sonst einspaltig. Rote Irı- 
tialen und Überschriften, rot durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen vor ver- - 
schiedenem Umfange. Holzdeckel mit werssem Lederbezug. 

1* (xvr../h.) noie domini amen. Ertznen puech. (xıx. Jh) On Medicine 
written by Peter de monasterio. 

2*_—4* Degister: De 4° elementis — Ist daz hirn v*wunt oder daz herz 
od’ die leber oder die blaß od’ ein sleimdarm das ist dötlich (reicht bis 33% des 
Te.ctes). 

Meister Ortolfs von Baierland Arzneibuch. 

12 In noie dni ame. Der ewige got hat Ertzin d’ schaffe durch Edelgheit j 
vh durch ir krayft | vü der wise sal sy neyt v’smähen .... vnd da wil ich 
meist’ Ortolf von Beyerlät geboren ey artzet in wirstb’g (!) eyn dutzsch buch 
mache..... | 

Bl. 39 astronomische Figur, dann über Planeten, 42® Tafel der 12 Hım- 
melszeichen, endlich 

42b (von jüngerer Hand) Recepte gegen die Heiserkeit. 


— 5 


Astronomisch-medicinischer Tractat, nd. 
4482 Gereimte Einleitung: In noie dnI amen. 
In d& namen des vader ic sal nü beghynne 
Des sons des heyligh& geestes dur mine synne 
'Alin keeren dat dese dri pson& 
Een god sin volmaeckt in haghen lone | 
\ 


an et 


Mara godes mod’ ind maghet 

Biddet dat sy hare kinde ghewaghet 

Dat ghy (!) my verlene ein werck te makene 
Ende dat in «doghende also te rakene 

Dat it hare bequame sy 

Mi enröck hoe zur het wert my 

Daer ick gerne vms dichte 

Want sy myr lon& mach lichte 

Soe heuet den name vö eeren glebure 


Zn — 


- nn 


Min frauwe vö Sendenb?g ei bäbure 
Myns he’n Mud’ hee’n welfuerdes 
Van benselen ridd?e in selandwards 
Dese sciencie is ghenänt 

Astronomie der nature bant 

Wortel vä alre medecinä 


135 — 137 141 


Na dat vns de meist’ beseryu® 
Dese conste geuet vns dat 1yff 
Ende die doet al sund’ biyff. 
Anfang: Aldı als ghy hir na vint bescreus sult ghy merk& in dat eerste 
2.2... dat IX circle synt. 
44b Van den xır tekine, 45 Die moghentheide der planeten mit astro- 
nomischen Figuren, 46b Dit es die mogentheit | ua aspects, 47b Recepte für 
Azgen, Achselbein und Schusswunden, ferner Van de’ herne zü lestö, 48 la- 
teinisches Pflanzenglossar. 5Ub—51b Register über das ganze As. 52* einige 
lateinische Reeepte. Darunter: Explicit iste liber p mans petrs de monaster°o. 
Dann Recept zu Pillen Gilberti fisici reg’ anglie p pectore. 
49 (wenig spütere Hand): 5 Volkslieder, das erste nur bruchstückweise 
(s. Anhang). 
Zur Geschichte: aus J. Mortons Bibliothek, Auctionscatalog (1866) Nr. 598. 


136. 

Phill. 22254. Sammelband von (fast ausschliesslich lateinischen) Fragmen- 
ten, zumeist von Einbänden losgelöst. Darunter als Ar. xx ein Pergament- 
Doppelblatt. xıv. Jh. 25,7x 16,9, mit 23 Zeilen auf Linien. Rote Initialen 
und Überschriften. 

Aus Ortolfs von Baierland Arzneibuch. 

Anfang: [lülgen wanne si als ain plospalk ist ob dem hertzzen daz si den 
kalten luft in sich zihe vnd die hitzze mit dem atem her auz treib.... 

Erhaltene Capitel: Von dem magen; von den vier geliden; wie man sihh 
halten schol; wie man sich noch der zeit sol rihten; von gewonter kost; von 
der speise; von ader lozzen; ob ainer sich wirt von poser kost; dise levte schol 
man vlihen; ob ain frawe ain kint treit. 

Schluss: Ist daz ain vrauwe ain kint treit die schol sich hvten vor pitter 
kost vnd daz si iht lozze vnd vor..... 


137. 


Phill. 24505. Pap. Spütes xv. Jh. 125 Blätter nach handschriftlicher 
Zählung und ein Fragment; doch fehlen jetzt Bl. 53. 54 und 112; Bl. 78 —86 
sind leer und bilden eine Lücke im Texte. 16,4 x 12, von einer Hand mit ver- 
schiedener Zeilenzahl. Lagen von 12 Bll., die letzte von 14. Alter brauner Leder- 
band mit einer Schliesse. 

Reisebuch in das heilige Land von Petrus(!) Suchen. 

12 Register: Ain register v’ber das buch von dem weg zü dem hailgen 
grab oder gelobten land vnd wundern hie mit begriffen. Anfang: Von der 


stat Constantinopel..... 126 Capitel, von denen aber 16 ganz und 3 zum 
Teil dem Texte fehlen. 


142 III. CHELTENHAM 


4b Widmung: Dem hochwirdigen in got vatter vnd he’ren baldewine von 
stainfurt der kirchen badebornen byschof sag ich petrus pfarrer czü süchen 


schuldig dienst vnd gehorsamkait..... 

Anfang des Tertes 5%: Wan aber der vil sind die nän ain mäl in dem 
gelobten land gewesen sind — 126 (nur Fragment) schof vh in dem....| ren 
angehebet v.... | dem lob sij von....... . 


Vgl. J. K. L. Kosegarten, Ludolf v. Suchen, Reisebuch in das heilige Land 
in nd. Mundart (1861) 8. 7 f.: Aufzählung von Ilss. in hochdeutscher Sprache. 
Röhricht, Bibliotheca geographica Palestinae S. 76 ff.; derselbe, Deutsche Pilger- 
reisen (1880) S. 466. 564. 647. Nach unserer Hs. hat Sir Th. Phillipps einer 
Privatdruck auf seiner Presse zu Middlehill 1344 veranstaltet, der wissenschaft- 
lich wertlos ist. 

Zur Geschichte: auf der Custode Item Eremit, S. Augustini Friburgi Hel- 
uet, 1654. 


IV 


OXFORD. 


BIBLIOTHECA BODLEIANA. 


Über die Geschichte dieser weltberühmten Bibliothek unterrichten im allge- 
meinen: 1) das vortreffliche Buch W. D. Macray’s Annals of the Bodleian lı- 
brary, 2. Auflage, Oxford 1890; 2) Edw. Edwards, Memoirs of libraries, Lon- 
don 1859, Vol. 1, 535—576. Ferner ist hinzuweisen auf P. Meyer, Documents 
manuserits de l’ancienne litterature de la France conserves dans les bibliotheques 
de la Grande Bretagne, Paris 1871, ı. Partie p. 135 f., Appendix 165—67. 


A. Copıces LAUDIANT. 

Die reiche Sammlung Wüliam Laud’s!), Erzbischofs von Canterbury (geb. 
1573, hingerichtet 10. Jänner 1645), aus nahezu 1300 Hss. bestehend, gelangte 
in vier Partien auf die Bodleiana: 462 Hss. im Jahre 1635, 181 im Jahre 
1636, 575 im Jahre 1639, 81 endlich im Jahre 1640. Mehr denn 150 stam- 
men aus Deuischland, und zwar aus Würzburg (libri ms. e collegio Herbi- 
polensi sumpti anno Domini 1631, cum Suecorum regis exereitus per universam 
fere Germaniam grassarentur lautet der letzte Titel (Bl. 112) im Catalogus li- 
brorum mstorum, quos bibliothecae Bodleianae dedit vir clarissimus Gul. Laud, 
archiep. Cantuar. secundum linguas dispositorum, jetzt Ms. Laud misc. 556), 
Mainz (Carthäuserkloster auf dem Michelsberg), Eberbach (Ecclesia B. Mariae), 
einzelne aus Engelszell, Nürnberg, Pöhlde, Worms?). Alle unten folgenden Hss. 
haben den Eintrag: Liber Guil. Laud. Archiep. Cant. & Cancellar. Uniuersit. 
Oxon. 1638 und sind in braunes Leder mit dem goldenen erzbischöflichen 
Wappen auf dem Vorderdeckel gebunden. 

Catalog: Catalogus codicum mss. pars ı. Codices graeci ab H. O. Coxe, 


1) Vgl. über sein Leben, seine Politik und Werke Encyclopaedia Britannica,8. Auf- 
lage, Edinburgh 1857, 13, 249. Ferner A life of archbishop Laud, by a romish 
recusant, London 1894. 

2) Vgl. Sievers, Oxforder Benedictinerregel, Halle 1887, $. ıv f. 


144 IV. OxForRD 


1853; pars ı1. Codiees latinos (Nr. 1—118) et miscellaneos (Nr. 1—757) com- 
plectens ab H. O. Core, 1858—1885. Ausserdem: in Bernhards Catalog vom 
J. 1697 1, 46—76. 


1: Covıcks Larinxt. 


138. 
22 [olim 1200 et G.35]. Perg. ıx. Jh. (karolingische Minuskel). 167 Blät- 
ter. 21,5 x 16. Farbige, verzierte Initialen, die Capitalbuchstaben gelb ausgefüllt. 
Maccabaeorum libri duo (Capitelregister vor jedem Buche) schliessend 
2, 15, 2 mit dicebant. noli sie ferociter et barbare. Darin einzelne ahd. 
Glossen. | 


139. 

92 [olim 1001 et E. 78]. Perg. ıx. Jh. (ags. Schrift). 107 Blätter. 
31,8x 22,3. Farbige, verzierte Initialen, Capitalbuchstaben rot, gelb und grün 
ausgefüllt. 

Alttestamentliche Bücher, mit Capitelregister vor jedem Buch: 28 Li- 
ber Deuteronomii; 44® Liber Josuae; 78* Liber Judiecum; 105* Liber Ruth, 
bricht ab mit de nuru enim tua natus est qui te diligit 107b. Darin ahd. 
Glossen. 

Zur Geschichte: Bl. 1® Incipit liber helle addabari quod greeci dicunt deu- 
ternomium (dann rot und von anderer Iland) quem dominus huunbertus 
(331—41) uuirziburga gensiü (!) eps fieri iussit. 


140. 

97 [olim 1307 et H. 44]. Perg. xıı. Jh. 167 Blätter. 30 X 23,7. 
Alttestamentliche Bücher: 1° Proverbia; 25° Ececlesiastes; 30 Can- 
tica Canticorum; 33% Sapientia; 45* Ecelesiastieus; 85 Job; 105° Tobit; 113 
Judith; 123® Hester; 132b Maccabeorun libri duo; mit den Vorreden des Hie- 

ronymus. Darin wenige deutsche Glossen. | 
Zur Geschichte: 1° (xıv. Jh.) Liber uirginis gloriose in Eberbach hic est 
Marie. | 
2. Copicks MISCELLANEI. 


141. 
237 [olım 1013 et E. 90]. Perg. xı.—xıv. Jh. 249 Blätter. 29,6 X 20,5, 
aus 4 ursprünglich getrennten Stücken bestehend, über deren Inhalt Coxe a.a.O. 
200 --202 ausführlich berichtet. Für uns kommt hauptsächlieh Stück ı in Be- 
tracht: xıv. Jh. 16 Blätter, d. i. 2 Lagen zu je 8 Bil. mit Anfangswort der 
2. Lage am Schlusse der 1. Einspaltig zu 38 Zeilen auf und zwischen Li- 
nien. Rote, weiss verzierte Initialen, rote grosse Buchstaben (wenige rot betupft), 
rote Überschriften und das Zeichen || rot. 


mm ei ee ee In 


138 -—— 142 145 


Deutsche Benedictinerregel für Nonnenklöster. 

Anfang 1°: Vernemet liebe sustere die gebot des meisters — 16® Dar na 
sal sie sagen daz ein iclich suster sal lesen zehen seltere. Pres mres et fres 
et: sorores requiescant in pace. amen. 

Nach dieser Hs. herausgegeben von F. Sievers, O.rforder Benedietinerregel, 
Halle 1887. 

Sonst enthält die Sammelhs. noch an deutschen Bestandteilen: Bl. 16% 
(Schluss von Stück 11) rechts oben, Hand des späten xııı. Jh, den Vers: Liep 
haben w* güth | dan scheiden we düth. 

In dem Artikel de medieina simplici et composita des Stückes ıı Bl. 193% 
ein deutsches Recept: st" passio mat°eis. Nim dille sam zistozin vn sut ein halbe 
qvta halbe (!) in vi drIc na eszine du din& vigir in dinen müt du spiez. Auf 
derselben Seite die in MSD? 2, 467 gedruckte Fassung des Erfurter Juden- 
eides. _ 

Die Ränder der Bil. 205. 219P—222b endlich sind mit "Bruchstücken 
verschiedener, teils sachlich, teils alphabetisch geordneter lateinisch-deutscher 
Vocabularienw' bedeckt, die Lerer nach Sievers’ Abschrift benutzt hat. 

Zur Geschichte: es findet sich kein den Entstehungs- oder früheren Auf- 
bewahrungsort der Is. anzeigender Vermerk; aber Sievers a. a. O. V—IX macht 
sehr wahrscheinlich, dass der Sammelband seine Heimat in Eberbach (im 
Rheingau) hatte und zu zeitweiligem Gebrauche dem Kloster, für welches die 
Nonnenregel bestimmt war, überlassen wurde, nach 1502 aber wieder nach E. 
zurückkam. Ich schliesse hier an, was sich mir bei Untersuchung des von Sie- 
vers S. IX herangexogenen Codex Laud mise. 132 ergeben hat. Der Eintrag 
Bl. 1° Liber sce Marie v’ginis in Everbach Concesss sanctimonialibus in Dalen 
kann nicht jünger als das xıv.Jh.sein. Nichts spricht dagegen, dass die als vor- 
deres Schutzblatt dienende deutsche Urkunde von 1458 (gedruckt a.a. 0.5.41—43) 
mit der Hs. schon vereinigt war, als diese nach England kam, wo sie umge- 
bunden wurde. Da ferner kaum anzunehmen ist, dass eine (opie der für 
Gnadental bestimmten. und aus einem Ilirtenbesuche daselbst hervorgegangenen 
Urkunde von Eberbach nach Dalheim gesandt worden wäre, so wird an der 
Sievers’schen Hypothese festzuhalten sein. Was aber von einer IIs. gilt, kann 
folgerichtig auch für jede andere in Anspruch genommen werden, —— mit an- 
dern Worten: Nr. 132 und 237 werden nach Eberbach gehört haben und nur 
zeitweilig an Tochterklöster verliehen worden sein. 


142. 
263 [olim 1000 et E. 17]. Perg. ıx.|x. Jh. (ays. Schrifl. 81 Blätter. 
32,3X 22,1. 
24 S. Gregorii Magni Curae pastoralis libri quatuor. 
Schluss 65b: Finitur Liber Pastoralis Cure felieiter. Seriptort uita acterna. 
Deutsche Hss. in England I. 19 


146 IV. OxrFoRD 


legenti pax perpetua. Tres quidemdigiti seribunt. tota menıbra laborant. Darun- 
ter: Vuillibaldus diaconus seripsit. Amen. 

Darin ahd. Glossen. Es folgen noch: nomina varia apud SS. Scriptores 
usitata, lat., griech. und hebr. 

66° Poenitentiale (De diuersis eriminibus culparum modus ordo peni- 
tentiae exscrapsü). 

Beginn: De homiecidio. Si quis elerieus homieidium fecertt — 81® (De re- 
coneiliatione et diuersis et multis malis) opus iungi nisi ad ecelesiam aliam uel 
igne conburenda (wohl fragmentarisch). 


143. 

275 [olim 1255 et G. 90). Perg. ıx. Jh. (langob. Schrift). 118 Blätter. 
32,5x 24. 

S. Gregors Homitline in erangelia XXI—XL. 

Schluss 118*: in terra porrigitis sedenti in celo datis (S. 1661 der Mau- 
rinerausgabe). 

Darin ahd. Glossen. 

Zur Geschichte: auf Bl. 118» Liber sancti Kyliani (Würzburg). 


144. 


410 [olim 1071 et F. 34]. Perg. 113 BU. 25,1x 16,8. Besteht aus 3 
Stücken des xı, x. und xXv. Jh. Inhaltsangabe sämmtlicher Artikel bei Coxe 
a.a. O0. 301 f. Hier kommt nur in Betracht Bl. 18—40 des ersten Stückes. 

Walafridi Strabonis Visio Wettini. 

Darin ahd. Glossen, gedruckt bei Steinmeyer 2, 769. 

Zur Geschichte: Stück ıı und ın gehörten laut Einträgen auf Bi. 93%. 94V. 
95a dem Karthäuserkloster bei Main:. 


145. 

436 [olim 882 et D. 115]. Perg. ıx. Jh. (ags. Schrift). 183 Blätter. 31,2X 23. 
Ausführliche Inhaltsangabe bei Core a. a. 0.315 —17. 

BI 19®—161® Creseonii Concordia canonum. 

Darin ahd. (ilossen, abgedruckt bei Steinmeyer 2, 157. sie werden schon 
erwähnt und x. T. ausgeschrieben in einem Briefe von E. Thwaites an Hum- 
phrey Wanley (jet:t Ms. Engl. hist. e. 6) unter dem Datum Oxonine, e Coll. 
Univ. 3° Cal. Decembris 1696. 


146. 
443 [olim 8S6 et D. 119]. Perg. xıv.[xv. Jh. 248 Blätter nebst Custoden 
(in der Ils. rot gexählt —ccxLvum). 31,4xX 22,2, von einer Hand zweispaltig 
geschrieben zu 42-—39 Zeilen, auf und zwischen Linien. Rote Initialen (die 
erste rot und schwarz mit Arabesken verziert), role Überschriften und rot durch- 


142 — 146 147 


strichene grosse Buchstaben. 31 Lagen zu 8 Bll., je am Schluss durch die 
Anfangsworte der nächsten bezeichnet. 

Heiligenleben. 

Überschrift: (rot) Hie hebt sich an d* heilige leben Yb® den gantzze 
sumer. Zu dem ersten vö sant Ambsius. Sant Ambrosius d’ was ein gut® 
heilig’ Cristen vnd het got lieb. Es folgen: Von sant Secundus 3, von 
sant marien egyptiana 4, von sant Lazarus 6, von sant gorgen 8, von 
sant Marcus de Ewägelisten 17, von sant marcellino 20, von sant Vi- 
talis vn Valeria 20b, von sant Peter de prediger Prediger ordens 21, von 
sant Jacob dem minnern 28, von sant Philipi de zwelfpot&e 30, von sant 
walpurg 31, von dem kung sand Sigmüt 34, von sand gothard 36, als das 
heilig kreutz funden wart 36b, von sant Quiriac’ 39, von sand Alexander 40, 
von sant Pancracii 41, von sand Nerei vn achilei 42, von sand Seruacius de 
pischof 43, von sant Januario vü Jordino 50, von sand Martial de kind 51, 
von sant potetiana d* iunckfraw 52, von sand vrbano d& Pobst 52b, von sand 
petronell dez zwelfpote toht? 53, von marcellini un petri de martir 53®b, von 
sand Erasm’ 54, von sand Bonifacio 58, von sand primi vnd feliciani 59, von 
sand Barnabas 59", von sand onufrius 60, von sand antonius dem parfuzze 62, 
vö sant veit de heilige kind 63, Von sand Quiriciux 64, von sand Marina 64, 
von sand Geruasius vn Prothasius 65, von:theonesto vnd albano 66, von den 
zehentausent martren 67, von sand Johänes baptiste 70, von sand Loya 75, 
von sand Johes vnd paulus 75b, von den siben slofern 77, von felix vü for- 
tunato vn alexius 78, von sand leo dem pabst 78b, von sand Peter vn sand 
pauls 79, von paulus 81, von sand Processi vü martiniani vnd- vlreich dem 
pischoff 88, von sand Simpfrosia 90, von sand Willibaldo 91, von sand Kilian 
de pischoff 92, von sand Margreta 95, von sand kaiser hainreich 96, von sand 
kungunt 101, von sand Alexio 104, von sand Broxedis 107, von sand Maria 
magdalena 107®, von sand appollinaris dem pyschoff 112, von s. Cristina 114, 
von s. Jacob de gross’n 116, von s. Cristofero 121, von s. Annen 123, von 
s. martha 125, von s. panthaleon 129, von s. nasaro vn zelso 130, von =. 
Simplieio vn faustino 131, von abdon vnd Sennes (!) 132, von s. germano 132b, 
von s. Felix de pobst 134, von s. Peters panden 134, von s. Fides, Spes, Ka- 
ritas vn Sapietia 136, vo s. machabeor 137, von s. Stephan de pobst 134, 
von s. Dnico d& prediger 139, von s. Oswald 150, von s. Sixtoreo 159, von 
“s. Laurentio 160, von s. tyburcio 163, von s. klar& 163b, von =. Ypolito 168, 
von s. Eusebio 169, von vnser frav schidung 172, Daz ist von dem Samtztag 
179, von s. magno de martir 181, von s. Sebolt 186, von s. agapito, von =. 
Bartholomeo 194, von s. ludweik 198, von s. augustino 199, von s. Sabina 
204, von s. Sauina 205", von s. felix vn aucto 206, von s. Verena 206, von 
. Egidio 207, von =. anthonio va s. Serapia 209, von s. lupo 210, von s. 
mamertino 211, von s. magno de peihtig‘ 211®, von s. Regina 217, von yYnser 


148 IV. Oxrorn 


frav gepurt 218, von =. adriano 225, von s. gregorio 228, von =». Nyclos 228», 
von s. protho vi Jacineto 233, von s. Cornelio 235, von de heiligen kreutz 
als es erhaben ward 235P, von =». Eufemia d® heilige tückfrav 239, von >. lamı- 
perto 240, von s. metheo 240P, von s. mauricio 242, von 3. Haimran 243, 
von =». Theela 245, von s. Räprecht 246, von ». Justina 248, abbrechend mit: 
Do sp®ch ain poser gaist wild du daz. | 

Il. Wackernayel 1°, 451 Anm. 202— 204. 


147. 


479 Jolim 1047 et F. 10]. Enthält zwei getrennte Ilss., von welchen nur 
die erste in unseren Interessenkreis fällt: Perg. xıv. Jh. 114 Blätter (in der 
Ils. von moderner Hand nur 113, da Bl. 53 zwermal gezählt ist). 19,1X 13,5, 
durchaus von einer Hand auf von Linien umrahmten Seiten zu 32 Zeilen ein- 
spaltig (doch Register Bl. 1°—5° mit Ausnahme der letzten 12 Zeilen zwei- 
spaltig) geschrieben. Rote Initialen und Überschriften, rot umstrichene grosse 
Buchstaben. Lagen zu 8 Bl. (doch die 1. und 11. zu je 12, die 3. und 4. zu 
je 10, die 10. zu 6). 

Predigtsammlung. 

Überschrift (rot): Dit buchelin heizit ein paradis «3 fornuftigen sele. 

Enthält in 2 Büchern 31 + 33 —= 64 Predigten, wovon 31 Meister Er- 
kart angehören, der Rest 12 andern in ihrer Lehre ihm nahe stehenden Predi- 
gern (s. über Ihre Namen und Predigten Z. f.d. A. 15, 437; Preger, Geschichte 
der deutschen Mystik 2, 85). Von den Predigten Eckarts sind 20 durch Sie- 
rers a... 0. 3173-—435 veröffentlicht, der Rest mit den bei Pfeiffer gedruckten 
vergliehen worden (8.436 f) Aus der Zahl der übrig gebliebenen Predigten hal 
Preger 2, 439--- 468 14 abgedruckt, den Imhalt der andern 8. 152—177 unter 
den Namen ihrer Verfasser besprochen, endlich S. S7—89 einzelnes über die 
Is. und ihre Entstehung mitgeteilt. 

Zur Geschichte: Bl. 114®: iste liber pertinet ad «domun montis sancti 
Michaclis prope Magunciam ordinis carthusiensium und 65° am Rande: diess 
buche ist der Carthuser by Mentz. 


148. 

521 [om 1179 et G. 14]. Perg. xıv. Jh. (1375). 241 Blätter nebst Ou- 
stoden (die Is. zählt nur die Bücher, —vı, auf der Innenseite jedes Blattes in 
der Mitte oben rot). 21x 13,6, von einer Hand einspaltig (bis auf das zwei- 
spaltige Teegister Bl. 1—3) auf und zwischen Linien zu 33 Zeilen geschrieben. 
Rote Initialen und Überschriften, rot durchstriehene grosse Buchstaben. Lagen 
u 10 Bl. (die letzte zu 12), bezeichnet mit 1. ın..... — xx; die letzte ist 
unbe zeichnet, 

Deutsche Übersetzung des Compendium theologicae reritatis. 


146 —- 149 149 


12 Register (rot): Hie ineipiunt sept& tabule sup septö libros compendii 
theoloyce (!) veritatis. Daz got ist ı Daz ein got ist ır... — 3b (Buch vu) Vo 
der zelunge d* himelischen froiden xxx. 

4% (rot) Das ist die vorrede des conpendium. Die warheit d? gotliche sub- 
tilikeit sit daz si ist ei schI od’ ein glantz des ub’sten schines — 4? ab? wo 
ich rechte gevarn han do w*de gelobet die gnade ihü xpi. dorch des ere vn glo- 
rie vü sin® lieben mut° ich dis cleine buchelin zäsamen gelesen han. 

Anfang 4 (rot): Daz got ist. Daz erste capitel. Daz ‘got ist daz w*t bewiset 
I meng®hande wise. zäm ersten bewiset in d* rechte gloube — Schluss 241° (Buch 
vır Cap. XXX): die (Freuden) ein iclich selig‘ entfehet nach sin® verdienüge ane 
alles ende. amıen. (rot) Explieit lib’ vır. Darunter (rot): Conpletus est liber 
iste p manus Heinrici regenboden de Cassel. anno dni Millesimo trecetesimo 
septuagesimo qinto Im. Kalendas Maij. 

Zur Geschichte: 1% unten: Iste lib’ ptinet ad fres Carthuß ppe mogüt. 
und 241b: Iste lib'.... datus nobis a düo fryeloc., endlich 4* die Signatur: 
x. xvo T. 


149. 


741 [olim 1218 et G. 53]. Perg. xıv. Jh. 175 Blätter und nach 132 ein 
leeres sowie Vordereustode. 25,3 x 17,7, mit Ausnahme von Bl. 39%. 10ab von 
einer Hand in fetter Schrift zu 29 Zeilen auf und zwischen Linien geschrie- 
ben. Rote Initialen, zu Beginn eines neuen Artikels mehrmals rot und schwarz 
und mit Arabesken, rote Überschriften und Zahlen, rot durchstrichene grosse 
Buchstaben. Lagen zu 10 Bil, doch zählt die 6. nur 3 (Doppelbl. und einge- 
heftetes Einzelbl.), die 15. 6, die 17. 8, die 19. noch 9 Bil. (das 10. scheint 
herausgeschnitten), bezeichnet oben, zumeist rechts, von einer Hand des xv. Jh. 
durch 2. 3.4. V—XIR. 

18 Weichbildrecht mit Chronik. 

1° (rot) Von der werde (!) anegenge aller erst. vn van d? jare zale :ıc*t’. 
Von der werlde beginne aller erst vntz an die wazzer ulut daz noe die arke 
buwete in armenia — 7° Na diseme bischoffe wart ein bischof gekoren Rudolf 
von Dingelstete genant d* vntfiene sin pallium von dem pabeste Innocencio. 
vn ist an deme bischtume. 

7b Wolt ir nv horen vh verneme so wil ich uch sagen van deme rechte 
aller erst — 13b So is deme landes h’ren daz gerichte ledic daz er von ime 
hatte. vb deme kuninge der ban. obe ime gevolget wirt mit reichten orteilen. 

14% Register des Weichbildrechts. 

Von beginne wichbilde rechtes .. — Van beginne aller hande vngerichtes 
elage LXXII. 

Anfang 15*: Do man Megedeburch alrest besazte. do gap men in recht 
nach irre willekure. Im Texte stehen indessen uxxvıu Cap. (das letzte über- 


150 IV. Oxrorv 


schrieben: von clage uber unrechte lute), worauf Bl. 35%. 36* die beiden 
Judeneide MSD? 1, 320. 2, 468 und ein Stück über des burch greuen dinge 
zu Meydeburch folgen. Schluss: so en mac man sie buzen der stat rechte 
nicht brengen in ein ander gerichte. Darunter (von anderer Hand): Eyn iclich 
man mag «dem anderen helfen czu sine rechte ane sin vatir vh sin zon vZ sin 
brud?® vn sin knecht. 

Vgl. das sächsische Weichbildrecht herausgegeben von 4A. v. Daniels und 
Fr. v. Gruben, Berlin 1857. 

39» (andere Hand) Schöffenbrief der Stwult Magdeburg. 

Vnse willege dynst 'ezu vorn. Ir habet vns geuraget rechtes in Iuwen 
(corr. aus muwen) breue noch dessen worten of ein man der vnelich geborn ı3 
heilde eyne vrowe de elich geborn were — 40 so hebe wy scheppen der stat 
to Magıl’ dessen bref besegilt vnde vnsen (erstes n aus m radiert) Ingesegele (letz- 
les e radiert) do g®. 

41* ('ulmer Handfeste. 

Bruder Eberhart genant von Seyne gebieter durch dutsche lant. des huses 
sente Marien der dutschen. vnde gewalt habende durch Iyflant vn pruzen — 
48% Dis ist gegeben zv Cholmen In gotes geburt jare dem tusenden. dem zwei- 
hunderten. dem vumftigesten. dem einen. kalendas octobris. Anschliessend der 
lat. Text: Frater Eberhardus dietus de Seyne Datü in Culm. Anno incar- 
natonis düiece M°ccr? p’mo. Kl. octob’. (rot) Gnada libys K. mer send& ar- 


min. vnde la. 

54® Sachsenspiegel, Landrecht. 

Register: (rot) Hie beginnent lantrecht capittel Hie beginnet lantrecht van 
dem pabeste von dem keisere .1. — 60° Vau des richt’es anesprache. vn ge- 
setzede CCcLim (das un Register vergessene Cap. IX von des sones erbe hat 
eine jüngere Hand am Rande nachyetragen). 

62 (rereimte Vorrede zum Sachsenspiegel. (rot) Incipit prologus t’rest’s 
(Verse wicht ubgesetzt): 

Ich timb‘e also men saget bi wege 
Des muz ich manigen meist® han — 
Ir schrift daz er sie habe gewis 
Die wile sie vnverteleget is. 

Bei Homeyer V. 1-—95. 151—194. 221— 244; alles übrige fehlt. 

Anschliessend 62° ohne Überschrift der Prolog (Homeyer S. 136 f.): Des 
(ohne Absatz in den prosnischen “textus prologi” 8.138 


heiligen geistes minne 
übergehend) vn karl. an den sassen lant nach rechte trt. 

Text 62b: (rot) Hie beginnet lantrecht. van dem pabeste. vi dem keisere. 
Zwei swert liez got in ertriche 132b (tr. Bueh) Er ne muz ouch kein ge- 
ben noch herberge. noch bete. noch (die dienest. noch kein recht vf iz lant 


149 — 151 151 


setzen. iz en wellekure daz lät gemeine. Deutsche Glossen von jüngerer Hand 
(xıv./xv. Jh) am Rande. 
133% Sachsenspiegel, Lehnrecht. 

Register 133*: (rot) Hie beginnet lenrechtes capittel. Wuaz liute lenrech- 


tes darben .ı. — Uan schildes vn gebuwes lene cn. 
Anfang 136*: (rot) Hie beginnet lenrecht. Swer lenrecht konnen wolle 
der volge disses buches lere — wend in ist leit. daz recht immer geoffenbaret 


wirt. wend da von schinbar wirt ir vnrecht. Im Terte stehn cLy Cap.; nicht 
ins Register aufgenommen sind: 1x1 van umbescheinem (!) gute cm van 
vluchsale. cım van vnrechter lenvnge. 

G. Homeyer, Des Sachsenspiegels erster (— weiter) Teil, 3. Auflage, Ber- 
lin 1842— 1861; unsere Hs. war ihm unbekannt. 

175» (xv. Jh.) Mancher spricht ich byn nicht wrom Der luget (bricht ab; 
Anfang einer Spruchdiehtung?). 


B. Covices JUNTant. 


Am 19. Nov. 1677 war Franeiscus ‚Junius gestorben. Das folgende Jahr 
brachte der Bodleiana die Hss. und den reichen Autographenschatz des ver- 
dienstvollen Forschers. 

Ein Verzeichnis derselben liegt nur vor in Bernhards Catalog von 1697 
1, 249— 257. 


150. 


25; die Originalhs. dr Murbacher Hymnen, der Glossare Jun. A. 
B. C nebst Appendir. Ausführliche Beschreibung der Hs. bei E. Sievers, Die 
Murbacher Hymnen, Ilalle 1874, S. 1—10. Hinzurufügen oder zu berichtigen 
würe folgendes: 28,5 x 10,3. Noch 192 Blätter und je eine Perg.-Custode ; 
wenn Sievers 193 Bil. zählt, so rechnet er die Vordercustode als Bl. 1 und 
übergeht die hintere. Auf letzterer findet sich ähnlich wie auf 103° der Ein- 
trag: Oret legetes p dnö bartolomeo de andolo Morbacen abbate. Zu Stück ıx 
(a. a. 0. 8.3): 3 Lagen: 1. ein Quaternio Bl. 134—141 (Stevers’sche Zählung). 
2. eine Lage von noch 7 Bil. Bl. 142—148, da nach 148 3 Bil. gewaltsam 
herausgerissen sind. Das Pergament dieser Lage ist dünner als das der voran- 
gehenden und folgenden. 3. Bl. 149—151, ursprünglich zweimal 2 Doppelbll., 
doch fehlte das letzte Einzelbl. schon beim Beschreiben der Lage. 


151. 

78. Pap. Ausgang des xv. Jh. 160 Blätter, gexählt von Junius Hand als 
Seite 1—320; Bl. 1099—113. 129---131 leer; endlich je eine Custode. 21xX13,6. 
Mehrere ursprünglich getrennte Hss. sind unter sehreärzlichem Pappendeckel mit 
Lederrücken vereint. Ich sondere: 


152 IV. Oxrorn 


1. Bl. 1—92b von 2 Händen. Zwei rote Initialen, die erste mit verschte- 
denfarbigen Arabesken verziert; rot durchstrichene grosse Buchstaben. 7 Lagen 
zu 12 Bil. (der 3. ist eines zugeheftet) und eine zu 8 (von denen nur noch 7 
vorhanden sind), bezeichnet von der 2. ab durch hi. h2....h6. il. i2....16 
..—m6, was auf ursprünglich vorangehende Lagen (a—g) schliessen lässt, da- 
neben mehrmals auch durch Anfangsworte am Schluss. Wasserzeichen: Wap- 
pen, Ochsenkopf und P-huitiale. 

Sammlung von Rechtssprüchen mit lat. Interpretation. 

12 De legitimatione (xvır. Jh. Hand des Vlitius, s. unten). Dit is Ryucht 
wye h& wil laten aeftigen die sal »prek& voer den keyser Ic bin een spoel- 
kynt — 37% sonder wer ropena ende vrsprakane alle liode (darauf noch einige 
lat. Zeilen). 

38% (von mehreren Händen) Überschrift: Capitales conspiratores qı ex odio 
depone’ videt? de symo. licet heli Monachi et conversi in causa möstü sui ede. 
(Fortsetzung des voraufgehenden Artikels). 

E Donationibs et testamentis (xvIt. ./h.). It, dit is r; Om da iefta en lawa 
int arste dat hit onstore is eh mit frya wolla vrracht — 92b. 

Auf 37° (und 109) erscheint der Name Sybout-Aysma (über ihn rgl. 
Siebs am unten anzuführenden Ort S. 38). 

m. Bl. 93—122. Von 2 Ikinden geschrieben, von denen die zweite schon 
ins xvı. Jh. füllt. Rote Initialen und Überschriften, rot durchstrichene grosse 
Buchstaben (doch nur im ersten Teile — 108). 4 Lagen zu je 8 Bil., doch 
zählt die letzte nur noch 5. Wasserzeichen: Kelch mit der Lilie. 

93% (rot) Hoe dae friesen roem wonnen. 

Anfang: Bi dae alda tyde was deer een wys man 

al syn tyng were wel ghedien (!). 
Schluss 94b: Nu moet god dis walda 
dat wy den vrydoem wel moet®e bihalda. Amen. 

Gedruckt bei Hetiema, De vrije Fries. Mengelingen, eerste Deel S. 263 ff. 
unter dem Titel: Hoc dae Fresen toe Fridom koemen. 

95% (rot) Incipit pcessus iudicii. 

Anfang: Al eer ick beghene toe spreckene vä du foerdgüghe (des riuch- 
tes Soe schelta wyta haet riucht is (lat. Commentar am Rande). 

Schluss 108%: Al hyr is beg’pen di foerdgügh va «dae gaestlicka riochte. 
(rot) Et sic est finis Deo gratias. 

Vgl. Hettema, Jurisprudentia Frisica Stück 3 S. 33 f. Die daselbst ci- 
tierle oud afschrift uit de bibliotheek van Oxford ist Jun. 49 (eigenhändige Ab- 
schrift des Junius aus Gabbenne (!) codex in 4° fol 98). 

114* (2. Hand) Gerichtsordnung Georgs von Sachsen für Fries- 
land. Datum 1503 am Rande (aber s. unten). 

Anfang: Nae dien wy george vä gods ghenade htich toe sasselant ..... 


151 153 


erflike gub’natoer in vrieslande voergenome dat ons gheboert dese ons& vries- 
lande in goed’ ordinäcien te stelle — Schluss 118b: Tot orkode hebbe wy’ 
dese selue onse ordinäcie met ons@ Sygnet geteyköt. Grhesereu& int jaer ons 
he’n mccce () en mm op den 1m dach in julio. 

1198 Einzelbestimmungen. in Bezug auf diese Gerichtsordnung: Fid der 
Richter und Beisitzer; van sportel ghelt; van appelacien aen ons& oau°erste 
gheriht; Cömissie om tuyghen te hoeren; vä cotumacie — 121b. 

ım. Bl. 122—131. Initialen mit der Feder ge:ogen und rot durehstrichen, 
ebenso die grossen Buchstaben. Ursprünglieh eine Lage von 12 Bl. aber nur 
10 sind erhalten. Wasserzeichen: die P-Initiale. 

Busstaren-Sammlung. 

Ü berschrift: Variae Muletae poenales (xvr. JA.) 

Anfang : Blocdresne inrethe schelma fyouwerasum ötswera vtewardes dol- 
gis also Inrethis dolges sexasum — Srhluss 128%: Beens oenstal ı scill. spre- 
ket en mä oen en orem so is hi nyar mit een ced ti otgae. 

ıv. Bl. 132—160. ZReote Initialen, die erste verz:iert. Lagen von verschie- 
denem Umfange. Wasserzeichen: P-Initinle (doch verschieden ron ın), Kelch 
mit Lilıe. 

Goldene Kette S. Bernhards. 

132a Alsoe vele als ie bescheiden byn alsoe ghehoersam byn ie --— 133° 
doestu dyt soe kemnestu alre meisters konsten die in die werlt syn. 

1333 Dit is een capittel vter ewigher wysheit alsoe als die dienre mitter 
ewigher wisheit sprack va verduldighe lie -— 134" Die dienre spreckt Dyt 
ist daer my wee doet in mynre herten wättu dine vriende alsoe vele Iydens 
toe sendes. Anıen. 

Von der Geburt Johannis. 

135° Coning dauid was koning ouer voel riken — 136% doe seyde hy 
dat sy naem solde hieten iohan want die heilighe enghel haddet sproken doer 
go (bricht ab). 

Dat ander lant. 

136b Het is altoes gheen vastalauent 

Die doet comt morghen of tauen — 

1386 O Maria vol van ghenade 

Leydsterre voer gode staet ons in staden 
Bescherm ons voer den helschen viant 
Als wy come int ander lant. 

Nach dieser Hs. gedruckt Tijdschrift voor nederl. taal- en lelterkunde 4, 
188 7. 5, 90 f.; ein nd. Text bei Mone, Quellen und Forschungen 1,126 ff; 
ferner in Danzig, s. A. f.d. A. 7,172; hd. in einer Meininger Hs. von 1417, 
s. Meusel, Hist.-litt.-bibl. Magazin 7, 166—173: daraus im Wunderhorn 3, 183 

Deutsche Hass, in England T. 20 


154 IV. OxForRD 


L 


und bei Erlach 2, 599. Das Lied der Orforder Hs. galt bis in die neueste Zeit 
als Hyınnus ad Mariam Frisice: vgl. Z. f. d. A. 37, 240. 

Rechtsbestimmungen zwischen den Städten Haarlem und Wolderku m. 

139% Wy schoute burghemeysters scepen& en rade der stede van haerlem 
betughen myt desse opene breue — 1408 It& dysse v’ß punte sulle wy hol- 
den altesame stede en vast Ende oeck mede seriue in onse stede boeck sond’” 
arghelist. 

Wasserrecht für Damme in Flandern. 

141® Dyt syn die vönisse vand& water rechte ten damme in vlanderen. 
Eerst men macht en& mä meest’ va ene scepe — 152® en daer sel die scipper 
syn volle vracht of hebben. 

Vgl. Jb. des Vereins f. nd. Sprachforschung 7, 34—62. 

Incipiunt gesta fresonum (andere Hand). 152® [Die almachtighe god dier 
onbegriplick is in syn& werken ei wessen — 160b dier wolla wy hem louwia 
en benedie en eerie en altyd tyengede wessa om toe foererighen dat ewighe 
= Amen. Expliciüt gesta fresonü. 

Vgl. Gesta Fresonum, uitgegeren door het friesch Genootschap ete., Workum 
1837, S. 119— 189. 

Die ganze Is. hat inzwischen eingehende Behandlung erfahren in Th. Siebs’ 
Westfriesischen Studien (aus dem Anhang zu den Abhandlungen der kgl. preuss. 
Academie der Wissenschaften zu Berlin vom Jahre 1895), Berlin 1895, 
Ss. 37—43. 

Zur Geschichte: F. Junius hat auf der Vordercustode ein unvollständiges 
Register der Hs. eingetragen; von seiner Hand steht auch auf einem der In- 
nenseite des Deckels eingeklebten Zettel: Hoe dae Friesen Roem wonnen p. 185. 
186. 187. 188. Er lieh die Hs. an Janus Vlitius (1652 Seeretär der nl. Ge- 
sandtschaft in England), wie ebenfalls auf der Oustode zu lesen steht: Beneficio 
Nobelissimi et Clariss. V. Franeisci Junij libro hoc utor 1660 Janus Vlitius. 
Dieser hat dann den Text vielfach mit handschriftlichen Noten versehen oder 
Überschriften eingetragen. 


152. 


83 vereinigt unter einem Ledereinbande des xvı. Jh. zwei zeitlich ge- 
trennte Hss. 

1. Perg. xım. Jh. (1252). Bl. 1—19 (keine alte Zählung). 22X 14,6. Rote 
Initialen, Überschriften ete. 4 Lagen: die 1.3. zu je 4 (doch zählt jetzt die 
1. nur noch 3), die 2.4. zu je 6 BU. 

12 Von alter Hand: invoco patrem et filiü et apiritü sanctü (ebenso a). 

1b Tractate astronomischen Inhalts, der erste mit dem Titel: Incipit expo- 
sitio tabule q paneronos appellatur id est omniü temporum. Primo consideran- 
dum est aurens numerus psentis anni quot’ sit efe. Bl. 3 leer. 


- 151 — 152 155 


4®---9b Laleinischer Kalender; beim Februar bis December hat eine elwas 
Jüngere Hand (angehendes xıv. Jh.) am Iande oder auf freien Zeilen des Textes 
(April) Diätregeln für die einzelnen Monate in nd. Sprache mit ne durch- 
brechenden Reimen eingetragen: s. unten den Anhang. 

10* Lateinische Wetterregeln aus Beda: Si fwint kalende Januar die do- 
minica hyemps bona erit efc. 

10b—112 Tafeln zur Berechnung der beweglichen Feste. 

11b Tafel zur Berechnung des Osterfestes in den Jahren 1252—1783, 
und Erklärung ihrer Anwendung — 1%. 

ı. Perg. xıı. Jh. (2. Hälfte). Bl. 20—71 (mit Seitenbezeichnung von Ju- 
nius Hand, und zwar 1—59 —= 20*—498, und wieder 1—43 — 49 — 706; 
BI. 71 wird als 44. 45 nummeriert gewesen sein, aber die rechte Ecke ist nun 
abgerissen). Von einer Hand mit kleinen Schriftzügen. Blaue und rote lni- 
tialen, teilweise mit Arabesken verziert, rote Überschriften. 6 Lagen: die 1.3. 
4.5. zu 8, die 2. zu 12, die 6. zu 10 (jetzt nur noch 9) Bil. Die Grösse 
des Pergaments entspricht im Durchschnitte dem Masse von ı, doch differiert sie 
in den einzelnen Lagen. 

Glossaria. 

202 Incipit libellus diu’sarum glosarun in vet’ et nouü testamentü. Ons 
diuine auctoritatis libri Lxx duo st — 492 (Paulus ad Hebraeos): Melota est 
pellis cap'na que et pera uocatur. ex uno latere dependes hac usi St monachi I 
egipto ppt* aspfitatem. 

Die wenigen deutschen (Glossen sind bei Steinmeyer Bd. 1 an verschieden 
denen Stellen gedruckt. 


49b (xvri. Jh.) Nomenclator (Glossar Id.). 

Anfang: Homo. vir. Mulier. femina — 68» sieut nobis in scriptura divina 
explanatum est. Tulit virgas ex platanis et similia. | 

Gedruckt bei Steinmeyer 3, 362 f. 

Es folgen noch, unter der roten Überschrift Item Glose, die Fulyentius- 
glossen mit wenigen deutschen (Steinmeyer 2,162) und Erklärungen griechischer 
Worte. 

Zur Geschichte: Bl. 1°. 71® (xvır. Jh): Sum Boxhormij und 71b: Den 
Joffrau van Nienroden costerin van sinte Seruaes. 


C. CopıcEes THoOMAE MARESCHALLI. 


Durch den Tod Thomas Mareschall’s, D. D., Rector of Lincoln College, 
Dean of Gloucester (T 18. April 1685), kamen 159 Ass. und eine stattliche Zahl 
gedruckter Bücher testamentarisch in den Besitz der Bodleiana. Der Hauptstock 
der Hss. wird von orientalischen gebildet, darunter einigen wertvollen. coptischen 
Evangeliaren. Verzeichnet nur in Bernards Catalog ı, 272—3 und 373—4. 


156 IV. Oxrorn 


153. 

11 [Add. C. 111]. Pery. Frühes xv. Jh. 110 Blätter und je 3 leere Pa- 
pierbll. u Anfany und Ende, nur teilweise von alter Hand, gezählt: 1—L; 
LXXV-—LXXVIOS LXXX und LXXXIN—CIXx. 31,5% 23, zweispaltig auf und 
zwischen Linien zu 41—44 Zeilen geschrieben. Blaue und rote Initialen, zum 
Teil mit Arabesken, role Überschriften, rot durchstrichene grosse Buchstaben. 
Lagen zu 8 BI. (aber die 1. zu 10, eine zu 6 (noch 5), die letzte nur noch 
u 7 BU), bezeichnet unregelmässig je auf dem ersten Bl. dureh: H. J. K. P. 
S.T.V.X. Schweinslederband des xvıı. Jh. 

Teile des Neuen Testaments. 

a) Briefe Pauli und die katholischen, mit der Glosse. 

1% (rot) Hier beghint d; prologhus op sinte pouwels eerste epistel tot Jie 
van romen. 

“Anfang: Paulus die apostel ons heren ihü xpi heu; ghescreuen viertien 
epistelen. 

Schluss 66b (Brief des Judas): Hem sijn glorie en groct makinghe en 
ghebot eü moghentheit voer allen ewen. En nv enden in allen ewen Amen. 

b) Acta apostolorum, mit der (Glosse. 

Anfang 66: Lucas die ewangelist was eerst een meyst? tot anthiotien (!) — 
94# (Glosse) Mer Jdaer na int leste iaer des keisers nero wert hi ghehoude va 
he. en in der martelie is hi ghecroent. 

c) Apocalypse, mit der Glosse. 

Prolog 948: Dit boeck apocalipis (!) ie ond’ die ander bok& des niwen te- 
_ staments een pphecie ghehete. 

Anfang des Tertes 94b: Dit is die opebaringhe ıhü xpi die he god ge- 
ggheue heeft opebaer te maken sine knechten Glos Niet den joden noch den 
philosophen — 109» Ice sel waerlick haesteliken mede comen. Here ihu con 
Glos. Dat is tbegheren der kerken der heilighen Die gracie ons heren ihu xpi 
sy mit ons allen. Amen. 

Die Lagenbezeichnung macht wahrscheinlich, dass diese Is. lediglich als 
bed. ıı zu betrachten ist, dem als Bd. ı auf den Lagen A—G die Evangelien (7) 
vorausgiengen. 


154. 

25 [Add.C. 118]. Perg. Frühes xv. Jh. 116 Dlätter nebst Vordercustode. 
253x132, ron einer Hand auf zwei von Linten umrahnten Spalten zu 41 
Zeilen geschrieben. Rote Initialen und Überschriften; rot durchstrichene grosse 
Buchstaben. 9 Lagen zu 12, die 10. zu 8 DU., bezeichnet durch al. aıı.... 
a6 — kl....k4, ausserdem durch Anfangsworte am Schlusse. Auf den Blatt- 
rändern häufig Correeturen von jüngerer Hand. Das Pergament ist sehr glatt 
und teilweise unten rechts eingerissen.  Schweinslederband. 


153 — 155 157 


Jan van Ruusbroeec’s Expositie van den tabernacule. 

Auf der Custode (Hand des xvı. Jh): In quodam exemplari recentiore 
titulus hujus libri sie coneipitur. Hier beghint die exposici op Moyses Taber- 
nakel en die dingeen die dade toe behoere die heer Jan van Rütsbroec Prior 
vah Groenendale bi Bruesel in Brabant maecte. Ferner: Heer Jan van Ruus- 
broeck is gewest Prior van Groenendale bij Bruesel in Brabant Unde is ge- 
storven in’t jaer 1381 zijnde het 67 jaer sijner Priesterscaps. Haec notavit non 
nemo ex vet. Chronico Brabantino. 

1° (rot) Hier begint die exposicie van den tab’nacule des orcondscaps en 
van datterinne was. Die her Jan van Ruüsbroeck maecte. 

Anfang: Sie eurrite ut comprehendatis. Loept alsoe dat ghe begripen 
moecht -— Schluss 116%: Siet aldus solen wi lopen en begripen eh al begri- 
pende loepen eh al lopende begrijpen Eh dits die gerechte heilicheit ende een 
. ewich leu& dat got moet ons allen gheuen. Amen. Deo laus et honor deo. 

Gedruckt in den Werken Jan von Ituusbroec’s, herausgegeben von J. 
David. 


155. 


28 |31. 27 und Add. C. 121]. Pap. xv. Jh. 115 Blätter und die leeren 
ır— ıı*. 116*—119*. 26,6x19,8, von einer Hand (mit Ausnahme einzelner 
Einträge auf 10°. 114b. 115°) zweispallig zu 36-—37 Zeilen geschrieben. Rote 
Initialen und rot durchstrichene Buchstaben. Lagen zu 8 Bü. (die 2. zu 4, 
wovon nur 2 erhalten, die 4. zu 6, die letzte zu 4, woron nur 3 erhalten). 
Wasserzeichen: Stierkopf mit Stern. Wachstafetband. 

Sydrack, mnl. Prosa. 

1®2 Hier beghindt een scer schoon boeck van den wijsen philosooph sy- 
drack die vp aertrijek was. duysent iaeren voor godts gheboorte. eende heeft 
ons beschreüen vier hondert ende vier entwintich questien de welcke scer vremdt 
ende gheneechelycken syn om te lesen die den koninck Boctus den wysen 
philosooph Sydrac vraechde Darunter (xvır. Jh.) Ende hoort toe den Lieff- 
hebber der boecken Peeter oris (folgt eine verschniierte Zeile). 

1b Prologhe, in Reimen. 


Dicke hebbic die gene bescoude Daer die ingelen singen hoge 
Die hem ane die boeke houden — Hier met latic dese prologhe. 
2b Register: Was god altoes ende sal hy altoes wesen 1 — 108 cccexxI 


Wat mensche gheracte ten eertschen paradise. Hier nenıt inde Jie tafele van 
desen bocke Ende hierna soe werden alle dese vraghen berecht. a 


10% (Sp. 2; Hand 2) In den sydrack ghedruckt te leyde in hollant by 
huyghen Janssoon int Jaer 1496 (Bibl. Mazarine Nr. 903)!) staet dit ghedicht 


1) Marais et Dufresne, Catalogue des incunables de la bibliotheque Mazarine 


158 IV. OxrorD 


. meer in: Ghebet des auteurs oft schrijuer vä dezen boeck tot godt en alle 
goede mesch& (Epilog) 
Nu bid Ick godt van hemelryck Ende na didt leuen zyn hemelryck 
- In zijne glorie eewelyck — Amen zeght alle ghemeenelyck. 

Anfang des Textes 11*: Die voersienicheit vns heren des vad’s almechtich 
heeft geweest van den beghinne der werlt — Schluss 114: dat wy mogen 
verstaen ende onthouden ende setten te werke dit dat dese boec des wijs phy- 
losoeps sidrax vns leert ende‘ wiset ter eren des lichanıs ende ten oorbore der 
zielen. A“. 

Darunter (2. Hand): Hier na volg& noch v vrag& die inde ghedruckten 
silrack gheuonden worden meer als hier ... (im Drucke die Fragen Nr. xxvim. 
LXXX. CCLXXXV. CCCCXL CCCCXIH). 

Darauf: geschreue door my peeter oris tot antwerpe inde sleüßelstrate int 
Juer ons heer& mpexxI den xxvı aprille | zöder geschille al beüschen stille 
twas myne wille. 

Über unsere Hs. berichten: R. P. A. Do:y und M. de Vries in den Ver- 
slagen en berigten der vereeniging ter bevordering der oude nl. letterkunde 2(1845), 
33 f. und 4 (1847), 69. Vgl. ferner Taal- en letterbode 3 (1872), 64—70 und 
Jahrbuch des Vereins f. nd. Sprachforschung 14, 59. | 


156. 

29 [32 und Add. C. 122]. Perg. Spätes xıyv. Jh. 102 Blätter und das 
auf dem Deckel festgeklebte Bl. 1*. 26,5 X 18, zweispaltiy von einer Hand fast 
durchweg zu 49 Zeilen geschrieben. Rote Initialen, zu Anfang eines jeden 
Stückes grösser und verziert (sämmtlich erst nachträglich gemalt, wie die vom 
Schreiber gesetzten, noch sichtbaren Buchstaben beweisen), rot durchstrichene 
und herausgerückte yrosse Anfangysbuchstaben der Verse, rote oder rot unler- 
strichene Überschriften, häufig das Zeichen || - -i!ter Holzband mit gepresstem 
Lederbexug, vier Metallknöpfen und Resten zweier Schliessen. 

Aittelniederländische (fiedichte des xıv. Jh. 

Es sind: 1* Melibeus, dat boec van troeste ende van rade, 23° Jans 
Teesteye, 47% dlboee van d’ wrake, 30% Dit es van maskeroen, 86 Dit es van 
Saladijn [ud 101 Dit es noch van salladine], 88® Dit syn die x plaghen en 
die .x. ghebode. 

Zur Geschichte: schon Mone, Übersicht der nl. Volkslitteratur (1838) 5.347 
Nr. 535 wies auf diese Is., über deren Herkunft nichts zu ermilleln ist, hin. 
R. P. A. Doxy fand sie in der Bodleiana wieder auf (vgl. Verslagen en berig- 
ten der vereeniging ter bevordering der oude nl. letterkunde 2, 41—56), worauf 


(1893) S. 487. Campbell, Annales Suppl. ıv S. 1f. führt an: Leiden, sans nom d’ 
imprimeur, 1495, fol. (E.cemplar auch im British Museum C. 33. m.). 


155 -- 159 159 


F. A. Snellaert die Gedichte nebst Varianten einer Hamburger Hs. und ein- 
xelner Fragmente herausgab: Nederlandsche gediehten wit de veertiende eeuw, 
Brüssel 1869, mit Faesimile. 


157. 

48 [Add. A. 126]. Pap. xv. Jh. 237 Blätter (und ı*—ıy*. 238*—242*, 
welche abgesehen von einem Inhaltsverzeichnis jüngerer Hand auf ı1* leer sind; 
ferner 2 leere Bil. nach. 6, eins nach 12), bezeichnet als 1—224 (= 14—237), da 
die dem Texte voraufgehenden Bil. (Register ete.) nicht gezählt sind. 22x 14,6, 
zweispaltig von Linien umrahmt. Rote Initialen und Überschriften, rot durch- 
strichene grosse Buchstaben. Lagen zu 8 Bil., bezeichnet durch Anfangsworte 
am Schlusse. Alter Holzdeckel mit braunem gepresstem Lederbezug und zwei 
Schliessen. 

Episteln für das Jahr. 

12—6% Register; T7«—122 Epistelanfünge lateinisch. 

148 (rot): Een epistel op onser vrouwen dach visita wt& boke der wijs- 
heit. Siet dese comt springende in d& berghen -— Schluss 236® (rot): Van 
sinte katherine. Soec op sinte Agineten dach. Darauf Bi. 237 von jüngerer 
Hand die ersten zwei Episteln der Hs. wiederholt. 

Zur Geschichte: 13® (xvı. Jh.): Item dit boec hoert willem ians dochter 
wonende in sinte cecilien convent en het sel voer een ghemeen studierboec gaen 
bid om gods willen voer hoer en voer hoer vrieden. 


158. 

56 [Add. A. 127]. 174 Blätter. 20x 14,5. Enthält: 1. Bl. 1 und 174, 
als Custoden verwendet, 2 Pergamentblätter des xıı1. Jh. mit lat. Fragmenten 
theologischen Inhalis. 

2. Bl. 2—5 leer bis auf den Eintrag 5b: Diese bouck behoort toe ..... 
(unleserlich) tot vlissingen vp de mert.... duisent vijfhundert twe...... 

3. Bl. 6—141 alter Druck (Te Ghendt voor Gheraert van Salenson in 
den Bibel 1557): De Cronijke van Vlanderen intcorte | metgaders van Bra- 
bant | Arthois | Henegauwe | Hollant | Zaelant. 

4. Pap. xv. Jh. Rote Initialen und Überschrifl. 4 Lagen zu 8 Bil. 

Het belech van ghendt van den coninck van vranckerijeke. ende van den 
coninck van Inghelant eü conince van scotlandt (rot). Arnaut Baudewijns sone 
was die vijfte graue in vlaen — 1723. 
| Vgl. Het belech van (Ghendt ten jare 965, Maetschappy der vlnemschen 
Bibliophilen 2. Ser. Nr. 1. 


159. 
58 [Add. A. 128]. Pap. xv. Jh. (1472). 224 Blätter und 1—ıv (1. v 
und 3 Perg.; 1—ıv. 1—2. 219--223 xzugeheflet, ı und 224 vom Deckel los- 


160 IV. OxForn 


gelöst; u ıı. ıv. 38. 11. 219—223 leer). 21,3% 14,8. Rote Initialen. (die 4. 
rerschiedenfarbig und verziert) und Überschriften ‚rot durchstriehene' grosse 
Buchstaben. Lagen zu 10 BU. (die 1.und 2. zu 8), bezeichnet mit ar, dann 
von der 2. ab mit bi. bır.... bv. er....ev— vv. Alter gepresster Lederband 
mit Resten zweier Schliessen. 


Die vier Evangelien. 

1—2 Mondtafeln: Dit is een bewisinghe en ondervijndinghe vander ma- 
nen Ötfanckenisse wanneer dat si nye ontfaet — daer na is asschelwoensdach 
in die vasten. 

4a Kalender; zum 26. April: sterf sty goesens .... (radiert) mijn moed® 
int. ia’ LXVIIL. i 

12® Register: Hier beghint die tafel van den ewangelisten hoe men een 
yghelic ewangeliü vinden mach Ewangelisten en capittelen. 

18b Dit ist gheloüe van den ppheten eh vande apostole. Bricht ab: Ma- 
lachias Alstu verhaet hebste (es fehlt 1 Bil... 

198 Beginn der Evangelien: Hier beghinnen süte matheus evangelien Op 
onser lieuer wrouwen dach ontfankenis en op horre gheboertö. 69° Marcus, 
100b Lucas, 158* Johannes. Schluss 2028: Hier eyndt die tex des heilighen 
ewangelies seeundum Johannen:. | 

Episteln auf die Tage der OÖsterworhe und einzelner Heiligen. Beginn 
2028: Die ürisenisse ons he’n ihu xpi des paeschens (!). Ende het was die dach 
voer paesche — sSehluss 218b: Ende onse h’e god zellen eruen mitten ewige 
name. (rot) Dit boee is ghesereuen int jaer ons he’n m.cece en 1xxır. Een 
aue maria vä mynne voer die scrijft. 

224 ein Pergamentblatt xy. Jh. aus dem Johannesevangelium, mil 
der alten roten Bezeichnung xxxXvir. Überschrift: Vand® questie die ihoes 
vraghede. Johannes baptista ghebonden in den k*ker als hi hoerde efe. 

Zur Geschiehte: 218» Dit boee hoert toe den besloten ust’n te gorinche 
wonende in die haerstraet. 


160. 


90 [44. 62. 69 und Add. B. 26]. Pap. xv. Jh. 82 Blätter (nach 34 ein 
leeres). 18,5 x 13,4, zweispaltig von 2 Händen geschrieben. Rote Initialen und 
Überschriften. Durch nachtrügliches Beschneiden der Ränder ist die obere Hälfte 
der Schrift der ersten Zeile oft verloren gegangen. Lagen von verschiedenem U’m- 
fange. Wasserzeichen: Stierkopf mil Stern. Gepresster Kalblederband. 

Bücher des alten Testamentes nebst Commentar. 

22 Ende hier beghint Josue boec. 35% die hystorie van thobien. 47b die 
boece Ruth. 53° Judith storie. 706 die historie van hesters. 

Schluss 82% Ende die sprac dat behoerlike was in pays van sine ghe- 


slechte. 


159 — 161 161 


Zur Geschichte: 1® Dit boeck hoert toe den besloten susteren tot sinte 


marien born in willen oeskens straet. 


161. 


119 [Add. B. 43]. Pap. xv. Jh. (1475). 245 Blätter nebst 2 auf dem 
Deckel festgeklebten Custoden. Scheint 2 Codiees zu umfassen, die aber gleich- 
uohl von derselben Hand geschrieben sind. 14,3 x 10,5, 16—17 Zeilen auf der 
Seite. Rote Initialen (doch die erste eines jeden Artikels verschiedenfarbig und 
verziert), rote Überschriften, rot durehstriehene grosse Buchstaben. Lagen in ı 
meist zu 10 BIl., bezeichnet mit bl. b2.... cl — 11, welche Signaturen in- 
dessen vielfach durch Beschneiden verloren gegangen sind; in ıı zu 8 Bi. (doch 
die drittletzte zw 10, die vorletzte zu 6), bezeichnet durch al. a2....nad. bl. 
b2....b4 — h4 (Bl. 234), späterhin nicht mehr. Wasserzeichen: Schlüssel. 
Schwarzer gepresster Lederband mit zwei Schliessen. | 

1. Jan van Ruusbroecs boece van den twaelf dogheden. 

1® (rot) Hier beghinen die twalef duechd& die heer ian ruusbroee ghe- 
maect heeft. Dit boec leert van den twalef graden der duechde en hoe die een 
duecht coemt toter ander. Dat eerste capittel is van der oetmoedicheit. 

Anfang: 1° Want wi dan van duechde seriuen willen — 1112 want nie 


niemät oetmoedigher en was noch gehoersamer dan hi selue | Die gelouet moet 
siin ende ghebenedijt Amen. (rot) Hier eyndet sich ruysbroccks boec van den 
twalef duechden Deo gracas. 

Über Ausgaben rgl. zu Mareschall 25 und zu Phill. 1175. 

Die gulden musschate, Prosa von der Passion Christi. 

112% (rot) Hier beghint een cleyne ende seer deuote materie sprekende 
van den mynliken liden ende sware passie ons heren ihü xpi van nasareth 
Ende dit boexkijn wort int ghemeen ghenoemt of ghehete die gulden musschate. 
Deum tyme. 

Anfang: Die wtwendighe mensche spreket tot sijnre inwendigher sielen | 
Segghe my mijn siele wat bedudet dat ie onder wilen van but& geuoele dattu 
alsoe scer v°uult wortste van binnen mit droefheiden eh iammerheiden Dat ie 
daer vf van buten mit menighen heten trane myre og& worde begoten. Die 
siel. wanttu mijre& droefheit deelachtich biste soe wil ie di wat segghen van 
der saken mijns iammers Dat heylige liden en die pijjn ons heren ihü xpI is 
die sake alle mijnre truericheit.... Die Form des Dialogs geht durch; die 
Sprache ist stellenweise schwungroll und innig. Jeh hebe eine kurze Probe aus, 
Bl. 159% (Maria unter dem Kreu:e): Nu dene oee hoe dat moederlike hart be- 
roert wort doe hare tot den oren in quam dat deerlike woort dat hi soe iämerlie 
riep mi dorst ef si niets niet enhadde daer si hemme (2. hen mede) lau& mochte Ic 
gheloue dat haer maechdelike borsten daer si hem mede op gheuoedt hadde. van 
rechter moederliker begheerten opwaert uoechde ende hadde hem gaern ghelauet 

Deutsche Hss. in England I. >| 


162 IV. OxrForD 


mitte bloede hacıre ionefrouweliker harten. O wee wee hoe scer iämerlic si hem 
doe weder aensach. Ay ie beddi oftu al des iammers der ghetrouwer moeder 
eh haers lieues kindes ihü xpI vergaetste Dat tu des iamers niet enwilste ver- 
ghet& haerre beider harten doe si hem [aensach] in dier tijt daer hi hince En 
vanden cruce tot ha’ »prac eh bedroeflic malcander an sage. Doe dat meer des 
iämers eD sericheits wt sinen ghesichte in haer hart ende wt haren ghesichte in 
sijin hart vloyde Hoe haer van alle dese dinghen als van den gaen onder den 
sware last des eruces van den slaen sijns naghelens aen den eruce (des Tam’°- 
lik& hanghens an de 'eruce am Rande) en sinen bedructen ghesichte hoe haer 
van allen desen «dat swaert der sericheit alle die aderen en erachten haerre 
sielen doorsocht ende doorghine...... Ende wanttu van deser materien veel 
vintste ghescreuen in den boeken van onser vrouwen celaghe en anders waer 
Daer om heb ie di mit weynich woerden ouerlopen op dattet swaert des rou- 
wen dijn hart verbaer... 

Schluss 162%: Die mensche. Mit corten woerden hebstu my gegeu® die 
materie eh een form der langher oefeninghe van der passien en lid& ons heren 
ihüa xpI En sijnre saligher moder en maghet maria eh oee van mijnen ey- 
ghenen ghebreken te bekennen een sonderlinge merkelike bedudenisse. die heer 
si ghebenedijt nv en in alre tijt Amen. Deo gratias. 

Ilochdeutsch im Coder Selemiünnus ıx, 16 (früher 137). 

162»— 1742 Prosugebete. Dit is een deuote oefeninge va de lide ons here 
ihü xpl. 

ır. 175% (rot) Dit is onser lieuer vrouwe lering Die si sprae tot een re- 
gulier die ghenoet was broeder willem vos. na dat iaer ons here dusent cccc 
ech XXX doe die salighe maghet liedewy van sciedam }) ghestorue was tibur- 
cius en valerianus dach (enthält xxx Capitel). 

Anfang: Maria. Ie weet hoe ie mijn dienres sel vanda en troesten mine 
knechten en dienst machde nv bi mine enghelen nv bi minen heilighen eh nv 
bi mi seluen — Schluss 2458: d; tu da bi mi moste come die mit mine soen 
sel regneren ewelie. Amen. Explicit anno MecceLXXxVv. 

Auf einem der Innenseite des Hinterdeckels aufyeklebten Papierstreifen die 
Verse: 

Draecht die soete ihesus in v hart v°borghen 
So en dordi voer den doot niet sorghen. 

Zur Geschichte: laut Eintrag auf der Vordereustode gehörte die Is. 1614 

Sophia Maria Reijers Deijm. 


162. 
124 [Add. B. 46]. Pap. xv.Jh. (1428). 122 Blätter. 13,5% 10,3, en- 
spaltig von einer Hand au 21—22 Zeilen geschrieben. Rote Initialen und Über- 


1) Campbell, Annales Nr. 1123—1125. 


161 --- 162 163 


schriften, rot durchstrichene grosse Buchstaben. Lagen zw 16 DI. (die 1. nur 
zu 6, die 4. zu 38 resp. 7, da das erste fehlt, die letzte zw 14), bezeichnet von 
der 2. ab durch xıun. XIV....XIX, die letzte ist unbezeichnet. Wachstaffetband. 

Theologische Tractate. 

1® leer. 1" (rot) Van d* edelre doghet d® lijjdsamht. Sinte Bernaert seit ie 
achte meer die doghet des v’duldighe mensche dan die töyken der heilighen — 
3% Ele lijdsamheit hoe celeyn si is. is gode een waerdighe offerhande. Deo gratias. 

4® Vaterunser, gereimt: 

Vader onse die bes alleene 

Wt wis sijn alle dinghe v°schene 

Din® naem sy heylich volconelike 

In alle tgheselscap van hemelrike 

Toe comende dijn rije. Lost die gheuanghe 
Die sijn in lide en in groete verlanghen 
Din® wille moet ghedae werden 

Als in den himel soe opt? aerden 

Drie brode v’leent ons nv ter vre 

D® glorie d’ gratie en d’ nature 

En v’gheeft ons onse scout I dese leue 
Als wi ons® sculderö vergheuen 

En leidt ons I ghen& becoringhe 

Die ons I doetsonde mochte brenghe 

Mer verlost ons van quaden 

Daer die vdoemde mede sijn v’lade 
Amen op dat wi ewelike 

Di moghen louen ewelike (l. in hemelrike) Amen. 

5° Unvollstündige Übersicht der Capitel des folgenden Tractats Von der 
Nachfolge Christi ds Thomas a Kempis (Buch ı). 

Rote Überschrift des Tractats 6°: Hier beghinen goede vermaninghe tot 
een gheestelie leu& seer nvt.... vä die «dat me eristum na volghen sal en alle 
d° werelt ydelheit versmaden. 

Anfang: Die mi volghet en wandert niet in dusternisse — 47b also veel 
als ghi v seluen verwint en di seluen ghewelt doctste. Explieit. (rot) Dit boee 
heeft ghemaeet een regulier van onser orde ende capittel in latijn eh is ouer 
gheset vten latijn in duutsche tot eemsteyn !) int cloester van en® broelder..... 
int jaer ons heren MCCCCXXVII. 

Pol. zu Phill. 647 und 719. 

Folgen 48° zwei sermoene sinte barnaert op die hochtijt vand? kermisse. 

596 Dit is broeder godeuaerts van den briele contuentuael in cloester tot 


1) Bei Dortrecht, s. Acquoy, Het klooster te Windesheim 3, 19—21.. 


164 IV. Oxrorp 


Eemsteyn!) sijn testament. (rot) van der inwendigher wanderinghe mit goede 
dat yerste ca®, 

Anfang: ÖOnse heer sprect Dat rike gods is in v keert (xı Cap) — 
Schluss 81°: want ic bin een arm enich mesche nochtan en is nyemant riker 
dan dese noch machtigher piement en is vrier dan die hem selue achter laeten 
en ten nedersten hem can setten. deo gratias. 

81b (rof) Van de coninclik& wech des heilighe eruce eh hoe wi ons selfs 
eruce sallen draghen dat capittel. Het dunet veel mensche hart wesen te ho- 
ren — 87% want tis noot dat wi ga@ int riker hemele ouermits veel drocfheiden 
en tribulacie tot welken rike ons moet brengh& die gotheit gods. Amen. deo 
gratias. 

87b (rot) Dit leste boec is hier altemael vä woerde te woerde als ict in 
de laty vant vand® lijtsäht. Onse lieue h’e sprae int ewangeli — 122® dat da 
van alle die scharen der quader ghedachten te nyete moete gaen eh worden 
verdreus Ist dat di (bricht ab). 


163. 

127 [Add. B. 49]. Perg. xıv. Jh. 8 Blätter und die leeren ı* und $*. 
12,5xX 9,3, einspallig auf und zwischen blassroten Linien zu 15 Zeilen ge- 
schrieben. Eine blaue Initiale(A) zu Beginn, rote Titelschrift, rot durchstrichene 
grosse Buchstaben. Eine Lage zu 10 Bil. Moderner Einband. 

Übersetzung des Speculum beati Bernhardi abbatis de honestate vi- 
tae (= Formula honestae vitae, Migne 184, 1167-—1170). 

ı* (xvr. Jh) Den Spigel Bernardi soer out gheschreuen; und (xvr. Jh.) 
Speculü 8. Bernardi vert expressum. 

1° (rot) Dit is sinte baernaert spieghel. 

Anfang: Alre liefste brocder du bidste van mi — Schluss 8b: Ic hebt 
langher gescreue dan ie waende. (jüngere Iland) God si gheloeft. 

Gedruckt nach dieser Is. Tijdschrift voor nl. taal- en letterkunde 14, 20— 2. 


164. 

130. Pap. xvin Jh. (1603). 124 Blätter, aber 103—105. 109—124 leer. 
10,4 x 7,5, von zwei Ihünden geschrieben. Rote Überschriften. Lagen zu 8 
und 10 Bi. 

Gebet- und Hymnenbuch. 

1a (junge Hand). Mareshal 130 De Unione Ecelesiarum in Frisiä et Ze- 
landiä_efe. 

2a (grün) Dit boeck is ghemaeckt tot (rot) delf anno 1603. (unten) Dit 
boeck hoert dirck florissen toe. (in der Mitte von grünen Kreisen umschlossen) 


1) a. a. O. Ob derselbe Godeuaert wie in Phill, 1175? 


162 — 164 165 


bemindt godt bouen al en v naesten als v seluen und doot goet ende laet 
quaet want als die doet coent is te laet 1603. 

32 Widmung: Die medegenoten des erystelijeken gelooff behoorich totten 
rijcke zesu erysty onder die vergaderinge genaemt die vriessche brooderen wen- 
schen wy bro«deren der waterlantsche vergaderinge binnen edam | vermeerde- 
ringhe des goddelijken lichts van godt den vader doer iesum christum | onsen 
heere ende salichmaccker. Amen. 

Der erste Teil bis 59 enthält Ermahnungen und Belehrungen aus dem 
alten und neuen Testament. 

Darin Bl. 15% Onder geschreuen de name der broederen om deser sake 
versamelt binnen eemden den 7. dach aprillis anno 1590. bij mij heyndrick 
reynerts. bij mij hans der vijs. bij mij Thomas Alberts. bij mij hans corterelles. 

606 Psalm cxviı. Ghy heydenen looft tsaem den heer etc. (mit Musik- 
noten; s. Willems, Oude vlaemsche liederen CCXXV). 

61 Inhaltsangabe des 2. Teiles. Hier volcht noch ettelycke kapyttele wyt 
der heylyger seryfttuere. Noch sommyghe gheestelijecke lyedekens Ende meer 
anderen ..... sproecken 1603 bij mijn dirck florysse gescreuen 1603. 

62-—75 Proverbia (sproucken) Salomonis, dat xx. xxı. xLı. Capittel. 

76—102 gheestelijcke lyedekens. 

76° Al die hier sijn geseten (s. Anhang). 

78% Maeckt blyschap groot o ionge joucht (s. Anhang). 

802 Een liedeken op de.wijse en straft my niet o heere (14 Str.). 


O heer wilt mijn verhooren ouer mijn swaer elende 

eh neicht daer toe ü ooren waer ick my keer off wende 

want ick ben sceer bedrooft mijn siel is wel troost behooft. 
83° Een lied op de wijse wt die diepten o heere (10 Str.). 

Schepper van alle dinghen Wilt mijn recht bidden leren 

die hooch gheseten sijt dat niet lippen en mont 

laet mijn gebet deurdringen haer (!) alleen tot ü keeren 

tot u in desen tijt maer oeck mijns harten gront. 


86° Ein nieu liedelin op de wijse ick ging noch hüyden morghen (18 Str.). 

. Ick ging op eenen morghen (s. Kalff, Ilet lied in de middeleeuwen 5.685 f. 
Auszüge nach dem nieu dubbelt Haerlens lietboeck,..... 1643). 
91° Eyn liedeken op de wijse die rey liefde wieree (!) (7 Str.). 


Ach ick moet v klagen My die ben in lijden 

godt al mijn verdriet ia met veel tormenten hier 
dueren al mijn dagen beschot aen alle sijden 

-sult (!) ghij helpen niet dach en nacht in groot dangier. 


93° Een nieu liedeken op de wijse van den 103. Psalm mijn siele wilt 
den heeren met lofsanck prijsen (13 Str.). 


h 


166 IV. OxroRrD 


In die vreese des heeren dochter spoedich 
wilt v begeuen wt cen hert oetmoerlich 
want daer in sult shy vinden groote lust 
Aensiet het eynde hier van alle dingen 
en oock de ghenen dien alhier volbringhen 
haer blijtschap & vroüchden haeren wellust. 
98b Den geestelijek bruijloft 
Doot v oeghskens open (s. Anhang). 
101* Nieu liedt tot lof des echten stacts op «de wijse. Die reyn liefde 
vierich (6 Str.). 
Als godt schiep met vrouchden 
int beginne goet 
eenen man vol deuchden 
en van sinnen vroot. 
Heeft hy hem ghegheuen 
een vroü hooch van waerden vrij . 
om daer melt] te leuen 
reyn als «de onbeswaerde blij. 
106 van afgoderie ende afgoden dienst exodi 20. 4. ee. — Schluss. 


D. CopıcEs RAWLINSONIANT. 


Sie kamen, gegen 4800 an Zahl, nach dem Tode Richard Rarrlinson's 
(geb. 1689/90, 7 6. April 1755) auf die Bodleiana. Einen Teil derselben hat 
Jt. auf seinen Reisen in Holland, Frankreich, Deutschland und Ilalien erworben. 
Die Sammlung zerfällt in mehrere Unterabtellungen, von denen die wichtigsten 
sind: Class. A, 500 Voll., hauptsächlich englische Geschichte betreffend. Class. B, 
520 Voll, Heraldik, Genealogie und Topographie befassend. Catalog über beide 
Classen: Catalogt ceodd. mss. bibliothecae Bodleranae. purtis v fascieulus primus 
confecit G. D. Maeray, 1862. Class. C, 989 Voll., Reehtswissenschaft, Theologie 
und Geschichte. Catalog: fascieulus secundus, 1878. (lass. D (früher Raul. 
miscellaneous), gegen 1400 Foll. meist jüngeren Datums und schr verschiedenen 
Inhalts. Catalog: faseiculus tertius, pars I. vol. 1--860; von pars ıı liegen 
bis jelxt nur die Aushängebogen der voll. 861—938 vor. Class. F (Poetry), 
246 Foll. Verzeichnet bei F. Madan, Summary catalogue of western mss. in 
the Bodleian library *** Eighteenth century collections, 1895, 8. 283—340. 
Class. G (Classics), 199 Voll. Verzeichnet ebenda S.341—376. Class. L (Li- 
turgical), 103 Poll. TVerxeichnet ebenda S. 483—521. 


165. 
D 484 [Rawl. mise. 491]. Perg. xv. Jh. (1447). 140 Blätter, gezählt in 
der Hs. als 1*. 2* und ı—cxuLu (doch fehlt jetzt nach xxVI und CXLI je 


164 —- 166 167 


1 Bl, nach cxxxıx 2 Dil, und xxıv ist in der Zählung übersprungen). 
21,35xX 14,5, durchaus von einer Hand zweispaltig (ausser 1*. 2*) zu 33—32 
Zeilen geschrieben. Wenige blaue und rote Initialen, rote Überschriften ‚ rot 
durchstrichene grosse Buchstaben; Bl. 11 (1x) mit Randverzierungen. Lagen 
ron S Di. Weisser Schweinslederband. 

Leben Jesu. 

1° Hier beghint die tafel van desen boeke. Dat prologus van den leuen 
ihesu 1 — Dat slot van desen boeke cxLar. 

Prolog: 3° Hier beghint dat prologus van den leuen ons here ihu x". 
Een ander fundament en mach nyemant sctt& dan dat gheset is. dat is xps 
ihesus — 10b Schoen .van formen bou& allen kynderen der menschen (rot) 
Hier eyndet dat prologus. j 

106 Wat gheschiede eer onse here hier neder quä. Dat erste capitel (rot). 
Als ene langhe tijt omtrent vijf dusent iaren ef twehodert dat menschelike 
sheslachte van adam sculdich was der erfsunde — 1406 (im Cap. hoe onse 
h’e den heiligh@ gheest seynde abbrechend) mer borghers der heilighen en huus- 
ghenoten gods. Laet ons. 

Pyl. Fitzwilliam 6. G. S (oben S. 35), wo auch die Litteratur angeführt ist. 

Zur Geschichte: 24 (Tlund des Tertes) Item dit boce behoert toe arnt vale 
vrederies soen word 3% Begonne inde iaer ons here Mccce en XLVIT op 8’ mar- 
ceus auont. 


160. 
D 533. Perg. xv. Jh. 26 Blütter und 1* nebst je einer alten und zwei 
modernen Custoden. 26x 19,6, von einer Hand auf und zwischen Linien ge- 


schrieben. Abwechselnd blaue und rote, mit Arabesken verzierte Initialen. 2 La- 
gen u 14 und 12 Di. 


Rechtsbestimmungen der Stadt Brügge. 

1° Dit es de tafele van der wettelicheidö van der stede van brucghe | 
de’ assit 2m’. Cap. ı Eerst wat de lands he’fe sculdich es te doene als hi 
comdt te lande — Cap. LxxXIm Wat man doen zal als een scepene sterft. 


Anfang des Tertes 3°: Als een landsh‘e comd te lande ende hi zal cöme 
te brueghe dat hy sculdich es te doene zine eed — Schluss 13® (Cap. LXXI; 
eins mehr als die Tafel): Voort zo welken tiden dat ein scepene sterft.... 
maer dat hi begrauen zal zijn es hi ambochtre onder de ambochters es hi 
poortre onder de poortres. 


14* Dit zijn de xvit pointen tuusche die van brueghe ende die van den 
vryen. Het zij cond allen lieden dat — beseghelt metten ghemene zeghele 
van onzer stede van brieghe (!) voors en ouer ghegheuen dien vanden vryen 
voors Int iaer ons hee als me sereef McceXYor in mense februarij. 


a 2: _ 
be = Tee nd 2 nl nn a re mn nn, Pan tr a Se 


168 IV. OxrForD 


165 Dit zijn de vryheden eü vsaigen die die van brüghe houde en main- 
teniere jeghens die vande vryen en leghes ande’ omesat& of sittende en oyt 
ghehoude ei ghemeinteniert hebben. Eerst zo waer een twist ghesaet — Ende 
es gheprouft dat ment sculdich es te bedinghen ter wet daer de twist gheuiel. 

18° Dit es die ordonnanche die ghemaect es bi scepene vp die onredelike 
pandinghe te belettene ei te beweerne. Het es ghecuerd ende gheordiniertt — 
dat he vallen zoude in eene boete van x 7& goeder munten den he’fe paertye 
ende der stede elce een darden deel. 

198 (ohne Überschrift; Rechtisbestimmungen vom Jahre 1378) Het es ghe- 
cuert ende gheordiniert biden he'e ende bider wet — 21b moghen varde ne- 
men ende die vulcomen. | | 

22 f. leer. 25% Gewichtsberechnungen für Weizen- und Roggenbrot ete. 

Zur Geschichte: 1* (xvır. Jh.) Den kynderen ypols vledincx als textar. 


167. 


D 893, ein Sammelband von Fragmenten verschiedener Jahrhunderte und 
Sprachen. Darin als Bl. 103 ein Pergamentblatt. xv. Jh. 26 x 17,3, nur auf 
der vorderen Seite beschrieben und bemalt. 

Alchymistische Sprüche. 

Die Mitte des Blattes wird von einer farbigen Zeichnung eingenommen, 
die augenscheinlich einen chemischen Schmelzofen (dreifach, schwarz, weiss und 
rot, ummauert) vorstellt; Figur eines Königs auf seinem Throne, von Sonne 
und Mond, Schützen, Löwen ete. umgeben. Aussprüche verschiedener Meister 
zu beiden Seiten. Z. B. Pancolfus: 

Kchain leichnam ist edler dann gold 

kayn tinctur wirt an es vnd des schatens sold. 

Socrates: 

Wist das man dy heymlikait des golds mag schawen 

aus dem man vn aus d’ frawi. 


168. 

D 913 [früher 1370 resp. 1262]. Sammelband von Fragmenten, worüber 
näheres Zeitschrift f. rom. Phil. 6, 390 f. Hier verdient Erwähnung Bl. 98: 
Perg. xıv. Jh. 25,4X 15,9, zweispaltig xu 39 Zeilen geschrieben. Eine role 
Initiale und Überschrift; die Anfangsbuchstaben der Verse sind herausgerückt. - 

Fragment aus dem Spieghel historiael Jacobs van Maerlant 
(rıı. Partie, ı. Buch, Cap. xxxımı FP. 94—152 und Cap. xxxıv V. 1—95). 

Anfang: 1* Dat vleesch sieden si sond? talen — 

1b En mine og& inde hemel hingen. 

Collation (nach einer Abschrift E. Stengels) mitgeteilt in der von M. de 

Vries und Eelco Verwiüjs, Leiden 1859 ff, veranstalteten Ausgabe des Spieghel. 


ui |. 


166 — 169 169 


# 


Ich habe folgendes zu bemerken: Cap. xxxıı V. 123 brochtse der in. 124 an- 
dren. 133 tien male. 135 dromendaris. 138 Daer si sekerhede. 149 End sine 
lieue r. a. Cap. xxxıv Überschrift woo .. I. woolrt.. 9 zo. 11 Te si®ne. 
14 Sinen ıı her& enermilnnen]. 15 Pauwele eh ahator mede. 17 O wi serifture 
ghelinke das. 35 de. 74 Te lyene m. o. 

Zur Geschichte: 1° (xvı. Jh.) Manet alta mente repostum Knyvelt, d. ti. 
Sir Thomas K. of Ashwellthorpe Norfolk x. Zeit der Königin Elisabeth. Wahr- 
scheinlich war das Blatt dem. Deckel eines seiner Bücher eingeklebt. 


169. 


Liturgie 9. 5. Perg. xv. Jh. 176 Blätter und die leeren Papierblätter *— ııı*. 
177—179. 12x 8,9, von mehreren Händen geschrieben. Tote und blaue, zum 
Teil farbige Initialen, role Überschriften, drei Miniaturen auf Bl. 49». 58», 64», 
Wappen auf 95%. 96* und Randverzierungen. Alter Lederband. 

Gebetbuch. 

Kalender 3"; zum 3. August ist bemerkt: Hier sterf Peet® vä d’ Baeken 
int Jaer MCcccc eh XXXVI. 

16° Die seuen Ghetiden onser Lieue Vrouwe. 

298 Gebete, darunter 47 das häufig in Hss. vorkommende: OÖ naecte 
menscheit O vreede martelie O diepste wonden O cracht des bloets O alder 
hertste doot O godlijeke sueticheit ons liefs heer& Ihü xpi helpt ons tott® 
eewigher salicheit. Amen. f. 

Dann 50% (dazu Bild auf 49) das Stabat mater in mnl. Reimen: Die 
moeder die stont vol van rouwe (12 sechszeilige Str.). 

Diese Fassung ist gedruckt von Ph. ©. van den Bergh, Nieuwe werken 
van der maatschappy van nl. letterkunde 5 (1841), 83 —97 und von Hoffmann 
v. Fallersleben Germ. 3 (1858), 161 f. Ieh notiere folgende Abweichungen: 
I, 1 moeder die. ı1, 2 suetste eh. ıı, 1 en sonde claghe. ıv, 2 Siende ihesum 
(= dem Druck in Germ.). 4 soe ghenoost. v,3 met v noch. vır, 1 v Iyden. 
2 die passie. 3 En in dese pyne en allende gheduerlye.. 4 Doet.... met v 
celaghen. 5 om draghe. vıır, 1 met v. 2 Met di droeuighe. 5 En doet. IX, 3 met 
v.... ghestadelyc. 5 Syn bitter passie. 6 ghenadelye. xı, 4 Maect. i 

Der Rest der Hs. enthält lateinische und wenige nl. Prosagebete, die 7 Buss- 
psalmen _ete. 

Zur Geschichte: 1* Tot behoue vä Digne coels Aensien doet ghedincken. 
2b (xvır. ./h.) Franeiscus Havens van Loovens. Auf 176 Helmont. 


E. Copıczs DORVILLIANL. 
Die Hss. von Jacques Philippe D’Orville (geb. 1696 zu Amsterdam, da- 
selbst 1730-—42 Professor der (teschichte und Beredsamkeit, 7 1751) wurden 
Deutsche Hess. in England 1. 22 


170 IV. Oxrorn 


2‘ 


1805 für die Summe ron £1025 angekauft. Neben einer Überzahl ron jiinge- 
ren enthält diese Sammlung auch einzelne schr alte IHss., so den datierten FEu- 
child (809), den sogenannten Motssur-Psulter, den alsbald anzufichrenden Hora- 
Hus cte. Verzeichnis: Catalogus codd. mss. et impressorum eum nolis mss. oltm 
DOrrilliimorum qui in bibl. Bodl. adserrantur, 1806 (ron Dr. Gaisford). Frr- 
ner Nr. xx. D’Orrille mss. im Summary eatulogue of mss. (ron F, Madan) 


S. 37—-48 (in Anshängebogen benut:d). 


170. 


Auel. x. 1.5. 11. Perg. x.[xı.. Jh. 128 Blätter. 184% 13.8. 
Iloraz mit Scholien. 

Pl. die Beschreibung WSB 121 (1890) ıx, 37 f. 

Darin wenige ahd. Glossen. 


171. 


Auet. x. 3. 10. Pap. xvir Jh. 480 Seiten nach alter Zählung und 1*—6*; 
nicht mitgerählt sind jene LI, welche keinen Text enthalten, sondern IHolz- 
schnitte, die einem italienischen Drucke (Genova 1590) ron T. Tussos La (iie- 
rusılemme Überata entnommen sind. 31,7 X 20,6, zwerspaltig von einer Hand 
geschrieben, auf den Vordersetten in der 1. Spalte der italienische, in der 2. der 
niederländische Tert, auf den Rücksetten umgekehrt. Der Raum für den ıa- 
henischen Tert ist ährigens teilweise leer geblieben; für ihn ist auch eine an- 
dere Schriftart benätzt. Lagen su 4 Bl. Wasserzeichen: ein reichrerziertes 
Mappen. 

Titel S.6*: J. Van den Vondels Verloste Jerusalem van Torquato Tasso. 


Anfang 8. 1: 


La Het 
Gierusalemme libera- Verloste Jerusalem 
ta Di Torquato Tasso. van Torquato Tasso. 
Canto Primo. kEerste Gezang. 
1. 1. 
Canto Varme pietose elr. Ick zing de godvruehtige wapenen, 


on den. hopman die het heerlijk graf 
van Christus bevrijde; veel heeft hij 
gearbeyd met zyne wijsheyd, en met 
ziinen arm; vecl heeft hy üytgestaan in 
die roenrijke v’overing en te vgeefs 
heeft’er zieh de hel texen gezet: en te 
v’geefs wapende zich Azie en het v!mengde 
volk van Libyen tegens hem want de 
hemel hem bergunstigde en onder de 


A 


170 — 171 171 


Fehlt. 


Schluss S. 430: Twintigste zang. 
144. 


Aldus ov’won Godefroy: en 


heylige vaandels vergamelde hy zyne 
v’stroyde gezellen. 


Elfte Zang. 
dv. 

En d’ oude Erotimus op den oever 
‚an de Po gebooren, stelde zijn kunst 
tot zyne behoudnis te werk: (die alle 
gebruck, en alle kracht van kruyden 
en edele wateren wel kende: ook van 
de zanggoddinnen bemint; maar hy 
schrep zijn v’maak in de mindre eere 
van de stomme kunsten: zijn zorg alleen 
was de swakke liehamen den dood te 


ontrükken en kon noch de namen on- 


sterffeljjk maaken. (Tyl. dasu die poe- 
tische Behandlung Helden Godes Len- 
ncp 2, 15). 


Fehlt. 


hem 


schoot noch 200 veel van’t daglicht op, 
dat het den ov’winnaar naar de nv 
v’loste stad, en naar de heylige herberge 
van Christus gelevde: en de blocdire 
wapenrok noch niet abgeleyd hebbende, 
komt de Veldheer met de andern ov°- 
sten in den tempel: en hv hangt «daar 
zyne wapens op, en bid daar heyliglijk 
het groote graf aan, en voldaet zijne 
belofte. 
Eynde. 


In Übereinstimmung mit G. Kulff, Tijdschrift voor nl. taal- en letter- 


kunde 14, 17—19, aber von Ihm unabhängig, sche ich in der vorliegenden 
Prosaübersetsing von Tussos Gerusalemme liherata jenes Werk Tondels, auf 
das sich die Anspielung seines Freundes Oudaen (Lennep 12, 95 —96 V. 345 .) 
bexieht: Breng Flakkus, voer Virgie, neem Na>o tot bewys; En Tasso, die 
men wacht dat eens ten grave uitivs. Auch dafür, dass die Is. nie zum Drucke 
kam, findet Kalff wohl den rechten Grund: dem Dichter Vondel konnte eine 


Prosaübersetzung nur als Vorbereitung und Grundlage su dem Plane einer 


172 IV. Oxrorp 


Übertragung in yebundener Rede gelten. Dageyen ist die Oxforder Hs. schwerlich 
mit der bei Lennep 4,421 (Unyer, Bibliographie 8.225; Kalff a. a. O. 5.19) an- 
geführten identisch, da diese 1764 an einen gewissen Dubois verkauft wurde, 
D’Orville aber schon 1751 gestorben war. 

Leider liess sich die Frage, ob unsere Hs. als Autograph Vondels zu be- 
trachten sei, nicht mit Sicherheit entscheiden; mir wenigstens ist aus einer Ver- 
gleichung mit den Lenneps Ausgabe beigegebenen Fuecsimilibus darüber keine 
Klarheit geworden, und auch Herr Dr. Kalff, dem ich eine photographische 
Nachbildung einzelner Strophen einsandte, verhält sich zweifelnd. 


F. CopicEs CANONICIANI. 


Die Bibliothek des Jesuiten M. Luigi Canoniei (geboren 1727, T 1805 
oder 1806) wurde 1817 von der Bodleiana en bloe um den Preis von £ 5444 
angekauft. Die Zahl der lss. beläuft sich auf ungefähr 2045. sie zerfallen 
in folgende Klassen: 

1. Codices graeci (128 Voll), s. Cataloyus codieum mstorum  bibliothecar 
Bodleianae pars 111, (odiees graecos et latinos Canonieianos complectens ab H. 
O. Core (1854) S.1--108. 11. Auctores classici latint (311 Voll.), ebenda 109 — 
248; darunter als Nr.50 ein Virgil aus dem x. Jh. u. Biblia sacra (93 Voll.), 
ebenda 249— 280; darunter als Nr. 60 ein Ervangeliencoder vom Jahre 1178, 
nach S. Maria et Paneratins in Ranshofen gehörig. ıv. Seriptores ecelesiastiei 
(232 Voll.), ebenda 2831 — 436. v. Codices miscellanei (576 Voll.), ebenda 437 — 872. 
v1. Mss. Canoniei liturgica (ce. 250 Voll), hauptsächlich Horarien, Breviarien, 
Missalien. Davon existiert noch kein Catalog. vr. Mss. Canoniei italien (299 Voll.): 
Cataloyo dei manoseritti italiani che sotto la denominazione di Codici Cano- 
nicianı taliei si conservano nella biblioteca Bodletana a Orford, compilato dal 
conte „Alessandro Mortara, Orford 1864 (Vorwort von Dr. H. Wellesley). vırı. Mss. 
Canoniei orientalia (135 Foll.), besonders hebrärische Hss. auf Pergament, be- 
schrieben von Dr. Ad. Neubauer im Catalogue of the hebrew mss. in the Bod- 
leum library (1886). 

Die zwei unten beschriebenen Hss. yehören in die Klasse v. 


172. 

Alise. 278. Perg. und Pap. xv. Jh. 162 Blätter, nach handschriftlicher 
Zählung 176, da 15 leere (2 nach 3, 11 nach 4, je eins nach 83 und 100) 
milyexählt, dagegen Bl. 4 übersprungen ist. 20 X 13,5. Vier ursprünglich ge- 
trennte Hss. vereinigt unter hellgelbem Schweinslederdechel, 

1. Bl. 1—4 (1—16 alt). Pap. 16 Blätter. ‚Jüngster Bestandteil des Codex. 

1a Alte Bibliotheksnummer 173. Summartsche Inhaltsangabe des ganzen 
(oder und (von anderer Iland) sein Datum: Ms. ser. 1467e®, 

Jtinerarien: a) 2* Dit is den wecg va brughe te venege duer duytsland — 


171 -—- 172 173 


(duer alle dese stede vn dorpe moet m@ gaen heer dat m& te venege maeg come 
1468. 2b) 3% Dit es den wecg van venege te Rome waert. 1468. 
4*r Notizen über das hl. Land, geschrieben 1470. 
ı1. Bl. 5—83 (17—96 alt). Perg. Von einer Hand zu 25 Zeilen geschrie- 
ben. Rote Initialen, immer zu Anfang einer jeden Strophe, doch die erste (7*) 
blau und blassrot auf Goldgrund; rot durehstrichene Anfangsbuchstaben der 
Verse. Lagen zu 8 Blil., hezeichnet durch das Anfangswort der nächsten am 
Schlusse und von jüngerer Hand durch al. a2. a3. a&..... pl. p2—pti. 
Lateinische Übertragung von Maerlants Wapene Martijn 
(3 Bücher) durch Johannes Bukelare, mit beigefügtem Originaltext. 
52 Überschrift (blassrot): Incipit Wapen martin teuthonice translatus latine 
a Johanne bukelare pbrö editus Sluse obnixius rogante m£ros ut si quid in hoc 
opusculo deuiauerit vl min’ bene ordiauerit sibi benigniter sit indultü. prolog’. 
5% Me (delectat scribere 
Martinü metro prosa ® 
Cum merlandino libere 
Prolixitas exosa 
Flagret hec retliorica 
Spirans ut rubens rosa 
Contempni gramaticä 
Venustate formosa. 
7 Strophen; dem Texte Serrure’s gegenüber (s. unten) in der Reihenfolge 
m. 1. ım—vrund1* (Quo qua ubi die et unde —) mit Recht zum Prologe ge- 
AUGEN. 
Anfang des Gedichtes: Waphene martin hoe salt gaen. 
Lat.: Heu martine mihi fare. 
Strophe 25 lat. des 1. Buches fehlt (Raum freigelassen) vollständig, der 
6. mangelt eine Zeile. Buch ı reicht — A7b, ın — 61%, ım — 82, 
Schluss: 82° Amen iacob lieue ghezelle , 
Mi dijnke dat ic di ze’e quelle 
Doch hadde iex grooten noot 
Als ic dit lese ende spelle 
Mach icker bi leren als iet u°telle 
Mijn gheloue al bloot 
Daer ic by scuwen mach die helle 
32° Up dat ie my daertoe v’snelle 
Te doene dat go geboet 
Ende die de doot wrac va abelle 
Bringhe ons ter hogher celle 
Dat es in abrahams scoot 
Na dese corte (loot. 


174 IV. OxrorD 


Lat.: Aheu iacob merlandin’ 
Diceris ego martinus 
Te minus molestaui 
Hoc legendo sun diuins 
Non a fide peregrinus 
Indulge si erraui 
Supplex oro tis vieinus 
Ne condepner iä supinus 
Hoc qui translataui 
Ex quo rithmus fit latino 
Seil suscipiat nos sinus 
Abrahe quo«l rogaui 
(In gloria suam!) 
Ame do suaui 
Modulo prestäte sua vi. 

Explicit. Deo gras. 

Der Maerlantsche Text herausgegeben von E. Verwijs, Jacob van Maerlant's 
Wapene Martijn met de vervolgen, Leyden 1857; die lateinische Übertragung, 
nach dem einzig bekannten Codex der Stadtbibliothek zu Bergen, durch C. P. 
Serrure, Jacob van Maerlants drie boeken van den Wapene Martin in het la- 
tin vertaeld door Jan Bukelare, Gent 1355 (Abdruck aus dem Vaderl. Museum 
1, 116 ff); über die reichhaltige Martijn-Litteratur rgl. ausserdem L. Petit, Bi- 
bliographie der middelnederlandsche taul- en leiterkunde (Leiden 1838) 5. 101— 
105. Eine neue Ausgabe wird vorbereitet von den Proff. Verdam und Franck, 
wofür die vorliegende Is. collationiert wurde. 

838 Lateinischer (isiotanus. 

Cisio janus epy’ vendicat 
oc ponti mar an 
Prisca fab ag vincenti pau po 
nobile lumen 
— 83b Loy Jdecem nyco con ccp 
et alma lucia 
Sanctso ab inde thomas 
mo«lo nat steph. io pu thome sil. 

ııı. Bl. SI—114 (97—128 alt). Pap. Datiert 1467. Auf und zwischen 
Linien zu 28 Zeilen geschrieben. Rote Initialen, Aufangsbuchstaben der Verse 
rot durehstriehen und ron 101 ab heransyerückt. Lagen zu 10 und 12 DU. 
Wasserzeichen: ein Auker. 

342 Des distiques de (Caton (Jehan Le Fövre), altfrx. 

Darunter 99% die Notiz: Dit boeck hoert toe Jan van hersuelt toe brugghe 


int eronuneghent hof. 


— — - 


172 175 


Vgl. Paul Meyer, Bulletin de la societe des aneiens terles francais 1877, 
5.38 f., wo die Ms. mit Rücksicht auf ihren französischen. Inhalt kurz be- 
schrieben ist. 

1008 Mariengebet, altfrx. 

OÖ dulce vierge plaisant et coye — 
Et en la fin confession Amen (20 Zeilen). 

100* (s. oben) leer bis auf 2 Zeilen (rot): 

OÖ menschen wilt dit lesen 
Op dat ghy heliche ende zalich moghet wese, 
die sich offenbar auf das folgende Stück beziehen: 

101° Dülactisches Gedicht auf den Tod. 

O mensche oft ghy docht ende wist den tyt — 1048 (s. Anhang). 

1046 Reimsprüche, Kärchenwätern, Philosophen, Propheten ete. in den 
Mund gelegt. j 

Anfang: Boetius seit. 

Alre wijsheijt fondament 
Es dat men gode mint ende kent 
Daer (lie dwasen niet up en roucken 
Die haer ydele glorie soucken. 
Vryedanc. 
1076 Ic hebbe goet tenes niet mijn 
Och god wes mach dat zijn 
Het en staet niet meer in mijn ghebollt 
Dan ic verteere ende gheue om golt. 
110® Vele ghejaghet ende niet ghevanghe 
Vele ghehoort ende niet verstanden 
Vele ghesien ende hiet te merken 
Dat zijn alle verlooren werken. 

Über Freidank im mnl. vgl. Handelingen der maatschappy der nl. letter- 
kunde 1885, 3—56, 1886, 185—281, und Tijdschrift voor nl. taal- en letter- 
kunde 5 (1885), 310330. 

Schluss 110b: Nota bene. 

In mijn lyden will ie verblijden 
Ende mijn ghebare oft in my gheen lijden enware. 

Über die Litteratur der Rimspreuken vgl. die Zusammenstellung bei Petit, 
Bibliographie S. 151—154. 

111® Ein anderes didactisches Gedicht auf den Tod. 

Ic wil leuen ende ie moet sterus (s. Anhang). 
111b ABC-Verse: Aen siet wanen ghy commen syt 
Besiet hoe cort es hier den tijt efe. 
Vgl. Mone, Übersicht S. 281 Nr. 400. Der Schluss weicht ab. 


176 IV. OxrFrorn 


112* Aur:e Prosastücke geistlichen Inhalts. 

Anfang: Meester «du leeres my vremde consten maer leert my: Dat ie 
ghedoochsam werde --- Schluss 114% mit den Versen (vorher ein Trartat von 
den 7% Dingen, die ein Mensch beobachten. soll): 

O menschen: Och nv meret wat ghy verliest 
Die tijdelie goet voor euwich kiest 

Want alst comt int sceeden 

Zo en heeft hy gheen van beden 

Ende jeghen die doot en es gheen seilt 

Elc leue also hy steruen wilt. 

Darunter (dieselbe Hand, rot): Dit was ghescereuen int Jaer ons heere 1467 
den 17.2 (dach van februarius. bit voor haer die dit heeft ghesereuen. RB me 
S. R. 

ıv. Bl. 115—162 (129 —176 alt). Perg. Zweispaltig zwischen Linien yge- 
schrieben. Raum für Initialen freigelassen. Lagen zu 8 Bl. Am Schlusse 
unvollständig. 

Anstandslehre für Knaben (Prosn), altfrz.-mıl. 


1153 [O] benoite [0] ghebenedide 
sante tnite helgh drievuldicheit 
pere et filz vater ende zone 
Et saint esperit Ende heligh Geest 
Qui estes vng Die ziet, en 
en deite in der godheit 
Aides moy a ce helpt my te dien 
Que jay entrep's dat ic hebbe ödernome. 
Schluss 162 Comme plus Soe hy meer 
est il riche - Rijke es 
plus il mendie z0 meer hij claecht 
Ta chose doivs dden dine zuls (bricht ab). 


Zur Geschichte: die Notiz auf 99® (s. oben) und die Ikinerarien in ı 
machen es höchst wahrscheinlich, dass die Hs. zu Brügge entstanden ist. 


173. 

Mise. 318. Pap. xvır. Jh. 267 Blätter. 20,2x15,4, durchaus von einer 
Hand in gefälliger, feiner Schrift. Lagen su S Bl. Einband wie Nr. 172. 

(rebetbuch. 

1° Titel: Allerlai schene gebet wider mererlai anligen vnd anfechtungen 
des Teüfels vnnd seines Fürstenthümss der weldt ıc. Belehrungen über die 
rechte Art zu beten, Auslegung des Paternoster, zahlreiche Prosagebete. Darun- 
ter folgende in Reimen: 14% O Gott vatter im Hegsten Tron — 

Sei globt vnnd Preist in ewigheit (12 Zeilen). 


7 e; 


1 


172 — 173 17° 


Auschliessend: O Gott vatter in Ewigkteit 
Siech an mein Jamer vnd Herzeleidt — 
Sei in ewigkheit gelobt vnd gepreist (22 Zeilen). 
36% Lehr vnd Erinnerung im Creitz. 
Das f in Jesu Christi Hannd 
Bedeit im F der Christen Stannd — 
Inn all Vier Ennd der gannzen Erdt. 
Anschliessend 37%: Trost vnnd Vermanung im Creitz. 
Darunb soll kein Christ im F verzagen 
Dan Christus selbst das 7 hilfft tragen — 
382 Das Oberst Orth hoffnung erhelt 
Der Querbalckhe die Lieb darstellt. 
79». 81b. 32a, 82b, 83° Prosayebete mit gereimntem Schluss. 
84b Ein Annders; Das 56 (Vmb Gottes Hilf an Lesten Endt). 
OÖ herre Got in meiner Noth — 
Wollest du mier geben | das ewig Leben (3 sechszeilige Str.). 
Warkernagel, KL. 4 Nr. 398. 
Anschliessend: Ein Annders 57 (Umb hilff in Angst vnnd Noth). 
Hilff Helffer Hilff in Angst vnd Noth — 
Hilf helffer hilf drauf sprech ich Amen (3 vierzeilige Str.). 
A.a. 0. Nr. 345. | 
Anschliessend S5® Ein Annders 58 (Umb hilff in der Sterb Stundt). 
Ach Herr sey du mein Zuversicht — 
Das ich bey dir Leb ewiglich | Amen | (5 v.erzeilige Str. und 1 
sechszeilige). 
86° Ein Annders 59 (Trost der Menschwerdung des Sohnes Gottes). 
Ich armer Sünder gar nichts bin 
Allein Gottes Sohn ist mein gewinn — 
Dich lob vnnd Preise ewiglich. Amen (9 Ferspaare). 
4. a. O. Nr. 258. 
S6P Ein Annders 60 (Umb erröttung vorm ewigen Todt). 
Herr Jesu Christ du Treuer Hort — 
Die weert vüd bleibet in ewigkheit. Amen. 
A. a. O0. 5 Ar. 457. 
87a Ein Annders 61 (Umb gl. Hilf zum selligen sterben vnd frelichen 
auferstehung zum ewigen Leben). 
Herr Jesu Christ war Mensch vnd Gott — 
Bis wir enntschlaffen selliglich Amen (48 Zeilen). 
A. a. O. Ar. 1593. 
88° Ein Annders 62. 
Herr Jesu Christ in deine Henndt 
Deutsche Has. in England 1. 23 


178 IV. Oxrorv 


Befelch ich an mein Letzten Enndt — 

Das du O.Gott mir gnädig bist. Amen (14 Zeilen). 
88b Ein Annders 63. 

O Jesu Gottes Lämmelein — 

Dich O herr Goth in ewigkheit. Amen (6 vierzeilige Str.). 
A. a. OÖ. Nr. 458. 
898 Ein Annders 64. 

Hie lige Ich Armes würmelein — 

In alle Ewigkeit Amen. 
A. a. O. Nr. 459. 
89b Ein Annders 65. 

Ach Gott wie manches Hertzeleydt — 

O mein Haillandt wehr ich bey dir (12 sechszeilige Str.). 
A. a. O. Nr. 121. 


93b Ein Annders 69 (Von freit vnd Leydt vber der Lesten zuekunfft Christi). 


Der letzte Tag schier komen wierd — 
Khomb wen du wilt, Ich bin bereit (17 dreizeilige Str.). 
A. a. O. Nr. 71. 
96h. 978 wieder Prosagebete mit Reimschluss. 
982 Ein gantz Lehrhaffter.... Bericht warumb Gott seinen lieben Chri- 
sten das Creitz zuschickt. 
141* Ein kurtzer Einfeltiger Bericht vom Heilligen Abentmall — 207. 


G. CopicEs FrAanNcIıscı Douce. 


Francis Douce hinterliess (F 1834) seine Bücher- und Handschriftensamm- 
lung der Bodleiana, seine Privateorrespondenz ete. dem British Museum; letztere 
soll nach seiner Bestimmung bis zum 1. Januar 1900 versiegelt bleiben. Die 
Zahl der Hss. beläuft sich auf 393 (daxu 98 Urkunden), die der gedruckten 
Bücher auf 17000. Die Hss.-Sammlung ist ausnehmend reich an Werken der 
altfranzösischen Litteratur ; durch die Pracht und künstlerische Vollendung ihrer 
Ausführung aber ragen hervor: der sogenannte Psalter Charlemagne's (1x. Jh. 
auf Purpur-Pergament), die Horae für die Herzogin Leonora Gonxaga, Maria 
de Mediei und B. Sforza, Gattin Sigismunds 1. von Polen. Verzeichnis: Ca- 
talogue of the printed books and manuseripts bequeathed to the Bodleian library 
by Francis Douce Esq. 1840. 


174. 

44. Pap. xv. Jh. 204 Blätter und 2 Perg.-Oustoden. 14x 9,8, von 2 Hän- 
den geschrieben, deren zweite von 196® ab arbeitete. Zeilenzahl verschieden. 
Rote und blaue Initialen, rote Überschriften. Lagen zu 8 Bll., doch zühlt die 
vorletzie nur 4. Alter Lederband. 


173 — 175 179 


Das Buch geistlicher Gnaden der Mathilde von Hackeborn. 

1° Überschrift: Dit is dat (Rasur) boeck van Mechteldis reuelatie ende is 
hoe god die siele noedet mit sinre minnen. 

Anfang: Op enen saterdach doe men memorie ende ghedenckenisse van 
onser vrouwen dede begheerden dese deerne xpi hoer te louen. 

Die Offenbarungen reichen bis 58%; dann folgt ein Capitel: Van den name 
van desen bocc eü van sijnre ratscap. Christus gibt ihm den Namen: dat 
boec der gheesteliker gracien. Darauf 58? Dat is dat derde boee [1 und 2 
sind vorher nicht erwähnt] van dat vingherlijn mit seuen stenen ghetijert. Fol- 
gen 59—179 wieder Offenbarungen, dann einzelnes über Mathildens Leben 
(doch ohne Daten). | 

Schluss: 2035 Ende wilste hebben dat loen der martelar& Soe moetste ver- 
winnen die becoringhe des duuels amen. 

S. W. Preger, Geschichte der deutschen Mystik 1, 79 f. 116 f.; nd. in der 
Arnswaltschen Sammlung, vgl. Jahrbuch des Vereins f. nd. Sprachforschung 10, 
12 Nr. 3138. | 

Zur Geschichte: auf der 2. Custode: Dit boec hoert tot... besloten suste- 
ren bi onser vrouwen in deın wijngaerte utrecht. 


15." 


221. Pap. xvı./xvır. Jh. 234 Blätter. 15xX19,5. Einzelne Seiten mit 
Bilder- oder Wappenschmuck.  (foldgepresster brauner Lederband, im Medaillon 
in Goldschrift: Theodora van Wassenaer en Dvvenvoerden. 

Album amicorum. 

Der Name der auf dem Deckel genannten Besitzerin findet sich wieder (in 
Goldfarbe) auf Bl. 60%; daselbst auch: Vive Teodora et son seruiteur. A.V.S. 

Als erste Einzeichner (1°) nennen sich: 1599 Dieus quen vertu, Margueret 
de Eulenborg. 1599 Ie le regrette, Cornelia Contesse de Lothringen (?). 

Es sind durchweg Adelige, die sich hier in französischer, niederländischer, 
deutscher und lateinischer Zunge verewigt haben. Bald beschränken sıe sich auf 
kurze Einträge, wie: gek wyl hopen en troren nyet, want al myn geluck an 
godt stet. Godt ys myn trost Margryeta van Voerst, oder Schoen wer Ich 
gern, Das bin ich leider nicht. From bin ich, das hilffet mir nicht. Golt hulffe 
wich, das habe ich nicht. Herman von Daell, bald schreiben sie Chansons, 
Sonette, Refereinen ein. Hin und wieder Mischpoesie, so 143® die Chanson: 

Coeur endormy reueille vous 
een lief heb jek wtvercoren 
elle a les yeusx rauis et dousx 
elek mach dit wel aenhooren 
ayan le regard tant gratieusx 
sye is seer reijn van wesen 


180 | IV. Oxrorp 


de bonne grace et coeur joyeux 
eerbaer jn al haer wesen ete. (3 Str.). 
Ein ähnliches Beispiel sowie einzelne Volksliedaufzeichnungen s. im Anhang. 
Zur Geschichte: 1785 gehörte die Hs. Gustavus Brander (1%); dann Ca- 
rolus Combe MD, der sie an Douce schenkte. 


176. 

367. Pap. xv. Jh. (1459). cuxxx Blätter handschriftlicher Zihlung und 
1*—7*. 181*-—195*. 40,5 x 29,5, zwerspaltig (die Spalte von Linien umrahmt) 
von einer Hand zu 52 Zeilen geschrieben. Dlaue und rote, auch blau-role reich 
verzierte Initialen. Lagen zw ‘12 BU, durch Anfangsworte am Schluss be- 
zeichnet. Wasserzeichen: Wage in einem Kreise eingeschlossen. Reicher Ori- 
gtinaleinband, rotbraunes Leder mit fein ausgeführten männlichen und weiblichen 
Figuren, Metallbeschlägen an den Ecken und Resten von Schliessen. 

Excerpta Cronicarum, ein versampnung lusperlicher sachen, tat und ge- 
schichten gezogen aus vil Cronicken }). 

1*—6* Register, nach den funnf Altern geordnet. 7* leer. 

ı%? Dye vorrede ditz Buchs. Wann nunn fruchtper nutz vnd lobliche ist 
dye tatt vnd zeytüg altter geschicht vnd Regirer..... zu wyssen.... vnd 
doch «des yn lateinischer schrifft vnd ‘sprach nicht genuglich vernemend sind 
Darumb ... haben ettliche.... furgenomen vnd vnderstanden .... tatt vnd ge- 
schicht von den zeiten Romischer bebste vnd keyser.....inn diss deütsch buch 
zu zichen..... vnd ist geniachet worden des jars.... von Christi..... gepurt 
1459 des tags Mercury der funfften Nonas July der do was der xı tag des- 
selben monats. 

Anfang: ı® Der almechtig ewig got aus der grossen miltigkeit seiner gute 

Das erste Alter — vınıb, das zweite — xx, dus dritte —- cr®, das vierte 
— CXXX®, das fünfte — 188*. 

Letztes Capitel: Wye sich ptholomeus gegen Julio dem Kayser satzte vnd 
verdarbe. Darnach zohe der kayser Julius durch Sirian vnd kam gein Alle- 
xandria — So haben wir derselben merern zale yn diser Cronicken .... nach- 
geuolgt vnd die gesetze vnmd damit besliessen vnd ennden wir das erste tayle 
vnd puch dieser Cronieken Gebend lobe ere und dannk dem aller höchsten In 
ewigkeytt Amen. 

Dus ganze Werk wnfasste «also mindestens 2 Bände. Das erhaltene nähert 
sich stark den Ilistorienbibeln. 

189*—191* leer. 192* Alphabetisches Register der Numen und Örtlieh- 
keiten. 195* Stammbanın der Kinder Noahs.  197* leer. 


ı) Als Quellen werden genannt: Speculum historiale des Vincentius Bellovacen- 
sis, die Chronik des Martinus Polonus, Titus Livius, Chronik des Bruder Hermann 
» Gigas, genannt Flores teınporum etc, 


175 — 177 181 


177. 

381, ein Grossfolioband, auf dessen einzelnen Blättern sehr geschickt Hss.- 
Fragmente (zumeist lateinische, aber auch englische und französische) aufgezogen 
sind. Darunter als Bl. 131): Ein Perg.-Blatt. xıv. Jh. Bezxeichnet CLXxxXxIT 
(also Best einer einst umfangreiehen Hs... Noch 27,5x 20,4, zweispaltig zu 
33 Zeden (die 1. Spalte nur zu 29) geschrieben. Eine verschieden farbige Ini- 
tinle (zwischen zwei von ihr ausgehenden farbigen Bündern steht die erste Zeile 
des Prologs), ausserdem noch 2 einfache rote und 1 blaue; rote Überschriften, 
rot durchstrichene, herausgerückte Anfangsbuchstaben der Verse. 

Fraymente aus einem gercimten Legendenwerke des Martün von 
Thorout. 

Das Bruchstück, das ich im Anhange vollständig mitteile, behandelt den 
Schluss der Legende von 8. Agathen und den Anfang (nebst Prolog) der Le- 
gende von S.Wernher. Über den Verfasser vgl. v. d. Meersch, Belyish Museum 
3 (1839), 197 ff, wo Bruchstücke aus dem städtischen Archive zu Oudenaerde 
nachgewiesen, tr Inhalt und Dichter besprochen werden. Nach der daselbst 
S. 202 gegebenen Beschreibung scheint unser Bruchstück der gleichen Hs. zu 
entstammen, denn abgesehen von der Zeillenzahl — hier 33 dort 33 — stimmt alles 
einschliesslich der für die Blattziffern verwandten verschiedenen Tintengattung 
überein. — Auch in unserm Fragmente wird (Z. 11) Eename als Entstehungs- 
ort angegeben; als Zeitpunct für die Abfassung der Legende von der hl. Agathe 
nennt Z. 10 das Jahr 1286: darnach würden bis zum Abschlusse des Werkes 
mit der Legende von der hl. Maria Eyyptiaca (1290, vgl. a. a. O. S. 205) vier 
Jahre verflossen sein. Endlich erfahren wir, dass mit Zeile 22 V. 2700 der 
Dichtung anhebt: die Legende der hl. Agathe wird also nicht weit vom Anfanyge, 
an zweiter, höchstens an dritter Stelle gestanden haben. Das Blatt oder, besser 
gesagt, die beiden Hälften desselben haben augenscheinlich als Deckeleinlagen 
gedient und sind erst nach ihrer Loslösuny mittels eines Papierstreifens zum 
Schaden des Textes wieder zusammengeklebt worden. 


H. Copicz:s AsHMOLEANT. 


Elias Ashmole vermachte 1683 seine Hss. der Unirersität Orford. Sie 
wurden bis 1560 in dem Museum Ashmoleanum aufbewahrt, in diesem Jahre 
aber nach der Bodleiana überführt; ihre Zahl beträgt 1830 Voll. Heraldık, (Ge- 
nealogie und Astrologie bilden ihre Hauptstärke. Eine Liste der Hss. findet sich 
schon in Bernards Catalog von 1697 1, 315—357; 1845 ypublieierte W. H. 
Black seinen Catalogue of the manuseripts beyweathed to the university of Ox- 
ford by Elias Ashmole. Index dazu von W. D. Macray 1567. 

') Bl. 76—103 Fragmente aus einem nl. Brevier (xV. Jh.) mit vorangehendem 


Kalender (Monatsnamen nl.); Bl.103—105 solche aus einem nl.-lat. Gebetbuch (Xv.Jh.) 
mit reichen Randverzierungen. 


182 IV. OxrForRrD 


178. 

1291. Perg. xv. Jh. 212 Blätter. 9,7x7. Zwei in Schrift und Aus- 
staltung verschiedene Hss. unter allem braunem Lederdeckel. 

ı. Bl. 1—194, durchaus von einer Hand in zierlicher, kleiner Schrift. Ini- 
tialen. verschiedenfarbig, meist auf Goldgrund und mit Arabesken verziert. Role 
Überschriften, rot durchstriehene Buchstaben; zahlreiche Randverzierungen der 
Blätter, 52 farbige Miniaturen, aber zum Teil fast erloschen. 

Gebetbuch. 

1® Lateinischer Kalender. 

15° Horae stte crucis, Officium- sCte crucis, Missa beatae Mariae, Stabat 
mater, Litania et Örationes ad sanctos ele. — 194®; aber unterbrochen von nd. 
Gebeten auf Bl. 151°— 162°. 

151® Gereimtes Marienyebet (dazu Bild auf 149°): 

Aue morgen sterne 
Troost der eristenheit ete. 


151b Peters von Arberg grosse Tageweise, 
Nu starke vns got in vns® not 
Ik beuele my hir an din gebeth [/. geboth] ete. 
1532 Prosayebelte an Maria, Gott und Christus. 
1582 Zwei Ileimgebete. , 
Für die gereimten Stücke s. den Anhang. 
ı. Bl. 195— 212, von einer Hand. Einfache rote Initialen. Enthält nur 
lateinische Prosagebete. 


I. KEINER SAMMLUNG ANGEHÖRIGE ÜODICESs. 


179. 

Auct. F. 1. 16. Perg. x. Jh. 418 Seiten. 32,2% 23,2, zweispaltig ge- 
schrieben }). 

Enthält, vorn. unvollständig, Vergils Georgica und Aeneis, zwischen beiden 
Serrius zu Bucolica und Georgiea, Commentar eines Anonymus zu Vergil und 
Varia glosemata; den Schluss des Ganzen bildet der Commentur des Servius 
zur deneis. 


Es ist der Codex Rottendorphianus tertius des Heinsius (Auetionscatalog 
tom. 11 9.65 Nr. 15). Den lange verschollenen fand F. Madan 187% in der Bod- 
leiana auf und veröffentlichte seine zahlreichen ahd. Glossen im Journal of 
philology 10, 92—109. Sie wurden wieder aufgenommen in den 2. Bd. der 
Ahd. Glossen S. 716—19. 724 f. 725—27; vyl. auch Z. f. d. A. 23, 260. 


1) S. ausführliche Beschreibung in F. Madans Summary catalogue Nr. 8856, 
der aber erst in Aushängebogen vorliegt. 


178 -- 180 183 


180. 

Lat. mise. e. 2 [alt Bernard 6 resp. 23]. Perg. xıs. Jh. 105 Blätter. 
21,8 x 14. Rote Initialen und Überschriften. Alter brauner Lederband. 

Medicinische Tractate, lat. 

2® Johannicii liber isagogarum, 8b Anathomia, 13° liber urinarum a voce 
Theophili (xvı. Jh), 20° Asfrismorum Ypocratis, 27® Pronostica Hypocratis, 
32® p. [= pulsuum?] Philareti, 35° Techne Galeni philosophi, 56 de dietis 
universalibus oder Ysaac de dietis universalibus. 

Auf Bl. 19%, dann auf 53°. 54* hat eine Hand des frühen xıv. Jh. Re- 
cepte in nd. Sprache eingetragen: | 

19 Past'nake is gut d’ wrave alse si des kindes genesen is. Nim des 
crudes ein bundel &ä salus°" (!) also wil. suht bit wat’e harde an bade se an 
waterbade. so si ut get so gif ire drinke warm. dit do tin dage. Of dat wif 
rasende wirt. so roke si bit de cud erude. Of di mä erstummet so sut d& pa- 
st’nak@ an wat’e vn gif siuen dage drinke. h’ sprecket. 

Golda is gut to spile (= spilde) so m& wiscet pulu® si an wirp si an dat 
water so wile wise (l. wile wisce = visc) ire bitet h* snewet. allet dat blint 
wirt gebore dat w® (!) sende of mä it ime giue nutte. gif it droge wn nat. 

Gamädrea is gut den warlosen meschen, of mä sin nuttet. suht si. mit 
starke wine of mit eteke. an drinket dicke vn dua dig dar mide it gudt. 

Sigilata is gut deme dat blut weret an de lide nal (l. mal?) pulu® mitte it. 

Hertes tunge is gut d’e di uuorme of di d’me so we dot. dat he nuet ne 
mag slapen. Drinke dit erut mit nue gesodene® bire. di worme st’wen. dat nim 
dikke. 

Samwort is gut deme di clenen worme an den buke wasset. pulu°® un it 
it so wo du mag. 

Basilea is gut de di luttel worm an dat lif cumet slapede. suht di worte 
bit wat’e. vn lat it colen. vn menget mit morate ah mit eteke so gif ime drinke 
di worm sterwet vn weret wä ime. ÖOc is si gut deme dropegen möschen. nutte 
dat sap mit pepe ah mit wine ah drink. strice an di stat dar di drope is he 
geneset alto hant. 

Of tu dat antlitte wile scone make. Nim wiroc an mastix an stot it mit 
eteke an stric ah din worehowet. it wittet. so der tribulo (tribuls?) dat witte mal 
mit wat’e dunne ah dua dar mide. du scone*®. 

Grensine is gut de wrawd di to wile d® mine geret pulu* en wü gif ire 
nuhte so geh’met si. Solis (!) is gut to möslik& dinge di mit wrow& nich mag 
gewesen. Nim des wrsmes (!) gemete ah pulu® bit honegei ä bit wine gemeget 
so nimet d’ mä h’ geneset. 

53b Di wile scriue nim biuenelle Rute yserenhart stot dat to samene maket 
to drinke mit vine (54°) un drinkg it auedes vi morgens. it v*driuet dat blot 
van den ougen. Tu (!) deme rude an den Rossen. Nim Alas (!) birn to aschin 


184 IV. Öxrorp 


make louge. dar mide bade it. it geneset. Alse de geburt ds wiuen to deme h’ten 
cumet. So sal m nem biwot vi polei. agrimonien. millefoliü ah osternen. an sto- 
ten al datsam ah nem dat sap. ah do dar to ein luttel wines. an do dat I einen 
pot an sut dat eine wile. alse it «lan is v'wallen so salmö it wä de wre nem. vü 
nem castorien vn stot to cleine pulu‘e vB spreue dat pulu? uppe dat erut. vn 
sut av° dat erut. als it wal gewalle is. so lat it kole vn gif it lau drinke wilek® 
wrous so dise sake wirret di du m sitt@ uppe eine stol vn lat ir di hitte ah 
dat lif undene selan vn bestoppe si wol alumbe so cumet ire (bricht ab; eine 
Zeile weggeschnitten). 


181. 


Add. A. 92 [alt Add. ı1. C. 12]. Pap. xvı. Jh. 20 Blätter. 14,4 x 10,5, 
einspaltig mit roter Tinte geschrieben zu 15—16 Zeilen. Lagen: die 1. zu S, 
die 2. und 3. zu je 6 Bi. NModerner Einband. 

Deutsche Sprüchwörter (Autograph M. Luthers). 

Anfang 1°: Art gehet vber kunst. 

Da steckts sagitta perfecta iacta. 
Schluss 17®: Was nicht dein ist das las ligen 
Was dich nicht brent das lissche nicht. 
Bl. 18— 20 leer. 

Die kleine Ils. befindet sich in einem Carlton; es liegen bei: 1) ein Folobl., 
Bescheinigung ihrer Echtheit durch den Magister Wilhelm Beeter Dr. phil. 
(18. März 1862); 2) eine solche (24. März 1862) durch Dr. August Hahn, * 
Generalsuperintendent der Prorinz Schlesien und Professor der Theol.; 3) ein 
Grossfolioblatt mit einer (nicht vollständigen) Abschrift der Sprüchwörter 
(xvim Jh); 4) der die Ilandschrift betreffende Ausschnitt aus dem Antiquar- 
catalog von H. Skutsch in Breslau, von dem die Bodleitana die Is. 1565 um 
£ 065 kaufte. — Ein photographisches Faesimie der Hs. ist Add. A. 92*. 


182. 

Germ. b. 1—2. Zwei Grossfoliobände, auf deren einzelnen sehr starken 
Papierblättern 21 deutsche Urkunden aus den Jahren 1331—1470 sehr kunst- 
voll aufgezogen sind. An mehreren befinden sich noch die Siegel. Sie be- 
ziehen sich sämmtlich auf Gmünd und haben entweder Schenkungen von 
Grundbesitz oder von Geld an kirchliche und öffentliche Institute (Pfarrkirche, 
Hospital ete.) oder Privatabmuchungen (Häuserverkauf ete) zum Iihalte. In 
Nr. 4 yeloben Prior und Conwent des Augustinerklosters zu Gmünd für die 
Seele Johanns von Rechberg in Büttringen, der eine Geldspende an das Kloster 
gemarht hat, zu beten; Nr. 20 ist von Sigmund, Erzherzog von Österreich, 
für die Stadt Storchach in Schwaben ausgestellt. Kein Stück ist von besonderem 
Interesse. — Angekauft 1357 für 13 Sh. 


180 --- 184 185 


183. 

Germ. d. 1. Fragmente zweier Ass. unter modernem braunem Papierdeckel ; 
in Goldschrift auf dem Rücken: MS. Germ. d. 1. 15% cent. Fragment». 

I. Bl. 1—4. Perg. Ausgehendes xv. Jh. 29,7 x 22,2 (doch Bl. 1 und 2 
nur 18,5 resp. 17,5), zweispaltig auf und zwischen Linien, der Text der zwei- 
ten Spalte ist auf Bl. 1 und 2 durch Beschneiden geschädigt. Raum. für eine 
Initiale auf 4* freigelassen, einzelne grosse mit der Feder verzierte Buchstaben. 
Es sind 2 zusammengehörige Doppelblätter einer Laye, die wahrscheinlich früher 
zu Buchumschlägen benutzt waren. 


Heiligenleben. 
12 (Legende von S. Nieolaus): An das lant do sant Nicola» wont do 
gingen sie in die kirchen vnd waren gar fro — 42 (Sp. 1) do ward sein vater 


gar fro vnd danckten paid got vnd sant Nicolaus. Darauf (Anfang der Le- 
gende von S. Ambrosius) [S]ant ambrosius der lieb heilge der legt allen seinen 
fleiß doran das er gotes lop volpracht — 4P(Sp.2) wie sie in zu nicht prechte 
vnd kome auch wer (bricht ab). 

ı1. Zwei auf allen Seiten beschnittene Blütter. Perg. xv. Jh. 19,3 x 17,2 
und 19,3X19. Die Vorderseiten von ziemlich gut gezeichneten und bemalten 
Büdern eingenommen: das erste 1% stellt den Raub der Ilelena dar und trägt 
die Überschrift: Wie Paris vnd sein gesellen mit grossem schall in den tempel 
kumen vnd vahen ma[n] vnd frawen auch das gut € // vnd paris vnderwindt 
sich helenen gar zuchtiglich vnd bringen daz zu den schiffen. Das zweite (2®) 
zeigt Achilles zum delphischen Apollo flehend; am Altar der IIohepriester (pon- 
tifex), Achilles’ Begleiter in Ilintergrund. Überschrift: Wie die kunig auß 
kriechen nach dem als sy alle besamnet waren Achillen schickten in die in- 
selen delphos zu «dem aptgot apollo vmb zu erfaren ob sy fur Troien ziehä 
solte vnd wie es in würd[e] ergeen. 

Aus Gurdos de Colonna Iistoria destructionis Troine: vgl. 
Strassburger Druck v. J. 1486, fol. 24° (Sp. 2) — 25" (Sp. 2), fol. 29° (Sp. 2) 
— 30" (Sp. 1). 

1P .. querere quod magis se prebeat nobis acceptunı. Dico gsi lauda- 
bile uobis apparet — 2b Neq; eni maiores nre assueta(!) fuert allg’d (bricht ab). 


184. 


Germ. g. 1. Perg. xv. Jh. (1495). 91 Blätter und die leeren Papierbll. 
1*—3*. 92*—94*, 12,4X 8,8, von einer Hand zu 22 Zeilen schön geschrie- 
ben. Zumeist farbige Initialen auf Goldgrund mit Arabesken; wenige einfach 
rot oder blau, rote Überschriften; mehrmals fein ausgeführte Randverzierungen, 
auf 67b ein Merienbild, dessen Furben gelitten haben. Lagen zu 8 Bil. Mo- 
derner roter Lederband. 

Gebetbuch. 

Deutsche Hass. in England I. 24 


186 IV. Oxrorp 


1b Mondiafeln und astronomische Berechnungen. 

32 deutscher Kalender (zum 29. Januar und 27. Juli S. Karl, Keyser) 
mit deutschen Monalsnamen: Haerdmoent, spurkille maent, meirtzs m. aprille m. 
meymoent. brac m. heu m. aust m. euen m. slaich m. aduent m. 

122 Dit synt die gezyde van den hilghen cruce. 

182 8 Pater noster, gefolgt 20° von xv. pater noster van den lyden ons 
he’n ihesu xpristi. 265 Item ....seuen ynige in deuote Pater noster mit vır 
gebeder van den Iyden ons lieuen he’n ihu xpi. 

542 Gebete während der Messe. 

70b Gebete zu Maria und ein Rosenkranz. Anschliessend: 

802 eyn exempel. Item men leyst van den roesenkrans eyn exempel. van 
eynen preyster dat he up eyne zeyt saich in den geyste wye onse leyff vrauwe 
maria die moeder goitzs geeirt wart mit dyssen roesenkräs dye ere gesprochen 
worden up erden. ynde saich ouch wanne die sproecken aue maria. soe nyegden 
eyr alle hemelsche heer. Ynde so nam sy die rosen van den Aue m inde 
maichde dae van eynen Rosenkrans. Ynde wanne der rosenkrans volmaicht 
was. so sat sy den vp eyr heufft. ynde danket den de in maichget. Ynde dis 
preister saich ouch dat sy in dat boich des ewigen leuen worden gesat. Dar 
zu help maria connynckyne der hemelen. alle den ghenen die dich eren mit 
dessen rosenkräs off mit anderen goüden gebedere dye marien behegelich synt 
Ame. 

Geschreuen is dis rosenkrans vp der setien sleiffer daich 1495 zcer eren 
goitz ih maryen synre leyffer moeder. Yn behoeff Marien beestoltzs her ma- 
thys bestoltzs docht® dem god benaede. Ynde eebedghenoes des vroemen raetz- 
mans Johan müntens burger der keyserlycher heufft stat: Aachen ıcC. 

81#® Die 5 bedroeffenysse Mariens, ihre 7 Worte unter dem Kreutze und 
die seuen vreuden die onse leyff vrauwe up erden hadde wilche vreuden ouch 
geleirt worden van der seluer cönynekynnen marien deme hilgen busschoff synt 
Thomas van cantuarien. 

86° Gebete zu den Wunden Christi. 

Zur Geschichte: 94% Conseriptus est iste liber sub expensis probi et ho- 
nesti viri Johänis müten !) consulis regie urbis aquisgrani. ac dilecte consortis 
sue marie beestoltzs in maritali thoro coniux Idiuidua et legittie perpetua anno 
qui se voluit post ptum dne müdi atque rigine (!) celi: Milesimus quadringen- 
tesimus nonagesimus qultus a frI theoderico clocker (s. Phil. Nr. 538) sacer- 
dote dnö deo militante sub habitu et canolca professione regularium in capitali 
opido tocius gallie. qd est sedes Ivnetiols romanorum regü imperanciü xpI civitati‘ 
per uniu’sü orbem. Laus deo semper. Die Hs. wurde 1889 von der Bodleiana 


1) Derselbe, der in der OÖ.xforder Hs. Auct. F. 4. 20 sich nennt (Horatii de arte 
“poetica explicit felicit’. Finitur p me Johann®@ de Munti die 18. Aprilis 1463)? 


184 137 


beim Verkaufe der Bibliothek Sir Robert Harry Inglis’ (F 1855) at Sotheby’s 
erworben. 


Wie sich erwarten lässt, ist auch die Zahl der deutschen und nl. Prosa- 
gebelbücher und Breviarien, von denen sich einzelne durch ihren Bilderschmuck 
hervortun, keine unbeträchtliche. Ich habe mir angemerkt: 1) Mareschall Nr. 123. 
125.128. 2) Rawlinson Liturgie f.8. f.8* (Lucy claes ijsbrants wijf in hoern, 
Brevier, xv. Jh.). f. 38. E. 9*. g. 4. 3) D’Orville Auet. x. 1. 6. Auct. x. 1. 
24 und 25. 4) Douce 248. 6) Liturgie misc. 37 (xvı. Jh.). 47. 175. 217 
(darin auch eine Predigt auf den Text: dat broet dat ic geuen sal om der 
werlt leu& dat is mijn vleische und S. Augustins hantboec). Ferner enthalten 
die Mss. Arch. Selden supra 82 und 83 (Pap. xvı. Jh., das zweite datiert 1590) 
deutsche Werke über die Kunst Geomancia. Über einige mhd. Verse in H. 3. 
15 des Merton College zu Oxford endlich vgl. Z. f. d. A. 38, 21. 


Yy. 


WIGAN. 


BIBLIOTHECA LINDESIANA. 


Den Grund zu dieser hervorragenden Privatbibliothek, deren Schätze in 
Haiyh-Hall bei Wigan (Lancashire), einem Landsitze des Earl of Crawford, 
aufbewahrt werden, legte David Lindsay, der erste Earl of Balcarres (F 1641). 
Indessen hat sich von seinen Büchern nur eine sehr geringe Zahl erhalten: die 
Bibliothek verdankt vielmehr ihren Reichtum dem unermüdlichen Eifer und 
der keine Opfer scheuenden Sammelfreude des jetzigen, auf litterarischem Ge- 
biete selbst tätigen Earl of Crawford und seines verstorbenen Vaters. Heute lie- 
gen in Haigh-Hall gegen 4000 Hss. und 60000 gedruckte Bücher, ganz abge- 
schen von einzelnen Specialsammlungen, welche Authographen, päbstliche Bullen 
und Ablässe, Staatsproclamationen, Einblattdrucke (besonders English broudside 
ballads) u.a. m. begreifen. Unter den IIss. nehmen an. Zahl, vielleicht ebenso an 
innerem Werte die orientalischen den ersten Platz ein, wenngleich auch die 
europäischen manchen durch Alter und Schönheit hervorragenden Vertreter auf- 
zuweisen haben‘). — Ein Catalog der Uss. wird von dem jetzigen Bibliothekar, 
Mr. J. Edmond, vorbereitet. 


ı) Aus der Zahl der lat. Hss. habe ich mir notiert: Lat.7. Lectionar (beginnend 
mit Weihnacht) des x. Jh. mit zahlreichen, schr merkwürdigen Illustrationen und 
der Dedication (Bl. 12): 

Virgo maria tuus. Hunc librum dat tibi seruus 

Abbas Ruoftus Prumiensis nomine dictus. 

Respice reddentem tibi iureq; vota uouentem 

Tu pia placatum. Faciasq; Tuum sibi natum. 

Ruofertus (Ruotfridus) ist der 10. Abt des Klosters Prüm und starb im Jahre 046, 
s. Gallia christiana xıu, 595 D. 

Bl. 10—2d enthält eine Schenkungsurkunde über ein Reinhard de Rumerisheim 
gehöriges Allodium an S. Maria in Prüm. Unter den Zeugen (Wolfrämo abbate 
adstante d. h. Wolframnus de Bettinga T 1103, a. a. O. 596 D) Waltero de Her- 
lingesdorf, Vizone de Budenisheim etc. Ortsnamen: Michelinbach, Weferisheirde, Wi- 
uclesdal, Adelhelta, \Winecheburne, Smedebaneuede, Vdenhelta, Hedelenbusch etec. 


185 189 


185. 

Lat. 105. Perg. xuı. Jh. 186 Blätter. 27,2%x19,6. Verschiedenfarbige, 
mit Tiergestalten reich verzierte Initialen; Bl. 6—13 enthalten ausschliesslich 
34 in einem etwas rohen Stile ausgeführte Illustrationen, Scenen aus dem Le- 
ben Christi von seiner Geburt bis zur Himmelfahrt darstellend. Von Bl.14 ab 
Lagen zu 12 Biü., am Schluss eine von 6 Bll., der aber jetzt das lelxte fehlt. 
’orangeht: DI. 1—2 ein Doypelblatt, gefolyt von 3 Bll., den Resten einer Lage 
von 6 Bll., und endlich zweimal je 4 zusammengeheftete Einzelblätter (die Bild- 
lagen)!). Alter Holzdeckel mit rotem Lederberug; 2 wohl erhaltene Schliessen 
in Vogelgestalt. 

Bl. 1—2; von einer schönen, klaren Hand des beginnenden xıv. Jh. in 
je 2 Spalten zu 36 Zeilen auf Linien und zwischen Linien beschrieben. Ab- 
wechselnd blaue und rote Initialen, rote Überschriften. 

Übersetzungen Bedascher Tractale und eine kleine Receptsammlung; ge- 
naueres darüber und Abdruck der Stücke selbst unten im Anhang. 

‚Anfang 1° (rot): Hie merke wie sich dv! iar erziehen an allen dingen 
vmb v'bel oder gvt. 

Schluss 2b (Sp. 2): vn trinke es es (!) also warmes. es hilfet. 

Bl. 3—5 Kalender; doch unrvollstündig, da mit den 3 ersten Blättern (s. 
oben) die Monate Januar bis Juni fehlen. Scheint von derselben Hand wie die 


Lat. 15. Cypriani epistolae et opuscula (auf der letzten Seite: Orate pro 
Bartolomeo Abbate), vım. Jh. 

Lat. 94. Hymni latini, x.|xı. Jh. 

Lat. 97. Evanygelia latina mit der Buchmarke des Grafen Wartenberg, Bi- 
schofs von Regensburg, und dem Eintrage (Xv1.Jh.?) auf Bl. 1: Hoc Evangeliorum 
Codice usus fuit S. Anscarius dum esset in vivis et multis exinde saeculis in Ecclesia 
Bremensi veluti sacer asservatus est; doch möchte ich das Alter des Codex nicht über 
das Iunde des x. Jh. hinaufrücken. 

Lat. 98. Evangelia latina, X.|XI. Jh., mit den fein ausgeführten Bildern 
der Irvangelisten geschmückt; gehörte 1314 nach S. Maria in Walbeck (Statut aus 
diesem Jahre von Ludolfus dei grä Decanus totius Walbicen’s ecc’e ausgestellt Bl.10). 

Lat. 101. Vita S. Columbani, x. Jh. 

Mit Ausnahme von Lat. 7 stammen sämmtliche Hss. aus der Auction der Bi- 
bliothek Bateman’s (Mai 1893), der seinerseits die Nrn. 15. 94. 98. 101 beim Ver- 
kauf der Hss. Libris erworben hatte (s. Auctionscatalog 13859 Nr. 298. 217. 358. 269). 

Ich erwähne noch Lat. 27. Perg. xıv. Jh. fol. Speculum humanae salva- 
tionis in Versen seines früheren Besitzers wegen: Volprecht von Schwalbach, Statt- 
halter der Boley Franck&, Commöthur zu Elling& vn Nürmberg, Teutsch Ordens (Buch- 
marke). 

!) Wie die Bildblätter machen auch die vorangehenden Bil. 1—5 den Eindruck 
ursprünglicher Zugehörigkeit zum Codex; sie werden bei Herstellung des Psalteriums 
leer gelassen worden sein, um kalendarischen Aufzeichnungen zu dienen. Diesem 
Zwecke wurde, wenn auch erst spüt, Rechnung getragen. 


190 V. Wiıcan 


vorangehenden Stücke herzurühren; lateinisch, doch die Nacht- und Taglänge 
immer deutsch, x. B. zum Juli: (rot) Dv! nacht hat vıı stvnde. d’ tag XViI 
stvnde. 

Bl. 6—13 die bereits erwähnte Bilderreihe. 

Psalterium latinum. 

Anfang 14%: Beatus vir qui non abiit in consilio impior — Schluss 180® 
(mit dem Canticü Symeonis): Nunc dimitis (!) seruum efe. 

Es folgt Pater noster; Symbolü aplor; Fides Athanasii; Letania; Preces, 
abbrechend 186P: Deus qui es scor tuor splendor mirabi... 

Zur Geschichte: Lord Crawford erwarb die Hs. bei der Auction der Di- 
bliothek Bateman’s (at Sotheby’s, Nr. 1508). Bateman’s Buchmarke findet sich 
auf der Innenseite des Deckels. 


186. 

German 8. Perg. xv. Jh. 14 Blätter, welche eine Lage bilden; voran gehen 2, 
es folgen 6 leere Papierblätter (auch Bl. 12 ist leer). 21,7X 18,1. Zwei farbige 
Initialen mit Arabesken, rot durehstrichene grosse Buchstaben, Schrift des Textes 
abwechselnd schwarz und rot. Bl. 1. 28. 78 ausgenommen sind die Blätter mit 
zahlreichen, curiosen Illustrationen bedeckt, oberhalb, unterhalb und seitlich 
welcher der Text sich befindet. Alter Holzdeckel mit braunem gepresstem Leder- 
bezug. 5 Metallknöpfe auf jeder Seite, eine Schliesse. 

Kein alter Titel; doch steht auf Bl. 1% von jüngerer Hand: Vera scientia 
alhimie in figuris, darauf wieder von anderer Hand: Warhaftige erkentniß der 
hochsten erzeney. Von dieser Hand auch auf 1®: 

Laß dich die gselln nicht betriegen 
Verhaisen vil thun gwaltig liegen 

Dz gelt sie hofflich aim abschwazen 

Drob manncher sich im Kopf thut kratzen 
Bistu gescheid behalt das dein 

Ines (unleserlich) kunst ist algemein 
Sche du selber zu deinen Sachen 

So kanstu wol aus Bley golt machen. 


Anfang des Textes 2* mit einem gereimten Prolog: 
Die gewalt peynigt mich nackendes weib 
Wann vnselig was mein erster leib 
Vnd noch nie muter was geborn 
Vntz ich zum and’n mal ward geborn 

5 Do gewan ich aller krewter würtzen kraft 

In aller kranchheit wart ich sighaft 
Meins suns nam ich da war 
Vnd kam mit ym selbander dar 


13 


10 


20 


30 


40) 


185 — 186 | 191 


Do ich sein ward swanger 

Vi gepert auf einen vnfruchtpern anger 
Ich ward nıueter vnd beleib doch meyd 
Vnd ward in meinem wesen angeleyt 
Das mein sun mein vater ward 

Als got geschickt hat wesenlicher art 
Die mueter die mich hat gepert 

Durch mich ward sy geborn auf diser erdt 
Eins zubetrachte (!) natürliche v’wund’n 
Das hat das gepirg meysterlich v’slunde 
Daraus kome vier in eyn 

In vnßem meysterliche stein 

Va .siben in driualt bedacht 

Vnd mein wesen volbracht 

We’ daz bedenken kan eben 

Dem ist der gewalt gegeben 

Daz er alle kranckheit dut v’treybe 
Aus metallen vü mensch& leibe 

An gotz hilf niemät das mag gebawen 
Nur der sich selbs kan «durch schawen 
Aus mein’ artz (!) entspringt ein baum 
Da’aus rinne zwen pläü (= phlum) 

Der ein flewst gein oriet 

Vnd der and’ gen occidet 

Daraus adle’ flige vi ve’prinen yr gevid’ 
Vnd vall& plos in die erde nid’ | 


5 Vn w’de die gefid’ hin wid’ gar schö 


Vnd sint vnd’tenig sun vnd mon 
Gott der allmochtig schopf’ gut 

D’ hat alles in sein’ hut 

Wem er es gibt furwar 

De’ vernimbt d’ meyster sprüch gar 
Das er bedenckt das kunftlich leben 


Als leib sel gefugt werde eben 


Das sweben in irs vat’s reich 
Also halt sich die kunst auf erdreich. 


Es folgen Bl. 2—6b Illustrationen, in der Hs. durch Nr. 1—ıX bezeich- 
nel, mit beigegebener, %. T. gereimter Erklärung. Als Beispiel sei gewählt 


Nr. vır (Bl. 5b): 


Gemach; ein Greis (Hermes) hält eine Tafel mit Sonne, Mond und Pla- 


192 | V. WiıGANn 


neten in der Hand; rechts zwei Meister der Kunst, links Jünger. Vögel, mit 
Pfeil und Bogen versehen, fliegen gegen die Decke. 
Unter dem Bilde: Hermes ein vater der phi kunst bin ich genant 
Manchem phi sun gar wol bekant 
Darum secht die tafel recht an 
Was dar jnn bezeichet sun vnd man 
Die zwen planeten reygirn die kunst: 
Mit hilf des meisters gunst 
Vnd durch mittl yrer natur 
Wirt volbracht die edl figur 
Damit man all krankhet swacht 
Vnd dadurch golt vnd silber macht. 

Über dem Bilde (rot):. Das sind die vogl hermitas mit dem geschos yres 
auf vnd nider fligeüs wirt die kunst volbracht. 

Bl. 7% cin zweiter, nur in den Schlusszeilen gereimter Prolog zu der 
Bilderreihe Nr. <—XvIm. = 

Anfang: Platonis tochter rüft vnd schreit also | Beware mich so bewar 
ich dich ete. 

Schluss 7b: In des edeln goldes plum 

Mit des silbers wol schmackend& rum 
Von einen keuschen vater wird geborn 
Der muter magtum dadurch nit verlorn 
5 Und aus drey& angesicht 
Ain einueltigs wesen geschicht 
Von dem sich d’ rab tut rügen 
Vnd in der vinstern swertz beginet zu fligen 
Der einen adler dan gepyrt 
10 Der eines weyssenn geuiders wirt 
Aus dem ein track dah entspringt 
Der sein eygen zagel verslint 
In der newen stern schein 
Vnd vnd (!) mit den vier roselein 
15 Die andern ding sint torheyt 
Ab’ diß Elixir ist die warheit €. 

Es folgen die Bilder Nr. x—xvım; auf Bl. 12® noch Zeichnung eines De- 
stilliervorganges, DI. 14b von spüterer Hand verschiedene kurze Einträge auf 
alchimistische Processe bexüglich, endlich ein aus alehimistischen Zeichen be- 
stehendes Alphabet. 


187. 
German 13. Pap. xvım Jh. Unpaginiert. 283,6x 23,6. Sehr schöne 


186 — 189 193 


Schrift und zahlreiche, wohl ausgeführte Vollbilder. Holzdeckel mit gelbem ge- 
jresstem Lederbezug. 

1. Titel: Hermetis Alchymia naturalis occultissima vera in transmutati: 
Meta: beides des nass- Vnd troknen Weges ad lapidem Philosoph. hinterlassen 
von Theobaldi Corsini, seinen Erb-Frefind und schüller Joh. Jos. Hub. Frey- 


herrn v. Conrath, der es wehrend seines 283 jähr alters 4mal gearbeitet als 
A? 1460 in Florens. 1508 Coblinz. 1604 Strassburg vnd 1713 Wien alle 
zeit gerecht. 

Dieses Werk will der Schreiber der vorliegenden Hs. ausgeliehen haben 
aus genaden vnd besonderer Freindschaft gegen Ablegung des gewöhnlichen 
Juramentes der Verschwigenheit vnd Verwahrung von dem unschätzbaren Ar- 
eiv (l. Archiv) der sehr Berühmt vnd Hochgelehrt Philosophischen gesellschaft 
deren Herrn Herrn Rosen Creuzern samt Ihren Wappen den 1. January im 
Jahr 1767. 

2. Trockner Weg Sebaldi Schwarzers ad Lapiden Phylosophorü, copiert 
von dessen wahren Original. wie er solches dem Chürfürsten von Sachsen Au- 
gusto ün nach dem Tod Christiani Electoris Ihro Kayl. Majestaet Rudolpho ır. 
in Prag behändiget ete. 

Der letzte (4.) Tractat handelt ausschliesslich von dem Stein der Weisen, 
und will aus dem uralten Ms. eines italienischen Adepten vom. Italienischen ins 
Deutsche 1767 übersetzt worden sein. 


188. 

German 9!). Ein Gross-Folioband (43 x 27,5) des xvı. Jh. (1565). Pap. 
342 Seiten. Alter weisser goldgepresster Papierderkel. 

Titel (von moderner Hand auf dem Schutzblatt): Deutsches Stamm- 
buch 1565. 

Die Hs. zeichnet sich sowohl durch die ausserordentlich grosse Zahl als 
auch durch die feine Ausführung der Wappenbilder aus. Das erste ist das der 
Blanca Maria, diuina Clementia Romanorum regina semper Augusta; es folgen 
die der einzelnen Herzoginnen ete. des deutschen Reichs; zum Schluss die Wap- 
pen mehrerer Graffen die sindt Friesen. 


i 189. 
German 14. Pap. xvnı. Jh. (1625). 50 Blätter (alte Zählung). 27,4 x 18. 
Farbiges Titelblatt: 
Wapen Buch dern hoch vnd wolgebornen Graffen, Freyherren, Ritteren 
vnd Edlen: Welche mit dem Durchleuchtigen auch hoch vnd wolgebornen Für- 
sten vnd Herrenn Leopoldo Hertzogen von Oesterreich Graffen zuo Habspurg 


1) Nr. 188—191 sind ihres heraldischen Inhalts wegen hier vereinigt worden. 
Deutsche Hass. in England I. 25 


194 2 V, Wican 


vor Sempach Anno Christi: 1386 erschlagen: Deren ettliche zuo Königsfelden 
begraben: Sampt andren welchern namen von einem Edlen herren zur selbigen 
zeitt verzeichnet worden: Angeborne Wapen Schiltt vnd helms Cleinoten mit 
sonderer fleisiger nachforschung müy vnd arbeitt zuosam gebracht vnd Illumi- 
niertt: Durch Johan Ulrich Fisch Burger der Statt Arouw: Anno Christi 
1625. 

Bl. 2 leer. Bl. 3 Kurtzer vnd eigentlicher Bericht. Von den Eltesten 
Graffenn von Altenburg vnd Habspurg: vnd vß waß vrsachen vnd anlase: 
das Witt berümbte herliche Kloster Künigsfelden : Gestifftet: vnd gebuwen: 
wordenn (in Reimen). 

Anfang: Allen fromen was Standts vnd wäsenn 

welche diss Sehenn vnd auch Lesenn 
wünsch Ich von Gott Glückselligkeit 

Ewigs Leben Nach disser Zitt. 

Welcher Ihm Wolt Nemen fürr 

ZYV Bschriben: Gründtlich: Nach gebürr: 
von Habspurg: dem Alten: Edlenn Stamen: 
Von dem so hochs: geschleht: har komen: 
Der Hett Matteri Vill zy Mall 

Den Stamen: zv loben vberall ete. 

Schluss 8: da er wird Himell: vnd die Erde: 

entledigen von aller Beschwerd: 
Lob: Ehr: vnd pryss: sy: Im geseidt 
von Nun an Byss in Ewigkeit. 
Amen: Amen: Sprächennd: alsamen: 
Geben zu Arauw: durch 
Hans : Ulrich : Fisch: Im Jar: 
Unsers Heyls: 1624. 

Bl. 9—13 werden denckwürdige Sachen vnd Antiquiteten des Klosters Kö- 
nigsfelden beschrieben (nebst Abbildungen): so wird (Bl. 10) die Abschrift der 
Stiftungstafel des fürstlichen Grabmals daselbst mitgeteilt. 

Bl. 15 Bid: Mars klagend über die vor Sempach gefallenen Ritter; 
Bl.16 Portrait Leopolds ıı., und von da ab Wappenbilder der hervorragendsien 
Adeligen, die an jener Schlacht Teil nahmen. 


190. 
Dutch 1. Pap. xvım. Jh. 17 Blätter. 34x 26,5. 
Wapen-Kaart van Regerings-Leden der Stad Gorinchem van A. 1414 
tot 1752. 
Stammt, wie die beiden folgenden aus der Bibliothek van Nondeloos’. 


189 — 192 195 


191. 
Dutch 2 und 3. Zwei Quartbände (19x26) des xvır. Jh. mit dem Titel: 
Naemen en Wapenen vande Regenten der huijs-sitten armen aende oude zijde 
tot Amsterdam beginnende met tJaer 1440. 


192. 

Zwei Fragmente, welche der Earl of Crawford nebst vielen andern (zu- 
meist lateinischen, wenigen englischen oder altfranzösischen) der städtischen Bi- 
bliothek zu Wigan schenkte, wo sie nun, auf Bl. 80 und 32 eines Grossfolio- 
bandes aufgezogen, bewahrt werden. 

a) Ein Pergamentblatt des xv. Jh, nur auf einer Seite in ursprünglich 
vier Spalten beschrieben. Nuch 23,3%X 30. Einzelne rote Initialen, teilweise 
rote Schrift des Textes. Die Mitte der obern Blatthälfte wird von einer Zeich- 
nung (ÜUnterkörper einer menschlichen Figur) eingenommen; von den Füssen 
aus laufen nach rechts und links rote Striche, von denen die ersteren auf den 
Text der dritten Spalte verweisen; die nach links gerichteten werden zum Te.rte 
der ersten Spalte, die nun infolye Beschneidens fehlt, gehürt haben. Spuren 
weisen darauf, dass das Blatt früher einem Buchdeckel eingeklebt war. 

Diätregeln für die einzelnen Monate. Beginn (Sp. 2) fragmentarisch, 
da eine Zeile ausgelöscht ist: oder du stirbest oder du wurst siech oder du ge- 
winnest grossen sm’tzen vnd gebreste an der lebern vi lest du öch an dem 
zehenten dage in dem selben monet so gewinestu gern die vallede suht — 
Schluss (Sp. 4): [I]n julio so nusse alles dz d.... (Rand beschnitten; die 
noch folgenden 6 Zeilen ausgelöscht oder eingerissen). 

b) Ein beschnittenes Perg.-Doppelblatt des xıv. Jh. Noch 15x 12,3. Grosse, 
schöne Schriftzüge; eine rote Initiale und Überschrift. Offenbar ebenfalls von 
einem Buchdeckel losgelöst. 

Deutsche Beichte. 


1®...ten nicht entroste I sime lidene vn in sime betrubnisse — 1P vi 
geduldig ben I mime lidene va I myme betrubnisze. Ouch das. 2% quamen mit 
nynen ougin d..... (Rand beschnitten) tzu uele. vh tzu lange — 2b nicht 


mit heilekeit also ich solde ...ı dem uirden gebote habe ich ge... 
Vol. den Abdruck unten im Anhang. 


% 


Digitized by Google 


ANHANG. 


2. 
Gedicht auf einen Herzog von Braunschweig. 
(22) Eyn hertzoch waz zu brunenczwich 
In groissen eren vh rych 
Beyde guyt vnde vö lande, 
Unde stont allet yn syner hande: 
Auernen, ffranckrich vn brabant, 
Myssen, dorighen, sayssenlant. 
Er waz gotfortich vnde wyse 
Vnde von alder worden gryße 
By den vyerwerf feyrtzich jaren. 
Er waz milde gelich den arn, 
Aller eren waz er gewann. 
Er hatte eynen iungen son 
Von xxı jare wyse vn frede; 
Er wart starck vn rytt? guet, 
In tornere” vnd in tayffelrunde 
Wart er selber der beste funden, 
In schimp wes er begunde zu 
erste kunde der gude man 
Nu geynt eme geyne strijt bekonie, 
Daz hette eme vil mog& frome. 
Unde waz yn alle lande& freden 
Beyde yn dorffen vü in steden. 
Dye lude seyten alle czijt 


1) Bei dem Abdruck der folgenden Stücke war ich bestrebt, die Hss. getreu wie- 
derzugeben. Ich habe daher alle Besserungsvorschläge in die Noten verwiesen; ab- 
gewichen bin ich von der Überlieferung nur darin, dass ich Interpunction einführte. 


4 I. Beyde von. 14 1. fruet. 18 f. wohl zu lesen: In schimp wes er be- 
gunde. | Zu ernste der guet man kunde | Nu... 22 man würde adversativen 
Anschluss erwarten. 24 ff. die sinnlose Zeile 198,1, ein missglückter Abschreiber- 


versuch, ist zu streichen und etwa zu lesen: Dye lude seyten alle czijt | Hette er em 


10 


10 


Su 


yn ernste vff eynen nijt | Geezeuget yn 


Zeile fellt. 
statt sich ? 


ÄNHANG 


Vnde zü ersten vff yn nijt 
Hette er yn ernste vff yn nijt 
Geczeuget yn sulcher fromheit, 
Er wart der beste rytt® dann 
Der harnesch moicht getrage ain. 
Dar nach uff eynen schon® dag, 
Daz man den sonnö schijn sach 
Weydelich yn deme trone — 
Daz weder waz clare vn schoen, 
Man sach berg vnd dall 

Myt blum& bespreydet uberall, 
Dye beume sach man blugen 


Daz cruyt vsser der erden zugen —, 
Der hirtzoch uber taiffel sas 

Myt syne lyeben sön vnd aß 

In siine hoyffe vnd danckte gode. 


Myt dem qwam gereden ey bode, 
Der ginck yn den sall, 
Er wart enphangen wail 


Vnde ylte sich vil sere. 

Er geynck vur den greissen (!) here 
Vnde sprach myt luder styme elär 
*He’re, dusent gueder iare, 


Godes hulde vnde w’ntliche ere 


Gebuedet uch my he’re, 


Von spanygen der edel konig rijch, 


Der verlorn hayt schedelich 


Lant, stede vnde burge 


Vnde ist gelegen in groissen sorge. 


Sehet, nu mudent in syn lande, 


In czybylyen vill grande 
Von babylon der soldain 


Hette syn geezelt uff geslayn. 

Da vor hette sich manch paulun 

Der konig von arrigun. 

Er hatte daz erliche vö erst begunnen. 
Syn docht* waz also versonne, 


sulcher fromheit |, worauf wenigstens eine 


7 1. schijnen. 30 etwa wudet und Z. 32 da6 »owoö? 


36 aus orlyge (orlyche) 


— 
— 


urliuge entstellt. 


34 1. ouch 


2 199 


Daz sij int landt vö spanig& quä 
Myt eyner juffrauwe vnde mä 
Dauff vnde cristenheyt; 

Dye nam der konig durch edelh! 
Dye iüffraue zu eynem wijbe, 
Uff daz sy konigynen blijbe 
Von spanigen alle ir lebe lang. 
Der konig ist alt vn konig 


. 
ur 


Vnde v’gyecht vor syne& leyde, 

Abe es he nycht mocht leyde. 10 
Gelegen, he’ren, daz clage hye: 

Da lyget der soldain vö psye 

Myt groisser maicht in ey daill, 

Da lyget der konig vö portegall 

Myt groisse volck, des heres crafft. 15 
Myn he’re en hait nit der macht, 

Daz er sich nicht gege ymä we‘. 

Her vmb byet er uch, lyeber he’re, 

Daz yr uch waill bereyt 

Vn yme mit maicht zu stade stait, 20 
Wan yr nu eyn? der beste sijt 

Von cristenheit in deser czijt?. 

Der hirtzoch daz erhorte, 

Ffruntlich antwort uff dye wort 

“Ffrunt, ich wil mich beraden. 25 
Der bode sprach “mit genaden, 

Me boytschaff haib ich, he’re myn, 

Ich gedar hye nit löger syn’. 

Der hertzoch dede eme gebä cleynode 

Dye eme qwame vill eben 30 
Vnde czergelt dez gelijchen. 

Vnde nam vrloff ayn den he’ren 

Vnde danckt ynne der groiss® eren. 


Also der iüge hirtzoch bat synen vader daz er in lyeß [von] hoeff' rijten (rot). 
(32) Bild, der junge Herzog in bitiender Gebürde vor seinem Vater; im 35 
Hintergrunde zwei Hofleute. 


21. na. 8 I. vü krang. 9 1. an? 10 3. Anders he es? 11 etwa: 
Genade (vgl. Zeile 26), he’ren, daz clage ich hye. 17 streiche nicht. 21 l.eyn 
der beste, vgl. S. 200, 12. 29 stelle um: cleynode gebn. 31 vorher oder dar- 
nach fehlt ein Vers. 


zur 


10 


20 


td 
So 


30 


35 


200 


ANHANG 


(3b) Der jüge hirtzoch hatte gehort 


Von dem boden alle dye wort. 
Syn hertz hatte strijdes ger, 
Czu dem vader sprach er 
‘Myne auge in allö mynen dage 
Nye strijt noch storm gesagen; 
Dyesser bedde, he’re myn, 
Layß mich da czu strijde hyn’. 
Der vader sprach “nu lais faren, 
Son, du bist noch iügk vö jaren 
Und bist my eynich kynt, 

Eyn daz rijchste daz man fynt. 
Sulde ich din uber werden, 

Ich moyst von ruwen sterben. 
Slayff vn haib alle din gefoig. 


Ich wil dar senden volkx genöch’. 


Do sprach der iüge vü seyte 
“Vader, so swere ich bij my eyde: 
Vnde moyß ich nyt strijdes plege, 
So sal ich rijiden vnder wege 

So verre, daz ir bij uwer& jare 
Von mir nit kont v’nem& zware’. 
Der hirtzoch antwort yme, 

Czu dem sone “daz ich v’neme 
Daz du vmer wilt strijden, 

So wil ich in kurtzü czijden 
Ffolck mit beden vß almanien, 
Da yr mit ryde sult in spang£&. 
Sich, daz du wißlichä duest 

Ure ere, spart schatz noch guet, 
Myrckent mit rade vn syt kune 


Vnd laint uch alezijt wail zu doin. 


Dez antwert der iüge man 

“Ich sal, he’re, abe mirs got gan. 
Got güne uch der beden myn’. 
Seben mule mit golde fyn 

Gaff eme der vader czu v°ezere 


7 etwa: Dyesser bedde gewere mich, he’re myn. 


Bleyff; vgl. S. 212, 36 mit 213, 4. 
duet, worauf schon ure führt. 


daz yr 


15 für Slayff erwartet man 


27 1. entbieten (untbeden)? 29 1. Secht, 
31 I. myn rade. 


2 20] 


Vnde yn vrber svner eren. 

Ffunffhund‘t rytt® vn knecht guet, 

Von vrlyge wyse vnde frut, 

Gaff Yme der hirtzoch mitte, 

Alle die rytt® von gute syete, 5 
Vnd gab yme ezu rade bij 
Vnde bat daz er gehorsam sij 

Den ryttere vn de wysen- rale: 

Da v6 beywö yme nüm® schade. 

Dyß erhorte die eristenheit, 10 
Manich he’re da waz bereyt 

Uff deser reyBe na spanige wert, 

Do hin «der iüge hirtzoch begert 

(Czu reyßen in daz spägner lant 


Da quä zu syner hant). 15 
Do nam er vrloff' ain de valder, 
Do er hatte syn volk zu gader. 
(48) Nneh zweitägigen Marsche auf Land- und Wasserwegen ist man den 
Feinden nahe. Der junge Herzog heisst die Seinen rasten und entwirft einen 
listigen Anschlag zur Überrumpelung des Gegners, denn: 20 


“Es synt doch heyden vnd honde, 

Herumb ist nit schande noch sunde 

Daz mirs mit Iysten lagen, 

Wie wir yn mogen schaden’, 
Wagen, deren verborgene Ladung in vollgerüsteten Rittern bestehen solle, möge 25 
man bis auf eine halbe Meile aus feindliche Lager heranfahren. Doten, der 
heidnischen Sprache mächtig, hätlen zu erklären, dass man mit reichem Pro- 
nant aus befreundeten Landen komme. Das werde die feindlichen Führer ver- 
anlassen, zu ihnen hinauszureiten. (eschehe dies, so werde er (der junge IHer- 
zog) mit dem Reste der Seinigen über das verlassene Lager herfallen und das- 30 
selbe in Brand stecken. Sobald sie den Feuerschein bemerken, sollen die ver- 
steckten Ritter und die Führer der Wayen unter dem Schlachtrufe von bru- 
nenezwich auf die Heiden einhauen; der Iklfe seitens der belagerten Stüdter 
könne man dann sicher sein. Der Plan erweckt allgemeine Zustimmung: 


1 vrber = urbor. 6 1. Yme einen? 14 f. werden interpoliert sein. 17 das 
zu dieser Scene gehörige Bild steht auf 1b: Der Herzog mit einem Hofmanne; der 
Sohn, ein Schwert in der Linken, bietet die Rechte dem Vater zum Abschiede. Im 
Hintergrund zwei Knappen. Über dem Haupte des Herzogs schwebt ein Wappen, 
zwei s’lIberne Lroparden in rotem Felde, . 


Deutsche Has. in England I. I6 


202 Ä ANHANG 


Sy sprachen alle samen ‘ya, 
Wir enkonnent bessers nyt. 
Na syne rade daz beschyet. > 
Do ılye wage geladen ware, 
7 Da furent also gude lude bij 
Wail gegen hundert rytt’n frij, 
(4b) Vnder kedelen gewapent wail. 
Sy furent bergh und dall 
So lange tzijt, az si vSnamen 
10 Daz sy bij dye heyden qwame 
Vf eyn® halben milen na. 
Den heyden santen sy boden da 
Dye hevdensch spraich kunde 
Vnde enboden ynne mit de müde 
15 Daß sy ub heydensche we'n kome, 
So vill ezu schaden vü czu frome, 
“Daz uch moicht behage wail. 
Dye konig vnde amerall 
Uff den ezelten mule sayssen, 
20 Alles leydes sy vergaissen, 
Sy reden in syden eleyden dar. 
Daz hetten si) v'nomen vor. 
Dye Bein (!) rede alle vmbe 


Dve rechte wege vü dye crüme. 


wr 


Der junge hirtzoch mit gewelt 
Der heyden walte vn geczelt 
Dye dede hey byrne lustelich, 
Er ryeff' “neffe brunnenezwich’, 
Vud dye bij yine waren 
30 Die strytten an daz lebä zwaren: 
Myt stechä vA mit sw’ten hauen 
Man moicht wüder schauen. 
Dye funcken stoba vnd brante. 
Do (az dye karchlude erkäte, 
35 Sy machte sich der kedel quijt 
Vnd ginge hauwen nit grosse nijt 


4 darnach scheint ein Vers zu fehlen. 15 vielleicht: Ez viele.....; möglich, 
dass auch nach diesem Vers eine Lücke anzunehmen ist. 17 !. moicht uch. 

22 si) d. Ah. der junge Ilerzoy und seine Ritter; die Ergänzung vorwar liegt 
nahe, ist aber nicht unbedingt nötig. 23 1. reden. 


2 203 


Uff konIg vn vff ämerall 

Vnde fingen ezu dem selben mail 
Woill funffezich der meisten he’re 
(Sal ich bleben doyt mit eren). 
Dyß horten dye von bynnen 

Vnde sagent vsß der ezynnen. 
Cristen baner sich da funden 
Vnde helm uff dye heubde gebunden 
Vnde bruneezwich rueffe daer. 
Man dede dye clocken uffebare 
Czu sturm luden yn der stat; 
Manich rytt? uff rossen saß, 

Uff henxsten vn uff perden. 

Sij qwams uß mit geberden 

Czu helffen de vö bruneezwich. 

Ee sich dye heyden gewape konilec, 
Do waren =y mit groissen wonden 
(5°) Von den eristen vnd persven, 
Daz sy alle begunde flehe. 

Da beleyff manich heyden doyt 
Man fingk da manchen segelovt 
Vnd furten al ezu hande 

Czu ezybilien vil grande, 

Do sij in gefenckniß sayssen, 

Sanflt gehalden, suß vmaissen. 
Der iüge hirtzoch qwam 

In dye kämer, da er vernanı 

Den konig von spange rijch. 

Er knewet vur yme wirdeclich 
Vnde boyt yme syne «linst sere. 
Do hoyff en uff dye groiß here, 
Er sprach “got hait «lich he’ gesant 
Um behalten spaniger lant, 

Daz wil ich dir geben ezu lone 
Myne konigliche crone. 

Der jüge sprach ‘got lone uch, he’re, 


3 meisten = hoisten. “sy für sich? 15 durnuch fehlt ein Vers. li hier 
folgt auf 5% das den Kampf darstellende Bild mit der roten Überschrift: Also die 
cristen den heyden vil wonden slugen Ee sy sich gewapenten vn ir vil doit verleiff 
(l. verbleiff). 18 vnd persyen terderbt. 21T segelos. 34 1. Des. 


Io 


20 


30 


204 


t 


“.. 
- 


10 


15 


20 


30 


ANHANG 


Abe got wil, ich dez nyt engere, 
Vn wisset daz mich schatz noch guet 
In dem lande nyt rijden doyt. 

Daz ich, he’re, byn komen, 

Daz waz uch ezu ere vn czu fromen, 
Abe ich uch kunde getroiste icht. 
Konent ir eruß (!), es ist geschicht 
Uwer ere uff desen dagh. 

“Dez uch got woil lonen mach? 

“Er gijt den loff, der sege ist sijn‘, 
Der konig sprach “uff die trawe mijn, 
Werestu ey egel vo himelrich, 

So vellet dyr din rede wißlieh. 
Der itige hirtzoch nyt ain Yme Ivet, 
Ee er von dem konlge schiet, 

Er gewan weder alle sin sloß, 
Stede, burge, eleyne vnd groiß 

Dve den heyden da beuore ware. 
Do der konig geweldich 

Weder saß yn syn rijeh 

Geeronet in syn° magestayt, 

Do enboyt er syn& rayt 

Vnde de jüge von brunentzwich, 
Der bij fine quam framelich. 

Der konig sprach "vil Iyvebn kint, 
Wan vr so houelich synt, 

Daz du nyt enwolt dye erone 

Von spanige «dye du schone 
Erwone hette (sy waz verlorn, 

Von recht waz sy dir aim erkore), 
So byt ich dich vor dese he’ren 
Durch got vnd dinB selben "eren, 
Nym «ye gefange, sy sint din, 

Es we’ anders dve schande nıyn, 
Vnd sullet ir nycht vo mir entfan. 
Ameral, konig vnd soldain, 

Dve gebe ich alle in dyne hant. 


14 I. nyt enlyet. Vgl. die zahlreichen Belege bei Kraus, Deutsche Gedichte des 
XI Jh. S. 13% f. 


15 darnach ist ein Vers ausgefallen. 27 auffallend ist der 


häufige Wechsel der Person in der Anrede, vgl, S. 200, 24 ff. 


2 


Dye synt vil besser dä spangerlant: 
Nochtan ist is vil zu cleine, frint, 
Zu gebn noch de ir haint verdient”. 
Der iüge antwert snellich 

“He’re, got von hemelrich 

Moysse uch lone der groissen cere 
(6°) Vnd dye gyflt vö so groisse h’re 
Vnd dye gefangen die ir mir geft, 
Wan nu kein he’re uff erde lefft, 
Dye gyfft dye we’ eme guit genoch. 
Und sy sint woil my gefug. 

Es ist hude ey hoger dagh, 

Uff yr wolt sy daz ich mach 

Myt vns gain in den sal”. 

Der konig sprach “mir liebet wol, 
Waz yr myt yn duet daz ist gedan, 
Sy synt uwer sunder wayn?. 

Der jüge dede dye he’re holen, 

Man gaff vn wasser zu de molen, 
Man aß da frolich vn drang, 

Der hoff waz groiß vnd lang. 

Do dye hoichezijt wa’t errytten 
Unde wart gedain mit hubscha sete, 
Do sprach der jüge vö bruneezwich 
“Ir hevdensche h’ren semelich, 

Myn he’re, der konig, der sy hy, 
Hette syne edel doget fry 

Vnde sijne ere ain mir gedain. 

Ir alle dye hye synt gefangen 

Hayt der konig mir geben: 

Nu radet, wie ich wil mit uch lebn, 
Wan ich nicht ain uch gere 

Zu v’smehen doget noch ere. 

Sy antwort& hubschelich 

“Hirtzoch, mir synt heyme rych, 
Vnd yr synt aller ere wert: 

Nu nemöt vö vns daz ır begert 
Schatz genoich vn laist vns lebn, 


2 vielleicht kint, vyl. S. 204, 25; aber nl. ist vrient die 


11 !. woil na. 
29 1. Uch? 


22 1. erleden (vorübergegangen)? 


205 


lautyesctzliche Form. 
26 ay = syt (sitzt)? 


10 


15 


20 


30 


35 


206 ANHANG 


Myr mogent me rycheit gebn 
Dan spangerlant, weret funff. 
Ffort willent mit vssere Iyue 
Uwer man syn, abe yr begert 
5 — Uwer name ist so hoge v’mert, 
Daz mir mit er& mogen bestain —, 
\Vnd «doynt, waz ir wolt han gethayn‘. 
(6P) Bild [der junge Herzoy ror den 4 Gefangenen, deren einer kniet| mit 
der roten Überschrift: Also der junge hirtzoch myt den gefangen rete vnd sye 
lUsych yme erbodent zu dinst 2C. 

(1%) Darauf schenkt ihnen der Herzoy Lelen und Freiheit gegen das Ver- 
sprechen, nie mehr als Feinde Spaniens sterüchsukehren, ihm selbst aber stets 
freien Durchzug in ihrem Gebiete zu erlauben. Freudig geloben sie dus; er 
entlässt sie, ja begleitet sie noch ein Stück Weges. uf inständige Bitten des 

15 Königs, den die Tapferkeit und Grossmut des Jinglings tief bewegt haben, eut- 
schliesst er sich ein Jahr lang am Ilofe zu bleiben. Der grösste Teil des llee- 
res wurd nach der Heimat gesandt, nur 

Ffunffezich rytter frij 
Belebn dem jüge hirtzoge bij 

u Die bij yme ware zu alle stundö 

In tornere vn in taiffelrunden. 

Ffromheit dye ma moich schauen, 

Sper ezu brechen vor den frauen. 

Den iigen hirtzochn yn aller wiß 

Gefvel der sig vnd der prijb. 

(7’) Eyns dages ezuhant waz, 


109) 
Be 


Do dve konlgyne sas 

(teeronet, getzeret kostelich, 

Der iüge hirtzoch vo bruneezwich 
30 Wart geschossen zu de malen 

Von frauwe vens mit evn’ straln, 

Daz er beuede mit alle luden; 

Dar nach qua snellich gereten 

Der mynen fuer, de de eme bräde 
JH Myt fuer daz \me vens sande 

In eyn® myneelichen gluct. 

Er wyst nyt, wye eme d’ moyt 

So vnledich wa’t vo byüen. 


22 2. dye moicht man. 32 1. leden. 


Er gedachte “wez sal ich begyne? 
Dye frauwe hait my h’tz gestoln. 
Were ich syn kint vü and’s nyt, 
So we’ mir czu vill geschiet 
Gantzer truwe v6 syn& lijbe. 5 
Dye mir den gestolen hayt 
Mynenclichn ane misscdayt, 
Will ich ir my lyden clagen 
Ader wil ichs allen tragen ? 
Ich wil yr clage — sy ist guet —- 10 
Dye wile ich sus bin gemoit. 
Er waz yn karme vü yn trure 
Mynne lyeß hyn nyt durc. 
‘Er gedaicht vort vn weder. 
Czu bette yn ey kam? größ: 15 
Man hatte anxst vor synen doyt. 
(82) Bild |2 Ärzte vor dem Bette des kranken Herzogs; der eine betrachtet 
“ den. in einer Flasche befindlichen Urin des Leidenden], dazu rot: Also (der 
Junghe hirtzoch siech lach vnde man noch ertzten schickte vh =y nit anders 
erk&nen moichten dan er encezundet were ıC. 20 
(8b) Der koning vnd dye besten 
meister von wysen lere 
Dede man kome in kurtzen stunden, 


_ D e@ = 
Vnde sye key suycht ain yme fülde, 


r 


ot 


Anders dan er von bynnen | =: 
Vill Iydens in syn& synnen. 
Eyn heydensche junffrauwe 
Wainde myt der frauwen, 
Der konigynen v6 spanigenlant. 
Astromanya (!) waz ir bekant, 3 
Sye kunde wail in st'nen sehen 
Waz uff der erden solde gescheen. 
Dar ging sy in eyn? naicht 
Vnde laß yn der sterne maicht | 
Daz der hirtzoch yn mynen 35 
Gefange waz vö der konigyne. 
Dez ginge dye jüffraue da er lach, 


2 darnach fehlt ein Vers; ebenso einer (oder mehrere) nach 5 und 14. 
21 f. vielleicht: Der konig vod dye he’ren | Die besten meister von wysen leren | 
Dede man (Deden sy).... 26 ergänze: hettec. 


208 ANHANG 


Ffruntlich ezu yme sprach 

“Vll ezarter, lieb’, edeler he’re, 
Gienesent durch uwers selbs ere. 
Waz ich vo syechdage mach wese, 


Daz weyß ich woil, ich hä gewese 


.n 
2 


In den planeten in daz firmament: 
Venus hait uch czu gesent 
Ganz myne ain myn frauwen. 
Ich sage uch daz in gude truwe: 
10 Sy mynt uch me wan yr sye duet. 
Dar vmb hant frisch& muyt, 
Verlijehet uwer söne entgein ir 
Und sacht mir ezware, 
Ich ensals gesagen nümer eynich wort. 


en 


7 Nach einigem Zögern gesteht ihr der Herzog die Wahrheit, gibt aber zu- 
gleich seinen Entschluss kund, eher zu sterben, als dem guten, alten König 
nit schnödem Undank: zu lohnen. Darüber sucht sie Im zu beruhigen, auf 
alle Fülle werde er bald von ihrer Frau hören. Sie verfasst ein Sehreiben an 
die Königin, worin sie in eindringlichen Worten die tiefe, verschwiegene Liebe 

20. des Ritters schildert und ihr rät, dieselbe u erwiedern. Die Königin findet den 

Brief auf ihrem Bette liegen, liest ihn und begiebt sich, nachdem sie ferneren 
Tat der Dienerin eingeholt hat, an das Bett des Kranken. Da gesteht sie ihm 
ihre Gegenliebe und verspricht immerwährende Treue |darwu Bild auf Ye]. Rasch 
gesundet der Herzog unter ihren Tiebenden Worten; aber entschlossen, dem Rö- 
25nig Treue zu wahren, nimmt er plötzlich Trlaub auf ein Jahr, um in das 
Land der Heiden, seiner ehemaligen Gefangenen, su stechen. Wohl empfangen 
und von ihnen und ihren Frauen reich mit Kleinodien beschenkt, hilft er ihnen 
nun seinerseits gegen räuberische Horden, die für unbesiegbar galten.  (irosse 
Beute und viele Gefangene macht er; aber- alles sendet er nebst Briefen an die 
30 Königin von Spanien, die, von Liebe und Sehnsucht nach dem Helden ver- 
zehrt, nun selbst schwer erkrankt. 
(102) Do der hirtzoch hat gemacht freden 
Von den reubere in alle steden, 
Er qwam ezu lande weder abe 

35 Vnde kerte byn vo der heydeschaft. 

Dez dye heyden waret blijde. 

Er ging in kurtzer czijte 

Do er dye konigynen sach 


4 I. Waz ie. 5 2. han gelesen. 12 f. ursprünglicher Reim: hare : teware; 
I. syane 36 heyden] gemeint sind wohl die räuberischen Horden. 


2 


Dye syech uff’ yrr& bette lach. 

Er fragede, wie es yr stunde bij. 
Sij sprach °hirtzoch frij, 

Wult yr, es sal wail vmb mich sijn. 
Auch mogät ir mir ey st’ben gebi. 
Er sprach “fraue, alle my leben 
(10P) Will ich doyn noch uwere begere, 
Daz layß ich nyt vmb nyemant. 
Sy sprach “wilt ir daz ich leben, 
Ir sult mir louen vnde geben 

Dez uwer truwee ezu eyn& pand, 
Daz yr myt mir vsser lande 

Uch sult eyn cezijt verlyessen, 

Ader ich wil den doyt erkyesen’. 
Er sprach “fraue, durch edelheyt 
Sehet ain uwer hubscheyt. 

Sy sprach “sagent dar gege nyt, 
Ich wil daz my wil geschiet. 

Ir sult den koninck doyn verstain 
Daz uch bryeff synt kome sayn, 
Daz uwer vader sij gestorben, 
Vnde rytt® vnd knecht hät erworben 
Daz sy vö uch uwer lehen allevne 
Entphange willent grois vü cleyn. 
Wan yr moist zu lande in ezijten, 
Dan sult ir czu sent iacob rijden 
— Dye stat ist vnsser eygen —, 
In der h’eberg& myn ..... (?) 

Sult yr rijden vn belijben da; 

Ich sal uch sycher rijden na’. 

Der hirtzoch sprach “fraue my, 
Waz yr wilt daz sal sijn. 

Er qwam czum koning da 

Vnde sprach Yme mit wo’t& czu, 
Als yn nu dye fraue hyeß. 


In Gnaden entlässt ihn der König, nachdem er noch einmal vergeblich 


4 darnach fehlt ein Vers. 


20 l.ain(=an). 


8 l. daz en layß ich mir vmb nyemant weren? 


23 l. irlehen. 28 vielleicht: In der h’eberg& myn gebeyten | 
Sult yr. rijdet vü belijbet da; auch rijden etc. als 2. P. Pl. wäre möglich: Weinhold 
8 369. 33 f. I. do :: zo. 


Deutsche Has. in England 1. 


97 


.. 
Bee | 


10 


LO 
ja | 


30 


910 ANHANG 


versucht hat, ihn zur ‚Annahme der Krone zu bewegen. Der junge Fürst reitet 
heimlich nach S. Jacob. Am nächsten Tage bittet auch die Königin ihren Ge- 
mahl um Erlaubnis, eine gelobte Reise dorthin antreten zu dürfen: davon er- 
hoffe sie Genesung. Der König befiehlt, schleunigst alle Vorbereitungen zur 
5 Reise zu treffen |Bild auf 118: Zwei Pferde werden für die Königin und ihre 
rertraute Dienerin rorgeführt|. Marschall und Hofmeister nebst zahlreichem 
(iefolge begleiten sie. In der Nähe von S. Jacob hält man in einer waldigen 
Gegend an einem Flusse Rast. Nur von einer Dienerin begleitet entschwindet 
die Köniyin unter dem Vorwande rines Spa:ierrittes bald den Augen ihres Ge- 
10 folges. Als der Abend herankommt, ohne dass sie zurückgekehrt ist, wird der 
Marschall unruhig nnd lässt nach ihr suchen. Man findet zwar die Dienerin, 
die das Pferd ihrer Frau hält, von der Königin selbst aber keine Spur. Endlich 
stösst man am Flussufer auf den Mantel der Fürstin und sieht im Sande ihre 
Fussspuren: da man glaubt, sie sei ertrunken, erhebt sich grosser Jammer. 
15 Man kehrt nach Serilla zurück: vorauseilende Boten überbringen die schmerz- 
hche Kunde dem König, der glänzende Trauerfeierlichkeiten anordnet. Die Tot- 
yeglaubte ist aber Dank ihrer List inzwischen nach S. Jucob gekommen und 
hat durch eimen Boten den IHersoy zu sieh bescheiden lassen. Nach einem 
hastigen Mahle eilt er zu ihr: 
20 Bynen der ezijt waz er gegain 
Czu der frauwe vo spanigelant 
Vnde nam sy heylieh mit der hät, 
Daz es nyemant vernam. 
Bynent der porte hey mit ir quä, 


IC 
“> 


Do sy dye gantz nacht behuyt 
Blijben yn eyner herberge guet, 
In freuden sunder vnkuesscheyt, 
Also gelieben mit erlichevt. 
Bald wird der junge Fürst von seinen Dienern vermisst und, als sie keine 
30 Spner von Ihm finden, für tot gehalten. Die Kunde bringen sie seinem greisen 
Vater nach Braunschweig. Indessen hat sich der Herzog mit der (Geliebten 
nach Venedig begeben, wo ste wohl ein Jahr lang in ungestörtem Glücke leben. 
(13°) Ez waz yn eyme schon& somer. 
Der hirtzoch sprach “mir ezwey 
35 Willent spelen faren vber see, 
Ist uch genuchlich, fraue fyı?. 
Sij sprach “he’re, ich bin gemuyt 
Czu done waz uch Jduncket guyt”. 
Sij reden ezelden pde sachte, 


36 darnach wird ein Vers fehlen. 


2 211 


Suß warent yr gedaichte 

Und mynenclichh ezu samen. 

Do 5ij czu dem wasser qwame 

Vnde qwame ayn dye sewen, 

Da sagent sij eyn linde stain, 

Dye GZwyge grune as eyn wölder: 
Dar satten sy yr perde vnder 

Vnde sayssent durch dye kulde neder 
Want heyß vn dorre waz daz wed®. 
Er lach myt d& heubet bloyß 
Ffruntlichn in der frauen schoiß 
Unde seyte ‘vill ezarte frauwee, 

Myt rechte ich nach uch trag& ruwe, 
Daz ich uch ye vß spang& leyte 
Vnd ich mich dar czu ye bereyte. 

Ir warent recht konygynne, 

Man dede recht na uwere syne. 
Hirtzoch, he’re vn greyffe rych 
Dyenten uch vill herlich: 

Sulche dynste synt uch nu dure. 

Sıj sprach °he’re, in alle uweren 
Daz moyB ich elag& mit macht: 
Uch selber hain dar czu braicht, 

Daz yr v‘lorn waret ey czijt, 

Ir waret doch in uwer ezijt 

Der beste rytt® vff erden 

Ccu dem sper vi czu den swerdg; 
Dez uwer name stont vil ho da, 
Dez hatte my hertz lijden na. 

Doch haib ich uch vor alle ding lieb’. 
Von ruwen der hirtzoch da entslieff 
Vil faste uff der frauwe schoiß. 

Sy gedaicht “wir siin noch hynot bloyß; 
Wo ich bij desem edel man 

Langer blijbe, so synt wir dan 
Beyde v°lorn, ferre vnde na. 

Es ist guyt, daz ich yme entga. 


4 |. se: st& (apocopierter Infinitiv). 8 dazu das Bild auf 12b: Der Herzoy 
und die Königin sitzen neben einander auf einem Wiesenplan. 16 recht scheint 
nur aus der folgenden Zeile heraufgekommen zu sein. 21 !. in alle ure (= hora, 
stunde). 23 Il. hain ich. 29 darnach scheint eine Lücke zu sein, 


10 


15 


20 


3u 


212 ANHANG 


Ich kan woil wyreken in sijden, 
Vogel beyssen vnd verblijden 
Dez mesche hertz mit .. ansehen. 
Er sal czu lande weder keren 
5 Vnd folg& rytlicher eren. 
Er sall mich suechö doin gereyde, 
Wir moichten noch zu same beyde 
Weder kom&@ ey czijt her na: 
Es ist besser, daz ich eme entga’. 
10 Do sy sas in desem gedanck, 


Laicht sye yme sijn heufft sacht 
In den sant sunder wee 
Vnde ginck fort gege dem see. 
Ir fuyßtrappen belebä in de sand. 
15 Eyn kaufman ging uff de lande 
Myt sijn& geselle spelen da, 
Eyn schyff stund dem lande na. 
Er waz vß heydensch vö baldach, 
Er beydet guden windes, da er lach. 
0 (14°) Bild, dazu rot: Also dye konigynne von dem hirtzogen entran vi 
lyeß yn Iygen slayffen vnde czu eynem schyff quam vff dem see :c. 

(14b) Die Königin bittet den Kaufmann, sie in sein Schiff zu nehmen. Er 
sagt zu und geht, da sich gerade ein günstiger Fahrwind erhebt, sofort unter Segel. 
Der Herzog findet sich beim Erwachen allein und sieht bald zu seinem Schrecken 

25 die zum Meere führenden Fussspuren. Er befürchtet ein Unglück, will indes- 
sen nichts untersucht lassen, die Verlorene wieder zu gewinnen. Ihren Zelter 
schenkt er einem Armen und reitet landeinwürts. Da kommt er zu einem alten 
Liitter, dem Rate seines Vaters. Er giebt sich ihm zu erkennen und hört die 
Trauerbotschaft vom Tode des alten Ierzogs und vom Aufruhr im braun- 

„U schweigischen Lande. Mit des Getreuen Hilfe kommt er in den Besitx seines 
rüterlichen Erbes, aber unermüdlich setzt er die Nachforschungen nach der rer- 
schwundenen Geliebten fort. 

(15%) Do dye frauwe waz in baldach, 
Der kaufmä wüneelichä sprach 

30 “Ffraue oder iüffraue, wie daz sij, 
Slayfft yn myn& huiße frij. 
Drutzehen dage da ynnen 
‘Sult ir uch v’synnen, 


— 


3 darnach ist wenigstens ein Vers ausgefallen. 10 f. I. gedaichte : sachte. 
17 1, Syn? 


2 213 


Wye ir uch moicht aller best generen 
Tugentlich vnd mit eren”. 
Dye fraue seyt yme groiss6 däg, 
Sy beleyff drutzeh& dage lang 
Bij de kaufman vber see. 
Er hatte ey wijff vn doicht* zwo 
Dye hubsch waren vn guet. 
Dye konigfnen waz frut, 
Behende, vö edelen seden: 
Sij lerte mit wille beten 
Dye kinder da hubschlich w°k. 
Dez kaufmäs wiff begüde m’k 
Dez groissen he’re dez sij plach. 
Eyns nachtz sij bij de kaufmä lach 
‘Vnde seyte “lieber geselle mijn, 
Moicht es mit dijn& wille sijn, 
Wye gerne ich hilt daz liebe wijp, 
Daz sij vnß’ kinder lijp 
Wolde da r’geren vüi leren; 
Ir leben ist wail naich eren. 
Er sprach “frauwe geschwinne (?) 
Ir wist wail daz ich myne, 
Als mir selber ist ein schijn: 
Dar vmb all& den wille din‘. 
Sij danckt yme vnd hilt sy dar 
Die konigyne wail drv jar 
(Unde sy waz czucht meistery'ne) 
Vnd mjte sy als irs selbes lijff. 
In desem, als daz selich wijff 
Alsus wainde bij de kauffmäne, 
Starff' der konig ir guet man, 
Ee keyn kint bleiff vö sijne lift. 
Dez wart eyn vrluge trijbe 
Tusschen ezweyer gebruder kint. 

Ä (15°) Vnd vrluge ezwey jare synt. 

(16°) Auf den Rat der Alten und Weisen des Landes wird der junge Her- 

x0g von Braunschweig um Hilfe angegangen ; mit 1000 Pferden begiebt er sich 


6 3. zwe. 10 I. bede. 11 f. ursprünglich w’ken : m'ken. 13 I. Der... 
eren der? 24 1. Darvmb due. 27 offenbar interpoliert. 33 f. I. liue:[ge]driuen. 
36 dazu das Bild auf 15b: Ein alter Herr erteilt vier jungen Leuten Lehren. 


10 


30 


214 ANHANG 


nach Spanien, wird als König anerkannt und stellt Ruhe und Ordnung im 
Reiche her. Weithin dringt der Ruhm seines Namens. Da beschliesst unser 
Kaufmann in Baldach, ein Schif mit Waaren auszurüsten und nach Spanien. 
zu segeln. 

(16) Sy furet vor hyspanige lant. 

Vor czebylien vff «den sant 

Brach ir schyff in eyn& storm: 

Do scheyn manich wornm. 


O1 


Dye von czybilien enbynen 
10 Sagen von den czyne enbyne, 
Wye sye mit yrr& schiffen queme 
VB dem see altzu samen. 
Der kauffmä schree vnd seyte 
‘O wee dem groissen leyte! 
15 Gesteren waz ich rijch vö goide, 
Nu bin ich vol armuyt. 
Myns gudes waz ich zu lande komen 
Daz hait (der meyer genomen, 
Daz myr werden nyt enkar. 
20 Daz erhort eyn kauffman 
Der heydensche spch kunde - 
Vnde sprach zu der stunde : 
“Gang, kauffmä, czu vnsen h’re 
Dem jungen konige, 
25 Der welter eren, 


Unde got man yme loue sal, 

Er ist der dich erfreuwe sal’. 
Das tut der Kaufmann. Er erhält von ihm cin neues, wohl ausge- 
rüsteles Schiff und kehrt freudig in seine Ileimat zurück. Gern möchte er 
30 dem König seine Dankbarkeit durch ein passendes Geschenk beweisen, aber 
er und seine Freunde sind betreffs der Wahl eines solchen ratlos. Da bittet 
die Königin um Perlen, Seide, Gold und um 25 Werkmeister, mit deren 
Illfe sie gar bald sechs kunstvolle Teppiche wirkt. Ein jeder stellt eine 
Srene aus ihrem Liebesleben dar: 1) Ankunft des jungen Herzogs in Spanien, 
352) seine Krankheit, 3) Zusammentreffen in 8. Jacob, 4) Aufenthalt in Ve- 
nedig, 5) Srene unter der Linde am Meere, 6) Fahrt der Königin auf dem 


8 vielleicht Do ....... verlorn. 10 streiche enbyne. 24 f. ist als eine Zeile 
zu lesen ; welter = weldet der. 26 1. Vmb got? 28 dazu das Bild auf BI. 1a: 
Der Kaufmann vor dem jungen Könige knieend, mit der Überschrift: Also der 
kauffman voor den itigd h’ren von brunätzwich ginck vn yme sine noyt cladege. 


Schiffe des Kaufmanns. 


2 


Co 


215 


Mit diesem Geschenke führt der Kaufmann wiederum 


nach Spanien und erhält die erbetene Audienz bei dem Künig |daxw bildliche 


Darstellung auf 18$]. 


Die Tonne, in der die sechs Stücke wohl verpackt sind, 


wird geöffnet, und aufs höchste erstaunt sieht der König ein Spiegelbild seines 


Lebens vor sich. 


Er hilt den kaufman dar enbynen 
Vnde sprach “frunt, nu sage mir, 
Wan diesser krame ist kome her” 
Der kaufman sprach ‘lieber he’re, 
Es ist dru jare oder wenich mere, 
Daz ey frau& name czu mir quä 
Dye ich in myn schiff nam 

Vnde furte sy ezu baldach: 

Dyß wergk sy hait gemacht 

Myt meistere vnd genuchden. 
Der konig sprach ‘vil tugenden leget 
Ain daz wijff von gude syfne: 

Sy ist von spanige konlgynne. 

Nu swyge stille, lyeber gast, 

Mach dyn schyff nu vn faste, 

Ich wil mit xu he’ren dar in 
Also schyff knecht becleyt sijn. 
Groiffe cleyder vh waz (da czu hort 
Saltu furen bynne dez schiffs bort 
Unde da inne dez gelijche’. 

Alsus rumede er daz spanische rijche 
Vnde bestalt stede vnd lant 

In sijner getruen hant 

Vnde seyte, er moiste faren 

Eyne bedefart vn bewaren 

Vber den see, verre von dann. 


Alsus fur er vber den se d® eldel (!) ma. 


Do er ezu baldach waz kome ain, 
Er sant czu dem kauffınan 

*Ffrunt, du salt mach eynd hoff 

In baldach durch eys he’ren loff, 
Vnd sage, er sij frede, fe’re vö dann, 
Man sulde ledigen wijf vnd man. 


16 f. 3. Der konig sprach ‘vil tuchden | Leget ain.... 


vielleicht nur aus Z.31 hereingekommen. 


34 I. seyte (sachte?). 


32 vber den se ist 
38 I. laden. 


20 


Ss) 
Re | 


30 


216 ANHANG 


Dye czu hoyff willet rijden, 

Dye sal men alle v*blijden 

(Ich hain geldes genoch ezu gebn) 
Vnde wyr frolich leben 

Vffer der taeffelen mit blindem syne: 
So setz mich bij die konigyne 

In myn& schyft"°k (!); ich sal machen 
Al suleh ezeichen vnde sachen, 


o_ 
wi 


Sy sal werden in vns gewar. 
10 Vnde vernymestu icht aldar 
Daz sy werde von hertzü krüg, 
So sprich ain beyden langk 
Czu den h’re mit wijsen syne 
“Daz ist konig vnd konlgynne, 
15 Von spanige lant sin wir cz“Yey’”. 
Dan saltu weder uber see 
Myt mir faren fro vnd mude, 
Ich sal dich machen rijch vö gude’. 
Der Kaufmann kommt diesem Befehle nach. Er richtet ein glänzendes 
20 Gastmahl her, zu dem die vornehmsten Herren des Landes (sultan, amirall etc.) 
eingeladen werden und erscheinen. Der König aber sitzt in einfacher Schiffer- 
kleidung an der Seite der wiedergefundenen Geliebten. 
(19%) Do er solde wessche dye hende, 
Reycht er vB ey fingerlyn 
Vnde laichte daz vor ey edel man. 
Dye königynen sach es ain. 
Sy kante es wail da es vor ir lach; 
Myt dem sy uff den konIg sach 
Vnd kante yn ezu recht mit der fart. 
30 Do verlor (!) sy yr krafft 
Vnde viel neder in amacht. 
Der konig foir uff czu stont 
Vnde koste sye an yrr& mont, 
Vnde name sich yn ir arme beyd. 
35 Myt luder styme der kauffmä seyde 
“Ir he’ren, frauen allezumail, 
Soldayn, konig vnd ämerall, 
Dyß ist der ko von spanig& rich 


td 
N | 


4 eryänze: sullen. 5 3. blijdem. 15 vielleicht: synt sy czwe. 17 1. ge- 
mude oder fro gemude? 23 l. hende syn. 29 vorher oder darnach fehlt ein Vers. 


38 1. konig, ebenso 217, 7. 


2 


Der hirtzoch waz ezu bruneezwich, 
Dye frauwe ist syn w°des wijff 
Dye cristö dede yrre Iyff 

Bij dez alden konigx ezijden‘. 
Do begunde sy ezu blijden 

Alle dye h’ren von groisse doin. 
Ir vader der ko von arrigon, 
Ime waz sijn hertz vil zu swach, 
Daz er dye konigyne, sijn doicht‘, 
Vnde hette ezu den geczijden. 
Alle dye he’ren waren blijde 
Vnde gryffen mit blijden syne 
Den konig vnd konlgyne. 

In eyn rijehe kamıer schone 
Wart ey gespannen crone 

Vnde becleyt mit rijcheyt 

Als gulden pellen vnde samoyt, 
Myt rijchen steyn& wail besat. 
Vyertzich dage in rijeh& schyne. 
Dye syn gefang® hetts gesijn 
Daden yme grois volk bereyd, 
Me dan funfthund‘t galeyden 

Sij waren bereyt® altzu hant 
Vnde furen von dem lande. 

Der konIg vnde syn frauwe 
Dye moicht sehen vü schauen. 
Trumpen vnd arckeren (?) 

Myt freuden quam& gefaren 
Entgeynt cecilien grande. 

Do qwamet sy uff dem lande. 
Der konig bewyset vil eren 
Allen den heydenschen he’ren 
Vnd hoffte myt syner maicht 
Vyertzich dage vnd viertzich nacht, 
Myt allen de liebn frunden sijn. 
Zweyn konig wurden do cristen 


ID 
u | 


jede) | 


10 


15 


20 


td 
u) | 


30 


6 doin = mAd. tuom (Macht, Herrschaft)? 9.1. Do, ergänze sach. 13 1. 


vnd dye. 15 I. Wart yn gespannen eyn? 18 darnach ist eine grössere Lücke 
anzunehmen. 27 darnach fehlen mindestens zwei Verse. 29 1. cezybi- 
lien. 


Deutsche Hs». in England 1. 8 


20 


918 ÄNHANG 


Myt willen des konlges myne. 
Der ey waz vader konigynne, 
Von arrigon der konick rijch, 
Der ander konig waz lobelich 

D Geweltich koninck vö portegal. 
Dye ander hey altzumail 
Ffurent dannen, wye sy ware konmen. 
Der konick 1yeff ezu syn& fromen 
Alle syne dage in e’sten ce 

10 Vnd gewan schoner sone ezweyn 
Ayn dye konigYnen czart. 
Der alteste son coninck wart 
Naich synes vader dode 
In spanigen rijeh, 


.. 


15 Der ander wart hirtzoch vö bruneezwig, 
Vnde lebten in groissen eren 
Dye czweyn edel he’ren, 
Myt freuden vn myt schalle. 
Alsus schiedent dese dingk 
20 Alle die hie vorgeschr < synt. 
Dyis hait gedicht Augustijn 
Ouernytz des konings bede. 
Hy hayt ey ende dese rede. nu 
MoyB got alle vnB sachen 


to 
wit 


Ayn vnssem ende ezu gude machen. 
Des güne vns allen samen 
Dye hemelsche konigynen. Amen. 
Jhesus ma’ia Johänes. 
Das hier im Auszuge milyeteilte Gedicht, welches ich für Bearbeitung eines 
30 niederländischen Originals (vgl. 205,2. 208,12. 211, 21. 217, 15) ansehen möchte, 
scheint nur in unserer Is. überliefert; leider lässt sie so viel wie alles zu 
winschen übrig. Zwar mag schon die Vorlage unseres Codex stark rerderbt 
gewesen sein, sicher aber hat der Coyist, Bruder Johan von Wormsz, ihre 
Fehler durch Unverstand und Sorylosigkeit noch vermehrt; öfters verrät er so- 
35 yar das Bestreben, die Verse in Prosa aufsulöüsen. Bei dem fast trostlosen Zu- 
stande der Überlieferung habe ich mich darauf beschränkt, nur dort zu ändern, 
wo eine sichere oder mindestens sehr wahrscheinliche Emendation sich mir bot. 


2 vader der. 6 I.he’ren. S I. bleyff. 10 2. czwe. 13 f. ist als eine Zeile 
zu lesen. 19 f. Alsus ... . alle | Die hie vor geschreuen sin. 23 HYai: 
rede | Nu.... 


2. 14 219 


Auch die Interpunetion hatte ihre Schwierigkeiten, denen ich vielleicht nicht 
überall ganz gerecht geworden bin. Die Urscche davon liegt teils wieder in 
Corruptelen des Textes, teils in dem Vorhandensein grösserer Lücken, x. B. 
Ss. 207, 2—6. 217, 18S—29. Verderbnisse, welehe sicher zu heilen mir nicht 


So 


gelang, liegen zum mindesten vor an folgenden Stellen: 8. 200, 24. 35. 202, 
23. 28. 203, 18. 204, 7 f. 10. 205, 7 f. 13. 206,2 f. 212, 2 f. 213, 21—23. 
214, 17 f. 215, 25. 216, 9. 217, 10. 12, 27—29. 


14. 


1. Proben aus dem munl. Leben Jesu. Erste Hund. 


a) Mariae Besuch bei Elisabeth und ihr Lobgesang (ryl. Meijers „Ausgabe 10 
Cap. 4). 

22 Lucas (rot). Do stoent op maria I den «daghe eh ghiene I dat ghebirgt mit 
ylighe in de stat iäde I dat hücs zacharias en groete elysabet. en it. geschach, (do 
elysebet horde d@ groet marie, dat h& «dat kint hervroüwede I hore lite en elv- 
sabet wart ervollet mitte hieligen gieste en reip mit groter stime en spfc: “ghe- 15 
benediet is de vrächt dines bücks, en wäne komet mi dat de moder mijns 
her& ko[met] to mi, want sich, alse «de stime dijns groes is ghedaen T mine 
oren, so heift sich ervroewet «dat kint I mine liue. en dä bist salich dat dü 
gheloüedes, want de dine de di ghesacht sijn va gode de w’de ervollef. ch 
maria sp®c: “mine sele groset (!) de here en mijn ghiest hefet sich hoghe er- 2U 
vroßwet I gode mine hiel, want hie heüet anghesie de oetmodighiet sinre deerne. 
siet, daer vä sole mi salich sprek& alle gheslechte, want he heüet mi groet ghe- 
mact I sine heilighe name en sine barh’tichiet is vä ene gheslechte in dat an- 
der de de in vorte. he heüet macht ghedaen in sine arme en he hetet tostro- 
wet de hoüerdighe in de ghedeken irs herte ch he heüet ontsat de gheweldighe 25 
va deme stole en de oitmodighe heüet he erhoghet. he heüet de honghirighe 
ghevolt mit güede en de rik& liet he ydel. he hedet ghedacht sinre barh’tichet 
als ghesproke is to onsen vader abraham en sine gheslechte vä beghine. en 
maria bleif mit hoer dri maende en «aerna keerde se weder in hoer hüex. 


b) Wunder bei der Hochzeit ron Chana (Cap. 57). Ju 

202 Johannes (rot). In d’ zijt ou° dri dage waren brälvefte I chana gu- 
lilea. eh daer was de moeder ihu en xps was oce daer ghelade en sine tügere 
toe der brülofte. en daer ghebrac wijns. De(!) sprac de moeder ihu toe hem 
“si enhebbe net wijn® en ihs sprac “wijf wat is mi en di ghemeens? mine stüde 
en is noch niet kome’. do sprae sijn moeder to den denere “wat hij v hiet (!) 35 
dat doet. do stoende daer .vı. kanne de «daer gheset ware naec ghewoenhet der 
ioden renüghe. der hielt eilie twe mate of dri. «do sprae ihu to den denere “vol- 
Jet de kanne mit water. en si volde si vol. do. spraec ihs to he “scheppet en 
breet architrielius (!) en si brachte he. do der architrielin’ shesmaket dat water 


320 ANHANG 


dat wijn was worde — eter (!) hie en wistes niet, mar de denere wistent de dat 
water schepten —, do reip der architrielins deme brüädeghon en sprac to hem ein 
ilie mnsche gheeft den beste wijn mitten cersten, en als man ghedrüken hetet, 
so gheeft man dä de kranke wijn. en dü hebbest de best wijn ghehalden bis 
5n®. dit dede ihs in deme beghinne sinre tek& in chana ghalilee en offenbaerde 
sine ere eN sine iungher& ghelofeden an hen. 
Zweite Hand. a) Aus der Bergpredigt (Cap. 35). 
12% Matheus (rot). Doe ihs sach die grote scare die he uolchde, doe 
ghinc hi op en& hoghen berch. doe hi gheseten was, doc riep hi te he die hı 

10 woude. Doe si tot he quame coes hij ere xır wt he, dat si bliu& souden bi he 
die hi apostolen hiet. Dat waren dese: symon dien hi piet? hiet eh andreas 
sine broeder, iacob, zebedeus soen, en ioh’es sin& broeder, die hiet hi boanerges, 
dat es kinder des donres, Philipp’, [thomaes, matheus von jüngerer Hand am 
Rande] bartholomeus, iacob, alpheus sone, symon die ghenoemt is zelotes, iudas, 

15 iacobs soen, ef iudas scarioth diene ufriet. Dese quam& tot ihm ei hi oploee 
siin ogh& op hö en hi ondede sine mont en leerdse eh sp®e: “Salich sijn die 
arme des gheests, want dat hemelrike is haer. Salich sijn die zaftmodighe, 
want si sellen besitten dat eerdrike. Salich sijn die wen& want si sellen ghe- 
troest werden. Salich sijn die honghert ef dorst na der gherechticheit, want si 

20 sellen ghesaet w*den. Salich sijn die ontfermh‘tighe, want si sellen uinden 
ontfermicheit. Salich sijn die zuuer sijin van herte, wät si sellen gode sien. 
Salich sijn «die ureedsamighe, want si sellen gods kinder gheheten w*den. Salich 
sijn die psecueie doghen doer die gherechticheit, want dat hemelrike is haer. 
Salich sidi, als v die liede w’maledien eh haten (12b) en psecucie doen en 

25 alle quaet uan v spreken en v belieghe ei v sceide uan een eh v v°witen, v 
wesen eD v name uSonwaerde om des meschen sone. In die daghe sijt blide 
eh uroe, want v loen is groet in hemelrike. Want alsoc hebben si den pphe- 
ten ghedaen (die uoer v hebbe gheweest. Nochtan wee v, rike liede, die hier 
op aerdrike hebt uwen troest. wee v, die hier w'sact sijn, want v sel ewelike 

30 honghere. Wee v, die nu lacht, wät ghi sult zucht& en wene. wee v, als v die 
lieden prisen v quaetheit eh v bedrieghen met haren ualsche loue. Alsoe de- 
den v voeruadere hare prophet& die he pphetierden na har& wille, mer v seg 
ict, die min& uriöde sijt ei mi ghehoert hebt: Ghi sijt dat zout d? aerden’. 

b) Ilimmelfahrt Christi (Cap. 245). 

35 60° Marcus (rot). Onlanghe daer na u’scheen ihs den xr. al daer si sate 
ouer den eten ei scout haer ongheloue eü die hartheit haers h’ten, wät die 
ghene die en hadden ghesien opu°’staen engheloefden h& niet. Doe sprac ihs 
tot he “gaet in alle die werlt eh prediet dat ewangelie allen ereature. die ghe- 
loeft ei ghedoept w°t die w°t behoude, mer die niet engheloeft die w*t w*doenit. 

40 Mer den ghen& die ghelous (606) dien uolghen dese teyken: In minö name 
sullen si die duuele uerdriuen, met nuwen tonghen sullen sie spreken. ER sul- 


14 221 


len die slanghen op nem& ende drinken haere uerghiffenisse eh en sel he niet 
scaden. op die zieke sullen si haer hande legghe en si sullen ghesont werden. 
Nu blijft sitten in die stat tot dat ghi aneghedaen w°t [mit am Rande von 
erster Hand] der cracht uan bouen’. En ihs leetse wt bethaniam ei met sinen 
opgheheuen handen ghebenedide hise. En het ghesciede, doe hise ghebenedide, 5 
dat hi sceide uan hem ei wort ghenome in den hemel en sit ter rechter hant 
gods. En si anebeden en keerden weder in ihrlm met groeter uruechden ei 
waren alle weghe in den tempel louende en ghebenediende gode, ei si ghingen 
en predicten ouer al. En onse here wrochte mede eh starcte hare woerde met 
nae uolghenden teyken. Explicit. 10 

2. Die den Sievers’schen Fragmenten entsprechenden Stellen. 

Fragment 1° — Bl. 45 (In die dat ihs dit sp*%c, soe quä iudas die 
ene hadde gheweest uande xım eh met h& ene grote [dann v ausgestrichen] 
scare uolcs met lanterne eh met wapene eD met. zw’den eüi met brandö) die 
ghesent ware uande uorsten der ‚meestere eh uande outst& des uoles. En diene 15 
u'riet hadde he een teyken ghegheue en hadde hem gheseit “wien ic cusse dat 
is hi. houte en leete wiselike. Doe ghine hi althant te ihm en space “ghegruet 
sijstu meest” ei mettien trat hi uoert he te cussen. En ihs sp®c “Judas, met 
cussene gheefstu des möschen sone te eruc&? urient, w’r toe bistu hier come?” 
en iudas custe he. En ihs wiste al dat he te ghesciene (46%) was eh trat20 
uoert efi sp*c “wien soecti? en si andw°den “ihm nazarenü’. EA ihs andw°de 
“ie bin. en iudas stöt met he. doe ihs sp®e “ie bint‘, doe uloghe si achter- 
waert en uielen neder ter aerde. Ihs uraechde he anderwerf “wie zoecti” eh 
si sp*ken “ihm nazarenü’. Ihs andw°de “ic hebbet v gheseit dat iet bin. soecti 
mi, soe laet desen wech [= dese enwech] gaen’, dat die rede v’uult w°de die 25 
hi sp*e d® hi seit “die du mi ghegheus hebste uan he en is ghene u‘loren’. 
Doe trade si uoert en staken hare hande an hö en hilden. (Fragment 1®) als 
dat saghe sine ionghere die bi ha stonde, wat d* ghesciet was, Doe sp*ken si 
°h‘e, wil wi slaen mette zw°de?” doe trac symö piet® een zwaert dat hi bi he 
hadde eh sloech des biscops knecht en sloech he of sijn recht* cleyn orekijn. 30 
Die name des knechts was male”. Doe sp®c ihs te piet? “dien kelce die mi die 
uad® heeft ghegheue en sel ie die niet drinke? Stee dijn zweert in sine scede, 
wat alle die zw’de nemen «die sullen usderue in de zw’de. En waenstu niet, 
dat ic mijn uader mach bidden, dat hi mi nu sende xıı legione der enghele? 
hoe soude dan die scrift v'uult w*den? wät het moet alsoe ghescien. laet v35 
slaen sijn. Doe nä ihs sijn hant en roerde den ghenen sijn ore en altehant 
w°t hi ghesont. In dier stonde sp®e ihs totter scare: “ghi sijt ieghe mi wtghe- 
gaen met zweerde eüi met stock& om mi te uane, als of (46®) ic ware een mıor- 
denaer. Ic was alle daghe met v lerende in de tepel en ghine uinghet mi 
niet; mer dit is uwe stonde eü een macht deemst’nesse. Dit al d’om ghesciet, 40 
dat die serift d° pphete vfuult w*de. doe liets die iongher& alle en uloghe. 


222 ANHANG 


Doe grep@ die knechtc der ioden en der biscope en dat uole dat d’ v’sament 
was ihın eh bonden en leden te ann& die was zwagh° cayphe die biscop was 
in die iare. Cayphas was die ghene die den raet gaf den ioden, dat het or- 
baerlije ware, dat een mesche storue uoer al dat uolk. Eü een iongheline 

5uolchde he met witte linn& ghecleet op die blote huut en si griepen en hiel- 
den. eni hi liet dat witte cleet, (uloech naket uan he). 

Fragment 2° = Bl. 53° (Eü die eerde beuede en die stene scoerde en 
die graue onded& ef uele lichame der heyligh& die sliepen stond& op eh 
ghinghe wten graue) ef u°toechden h& na sijnre opu’standenesse uele liede 

10 ind® heyligh® stat. Doe stont d* bi den ceruce een edelman, centurio. doe hi 
sach (die aerde beue en al dat wonder dat d* ghesciede, doe wort hi sere 
u’fuaert en oec alle die met h& stonden en hoeden ihm. Eiä hi louede gode 
en sp®e: “w°like dese mesche was gherecht en gods sone. En al dat uole 
dat d® stont en dit wond® sach wort ueruaert en ele sloech uoer sijn h’te en 

15 keerde weder ter stat waert. En alle die sine uriende hadden gheweest en 
die sine contscap hadden ghehadt en wele wiue die met h& comen ware uan 
galilea tot ihrlm die stonde uan u’ren en saghen toe. Ond® die stont oe« 
maria magealene en maria (53®), des minders iacobs moed® eh iosephs, en 
Salomee, die moed? zebedeus kind. Dese plaghe ih’m te uolghö, als hi was 

20 inde lande uan galilea, eh h& te diene. Doc quame die ioden, wät het opte 
uridäch was uoer paesche en uoer den daghe ter hogh® tijt, en baden pylatü, 
dat me hare bene breken soude, dat si des te cer steruc souden, dat mese 
wech doen mochte uoer den hogh& daghe, dat si niet en bleue hanghede ande 
eruce opten dach ter feeste. Doe quame die riddere totten eerste en braken 

25 he sine been en d’ na braken si den andere sine been. Doe quame si tot 
ihm. doe uonden si en doot en «d’om enbraken si sine bene niet, m° een der 
ridder ondede he sine zide met en& spere. te hant liep d® wt bloet eh wat“. 
Die dit sach die gafs ghetuuchnesse en sine ghetuuchnesse is wr en hi weet 
wel dat hi w‘r seit. d’om ghetuucht hijt, dat ghijs oee gheloeft, wät dit ghe- 

30 sciede, dat die serift v®uult w°de die d® spte: “een been en sel niet ghemidert 
w°den uan he’. eh een ander scrift spreeet *si sullen noch die aensien die si 
dloerstaken’. Doe ten auont nakeıle, doe quä een rike man en edel die .x. rid- 
dere hadde ond® he, «lie was ua armadia () en hiet ioseph (Fragment 2®) en was 
een goet man eh gherecht en was ihs iongher heymelike doer die urese der 

35ioden en was oce wachtede «des riken (54%) gods en en uolchde niet hare rade 
noch har& daden. Dese quä tot plylatü eh badt he, dat hi hem gaue ihs lichaen. 
Doe andw°rde pylat’, dat ihs te hant u’sceiden soude sijn [dieser Satz scheint 
interpoliert]. Doe uraghede pylat’, of ihs «doot ware. Do he centurio seide, dat 
hi doet was, doe beual hi, dat m&ö den liehaem ioseph gaue. Doe quä nyco- 

40 dem’ die des nachts quä tot ihm en brochte ene mixture uan mirre en uan 

aloe, des was wel hondert pont. Dese name den lichaem ihu en wonde in een 


14. 25 2.23 


linne eleet met dier specie als die zede es die iode te begraue. En bid® stat 
dd’ ihs ghecruust was, was een hof eü in die houe was ene nuwe graf in die 
dat noch nieme gheleit en was. Doe nä ioseph den lichaem en leid&e in dat 
nuwe graf dat in en& steen ghehouwe was en uoer die dore des graues wen- 
telde hi enen grotö steen. Doc dat ghedaen was, doe ghine hi wech. al d’ bi 
zat maria mag(dalena eh een ander maria). 


25. 

Auslegung der Bergpredigt. 

1® [verlghencliken dingen, want ie my willendes sette to wesen enen knecht 
des ghenes den ic begheerlike leef hebbe. Wante alse sunte Augustijns secht, 10 
leue is ene buerde der zelen de zele dreghende werwerdes !) eer de leue keert; 
darvme en sal men to mala (!) nicht leef hebben dan god allene of vme god. 
Mit rechte dan de arme sclich ghesecht wort de vme god al dinck versmaet, 
wante he alto hant sinen heren, sinen gode een groet deel to gheuoghet is 
— wes?) alle dinc der werlt is —, want so wal weıerstoet alse voerspoet of ghe- 15 
lucke vn ghemeenlike al dine em ghelije denen vn helpen to dogheden. Under 
ander vele dinegen de in desen sermoen ?) begrepen sin, 50 wort dar mede in 
ghebracht dat pater noster welken vnse here oec to voghede almyssen vh va- 
sten; want als de glose sprect: bedynege is een voghelkijn dat den hemel doer- 
vaert vn heuct twe vloghele alse almyssen vn vasten. Daer vme spreket vnse 20 
here eerst van der almissen vn darna van vasten vü tusche desen twen van 
ghebede, want de bedinege mit desen twen alse mit twen vloghelen, een ter 
vorder hant, een ter luchter hant, vp ghebort wert vn gheet in den hemel. 

De begheuene mesche, al ist dat he gheen guet en heuet, dat he almissen 
of gheuen mach: nochtan mach he in den herten almisse gheue de gode harde 25 
bequeme sin, alse enen guden willen daer to te hebben, ofte oec vnrecht dat 
em ghedaen is van gancen herten to vergheuen vn myt enen andern in sinen 
wederstote van herten mede to Iyden. 

Unse here leerde oec hyr van enen simpel& ogh& to hebben, dat wy in 
al vnsen werken an denken sollen; wante, alse sinte Augustins secht, by den 30 
oghen solle wy verstaen de menynege daer wy mcede doen dat wy doen. welke 
menyege *), ist dat se guet vn recht is vh wy «lat anseen dat wy anseen sol- 
len -- al vnse werke de wy in solker menycege werken de mote van node 
guet wesen: welke werke vnse here dat lycham het. 

Nicht en is dan an to seen wat yement doet, meer in wat me(1P)nyncge 35 
dat men dat doet. verwaer, een guet werck dat ick ghedaen hebbe in guder 
meninege, wat mach ic des, of yemende dat schedelie heft ghewesen, [of] my 
werck in guder menynege wort verluchtet, oc wat wtgancge dattet heft? vnde 


!) = warwerdes = quocumque. ?) Abhängig von gode. 3) Gemeint ist die 
Berypredigt. !) Anakoluth. 


224 ANHANG 


ist dat dar yemende yenich guet dar af kumpt dattu in vnrechter menynege 
ghedaen heuest, dat ensal dy nicht to weerden gheschreuen; wante als sunte 
Augustyn spreket: de vullencomelike bekent vn vullencomelike leef heuet de 
rechtuerdicheit de is alrede rechtuerdich. Al ist sake dat de mensche van bu- 
5ten na sinre rechtuerdicheit mit den lichame gheen werck en werket, want de 
willen de to gader gheknoft sin!) ..... de?) sin recht, ist dat de?) guet is 
vt welk& wy al vnse dinege doen; mer is «de quaet, so sin se alle quaet. 
Vnse here vermanede oec in desen sermoen in to ghaen dor de encge 
porte vü dor den nouwen wech de to den leuen let. War af de lerer sinte 

10 gregorius secht: “de wech gudes leuens en is nicht wijt mer is een encege pat, 
in welken pade de mensche ghedruket wert to leuen vnder de hode der ghe- 
bode. En is dat nicht een encege wech in der werlt to leuen, mer nicht van 
begheerlicheit deser werlt to hebben, nemans guet to begheren, eghä guet nicht. 
to beholden, lof der werlt to versmaen vn vme got laster leef to hebben, glo- 

15rie to schuwen, versmaheit to volghen, smekyneke to versmaen vnde toY eren 
de ghene dar men of versmaet wert, arch dat vns ghedaen is van hert& to ver- 
gheuen vn [daer] to den vnbeweghelike gratie der leue in den hert& to behol- 
den? welk al pade sin mer grote pade. Want wo vele se vme behodincege des 
leuens encge sin in deser tijt, also vele de meer sollen se gherumet weerden in 

20 der ewigher wederlonyncge. Et is ene vullencomene kunst al dese dincge to 
doen vnde daer to te weten, dat he nicht en vermach van sine eghen& crach- 
ten. Van desen encgen weghe secht de abt iohänea aldus in eeme epistolen: 
*Laet vns seluen an denken, up dat...... 

Über Christi Geburt. 

25 2@2... in leyde den cerst gheborenen in den vmering der werlt. so sprae 
he: “vn em sollen anebeden alle de encgele godes. «de heerden quemen oee vi 
anebeden en vertellede wat se van den enegele ghehoert hadden. vnde de alre 
wiseste moder maria vnthelt alle de woerde de van em ghesproken woerden vh 
verghaderdle se in eren herten. vnde want se de hillighen schrijf (!) ghelese 

30 hadde vn wuste de propheten, so verghaderde se de dinege de dincege (!) de 
van vnsen heren by eer gescheen sin myt den dinegen de se bekande beschreuen 
van em in den propheten. Vnde de heerden gencegen van eer myt blysscappen 
weder to eren schapen. 

Bughe occ du dine knee de dus lancge ghewachtet heues vnde bede dinen 

35 heren an, dar na sine mocder vn grote weerdelike den hillighen oelden Joseph. 
Dar na so kusse de vote des kyndes ihesu daer liegende in der krybben vi 
bidde vnser vrouwen, dat se en dy gheue of late nemen. Nyın en dan väi hol- 
den tuschen dinen armen vn su leeflike an sin anghesichte vn kussene weer- 
delike vn verblide daer yne truwelike. Dit machstu doen want he is ghecomen 


1!) Darnach scheint eine Lücke zu sein. ?) sc. werck ; wille. 


2 295 


to «den süderen vm eer selicheit vn heeft Fine gheghaen myt em oetmodelike, 
vn ten ersten heuet he em seluen ghegheuen to eenre spyse. Daer vme sal de 
grudertyrene here em gheerne laten handelen van dy na dinen willen vi en sal 
dles nicht toschriue dijnre vermetenheit mer dijnre leue; mer nochtan saltu dat 
‚altijt doen myt eerweertlicheit vD myt anxste, wante he is de hillighe der hilli- 
ghen. vn dar na gif em weder siner moder vn su wo sorchuoldelike, ernstlike 
vn wijslike dat se ene verwart vnde soghet vi de andere denste doet. Stant 
oec du vi help eer oftu machst vnde dencke stedelike in «dessen to verbliden 
vn ghenoechte to hebben. Vn so vele als du machst, so sta stedelike in den 
denste marien vn des kindes ihesu vn su dickewile in sijn anghesichte daer de 10 
encgele begheren in to schouwene; mer dat altijt als ic hebbe ghesproken mit 
eerweerdicheit vn myt anxste, vp dattu nicht van em verdreuen en weerdest, 
want «du salt dy vnweerdich rekene to wesen in sulker gheselscap. Van deser 
ghebort sprect de lerer sunte Augustijn aldus: “In den stalle waert he ghebo- 
ren vn van sijnre moder marien wort he myt armen doeken ghewüden vnde 15 
wart in de kribbe gheleghet; em en was gheen hues van ceiler ghemaket noch 
gheen bedde van elpenbenen ghemaket dar maria eren schepper vü vnsen ver- 
lozer hadde moghen gheberen: dar vme als een ellendich wijf vn pelleghrym 
so ghebeerde se en in enen vremeden huse den heren der werlt vn bewant en 
nicht in sydene lakene mer in arme, snode docke als een arm wijff vn leghede 20 
en in de krybbe den se anebeilede als eren god, to hantes als se ene ghebeert 
hadde. 


[| 


m 
DS 


Ö hillighe stal, o selighe krybbe, dar eristus in gheboren waert vnde de 
here al der werlt in gheleghet woert! Dar weren de enegelschen moghentheiden, 
vrode vrouwen [?]; dar was troestincge der engele; daer weren dusentich du- 25 
sent em verblidende; daer schreyede dat kint in den stalle vn grote blijtscap 
waert in den hemele. Cristo schreyde in der krybben vn van em verblidede 
nochtan manichuolilicheit des hemelschen heers sinegende “Glorie sy gode in 
den ou’ste vn in der eerden vrede den guetwillighen menschen‘. Vn want de 
guetheit des hemels gheboren was in der eerden, so clam neder van den he- 30 
mele de warachtighe vrede, vn «dar vme süegen myt blijsscappe «de encgele 
“glorie sy gode in den ouersten’. De enegele verblideden em vn maria beuede 
mit weerdicheit, dat se de moder godes gheworden was. De enegele verblidede 
em van cristo myt zeeachtighert) sekerheit, vor wen de moder steet nıyt grote 
beuen; so?) verblidet eer myt anxste, vn in blijsscappen blijft se auxstuoldich. 35 
Hyr af Je lerer sunte ancelmus spreet “O myfnentlike, o wüderlike weerdicheit, 
du got der vnbegrypeliker glorien en versmades nicht to weerden een versmaet 
worm, du god alre ereaturen woldes als een medeknecht dy..... 


1) 1. zegeachtigher. 2.80; 


Deutsche Hs». in England T. 9 


296 ANHANG 


A. 
Slatuten des deutschen Ordens. 
a) BL12® (Perlbach Cap. 22). (rot) Van den dingen de to (der ridderscap 
gehoret. Sint dat desse orde to der ridderscap (13%) gegen des cruces vn des 
5 gelouen vienden sunderlfehen gesat is, vn manigerhande gewonheit der viende 
an stridene vn an anderen dingen in manigerhande lande si, dar van och man 
mote myt manigerhande wapene vn manigerhande wis den vienden wederstan, 
so beuele we des beschedenheide de dar ouerste is vnder den broderen, an den 
dlingen de to ridderscap gehorent, an bestien, an wapenen, an knechten, an 
1O anderen dingen «de den broderen to stride geuogent vn orlouet sint, dat he myt 
deme rade der wittegesten brodere des landes, dar man inne orloge heuet, oder 
myt den de dar iegenwartdich sint, of man ane schaden der andere brodere 
nicht mochte gebeden, iegelie deser vorgenanten dinge ordene vnde sette. Doch 
sal man dat vliteliche behalden, dat man sedele vn thome vü schilde myt golde 
15 oder myt suluere oder myt anderer werltlicher varwe gemalet ane notdrochte 
gieht fore. Scette (!) vn schilde vi sedele solen ouerdecke nicht hebben. Sper- 
vsern de geueget sint «de mogen se myt hulfte decken, dor dat se deste scar- 
per sin to der viende wunde. Of «de mester oder de de de gewolt van deme 
mestere hebbet bestien vi wapene oder ander dine de den (13) broderen to 
20 erer nut vÄ to ener tit verligen sint, anderen luden geuen oder ligen, dat sole 
de brodere den de dine verliget waren in nenege wis weder sprechen, dar vmbe 
dat des gicht moge gedunken, dat se de dine alse ene egenscap willen besitten 
de en to ener vrist verlegen waren. Owuer dat sette we, dat nen broder wapen 
oder bestien bi namen sunderliche sole eschen. Is och, das (!) man _ etteliche 
25 dine enem broder verligen heuet oder liget de eme nicht wol uogent, de sal 
den ouersten de des ämeter pleget de sache (!) sines gebrechen (!) demodeliche 
vn gemeteliche kunden vn sal et also beuelen siner beschedenheide, dat he dar 
mede do vü late alse he wille. 
b) Bl. 13b (Perlbuch Cap. 23). (rot) Dit is van der iaget. Also gedane 
30 1aget alse man pleget to done myt ropene va myt hunden vn beten myt veder- 
spele de en solen de brodere nieht orboren. Wante se auer in ettelichen lan- 
den hebbet gut, dar vele woldes is, vi mogen och noch gewinnen, dar van se 
an wiltbrede vn an huden grote nvt moghen hebben, so sin iegere orlouet, den 
se doch vB och andere dur hode willen vh scherm vor bosen luden mogen 
35 mede volgen. Doch en selen se nicht myt vorbedachten mode myt geschote 
oder (14°) myt anderer were dor de wolde vD ouer velt varende deme wilde 
na ilen. We orlouen en och, dat se wolue, losse, beren vn lewen ane iagen- 
hunde (!) scaden vü se nieht dor kortewile sunder dorch gemenen vromen ver- 
deruen. Vnelerwilen mogen «de brodere och uogele scheten, dor dat se sik an 
40 schetene orboren vnde et deste bet geleren. 
re) BI.15® (Perlbneh Cup. 28). (rot) Dat de brodere geuen solen gut belde 


40. 59 221 


den lude. Swar de brodere an eren wegeuerden oder gegen de viende oder to 
anderen gesceffeden varende sint, de solen sik des vliten, wante se «dat techen 
der myldicheit vn des ordenes an deme eruse utewentlich wisent, dat se och 
den luden dat myt guden bilde [n ausradiert] der werke vü nutten worden be- 
weren, dat got myt en vn in en si. Dar se des nachtes an deme wege sint, 5 
dar mogen se na complete oder na prime van nutten dingen oder van ersamen 
dingen sprechen, vn doch in den herbergen nicht na «deme dat complete is ge- 
sprochen dan also dar vore is bescheden. Werde vn steile de boses lumundes 
sint solen se vermyden, swar se de weten. Dar se och to herberge sint, dar 
sal an der stat dar se slapent nachtes eyn licht sin, of se et ane grote moge- 10 
nisse mogen hebben, dar vmbe dat se an eren goden lumunde oder an andere 
dingen gift (!) scadehaft mogen werden. To den (16%) tiden so se vp erer we- 
gewerde sint warende van steden to steden, so moghen se an deme godes de- 
neste vn an den venien sic gewaret holden dar to «en se koment. VD so = 
to hus weder koment dor de wapene oder des weges moldicheit, mögen se myt 15 
orloue des morgenes van mettene vn van den getyden sin, dat man nicht. allene 
den wegemoden orlouen mach sunder och den de myt nutten gescepfeden  sint 
begrepen. To brutlachten vä to ridiılersamenungen vn to anderen gesellescapen 
vn to kapespelen, der man dor werltliche houart pleget to des duveles deneste, 
solen de brodere selden komen, swo se doch vnder wilen mogen komen dar dur 20 
dat gesceppede eres ordenes oder to gewynnene de sele. In archwenegen steden 
vo siden (!) de solen de brodere vormyden gesprache vD der wiuesnamen vn al- 
ler mest der jungen vü vrowen kussen dat vnkuschede vn werltlicher mynne 
en open techen is. Dat is en so vngeorlouet, dat se och ere egene modere noch 
sustere nicht solen küssen. Bannyge lude vn de openlichen to banne gekvndet 25 
sint, den sal neyn broder gemensamen gedurren an «den «dingen de vngeorlouet 
sint. Neyn broder sal och geuadere werden denne dur sunderliche not des 


dodes. 


59. 

Die im folgenden mitgeteillte Predigt entspricht in Wackernagels Tabelle, 30 
Altdeutsche Predigten S. 264, dem 45. Stücke von 4, dem 12. von Z (in den 
übrigen Hss. fehlt sie). 

1322 Sp. 2 (rot) Des sundages als mä alla secht in septuage”. Unse here 
schoiff den mynschen dar zo, dat dat hemelrijche myt eme veruuolt woirde, «la 
der engele gebrech was dat it neit veruuolt en was: dat solde myt d& mısche 35 
veruuolt werden. Ind en weren de engele ouch neit geuallen, So hadde it vnse 
here nochtant also gedacht, dat hei woilde dat myt dem mynschen dat hemel- 
rijche veruuolt woirde. Nu quam it also, dat der engel veil; ind hei verreit 
ouch do den mynsche, dat hei ouch veil Ind gode vngehorsam wart ind vSlois 
(de doechden, da mit hei sich gode im de engele soulde gelichen, Ind ver (132®)- 40 


228 ANHANG 
quadede syn reyne natur, dat sy vnreye (!) wart. Wie nu weder wil komen zo 
der eiren ind zo der wirdicheit de vnse moder eua verloren hait, de mois myt 
seiss dyngen wederkomen. De mynsche de veil myt tzwen dyngen in dem 
paradise: Nu moisse wir ouch myt tzwen dyngen weder kome, Jat de natur ir 
5 kraft weder gewfne. De mynsche veil an der lust ind an der houerdien: Soille 
wir nu de kraft wedergewynnen ir [Z. der] natur, So moisse wir alre quader 
lust wederstayn dögenckliche (!) ind reynliche. Dat ander is, dat wir vnse na- 
tur soillen verdruck& myt oitmoetlicheit, als sy sich v*hauen hadde myt der 
houerdien. Myt desen tzwe dyngen sal de myfsche der natur ir kraft weder- 
10 wfnen. De mynsche mois sich ouch den engelen gelichen an tzwen dyngen, 
wil hei weder komen zo der ewen(!) de hei myt der eirster sunden verlois. Dat 
eirste, da du dieh de engelen myt salt geliche, dat is dat du alle den v’geues 
de dir ye leide dede, Ind salt lutterliche ir vreüt syn. Dat ander is, dat (du 
ılyme euen mynsche dyene salt, Als dir ouch de engele zo allen tzijllen dye- 
1önent. De mynsche mois sich ouch gode geliehen an tzwe dyngen, ce hei we- 
ler komen moige zo synre wirdichet. Dat eirste is reichte gehorsamheit. dar 
an sal sich de mynsche pynen zo gelichen vnsem here, wät van der tzijt Jat 
hei quä van dem hemelrijehe vp ertrijche, so was hei syne hemelschen vader 
gehorsam bis in den doit. Dat ander, «da wir vns& her& myt gelich soillen 
20 werde, dat is dat wir de gehorsamheit. soillen volbregen bis an dat ende. Met 
dlesen sciss dyngen sal de my(133°)sche weder kome zo der ewen(!) de wir 
nyt der eirster sunden haus v’lore. Sint augustynus spricht “O sele, nu sage 
myr, wat is dat soisse «dat mych va synre gehoichnysse vnderwilen also sanfte 
ind also soisliche zo rowen pleit, dat ich begine all van myr selue zo komen 
25 Ind mir begynt also wail zo werden, dat ich is nyemä gesagen en kan, wat 
off wie myr is? Och sele, sage mıyr, is hei eit den ich mynne? Eya, vyl lieue 
sele myn, Sage myr off hei it sv, myn lieff, dar vmb, off hei euer verborge 
qme, dat ich in dan vmbva Ind in neit en laisse also van myr varen, hei en 
moisse myr eyn pant Jaissen synre goitheit, «dat hei zo hantz weder kome ind 
3U dat hei dan vortan by myr bliue. Hei spricht ouch °O here, myn got, myn 
zouerlais ind vreude myns hertzen, sage mir, lieue here, off dat de vreude sy, 
dla du va spichs ind gebuytz by dyme heilge sone: Biddet ind ir soilt gehoert 
werden, dat vr vreude eruuolt werde? Nu richte dieh vp, sele myn, richte vp 
all dyne macht ind gedenck also vyl als du kans ind machs, wie grois, wie 
35 soisse dat sy dat goit von dem alle soissicheit vluisset, dat is dat ouerste goit, 
dat beste goit ind dat geblomede goit: Dat is der wonenckliche got. An «dem 
vyntz du allet dat du ie begerdes, dat du ie gemynnedes: dat vmbvenges du 
nıyt solssen mynen ind myt gätzer begerden. Ind halt dich an in also soiss- 
liche, dat hei sich nümer van dir enscheide: ind hei leist dich wail myt eme 
40 syn. Sent augustynus spricht °O here, my got, alle hemelsche selicheit, du 


redes ind bytz vs (!), dat wir dich bieden, ind geloues, dat du vns wils geue, 


59 . 229 


dat vn=e vreude vol werde. Och here, nu bicklen ich «lich, dat du mir geues, 
de wile dat ich der vreuden des hemelrijchs neit gesmacht en hain, ind de wile 
dat ich neit zo mail durch vlossen en by van dynre hemelscher soissicheit, 
Ind de wile. dat ich neit zo mail wonnenckliche zo «dir geuoeget en byn: so 
moissen myne gedachts dar an dencken, my tzunge mois dar aff spreche, myn 5 
hertze mois darna hungeren, my licham mois dar na dursten, Allet dat an myr 
is dat mois begerynge dar na hauen ind alle myne aderen moissen birnen van 
mynnen, Alle myne begerynge mois neigunge dar zo haue, Bis ich veruuolt 
werde myt der hemelscher soissicheit. Set ancelmus spricht “De selige sele de 
hait vnsen here in dem hemelrijche na ire willen myt gantzer lust ind gebrucht 1U 
synre vroeliche na alle irre begerden; Ind als sy eyn leuen da hait zo bliuen 
eweliche, also bekent sy got senftliche ind vreuwet sich vä syme anblick ewe- 
lichen’. Hey spricht ouch “OÖ wie wonencklich is, dat antlitz gotz zo seyn in 
eme selue ind in gode seyn dyne natur Ind got seyn in der selen myt seliger 
vreuden ind myt vroelicher selicheit. Alle des hemels ingesynde hait vreude 15 
van vns heren angesichte. syn angesichte is schoyne, syne wort synt lustich zo 
hoeren ind soisse in |[/. ind] nutze, hei velt van eme seluen ind velt durch in 
seluer, neit en is sunder in soisse, wät man vynt in eme allet des man begert’. 
So spricht sent bernaert “Mynsche (1348), woilt du myt gode hefeliche syn 
in dem gebede, so soltu gernne (!) myt dyme hertzen syn eyn ind all dynck 20 
vis dyme bertz& setzen sunder got alleye. wie nutze dat is, spricht hei, dat 
hait myn hertze «dicke beuonden‘. Sent augustyn’ de spricht “Mynsche, woilt 
du wysse, wair vb du got neit krefliche () en mynnes? dat is darumb, dat 
ddu neit en bekennes, wie vyl dat hei dir zo goide hait gedlayn. Want bekentz 
du dat zo reichte, du mydes god van alle dvme hertzen’. Sent peter «de spricht 25 
*Eya, lieue kynd’e, louet got ind mynet got ind dyeint eme andechtliche myt 
groissem vlijsse ind myrekt wat schadens vch dar aff kome, off ir des neit en 
doit. vurwair, it vermyret ouch de genade’. Hei spricht ouch “Ir soilt vr licham 
bynden Ind soilt it reicht twyngen, dat ir dat gode zo (yeinste brenget. vse 
here spricht “Do ich geboren wart, do veil ich in Iyden, ind in dem Iyde& bleiff’ 30 
ich, bis ich an dem eruce myn ende naın des dotz’. Ouch spricht eyn heilich 
man “It en wart ney egey’ pyne noch bitterheit noch egeynreley pyne der de 
gotz sun an eme neit en hedde, Ind hei en dede is dar vmb neit, dat hey des 
behouede, Hei dede it all vmb vnsen willen, dat hei vns de bas zo hulpe ind 
zo troiste queme in vnsen Iyden, Ind dat wir vns selues Iyden desde gedul- 35 
ddencklicher Iyde, wä wir gedencken, dat got vmb vns groisser Iyden heit ge- 
leden, ind ouch, als wir in an roiffen, dat hei sich desde haistlicher oeuer vns 
erbarme, wät (134") hei ouch dat Iyden beuöden hait‘. Sent bernaert spricht 
°O du myinenckliche got, du hais myr vyl goitz gedayn Ind hais myr vyl goi- 
der gauen gegeuen, da ich dich van reichte vmb minen salz; doch enwirt myn 40 
hertze in myr van egeyne dygen also seir intfengit zo dynre mynen als dar 


10 men, weil es von dem Schreiber des Coder herrührt. 


15 


er | 


30 


230 


ANHANG 


aff, dat du den mynschlichen doit ind de bitter martilie vmb myne wille ledes, 


dat du mych weder guldes myt rechte zo eyn& erfgename’. 


91. 


Von den im folgenden mitgeteilten nl. Liedern liefern a) — ec) einen Bei- 
Slrag zu dem kürzlich erschienenen Buche von Dr. P. Frederieqg, Onse histo- 
rische Volksliederen, Gent und ’s Giravenhage 1894; d) und e) werden willkom- 
men sein als bisher unbekannte Fassungen der berühmten Lieder Von den zwei 
Königskindern und Tannhäuser,; f) endlich, ein geistliches Lied, das sich frei- 


lich weder durch Form noch durch Gedanken auszeichnet, habe ich aufgenom- 


in unabgesetzten Zeilen geschrieben. 


Sämmtliche Lieder sind 


a) 206 (xxvb). (rot) Djs lyedekijn is van sinte Elysabets dochter die her- 
tochin van enghelant. Eh is seer suuerlijck. 


1; 


2 


Die strijt van vlanderen is op heuen, 

Des dorden dach is sij neder ghegaen. 

Doe ghine die edel haertochinne 

Soe drijflije!) in haer camaer staen. Doen ghine ıC. 
Sij wranck haer handen, si) toech haer gheelu haer, 
Si riep maria «die moder gods an, 

Och dat sij haer woude ontfermme 

Ouer haer en?) alre liefsten man. Och (lat si] ıc. 


. Doe quam dien enghel al van hier bouen 


“God troest v vrou, Ju ghebet is ghehoert. 
Hebdi liefuer (!) van eenen kynt te steruen 
Of uwen man versleeghen doot?” Hebbili lieuer €. 


. “Van eenen cleyne kyndekynt te steruen 


Des en acht ie niet en kaf, 
Op dat ie mijn prins, mijn edel lätsheere, 
Sien ende hoeren eh spreken mach’. Op dat ie ıC. 


. Al daer hij al ouer dier heyden reet, 


Daer verhoerde hij alsoe bijden ?) maer, 
Hoe dat sijn edel hartichinne 


Va eenen ionghen soen vaerleeghen was. Maer dat ıC. 
. “Ghistere auont wan ic die strijt van vlanderen, 


Nu heb ic eenen ionghen soen: 
Nu bid ie maria die edel conine 
Dat my ghen leyder maer en coemt’®). Nu ıc. 


\ 2. druflijc. ?) {. haeren oder haer en haeren. ?) !. blijden. 


+) T. come. 


59. 91 231 


7. Al doen hij op die camaer trat, 
Hoe drufelije dat sij op hem sach 
“*Sijt velcoem (!), mijn prins, mijn here, 
Nu sidt veleoem mijn alre liefste man’. Sidt velckeoem (!) ıC. 
8. “Och vrou, dat moet iu den rijeken heer god loenen, 
My dunct ghi sijt soe seer ghestort. 
Hebdi enighe leide maer vernomen 
Die ghi soe noede hebt ghehoert?” Heb :«. 
9. “Ghister auont was ie vrou van guelle, 
Nu legic in crancken schijn, 
Nu bid ic maria die waerde cönle, 
Waer ic dien cersten nacht sel lijj" !. Nu bid ie maria ıC. 
10. Doe quam die enghel van hier bouen 
‘God troest v, vrou, iu ghebet is ghehoert, 
Den alre eersten nacht soe selt ghi rusten 
In onser lieuer vrouwen schoet’. Den :c. 
11. “Heer, nv doet v kynderen wel 
Ende scat v landeken niet te seer. 
Och werwaert (!) dat ghij heenen rijt, 
Doe bid ic voer eenen rechten lantsheer’. Och werwaert :C. 2). 
b) 26° (xxxı). Djt lyedeken is van vrou Mari die keyser maxsimyan’(!) 
wijf die daer sterf thantwerpen. 
1. Och doot, doot, doet die niement en spaecrt, 
Wat hebdy nu bedreuen 
Aen een lantsvrou van also groter macht 
Die thanwerpen liet haer (26®) leuen. 
Ou wy, Ou wy, solaes, 
En sy had also grote begheren 
Al om te spreken al hoeren solaes, 
Haer prins, haer man, haeren edel lantsheere. Ou wy ıd. 


') I. sijn. ?) Zu diesem Liede gehört offenbar noch eine 12. Strophe, die auf 

einem zwischen Bl.1 und 2 eingehefteten Papierzettel steht. Sie lautet: 

Doe quam die enghel van hier bouen 

“God troest v, heer, iu ghebet is ghehoert, 

Enghelant heeft die strijt ghewonne, 

Vlanderen is vaersleghen doot’. Enghelant ıc'. 
Sie wäre natürlich nach Str. 4 einzuschalten, zu der sie in causalem Verhältnisse 
steht. Str. 5 zeigt die Situation schon um einen Tag vorgeschritten — den Herzog 
auf dem Heimritt vom Schlachtfelde. Dennoch möchte ich sie eher für eine Inter- 
polation ansehen, hervorgerufen durch die analogen echten Str. 3 und 10. 


10 


20 


30 


Id 
wo 
ID 


ANHANG 


2. Des ander dach vrij edel bloet, 
Nu leyt hij in franssoeusse (!) lande; 
Nu bidie maria, die waerde moder golds, 
Dat sy hem bescermt voer viants handen. 


5 Ou wy, ou wy, solaes efe. 
3. Och hadieu vader, hadieu moeler, 
Ende ie moct varen in een ander lant, 


Hadieu suster, hadie broelder, 
Die doot die is my also swaeren pant. 
10 Hadieu, hadieu solaes ete. 
4. Nu isser een lantsvrouwe (loot, 
Vergonge (die jonghe prinssesse, 
God help haer siel in aberhanıs scoet 
Ende bescerme al voer der hellen. 
15 = Ou wy, Ou wy, solaes efe. | 
Das Lob, das P. Frederieq a. a. O. S. 43 dem von Hofmann Hor. beig. 
11, 191 f. (nach dem Antwerpner Liederburhe) veröffentlichten Liede Van vrou 
Marie van Bourgoengien xollt, verdient sicherlich auch die vorstehende Fassung. 
Beide stimmen in den ersten 4 Zeilen fast wörtlich überein, doch ist an. Stelle 
20 Brügges Antwerpen getreten. Entweder fällt diese Verwechslung dem Schreiber 
der Is. zur Last, der dann auch die Überschrift entsprechend umgeiändert hätte. 
oder man hat zu Antwerpen ein eigenes, wennschon an den Brügger Tert an- 
gelehntes Lied über das tragische Geschick der edlen jungen Fürstin verfasst. 
Letztere Alternative und überhaupt jüngere Entstehungszeit unserer Fassung 
25 dünkt mich wahrscheinlicher, besonders im Hinblick auf die völlige Freiheit, 
mit welcher der Text durchweg die historischen Ereignisse behandelt: das gross- 
artige Drama, welches der geschichtlichen Überlieferung (und ebenso dem Brügger 
Terte) zufolge sich am Sterbelager der Fürstin abspielt, ist zur rührenden Fa- 
milienscene geworden. Nur Eltern und Geschwister — was verschlägt es dem 
30 Singer, dass Mariens Vater längst gestorben und sie das einzige Kind war! — 
umstehen das Lager, und der Sterbenden Schmerz wird noch dadurch erhöht, 
dass — wieder geyen alle Überlieferung — der geliebte Gatte fern in Frankreich 
weilt, den jühen Tod von Feindeshand vor Augen. 
c) 276 (xxx). (rot) Dit liedekyn is van den edelen heer van brunesvick. 
35 1. Dien edele heer van brunsesvick (!) 
Die heeft een kynt gheuangen, 
Hy swoer so dier bij sijnre gouwe [/. gouden?] eroen, 
Hy soude dat schoen kint hanghen. Hy swoer soe dier ıd. 
2. En dat vernam die moeder sijn 
40 Soe vaert aen gheenre «dalee 
En sy nam siluaers en gouts ghenoech 


9 233 


4 


“Wecht op mijn kvnt mit scalen’. En sv nam 


nn 


3. “Och juwe’ kynt en eryet gli niet, 
En «dat moet vmmer hanghen 


An eenen boen, den hoeehsten boenı, 


a 
.. 
RI 


Staet vaers in mijnen landen. Aen eenen boem } 


ea 


“Hadlieu mijn moer, mijn liefste mioer, 

nde ie moet vnmer hanshen 

Aen eenen boem, den hoechsten boenı, 

Staet ver in tsherre landen. Aen eenen Dboem 32, 

. “Hadieu mijn kynt, mijn liefste kynt, | 10 


“u. 
2 


Ende ghi moet vmmer hanghen 
An eenen boem, den hocehsten boem, 
AL in des heeren landen’. An eenen boem €. 
6. Des nachts ontrent der midder nacht 
Doen wort dat kynt ghewroken, | 15 
Doen wort den edelen heer van bruyniswyek 
Doer synen hals gheseoten. Doen €. 
‘. “Och edelen heer van bruyniswijck, 
Hoe is v. nv te moede? 
Hoe leit dat schone gheerolden haer 20 
Besprekelt met den bloeden?”  Hoe leit dat schone ı€. 
S. (28a) “Ice heb noch seuen broeders stout, 
Die drie dat sij die papee, 
Die vier dat sijn die coninx kinder 
Die rijen met hoeren knapen’. Die vier dat sij 2€. 25 
So lautet der älteste Tert dieses Liedes, von welchem bisher nur die bei- 
den Anfungszeilen als Melodie (Hor. bely. 24, xxiv) bekannt waren. G. Rulff 
konnte seime Behandlung des Gedichts in Het Tied in de middeleenwen S, 143 
bis 146 (vgl. auch S. 580) nur anf einen jüngeren, interpolierten Tert aus dem 
Haarlemer alten Liederbuch (BU 74) stätsenz; daneben war eine noch rerderbtere 30 
Fassung durch Conssemmaker in seine Chunfs populnires unter Nr. 46 anfge- 
nommen worden. Der Imappe, auf die bedeutsamsten. Momente der Wragischen 
Handlung beschränkte Ausdruck, wie chn unser Test bietet, ist bereichnend für 
sein höheres Alter den beiden andern Fassungen gegenüber. Seine 8. Str, hat 
den Anlass zu den Plusstrophen der jüngeren Überlieferung gegeben. 35 
d) 216/222 (xxvib/xxvm). (vof) Djt Ivedekyn gaet op die wijse Ie sie 
drie morsshesterre !) Ende is van twee conninx Kkynder die melkander lief had- 
den en die conine dede sijn dochter in een eloester en «dien andere coninx soen 


:.)) Tent dieses Liedes bei Willems Nr. 6%, ber Thland 8.166; die Melodie scheint 
leider nicht überliefert zu sein. 
Deutsche H==. in Enweland T. 0 


10 


I) 


IQ 
ze 


30 


2:34 ANHANG 


spräc in die se om haer toe te spreken eh si liet een kaers op ter tinne setten 
om «dat hij sien souden En een quade non lietse wt doen om dat hij ver- 
reneken souden ef niet aen comen. 
1. Tusschen se (!) berch hoghe 
Daer leit. een water vijt. 
Daer wo : nnen!) twe edel eöninx kynder 
Dyen connen t:?) tsamen comen niet. Daer ıC. 
2. En dat vernam een nonncee, 
Een non, god gheef haer al mijn leit. 
“En wat beduyt die kaersse 
Die opter tinnen steyt? En wat be ıdC. 
3. En (loet daer wt (die kaersse 
Die opter tinne stuet, 
Soe moghen alle onse nonnen 
Van binnen wesen wel behue?. So moegh ıd€. 
4. Men deder wt die kaersse, 
Men dorstet laten niet. 
Doen verdranck dat edel coninx kint, 
Het en konst die cante raken niet. Deen verdrane ıC. 
5. “Och vader, seidt si) “vader, 
Mijn hoeft doet my soe we, 
Moet ie wel eens ghaen wanderen 
Al tenden die wilde see?’ Moet ic wel ıC. 
6. “Och visser’, seidt hi) °visser, 
Mijn guetlije visser kint, 
Nu leit mijn dochterkijn wanderen 
Ende brentsee my weder thuys. Nu. leit :C: 
i. Och visser’, seidt si) “wisser (l), 
Mijn guelije (!) visser kint, 
Nu spreit daer wt v netken 
Om een verdroncken lief. Nu spreit d’ ıC: 
Hj spreide daer wt sijn netkijn, 
Dat loet sane op tie gront, 
Hi) brocht dat edel eöninx kint 
In alsoe korter stont, Hi) brocht :€. 
Sj nam hem in haeren armme, 


L 


= 


Si) kuesten voer sijnen mont 
V'eel meer dan hondert verwen 
In alsoe eorter stont?),. Veel meer dan €. 


I!) wornnen] Rasur. 2% t:] Zoch im Papier, daher t wiederholt. ») ol. Het 
dashet in den oosten Hor. belg. 11 Nr. 73 Str. 11, Willems Nr. 48. 


91 235 


10. ‘Och visser’, seidt sij “visser, 

Mijns vaders visser kint, 

Nu gruet my mij vader eh moeder ser, 

Si en sien my nv noch nümermeerf,. Nu gruct my nijn vader en 

moeder ıC. 5 

11. Nu sijn daer twee schoen lyenen doot: 

Och waer so selmen see grauen? 

Onder den roosen eghelentier, 

Dat graft sel roosen draghen. Ond’ €. Tusschen see berch ıd. 

Nur die Strophen 1.5. 7—9. 10 stimmen ganz oder teilweise zu den Hor. 10 
beig. 2, 112 und bei Willems Nr. 55 gedruckten nl. Fassungen; weitergehende 
Ähnlichkeit kann ich übrigens auch mit keinem andern mir bekannten Texte 
dieses Liedes nachweisen. Hält man unsere Fassung (B) zu der der Hor. belg. 
(A), so ergiebt sich weiterhin: A 5—8 sind ganz ausgefallen, desgleichen 11, 
wie denn überhaupt von der Belohnung des Fischers keine Rede ist. Ein neuer 15 
Zug ist es, wenn dieser Fischer vom besorgten Vater — an ihn, wieder Tm 
Gegensatz zu A, ist der Tochter Bitte gerichtet — ıhr als Begleiter und Behüter 
auf dem Spaziergange beigegeben und endlich zum Besteller des letzten Grusses 
an die Eltern wird. Ferner besteht eine Differenz in der äussern Situation, 
insofern als B die Königstochter in einem Kloster verwahrt hinstellt!). Selb- 20 
ständig ist in B noch die Schlussstrophe (11); sie gehört zur Zahl der typischen 
Strophen dm Volksliede, die immer wiederkehren?): fast wörtliche Übereinstim- 
mung zeigen die Zeilen 1—4 der 9. Str. von Nr.63 bei Willems; die erste Zeile 
allein oben in b) Sir. 4. 

e) 23° (xxvım). (rot) Dit is een liedekijn van vrou venis en van heer25 
Danel. En hoe dat hi van haer strec ei ghinc te rome. 

1. ‘Mer danel, ghy sijt soe schon en man, 
Grhi staet in minen sinnen, 
Nu laet ons in die camer gaen 
En wesen daer met vroechden ine®. Ende E met vroechlen inee. 30 
Nu laet ons ıd. 


2. ‘Dat endoe ic niet, dat laet ie staen, 

Vrou venis’, seit hy “vrouwee: 

Ic heb maria, die moeder gods, 

Ghelouet, liefgee, mijnre trouwe. Eü E mijre trouwe. Ie ıC. 35 
3. "Heb ghy maria, die moeder gods, 
“  Grhelouet juer trouwe, 

Soe gaetes haer of ende coemtes my an, 


!) In A deutet nichts darauf hin, in dem nd. Texte (Uhland Nr. 91) nur der 
Ausdruck ‘ Nonne’. :) Vgl. dazu Kalff, Het lied S. 575 f. 


2306 ANHANG 


Ten sel ju, liefgee, niet berouwen’. En E niet berouwee., Soe zravt- 
tes ac. 
4. “Chin (!) iex haer of en quaem ic es van, 


Ice vuer wt mijne sinnen: 


D Als ie v driewerf nuchtere acnsie, 
My dunet ghi sijt die düuelinnee’. En E die duuelinne. Als ie v 
driewerf €. 
5. Her danel tree te romen waert 
Al in die guede steden, 
10 Daer ghine hy voer die paeus staen 
Met also groter oetmoetlicheden. Een E met grocter oetmoeldichede. 
Daer ghine €. 
6. Hj »prack met grooter vuergicheit () U) 
n met also grooter berouwee 
15 “Ice heb ghesondicht seuen jaer 
AL met vrou venis, die valsche vrouwee”. Een E die valsche vrouwe. 
le heb ghesondicht seuen jaer ıC. 
7. "Heb gy ghesondicht seuen jaer 
Al met vrou venis die vrouwee, 
20 Soe en moechdi nv noch numermeer 
Dat aenschin gods aenschouwee”. Een E dat aenschin gouls aen- 
schouwe.  Soe en moechdi nv noch ı€. 
3. “Och mach ie nv noch numermeer 
Dat aenschin gods aenschouwen, 
25 Soe wil ie weer in den bereh gaen 


Al by vrou venis die valsche vrouwee”, Een E die valsche vrouwe. 
Soe wil ie weer in de 2, Heer danel ghi ı€. 

Mon zeit dat die paus hem gaf eenen dorre stoec en dat hy die in die 

aerde sette soude. En waert dat hy bloyende wort soe soude sij sonde ver- 

39 gheus sijn. Ende die stoc wort bloerde. En men socht heer danel en men en 

vätten niet, Men seit dat hi met twee sijnre susteren kyndere wech ghestreken 

was. Ist al waer dat men seit, so ist dit mee waer, Maer dat heilich evengely 
gheloef ie bet Dit en van allen () beuele ie god. 

Dieser proswische Anhang ist schon deshalb ron Wert, weil wir ihm ent- 

35 nehmen, dass der Schreiber die den Niedertosden eigentiimliche Gestalt der Taun- 

hwiusersage — eine Verschmelsung mit einem rerlornen Lied von einem Ierrn 

Daniel, wie Kalff, Het lied S. 71 meint — kannte. An die lundlänfige Fas- 

sung des Liedes (Hor. bely. 21, 131f. 11 Nr. 160. Willens Nr. 51) zeigen sich 

nur gelegentlich Anklänge @yl.1,3.2,1.44.5,1. 6,3—4. 9,12): irgend stinent 


!) Zu verjehen ? 


9 237 


eine Strophe vollständig überein. Ich denke mir daher, dass wir es mil einer 
selbständigen und zwar tendenstösen Bearbeitung des älteren Volksliedes zu tun 
haben. Ein Moment wird offenbar mit Absicht in den Vordergrund gerückt: 
lie Marienzerehruny‘). Maria, die reine Jungfrau, siegt über Venus, die Ver- 
körperung jeglicher Weltlust. Der Zauber bricht, nachdem Tannhäuser der Gottes- 
mutter Treue gelobt hat. Dagegen verblusst völliy ein zweites Motiv, das mehr 
oder weniger ausyeführt in allen übrigen Fassungen uns entgegentritt: die Ver- 
zuerteilung der piipstlichen Härte. Davon schweigt unsere Quelle gänzlich; darum 
füllt auch das Stulneunder hinweg, 
f) S®. 1. Och of ie in den hemel waer, 
| Hoe wel soude ie dan sijn. 
Nu bid ie alsoe oetmoedelijek 
Den heer, den schepper mijn, 
Dat hi ons wil ontfermen 
Ende brenshen (ons) in sijn weyt, 
Beschermt ons voer dat ewighe kernmen, 
Want hier is ghenoech «lruufheit, 
2, Lijt?) ende strijt in deser tijt. 
Want hier niet en is dan druyck en Iyden, 
Wy sellen ons (hier) namaels verblijde 
In ewylijken tijdeln]. 
En wilt heer ihesus niet begheeuen, 
Hi is alre doechden een loen, 
Hy sel ons noch eronen al in dat ewich leue 
Met ceenen vergulden eroen. 
3. Maria, die macchghet revne, 
Dy is suuerlijeke ende schoen, 
Sy bidt voer ons alle ghemeyne 
Haeren alre Tiefsten soen. (In den hoechste troen) 
Sy is soe suuerlijke. 
OÖ paerl daer (!) jonefrouwen schoen, 
Och wilt doch vriendelijke voer ons bidden 
Den alre hiefsten soen. 
4. Dje cherubinnen, die seraphinne, 
Die prineipaten;: die potestaten, 
Si louen altijt god van hemelrije 
Mit soeten sane sonder oflaten. 
Sj synghen blijdentlijken, | een 


1) In diesem Betracht zu vergleichen wäre nur Nr. 1 bei Grüsse, Der Taun- 
häuser und ewige Jude. >) 1. Nijt? 


10 


15 


3u 


10 


2u 


30 


ASHANG 


Haer blyscap is alsoe groot. 

Och waeren wy daer, soe souden wy wel sij v’lost 

Ende weesen wt alre noet. 
Dazu: Een leerre seit ic en heb niet beters ghelesen den god van he- 
5melrijce bowen al lief te hebben ende onsen euen mensche te doen als wy 


woud® dat me ons dedee. 


En een guede sciensie te hebben eü vrolijoke vä 


herten te weesen Want men sel den heer dienen met vrolijker herte Wät den 


blyer gbeuer miut god. 


97. 


Aus Rothes Gedicht von der Keuschheit S. 57 f}. 

Van der turtelduben vand ir bedutunge. 
Der turtelduben sollen wir nicht 
Vergessen, van der aristotiles spricht, 
Ess si ein vogil van schemden gross 
Unnd had gar lieb sinen genoss 
Unnd heldit ym sin twuwe rein 
(Wanne ess had in lieb allein) 
Also, wanne yme sin gegate stirbet, 
Das ess nach keime anderen wirbet, 
Sundern vort alleine blibet. 
Sinen gesang Jen ess tribet, 
Der lutit allezyd ab ess weine, 
Sinis trostis acht iss cleine. 
Ess wil auch nergen rasste 
Danne vfl' eime dorren aste, 
Unnd wanne ess hat sines dorstes bussen, 
So trubit ess das wasser mit den fussen. 
Keimen (!) vogil ist iss wieder, 
Sundern sinen mud den stet (!) ess nider 
Vnnd heldet allen enden frede 
Unnd ist sere geduldig da mede. 
In diesem vogil sollen wir vornemen, 
Das sich die kuschen sollen schemen. 
Nicht di kuschen meide alleine; 
Sundern di wetwein sollen beweine 


Iren getruwen, fromen man, 


Wande si den vorloren han, 
Unnd ob sy mogen alleine bliben 


24 rasste aus vaste corr. 


34 di, dann e durchstrichen. 


et VCECEERISEEEee 


91. 97 239 


Unnd. di heiligen kuscheit triben. 

Hi sollen sich di eliehen auch mercken, 

Das si ir E mit kuscheit wereken, 

Nicht mit suntlichen, niuwen finden 

Nach mit reissen zu stummen- sinden, | 5 
Sundern durch. forehte- willen: sich: nemen. 

Unnd sich: aller: wnzuohte: schemen, 

Unnd alsus mogen: sy mit yren. lieben 

Di. elichen, heiligen: kuscheit: triben 

Unnd ires hertzen reinikeit walden, ro 
Das sy ir E. ordentlichen: halden. 

Der heilge apostel paulus 

Der redet in siner epistolen: alsus;: 

Den Iluten: ist wol. leuben gegeben; 

Das sy griffen zu: dem. elichen leben, 15 
Sy sint frauwen. adir man. 

Di kuscheit nicht gelobet; han: 

Unnd fromlioh: vnnd: kuschlich loben, 

Den wil god ewige freude: geben. 

Jeronimus spricht: horet, ir. lute, Bi) 
Ich lobe dar vmme: di kuschen: brute 

Di vns di reinen: meide geben, 

Der wir nicht gern: sollen enpern:: 

Also werden. vnß. dar nach: gebom: 

Di schonen: msen: van den: torn: 95 
Und vß. der erden das golt so fin, 

Unnd vss den: moscheln: di. finen perlin: 


. Sant. pauwel sohrtbet also 


Zu: sime iungenn .(!) timotheo: 

Sage den di. da. sint: elich; 30 
God gebutit: yn vnnd nieht: ioh, 
Deme manne: vnd: wibe en: beiden; 

Das si. sioh nicht sollen: soheiden. 

Ist das ein wip van: irem: manne ge, 

Das sy danne ander menner: sme 35 
Addir sich mit yrem manne vorsüne ; 

Der man sal: nicht: sin: also- küne, 

Das her sin: wip van ym. lasse, 

Also daz sy. mit: willen: gee ir: strasse, 


4f. = fünden : sünden. 


10 


7 
De | 


19 
zit 


30 


35 


40 


240 


ANHANG 


Unnd had ein man ein getruwes wip, 
Mit nichte begebe her yren Ip; 

Und had ein wip einen getruwen man 
Den sy gerne by ym wil han, 
Die sal in mit nichte lassen 

Unnd in keiner wise vorwassen. 

Es wirt geheiligit ein vngetruwer man 
Van eime getruwen wibi zu vorderst an, 
Unnd auch geheiliget ein vngetruwe ‚wip, 
Das thud irex getruwen mannes lip. 
Bistu zu eime wibe vorbunden, 

Suche nicht losunge zu den stunden. 
Bistu worden des wibes loss, 

So suche nicht wider dinen genoss: 
Hastu aber dinen genossen vss gericht 
Unnd nymmest ein, du sundigest nicht. 
Unnd ab ein magit nymet einen man, 
Si had dar vmme nicht sunde gethan. 
Wer aber an wip kan bliben, 

Der sal sine sorge zu gote schriben, 

Das her ym moge behage | 
Unnd ym gedinen alle tage. 

Wer aber sitzet an der E, 

Der muss mit sorgen vmme ge, 

Also das her sime wibe behage 

Unnd das sin gesinde icht vber in elage. 
Also muss ouch thun ein elich wip, 

Si muss irem manne smocken den lip. 
Welche ledig sind — vnnd auch di meide 
Di haben van nymande geeleide, 

Die sollen gote dinen heilichlichen 
Unnd sich halden demutielichen. 

Ich wil auch haben van den wiben, 
Das sy kein hoffart triben, 

Sundern in zemlichen eleidern gein 
Gesmocket (di en wol sten 

Mit schemenden vand mit guten seten 
Und mit yren worten sin besneten. 
Si sollen aber ir hare nicht krüse 
Unnd by den oren machen müse 
Unnd fremdiss har flechten yn, 


97. 99 241 


Uff das di zoppe schone gesin 

Di sy vınme di koppe binden 

Unnd di sleger dar vmme gewinden, 
Unnd mit golde sich bespengen 
Unnd mit finen perlin behengen 


.. 
_ 


Unnd mit irem turen cleide. 
Mentel vnnd rock di beide 
Sollen sin gesneten gar bequenilich, 
Also irem leben wol ist zemlich, 
Ein itlichiss nach sime stad, 10 
Dar nach ess adel addir richtum had efe. 
Sehluss: Wanne man vnnd wip gewinnen den mut, 
Das ir ein dem andern vnrecht tud 
Unnd wollen andirs wo hofiren, 
So leben si glich den tiren. 15 
Ir gudir rad vorgehit balde, 
Unnd en wedder feret vnsalde. 


99. 

Auszug des Spielmannsgedichls Johan u: dem rirgiere. 
(12) Wollent ir horen abenture, 

Wie 'got dirre werlte zu sture 
Hat geben manigen fromen helt, 
Der eyner von mir hie wirt gezelt, 

5 An dem der werlte frömekeyt 
Wunder uber wunder was geleyt? 
Das gunde ym der wunderere 
Deme alle wunder sint vnswere, 

Dem do dienet lufft vnd wint, 

10 Die naturen vatter, synes kyndes kint, 
Die do ist sin suster vnd syn amye; 
Und wer do mynnet die selbe frye, 

Des hat er zwar keynen zorn: 
Er hat yn selber zu frunde erkorn. 

15 Das ist nit dirre werlte ding: 

Hat eyne frundin eyn& Jungeling, 
Ist der eyner andern geuere, 


10 f. diese Zeilen verlieren ihre Schwierigkeit, wenn man ihren Inhalt auf Chri- 
stus und Maria bezieht; das Die in V. 11 hängt natürlich von kyndes alı, und V. 10 
ist Die, das der Schreiber der folgenden Zeile entnahm, in Der zu ändern; zur Ver- 
gleichung ist v. 640 f. heranzuziehen. 16 I. ey Jungeling? 


Deutsche Hs. in England I. 3 


100) 
Io 


20 


30 


40 


35 1. suntliehen. 


56 1, vyol. 


ANHANG 


Sie zürnet sich vil sere. 

Das dut dirre herre nicht: 

Wer syner frundyn fruntschafft gicht, 
Des frunt wil er ewekliche syn. 
Bitten wir den herren vber cherubyn, 
Das er vns die vernünfft sende, 

Das sich alle vnser sache wol ende 
Und das diß buch werde vollenbracht 
Das ich ezu schriben habe gedacht 
(1b) TB flemschen in vnser dutsche sleht, 
Zurbrochen ryme machen recht. 
Helfent myr gotte flehen, 

Das er myr sende zu lehen 

Syne gnade mit guten dyngen, 

Das ich das moge vollenbryngen, 
Umb das, wer sich do mitte ergetze, 


Das er die wile setze 


Syne synne von suntlicher sachen 

Die vme ander gedencke mocht@ machen 
Und ramen welle des besten 

Von dem ersten zu «dem lesten, 

Wane die abenture schone seyt 

Von maniger hande klughert. 

E= geschach vft' eyn& phingestdag, 

Also got gebot vn er gelag, 

Das der kevser syvgemunt vnd syne man 
Heden sich herlich gelevt an. 

Da was vil Ritter vnd frauwen, 

Manig edel maget mochte man schauwen. 
Der keyser wolte nach gottes eren 

Zu messe zu der kirchen keren. 

Nu hatte er eynen schonen baümgarten 
Dem man wol mochte ezarten. 

Daz selbe lustlich virgiere 

Hede maniger baume ziere, 

Dar vnder lustlich grunes gras 

(2°) Das mit manigen blumen gemenget was. 
Er was auch edeler kruter vol, 

Wol drachten die rosen vnd die vyel, 


42 er auf dag bezogen; Anderung im ez scheint unnötig. 


6 


1 


N) 


35 


„9 243 


Das ez gap vil senfften müt: 

Das »paezieren was do güt. 

Do von ez Jer keiser so anc fing, 
Durch lost er in «den garten ging. 

Do gingen herezogen, grefen mitte, 
Barone, Ritter, als ez was sitte, 

Vnd da der keyser solte gan, 

Do sach er vfl eynen schonen plan, 
Do ez aller schoneste in syme garte was, 
Eyn peller gespreitet vff das gras, 
Manig physant guldin dar vff lag. 
Der keyser vorbaß zu gende phlag. 
Er gedachte “ich mag zu dirre stunt 


. Wol vynden eynen herlichen funt. 


Do ersach er das schoneste knebelin 
Das sider adams zyten mochte sin 2 
Ie in dise werlt geborn. 

“God selber ane allen zorı 

Sprach der kevser wol bedacht, 

“Da dich zu der werlte bracht 

Dine edele mäter, «dich schone frucht. 
Geeret sie ir wiplich zucht! 

Wer sie ist, sie selig wip, 

God bewar ir iren werden lip!” 

(2°) Also »prach der Romer keyser fıy. 
Nu horent, was fant er me do by? 
Ritterliche kleider gemacht wol 

Von samet vn van zyndol 

Vnd einen halsperg wolgetan, 

Den besten den yeman mohte han, 
Von klarem, liehten golde vyn 

— Er enkunde nit wol bebßer gesyn —, 
Vnd eynen schafft mit eyner banyer, 
Die was gewircket in richer zyer. 
Offenbar lag sie vff den grase da, 

Ir veldunge was von lasure bla, 

Dar ynne dry lilien von golde, 

Da by man bekennen solde, 

Von was geslechte ez were, 

Das ym wurde erbotten ere. 


74 l. was anc? 


244 


120 v[fer)decket: Wurmstich im Papier; so immer, wo eckige Klammern 


det wurden. 


100 


105 


110 


120 


130 


ANHANG 


Auch vant er do by yme eyn swert 
— Es was maniger marcke wert, 
Knop vnd heltze beyde 

Warin guldin vnd die scheyde, 

Die Lamel was clar stehelin, 

Das sie nit beßer mochte gesyn — 
Und koller vnd eyn wapenrock, 
Gemacht alß die bannier ane druck 
Von blawen sämet, dry lilien guldin; 
Als der schilt auch muste sin 

Der vil nahe do by lag; 

Ein helm der luchte als der dag, 
(3°) Den man auch do by vant. 
Umb sy lümenier vnd sine nasebant 
Lagen vil dure steyne 

Edel, gut, fin vnd reyne: 
Karfunckel, Jaspis, adamas, 

Saphire, smaragdes, rubyn do was, 
Ir schyn erluchte vil verre 

Also der man vnd der dagesterre. 
Das nanı der keyser alles gaüm. 
Do sach er furbaß vnder eyn® baun, 
Do er fant ein ros gebunden stan, 
Schone vf[erjdecket vnd wol getan. 
Ez was eyn sneller, junger vole, 
Das behagete dem keyser wole. 

Do enwas keyn langer beyten, 

Er det das ros dannen leyten, 

Er bekante daz ez wol balde lief. 


Umb des kyndes halß fant er eyn& bricff, 


Der kundet yme die mere, 

Das das kynt noch nit kristen were. 

Auch vant er geschrieben dar an, 

Was namen das kynt solte han! 

Dar kamen Ritter vnd frauwen 

Die das kynt deuffen wolten schauwen. 
Man machte es ceristen schiere 

Vnd nante ez Johan vs dem vyrgiere, 


VENWENn- 


RK 


Ein glücklicher Zufall füyt es, dass die Kaiserin in der folgenden Nacht 
ein Töchterlein gebiert; nun lässt der Kaiser die Nachricht aussprengen, dass 
seine Gemahlin einem Ziwillingspaar das Leben gegeben habe, und lädt alle Vor- 
nehmen des Reiches zur doppelten Tauffeier ein. 


beiden Kindern. 


99 


Während (larisse unter der Obhut der Frauen still und lieb- 
lich heranwächst, empfingt der ausserordentlich beanlagte Knabe eine tüchtige 


geistige und körperliche Ausbildung. 


191 


200 


205 


210 


220 


199 darnach fehlt eine Zeile. 


Franezose, welsch vnd latin 

Lernte wol der knabe fin, 

Lutselig, schone von hüt vnd von hare. 
Diß dreip er in das siebende jare. 
(4b) Da was er also wol getzogen, 
An libe, an wandel vnbetrogen, 

Gar richtig, edelich vnd schone, 

Das vnder des hümels trone 

Lebete syne glichen nit. 

Er hade die stercke wol mit gewalt 
Als eyn ander der zehen jar was alt. 
Do er zwolff iar was alt, 

Do was er eyn stoltzer degen balt: 

In der werlt fant man so keyne nit, 
Er hette eynesx lewen hertze, eynes lämes do mit. 
Nach dan wande menlich der mere, 
Das der keyser syn vatter were, 

Der jungeling sprach den keyser an 
“Herre keyser, sagent mir, edel man, 
Wie lange knabe sal ich sin? 

By myn& hymelschen drechtin? 
Sprach der Jungherre güt, 


“Mir wehset hereze vnd mät. 


Mohte ich eyn gut Ritter gesyn, 
Das zeme uweren eren, herre myn. 
Bringen «lunt mir eynen man 

Der schirmen vnd wol hauwen kan, 
Der mich zu rosse lere striten, 

Mit dem spere roschlich riten. 

Mich «duncket, solte ich ritter wesen, 
Unser vyende mochte nümer genesen. 


reim) zu urteilen, interpoliert sein. 


Das Töchterchen erhält den 
Namen Clarisse; reiche (ieschenke, Kleinodien, Burgen und Land spendet man 


200 f. werden, nach Inhalt und Reim (Vier- 


246 ANHANG 


Mich dunceket, ich wolte mit vechtens cerafft 
Betwingen alle der werlte ritterschaft?. 

(5°?) Der Kaiser heisst un noch ein Jahr warten, dann wolle er ihm den 
Ritterschlag erteilen. Heute aber winsche er mit ihm zu Ludewerde vor dem 
dan zu jagen; nur fürchte er die Heiden, deren etliche beständig dort herum- 
streiften. Mit den Worten 

“Sollen wir vorchten «ie vngedaufften man? 
Sie müsent auch vnser sorge han’ 
spottet der Jüngling aller Furcht. Von 50 Rittern begleitet ziehen sie auf die 
Jayd, entfernen sich aber in eifriger Verfolgung eines Ebers bald von threm 
Gesinde. Ste werden von 19 heidnischen Rittern, an ihrer Spitze Lammelot 
und sein Bruder Ferreon, erspiäht, gerade als der Eber sich gegen seine Ver- 
folyer kehrt. Johann tötet Ihn mit seinem Jaydspiess, aber schon fallen die 
Heiden (die heydenschen reeken wert 292) über sie her. Wie ein Löwe ficht 
Junker Johann, tötet Ferreon und die meisten seiner Begleiter, so dass Lamme- 
lot sich ihm gefungen geben muss. Da wendet sieh der junge Held ruhig zum 
erlegten Eber, weidet ihn kunstgerecht aus und übergiebt ihm den inzwischen 
herbeigeeilten. Knechten. 
328 Der kevser reit gein Romen wider, 
Die sinen die herfuren  sider, 
330 Wie yn zweyn dort gelang. 
Sie seiden dem Jungherren dang. 
Und da si quamen vor (die stat, 
Der Jungherre von deme rosse drat; 
Er herbeissete vor den kevser gut, 
335 Er enphing ym sin swert vnd hut. 
Darnach nam er yn_by der hant; 
Si gingen, do vil helle brant 
Evn vil schones fure, 
Holez, aloe was ym nit dure. 
34) Al da mochte man schnuwen 
Schone wip vnd clare Jungfrauwen 
Die vmb das fur da sassen, 
Ir zucht sie nit vergassen, 
Sie lobten alle den Jungherre sere 
345 Vnd botten ym vmb syn manheit ere, 
Wann yn was gesaget alles das, 
Wie ez in dem walde ergägen was. 
Die kevserinen hies den Jungherre fin 
(7*) Sunderlichen willekomen sin 
350  Vnd begunde yn vil sere grußen 


355 


360 


365 


370 


380 


385 


390 


99 247 


Mit schone worten sußen. 

Ir dochter Clarisse saß auch da by, 
Sie gedachte *hette eyn frömer helte fry 
So vil als myn bruder getan, 

Ich wolte yn ze eyne bulen han, 
Sit dise edeln wibe alle sampt 

So sere mynnet heldes hant’. 

Aber sagete ym die alte keyserinen dang. 
Das grossen ez werte aber nit lang, 
Also «der dufel sin gauckel spil 
Etwenne machen wil, 

Es verkerte sich do zu stunt: 
Vnselde drug dar eynen winthunt. 
Er sprang dem kayser an sin kleit 
Mit syme (!) vnreynen poten breit. 
Das müte alda Jungher Johan, 

Mit svme fuße stieß er yn hin dan, 
Das er in das fure sprang: 

Der sprung was wite vnd lang. 

Die funcken flugen al gedrat 

Der keyserin in vre wat 

Vnd brant ir yr hofekleit: 

Das was Jungher Johan leit. 

Auch wart yr versenget vurwar 

Ir gelen locke, yr kruselecht har. 
Die kevserin sere erzornet wart, 

Sie vergaß ir zucht, ire hoher art. 
Sie sprach “du boser findeling, 

Got gebe dir lesterliche ding, 

Das du hude gestieße den hunt. 

(7) Alle hubescheit ist dir vnkunt. 
Du hast gevueret min gewant 

Vnd mir myn& gelben lock verbrant. 
Des musest du laster vnd missewende 
Haben biß in din ende. 

Do «der Jungherre die rede erhorte, 
Er ersuffezte von dem worte, 

Er wart bleich vnd missevar, 

Ime verswant alle syne freude gar. 
Er sprach vil betrubekliche 


°O hoher keyzer, edel vnd riche, 


neh me Mn m me 7 A ha, dr a a ee 


248 


A400 


405 


410 


420 


425 


430 


ANHANG 


Bin ich «dan eyn fundeling? 

Sagent mir werliche ding. 

Ich wande doch, yr werent myn vatter 
Und diße myne mage alle gar. 

Der keyser das nit verdrug, 

Die frauwe er in den munt slug. 

“Ir lose wip, was sagent ir, 

Ich geleuken sin nümer, das gleubent mir, 
Ich bin sin vatter, er ist, myn kint, 
Leukent ir sin vmb den wint’. 

Da die frauwe von vnmacht quam 
Und diße rede vernam 

Und sy eyn lutzel mochte sprechen, 
Sie begunde sich aber mit worten rechen, 
Sie rieff “fundeling’ aber als e, 
Drywerbe oder vierwerbe me. 

Aber rief sie zu der funfften stunden 
“Er wart in vnserm garten funden’. 
So daz ist eyn manüge von wyben, 
Der sie solte entlieben, 

Sie musten iren willen sprechen 

(8°) Vnd sich mit worten rechen, 

Do sprach der Jungherre mere 

“Herre keyser, das vch got ere! 

Bin ich doch eyn fundeling, 

So helent mirs nit vmb kein ding”. 
“Ja ir’ sprach er zu den stunden, 

“Ir wurdent in vnserm garten funden’. 
“So sagent mir, edel kevser fry: 
Wissent ir icht, wer myn vatter sy?’ 
Der keyser sprach “neyn ich, nit! 
Des mir myn hertze gezugnisse git’. 
“Sagent mir doch an disen stunden, 
In welchem dunde wlar]t ich funden ?’ 
Er sprach ich fant vch erlich 

In eynen krieschem grunen peller rich’. 
Der Jungherre sprach da offenbare 
“Mich enruchet, wer myn vatter were. 
Were ez kruppel oder blint man, 
Ich solte mich gerne halten dran, 


395 I. allegader. 410 doch wohl meinunge. 


—— m 


435 


440 


445 


450 


460 


99 249 


Echt ich yn nit dan erkente wol’ 
Sprach er mit bedrubeten synn& vol. 
Der keyser sprach den Jungling an 
“Vorzage nit also, edel man. 

Ich vant uch in edelichem arte 

An dem schonesten in myme baumgarte|n]. 
Ich vant by uch eyn& herlichen funt, 

Er ist besser dan zehen dusent phunt, 
Das was maniger marcke wert, 

Dar zu halsberg vnd swert, 

Schilt, wapenrock in richer ziere, 

Helm, beyngewant, korie, kolliere ; 

(SP) Eynen schafft mit eyner baniere 
Vant ich do ligen vil schiere?. 

“Hilff got’ sprach Jungher Johan, 

“So mochte myn vatter syn eyn edel man’. 
“Ane zwifel? sprach der keyser zu hant. 
“Die banier die ich by uch vant 

Die ist verwapent «deme glich 

Also sie furte in franckrich 

Ein hochgelobter, edel man 

Den wir lange verlorn han. 

Lebite noch der helte mere, 

Ich wene, das er vwer vatter were”. 

Do sprach der Edel Jungher Johan 

“Ich bitte vch, herre keyser, hoher [mjan, 
Das ir mir wollent an diser vart 

Was do by mir funden wart 

Gebent vnd machent mich Ritter, keyser here, 
Durch uwer dogent vnd ere, 

Und lant mich alleyne vßriten, 

Vff heiden vnd vff risen striten?. 

Do sprach der keyser Sygemont 
“Jungherre, ich wil vch machen kunt, 
Ich vant vch in so hohen sachen, 

Ich sal vch gerne ritter machen. 

Dan ich bitte vch, Jungherre klar, 

Das ir blibent by mir eyn jar 


432 nit zw streichen. 433 vol mit st auffällig. 440 f. werden umzustellen 


sein, vgl. V. If. 


450 verwapen = mit einem Wappen versehen. 460 1. Geben. 


Deutsche Hss. in England I. 40) 


350 ANHANG 


470 Und da erfullent mynen willen an’. 
“Herre myn? sprach Jungher Johan, 
“Uwern willen vnd vwer gebot 
Leiste ich gerne, so helffe got!’ 

Nu bleip er by yme nach ein jar. 

475 Des keysers dochter, die maget: clar, 
Die hadde wol vernomen das, 

(9%) Das er nit yr bruder was. 
Deste serer begunde sy yn mynnen 
Hevmelichen in yren synnen. 
480 Ir det vil we, wissent das, 
Das ym ir muter was gehas. 
Auch drug er heymeliche[n] ir holden müt, 
Also noch etlicher off erden dut 
Der syme liebe helingen sin hertze git 

485 Und gedar ez offenberen nit. 

Seltsame Dinge ereignen sieh in Büälde (alrest ich wonder sagen mag). Der 
Kuiser hat ein glänzendes Mahl herrichten lassen. Der Papst, die Kardinäle 
und die hohen geistlichen Würdenträger, neun Könige, Herzöge, viele Grafen 
und Bitter sind seine Gäste. Oben an der Tafel sitzen Kaiser und Papst, die 
übrigen in bunter Reihe, so zwar: 

Das ie eyn herre ader der Ritter eyn 
Eyner frauwen oder einer iungfrauwen sassen engeyn. 

An der Tafel aber dient Junker Johann: 

Zu der hohesten dafeln, da der keyser sas, 
Der Jungherre der oberste diener was, 
Wann er was starg vnd snelle gnug, 
Schone, synnig vnd auch klug. 

530 Er was alt vierzehen jar, 
Man fant syne glichen niergen vorwar 
— So lutselig was er vnd so groß --, 
In allen glichen nit syn genoß. 
Were eyn Jungfrauwe siech gewesen, 

535 Durch sine schone were sie genesen. 

Inmitten der allgemeinen Fröhliehkeit erfasst bange Ahnung kommender 
selawerer Not sein IIerz, von Fieber beben seine Glieder und er schleicht sich 
ans dem Saale nach einer einsamen Kemenate. Indes war ein ungebetener Gast 
nach Rom gekommen : 

566 Er was der sterekeste heydensche man 


533 für glichen ist wahrscheinlicher richen zu lesen. 


EEE Rn nn mes _ U 


— 


370 


590 


z 
= 
sb) | 


600 


605 


568 1. zwifels, 


99 251 


Der in der zijt ie lip gewan, 

Er was sunder zwifele wang 

Wol vff vierzehen fusse lang, 

Ine was hut vnd hare offenbere 

(10’) Veste als stal oder ysen were. 

Es enwart nye swert so freyßlich, 

Sluge man ez vff yn, ez widderleyte sich; 
Ez enwas keyn helm oder schilt so klare, 
Er sluge yn mit der fuste zu stucken zware. 
Syn bart hing yme vber die wangen, 
Er hatte eynen schwartzen hals, eynen langen, 
Über sine schultern durre, nit smal. 

Syne augen waren rot vber al, 

Syn gesichte vil dufelichen bran, 

Er hatte breyter oren dan andere man. 

Und do er vor den sal gehende kanı, 
Hochfertiger rede er sich ane nam. 

Er rieff' dem portener hin 

*Balde schiere, laß in, laß in!’ 

Mit vber mätigen worten 

*Balde entsluß (die porten!” 

Der portener yme entwurte bot 

“Herre, so gediende ich den dot. 

Min herre, der Babest, hat gesessen 

Und mit myme herren dem keyser gessen 
Vnd patriarchen vnd manig herre gemeyt, 
Die besten in aller der Cristenheyt’. 

“Doch muß ich hinyn, obe ich kan’ 

Sprach der große heydensche man. 

“Ich gesage dir ez nümer dang, 

Des gewynnestu sicher betwang. 

Machmet muß vmer ane spot 

Zu Rome syn herre vnd got’. 

Und do er disse wort verließ, 

Mit dem fuße er die porte vff stieß, 

Das sie vil nidder vnd zurbrach. 

Er ging do er den portener sach, 

(112) Mit syme swerte er yme das heubt abe slug, 
Mit dem hare er ez in den sal drug, 

Uff die dafel ers vor den keyser leyt, 


591 myme herren ist vielleicht zu streichen. 


610 


615 


520 


c 
IV 
«bi | 


630 


635 


640 


607 1. ym. 


ANHANG 


Hochferteklichen er do zü yn seyt 
“Ich wil wissen, keyser, sunder spot, 
Das Machmet ist besser dan Jin got, 
Und ich wil yn machen vmermere 
Gewaltig herre vber Romesche ere; 
Und ir mogent nümer me genesen, 
Die gottes vergessent müßen yr wesen. 
Ich muß halten mynes meisters recht, 
Ich byn sin dienstman vnd syn Knecht. 
Cursin heißet min herre erkorn 

Und ist von Oriente geborn. 

Syn sint die lant von Barbarien, 
Egipten vnd Alexandrien. 

Dorrent yr mich kampes bestan, 

Die lant werdent uch vndertan, 

Vnd yr zu dode slagent mich, 

Uch wirt diensthafftig manig rich. 
Gedurrent yr mir nit kampes gehen, 
So müß uch vil vbel geschehen. 

Myn herre lit zu ludewerde in dem dan 
Und hat wol drißig dusent man. 

Er sal kömen in Roniesche lant, 
Stifften mort, raup vnd brant, 

Er sal kirchen vnd uwer klusen 
Zurstoren mit vwern gottes husen. 
Herre keyser, ir mußent vmer eynes kiesen, 
Vnd welches ir kiesent, ir mußent verliesen. 
Hie en ist keyn gedinge an. 

Wissent, ich bins der selbe man, 

Der hevden konig fursin, ia, 

(11") Geborn von Orient von Hybra’. 
Der keyser der rede entwurte bot 
*Frunt, ich weiß ez als mynen det, 
Das got alle ding hat gemacht. 

Er machte laub vnd gras, 

Was yetzunt ist vnd ye was, 

Er machte man, er machte wip, 

Was ye enphing leben vnd lip, 


612 f. ist nicht klar, man erwartet: Euch kann nimmermehr Heil 


kommen, es sei denn, dass Ihr Kures Gottes vergesst, 040 darnach scheint eine 


Zeile zu fehlen. 


99 253 


[ori 
FE 
Sı 


Er machte wasser vnd wynt 
— Ich meyne der fryen marien kint —, 
Er machte hümel, lufft vnd sterren 
Als man noch schauwen mag von verren. 
Der lazarum erweckete von dem tolde, 
650 Der mag vns wol helffen vBer node; 
Der «do kerte wasser in den wyn, 
In des dienste sollen wir syn. 
Er ist herre aller gnaden, 
Syne gute mag vns wol beraden, 
655 Er vergoß durch vns syn heylig blut, 
Er macht uns all vnser ding gut. 
Frunt, als ich vernömen habe, 
Es ist besser kamp dann hals abe’. 
Den kamphendschuch er do zo yme zoch, 
660 Er sprang vff eyne dafel die was hoch. 
Er sprach “horent, ir edelen fursten here: 
Wer durch des hohesten gottes ere 
Disen kamp dar fechten 
Vnd eristenliche hie berechten, 
665 Dem wil ich gerne geben zu lone 
Myne schone dochter vnd myne krone’. 
Papst und Kardindle bieten Ablass, S. (reorys und 8. Peters Fahne wer- 
den entrollt: alles vergebens; kein Ritter wagt den Kampf zu bestehen. Uhnbe- 
schreiblich ist die Jammerscene, die sich abspielt. 
Die wybe kunden yren Jamer nit verhelen, 
In entsuncken mentel vnd die velen, 
635 Sie zugen yr wympel vor die augen, 
Sie twang der Jamer ynnen daugen, 
Das so manig lobelich furste 
Keyner nit vechten gedurste. 

Entrüstet ob solcher Feigheit reisst der Heide dem Kaiser die Krune vom 
lHaupte, setzt sie auf seinen Fuss und erklärt das Reich für sein eigen. Zwar 
versucht der Papst durch Hinweis auf den Martertod Christi den Sinn der 
Ritter zu ändern — aber kein Kümpe meldet sich. Doch 

735 Des keysers dochter gedachte schiere 
“Wo ist Johann vb dem virgiere? 
Were hye der selbe Edel man, 


658 pesser ist kenıpfen dann hals ab Keller, Fastnachtspiele 509,9. Ottokars Chro- 
nik (MG. Deutsche Chronikenv) V.5SS5 f.: als ich hin vor vernomen hab, so ist bez- 
zer kamph denn hals ab. 


745 


gt 


=] 
Q1 
zı 


THU 


a | 
| 
= 


ANHANG 


Er solte sich des kampes nemen an, 
Wann da lebet keyn durer helt, 
Dane den ich heymelich han erwelt. 
Wüste ich den stoltzen Jungeling, 
Ich clegete yme disse vbelen ding‘. 
Sye liez sie alle schryen, weynen 
Vnd sleich hin da von steynen 
Eyn schone kemenate was, vil ziere: 


“Do ynmne lag der Edele von den virgiere. 


Eya, wie edelich was ir gang, 

Ir varwe gemuschet rot vnd blang, 

Da sie sich hub an das geuerte; 
Schleich, schone also eyn wunschelgerte 
Was ir lip vff gewaßen reyne, 
Lydemaße zwidig, hende, arme vnd beyne, 
Ir brustelin gedrewet wol sinewel, 

Ir har lang, krispel, goltuar gel, 

Ir mundelin bran rot als der robin, 

Ir augen hatten durchluchtige, liechten schin. 
Und do si in die kämenate quam, 

Viel schiere sie den Jungeling vernanı, 
Das er von noten entslaffen was: 

By yn an das bette sie do sas, 

Sie begunde sich vff yn lenen 

Vnd wart vil heyße weynen. 

An sin antlitz sie sich kerte, 

Dar vff sie ir heissen «dreen rerte. 

So heiß ir «drehen waren, 

Das deme Jungelinge vil claren 

(136) Alda syn sloff benomen wart. 

Uff so sprang er an der vart, 

Er wuste nit wie yme geschehen was, 

Do ym sin .antlitz was heis vnd nas. 
Do ersach er die maget reyne, 

Der glantz schone als die sonne scheyn. 
Er sprach mit frolichen syunen 

“Got gruß uch, myne könygynnen, 


750 1. Schlecht. Ähnlich Engelhart 3000 f. reht als ein wünschelruote kam si | 


geslichen üfrcht. 


"in 2 Teile gespalten’ sein. 


vgl. 4909. 


152 zwidig kann kaum das von Schmeller 2?, 1173 belegte Adj. 


761 8. leynen. 


‘55 Ir mund pran recht als der rubein Wigamur 2615, 


wr 


99 2H: 


775 Heymelichen lieb in mynen hertzen! 
Wo von so lident yr smertzen? 
Und sagent mir, was (das meynet, 
Das yr so sere hant geweynet. 
Hat vch yeman icht gesprochen, 
780 Ez wirt von mir schiere gerochen, 
Wanä ich vch vor alle ding lip han. 
Ich reche ez, wer uch hat getan, 
Ez wirt yme von myn& swerte zu swere, 
Obe ez der keyser, uwer vatter, selber were”. 


1 
co 
Sı 


‘Neyn’ sprach sie, “liebes frundelyn, 
Bedrubet sint die synne myn: 
Es ist komen mynes vatter meyste viant 
Vnd widdersaget yme in syıhe eygen lant. 
Er wil machmet zu Rome machen 

790 Eynen herren vber alle sachen. 

Sie erzählt ihm den Verlauf der Ereignisse und nennt den Preis, der des 
Kümpen harrt. Der Junker zögert keinen Augenblick, die heimlich geliebte 
durch seine Tapferkeit zu gewinnen, und bittet die erfreute und doch wieder 
um sein Schicksal tief bekümmerte ‚Jungfrau, seinen Entschluss unverzüglich 
dem Vater mitzuteilen. Voll Freude hört der Kaiser ihre Botschaft und heisst 
sie reiches Gewand dem jungen Helden bringen. 

875 “Die kleyder die ich det machen, 
Grunen sämit, rot scharlachen, 
Die die lenge sint vndersnyden 
Von oben an bitz zu nyden, 
Die bringent dem ellenthafften man. 
880 Bittent yn ez dragen, den Edeln Johan, 
Mit uwer hant streichelt ym syn hare fyn 
Vnd setzent yme vff uwer bestes scheppelyn. 
Helsent yn fruntlich an der stunt 
Vnd kussent ym lieplich an syn& munt, 
885 — Lieplichkeit von reyne wyben gut 
Stercket mänes hertze vnd mut — 
Und saget yme, ich wolle yn machen 
Ritter mit herlichen sachen’. 
Die Jungfrauwe leyste des keysers bet, 
890 Wann sie ane das gerne (let. 


779 vgl. Wigamur 5255 Han ich dir icht gesprochen Das hast du wol gerochen; 


ferner ähnlich Netz 13654 f. 782 vgl. Virginal 24,4 juncfrouwe, wer hät iu ge- 
tän? 884 1. yn, vgl. 912. 1188. S90 sie oder ez zu ergänzen. 


395 


900 


910 


915 


920 


925 


strichen) strelete. 


ANHANG 


Sie ging da si den Junge fant 

Und (det mit yr dragen das gewant. 
Do er sy mit augen ane sach, 

Ime verswant alles syn vngemach. 

(15) Sie sprach “Edel Jungherre Johann, 
Nement diße kleyder an 

Die uch myn Ritter bringen hieß; 

Mit dem munde er mich uch sagen ließ, 
Er wolt uch zu Ritter machen 

Mit hohen, erlichen sachen’. 

Er sprach “Gnade, Jungfrauwe myn, 

In uwerme dienste wil ich syn. 

Got lasse mich also främ werden, 

Das ich uch gedienen vff dirre erden”. 
Der Jungherre leyt die kleyder an vorwar, 
Die Jungfrauwe strelete ym syn gelbes har 
Vnd satzte ym dar vff eyn scheppelyn 
Von golde vnd von gesteyne fyn 

Vnd gap yme schone kleynode. 

Sie was selber nit so blode, 

Sie helsete yn, do sy vor yme stunt, 
Vnd kuste yn fruntlich an syn& munt. 
Sie sprach “man sal uch ritter machen, 
Ir sollent kömen zu hohen sachen. 

So yr gedenckent, das yr min ritter sit, 
So sint gut Ritter zu aller zijt, 

Das ich von uch moge haben ere 

Vnd yr lon von gotte Vmer mere 

Vnd ich uch gerne moge liep gehan 
Vff dirre erden vor alle man”. 

Do sie rette so fruntlich, 

Syn hertze das erhub sich 

Eyns fußes hoher dane E, 

Verswunden was alles syn we, 

Do die schone vor yme stunt 

(16°) Und ym ir lieplichkeit det kunt, 
Wand in allem riche 

Was niergent irn geliche. 

Er sprach lute vnd offenbere 


897 l.myn vatter; besser ließ : hieß. 904 1. gediene. 906 Hs. stillete (durch- 


930 


99 


“Ich wolte, daz ich gewapent were 

Und der Sarraezin vor mir hilte 

Under helme vnd vnder sime schilde 
Und mit eyme gerecketen sper, 

Zu rosse oder wie ers ger, 

Und ich vor uch myne erste schust 
Muste dün nach myner gelust. 

Wer er so groß als der berg mungawen, 
Ich wolte yn zu stucken zuhawen’. 


Mit heiterer Miene kommen beide in den Saal zurück, wo noch immer 


Jammer und Verzweiflung herrscht. Johann will fechten, aber erst nach einem 


letzten Versuche, die Bitter zu einem mutigen Entschlusse zu bekehren, damit 


es nicht heisse, er, der Findling, habe sich in Dinge gemischt, die ihm nicht 


gebührten. Das Heiligtum solle herumgezeiyt werden, der Kaiser sein Ter- 


sprechen erneuern, der Papst vollen Ablass bieten: helfe das nicht und 


980 


Man verführt nach semem Wunsche; aber alles ist vergeblich. 


“Wil sich ez keyner nemen an, 

So dün ich das beste das ich kan. 
Ich vechte den kamp mit myner hant 
Unb die Jungfra®we vnd diß lant. 
Ee wir vß kamphes kreyße scheyden, 
Es giltet eyner vnder vns beyden’. 


sieh vor dem Heiligtum 


1011 


1015 


1020 


1025 


Sunder der starcke Sarraezin 

— Vermalediget muß er syn —, 

Er achte dar vff sicher kleyn, 

Er kerte synen rücke dar geyn. 

Des zornite sich sere Jungher Johan, 
Den hentschuch nam der Edel man, 
Mit der andern hant nam er «die crone, 
Er satzte sye uff des keysers heubt schone. 
Er sprach *dißen kamph wil ich vechten, 
Dar vber sollent ir rechten’. 

(17b) Do dancketen sie alle got 

Und lobeten yn an allen spot 

Danne alleyne der starcke sarraczyn. 
Er sprach "was seyst du, wichtelyn? 
Was seyst du, kleyner kampgenoß ? 
Werest du drüstunt also groß, 
Ich sluge dich mit der fuste myn, . _ 
Das ez muste dyn ende syn. 


Deutsche Hss. in England 1. 


- 


Sie neigen 


Q ANHANG 


Do sprach der knabe hochgemfit. 
1030 “Vor drauwen bin ich wol behät. 

Wo sollen wir fechten ?” sprach her Johann. 

“Zu ludewerde in dem dann, 

Der zuhet sich geyn «deme mere, 

Da flußet eyn wasser das heyßet spere. 
1035 Also ich uch nu sagen mag: 

Wir mußen vechten uff den dritten dag. 

Do wil ich vollenbringen myn gebeot, 

Das machmet beßer ist dann got’. 

“Got ist viel beßer’ sprach Jungher Johann. 
1040  Hie mit schiet der heyden hin dann. 

Sie erhuben den Jungeling here 

Vnd erbotten yme groß ere. 

Der babest hieß yn Ritter machen, 

Manig herre von hohen sachen, 


1045 Baronen, Ritter rieften den keyser an 
“Here, gnade, dunt ritter dißen man’. 
So geschieht es. Beiches ritterliches Gewand und ein gutes Ross, in des- 
sen Satteldecke die bei dem Kinde gefundenen Wappen (3 goldene Lilien im 
binuen Felde) gestickt sind, wird gebracht. Ein Graf schnallt ihm die Sporen 
un; auck seines Schwertes hat man nicht vergessen: 
Der Babest von Rome wite erkant 
Segente ez yme selber in die hant. 
Der keyser syne hant off hup, 
10%0 Do mitte er vn an den backen slug. 
“Dißen streich verdragent vnd keynen me, 
Do ez uch anders zu rechte erghe, 
Und sint auch Ritter, helt gut, 
Vurbaß vor missewende behät, 
1075 Als yr noch bit her hant getan: 
Des welle vch got genießen lan’. 
Während die Kunde von dieser Feier ganz Rom durcheilt, wird der junge 
Ritter zur wohlbesetzsten Tafel geführt. Reich dünkt er sich und doch arm. 
Reich, weil er guten Grund hat zu vermuten, dass er von hoher Abstammung 
set, und ferner, weil er Aussicht hat, durch den bevorstehenden Kampf Ruhm 
und Ehre zu erwerben; arm, weil er doch nur ein Findling ist, ohne Freunde 
und Mage. Zwischen Katserin und Prineessin wird er gesetzt. Darob murrt ! 
ein Ritter Namens (iaueron. 
Er was vil böser dan her keve 
1125 Der artuses droßesse was 


99 259 


Und sich mit worten dieke vergas. 

Kaiser und Papst tadeln mit harten Worten Gaueron ob seiner niedrigen 
Schmähsucht, aber Johanns Fröhlichkeit ist dahin. Am andern Morgen ziehen 
die Römer in feierlicher Procession durch die Stadt von Gotteshaus zu (oltes- 
haus. Nachdem Johann Messe gehürt, rüstet er sich unverzüglich zum Auf- 
bruch. Sein Pferd wird vorgeführt, die Waffen, die man einst bei ihm ye- 
funden hatte, werden herbeigebracht, Mundvorrat auf ein Saumtier geladen. 

Urlaup nam er do harte schone 
An den herr vnd an die barone 
1185 (20°) Und an den kevser vnd Keyserynen. 
Die Jungfrauwe sprach in druben synnen 
“Got segen «dich, frunt, vnd la dich gesunt’ 
Und küste yn fruntlich an synen munt. 
Frylich sprang er in syn gereyte, 
1190 Sanet Johannes mynne was syn geleyte, 
Das wart ym gebotten schone. 
Do sprach der falsche Gauerone 
Heymelich in syme munde syder 
“Numer müustu’komen her wyder, 
1195 Du vngenemer fundeling?. 
Her Johan zu sprenge ane ving, 
Zu der porten vB was ym. gach; 
Manig getruwer segen wart yme nach. 
Do reyt er den selben |[d]Jag, 
1200 Das er ruwe nit enphlag; 
Den andern dag er vber reyt. 
Des dages quam der gemeyt 
Zuschen Cristen vnd heyden lant 
Do er den vngehuren vant. 
1205 Er reyt uber eyne brucke mere 
Und uber ein wasser, heisset spere. 
Da erbeißete zu fusse der gast 
Vnd heffte syn ros an eynen ast. 
Die sonne was vff vber alle bäume: 
1210 Do sach er hien vnd nam gaume, 
Wo der große heyden lag 
Und dannoch synes slaffes phlag 
Uff deme schonesten plan den er kunde fynden. 
Syn heubt lag vnder eyner lynden, 


: 1184 l. An die. 1193 I. mude? 1201 I. aber? 


260 


1220 


1225 


1230 


1240 


ANHANG 


Das ist auch lugen keyne: 

Syn heubt lag vff eyme steyne. 

Syn achtüm lute, do er lag, 

(200) Als eyn wylder donrslag. 

“Crist geseyn’ sprach myn herre Johan, 
“Ist daß eyn dufel oder eyn man?” 

Joch sach er vngerne vff den dag, 

Das syn heubt also vnsanffte lag. 

Er wart synes wapenrockes bar 

Vnd stieß yn ym vnder das heubt dar. 
Er ließ yn slafen wie er wolte, 

Syne spise er von syme seymer holte. 
Er richte sie an vff syme schilte: 

Zu morgen zerte der helt milte. 

Eyn deyl er auch Jar zu drang 

Und seyde got syner gnaden dang. 

Da ging er do der heyden lag. 

Er sprach °stant vff, frunt, ez ist dag! 
Wiltu essen, ich gebe dyr spyse 

In dem nämen gottes von dem paradyse 
Harte gerne an dirre stunt?. 

“Neyn’ sprach er, “Cristen hunt, 

Du hast ez harte große schande, 

Du byst von hunger vß dyme lande. 
Wiltu dich mir gefangen geben, 

So wirt dir gefristet dyn leben‘ 

Und sagen auch, daz ich ez habe getan, 
Und wiltu dyme gotte abestan 

Und wiltu dich syn verzihen als dyn leben, 
Das lant zu Barbarien wil ich dir geben 
Und manig edele stat noch dan”. 
“Neyn ich’ seyte myn herre Johan. 

Der heyde sprach “daz ist eyn spot, 
Die Juden hyngen dynen got”. 

(21%) Da sprach her Johann vß dem virgiere 
“Wolte sich got geweret han, 

Die Juden mochten yme nit han gevan. 
Du hast got übel gesprochen, 

Das wirt von mir gerochen. 


1243 streiche wiltu. 1249 darnuch scheint ein Vers zu fehlen. 


1251 I. yn. 


1260 


1270 


1285 


1290 


1280 1, beyde. 


99 | 261 


Wol uff, du wirst dich weren, 
Wiltu den lip generen. 

Dirre kamph mueß ye vor sich gan, 
Sit ich got wil zu helffe han’. 


Do richte sich vff der heydensche man. 


Eyn wapenwansch det er an 

— Das was vmb syn genicke 

Wol eyner hende dicke, 

Keyn vesters in der werlte was: 

Umb die brust lag gemfallen glas —, 
Dar vber eynen halsberg gut, 

Das er von allen waffen were behät. 
Von stahel er eyne helm vff' bant, 
Den schilt den nam er vor die hant, 
Das sper er in die ander hant begreif, 
Er satzte den füß in den stegereif 
Und sprang oben in das gereyde 

Und stappite hyn off’ die heyde. 

Synen vanen hette er entwonden. 

Her Johan auch zu den stonden 

Was wol gewapent vff' gesessen 

Vnd hatte syn selber nit vergessen. 
Synen helın hatte er vff verbunden, 
Die wapen die by ym wurden funden 
Die stunden yme vßer (der maßen wol, 
Er was eyn ritter wädes vol. 

Si wurden beyden eyn ander gern, 
(21b) Sie quamen mit gesencketen spern 
Gefaren vff eynander mit nyde 

Also vyent geyn vyent zu stryde. 

Der heyde hatte den langesten schafft, 
Er vorgaderte vff her Johan mit crafft 
Und stach herrn Johann durch den schilt, 
Der so menlich geyn yme hilt, 

Und durch die platen, durch das gelider, 
Die korye halff nit dar widder. 

Er endrante yme manigen ring, 

Das sper durch den halsberg ging, 

Das er ez vil wol wart gewar. 

Doch drang er widder vff yn dar 


ID 


“ 
IV 


1295 


1300 


1305 


1310 


1315 


1320 


1330 


ANHANG 


Mit synes speres ysen: 

Blech vnd ring begunde rysen, 

Das sper er yme in die brust drang 
Wol vff eyner spanne& lang. 

Die rosse stunden beyde gebogen, 

Die stücke von den speren flogen. 
Die rosse quamen vff die knye, 
Schoner dyost gesach man nye. 

Da sie widder zu yn selber quamen, 
Die rosse sie aber mit sporen namen. 
Do her Johan sach des heydens blüt, 
Fro was yme hertze vnd mät, 

Er sprach “frunt, ich han des wol acht, 
Ir sint von stahel noch von ysen nit gemacht, 
Ir hant fleisch vnd blut 

Also manig ander Ritter gut”. 

Hie mitte was der rede gnug. 
Ieglicher vff den andern slug. 

Ich gleube, daz sie ir swerte 

(222) Ir keyner lutzel do sperte. 

Sie hiewen die schilte me vnd me, 
Das die spene flogen als der sne. 
Golt vnd gesteyne der slege engalt, 
Sie wurden mit slegen abe gefalt. 

Da was wang widder wang: 

Ez was nit eyn meygen gang. 

Man sach die flämen vB springen, 

Die swerte vil lute klingen, 

Do mitte sie eyn ander mit versnitten. 
Mit zugen sie vil sere snitten 

Durch helm, durch schilt, durch halsberg: 
Sie driben do ritterliche werg. 

Durch yr ringe sach man rynnen blät 
Als der regen vß den wolcken dät, 
Der melme wart zuschen yn so dicke, 
Sie mochten gesehen nit eyn& stick. 
In bleip nit gantz von yrn schilten 
Eynes fußes breit, die sie vor hilten. 
Also werte mit haß yr beyder strit 


1312 daz swert er lützel sparte Lanzelet 1438. 1322 I, nit vermitten. 


1335 


1340 


1345 


1350 


1355 


1360 


1365 


1370 


1347 1. enborte. 


99 


Von des morgens an bit vesper zijt. 
Doch was yr keyner so vollenkömen, 
Hede er gedurst, er hette ruwe genömen: 
Menlich hette geben zu den stunden 
Dem andern xvıı wunden; 

Auch waren yr rosse wunt geslagen, 

Das sie sie vbel mochten gedragen. 
Doch begunden sie eynander grüßen 

Mit herten slegen vnsußen. 

“Du müst sterben’ sprach der heyden. 


Her Johann sprach “ich sal ez dich bas bescheiden’. 


Des zornite der heydensche man, 

(22b) Mit hoffart kam er den Jungen an, 
Mit handen er das swert begreiff 

Und envorte sich in dem stegereiff 

Und gab her Johann eynen slag, 

Das er vff dem sadelbogen gelag 

Und yme eyn stucke von dem schilte sprang: 
Da seyde er machemeten großen dang. 
Da her Johann herkoberte vnd widder kam, 
Eyn swert er bit beyden henden nam. 

Er reyt do er den heyden fant | 
Und slug yn mit geweltiger hant 

Uff synen helm von stahel harte: 

Er mochte syn nit gewynne vorscharten. 
Von der herte das swert nider glant 

Vnd gestackete in des schiltes ranft] 

Wol so dieff als eynes mänes fuß. 

Her Johann nü syn swert lassen muß, 
Wann er kunde ez mit allen syn& synnen 
Nit her widder vB gewynnen. 

Nü hat her Johan syn swert verlorn: 

Des hatte er ruwen vnd auch zorn. 

Vmb dreip yn der heyden vnmilte, 

Er müste sich decken mit dem schilte, 
Wann er vant nit das ym dochte, 

Do mitte er sich geweren nıochte. 

Do sprach der heyden konig rich 

“Wiltu nach ergeben dich 


1353 1. Syn? 


2063 


264 


1375 


1380 


1390 


1395 


1400 


1405 


1410 


1372 vgl. 1241. 


ANHANG 


Und sage die selbe dat von mir, 
Barbarie das lant das gebe ich dyr; 
Vnd wiltu dich dynes gottes verzihen, 
Egipten wil ich Jir zu eygen lihen. 

Ich gebe dir manige stat nach dan’. 
(238) *Neyn ich zwar’ sprach her Johan, 
“Ich wil mich veste halten ane got 

Und vmer leysten syn gebot. 

Ich truwe, ich solle in kurtzer stunt 
Uch furen vor den keyser Sygemunt 
Und yr sullent uwer vordel verliesen, . 
Das yr wollent alles deylen vnd kiesen’. 
Diß wolte got mit syner gotlichen krafft: 
Er vant eyn stucke von des heydens schafft 
— Er was wol achte fuße lang —, 

Dar nach det er eynen swang. 

In die hende begreiff er yn klug, 

Den heyden er do mitte slug, 

Das er rümede alda beyde 

Stegereif vnd das gerle]yde. 

Her Johan, der degen wert, 

Begreiff' widder sin swert, 

Er zückete ez vB dem schilte dan 

Und sprach den großen heyden an 
“Frunt, wiltu gleuben an got 

Und wiltu sten an ceristus gebot 

Vnd faren mit mir zu dem keyser here, 
Du gewyüest lop vnd groß ere’. 

“Neyn, numer” sprach der vbele man. 
Do wart zornig myn herre Johan. 

Schier fur er vff den heyden dar 
“Myner cerafft müstu werden gewar 

Und was myn got geleisten kan, 

An den du wilt keynen glauben han’. 
Er slug yn in dem melme: 

Das heubt mit dem helme, 

Rippe vnd gederme slug er vff. 

(23b) Der streich erwant vff der huft, 
Da= swert drang neben ‚vi an. den dyer 


99 265 


So großen slag erfreisch man nye. 

Do wart selig der vngehure knabe. 

Her Johan swang (das heubt abe, 

Der stoltze helt gar vnbetrogen 
1415 DBant ez an synen sattelbogen 

Und wolde von dem felde riten: 

Da was er belegen zu allen siten. 

MWonl Ah060 Areiden schneiden ihm den Rückweg ab: Berg und Tal Teuch- 

ten von ihren bunten Bunnern. 

1425 °Hilff mir, herre got’ fleht der junge Held, 
“Und maria, heilige Jungfrauwe, 
Zu myner nöten hie schauwe 
— Berg vnd dal vol heyden ist. 
Nu weyß ich, «daz du starcker bist — 

1430 Vnd walte noch hute aller myner sachen. 
Ich wil mich zu were machen. 
Benement mir die heyden myn leben, 
Ich hoffen, du salt mir grossen lon dort geben’. 

Giewaltig spornt er sein Ross und durchbricht, mächtige Schwertschläge 
nach allen Seiten hin austeilend, eine Schar der Frinde um die andere. 
Do erslug der helte wol geborn 
Manigen heyden vß erkorn. 

‚Syn swert ging elingen — cz was güt — 
1445 Als der hamer vff dem aneboß dät. 
Gluck also mit yme was, 
Er det ez ye lenger vnd ye bab. 
Da reyt er yn die dritte schar 
Und nam der gottes vynde war, 
1450 Er zurhiewe mit syner crafft 
Manigen schilt vnd manigen schafft. 
Syne slege hatten große macht: 
Glich eyme lewen er do vacht. 

Endlich hat er sieh durchgehauen und yelanyt einem schmalen Pfade 
folgend in einen Wald. Mann und Ross sind schwer verwundet, durch die 
Ringe rinnt das Blut. Da steigt er rom Pferde und verbindet mühsam seine 
Wunden. Fin wenig Brod und ein Schluck Wein hätten ihm wohlgetan, 
aber nichts ist ihm übrig geblieben. So reitet er von neuem die Nacht hin- 
durch, bis er bei Sonnenaufyang Kom vor sich liegen sieht. Clarisse hat in- 
zwischen Tag und Nacht kummertoll seiner geharrt. Als sie ihn nun mit dem 
Haupte des Riesen am Sattel heranreiten sicht, da ruft sie nach ihrem Vater 
und bittet Uhn, die Tore öffnen zu lassen wnd das dem Delden gegebene Ver- 

Deutsche Hss. in England T. 34 


266 ANHANG 


sprechen zu erfüllen. Gaueron aber rät ab: es gehe nicht an, einen Findling 
zum Herren von Rom zu machen. Der Kaiser leiht ihm trotz den flehentlichen 
Bitten seiner Tochter Gehör, und Johann findet statt freudigen Empfanges 12 
wohlverschlossene Tore, während im Rücken die Feinde in hellen Haufen heran- 
ziehen. Da yrebt er sich verloren. Auf der Zimme sieht er Clarisse jammernd 
stehn. Wieder verrichtet er Heldentaten unter den Feinden, wird aber schliess- 
lich von ihnen bis hart an die Stadtmauer gedrängt. Nicht hilft, dass Clarisse 
chm 50 Ritter sendet. Da sieht Lammelot seine Not und reitet ihm zu Hhlfe. 
Johann vermeint, er komme den Full seines Bruders an ihm zu rüchen, aber 
neue Kraft erwacht in ihm, als er von Lammelot eines Bessern belehrt wird. 
Gemeinschaftlich werfen sie sich den Feinden entgegen, bis ihre Rosse erschlagen 
sind und sie selbst aus vielen Wunden bluten. In dieser höchsten Not eilt 
Lantzelot, eyn krefftig helte zu aller not, aus der Stadt zu ihnen und erschlägt 
den König ron Bulgarien, dessen Ross er Johann übergiebt; der aber tritt es 
edelmitiy seinem Gesellen Lammelot ab, um bald ein anderes für sich selbst 
AU gewinnen. Nun wieder zu Pferd, kämpfen die drei quten Gesellen den gun- 
sen Tay und die Nacht hindurch: 
1761 Sye erslugen, wen diß wundert, 
Me däne viertzig hünddert. 

Als der Kaiser bei Sonnenaufgang die Ielden unermüdet kämpfen sieht, 
sehänmt er sich seines Verrates. Etliy yebietet er einen Ausfall, wobei Gaueron, 
der Consul der Römer, die Sturmfahne zu tragen hat. Der feige Mann lüsst 
diese bald fallen, wendet sich zur Flucht wu reisst viele tüchtige Kämpen mit 
sich. Vergeblich mahnt und beschwört Johannz; regellos wird die Flucht: 

Der son über den vatter rante, 
1825 Der vatter rante vber das kynt, 
Sie stoben zu der stat als der wvnt. 

So müssen sieh Johann und seine beiden (iesellen begnügen, die Nachhut 
x decken und lebend, wenn auch mit zahllosen Wunden bedeckt, in die Stadt 
su sehen, deren Tore eiliyst verschlossen werden. 

’ 1846 Da vBße ließen sie die sarraßyn. 
Her Johann Iyt vil grosse pyn 
Von den wunden die yme waren gehauwen. 
Er ging hyn zu syner Jungfrauwen. 

1850  Bedrubet was die Jungfrauwe fyn, 

Sie sprach “willeköme, herre vnd frunt myn, 
Mogent yr vnd vwer gesellen genesen?” 
“Jungfrauwe, «lo müß glucke by wesen. 
Heden wir meister zu disen stunden 


“ 


1547 1. leyt. 


99 267 


1855 Die vns heilten vnser wunden 
Die Jungfrauwe sante geyn Mompoliere 
Und geyn Salerne nach meystern schiere. 
Die bunden den herren ire wünde schone 
Und verdienten do richen lone. 

Inzwischen stürmen die IJleiden die Stadt, werden jedoch mit starkem Ver- 
luste zurückgeworfen. Ihr Sultan Hagelos wihlt nun den langsameren Weg der 
Belagerung. | 

Da wurden gemacht bliden, louckere, 
Tribocke vnd büßen schossen sere, 

1890 Katzen, schyrm vnd domnelere: 
Alrest wart daz vrluge swere. 

Trotzdem vermochten die Feinde nicht der Stadt Herr zu werden. 1!/, Jahr 
währt die Belagerung schon: da — es ist Ostern geworden — mangelt es den 
Römern an Speise. Niemand weiss zu helfen, nur (iaueron rät, den Christen- 
glauben abzuschwören und so die Gnade des Sultans zu gewinnen. Als Johann 
ihn xornig zurechtweist, schlägt er ihn ins Gesicht — und nimmt Reissaus. 
Der Kaiser zürnt und will sich fortan ganz an Johaunns Rat halten, dem er 
die Schlüssel der Stadt anvertraut. 

Da her Johann die slußel hette genomen, 
(32b) Da was er zu dyngen kömen. 
1970 Er sprach “gnade, herre, keyser rich, 
Ich byn nu beraten gar herlich. 
Es ist hüte der grune donrstag 
Den man vil wol eren mac: 
In dirre naht gefangen wart 
1975 Cristus vnser heylant zart, 
Er ließ sich durch vnser liebe 
Henken also morne zuschen zwen diebe. 
Darnach der Osterabent lit. 
Mich dunket güt, das wyr diße zijt 
1950 Vnser vynde durch got laßen fry, 
Bitz das vns der Osterdag kömet her by, 
Und sich menlich mit gotte bewla]r. 
So rade ich, das man dan vz var 
Uff vnßer vnd gottes vyande 
1985 Und sie triben vB vnßem lande”. 
Der rat geviel yn allen wol. 
Sy sprachen, er were güter synne vol. 
Nu do der Osterdag ane ving 


19659 l. zu hohen dyngen, 1085 1, tribe, 


268 


1990 


1995 


2000 


2005 


2010 


2020 


2025 


ANHANG 


Und menlich zu Kirchen ging 

Uni namen gottes dienste war, 

Der keyser kam mit den synen dar. 
Und da die messe wart gesungen, 
Alte vnd Junge do vB drungen 
Und ylten vff des keysers sal, 

Da si nach yrs hertzen wal 

Mit lust wolten frolich syn. 

Da funden sie weder brot noch wyn 
Noch korn, mel ader brot: 

Der hunger schuff vil manigen. (lot. 
(33%) Ieglicher sach den andern an. 
Da »prach vß dem virgiere Johan 
“Wil yeman mit vß riten 

Nach spise zu velde an dißen ziten?’ 
Man seyt vns, «das sie alle swygen 
Und hatte «die heubte nider genygen. 
Do »prach Johan vB dem virgiere 
“Bringent mir myn wapen schiere. 
Ich wil zu der Rat stat vzriten 
Und wil nit lenger beyten’. 

Also balde als er das wort gesprach, 
Syne wapen man dar bringen sach. 
Das leyt an sich «der degen wert, 
Uimb sich gurte er syn gut swert, 
Ein monichkappe det er an 

Uber synen harnesch, der freche man. 
U syn roß er swynde schreyt, 

Zu der porten vB er frilich reyt. 
Sie wünschiten yme glucke vnd ere, 
Ane der verreter Gaueron, der hassete yn sere. 
Er sprach heymelichen svder 
“Nümer müße er kömen her wyier‘. 
Her Johan der reden nit enhorte, 
Er slüg mit sporn vnd reyt vorte. 
Da such er manig paulon gemert. 
Er hatte gefastet mit grosser macht 
Wol vier dage vnd vier nacht. 

In hungerte vz der maßen sere, 


1997 vielleicht: fleisch noch wyn. 2008 ch nehme ratstat als Stätte, an der 
Vorrat (von Speise) zu finden ist. 2024 darnach fehlt ein Vers. 


2030 


2035 


2040 


2045 


2050 


2,55 


2060 


2065 


2045 I, ze? 


9. 269 


Wen wolte wondern diese mere? 

(33) Viel dicke rieff der frye 

“Hilff, müter gottes, sce Marie! 

Es ist hüte der funffte dag, 

Das ich essens oder drinckens nye enphlag’. 
In des yme zu sehende wart 

Eyn gezelte von kostlicher art. 

Ez was von oben biß niden 

Bla vnd grüne vnderschnyden. 

Oben vff' stünt von golde ey sterre 

Der luchte geyn der sonnen ferre. 

In dem gezelte zu ringe sassen 

Viertzig heydensche könige vnd aßen. 

Sie haden auch wilde vnd zanı. 

Her Johan aldar geritten kam, 

Er »chauwete yr dafel, sie was nit krla]ng, 
Sie hatten roten wyn vnd blang. 

Syne freude wart do nit so kleyne. 

Er sprach °hilff maria, müter reyne, 

Mit disen sal ich hüte elsen hie 

Und geluden mich doch nye?. 

Er erbeyßite von syme rosse schone 

Und drat hien in die paulone, 

Er grüßte die heren allesampt 

In heydenscher sprache: die was yme bekant. 
Si frageten yn, was er do suchite 

Oller was nüwer mere er do geruchte. 

Er sprach “by myner cristenheit, 

Es ist der vierde dag, das ich reyt 

Alher von Romen vz der stat, 

Also mich myn herre, der keyser, bat”. 

Sie sprachen, obe er were eyn bode. 

‘Ja’ sprach er, “by dem lebendigen gode?. 
(34%) Der soldan sprach “sage mir eben, 
Wil man mir die stat fry eygen geben . 
Und dar zü alles Romische riche? 

“Neyn, here" sprach er, “sicherliche’. 

“Was mere brynget yr, sagent gereyt?’ 

“Ich sage ez uch, doch ist ez in Cristenheyt 
Sit, keyn botte let syne botschafft wißen, 


270 ANHANG 


Er habe dan vor hyn wol inbyßen’. 
Sie sprachen, das er seße, 
270 Vaste druncke vnd eße 
Vnd yn dar nach seyde 
Die botschafft by warheyde. 
Zwene knaben brachten zwey dischleyn 
Vnd eyn hültzen dafeln vß der maßen reyn. 
2075 Die dafel begunden sie dar machen, 
Dar vff eyn syden dischlachen 
Und eynen nap von golde, 
Da er vz drincken solde. 
Man brachte edele spise vnd brot: 
2030 Das det dem herren nit zu unnot. 
Er nam wasser vnd saß zu tische. 
Man brachte ym wilprecht vnd vische 
Und den aller besten wyn 
Der in der werlte mochte syn. 
2085 Er sach vmb sich her vnd dar, 
Obe syn yeman neme war. 
Er sprach “yr edele barün, 
Ich müß myn kappen abe dün, 
Dar vmb bitte ich vch, helte güt, 
2090  Entphahent ez vor keynen argen mät’. 
Sie sprachen “nu dü, edel man, 
Es enghet vns nüschnit an’. 
(34) Wes er gert das hede er gnüg, 
Volleklichen man ez vor yn drug. 
2095 Er vollete die kutte also eynen sag 
Mit brode, da sie by yme lag. 
Also lange drang vnd aß her Johann, 
Bitz das er xvır brot gewan 
Und fleischstucke eyn michel deyl: 
2100 Des was er in synen synnen geyl. 
Die herren wunderte alle das, 
Das er so vil drang vnd as. 
Sie sprachen “Die in Rom sint gesessen, 
Hilff machemet, moget «lie so vil eßen, 
2105 So ist ez wunder, das sie xvım dage brot 


2073 dischleyn:reyn muss verderbt sein; durch Einsetzung von fyn, welches 
auch einen besseren Sinn gibt, für reyn wird der Reim gebessert, vgl. auch V.2151f. 
2091 die (durchstrichen) dü Hs. 


2110 


2120 


2130 


2135 


2140 


99 


Mogent han zu dirre zijt vnd diser not. 
Da her Johan brodes gnug hade 

Und fleisch vnd von anderm rade, 

Da warte er an den stunden, 

Wo syn ros stunt gebunden. 

Er sprach “wußte ich, wer der hocheste were, 
Ich seyde yme myne batschafft offenbere”. 
Do sprach konig soldan hagelos 

“Ich byn vber die andern heren groß. 

Wer mir beneme myne crafft, 

Der swechete alle heydenschafft. 

Hie sitzent viertzig könige here, 

Der synt Nünzehen myne dienere, 

Die andern sint myne frunde gät: 

Sage an dyne botschaft vnd dynen mät?. 
‘Herre, ich sage uch an dirre stat, 

Was myr myn herre beuolhen hat. 

Her, Richer soldan, das gleubet: 

Der keyser sante mich nach uwerm heübet’. 
Also sprach der Edele ritter wert. 

(35%) Mit dem worte zoch er das swert, 
Er slug yme das heubt abe, das ez sprang 
Von yme wol sieben fuße lang. 

Sie fluhen von dem Paulone vff die grüne, 
Vnder yn allen was keyner so küne, 

Das er regete fuß oder hant: 

In zageheyt waren sie geschant. 

Der konige slug er seße dot, 

Die andern endrünen yme mit not. 

Her Johan syner kutten nit vergaß, 

Do mitte er vff syn ros gesaß. 

Ee sich die heyden bereiten zu were, 

Do was er kömen vB dem here. 

Er reyt geyn Rome an (lie stat, 

In laßen er sich da bat. 

Die heyden ranten vff yn vnverdroßen 
Und velten yn nidder mit dem roßen. 

Do müste er doch syn blyben dot: 

Da halff yme aber her Lamelot 

Vnd antzelot (!), die hulffen yme in (die stat. 
Die Jungfrauwe kam an freuden mat 


LO 
1 


ID 
1 
IA) 


ANHANG 


Vnd von hunger also bleich, 
Das sie yr selber kume geleich. 
"Synt willeküme, herre, bringet yr keyn brot, 
2150 So blibe ich von hunger sicherlieche dot. 
“Jo ich? »prach er, “Jungfrauwe fyn, 
Sent hin, hie ist eyn brotelyn’. 
“By gotte, ez ist hiute der vierde dag, . 
Das ich essens sit nye enphlag. 


LO 
un 
ot 
or 


Es hat gekrencket mir dies leben’. 
“Sent, ich wil uch fleisch dar zu geben’. 
Sie was frolich, do sy es gewan, 
(35) Vil edelichen beyß die daran: 
Sie gap ym balde eyn ende. 
2160 “Jungfrauwe, «das ist missewende’ 
| Sprach vB dem virgiere der Ekel man, 
“Ir soltent uwern meyden mit gedeilt han’. 
Sie sprach “der hunger det myr so not, 
Ich mochte mit nyeman gedeylen myn brot”. 
2165 Dem herren wart zu lachen not: 
Eyn ander brot er yr «dar bot. 
Da ging er deylen vnder ir Jungfrauwen 
Zu ringe vmb brot: des begunde man schauwen. 
Des kam auch dar her Lamelot 
2170 "Geselle, yr erslugent mir mynen bruder (dot. 
Vor syn Junges werdes leben 
Hant ir myr keyne besserunge geben. 
Wissent, ich vnd myne mage 
Wir rechen ez nit so drage. 
2175 Her Johan sprach “als ich uch bot, 
Das dün ich noch: mit golde rot 
Wil ich uwern brüder widder wiegen, 
Ich wil uch des nyemer geligen. 
Burge, stete vnd wyte lant 
2180 Wil ich ergeben in uwer hant, 
So balde ale myr kömet der dag, 
Das sich myn glucke frauwe mag’. 
“By gode sprach er, “ich endun syn nit, 
Gebent yr nr allen schatz, die lant do mit. 
2185 Myn hertze keynes schatzes gert 
Vor mynen edelen bruder wert. 


2158 I, sie? 2177 zu wigen (: geliegen) vgl. Karlın. 447, 49. 51. 537, 23. 


99 


td 
u | 
wD 


*Crist geseyn! was wollent yr dan? 

Sprach der Edele her Johan. 

“Gebent mir die helffte von eyme brode, 
2190 So ist gebessert wol der «dode’. 

(36*) Her Johan sprach “sal ez dan stede syn?” 

Lamelot sprach ‘Jo, vff die truwe myn’. 

“So nement hien, daz ist eyn sunebrot. 

Ich hette uch doch nit gelaßen in der not”. 
2195 Da kam Gaueron der verreter, 

In hungerte zü dode gar ser. 

- Er schemete sich zü bitten brot, 

Vil dieke wart er bleich vnd rot. 

Doch hette ez yme gestanden vmb syn leben, 
2200 Im were (des brotes nit worden gegeben. 

Her Johan gedachte zu der selben stünt 

*Diß brotes enbißet daling dyn münt'. 

‚Die andern zwolff brot er schloß 

Der Jungen keyserynen in yren schoß. 
2205 Da-wurden die dische schiere bereyt. 

Man gap wasser durch die hubischeyt. 

Da sie da waren alle geseßen 

Zu dische dar vnd solden eßen, 

Da haden nach gebarniße zwey vnd zwey 
2210 Kume so groß brodes als eyns hünes ey. 

Ich gleube, koche vnd droßeßen 

Auch da vil lutzel essen. 

Nach Johanns Rat wagen am andern Morgen die Christen einen Ausfall 
auf die ihres Oberhauptes beraubten Heiden. Er glückt: die meisten werden 
-erschlagen, der Rest flieht Hals über Kopf. Reiche Beute an Gold, Süber und 
kostbaren Gerüten, vor allem aber die so nötige Speise füllt in die Hände der 
Sieger. Johann ermahnt sie, sich vor übermässigem Genuss zu hüten, und 
begiebt sich alsbald zu dem Kaiser, um ihn an sein Versprechen zu mahnen. 
Aber zum zweiten Male hört dieser auf die bösen Ratschläge (Gauerons: man 
solle dem jungen Ritter dreitausend Pfund jährlich geben und eines Mnaiers 
Tochter zum Weibe; sei er damit nicht zufrieden, so solle man ihn ohne wei- 
ters in einen tiefen Kerker werfen. Sonst möchte es wohl’ geschehen, dass er 
den Christenglauben abschuwöre und gemeinsame Sache mit den Heiden mache. 
‚Johann ist empört ob eines solchen Ansinnens und verheisst schwere Rache. 

Die Jungfrauwe zoch yn mit dem geren 
*Swigent, herre, schonent uwer eren, 

2209 I. geburnisse? 

Deutsche Hass. in England I. 3) 


274 ANHANG 


Machent vch hynng, ez ist vch not. 
2340 Fliehent yr nit, sicher yr sint dot. 

Ich hörte Gaueron manen mage vnd man, 

Das man solte vahen hern Johan. 

Sie solten uch ane widdersagen 

In eynen kerker vnd in eyn bloch slagen’. 
2345 Sie zwey sich mit henden gefingen, 

In eyne k&menate sie gingen. 

Die Jungfrauwe sprach “zware, here myn, 

Ich sal nyemane dan uwer eygen syn. 

Myn vatter mich uch offenlich gelobet hat: 
2350 Das wyl ich halten ane falsche dat’. 

Under yn do früntlich wart gespielt, 

Ieglicher dem andern do eyn kußemulen hielt. 

(38) Wer wolte uch sagen, was me do geschach ? 

Ich weyß, daz yn da nyemant zu sach. 

Der Held rüstet sich zur Fahrt; damit er in der Fremde nicht Not zu 
leiden brauche, giebt ihm Clarisse ein mit Gold beladenes Saumtier. Gaueron 
entflieht seiner Rache, indem er sich schleunigst in .einem festen Steinhause 
rerbirgt und die Tür verschliesst. Aus diesem sicheren Verstecke schmähl er 
den ergrimmten Helden: 

2375... . “Fundeling, fundeling, 
Got gebe dir lesterliche ding. 
Du woltest mich gerne erslahen han, 
Mochte dyn wille anders vor gan. 
Neyn ez zwar zü dirre stünt. 

2380 Ich was der dich slug in dynen münt’. 

So bleibt ihm nur übrig, von dem Kaiser Abschied zu nehmen: 

“Got behute uch, keyser güt. 
Doch sage ich uch zware mynen müßt: 

2385 (39%) Enwere uwer dochter, yr müsten sterben. 
Nu wyl ich durch sie nit so werben. 
Ich byn eyn ritter von solchen synnen: 
Wann ich eyn Jungfrauwe mynnen, 
So wil ich stille vnd offenbere 

2390 Iren frunden syn holt vnd bieten ere. 
Her keyser, ich sage uch ane straffen: 
By uwer dochter han ich geslaffen. 
Ich hoffe, obe got wil, ez sie ergangen, 
Sie habe eyn kyndelyn entphangen. 

2395 Düt dem kynde yeman laster oder leyt, 


99 


Dem wil ich frümen arbeyt. 
Setzet er vB Romen eynen fuß, 
Eynes bosen dodes er sterben muß’. 


275 


Stillschweigend muss sich der Kaiser diese stolzen Worte gefallen lassen. 
‚Nachdem Johann noch innigen Abschied von Clarissen genommen hal, fährt 
Während er die Welt durchzieht, gebiert Clarisse einen 
Sohn. Gaueron wendet vergebens alles auf, um das schöne Kind beiseite zu 
schaffen. In der Taufe erhält es nach seinem Vater den Namen Johann. Vier 
Jahre verfliessen: noch immer irrt Johann umher, aber sein Gut ist beinahe 


er auf Abenteuer. 


aufgezehrt. 


2450 


IX 
y> 
or 
>) | 


2460 


2465 


247U 


2447 I. Jare. 


Nach der vier Jares zyten 

(40%) Do solte er eynen dal inriten; 
Da begegent ym eyn Ritter geritten, 
Der hatte eyn gut ros beschritten. 
Er scheyn alt wol viertzig Jar 
Und haden vberslagen har 

Und furte alsolich wapen an 

Also phlag zü füren her Johan. 

Es müte her Johan sere gnug, 

Das eyn ander syn wapen drug. 
Auch meynde der alte grae degen, 


Nieman dan er solte der wapen phlegen: 
Er gedachte wenig an synen son Johan,. 


Da er were worden eyn solich man. 
Sie begunden zü samen rennen, 
Keyner wolte sich dem ander nennen, 
Sie hiewen in dem melme 

Durch halßberg vnd durch helme, 

Das blut yn durch die rynge ran. 
Die zwene vßerwelten man 

Fochten do mit großem nyde 

Von des morgens an zu vesperzyde: 
Sy waren beyde müde von der not 
Und waren besprenget von blude rot. 
*Crist geseyn’ sprach myn here Johan, 
“Sal ich dißen alten man 

Ummer dare vor myr halten lan? 

Ime wirt eyn ander büße getan’. 


2452 vberslagen “meliert’ ? 2460 1. Das. 


2462 ander nen- 


nen: zu dieser Schreibergewohnheit vgl. C. Kraus, Deutsche Gedichte des XII. Jh. 


ST f. 


LD 


248U 


2485 


2490 


2495 


2500 


2505 


IV 
N | 
far‘ 
St 


ANHANG 


Mit beiden henden er «das swert begreiff 
Und enborte sich in den stegereiff 

Und slug yn, das er nam eynen val 
Uß dem sattel hien zä dem dal. 
Swynde erbeißte her Johan. 

Von syme swerte er den feßel gewan, 
(406) Er bant den alten vnbetrogen 
Da mitte an synen sattelbogen. 

“Her alte, nü mußent yr mit mir, 

War zu riten steet myn gir, 

Ez sie verre, kurtz oder lang, 

Des wil ich uch sagen keynen dang?. 
Der alte sprach “yr hant gewonnen. 
Ich wande, das nyeman vnder der sonnen 
Mit syner crafft dar zü dochte, 

Das er mich vberwynden mochte. 
Mich uberwant nye me keyn man: 
Achte Ritter ich gekempet han, 

Die müßent nach myne mäne syn. 
Doch byn ich verdriben der lande myn 
Mit mynen nefen vnd kynden. 

Herre, mochte ich die gnade vynden, 
Das ich mochte wissen uweren namen?’ 
“Ich sage ez uch an alles schanıen, 
Ich leukens nit vmb alle ding: 

Ich heiße Johan der fundeling. 

Ich wart zu eynen stunden 

Mit disen wapen funden 

In des keysers sygemundes baümgart. 
Wissent, das by mir funden wart 

Alle myne harnesch vnd gesmyde 
Sunder «as roß, da ich vff' ryde. 

Myn ander roßB was blütrot: 

Das bleip vor ludewerde dot’. 

Da sprach der alte ritter wol getan 
“Enbyndent mich vnd lant mich by uch gan’. 
Er sprach 'nevn ich in truwen, 
Ez mochte mich wol geruwen. 

Ir hant mich hüte zübluwen so, 
Das myn lip nit ist gar fro”. 
(41?) Er sprach “by gotte, wie ez erge, 


99 277 


Mochte ich wol, ich slüge uch nit me. 
Ich sal uch balde furen aldar, 
Do man uwer mit freuden nymet war”. 
Er enbant den Ritter gät. 
2520 Do sprach der helt wol gemät 
“Her Johan, ich sage uch vor ware: 
Ir synt my kynt vnd ich uwer vatter zware”. 
Da sprach her Johan vB dem virgiere 
“So sagent mir uwern name schiere”. 
2525 Er sprach “ich heißen Ruprecht. 
Da myn dyng etwan was slecht, 
Do was ich graue zu Artoys, 
Von Angeris vnd von Boloys: 
Nu byn ich leider nu verdryben, 
2530 Myne kynder vnd myn nefen sint nit bliben, 
Vertriben sint myn hoheste man’. 
“Wer was min müter?’ sprach her Johan. 
Des entwürt er ym gar gezogentlich 
‘Des königes swester von franckrich. 
2535 Ich was yr kemmerer frye 
Und gewann uch dar bye. 
Da uwer lip geboren wart, 
Ich furte uch in des keysers baumgart 
Und det by uch legen, als ich wolte, 
2540 Was eyme ritter zuhoren solte, 
Umb das man uch wirdekliche solte han. 
Gleubent ez, ich han me gedan. 
Ich brach eyn vingerlyn entzwey von eyn 
Durch die haspe vnd, durch den steyn. 
Uwer müter nämen vnd myn ersten buchstaben 
In widder syte waren druff gegraben. 
Das halbe teyl ich by uch leyt, 
Das ander teyl han ich hie gereyt’. 
(41) Da sprach her Johan, der ritter geyl 
2550 “So han ich hie das ander teyl’. 
Sy stalten ez zu säinen gegen dem steyn: 
Do was das vingerlyn also reyn, 
Das man die buchstaben wol merckte vnd mohte lesen. 
Her Johan sprach “yr mogent myn vatter wesen, 


IL 
ar 
> 
[bi | 


2529 das zweite nu zu streichen oder I. von. 2543 vielleicht ist von eyn zu 
tilgen. 2545 streiche nimen, 2546 I. ietwedersit? 


278 ANHANG 


2555 Ir synt eyn edeliche psone. 
Herre, ich klage uch von Grauerone. 
Ich were herre von dem Romischen Riche 
Bliben mit eren gewaltikliche 
Umb eynen kamp den ich vaht 

2560 Mit gottes helffe vnd syner maht, 

Und hede getan her Gaueron: 

Eyn bose ende gebe ym got zü lon!’ 

Bo sprach der Graue Ruprecht 

‘Ich rate uch vnd düncket mich slecht: 

Ritent zu «dem konige von franckrich 

Und dienent yme wol gewilleklich, 

So lange biß das syn adelkeyt 

Uch zu eyner bede sie bereyt. 

So yr uwer bede verdienet hant, 

2570 So bitten yn vor den herre allesant, 
Das er uwer mäter die nach lebe 
Uwerm vatter züi eyme elichen wibe gebe, 
Das yr nicht blybent ey kebiskynt: 
Dar nach sagent, wer yr sint. 

2575 So wil ich riten zu Gaueron hyn, 

Uwer botte ich dar willeklich byn’. 
“Here, so slagen yn nit dot!’ 
"Das enließe ich nit vmb gold rot. 
Myn swert richet uch, edel man, 

2580 Da ist keyn ander gedynge an. 

Doch müßen wir uwer brüder schauwen 
(422) Und uwer nefen in dirre auwen’. 

Her Johann sprach “das dün ich gerne. 
Es ensteet mir nit zu enbern’. 


IV 
Qı 
CS: 
abi | 


Mit Lachen und Weinen werden sie empfangen, so gross ist die Freude, dass, 
Were got selber kömen dar, 
Man hede syn nit genomen war. 

Bald aber geht es ans Scheiden. Nach Paris reitet Johann, sein Vater 
aber gen Rom, um (Gauerons Verrat zu rächen. Eines Tages steht Clarisse 
mit ihrem jungen Sohne auf der Zinne: da sieht sie einen Ritter mit wohl- 
bekanntem Wappen heranreiten. Sie hält ihn für ihren xzwrückkehrenden Ge- 
lieblen und eilt ihm mit dem Knäblein entgegen. 

2561 Und hede getan: vgl. zu dieser Formel Z. f. d. Ph. 24, 504. 27, 533 f. 
2584 Reinolt v. Montelban 857 diß roß enstet mir nit zu emberen (:gern). 


2615 


2620 


2630 


2635 


8640 


2645 


99 279 


Da sie den Ritter yr nahen sach, 

(42b) Früntlichen sie zu yme do sprach 
Und grüste yn lieplichen gnüg. 

Er sprach ‘got dancke vch, Jungfrauwe klüg. 
Wes ist diß schone knebelyn ?’ 

‘Here, ez ist uwer vnd myn’. 

Er machte das heubt des helmes bar 

Und kerte sich geyn der Jungfrauwen dar. 
Da sie sach den grossen bart, 

Do erschrag sie also hart, 

Das sie wart val vnd bleich 

Und dem dode gleich. 

“Hilff, here, ich wande, ez were her Johan’. 
*Neyn ich, ich byn eyn ander man. 

Uff die treuwe die uch wonet mit: 

Bestent yr myme herr& Johan iht?’ 

“Ich sage uch, herre, diß kyndelyn 

Das ist syn vnd sicher auch myn”. 
*Jungfrauwe, so sage ich uch vor ware: 

Ich byn des kyndes alter vatter zware”. 

Er begreif das kynt an der stunt 

Und kußte ez fruntlich an den munt. 

Do daz kynt verstünt wol daz, 

Das der mere also do was, 

Ez sprach “vatter, degen here, 

Ich clage uch vber Gaueron sere?. 


“Jungfrauwe, wo ist Gaueron ’?’ 


‘Ich wene in giene pauelon’., 

Da sprach der Graue Ruprecht 

‘Ez sie Ritter ader knecht, 

Die frantzoser die hie dienent vmb solt 

Die besendent, ich hoffen, sie syn mir holt, 
Sie sint das meiste deyl myne mage vnd man’. 


Nun nennt er ihr auch seinen Namen und Clarisse lüsst heimliche Bot- 
schaft an die französischen Ritter bestellen. Als Graf Ruprecht in den Saal 
tritt, wo der Kaiser und viele Ritter sich befinden, wird er alsbald von ihnen 
erkannt. Freundlich grüsst er alle mit Ausnahme Gauerons, den er laut des 


Verrates bexichtigt. 


Gaueron verwahrt sich dagegen, aber schon hat der Graf 


sein Schwert gezogen und schlägt ihm ohne langes Besinnen das Haupt ab. 


2624 gleich st. Praet., vgl. 2148. 


280 ANHANG 


Zornig gebietel der Kaiser den überkühnen Mann zu fangen, doch es nahen 
seine Freunde mit gezogenen Schwertern und wohl dreissig Verwandte Gauerons 
verlieren ihr Leben. Endlich wird der Friede hergestellt und der Kaiser er- 
fährt, warum die hitzige Tat geschehen ıst. Jetzt nennt er sie aus Furcht vor 
Held Johanns fernerer Rache gut und wünscht diesen wieder an seinem Hofe 
zu sehen. Graf Ruprecht verspricht, nach ihm auszureiten, und verlässt nach 
herzlichem. Abschiede von Clarissen und seinem Enkel die Stadt. 

Inzwischen ist Johann im Walde vor Paris auf den König von Frank- 
reich getroffen, der daselbst eben jagt. Er erkennt den kämpen von Ludewerde 
und heisst ihn willkommen. Johann trägt ihm seine Bitte vor, ohne die Be- 
teiligten mit Namen zu nennen. Der König will sie erfüllen, wenn es in sei- 
ner Macht stehe; zunächst aber soll Johann an seiner Tafel essen. Beim Mahle 
sieht er seine Mutter und weiss es so einzurichten, dass sie den Ring an sei- 
nem Finger bemerkt. Kaum kann sie das Ende des Mahles erwarten. Dann 
tritt sie auf ihn zu und fragt, wie der Ring an seinen Finger komme. Da 
gesteht er ihr alles; vor Freude und Leid fällt sie in Ohnmacht. Als sie zu 
sich gekommen ist und mit dem wiedergefundenen Sohne zu Rate geht, be- 
schliessen beide zu schweigen, bis sich eine bessere Gelegenheit biete, um dem 
König ihr Geheimnis xu entdecken. Diese lüsst nicht lange auf sich warten. 
Zwei Riesenbrüder, Reynwart und Ysenwit, die von Lofen bis Paris alles Land 
verwüstet haben, erscheinen vor der Stadt und begehren einen Zweikampf. -Jo- 
hann allein erbietet sich dazu; nach hartem Strausse erschlägt er \senwit, der 
sich ihm als Gegner gestellt hat. Nun xögert er nicht lünger, dem König seine 
Abstammung zu offenbaren. 

Do sprach der könig here vnd frum 
2840 “Lieber Vetter, so sint myr willekum! 
Got hat mich zü frunde erwelt, 
Das ich zii mage han alsolichen helt”. 
Er vmbvyng yn do zu stunt 
Vnd küste yn an synen munt. 
2845 “Ich will’ sprach er, “Ritter schone, 
Myn rich vnd auch myn crone, 
‚Alle myne herschaft vnd myn lant 
Wil ich setzen in uwer hant. 
Ich uwerm vattern, den grauen erkant, 
2850 Widergeben syn güt vnd syn lant 
Vnd sy[n]en kindern vn synen magen 
Die mit yme zü rümen phlagen’. 


Sofort zieht Johann aus, seinen Vater zu suchen, findet ihn mü seinen 


2849 1. Ich wil oder Ich zu streichen. 2852 zü] ez?- 


99 281 


Cretreuen in einem Walde und teilt ihm die frohe Nachricht mit. Kaum kann 
der alte Graf an solehes Glück glauben. Endlieh ist er überzeugt und man 
bricht nach Paris auf, Der König kommt ihnen mit Gefolge entgegen; alle 
Trauer hat ein Ende. 


2900 


2905 


2910 


2915 


2920 


Der graue det syn hochgezyt. 

Das halff yme der konig ane nyt. 

Do ez des morgens was schone dag, 
Synes erlichen kirchgäges man phlag. 
Do waren spiellüte genug 

Von aller hande spiele klug. 

Mit freuden werte die hochgezyt 

Wol eyn&e manot sunder nyt. 

Der graue da die farnde diet 
Allesampt do wole bereit. 

(47°) Er gap mit syner milten hant 
Golt, silber, pherde vnd riche gewant. 
Do (le (!) hochgezyt eyn ende hade, 
Der konig wart des zu rade, 

Er wolte cronen her Johan. 

Er samete syne hoheste man: 

Er gap her Johannen schone 

Alle syne lant vnd syn crone. 

Das was doch eyn erlich geben, 

Er mochte ez ym danken al sin leben. 
Do vant alrest ef nuwe kreygieren 
In franckrich der edel vß dem viergieren. 
Do wart eyn nuwe hochgezyt, 

Sie waren alles drurens quyt. 

Stechens vn (!) tornierens man do phlag 
Hien wol vff den zwolfften dag. 

Da die hochgezyte endete sich, 

Er gap den varnlüden erlich. 

Her Johan gap roße, golt vnd gewant 
Und löste manigen syne phant. 


Gar bald beschliesst Johann, mit Wafengewalt sein gutes Recht vor Romı 
zu holen. Mit siebenzehntausend Mann eilt er dahin, Tag und Nacht ohne 
Unterbrechung. Da hat der Kaiser einen schweren Traum: er sieht Leld Jo- 


hann vor sich, der ihn henken will und dem er nicht entfliehen kann. Als er 


seiner Tochter daron erzählt: 


2899 1. Eynes? 


2905 1. beriet. 


Deutsche Hss. in Tingland 1. 36 


9899 ANHANG 


2976 Eyn draumbuch nam sie yn die hant, 
Sie gieng da sie ey fenster vant 
Und hatte harte balde ersehen, 
Was von dem draume mochte geschehen. 

Derselbe werde buchstäblich in Erfüllung gehen, wenn der Kaiser nicht Jo- 
hanns Iluld erwerbe, der mit einem gewaltigen Heere binnen drei Tagen vor 
Rom erscheinen werde. Das trifft ein und Rom steht vor einer neuen Belage- 
rung. Graf Ruprecht will die Stadt stürmen, aber Johann wünscht einen 
friedlichen Vergleich. Er lässt zwar das Heer wie zum Angriff sich aufstellen, 
reitet selbst aber allein vor die Mauern Roms. Anfangs gedenkt der Kaiser 
Widerstand zu leisten, doch auf den Rat Clarissens entschliesst er sich, mil 
dr und dem Knaben bittfällig Johann entgegen zu gehen. j 

Do bekante sich der keyser missededig. 
3055 Er sprach “her Johan, sint mir genedig. 
Ich besser gerne was ich uch ie gedet”. 
Das kynt sprach “here, das ist myn erste bet, 
Des sollent yr mich genießen lan: 
Lant den keyser uwer hulde han’. 
3060 Des antwürte do her Johan 
“Jungfrauwe' sprach der edel man, 
‘Durch uwern willen vnd durch uwer kynt 
Sal ich yme schaden nit eyn bynt. 
Hede er wol ubel geyn mir getan, 
3065 Durch uch so wil ich ez faren lan, 
Wil er mir nach halten syne wort’. 
“Ja’ sprach der keyser, “off eyn ort! 
Alles das ich han vnder gode 
Steet zü uwerm dienste vnd gebode’”. 
Friedlich und fröhlich hält Johann mit seinen Getreuen Einzug in Rom, 
wo er alsbald mit Clarisse vom Papste getraut wird. 
3090 Der brude was yr houekleyt 
Herlich vnd wol bereyt 
Myt golde vnd mit berlyn reyne 
Und von Orient mit edelm gesteyne. 
Mantel vnd kursat mä bringen sach: 
3095 Nyeman vnder des himels dach 
Von rilichernı nü gesagen mag. 
Ir har in golde geflochten lag, 
Dar vber swebete ey cronf[e] riche: 
Niergent was yr.schone geliche. 


3063 1. twint (Gramm. 3, 131). 3068 vonder] 1. van? 


99 283 


3100 Do ez aber dagen began, 
Da fing man eyn& kirchgang an. 
Man mochte Edele wybe vnd Jungfrauwen 
Me dan funffdusent da schauwen. 
(502) Ie eyn Ritter eyne vnder syne arme ving 

3105 Die mit der brude zu kirchen ging. 
Da die messe getan was uber al, 
Da ging man von der kyrchen vff' den sal. 
Sie namen wasser nach gewonheit 
Und waren zu dische alle bereyt. 

3110 Man diente wol mit wyn, brot vnd spise. 

[Raum für etwa 3 Zeilen). 

Und do die dischlachen waren vff gehaben, 
Do gaben wasser alrmb die edel knaben. 
Do hor[te] man maniger seyten klang, 
Phifen, [po]sunen, rilichen gesang, 

3115 Orgeln, Rotten, videlen, metziginale, 
Cithariste[n], vittiche, harphen, qwyntale, 
Lüten, uorschen, robelen, kernische spil: 
Wer mochte ez genenen? syn was zü vil. 
Der spil wart alles keynes genant, 

3120 Die da warent (!) vB der heyden lant. 

Die hochgezyt werte mit maht 

Vierczig dage vnd vierezig nacht. 

Alle dage stach man oder tornierte, 

Nachtes man mit dantzen hofierte. 

3125 Die dage eyn ende namen, 

Fursten vnd herr zu samene kamen 

Und manig Greue, Ritter vnd kneht: 

Die sprachen, diß büch were geschrieben recht. 

c. Ryntfleysch 

dar zu viel Kalpfleisch. 

V. 27 des Gedichts besayt, dass eine Überarbeitung nach dem Flämischen 
vorliege. Für die Richtigkeit dieser Anyabe sprechen folgende Momente: das in 
der Überschrift und sonst öfters on Reime auf ziere, schiere, 2917 auch auf 
kreygieren auftretende Wort virgiere (= Baumgarten) ist ausschliesslich nl. (vyl. 
Oudemans 7, 320); die Reime vatter:gader!t) (As. gar) 394, dye(ch) inye (vgl. 
knie : diech En. 7800) 1410, wigen:geliegen 2177, kynt:twint (wie für das 


1) Derselbe Reim steckt in dem Verse (3000): Die Jungfrauwe rief yrme vatter 
dar | Sehent daß sint her Johans mage alle gar, 


284 ANHANG 


sinnlose bynt der Hs. zu lesen ist) 3062 sprechen deutlich für die gleiche Hei- 
mat, und nur bei der Annahme nl. Ursprungs verliert der Reim swerte : zperte 
(nl. swaerte:spaerte) 1312 sein Auffälliges. Auch die hd. unreinen Reime von 
ie, ie fundeling : ving 1195. schilt: hilt 1286 ete., von u: 0, wie bogen : herzogen 
(500), vgl. die Schreibung entwonden :stonden 1272. botten 345, von üı (u): ue, 
ie barun : abedun (rl. baroen : afdoen) 2087. stunt (zu stän) : Sygemunt (536), von 
iu:uo, wie aventuren : furen (1549), von t:d, wie mitte : entlidere (324). niden: vn- 
derschnyden 2035. geriden : geliden (zu dem Subst. gelit) (251). gnaden : beraden 
653 u. a. m. lassen sich aus nl. Reimgehrauche erklären. Ähnlich verhält es 
sich mit dem überwiegend im An- und Inlaut stehenden d = hd. t und den 
unverschobenen p, x. D. peller 66. poten 365. porte, portenere 584. 587. 603. 
(2401); koppe, neppe (2255). stappite 1271. knop 99. nap 2077. kamp 659. 
663 etc. kempe (862) (daneben aber läuft in analogen Fällen die hd. Schreibung 
ph und pf); zu beachten ist auch das zweimalige gh in erghe 1072 und 
enghet (2093). Endlich möchte ich Worte wie lümenier 110, parament (1057, 
ni. parement), presenezte (325) hieher rechnen, desqleichen die Phrase und hete 
getan 2561 (vgl. Reinolt V. 14734 und die Anm. zu unserer Stelle). Eine 
nl. Vorlage ist wohl damit erwiesen, muss aber freilich als verloren gelten, denn 
in der nl. Litteratur hat sich m. W. kein ähnliches Stück erhalten : Eliminiert 
man die eben aufgezählten Fälle aus dem überlieferten Texte, so wüsste ıch 
nicht, was uns hinderte, die Heimat des Überarbeiters nach Oberdeutschland zu 
verlegen, schr wahrscheinlich nach Alemannien: hiefür spricht neben dem Reime 
har (= her): [ge]war (1730) besonders die durchgehende Form der 2. P. PI. 
Ind. auf -nt, durch die Reime kynt : sint (703). 2573; gemant : hant (ru hän, 
2981); allesant: hant 2569 gestützt. Wie der auf den ersten Blick gegen diese 
Ileimatsbestimmung sprechende Reim «ischleyn : reyn 2073 xu bessern sein 
wird, habe ich in der Anm. angegeben. 

Das Gedicht gehört zweifelsohne der Spielmannspoeste an. Das geht her- 
vor: 1) aus der Phraseologie (zahlreiche dem Volksepos entlehnte Ausdrücke, 
häufige formelhafte Wendungen), 2) aus der Wiederholung desselben Motirs older 
schon einmal erzählter Begebenheiten mit gleichen oder ähnliehen Worten, 3) aus 
der tendenziösen Hervorhebung der wichtigen Rolle, die die Fahrenden beim 
Hochzeitsfeste spielen, und der reichen (Geschenke, die sie der (Gnade der fürst- 
lichen Herrn verdanken. Dem Verfasser war die Artussage bekannt, worauf 
schon der Name Lantzelot hindeutet, bestimmter noch der Vergleich Gauerons 
mit Keie, der Artuses droßesse was 1124; aber in Rolle und Namen erinnert eben 
dieser Gaueron an den Genelun des Rolandsliedes, an den Gauelon im Reinoli 
von Montelban. Dagegen ist es zweifelhaft, ob man in dem Namen des Rie- 


!) Eingeklammerte Zahlen deuten an, dass die betreffende Stelle sich in meinem 
Juszuge nicht findet. 


99. 108 285 


sen Reynwart (2786) eine Anspielung auf den Rennewart des Willehalm zu 
suchen. hat. 

Über das Alter der Dichtung wird sich schwerlich etwas bestimnites er- 
mitteln lassen. Gehörten aber die VV. (1901 f.): Notstelle, boßen (vorher 1839 
schon büßen), hie wurff, do schus | Do wart gefieret nacht nach dag | Do was 
nit anders wann donrslag bereits dem Original an, so wird man seine Abfas- 
sung nicht über die 2. Hälfte des xıv. Jh. hinaufrücken dürfen, da diese Stelle 
den Gebrauch von Feuerwaffen für Belagerungszwecke vorauszuselsen scheint 
(vyl. Jähns, Geschichte des Kriegswesens, 1850, 8. 775 f. 795). 


108. 
Aus Seifrieds Alexandreis. 
(120b, erste Hand; davor freier Raum für eine Überschrift). 
Der chaisser tzoch zuhant 
Vnd chom do er ein wasser vand, 
Daz ist genant phison 
Und flewsset lawtter vnd schon 


St 


Aüz dem paradeis, 

Nicht ze suell nach ze leizz. 
Daz wasser an ettleicher stat 
Lawtter guldein gries hat, 
Gemischt mit edin gestain, 
Mit grossem vnd mit chlain. 10 
Der chaiß, zoch dem wasser nach 

— Ich waiz nicht wie manigen tag —, 

Untz er an ein stat kom 

Do er wünder groz v’nam. 

Daz püch fürwar vnns sagt daz, 15 
Daz da ein hoche mawr waz | 

Gemacht von einem gantzen stain, 

Dew hoch der mawr dürich die wolken schain. 

Der hoch si nynndert entsachen, 


Sie tzugen verr oder nachen 20 
(1218, zweite Hand) Pey der stain wend*, 

Si funden ir nyendt’ end. 

Der chaißer gedacht in seinem mut 

“Dew mawr dy slewst ein lant gut”. 

Er wolt nicht erwinden, 25 


Er wolt recht ervinden 

. BR e 
Dy warhait vnd dye rechtn mar, 
Was es enhalb der mawr war. 


10 


15 


IV 
b} | 


au 


40 


ANHANG 


Den rittern den was and, . 

Sy zuge lange zeit peyd’ mawr auf dem lant, 
Untz sy funden ein schone tor. 
Ein engel sas darob enpor, 

Der hett in der hent sein 

Ein grozz swert fewrein. 

Do in allexand’ sach, 

Er chniet fur in nider vä sp“ch 
“Sag mir, her’, pistus ein got 

Und wye du haist sunder spot?” 
Des engel (!) antwurt die was snell, 
Er sprach “ich hais michahel 

Und pin nicht ein got, 

(121®) Ich pin sein chnecht vnd sein pot. 
Der aller got her’ ist, 

Dei dien ich zu aller vrist, 

Der himel vnd erd peschaffen hat’. 
Er sprach zu ym auf der vart 
“Allexander, v'nym mich, 

Czeuch pald wid’ hinder dich 

Und tue das enczeyten. 

Dich hilfft hie nicht dein streiten 
Noch dein uechten in chain’ weis. 
Alhie ist daz paradeys, 

Die wunn vnd des menschn stat 
Die in (!) got selb erchorn hat 
Und auch den der (!) erwelten sein. 
Da mag chain yrdisch’ mensch nicht ein 
An dye yetzund hin sind. 

Dauon sag (!) vn wid’ wend, 

Wan hiestu hundt’ tauset her, 

Die töt ich an wer. 

Doch wil ich dir raichen 

Von hynn ein warzaichen, 

(1222) Damit du beweyst, 

Daz du hie gewesen seyst”. 

Aus der mawr ein& stain 

Er prach aws, schon vn chlain 
“Merkch recht, was ich «lir sag, 
Was chunst (er stein v’mag’. 

Er raicht in allexander dar. 


108 


Er sprach ‘nu nim war, 

Was chraft hab (diser stain, 

Der ist ring vn chlain. 

Merkch gar recht, was ich dir sag. 
Haizz in legen auf ein wag 

Und haizz legen all deinen lasst 
Den du auf der erd yndert hasst 
Auf die ander wag hin kegen: 

Der mag den stain nicht wid’ wegn. 
Also ist es auch gestalt 

Umb gottes chraft vn seinen gewalt. 
Wenn die aller mynnst tat 

Dy got ye pegangen hat, 

(122b) Der mach dein geschicht 
Doch allsambt geleichh nicht’. 
Allexander zogt von dannen 
Allzehät mit seinen mannen, 

Zu der vart was im gach, 

Er zogt dem waßer wider nach 
Daz in hett geweist dar. 

Daz ist sicherleichh war. 

Do er ein tail zu rukkch chome, 
Den stain er in die hant name, 

Er hies in auf die wag legen 

Und hies legen hin enkegen 

Was er swarezs (!) gehabü macht: 
Ze nicht es gegen dem stain docht. 
Wy vil man lasses legt dar, 

Er kund den stain gegen ainen har 
Von der erd erhebü nie. 

Ein alter Maister dar gie, 

Der was gar ein weiser man, 

Er graiff an die erd san 

Und nam dy erd’ in die hant 
(123%) Und schutt sey auf den stain 
Er pracht von d’ erden im ain dach 
Vnd nam ein ved’lein darnach 

Vnd legt es auf die wag mit gefug: 
Daz selb den stain wid’ wug. 

Do allexander ersach 


22 f. l. cham:nam. 281, lastes, 


zehant. 


287 


an 


10 


20 


25 


30 


40 


10 


30 


ANHANG 


Daz wunder grozz «az (da geschach, 
Er hies den maister fragen 

Vnd der rechten warhait sagen 
Vor allen seine lewten, 

Waz daz wunder mocht bedewten. 
Des antwurt im der weis man 
“Den stain da nyemät chan 
Wider wegen an der vrist, 

Dy weil er vnbedekcht ist. 

Vnd er mit erden wirt bedekcht, 
Daz er sich dann lat wid’ wegen 


Und anders nicht w () man enkegen mag legen. 


Allexander, merkcht mich, 

Der stain bedewt dich. 

Die weil du lebentig pist, 

(123b) Allez daz auf der erden ist 
Daz mag dir nicht geleichen, 

Er mus dich furchten vü entweichen 
Von deiner sinn& maist’schaft 

Vnd auch von deines leibs chraft. 
Aber alezuhant darnach, 

So die erd wirt dein dach, 

So pist enwert deins leibs chraft 
Vnd dein’ sinnen maisterschaft, 
Dein reichtumb vnd dein gewalt 
Vnd dein herschaft manigvalt 
Vnd dein mandleichn tat 

Wirt v’gessen an der stat, 

Dy wirt ring vn vngenanm 

Vnd den lewten widerezam, 

Daz der mynnst den pesser ist 

Der nach dir lebt, den du pist. 
Da er es het vollsaget gar, 

Der chayßer gedacht “daz ist war”. 
Do er hett geschawet daz, 

Do nye chain mä gewesen was, 
(1242) Do liezz er sich genugen an 
Vnd hiez wider chern san. 


10 es scheint vorher eine Zeile ausgefallen zu sein. 


18 I. Ez. 


108. 119 289 


119. 

4us dem Leben des hl. Stephan. 

So häufig Leben und Marter S. Stephans in der Predigt behandelt wur- 
den, so selten scheinen sie (iegenstand diehterischer Bearbeitung in deutscher 
Sprache geworden zu sein. Neben. dem Cheltenhamer besitzen wir m. W. ein 
rersificiertes Leben des Heiligen nur im Alten Passional (Köpke S. 37—53) 
und im Buch der Märtyrer (Haupt S. 33). Freilich ist unser Gedicht bei 
weitem jünger: nach Sprache und Stil zw urteilen geht es nicht über das 
xv. Jh. hinauf. Genauere Datierung würde der urkundliche Nachweis von 
Havich der kölner von baiern ein passawer, wie der Dichter sich im Vor- und 
Nachwort selbst nennt, ermöglichen. Nachforschung an Ort und Stelle ver- 
spricht um so eher Erfolg, als — wieder nach eigener Aussage — der Verfasser 
und seine Familie in Diensten der Passauer Bischöfe standen. 

Prolog. 
(1b) Es ist von got ein alts recht, 
Welicher her’ mag gelaisten chnecht, 
Er sey sein aigen oder frey, 
Das er pey im mit trewen sey. 
Das ist gut vnd stet auch wol. 
Wer dem andern dienen sol, 
Ob er das willeichen tüt, 
Des lönes (!) wirt von rechte güt. 
Mit trewen ich her’ (!) gedient han. 
Ich pin ein armer dienstman, 
Auch hais ich der chelner 
Und pin ein passawer. 
Sand Stephan ist d’ herfe mein 
Und pin auch von gepürde sein. 
Vnd wer vns zu pischolf w°t gebn, 
Mit de sull wir mit tröwn lebn, 
Dem getligen vnd sein dienstman: 
Das ist christenleich getan. 
Was sünden hie vnd den geschicht, 
Dy er mit willen vber sicht, 
Dy vnkristenleichen stet: 
Dy sund im auf sein sel get, 
Er sol vns twingen zu rechtö lebn; 
Darumb er vns wirt gegeben 
Zu maister vnd zu herren, 
Das er in chainen werren 


31 I. gedienen? 33 vnd] !. vns? | 
Deutsche Has. in England I. 37 


— 


Oo 


10 


20 


td 
ne | 


30 


40 


zr 


10 


20 


ID 
zı 


30 


35 


40) 


ANHANG 


Den gelauben lasse pringen 

Mit unkristenleichen dingen 

Chainen seinen pharrman. 

Er schuldig peleibet daran 

Ze lest, das er sich pereden sol: 

Got erkennt ier aller schuld wol. 

Wir sullen im gehörsam sein 

Und dem pabst allgemein. 

Niemant sol so frey leben, 

Im sey dennoch maisterschaft , gebn 

Dy er von recht dulden sol. 

Gehörsam stet vns allen wol. 

Der engel viel durch hochuart, 

Darumb er der hell ze tail wart. 

Nü merkcht, was da geschach, 

Das man dy recht an got zeprach 

Und das sein Junger ainer tet: 

Seinen heren er verraten het, 

In v’chauft. ein Jud. hies cayphas, 

Und Judas der sein Junger was 

Der gab in vmb ein klain güt. 

Wer an seinem heren missetüt, 

Dem wirt der selbig lon gegeben, 

Das er in iamer ewikleich müs lebn. 
Anfang des Gedichts. 

Möcht ich es guten leiten 

Mit warten wol pedewten, 

Wie der heilig sand Stephan 

Gottes hulde gewan 

Vnd von den Juden sich pechert! 

Der pücher wart er gelert. 

(2°) In hebrayscher ezungen 

Lernet er vil der Jungen, 

Das man im maisterschäft iach. 

Zu Jerusalem das geschach. 

Der sein her’ vnd maister was, 

Der hies pischolf cayphas 

Und was der wirsist man 

Den ain weip ye ze kind gewan. 

Von des Rates (!) das geschach, 


Das iudas sein trew zaprash 


119 


Vnd verchauft seinen herrn. 
Er riet vil manigen werren. 
Der selb auch vnsern herrn vie 


Und mit nageln an das chreutz hie. 


Pey den zeiten was sant stephan 
Des selben pischolfs capellan 


Vnd was dyacon in der alten ce. 


Dem tet kristes marter also we, 


Das er sich von den iuden zoch 


Vnd zu den zwelefpoten floch. 
Und da gie er stetleichen mit. 


Er enphie dy tauf nach kriste sit, 


Er pehielt kristenleiches lebn. 
Dy gnäd im got het gegeben, 
Das in des nymer verdros. 

Nu het er einen schülgenas, 
Der was gehaissen saul 

— Und tauffet man in paul —, 
Den het er gelert. 

Seit ward er pechert 

Durch sand stephans pet 

Dy er zu got an der mart’ tet. 
Man sagt von sand stephan er, 
Wie er der erst martörer wer 
Der nach got gemartert ward 


Und durch seinen willn let (!) den tod. 


Was ich nü mer sprech davon, 
Das ist euch wol chund getan. 
Wie got dy marter hie erlait, 
Do pegund der christen selichait 
Wachsen vnd steigen 

Und der iuden ere seygen. 
Das chom von der missetat, 
Das ir vngetrewer rat 

Und auch ir selber augen 

-— Offenbar vnd taugen — 

An im das erchanten wol, 
Das er was der gnaden vol. 

Er hies dy siechen auf sten, 

Ir pette nämen vnd gen, , 


23 f. I. das: was. 


25 I. gemartert ward nach got? 


91 


10 


2v 


30 


40 


292 ANHANG 


Vnd dy plinden wurdü gesechn: 
Des was gar vil von im geschechh. 
Darumb trügen sy im has, 
Als sy im wol erzaigten das, 

) Wann sy in darumb tötten syder. 
Von den sünden saig ir er nyder, 
Ir& künichreich namen ab. 
Dy toten stünden aus dem grab 
Die vor dreissig iaren 

10 Gantz vnd gar erfault waren 
Und giengen an den strassen 
Wa die lewte sassen 
Und chlagten vnsers herä todt. 
Von der pitterleichen not 

15 Sich dy hochen perig chluben, 
Das dy molten inn lufften stuben, 
Dy sünn irn scheinen verlas, 
Das man den tag vil chaum erchas, 
Der herte stain zerprach. 

20 Der zaichen vil dy zeit geschach, 
Als got am chreutze hie. 
Was wunder sich da vergie, 
Das macht inn alles nicht gewegn. 
Von den sünden nam er in den segü 

25 Den yegleichen (!) seinen kinden lie, 
Wenn es an sein ende gie. 
Welich kind trewen phlag, 
Wenn der vater am ende lag, 
Dem selben kind er hailes pat. 

30 Dem wart der segen an der stat, 
Des im sein wücher wol geriet, 
Als der vater von der welt schiet. 
Den segen verdient in Abraham 
Der got was gehorsan. 

35 Dem chöm er offt zu tröst, 
Von den weiczen er in erlöst 
Vnd manigen heiligen man 
Der seinen willen hat getan. 
Als er am ostertag erstuendt, 

40 Do tet er sa dy vöter tuendt 


1 wurdü gesechi = sahen, Paul, Mld. Grammatik $ 2297 Anm. 


119 293 


Der seinen chinder willig ist. 
Er was auch ye gnediger krist. 

Folgt Erzählung der Wundertaten Christi nach seiner Auferstehung, darunter 
die Heilung des Kaisers Vespasian; Auftreten S. Stephans als Verkünders christ- 
licher Lehre, seine Anfeindung, Gefangennahme und Marter. h) 

(23*) Do caypha das ersach, 

Das in so manig maist’ iach, 

Er schuf, das man in vieng 

Vnd an ein chreutz hieng 

Oder daz sy in verstaynten. 10 
Do sy sich verainten 

“Das sullt ir durch vns lan, 

Er hat nicht wider euch getan. 

Er sol auch vnsn preis habn. 
Solt man so raine chunst peg’bn, 15 
Das müst vns Vmere rewen. 

Was maister in d® welt sind, 

Dy sind der chunst ein kind’. 

Doch mochten sy in nit pebegn. 

Do emphalichen sy in I gotes seg®. PAU 
Do vielen in dy iuden an 

Und fürten in gevangen dan, 
Als er ein rauber gewesen wer, 
Und punden in so ser. 

Si würden rüffen als dy swein ' 
Sich, es müs dein enden (!) seyn, 
Es hilft nicht dein zaubflist 
Noch dein maister ihü christ’. 
Ein schülgesellen het stephan, 
Der leuf da mit der menig dan, 30 
Der was gehaissen saul, 


IS 
ot 


Sider tauft man in paul. 

Dem emphulichen sy ir gewät, 

Dy stain namen sy in ir hant. 

Do sy in prachten für dy stat, 35 
Sand stephan do got pat 

Herr got, vergib in das, 

Sy enwissen nit ze tün od’ was, 

Vnd enphach meinö geist, 

Wan du das, her’, wol weist, 40 


16 darnach fehlt ein Vers. 19 = bewegen. 


294 ANHANG 


Erchanten sy die warheit, 
Si teten mir vngeren lait. 
Nu la sy dir enpholiche sein 
Vnd saulen, den gesellen mein, 
5 Den ich hab gelert, 
Das er wert also pechert’. 
Der engel sprach “du pist gew’t 
Des du hast pegert. 
Got hat dir verhaissen das 
10 Vnd aus im machen erweltes vas’. 
Do viel er nyder auf die knye, 
Seine augen er nye vö himel lie, 
Als Jdy rechten all tünt. 
Do sach er, das im often stund 
15 Dy himlisch porte. 
Mit maniges staines orte 
Ward im sein leib z’warfn gar. 
Do chöne engel ein grosse schar 
Und fürten dy sel van dan. 
20 Das lie got dy maist’ sechen an. 
Die Kraft seines heiligen Leibes wird bald durch Wunderzeichen, die an 
seinem Surge geschehen, bewiesen; «dus bedeutsamste derselben ist die Heilung 
der vom Teufel besessenen Tochter des Kaisers Theodosius, Concordia (Eudoxia 
im Passtional), von der unser Dichter sagt: 
25 (40%) Si was im tugende höchgeporn, 
Recht als dy rösen für den doren. 
Wy wol sy von dem sapht gat, 
Dy rose manige tugent hat 
Dy der dorn nye gewan: 
30 Er sticht, so man in greiffet an. 
Dy fraw in steten zuchten was. 
An i°r verczaget sathanas. 
Die Episode schliesst: 
(466) Ire vater der do chaiser was, 
35 Als ich es an dem puch las, 
Der was genant theodosius, 
Der pabst hies pelagus. 
Pey der zeit ward sand stephan 
Von constantinopel gefürt dan 
40 Gen rom, da er noch leit 
Vnd wart der iungsten zeit. 


ID 
> 
or 


119. 127 


Nachwort: 
Der dy rede richt 
In theuschem geticht, 
Der ist havich der kölner, 
Von baieri ein passawer. 
Sand stephan ist d’ h’re mein 
Vnd pin auch vö gepürd sein 
Gewesen, seid sand Stephan 
Zu passaw aigen haus gwan. 
Mit meins vodern es gestifft wart, 10 
Dy habent auch das wol pew't, 
Das ir affterchünftige kind 
Niemants wa sein ains sind. 
Wir chomen von d& reich dar. 
Sy verliesent gotes hult gar 15 
Dy ains gotzhauss sindt 
Vnd dauon fremdent ire kindt. 
Ob in ein pischof vbel tut, 
So wirt der ander gut. 
Dem chunne nym missegat, 20 
Das trew gen seinem hern hat. 
Also endet sich sand stephaüs leben. 
Got geb vns seinen segen. Amen. 


or 


127. 


Ein Gedicht Michel Beheims. 25 
Das folgende, auch im Cgm.291 Bi. 214 ff. (M) überlieferte Gedicht reiht 
sich den von Th. v. Karajan herausgegebenen (Zehn Gedichte Michael Beheims 
zur Geschichte Österreichs und Ungerns, Wien 1848) an, insofern als es dıe 
Verherrlichung Friedrichs ıu1. unter Anknüpfung an die bekannte Sage von der 
Wiederkehr Friedrichs ı1. zum Gegenstand hat. 30 
(14b) Von propheceyen sagt das. 
[M]ich dunket nach d’ weil vä tzeit, 
das sich chrieg, vrlag vnde streit 
erhebe in allen reichen | 
[MJit morden, rauben vnd mit prant, 35 
als vns vol vil iaren ist pekant 
vnd worden offenleiche _ 
[NJach aller propheceie, 
als vns vor lang ist ausgelegt, 


34 erhebe] das letste e durchstrichen. 36 1. vor. 


10 


30 


296 


ANHANG 


wan alles ertreich ist pewegt 
tzu wilder rumeneye. 


[R]echt regament ist nirg& schein, 
der knecht wil ob dem herren sein, 
der vnder wil dem obern 

[|M]Jit nichten mer sein vnderton, 
[Ijglicher selb gewalt wil hon, 
wo er den mag erkobern. 

[DJie fursten vnd auch herren 
verachten all das romisch reich, 
ddes adlers verdn sy diepleich 
verstelen vnd auszerren, 


[WJann sy in all fur nichten hand 
vnd im traczlichen wider stand: 
vnd es chumpt doch die czeite, 

[Djas sy sich allsant mussen neign 
Und ire knie gegen im piegh, 
paid nahen vnde weite, 

|A]vff aller diser erden, 
wad cs der fridereich muss sein 
dem alle prophecey tut schein: 
chain ander mag es werden, 


[E]s sey dan falsch all propheti 
Die man vorlang gesagt hat hy 
von kaiser fridereichen. 

[Z]wor die gen all auf disen hern. 
nu hort, ich wil eu offenpern 
vnd singen vö etleichen. 

[DJes erst ich euch vermelde: 
in franken pey der stat winsheim 
ein prieff gefunden wart in ein 
capelen auf dem velde. 


[D]er prief was da gelegh zwar 
verporgen wol zwai hundert iar, 
uil weissag stund dar ane. 

[M]it andern worte lag vnd kurecz 
Daran geschriben stund, ein wurcz 
Des adlers wurt auff stone, 


11 I. vedern, M verd’n (r durchstrichen). 17 M peigii. 


119 297 


[G]ehaissen fridereiche. 
das osterlande südepar 
er wirt regnirn, herrschä furwar, 
gepieten gewaltigeleiche. 


[Der selbig fridereich wi’t sein 
grossmechtikait aus reken ein 
die leste end der welte. 

[O]b diser furst der rechte sey, 
des harent me ein prophecey, 
der wurt eu hie vermelte. 

[DJie sagt von eine fursten, 
der wurt ein czeit vernichtet ser 
vnd nach der selben smecht wurt er 
regniren mit getursten. 


[DJie hern vnd furstü vö dem rein, 
ir kainer mag im wider sein 
von rein pis zu dem mere. 

[Djer schilt des furstt gebet schein: 
rot vnde weis, vö stuken drein, 
in hochgepluniter ere 

[W]Jirt er loblichen sweben. 
wie wol das er nit zu dem reich 
geschetzet ist, der furst lobleich, 
doch wirt in got erheben. 


[C]zu dem reich ist das wape wol 
geschiket als es pilich sol 
vnd ist erkennet weiten. 
[E]r gsehen wurt mit mochtikeit, 
mit mermuscheln wirt er pekleit, 
Darinen wirt er reiten. 
[E]r wirt sein gwissen scheiben 
czu rainigüg in aller sach, 
auch wirt man sel vnschuld vn schmach 
auf die doigen schreiben 


[D]ie in vnreiniget had. 
auch wirt mä sehen auf de land 


29— 298,24 bezieht sich jedesfalls auf die2. Krünungsreise Friedrichs ıı. (1451!52), 
in welche Zeit auch die Abfassung des Gedichis fallen wird. Vgl. J. Chmel, Ge- 
schichte Kaiser Friedrichs Iv., Hamburg 1840, 2, 670 ff. 35 1, v’vnreiniget. 

Deutsche Hss. in England I. 48 


10 


LD 
ot 


30 


10 


30 


298 


M wurte. 


ANHANG 


ein gross volk her chumen, 

[A]uch auf dem wasser sy sich scharn 
mit schiffen gen venedig varı, 
als ich es han vernumen. 

[V]on lanıparten so wirte 
ein zaun pis an das pirg gemacht, 
dem pirgvolk das uil ser v’smacht. 
Der doig wurt gefurte 


[V]Jon disem landvolk aus lampart, 
mit ezird vn hubschheit auf der vart 
sy in pringen gen rome, 
[Dlas er da selbs emphach die cron. 
uil miochtiger ponir wirt man 
Da schaun vnd nem& game 
[V]on golt, silber, geczirde; 
vn der grossen furstü herrn dy 
vö alter gedechtnis sind hy, 
dye werden in mit wirde 


[l1,Jobend lob suchä sunderper 
vnd im erpieten lob vnd er, 
das sy werden geschriben 
[Iln romischer histori do, 
darumb das sy irem hern also 
peystendig seyn peliben. 
[VJurbar der selbig kaiser 
vber das volk sa gewaltig wurt, 
gross plutv’giessen er volfurt 
auf v’reter vnd freiser. 


[Djen vnglaubigen iuden vnd 
keezern vnd haiden er czu grund 
wirt prechen turn vnd maue’ 
[M]Jit czeug vnd chramıphe, resch vn pell, 
sein chraft vnd macht wirt stark vn snell, 
er wirt der posen schaue’. 
[Das küpt im als von oben, 
das er so gwaltigelich regnirt 
vnd ander leges setzen wirt 
Die rechtlich ist zu loben. 


8. doige. 16ldy. 2%. gwaltig. 32 fe. belle, Lexer 


119 


[E]r wirt nit he’schen lon zwai reich, 
gen chrichen zeugt er gwaltigeleich 
vnd da wirt er zerstoren 

[I]r symoney vnd snoden kof. 
zu rom er: machet ein auflof, 
er wirt auch offenboren 

[D]ar all gerechtikeite 
die dann yezunt. verporgen ist, 
die pringt er wider czu der frist. 
der romischen phaffheite 


[W]Jirt er zerstoren ir geteusch: 
durch symoney vnd ir vnkeusch 
der romisch sal wirt vallen. 

[E]s geit nimer in solch’ weis, 
das vns werden die selben meis 
nagen, schroten vnd quallen, 

[Slam sy yecz tüd mit plintheit. 
sy mussen heilüg suchen hy 
czu irem smerczh vnd auch my. 
ir aigen volk mit chindheit 


[W]irt schreien, wider sy peczalt, 
wa sy werden in der gestalt 
den preution (!) also sehen, 

[Djas er chüpt czu der hochczit her. 
all vnrein, snode sach wirt er 
verwerffen, tilken, smehen 

[U]lnd ander gut sach meren, 
dy dann ytzunt verporg& sein 
in erd vü maure kume ein, 
die wirt er offenberen. 


[MJan dorff nit sorgen m’ auf e’d, 
Das man uil harnasch furen we’d 
fur der posen anuechtung. 

[E]s wirt lang zeit gut sun vü frit 
vnd rechte einikait da mit, 
chain droüg oder echtüg, 

[Plis das chüpt die lester 
des teufels sun, der anticrist, 


37 M das da. die leste = zuletzt? 


299 


10 


15 


20 


25 


30 


35 


300 ANHANG 


der manchen hie verfure ist. 
aller durchleuchtigister, 


[G]rosmochtigster kaiser, dein gnot 
vnd kaiserlichen malestot 
) sol merken dis getichte 
[U]nd diser prophecey vnd auch 
den liedlein also chumen nach, 
als ich hie han perichte. 
[Njit laes mich an den dingen 
10 werden zu eine lugener, 
hilff, das ichs michel pehamer 
[F]ur die warhait müg singe. 


128. 


Feldkircher Huberrecht. 

15 (1°?) Assit principio scta Maria meo. Diz sint die reht die men sprechen 
sol in dem hüphoue zä veltkirche. 

Wir die häbere sprechen, daz d’ zehende in dem banne zv nidern Ehen- 
heim in den hof zv veltkirche hört vnd d’ halbe zehende zv Meistersheim vnd 
der zehende zv Ergersheim garwe vnd daz dirteteil des banwartvmes zv nidern 

20 Ehenheim. Swer die h’ren von Melgen in v’nst’ dar an drengen wolte, das 
sol in d’ Meiger helfen behaben vnd öch die häbere, odir ir eigen odir ir erbe 
vnd den wochetage!); und swo men daz andirs an grifet denne men ze rechte 
sol | swo daz «d’ meig’ ervert vnd die hvbere, das svlent sv weren bi irme 
eide alse verre so sie mvgent | dar vmbe git in der hof ein pfvnt pfenninge 

vnd den butel IIII vne) den h}bern 

25 an dem ersten Cinstage nach sande martins tage | vnd zehen schillinge zv mittel 
Meigen vnd eins acker in den väsern nortvelde | vnd einen acker an dem in- 
nern nortvelde | vnd gent keinen zehenden. 


(10) So der meiger sitzet zv dinge zv sancte martins naht vnde claget 
nider sizcet 


vmbe des hofes notdvrft, welch hvb’ dar nvt enkumet?)| daz d’ meig’*) d’ bes- 

30 sirt schz pfenninge | Bitet er vntz dez morgens frv, so bessirt er zwene schil- 
der hvbere®) 

linge. die besserunge ist®). swaz ab’ der meig’ nvt gehöbeten mag, dar zv sol 
!) Ackermass = mentag? Aber der ganze Satz ist mir unklar. ?, Hier und 
bei den folgenden interlinearen Correcturen ist nicht sicher gu entscheiden, ob sie 
von der Texthand nachgetragen sind oder von einer andern herrühren. 5) Dar- 
nach vn e durchstrichen. *%) Darauf vf stat durchstrichen. 5) Darauf eins mei- 
gers durchstrichen. °) Zu der Stelle am Rande: Man sol ab’ zwür luten mit der 
g°zsen glocken e. daz der meig’ sizcet dag erste mal vor der messen vnd dz and’ mal 
nah der messen, 


En en 


119. 128. 129 301 


in helfen der voget. d’ sol kümen zy mitteln meigen selpand’ vi ein ros zv 
lereme sattele vnd sol ez ziehen in den schützhof | vnd svlent im die hvbere 
höwe vnd stro geben | vnd der hof zv veltkirche gedröschen fVter. 

Der vorgenante schuzhof der sol so beretit sin, daz men after vz kein 
pfert müge bringe, vnd dez vogetes kneht sol vor d’ and’n tvrn ligen | vnd 5 


sol sines h’ren rosse hyten | Der voget sol zv mitteln meigen daz dirteteil d’ 
wette neme vnd der meiger die zwozal. Der vorgenante voget d’ sol sinre 
wette leben dez selben tages zY mitteln meige. Ez sol öch dehein hvber de- 
hein gvt v’köffen | er enbiete ez denne .e. dem meige’ vnd sol er deme sehz 
(28) pfenninge nahir geben. Swo d’ meig’ der hYb’ bedarf vmbe dez hofes 10 
notdvrft, die svlent mit im gan so v’re, daz si bi tage heim mvgent kom& mit 
irme kosten. Bedarf aber ir der meig’ fvrbaz, die zerunge sol der hof gelten. 
Men sol öch zy nidern Ehenheim Cleinö zehenden geben, eins helbeling von 


eime deht’lin, von eime Öhseline einö pfenning | von eime lambe einö helbe- 
ling, daz zehende verlin vnd die zehende gans | daz sol men antwrten in den 15 
hof zv veltkirche vnd sol d’ meist’ dez hofes daz halbe dem Lvpriest’ (!) ge- 
ben | vmbe daz sol der hof ein phor vnd’ die herte zY nidern Ehenheim | vnd 
einen eber | Sw’ den phor vz tribet | dez Rint er nach gat | wrt er v’lorn, so 


sol er in gelten. vnd der hof zv veltkirche sol geb& t) yierteil cleyes den heilge 
vnd zwei vierteil rocken zy den brucken zy nidern Ehenheim. Der öch hvb’ 20 
wrt in dem hofe zü veltkirche, der git halp alse vil Erschatz alse cinses vnd 
dem meigere sehs pfenninge vnd den hvbern eing schilling | were daz den hv- 
bern breste dez vorgenante gVtes, so svlent sie zv meien kein reht sprechen, 
men gebe (2b) in .e. daz v’sessene. Men sol öch vf kein erbe oder wochetag 
kein selgerete slahen. in dem hofe zv veltkirche sol niemä kein reht spreche, 25 
er en si denne ein hvber. w’ sinen cins v’sitzet, taget dar vf der meiger, so 
sol er tagen zv drien gebotten dingen. dar zv sol er ziehen die hvbere vnd su- 
lent im öch helfen | an dem vierden dinge so sol er erkobert han mit allem 
rechte. kümet aber d’ vf dem man getaget het | vor deme zil | vnd wil mit 
dem meige’ vber ein kome, so sol d’ meig’ sine Cinse nem& mit der besserun- 30 
ge?). Ez mag nieman kein erbe oder wochedag, dar vmbe er jar vnd dag ze 


‚ dinge vi ze ringe gangen ist, dem and’n an erkebern wande fur einem meig’. 


129. 
Deutsche Predigt. | 
(137) Cü eet despösata mater iesu Maria ioseph anteqm sueniret inueta 35 
& in uto habes de spv. s. (Matth. 1, 18). Disiu wort div sprichet der güte 
(138°) sös Mathe’ von der geburt unsers herren vi von vnser vrowe sancte 


1) Darauf zwei durchstrichen. *) Das folgende Zusatz des Correciors. 


302 ÄNHANG 


MARIEN. Bi deme zite, daz unser herre geborn wolte werden von vnser 
vrowen sc& MAR, Daz er vneich erloste von deme &wigen tode der hopet- 
haftigen svnde, da vns adä in gestozen hete, do er vnserm herren vngehorsam 
wart in paradyso: Do wart vns° vrowe scö MARIE enpfestenet vn gemahelet 
5an einen güte manne der hiez ioseph. Da vone sprichet der gvte Scs Ma- 
thevs, do vnser vrowe ioseph enphestenet wäre, do ware si swanger worden 
von dem heilige geiste.e Do des ioseph innen wart, nv was er ein vil gvt man 


(1386) ı nolebat tducse eä, daz chut: er ne wolde si nivt uermaren. Wan 
waren sin die iuden innen word, daz si an die &. swang® ware word, So heten 
10si si gesteinet. Nv chom er oäch vngernee (!) zv ir, wan erne wesse niht, von 
weme si des chindes solde genesen, vh gedahte ime des, er wolt ir tovgenliche 
entrinnen. Do er ime des gedahte, do erschain ime der heilige engel in deme 
släffe von sprach “Joseph, envurchte dir niht ze nemenne MARIA dine chonen. 
Daz chint des sie da swanger worden ist daz ist gescehen von deme heiligen 
15 geiste. daz chint daz solt tu heizen iesum, daz chtt ain hailant aller der werlt. 
Ipse (139%) saluü faciet ppl’'m suü a peccis eor. Daz chvt: er loset sin: livt 
von sinen sunden vü von dem ewigen tode’. NY sult ir hivte vil inneclichen 
bitten den almahtig& got vn vnser vrowö sce MARIEN, Daz si iv des helfe 
vmbe ir trvt svn, daz er vergezze an iv ivrre missetat, vn daz ir müzet sin 
20 sin livt, vmbe die er die meneschait an sich habe genom vn die hab erloset 
von deme ewigen tode. Vnser vrowe Sc& MARIE div newart dar vmbe niht 
enpfestenet iosebe, Daz si immer solde gemaileget werden von deheine manne 
— Si nehete ouch ir niht vur gesetzet, wan daz si immer solde maget sin in dem 
namen vnsers herren, (139b) als öch immer Maget ist vn ie was—, Nvwan daz 
25er!) phlage, swa si wäre vi swellende si vüre, vn so ovch vnser herre geborn 
wurde, also ich iv nv sagen will. Do vnser herre geborn wolde werden, Do 
was ze de selben ziten ain chunich da ze rome, der hiez augustus, der was s0 
geweltich, daz in div welrt (!) elliv was vndertan. von deme sprichet der güte 
scs Lvcas an deme heiligeme ewägelio: Exiit edietü a cesare aug’to, vt descri- 
30 beret® vniversus orbis. Er chvt, er wäre so geweltich, Daz er vz gebvte aller 
der werlt, daz si im hulde swäre vn ime öch den cins gabe. Do vür manne- 
gelich ze siner hovpetstat vi braht dar dem chvnige den cins vh swuren ime 
öch da (140%) hulde. Also tet ouch ioseph vi vnser vrowe sancte MARIE. 
die waren burtich von nazareth. si horten au? ze ainer stete div hiez bethlehem. 
35 dar furen si öch, daz si den cins dem chunige da gaben vi ime öch hulde 
swuren. vn herbergeten in ain gasthus. Tve impleti 5 dies Marie vt pareret. 
Daz chvt: do was unserre vrowen cit ervullet, daz si solte gebern vnseren 
herren iesum xpm. vü genas sin in dem selbem gasthus. Et pannis eum in- 
uoluit Et posuit in psepio. Daz chvt: si windelet in in vil scone vä leiten in 


\llerir. 


129. 134 303 


ain chrippe, wande sine mohte andern stete nieht haben in dem gasthvs. Do 
‚wacheten die hirte in dem selben lande bi ir vihe des selben nahtes, wan in 
deme (140b) selben lande ist wintes (!) niht. Do vnser vrowe vnsers herren 
do genas, do chom ein lieht so grozez vmbi si, daz si harte erchom. Do chom 
vnsers herren engel zv zin vi spr*ch “vurhtet iv niht. Ewangelizo vobis gau- 5 
dium magnü’. Er sprach “ich chüde iv ein michel vröode div chvnfetich ist 
aller der werlt. Ez ist gebo'n d* heilant der die werlt alle erlosen sol. vü 
habet iv daz ze aine vrchunde: Ir vindet daz chint in tüch gewindeletez vü 
geleitez in ainen barnen’. Also der engel daz vol sp“ch, Do was bi ime ain 
michel tail hereges himilisces vn begunden ze singen vn ze lobenne vn»eren 10 
herren mit grozen vröden vnde zungen Gla in excel d’o int. p. h. b. v. (141%) 
Si sungen “Lob vü ere si dir, herre, vf dem hohen himele, vü vride vn ge- 
nade si vf der erde den mennescen die gutes willen sin’. Also nam vnser 
herre die mennescait an sich von vnserre vrowen sancte Marien, daz er vns 
erloste von d& ewigen tode vn von dem (!) banden des leidegen tieueles. Nv15 
bit ir hivt vil innechliche vnsern herren, daz durch siner trut müter willen ge- 
denche an iv der selbe menescait vn daz iv beruche ze v’gebenne swaz ir von 
mennesclicher brode ie wider sinen hulden getatet, Qui cü patre 7 spV. «. v. 
ı R. d. am. | 

Vorstehende Homilie wurde nach einer Perg.-Hs. des xıı. Jh. schon von 20 
Birlinger Alem. 9, 259 f. abgedruckt. Aber die Cheltenhamer Hs. repraesen- 
tiert meiner Überzeugung nach jene Vorlage des xıı. Jh., aus welcher Birlingers 
Text geflossen ist. Dafür spricht neben dem ganz vereinzelten Auftreten dersel- 
ben Predigt mitten zwischen lateinischen Stücken die bis ins einzelne gehende 
Congruenz lautlicher Erscheinungen, so die Setzung der Accente, nur auf wenige 25 
und zwar genau die gleichen Worte beschränkt, Schreibungen wie hopethaftigen 
(aber hovpetstat), vngernee (B. ungerne e), von dem banden, nv bit ir elc.; nur 
selten hat der jüngere Schreiber corrigiert, so welrt in werlt, wintes «n winters. 
Aus Gründen, die bei der Beschreibung der Hs. oben angeführt wurden, muss 
die Abfassung der Predigt spätestens in die Mitte des xıı. Jh. fallen. Kenntnis 30 
der Herkunft der jüngeren Hs. dürfte auch für die unsere von Gewinn sein. 


134. 


Unter a) teile ich eine zweite Fassung des Münchner Glaubens und der 
Beichte (MSD xcvır) mit. Sie ist darum wichtig, weil sie einerseits noch eine 
Oratio pro ecclesia enthält, andererseits die Worte in der Eingangspartie des 35 
Münchner Textes MSD? 1, 316, 3 f. unde äne die heiligen pihte unde äne den 
heiligen paternoster als interpoliert erweist. Darnach wird man auch über 
die von Scherer ausgeworfenen Worte a. a. 0. Z.4 f. anders zu urteilen haben. 
Valterunser und Glaubensbekenntnis sind 304,27 nur lateinisch angedeutet, wohl 
weil diese Formeln als bekannt vorausgesetzt wurden. Der Ersatz des hl. (Georg 40 


304 ANHANG 


der Münchner Bruchstücke 317,42 durch den hl. Vigilius und die Neueinfügung 
der hl. Kunegunde kommt auf Rechnung der Kirche, für welche der Chelten- 
hamer Text bestimmt war. 
Unter b) drucke ich die von Strauch, Z. f. d. Ph. 27, 163 ff. aus Clm. 
54880 (E) und bruchstückweise von Keinz, Sitzungsberichte der Münchner Aka- 
demie 1869, 2, 292 aus Cgm. 5248, 5 (M) veröffentlichte Kreuzpredigt ihres 
sprachlichen Interesses halber nochmals ab. Die wichtigeren Varianten von E 
und M gebe ich in den Noten. 
Unter c) endlich bringe ich aus dem zweiten Teile der Hs. eine Predigt 
10 über die drei Arten der minne des Menschen zu Gott. Eckhart hat das gleiche 
Thema behandelt (Pfeifer 2, ıxxxv. Wackernagel, Altd. Predigten Nr. ıxvi); 
seiner Schule (vgl. den Eckhart in den Mund gelegten Spruch am Schluss) wird 
auch unser Stück enisprungen sein. 


a. 

15 (1°) Sine fide Ipossibile & plac’e do. Uns sagt div heilege schrift, daz 
daz vnmugeleich si, daz iemen dem alınechtigen got wol müge geuallen an den 
rehten glöben vone x (!). Vane di®v manet hiute vnser& h’regon(!), daz er iv i®v 
vsleihe rechtes glöben vnde warer riwen, vnd sprechet in im hivte vn seiner 
lieben miüter, vne vne frowen sante marien ze lobe vn zer& vü allen gotes 


20 heiligen vi iv ze hilfe vn ze tröste vn ze gnade an i®werm leibe vi an i°wer 
sele vn nemet hivte I iwerme gebet, daz i iu vnser h’regot uberheue vnrechtes 
todes vn gaehes todes vD ivch behvte vn (!) höpthaftigen sundä vA vor welth- 
lieche(!) schäte, vn daz iv d* heil gotes leichname werden müze an iwern iun- 
geste ezeiten mit rechtem gelöben, vü daz er alle die ungenade vnterste die 

25in der heiligen cristehait si, vn daz er hivte helfeleiche si allen iweren vorde- 
ren selen vü allen glöbigen selen. Nu sprechet || rub!ca. D seq” Credo 71 aue 


Ma’ia. p. nr ı aue marla 1 cdo (diese Zeile rot durchstrichen). 


Confessio. 


Nach dem heil. ge. den ich gesprochen han so wiert ich hi®vt beichtich 
30 dem almehtigen got, meiner frowen S. Marien, d® himelischen chvniginne, S. Mi- 


chael vnd allen gotes engeln, mi®ne h’ren S. Johes vn allen gotes wissab 


wissagen, mins h’ren S. peter vü allen gotes pote, mine h’re S. vigilien vä 
allen gotes martyrare, mine h’re S. nycholas vn alle peichtiga°ren, miner frowen 
S. chunigunt vä allen gotes mageden (!), miner frowen S. marie magdalene vi 


3558. Margarete vü all& gotes mageden: Disen genadi°gen heil. vn all& gotes heil. 


ie 
vnd di®r, bri®est‘, aller mi®n® sünde die ich aller gefrümete, seit ich aller erest 


134 305 


sunten machte veze an dise witle. swie ich gesvndet han, wizent oder vnwi“zent, 
tages oder nachtes, mit mier selber od* mit anderen menschen, mit willen, mit 
worte, mit werchen oder mit posen gedanchen, h’re, das reüwet mich. h’re 
crist, gotes sun, ist deheine sunde die ich v*mitten han, daz ist mere d von 
deinen genade, denne vö deheinen mi®nen willen. D 
Nu ne weiz ich, h’re, wa ich mi®ner angi*sten, mi®ner svnde& fliehen scol 
od® mach wan hifneze di®nen genaden. Nu mane ich dich, hre, gotleicher 
worte vnde vat‘leicher worte die du selbe sp“che, des das du I diser werlte 
chömde durch die svntere. nv reche!) mir ze genaden. Ich geheize dier hin- 


nen für gvtiev werch ze frumen, die vbel eze v°meinden (!) also verre so iz 10 

diene genade sint vi mi°r verhenget mi®n meniscleiche plodicheit. Ich pitte 

dich, h’re, noch taicdinges mi®nes lebenes, so lange ds ich gebüze mi®n?) vn- 

rechte, das ich wid® mi®ne arme sele, mit dem leibe da ich iz mit gef’umet 

hant (!. Des rüche mich eze geweren, also gewaltiger h’re, du dier lobes le- 

best vnd ||. 15 
Oratio pro ecclesia. 

Mit dem heilige gelöben den i®r nv gesprochen habet habt ir dem ti®uefle 
wider sait vnd dem alın® .g. genacht. Mit d® heil piechte habet ir im i®wer 
sunde geröget, vnd das i®r die gerne bvzen welt. mit dem heilige pat® nr habet 
ir allen den vergeben (die wider i®vch getan habent: pleibet ir dar an stetich 20 


stetig, so besitzet di°r (!) den ewigen leib leip. Nv m. f. l. nu sult ier hirute 


den gedinge haben hincze dem alm g., swes ir in hi®vte hie gebittet rechter 
dinge vnd güter dinge, das ier der gewert werdet von si®nen genaden vi vö 
disen genacdigen heiligen. Nu bitet in hievte vmb ei®vch selbe vnd vmbe alle 
die heil. eristeheit. (1”) Dar nach pitet in vmbe den babest da cze rome vn 25 
vmbe alle geistleiche richtere, das die got stetige I si®nnem (!) lobe vnd 1 sinne (!) 
dien®st. I®r sult pitten vmb* den cheiser von rome vi vmbe alle die den das 
swert da czv gesegent ist, das?) fride sulen machen, wittwen vn wai°sen schu- 
len beseiermen vi armev gotes hüser, Das si das also getän müzen, das si 
mit dem ewigen swert an dem ivngiste tage iht erslagen werden. Ir sult 30 
oüch pitten vmbe alle die die I chimuert sint, das si vnser h’re got habe 1 
sime fride vD I sime scherme. Ir sult pitten umbe alle die die mit noten 
vnde mit angi°sten begriffen sint, das in got geadich (!) sei. Dar nach scult 
ir pitten vmbe alle die die mit siechäm (!) begriffen sint, swelicher slachte 
siechtüm si haben an dem liebe oder an der sele, das si vnser h’re got da von 35 
erlose. I°r sult scult pitten vmbe alle die die mi®r armen briest® oder iv“ch ie 


dehein güt getaten mit worte oder mit werchen, das in «as got vergelte mit 


!) 1. ruoche. ?) Darnach ein durchstrichenes =. %, Subject sie; vgl. zur Aus- 
lassung Kraus, Deutsche Gedichte des xuı. Jh. S. 93. 


Deutsche Hss. in England 1. 39 


306 ANHANG 


(dem ezehenzievaltigestem lone. Dar nach scult i“r pitten vmbe alle die die 
mit sculden begriffen sint, das si got so lange gefriste I disme leben, das si 
ieren sculdigern embresten mäzen. Ier scult pitte vmbe alle die die sich mit 
tri’w& vn mit warchait begent, das si got friste eze lifbe vn cze sele. Ier scult 

5ö0ch pitten vmbe alle die die in selben vnnüeze sint. wer sint die? das sint die 
diebe, röbzxre, abprechiere, Mae Mordzxrere, wcherere, achtsere der heil eristen- 
hait, das si got bechere oder vö der werlt neme, das di®v arme e'stenheit vor 
in geraste. Ir scult pitten vmbe alle die di ie dehein stievre eze disem heil 
gotes his geben haben oder ezu anders gotes hVsere, da man si ez mainet (N}) 

10I mines trehtines dienist, das in das got vergelte mit dem ewigen lon. I°r 

scult öch pitten vmbe alle die die dise dize gotes hüs niht besächen mugen 


noch ander gotes hüser vor nactü, vor siechtüäm, vor h’ren gwalt, das in got 
ze helfe chome. Ir scult pitten vmbe rechte gerichte, m vmbe czeileich ge- 
rittere (!) vn das vns vnser h’re got die genade behalte die er vns if der erde 
15 verlihen hat. Nu m. f. 1. nv habet i®r gedachte i'wer selber a vn aller der 
heil cristenheit; nv scult ir öch gedenchen i’were vorder& sele. I’wer igl ige- 


leicher pitte hi®vte vnseren h’ren got vimbe seines vater sele, vmbe siner mäter 
e ER 2 ; . e 

sele, vmbe siner geswistri®de sele vn vmbe alle siner vorderen sele. pittet ouch 

hievte durch got vimbe alle die sele die mir am arme briest® empholehen «int. 


20 Ir scult got pitten.vmbe alle vmberüächte sele die nieman habent der ier ge- 
ddenche. Dar nach pittet vmbe alle gelübi"gen selen, daz in got geneldic_ sei. 


ame. 


b. 
(23) Von des heiligen erüces holze (am Rande). 
25 Xps nö inmenor mie suc suscepit in eruce isrl puerü suü I ab eis collo 


«lyabolice seruitutis potent° exeussit iugü. M. f. 1. Des erücesx ist?) der boum 
des este in die erde sint gestechet, des wureze durch den himel?) sint gewah- 
sen, des tolden durch den himel sint erswungen, wande nehein stat ist weder 
in der helle noch Vf der erde noch in dem himele, sin genade div nehabe dar 
30 gelanget. Div helle prach von der sigenufte des heiligen erüces, * irdisciv livte 
sint. erledigot vn geheiliget in dirre werlte von dem heiligen erüce, himelischiu 
fröde ist gemeret von dem heiligen pöime, wande elliv div schar der patriarcharü 
vn der wi*ssagen, wip vn mane, die da ceze helle erledigo"t wart, div wart be- 
stetiget in die chöre, da der tiufel vz gevallen was durch sin vbermäte. Diu 
35 grozze gnade ist vns dannen gereitet, das die pösen geiste iemer mäzen fliehen 
den vanen des heiligen erfiees. wa vns der alt viant dehein schreehunge oder 
deheine bechornisse ane wierfet, Da pi“tten wir ie das ezeichen des heiligen 


!) Für manet verschrieben? ?) E Cristes crewtz ist. 3) FE richtig durch das 
abgrünt; der Fehler entstand durch Abirren des Auges. 


134 307 


erüces für vns, das git vns ie den sigenuft, das bringet vns temer vollickliche 
ledigunge, das zeiget vns die rehten strazze gen der phalenze des almehtigen 
gotes, das machete frömediu liute dem heiligen e'st heimlich, das git ellenden 
mennischen ier hemäte widere. Der süze smach des heiligen erfdces der sament 
diu schaf diu got darane erlöset hat an die rechte weide. O wi, wie süze 9 
purde darane hangote, do diu vil edelen lider sant Marien ohindes darane ge- 
hohet waren! O wi, wie ti/vre vü wie edele die nagele waren die sinen licha- 
men vfhabeten, wie heilich der steine was, da das plät des almehtigen gotes 
vf tröf, wie wol gewi°ht die erde was div da emphiech (!) das rosevarbe töwe 
vn die trophen die da flizzen von vnsers herren seiten! gesegenet si div wile, 10 
do der selbe poum wahsen begunde, das er ie gezimbert wart, das er ie gehö- 
wen wart! Der tach vü die wile müzen ein heiltfn sin aller hochezeite, (24°) 
das die wil (I) edelen este hineze ierlm ie wurden gefürt. O wie reine vn wie 
heilich der wihsre was, probatiean piscina, do das holez vnserre vrlosunge dar- 
inne lach! Wier lesen an der heiligen scift, das der engel alle tage!) chom 15 
zeime male an den selben wihaere ad visitandü lignü, das er da beswerte?) das 
holez des ewigen lebenes. das was darinne geworfen von den vbelen heiden. 
die heten die stat gewunnen dacze ierlm vi namen die zwene este des heiligen 
erüices. die waren do beslagen mit golde vi mit edelem gesteine. das brachen 
si abe, wande si erchanten des holezes®) niht. darumbe wurfen siz von wüder- 20 
lichen #) in den selben wihaere, da von wier iv gesaget haben. Do wart das smahe 
wazzer also geeret, das der heilige engel dar in für alle,tage vn wegete die 
vnde?) vı spilte darinne. Swelich®) mensch denne nach dem engele engle 


czem ersten in das wazzer geviel, Swie siech «der wart, der wart gesont”?). Do 
vnser hre für mit sinen iungere in dirre werlte, do sach er da bi dem selben 2 
wiher chrumbe vnd halze vn vergihtigen ®), liute die die vallente suhte heten & 
vi ander sieche genüge. die auer in das wazzer ze rehter czeite niene mohten, 
die enbant der hailant dirre werlte mit sinen gotleichen genaden von allen i°r 
siechtäm ®). Do die iuden den wiere czeinen czeiten ve verboten!°), do wart 
das erüce funden vh wart vnser he’re, der heilige xpe, darane genagelot. do ne 30 
geschach after diu niemer mere dehein zeichen in dem wiere. 

Nu seht die manegen beczeichenunge ane die got mit sime erüce begie, € 
er ie darane wurde gemartyrot. Nu eret hivte den schephsre himeles vn erde 
der die tiefe des abegrundes mezzet vn erchennet vh die praiten erde in siner 
hant beslozzen hat, der in der höhe des himiles sin hüs gesetzet hat, bittet in, 35 
das er vns lazze geniezzen sines vil heren ertces, wande alles das in der alten 


') E alle jar, aber nachher 164, 38 all tag. 2) E besucht. 8) Für diese Con- 


struction tritt auch E des holez (Strauch corr. das) ein. % E hat das richtige 
vnwirdicklichen. 5, Fehlt I; Strauch ergänzte wazzer fülschlich. e%, Hier setzt 
M ein. ?) ME gesunt uone alleme sineme siechtöm. °, M [misels]uhtigiv. 


®) ME unchreften. 10) 1 fur[beten], % fur ruten. 


308 ANHANG 


€ alles vor betätet!), vn sulen?) vil wol wizzen vn bedenchen, das vnt° allen 
den werchen siner barmüge die er von anegenge zv vns selbe?) geordent hat, 
das*) niht so w niht so (!) wunderlich ist noch so heiliges noch so ere?°) ze 
sagene noch so verre ze pdigen, so das der®) ein leben ist”) aller lebentigen 
5 menischen durch vns suntere ware) gecriuezegot. Diu heilicheit diu darane 
ist. «diu betivttet(!) «die piezeichen aller vnserer vorderen®), swas si an ir opher 
begiengen vn an ander !®) saczunge diu in geseezet was an den zeichenen der 
heiligen wissagen, das chunte!!), das das also georden (!) wasre!?), «das sagete, 
das das also erfulte solte werden, das der here maide sun sinen liCp gebe an 
10 das erüce ze marteren durch alle suntere. Das lamp das si opheroten vf dem 
heiligen altzre, das bezeichenot die diemäte des almehtigen gotes, das er 
senfticlichen vh stille swigende ze der martyre gie, do ers vil wol mahte wi- 
dlerredet haben, ob er wolte, also er sancto1?) petro sprach, do er eime iuden 1) 
das ore abe slüch!?) “Stoz din swert in dine seide (!). wenestu des niht, wolt 
15ich minen vater pitten, er gebe mir mere denne zwelif schiare (!) der heiligen 
engele die mit fivrinen swert@ fur mich vehten!®) vn das vil wol werten, das 
ich in der iuden gewalt niemer gegeben worde. wer loste denne die menische’ 
sprach der heilige c'st “vn wie wurde alles das erfullet das von mi°r gesc'ben 
ist” M. f. 1. Si opheroten öch in der alten € rotiv rinder. das bezeichenot 
20 das rote plät das von vnsers h’ren wunden floz. wande wi®r waren in so tiefe 17) 
charchire des leiden leidigen valandes geuallen: het (24") er vns mit siner 


vnezallichen güte niht erledigot vn en heter!$) mit sinem gewalte den gewalt 
vnsers vin veindes niht zerprochen, Sone mohten wier niemer vol chomen sin 


noch semphte vfpart (!) haben gewunnen hincze den choren, da imer lieht ist 


25 ane vinstre vh grozziu chraft ane allen siechtäm. Owi, wie suzziv :spi®se vns 
von dem heren!?) erüce chomen ist! wie selich der?°) munt ist der den heren 
lichnamen vnd das heilige plüt des almehtigen gotes mit ri®wen an sinen 
ivngisten czeiten emphat, Der des heilwages mit triwen gesmechet das vns got 
gewihet hat, Da vone die tiefen wunden der sele werdent geheilet! Elyseus, 


. .y» . e . . . 
30 ein heiliger wissage, der chom, lange &?!) got geborn würde, in eine michele 
stat, in eine wi°te gegene. Div liute lüte die dar inne waren die clageten ime, 


'!) E wande allez das das er ye dar an begie das was in, ?) E ergünzt dar- 
nach WIiT. ®) E vnser seligd. %) L bestätigt die Ursprünglichkeit des Anacoluths. 

5) E her. 6) ME so der he[re Xpec] der. ”, M fügt hinzu himelis vnde 
der erde [unde). ®) ME wart. ®) IE vorvorderen, Lücke in M. 10%) ME ane 
der. 11) ME chundet. ı2) MI was. 13) ME davor richtig ze. 19) M setzt 
hinzu der hiez malchus. 15) M setzt hinzu [do] sprach er ze ime. 10) ML uach- 
ten. 7) ME in einen... tieffen. 18) M enhete, F hett; er wird also ursprüng- 
lich gefehlt haben. 1) Fehlt ME. x» ?°%) lip ist unde der fügt M hinzu; das fol- 
gende ist fehlt. *!) ME & lange &, 


134 309 


claz i“r wazzer also swer!) vnd also hantich were, das liute vn vihe da uone 
sturben, vi pats in, das er in hulfe vmbe got, das in div ungenade ze bezze- 


e . ... D 
runge verwandelot würde. Da gie sa?) der heilige man helyseus da div vr- 
sprunch waren vnd warf darine salez vn ein weniges holez in der piezeiche des 
[2 K) . . @ 
heiligen erüces. Da von wart aller alles daz wazzer in eine grozze süzze 5 


verwancdelot, Daz iz niemer mere nehein schaden getet weder liuten noch vihe. 
Der selben genaden sulen wir got pitten, swas suwers vnd pitteres an vns sei 
von vnseren svnten, daz er das durch sin selbes parmüge vnd sines durch 


sines heiligen erices ere verwandele. Got?) nehete niht’ vergezzen siner bar- 
munge, da er siniv liebiv chint vnt’ sine arme viench, vnt’®) die vettache si- 10 
ner schirmvnge an dem heiligen crüce, Wand er mitter selben biezeiche das 
ivch der verschalnusse (!) vnd des leidige valandes von vnserem hals vil ge- 
waltichlichen hat geschutte. Nu ratet iv div heilige'v scift, das i®r och?) 
durch got etteliche martyre lide'n lidet, Das wi°r®) fleislicher girde wider sten 


vn an iv sterbet die ir vil manigen sunde die i®r gefrumet”?) habet wider got 15 
vnd wider iwer armen sele. der ist selich der diu füzspor®) des almehtig& go- 
tes nach volget, der das erüce xpenlicher eren fur sich geseczet. Nv man; 
vnseren h’ren siner genaden, das wir in vn sin heiliges erüce in disem leben 
also eren müzen, das wier das heilige leben besiezen müzen. amen | . 


C. 20 
(107%) Diliges dominü deum tuum zc. Unser h’r sprach “Du solt deinn 
got minnen von allem deinem herzen, von aller deiner sel, von allen deinem 
gemüte. Dew minn von allem deinem herezen dew ist gemain, dew müz ein 
igleich mensch han der czw dem himelreich chomen wil, wann das herez ist 
ain flaisch vnd chan nicht gaistlich minn han. Dar vmb het got verainet 25 
menschleich natur mit sein’ hochen gothait, Das er vnser fleischlich herez cezw 
sein’ fleischlichen minn ezug vnd darnach gaistleich miün precht. Dar vmb sol 
vnsers h’czen minne gesamet sein von alle dem das minnichleich vnd posleich 
auf dem Ertreich ist vnd versmahen die welt und alles das dar inne ist vnd 
sol allain fliezzen auf dew menschait vnsers herren ihu xpi. Da von sprach 30 
er‘von allem deinen h’czen’, das es sol gesamet sein von allen dingen vnd sol 
allain fliezzen auf sein menschait. Dar von sp’cht ain heilig “vnder disem 
schaten schüllü die rüoben (!) die der sunn hiczze nicht getragen mugen, Da 
si mit xpi menschait gefrewet werden die noch nicht kunnen verstan weliches 
dles heiligen gaistes gab sey’. Kurezleich gesprochen: Got minnen von allen 35 


1) M süer [we]re, E sawr. ?) M sazehant, fehlt E. ») Davor in ME Xpe 
non inmemor etc. % M [un]de untir. 5) Mit daz och schliesst M. °F ir. 
?) E da ir euch mit vorbarht. ®) E auf dem spor. 


310 ANHANG 


herezen ist, was «ein aigen hertz vnd allew ereatur hebes erpieten mugen, «las 
du das gantzleich versmäahest durch dew menschait vnsers h’ren ihu xpi. 

Dew ander minn von aller der sel dew ist gaistlich vnd vnwegreiflich, 

wann graistleich mag man mit sinn nicht wegreiffen. Davon ist der sel minn 

5 vnbekantleich vnd kumet vil wenich laüt ezw diser (108%) minn. Ez sprach 

sand Johannes, das man disew minn nicht mug erkenn wann mit cezaichen 


der sint drew. Das erst ist, das si mit irem willen verainet sev mit got, 


Was!) si nieht mug wellen, wenn das got well; wann die weil si mag tün 
vnd lazzen das si wil vnd si mag gesprechen von ir selbes willen “Ich wil 

10vnd enwil’, dennoch si nieht wegunnen hat got ze minne vnd?) von aller 
ew’3) sel. Das ander ezaichen ist das, das si nich (!) mug webegt werden 
von chainen dingen die auzwendig muügen ezW gevallen, Ez sey verlust des 
gutes oder frewnd, Er oder was penieleichen #) ist, das si da von nimm’ we- 
begt werd noch vertriben aus irem frid vnd albeg weleiben in ir gedult vnd 

l5in irr Rw°o (!) mit got. Das dritt ezaichen ist, das si nindert rw“o suchen?) 
noch lust an chainen dingen das got nicht ist, an gnaden noch an den Engeln 
noch an heyligen noch an chainen dingen die vnder got sint, wann sand Au- 
gustine spricht “was got geb mag an sich das trostet mich nicht”. Swer di- 
sew drew zaichen nicht hat, Der minnet got nicht von aller seiner sel. 

20 Dew drit minn von allem gemüte ist noch hocher vnd gaistleicher. Da 
von sprieht Sand Dyonisis, Das disew minne niemant müg erchennen wa 
mit drin ezaichen. Das erst ist, das er vnbegeleich sey an seinem gemüt von 
lieb vnd von laid, das er ezericht fur sich var die freien strazz, Das er nicht 
müg genaigt werd ezW der linken hant, so es im vbel get an leib vnd an 

25 gut vnd an eren, noch ezwW der rechten hant, so es wol gat. Das ander 
ezaichen ist, das seit mit gelust nimmer an dehainem dingen haften das got 
geben mag, Si fliezzen statichleich in ir ainiges gut das got selber ist. Das 
drit zaichen ist, das si also webeisen von got, das sew chain valschheit mug 
wetriegen von gaisten noch von menschen, wann das sew in dem spiegel der 

30 gothait erchennen allew dinch als sew sint in irem vrsprunch vnd in irem 
ausfluzz: das ist dew gewizz erchantnüzz. Da von spricht sand Dyonisis “dew 
minne ist ain chraft dew ainiget vnd gleichet dem das si da minnet’. Hie 
chumbt der gaist vber alles das das geschaffen ist in das vngeschaffen liecht 
das niemant nicht haissen mag denn ain liecht, wann das liecht offent vnd 

35 vnderschaidet dew dinch div pilding habent; Aber in der vinsternuzz da ist 
weder liecht noch vnderschidung Pildleieher ding. nicht das in got vinsternuzz 
sev, mer es ist vnbechantnuzz. da von haisset es ain vinsternüzz, wann dew 
sel verpart sich selber da vnd allew pildleichen dinch, Als sanctus paulus 


; R N ; R e 
') I. das. 2) Streiche vnd. 2: 2.0. t) Etwa semeleichen? 5) mug zu 
ergänzen, 


134. 135 311 


spricht “swer an got haftet der wirt ain gaist mit got. Der nu komen wil 
ezw der hochsten volchomenhait, Der sol han ein vnvtrossen genugde aller 
cezergänkchleicher ding, Dar nach chumbt ein vnbesorgtew freihait. Er sol han 
ein vngerubtew wegierde aller ewigen ding, darnach so chunbt ein haizzew 


or 


minn in dew sel. Er schol sich auch chern von aller wollüst des leibes vnd 
der sel in ain rechtew Rw°o, so chumbt man in dew höchsten lauterchait. 
Man sol auch gleich enpfahen armüt, versmäch, siechtum, pein vnd all wider- 
wartichait vnd alles das got auf den menschen gelegen mag, als ob er in 
gab Er vnd gmach, vnd allew fräwd auf ertreich vnd in bimelreich mit ainer 
gleichen danchnamehait, so wagschet im ein hügleichait!) götleicher werich. 10 
Unß h’r hat den tod erliten durich den menschen, das wier alle sterben 
an dem fleisch. da von sp’cht vnser h’r ihu xps selb’: “Das waizzenkorn er- 
stirbt in der erden, so es nicht fruchtper is. Maister Ekchart?) der sprach 
“mir gend laut nach die geperent got alle tag gaistleich in der weis als in vn- 
ser vraw gepar. da sprach ein vraw “wer mugen die law“t sein” Do sprach 15 
maister Ekchart “an swem ir die fünf ezaichen vindet die sint es. si habent 
(108b) gestriten vnd gesiget vnd sint in ruw gesezzet vnd schauent an gotleich’ 
warhait vnd lebent dem vnd stand auf irem plozzem nicht vnd sint des vn- 
bissend vnd hant all czeit ein leben als der erst an vacht. die sind es. q 


135. 20 

Fünf Volkslieder. 

a) Helf?) god. we mach myr leuer syn. den ich seghe eyn vrouchen fyn. 
de myr myt ghunsten ghudes ghan. Lever den ich hy ghesach. datz bistu 
vrütlich lieb alzo. Tzo nuwen iar my bertze twinghet «daz ist na dyne hulde 
rich daz ist mir leib vn dir ghelich. 95 

Recht als ’ voghel vrouwet sych datz ist dar mede ghar wunentlich ghe- 
denke daz myr vorlanghen dot............ 

b) 1. Myden doet my swere pien, | 
dat ich nyeht weit, wo ich can do: 
dat maket dat alder leueste vrouwelyn myn. 30 
dach vnde nacht haue ich nieht rowüe ” 
wan ich ghedenke aen ere tucht, 
z0 ist myn troure gar vrovlucht®) 
vn vrowe my des in hertze. 


1) = Freude, s. Alem. 4, 90. ») Vyl. Sprüche bei Pfeiffer 2, 601 Nr. 14. 


3) Dies Bruchstück habe ich, der Hs. entsprechend, in unabgesetzten Zeilen ab- 
gedruckt, den 4 anderen Liedern gab ich dagegen ihre strophische Form. *% Zu 


vorvluchten = flüchten (Lübben 5, 490). 


10 


20 


25 


30 


35 


312 ANHANG 


R Ach nıyd&a ist eyn bozer wain, 


wene leyff tzo leue nicht kom& in kan, 


daer mac it liden smerze. 


LO 


de sal dat weten alleyne: 
wat em to gode weyrt bereyt, 


We leue aen syn& hertze treghet !), 


ddat make he nycht ghemeyne: 
so wert syn gheer ervullet gar, 


heymelich vü nycht opebaer, 
al in eyn vruntlich schertze. 


R: Ach. 


3. Haße ghute nacht, my leyff (datz g.) ?), 


by dir kan ich nycht wese: 


myt hertze ghedäcken sende ich dir den breyff 


sal lesen 3). 


ghedencke aen my myn hoghest’ oort, 


ny aen dyn hertze dese wort 
vD doe my nycht vorsmerze. 


R Ach. 


ce) 1. Der mey weket vns myd vrolycheyid 
wortz vü al dat ghy leif ghewan, 
der acker vrisch myt blom& steyt: 


des vrouwet sych vrauwe vü 


ma. 


Iv War leyff tho leeue leeflich apreket, 

hem beden nyeht me®) tzijt enbreket. 

2. Een gutlich wijff ghar wol gestalt, 
vp erde’ nycht mach besser syn, 
die loue ich vor de grone walt, 

var (!) al dat singhen der voghelijn. 


Tr War leyff ete. 


3. Vor ailuer, ghold vnd edel steyne 


dar vor loue ick een gutlich 

die is kusch vn daer bij rey 

dat neme ik vp zele vn I1yff. 
R War leyff ete. 


wyft: 


Ne, 


4. Die leue is selden?) sunder wan, 


waer leef steet na leues gheer. 
wat achte ich vp de’ alle mä? 


de som’ komet drade aen®). 


R Waer leyff ete. 


1) I. treit. °) 4. Haue ghute nacht, G. (Name) my leyff? 


h. g. den breyff | send ich dir, salt lesen. 


ı) = wan. 


5) 1. selde? 


®) Vielleicht: m. 


*) 1. her. 


d) 1. 


e) 1. 


135 


Der liben sarten sy alles heyl 
dye trubich hertze kün& machen gheyl 
vü sendes leyt vortribe. 
myt wylien wyl ich gheben yr 
hertze, müt, syn myd gantzer ghyr 
vn stete daer an blybe. 
R: Wer wolde nycht denö wellichlich 
den leben saarten wünichlich 
vn leyt by en vorspare! 
R Der werlde trost wer ghar ey wicht, 
hetten wy der zart& vrauwe nicht. 
heilff lucke! ich meyn vulvare. 


. Eyn leplich wort mych hat durchwont 


vs rot& münt int hertz® gront; 
dar tzo een vruntlik blicks, 
daz ich een wort nicht sprek& in kan, 
ghevangha zo een stommer mä 
in mylik&!) stricken. 
R: Wer wolde etc. 


. Lose vp de strick der sorghen, 


we, kuntlich wee, verbarghe! 
dyn deiner lyt ghevanghs, 
dem keyn’ bas ghehelffe mach 
wale dyne ghenade. beyde nacht vnde dach 
mych morden wyl vorlanghen. 
PR: Der werlde etc. 


Leep, dich gruset daz hertze myn 
vs ganze treuwe vn lieber gher, 
wan ich kan nicht vargessen dyn, 
vor ald’ werelt lebestu myr. 
dyn werde ghestalt so mynichlich 
haet in myn hertze gebeldet sich. 
abe ich wol selden seen dich, 
ich blibe dir stete ane abelaen. 
R Myn sarte krone habe goet& moet, 


 myn hertze dach keyn vntrouwe duet. 


bis vrys vi vro vn dach behoet, 
wan ich dich all’ er& gan.’ 


1) 7. mynelike. 
Deutsche Has. in England 1. 


40 


313 


10 


15 


20 


30 


35 


314 ANHANG 


2. Wer leip hait vn daz selden suet, 
haet der vroude, der ist cleyne. 
nu merke, myn trut!), we is myr gheet: 
so waer ich in ellenden byn alleyne, 
5 so byn ich hy nach dort 
vü kan vorsenden wise noch wort. ' 
heir aen gedenke, my hogester oort, 
vn halt dynne trouwe vn wandels neyt?). 
R My zarte crone ete. 
10 3. Du byst eyn wnder bant, 
des ghelich vp erd& nicht in is. 
zo waer ick kome& in de land, 
so habe ich van dir tzijt noch vrist. 
liebe hait myt liebe ?) dorch bunile, 
15 wan ich dich, leep, tzo allen stunden 
vruntlich habe in hertze grunden, 
we veerne vD vronde ich dir dach staen. 
R My zaerte ete. 


| 152. 
20 Diätregeln. 
Bl. 4» (linker Rand) Februarius: In deser manet saltu bläet laten bi 
den dume of an der medianen. drach oee enen warmen häet. dat is dinen 


houede uele güt. warmen win drine g’ne hi suueret dine darme Etes du 


ene sade üpde and’e sade dat wert di alte sik& dagen. Alat. ende m’chaten 
25en lacissce getepet mitte wine bote di des hüstes. 

DI. 5° (rechter Rand) Martius: De marte is so gedaen. du salt dines 
lines grote hüäde hebben dan. Slap luttel. ende bade vele. Laet negein blüet. 
Ende of tu danne spies. hebbet alte spele. Sure dince et. eh drine sure win 
mitten alant. so mügestu gesunt sin. Komin. en pep saltu eten aller dage- 

30like. Rute lathe ch venecoel. en eppe. gegevar. berträ. lac'ssce mit aller list. 
saltu eten so heuestu in deser tijt behüden din lif. 

Bl. 5° (mitten auf den linierten Zeilen des Innenraumes) Aprilis: Apille 
heuet vuele seden hi maken (!) g'ne den rede. Laet bloet g’ne ander adere. 
dat wert di alte genaden. Sopire gne 1 allen.bire*). «dat weret di dat fauer. 

35 Slap genoch ei bade uele. Reineuä. bet’nia. beuenella. lubestekel. de wrtele 
alle si di wale bekomen. Nemestu oec rute binne (deser tijt. dat wart di alte 
güde. 


!) Vielleicht ist myn trut an das Ende der Zeile, als Reim auf suet, zu stellen. 
2) Vielleicht zu lesen: trouwe wandels än. °®) Iiryanze mych. *) Diesen 
Satz verstehe ich nicht. 


135. 152 315 


Bl. 6% (rechter Rand) Maius: Emmer i den Meie. sin güt de vveke eiere. 
du salt drinken alsen !). dat vvert di ®de (!) gude. Alle güde wortele sin nv 
tidich. si helen di din lif. hertentunge met ysope et ei dric süte dräc mit 
lac'sse ende mit anis aldus so leues?) tu di der colere geboet. botere ei coil. 

 gemaket mitt eppe si doin di den müt smaken. Et aldit selue weder de 5 
gicht. 

Bl. 6° (linker Rand) Junius: Der manet Juni’ nature spreket aldus. 
drink vastede den evlen born. so wert din bloet gvt eü dunne. et den ladie. 
end busloc. de kerse is di ok gvt. Slape luttel eü bade alle tiit vro. ald’ 
holdes tu din herte. Nie bier. efi nie mede. si maken di de ride. eh dat fauer. 10 
it maket die (!) ok de longe siec. dat magh di w°den seit. Du ne salt ok ete 
der melk niet. si ne si gesode godeweit. 

Bl. 74 (rechter Rand) Julius: Juli’ der manet wil hebben sin recht. drine 
gamädreä. et dille end eppe. end rute isope is oec vele gvt. si v*bliet di dine 
moit. spec en cluueloc maket di dine sune gvt. Affter sente Marg. dagh. lates 15 


tu blout. dat mach di sere scade. Suk® ef muskate. cedeware. eü rute saltu 
ete. Dune salt et& negene musscle dat is di vele gvVt. 

Bl. 7b (linker Rand) Augustus: Der ogest is vele vreslike. hi maket 
siic () beide man ende wif. Of tu willes gesüt sin. sone et niet enigh grot 
svin. v'mit den coil en melk. end nie gar bier. want si mak& di de longene 20 
siee. end seir. Lat neg& blot wake vro. dat is di vele gvt. Poleie eh wege- 
brede de salt du hebben gerede. en van ande’n Ende vortel& so varne di. so 
behaldes tu an deser tüit gesunt din |if. j 

Bl. 8* (rechter Rand) September: Septeb® de is gvt. du salt alle dage 
ete melce eh brot. so vele so it si. et gesode pers dar bi. en and’ gvde vrüght. ?5 
Gäse ne darftu nüt v’mide. Dune salt dat nüt v’geten. dune soles oec sinep 
et& beide mit vleische en mit vische. 

Bl. Sb (linker Rand) October: In diser manet so sint alle dine sehdieh: 
et wibere ei drie den most. behüde di weder den vorst. dat di niet calde ne 
werde. Ganse speneverken. ende wilbra® (!) et. et g’ne güt crut. drach imer 30 
mit ti güt erut. 

: Bl. 9% (rechter Rand) November: Vns gebidet de Manet Noueb’. dat 
wi uns mitt& cledere bewaren. dat vns de vorst nene moge scaden. Allerhande 
uleisch is getidich. süder schapen eh bukken. Eiere sint gesunt. den senep 
salt tu oec niet u°’geten. bade niet uele. en lat blot. dat spien is di niet güt.35 
Gengevar. en®cidewaer. cinamomü et. dat is di güt. nü en ouer al dat iair. 

Bl. 9» (linker Rand) December: In deceber so iset winter. So laet an 
dinen houede blät «dat is di wer (!) dat houet swar gvt. Et alre hande sote 
eten. ende bade mitten steine. so bliuet din lif sunt ende reine, 


!) Wermut. 2) }. heues, 


10 


15 


20 


25 


30 


316 ANHANG 


164. 


Proben von gheestelijcken lyedekens. 

a) 1. (76°) Al!) die hier sijn geseten 
en door christum verheuen leeft, 
om drinken en om eeten 
laet ons godt niet vergeten 
diet ons alle gegeüen heeft. 

2. Hy is ons god almachtich 
en wy staen al in sijnder hant, 
laet ons hem loüuen eendrachtich, 
hy sall ons wt liefden crachtich 
schenken sijn rijcke plaeisant. 

3. Hy is der sonden ontladich, 
dies smaeckt sijnder vreüchden heeft: 
(766) eet en drinckt allegader, 
twaert ons gegunt van den vader, 
den soon en heylygen geest. 

4. Laet ons te samen spreecken 
den heer loff, prijs en danck, 
want sijn gratye is hier geblecken 
aen ons menschen, vol van gebreecken, 
die versaet sijin met spijs en dräck. 

5. Laet ons gehoorsaem wesen 
en altijt sijn loff' vermeert: 
wy sijn alle sijn kinders gepresen, 
800 wy in mattheus leesen 
die ons alle soo bidden leert: 

6. (77®) Onse vader vol al der vramen 
die daer in den heniel sijt, 
gheheylicht wert uwen name, 
ons toecome dijn rijcke bequame, 
ziinen wille geschiede al tijt 

7. In den hemel als opter aerden, 


1) Auch in Nieuw Liedt-boecxken genaemt Jeughts-Vermaeck, t’Alcknıser door de 
Wedue van Jan Volckensz Haserson, op de Mient 1562 S. 11: eem Gratie-Liedt op 


_ de wijse “Het waren negen Soldaten’. Exemplar im British Museum (. 18. a, zu- 


sammengebunden mit Nieuw Geestelijck Liedt-Boecxken, gedicht van J. V. Medicijn 
(aus derselben Druckerei und demselben Jahre); dies enthält S. 128 een Christelijck 
Bruyloft-Liedt = unten c). 
:3, 1.2 Druck (D): Hy is onse sonden ontlader 
Laet ons smaken sijn deught en keest. 


164 


gheeft ons hüiden ons dagelijcx broot 
en vorgeeft ons, o heere vol waerden, 
onse schulden die ons oyt daerden: 
wy vergeüense clein en groot. 

. En laet ons tot geender spacie, 

o heere, door ons misdaet 

niet vallen in temtacyen, 

(776) maer door ü goede gratie 
verlost ons van alle quaet. 

. Want ü is dat rijcke vol vreden, 
'verhoort ons, 0 hemelsche godt, 

die cracht en heerlicheyt mede 

van nü tot in der eeuwichede. 
amen segge wy voor het slot. 


b) (78*) Een liedt op de wijse: sterckt mij, o godt, mijn toeüerlaet. 
1. Maeckt blijschap groot, o ionge joucht, 


in dees üws meys seysoene. 
verblijt v en sijt wol verheucht, 

in dees v mey tijt groene; 

mer niet in swerelts ijdel doen 
wilt v voor ijdele vrouchde hoen, 
mer in den heer verblijden, 

nü en tot allen tijden. 

. Richt üwe ooghen tot den heer 
die uwe joücht doet bloeyen, 

en wilt hem alleen geuen deer 
die ü hier soo doot groyen: 

(78b) vermaeckt ü in hem met lofsank, 
seyt hem voor sijn genade danck, 
wilt sijnen loff verbreeyden 

met rechte danckbaerheeden. 

. Tgeen (!) dat die heere v düs dodt 
is een grote genaden. 

mer hy gheeft v veel groter goet, 
hy vrijit v vanden quaden; 

hy heeft sijnen beminden soon 
ghesonden üyt des hemels troon 
en heeft hem laten lijen, 

om ü van smert te vrijen. 


7, 4 daerden undeutlich; D deerden. 


317 


10 


20 


25 


30 


35 


10 


20 


30 


35 


318 


e) (98) Een geestelijek brüyloft, hiet op de wjise Die reyn liefde 


6,5 2, vreücht. 


ANHANG 


4. Neemt voor al dees genaden aen, 
acht die voor alle dingen, 
want üws joüchts mey tijt sal vergaen 
(79°) en verloopen geringen ; 
dan die op dit groot goet recht acht 
en danekbaer ıs dach ende nacht, 
een anders meys genaecken 
sal bem ceüwich vermaccken. 

5. Climt op boüen tot üwen golt, 
met bert, gemoet en sinnen, 
hout ü alleen aen sijn gebolt, 
wilt hen: voor al beminnen. 
en al wat ghy doot oft begint, 
vnxesten als ü seluen mint, 
laet het sijn tot gods eeren 
en stichtingens vermeeren. 

6. Aenrocht godls glorv, prijs en loff 
(79®) ut al ü gansse erachten, 
soeekt daer toe oorsacck en stoff 
met hert, sin en gedachten. 
met singen macckt jolijt en vroü, 
dunck seggingen sij U geneucht, 
en laet ü al ü leuen 
sulcken wellust aeneleuen. 


1 
. 


Sulek eenen mey niet en verpaet, 
erijcht gheen verwelckte bladen, 
mer eeuwichjeh seer lüstich staet 
om met vreucht te versaden: 

dus tracht na dese mey tijt soet, 
weest daer in blijen wel gemoet, 
wilt v deer in vermeyden 

nü en in eeüwicheyden. 


De bruydegom. 
1. Doot v ooghskens open, 
schoone het is dach. 
ick heb lang geroPpen, 
dat ick v sien mach; 
(99%) want v wesen schoone 


viere. 


ID 


164 


mijn hert doet verblijden seer: 
comt, ontfanght v croone, 
ghy en sült niet lijelen meer. 


. Doet an nieuwe cleeren. 


hier is een cleet wit, 

in het bloedt des heeren 

is ghewasschen dit. 

wt mijn dierbaer wonde 
vloeit een reynich beke claer, 
die af wasghe de zonde, 

die v gaf doots steke swaer. 


. wt v selfs wilt treden 


ende comt tot mij, 

(996) want wy süllen heden 

tsamen weesen blij. 

in mijns vaders rijcke 

sullen wy ghecroonet zijn: 

comet vyt den slijcke, 

üwe. liefde betoonet mijn. 
De brüydt. 


. Siet, de sonne schijnet 


van mijns liefs gesicht 

en de nacht vordwijnet: 

lief, ghy zijt mijn licht. 

üwe sonne oogen 

mijn siel verlichten celaer. 

ach, ic moet verdroogen: 

liefde, comt ınij doorschichten gaer. 


. Ic val aen v voeten, 


lief, van minne kranc, 

wilt den drück versoeten, 
schenckt mij liefdes dranck. 

v vloedt, hooch verheuen, 

is miju medecijne goet, 

v doot doot mij leuen 

en maeckt de helsche pijne soet. 


. Werelts ijdelheden, 


ick gae verre van v: 
slamıs gherechticheden 

mij bedecken nu. 

ick gae voor gods throone, 


319 


| 


10 


IS 
or 


40 


320 


10 


20 


30 


35 


AXHANG 


vri) van het besmetten al, 

eene gouden croone 

tlam op mijn hooft setten sal 
7. Eer zij (d) godt den valler, 

eere treyne lam, 

de heylige geest tegaler, 

hooft, godt, heylege stam. 

vallet voor gods throoene 

ende roept met herten blij: 

eer zij godes sone 

die ons maeckt van smerten vrij. 

De doot doet leuen. 


172. 


Zwei Gedichte auf den Tod. 


a. 
(101°) O mensche, oft ghy docht ende wist den tyt, 
Wat ghy zyt ende wane ghy cöme zyt 
Ende waer dat ghy henen zul, 
Als uwen tyt es vervuult, 
Dat ghy emmer moet van hier, 
Al waerdi moedich, van herten fier —: 
Nemmermeer en zoudi in zond& verblyden, 
Maer suchten voor verleden sonda tall& tyde. 
Want ghy, als die scryfture belyt, 
In boosheden ontfanghen 2yt, 
Ende in zonden — wilt verstas — 
Heeft hu moeder hu ontfaen, 
Huut hare zyde gheboor& naect, 
Van vuulnesse der eerden ghemaect, 
Zenuwen, aderen, vleesch ende been, 
So god dat heeft ghewrocht in een; 
Ende zyt hier commen met verdriet, 
Bloot ter werelt ende van niet, 
Want al dat hy ye warden liet, 
Dat es ghemaect van niet tot yet. 
Ende die dan yet wel ouersiet, 
So sach nyeman so sconen nyet, 
Want al dat inde werelt leeft, 


28 Dat ander lant (O0) 15, 1: Wy werden al nakent gheboren. 


164. 172 321 


Dat 1yf, let of bevoelen heeft, 

Dat moet al steruen zonder waen 

Ende weder al tot nyeten gaen. 

Aldus zuldi in druc, in lyden 

Steruen moeten in corte tyde 

(101b) Ende weder van hier var& bloot 
Met vare, met anxte, met zorgh& groot; 
Ende ghy en weet niet den tyt wanneer: 
Dan als god wille, onse lieue heer, 

Het mach ghescien ; heer ghyt vermoet of gist, 
Suldi wech slupen als een myst. 

Ende alstu dan versceden byst, 

Men leyt dy in een houten kist 

Of men steect dy in een mmatte: 

So wel hem die ghebuer& mach datte! 
Al hebdi zule groot goet ghehalt, 

Een slaeplaken — weet dat —, 

Dat es hu laetste ommeeleet, 

Ende zo es dy dan bereet 

Een wysch van stroo, des ghelooft: 
Den wysch leit men dy onder thooft, 
Dat es hu oorcuussen dan. 

Hu liefste vriende, est wyf of man, 
Die hebbe& hu dan cort vergheten, 

Ende niement en can dan ghewete, 
Waer hu aerme ziele bevaert; 

Maer hebdi hu zelue zo bewaert, 

Dat ghy ter werelt hebt wel ghedae, 

Zo suldi dan goet loon ontfaen, 

Want ghy moet emmer, als god ghebiet, 
Van yet worden tot nyet, 

Als een stinckende prye rotten. 

Ende zo dat cleet van den motten 
(1028) Ghegeten wort ende dorbeten, 
Also zullense hu biten ende erten — 
Die wormen dyn vleesch in der eerden. 


12—22 vgl. O 12, 1-4: Als wy doet synt wat is die bate Men ghift my een 
slaeplak& myt die gate Ende een wilghen kiste ei een stroen bant Hier mede ware ic 
sent int ander lant (vgl. dazu Kalff, Tijdschrift voor nl. taal- en letterkunde 4, 
191; für die Verwendung der mat verweist er auf Moll, Kerkgeschiedenis 2, 4, 61). 

36 vleesche Hs., das letzte e durchstrichen. 

Deutsche Hss. in England 1. 41 


10 


25 


30 


10 


15 


20 


322 ANHANG 


O ghy rycke, groot van werden! 


Aldus zal hu allen ghescien, 


Als ghy hier voortyts hebt ghezien 
An hem die hu ghelyke waren, 


Die voor hu zyn henen ghevaren. 


Waer in wildi hu dan verblyde? 
Hu beghin, hu myddel, hu hende des 1yde. 


Hoe scone, hoe starc ghy zyt ghedaen, 


Die doot en moghet ghy niet ontgaen 


Noch ontsculen in gheene holen. 
Hier by dinet my dat zy dolen 


Die dit wel zien ende weten, 


Dat zyt zo lichtelyc verghete 


Ende hier omme niet en dinck& danne. 


Siet hier, waer zyn die wyse manne 


Plato, seneca, salomon, 
Aristoteles, hector, sampson, 
Sibilla, die wyse coninghinne 


he 


My dinct wel in mynen zinne, 


Dat nyement en can gheranı 
Coninghen ende meester van 


en. 
name, 


Soe wys, zo machtich, zo ryc, 


Die ye waerde haers ghelyc 


Of die nv leuen inder tyt — 


Die heten wesen zo verblyt 


(102°) Van machten of van elerghien groot —, 


Ghesmacet zo hebben zy die 


doot 


Ende zyn van hier wech ghevaren, 


Foe machtich, hoe ryec, hoe wys zy waren. 
Rycheit, scoenheit en mocht hem baten, 


Zy en moesten dese werelt laten, 


Daer in zy waren groot vermaent 


Ele van den zynen, als dat 


betaemt, 


Nyement bouen hem ghepresen. 


Och lacen! waer moghen zy nv wesen! 


Och leyder! zy syn, daert god ghebiet. 


Wat zy yet waren, zy en zyn nv niet. 


7 des = dat e. 8-10010,2-4: Sterck schoen en ionck vä jaren Abel notabel 
15 0 8, 1—2: Weaer is hector 


wys ende becant Nu synt sie voer int ander lant. 
ende alexander Julius arter ende menich ander. 
rühmt, namhaft. 


23 1. waeren. 


32 I. vernaemt be- 


172 


Sy zyn vergaen — ben ic wel wys — 
Als die sonne doet dat hys, 

Ende zyn daer hene, m& weet niet waer. 
Al zyn zy vooren, wy volgh& naer. 

Hu goet, hu seat moet hier al bliuen. 
Waer up wildi dan hoghen moet driue? 
Of waer up wildi hu dan verlaten? 

Te steruen moghet ghy hu wel zaten, 
Want dat leuen en es hier niet lanc. 
Ghy moet steruen an huwen dance, 
Jonc ende houdt, al ghemeene, 

Ryc ende aerme, groot ende cleene. 

Wel te leuene es groot noot, 

Want die heden leuet es morgh& (doot. 
Hier by poocht hu leue ter dJuecht, 

Dat ghy nader doot leuen muecht, 
(103®) Want ghy en hebt hier huere noch tyt. 
OÖ sondich mensche, wie ghy zyt, 

Kent hu zeluen, hoet met hu staet, 
Dient gode, die bose werelt versmaet. 
Want die werelt en es anders niet 

Dan lyden ende druc, als ghy wel siet, 
Ende die ter werelt yet vermach, 

Die doet den andere drouuen dach. 

Tes nv ceere, recht ende reden, 

Deen dander te verdriuene in vele stede. 
Ryc man pryst syn bate recht. 

Elken rudder ofte knecht, 

Hoe vele hy heeft, hy wille al meer 

— Ende hoe hyt cerycht, hy en achtes niet zeer —, 
Op dat hy heuet zyr ghevouch, 

Want mate enes hem niet ghenouch. 

Die ghirricheit es in hem zo groot, 

Ele ducht hem zal ghebreken broot 

Dies ghenouch heeft an een stic, 

Als men ziet ghevallen dic. 

Aldus es die werelt nu ter tyt, 

Want een yeghelye souct zyn profyt 
Om te hebbene tydelic goet 

Dat men hier al laten nıoet, 


Als ghy alle daghe wel ziet. 


5 


10 


15 


25 


30 


35 


40 


10 


15 


20 


30 


35 


924 ANHANG 


Merct, wat es tenes al niet: 
Verghanghelic es al dine ghemeene 
Sonder god die heere alleene, 
(103) Die es euwich bouen al, 


Syn ryc gheen hende wesen en zal. 


Hier omme ghedinct wat 


zy verliesen, 


Die tydelic goedt voor euwich kiesen. 
Och hoe edel zyn die zinnen 

Die god dienen ende in euwicheit minnö 
Ende dach ende nacht bidd& ende waken 
Om die soetheit gods te smaken, 

Ende met cracht weder staen 
Becoringhe die hem comm& aen, 

Dat sy vp die gods ghenade 


Tydelie goet ende weelde 


versmade[n] 


Ende alle ydelheit ter werelt late 


Ende hem te steruen zate, 


Want steruen es een zalich 1yde. 
Die in steruen hem verblyden 
Ende met steruen steru& boeten 
Nochtan dan zy steruen mocte 


— Want steruen enmach 
Die steruen doen als die 


niement verhoede —, 
vroede 


(Want die. te sterus es bereyt, 
Van steruen comt hem zalicheyt), 
Want (die steruen eer zy steruen: 


Leuen voor steruen zy verweruen. 


Jeghen steruen en es ghenen scilt, 
Ghy moet sterue, of ghy leuen wilt. 
Och want men dan ommer steruö moet, 


Soe es te tyde dan steruen goet, 


Want die steruen met goeden wille, 
Dien es dat steruen gheen ghescille. 


Ende steruen niet en can 


wel steruen 


Wel steruen eer doct hem nochtan. 


Och, zy zyn ter werelt wel ghestorue 


Die gods hulpe hebben verworuen! 


Om dat ghy daer toe mocht comen, 


24 f. scheinen interpoliert zu sein. 
Diese und die folgende Zeile sind verderbt. 


34 wel steruen in der Hs. durchstrichen. 


172 


Soe heuet god den lichame metter ziele gevrome[n] 
Ende den mensch@ syn& enig& wille gegeus, 
Om dat hy met te houden de .x. ghebode 
Mach comm& met hem daer bouen. 
Ic bidde god duer syn ootmoet, 
Als hy ons allen steruß doet, 
Dat wy moeten commen ghemeene 
Duer zyn steru& daer blyscapıes ende lyde geene, 
Als wy die werelt hier begheuen, 
Dat wy dan euwich met h& moet& leuen. 
Amen. 


b. 


(111°) Ic wil leuen ende ic moet sterus, 
Dat ic hebbe des moet ic deruen. 
Mynen wille moet ic ouergheuen: 

Doe ic wel, zo mach ic leuen. 

Sal men van allen loont ontfaen, 

Soest altoos best wel ghedaen. 


. Heden leuen, morghen doot: 
 Peinst hieromme, dats wysheit groot. 


Peinst om gode ende lact af 

Dat uwer sielen deeren mach. 

Die tyt es cort, die doot es snel: 

Die wel doet het loont hem wel. 

Ic rade hu alle, dat ghy hu leu& daer toe keert, 
Dat ghy alle daghe steruen leert, 

Want god en heeft ons niet ghegheuen, 
Hoe langhe dat wy sull& leue. 

Want die doot comt met ghewout 

Haestelic vp stout ende vp houdt. 

Daer omme est ons allen noot, 

Dat wy steruen conng, als comt die doot. 
Ach, hoe wys es hy die gadert ende spaert 
Jeghen die langhe henenvaert, 


325 


10 


15 


25 


30 


1 1. gevormen; zum Übergang in die st. Form vgl. Franck, Grammatik 8 173. 


2 fehlt darnach eine Zeile? 


des XV. Jh.). 


Vv. 7—10. 


13—16 = Mone, Übersicht $.308 (Brüsseler Hs. 
19 f. = Mone $. 312 (aus einem Buchdeckel von 1637). 
25—28 = Jahrbuch f. nd. Sprachforschung 13, 108 V. 1-4. 


29—32 ebenda 
33 f. ebenda V.5 f. B 


326 ANHANG 


Want het es een zwaer verbeiden 
Diet al vp zyn dootbedde zal bereide. 
O mensche, steerft, eer ghy steruen moet, 
So hebdi te steruen goeden spoet. 

5 Want jeghen die doot en es ghenen seilt: 
Ele leue also hy steruen wilt. 


ı 1%. 


Lieder aus einem Album amiorım. 


Das folgende durch Nicolaes van Bronchorst auf Bl. 154* eingelragene 
10 Lied entntmmt seine Strophenanfänge den Verseingüngen von Psalm 50 (Mise- 
rere mei, deus). 
1. Quoniam ich v saghe alle daghe, 
hoe cleyn waer dan al mijn claegen. 
och dat ick soe veer van v moet sijn, 
15 dat doet verslijten dat haerte van mijn. 
2. Tibi soli ick dickwils leue, 
Ick will v dienen sonder begheuen; 
och mocht ick leuen eürbaerlijck, 
Ick voulde v dienen eerbnerlijck. 
20 3. Eece, daeromme bidde ick dij, 
Alderliefste vrindinne van mijn, 
Eer mijn brecht dat haert, 
Waent mijn naest v gheen lieuer en weert. 
4. Ecce enim veritatem ich hebbe v ghesacht, 
dat doet dijn lieffde chracht, 
Die heeft mijn alsoe vaast bevangen 


to 
on 


En doet mijn haert seer groet verlangen. 
5. Asperges me met dinre genade, 
want ich ben seer belaeden, 
30 dat ich nacht noch dach 
van dinre lieffde rusten mach. 
6. Auditui meo kunt ghij alleyne 
vruchde gheuen sonder eynde; 
Daerom, mijn alderliefste lieff, 
35 wilt mijn niet laeten in desen frist. 
7. Auerte faciem niet van mijn, 
Mijn alderliefste, dat bidde ick dij, 


If. ebenda V.11f. 5f. ebenda 107 V. 41 f. Mone 8. 312 (von 1637). 
2,3 I. euwecklijck. 


172. 175 


want v ooghen opslach 
heeft mijn menich vruchde ghebracht. 
8. Cor mundum is in dijn lijf, 
Och schone (lieff) bouen alle wijff. 
Och had ich v harte als ghij dat mijn, 
Soe waer ick sonder alle pijn. 
9. Ne proijeias me wt dijnnen (!) harte, 
want ick lijde groete smarte, 
om dat ich v niet mach spreken, 
dat doet om v (mijn lieff) mijn harte breken. 
10. Redde mihi dinnen (!) troost, 
dat ick van lijden werde verloost 
En oeck mijn mennichfoldich smerten 
Draeghe eewelijck in mijn haerte. 
11. Docebo, hoe dat ick dij mach iaeghen, 
want ghij sijt door mijn haert gevlogen. 
Mijn lieffde en sout ghij niet connen gronden, 
al hadt ghij, lieff, duysent monden. 
12. Libera me, week eedele schoen ionckfrouwe, 
dat bidde ick dij bij god door trouwe. 
van desen swaren minnen bant 
verlost mij, lieff, off ick sterue ter hant. 
13. Domine van hemelrijcke, 
wilt mijn toch helpen aen dese suyuerlijcke 
Die ick mijn harte hebbe ghegeuen 
bouen alle die daer moeghen leuen. 
14. Quoniam sy is die schone 
die dracht ter eeren een crone, 
bouen al die ick oyt sach: 
godt gheue haer all gheluck dat men wenschen mach. 
15. Sacrificium sijn is goede en fijn, 
Ick will in haer geboden sijn, 
die ghene die ick meyne, 
sy is van harten reyne. 
16. Beningne ontfangt desen brieff, 
Soe moecht ghij hoeren, alderliefste lieff, 
Hoe dat ick om v dachte, 
doen ick dit misserere macte. 
17. Tunc daer mede sijt bij gode 


10, 4 !. Niet draeghe. 


327 


10 


15 


20 


25 


30 


35 


or 


10 


20 


25 


30 


328 ANHANG 


. En wilt holden sijn gheboden. 
Ick will in trouwen bij v staen, 
Ter wilen ick dat leuen haen. 
18. Gloria sij bij gode en doet (v) mijn, lieff, in vruechde leuen, 
Ick die mijn hart v hebbe gegeuen. 
Het en was noyt mensche soe wilt, 
Hem temde noch well een vrouwen belt. 


Auf Bl. 195b folgendes Volkslied: 


1. Schoen lief eerbaer, aenhoirt mijn elagen groit, 
Want ich voerwaer sterue den bittren doit; 
Om dat de liefde het hart verbrant, 
Soe brant dat fuyr an elker cant. 
Dat fuyr brant seer 
Und de liefde noch veel mher. 
2. Dat fuyr brant seer 
en de liefde noch veel mher; 
; Veel liuer ware ick int fuyr verbrant, 
Als van de liefde off gewant. 
Dat fuyr etc. 
3. Gelt vnd goect 
dat mennich suchten doet, 
Dat doet de alderliefste mijn: 
Van haer moet het geschieden sijn. 
Dat fuyr etc. 
4. Ich ben kranck, 
de tijt valt my soo lanck. 
Hartliefste mijn, ghij doet mij pijn, 
Van v moet het geschieden sijn. 
Dat fuyr ete. 
5. Oft ich, soete lieff, wederom quanı, 
Soude ich vch wellekom sijn, 
Soe sluit mij in v armen blanch, 
Soe brant dat fuyr an elker cant. 
Dat fuyr etc. 
6. Oft ick in perilies (!) quam 
Om de liefste mijn, 
Om v, schoen lieff, ist all gedaen, 


— 


5,12. 6,1.2. 7,1. 2 ist der Reim verderbt; noch stärker sind die Corrup- 
telen im nächsten Liede. 


172 


Met v mynne ben ich beuaen. 
Dat fuyr ete. 


. V mont spreckt wol hart 


en ment dat niet, 
Myn haert is duisent froüuden vol, 
Das wet de liefste selue wol. 
Dat fuyr ete. 
Princesse fijn, 
harts alderliefste mijn, 
Altijt blieft(!) ich v diner puir, 
All soüde ich branden in dat fuyr. 
Dat fuyr etc. 

Duecht voer all. 

Seger van Middachten. 


BI. 215 trägt Guillaume de Furstenburch ein: 


1. 


Lö 


Deutsche Hs». 


Ich kann vnd mach nicht frölich sijn, 
in mijnen hertzen 

draegh ich groß smertzen 

ind sware pijn. 


. Ellendich ben ich, des troest ich mich, 


Want na den regen 

gift godt sijnen segen, 

den sonnen schijn. 

Wie sal dan dragen die sware pijn? 
Wie sal dan sagen, 

das ich moeb dragen 

das vngeluck mijn? 

Die ıny auf erden is lieb vnd vuerdt, 
Die moeß ich meyden 

vnd van haer scheiden 

in cortzer zeyt. 

Wie is das scheiden so sware pijn! 
als anderen sclaffen (!), 

so moeß ich wachghen (!) 

vnd trorich. sijn. 

Ich moeß 'aflaen und scheiden daer van, 
ich bin verdrongen, 

tis mir mislonghen, 

ich ben schabaeb. 


in England 1. 


42 


10 


ID 
Si 


30 


ANHANG 


Schoen lieb, was haeb ich dir zu leit gedaen, 
Das ir euch seluer 

habt auer gegeben, 

moest orlof han? 

Maer gedenckt «den zijt der is nicht weit, 
Doen ghij es saget (?) 

mir lieb zu haben 

bij vweren eit. 

Feynß lieb, das haben de(r) eleffer gedaen, 
Die auster massen 

ons seer doen haessen 

vnd syn(en) ons gram. 

Ellendich ben ich, des troest ich mich, 
Want na den regen 

geeft godt sijnen segen, 

eenen sonnen schijn. Finis. 


177. 


Martijn van Thorout. 


Schluss der Agathenlegende. 


330 
7. 
r 8. 
9. 
10 
10. 
15 
20 
25 
30 
35 


in = — 


(12. Sp.1) Ghod hi latene m; eeren leuen 
Ende emb* sulke dine anegaen, 
Dat hem in staden moete staen, 

So dat hem ghoid na sijn leuen 
Hemelrike moete geuen 

Ende oece hem allen mede 

Die ou® hem bidden in elker stede. 
Dit mueeti sente aeghte teren 

Na de ghebornesse ons heren 

M.cc. eh vr. ende LXXX. jaer 
Tenäme in sine eloest? daer. 

Die ouer hem nv bidden sal, 

Ghod gheuem gelue en goet geual 
Alle daghe die hi sal leuen, 

Ende ghod ne mioetene niet begen, 
Hine mot& gheu® hemelrike 

Na sijn leuen ewelike. amen. 

Dese boee es nuttelee sere 


Str. 7 f. sind kaum richtig überliefert. 34 1. begeuen. 


Legende von S. 


7—10 rot. 


voert. 


30 f. rot. 


172. 177 


Diene leest | onsen here, 

So waer soet es lude of stille, 
Indien dat hijt doet m; gode wille. 
xxvin c. vaers heeft hı an, 

Dit es oec waer bi sente ian. 


Wernher. 
Hier beghint de plo®he (!) cort en goet 
Van sente Waernere die sturte sijn bloet 
Om ihesus kerste onsen here, 
Dien hi diende ende minde sere. 

lle de ghene 

die sullen wesen 
(Sp. 2) Daer men desen boec sal lesen, 
Salujt, ghelue ende ghoden dach 
Gheuem ghod diet wel doen mach. 
Ihe kerst dor sine vijf wonden 
Moet& v’gheuen al sine sonden 
Ende bringhe mede vt alre noet, 
Of si ghedincken der scarper doet 
Van enen kinsscen ionghelinghe 
Dat doet es bleu& nv nichtinghe 
Om de minne van onsen here. 
Ende die hem reuerentie ende eere 
Sullen doen, dat evssce leuen 
Moeten si besiten sonder sneuen 
Met ghode onsen here in hemelrike: 
Amen segt alle ghemeenlike. 
Ende daer naer oemoedelike h.... 
Sin leuen ende sine passie ...... 
Hier beghint de passie sine, 
Als hict versta intherte mine. 
Besiden coelne te bagharac 
Daer woende een iuede en hiet ysaa, 
Dar al de jueden van der stat 
Elcs iaers hilden hare parlement 
En van haren passcen oec de feeste: 
Het was recht, hi was de meeste 


28 f. überklebte Bruchstelle; ebenso 332, 24—-26. 333,19 f; I. hoert:: 
33 I. ysaac; c durch Beschneiden des Randes weggefallen. 


35 l.raet; Beweis, dass unsere Bruchstücke nicht Originalaufzeichnung sind. 


10 


30 


10 


15 


20 


30 


35 


ANHANG 


Here ende de rijeste mede 
Van alden jueden van dier stede. 
Tebagharac, als hie hebbe verstaen, 
Waenden si twe die sonder waen 
Tegader leefden in huweleke 
Ende nochtanne onwetteleke, 
Daer de heleghe kerke bi was bedroghe, 
Also ic v wel hier na sal toeghen. 
(1 Sp.1)Dese twe wonnen een cenapelijn, 
Also hict v*stont I therte mijn, 
En daedent toeter kerk& dragen 
M; sinen vriende, m; sine maghen, 
Om kerstijn te doene m; groet® ghare, 
Ende dadent heeten warenare. 
Also men dede sonder waen. 
Daer naer, alse dit was ghedaen, 
Doe gheviel op eenen dach, 
Daer deen biden andren lach 
Ende spraken te gad? hemelike, 
Alsoet ghod wilde van hemelrike: 
“Ghodeweet’ seide dies kins vader 
Tote sins wiue “wi sijn tegader 
Onwetteleke in groet& sonden. 

. souden, wildi, in corte stonden 
. . piechten gaen ende verlien 
Ghölde.......:4.u.0 BO Sau 
Enten bisscop van der steede 
Al onse sonden ende onse gethede 
Ende onse onwetteleke daede’. 
Dvs ghincsi m; ghemen® rade 
Tote haren gheesteliken vaeder 
Ende seiden hem al tenengader 
Haere sonden ende hare v°hoelne daet 
Ende baden hen, dat hi hem raet 
(Grhaue, nutten, na hare orconde, 
Waer bi si mochten sonder sonde 
Leuen hier op dit aerterike 
En v°dienen ghods hemelrike. 
Alse dit doe haere bisscop v’stoet, 


24 ergänze Wi; nur noch die Spitzen der Buchstaben sind sichtbar. 


177. 178 


Doe dedi, alse de vroede doet, 

Ende ond’sochte dit naerenstlike 
(Sp. 2) An al hare vrient ghemeenlike, 
Alse de ghene die scamps onsach. 
Alse hi ghedaen hadde dit ghewrach, 
So ondervant hi sonder wanc, 

Dat si tenaer waren belanc 

Entat si tegader in huweleke 

Niet mochten leuen wetteleke, 

Ende scietse bede al dar ter stede 
Na der helgher kerken zede; 

Ende elken gaf hi in gh’ds name 


Orlof te hvwene dart hem begme, 
Ende riet hem, dat si hem van sonden 
Wachten soude in allen stonden. 
Alse si aldus waren v’sceden 

Ende ele haerre van hem beden 
Ghehvwet was na sijn ghevoech 
Ende and? kind? elc hadde ghenoech, 
So staec si vanhe........... 
Ende dadent siere straten gaen 

Ende beghaerdens niet lude no stille, 
Want men laet lief dor lieuers wille, 
Alse si doe daeden haerre twier kint. 
Ende al was waerneer vä hem ghemit, 
Si minden nochtan spade eh vroe 
Hare achterste kind‘ seerre doe, 
Alsoet nv wel sceen waerneren. 

Ay ghod here, nv so moetti ghenere 
Ende voeden desen ionghen man 
Daer vele duegden ligghen ane! 

Alse waerneren mocd® &te vader 
Hem hadden ghelaten altegader, 

Doe moesti doen alse menech doet 
Die aerem es ende sonder ghoct. 


178. 


333 


10 


20 


30 


35 


a) Ein niederdeutsches Marienlied Bl. 151°. 


Obwohl dasselbe (und zwar mit 2 wahrscheinlich jüngern Plusstrophen 
hinter unserer dritten) bereits durch Jellinghaus, Zeitschrift der (Gesellschaft für 


9) 


10 


25 


30 


334 ANHANG 


Schleswig-Holsteinisehe Geschichte 7, 200 f. aus dem Chronicon tragicum-curio- 
sum Kiliense des Asmwus Bremer (Hs. des xvın. Jh. auf dem Stadtarchive zu 
Kiel) herausgegeben ist, rechtfertigt sich der ‚abermalige Abdruck um mehrerer 
Varianten willen, die zu Gunsten der Orforder Überlieferung sprechen, sowie 
wei die Ergänzung einer Lücke sich nun geben list. 


1. Aue, morgen sterne, 

troost der cristenheit, 

Sote godes derne, 

brut der reynicheit, 
Lutter paradyses vlot: 
god dy suluen to vntbot 
synen heiligen grut, 

Dat du teldes godes wort, 
aller salicheit eyn ort: 
ny is dat geort. 

Eya, keyser krone 

an «deme hymel hoe, 

rose wonder schone 

ut van ihericho: 

du bist salomonis tron, 
an dy licht des menschen lon 
vnd der engelen don. 

Du bist vnse richte stich, 
nicht up erden is din ghelich 
noch an hymelrik. 

3. Godes moder reyne, 


ID 


hymelsche keyseryne, 

gelijk deme elpebeyne, 

aller salden ey schrin: 

ut dy vlot des hymels doir 

vnd (151°) vordryuest des viendes hat 
und der duuel droir. 


Varianten der Kieler Hs.: 1,3 Du sote. 5 Du bist des. 6 god to dy. 

9 vnde aller. 10 ein wort des nü er gehort; man lese: ny is dat er gehort. 

2,1 des kaysers crone. 3 rose van wunnen. 6 so licht. ‘7 darto der. 

8 schick (!). 9 uperden en is syn gelick. 10 im. 3, 2 des hemmels. 3 un- 
deutlich; Jellinghaus’ Conjectur alpenbren erledigt sich von selbst. 4 aller salgen 
scrien. 5—7 die Stelle ist verderbt; in der Kieler Hs. lautet der erste und dritte 
Reim don und dron, der mittlere fehlt. 


178 | 335 


O du busch al vnuorbrant, 
in deme hemel wol bekant, 
den moyses vol vures uät. amen. 


b) Peters von Arberg grosse Tageweise Bl. 151b. 


Germ. 25, 210 f. bespricht Bartsch die ihm bekannten 11 Hss. dieses 5 
Gedichtes und giebt daselbst nebst den Abdrücken mehrerer Hss. schliesslich 
einen kritisch hergestellten Text. Die nd. Version wurde (von B. wiederholt) 
von H. Jellinghaus an dem zu a) angeführten Ort S. 201 f. mitgeteilt (K). 
Zahlreiche Varianten rechtfertigen auch hier den Abdruck der Oxforder Fassung 
(0). Die Gestalt ihrer Anfangszeile weist sie der Gruppe ıı zu. Ferner er-10 
giebt sich: 1) die dritte Strophe (336,32 -— 337,13) weicht von der Original- 
fassung, wie sie in den hd. Texten vorliegt, stark ab und schliesst sich 337,3 ff. 
an K an, weist jedoch trotz verschiedenen Verderbnissen ein richtigeres Strophen- 
bild auf; 2) die sieben Verse (337, 14---20), die in O die vierte Strophe bil- 
den, entsprechen dem Schluss der fünften (= der zweiten Zusatzstrophe) in K.15 
Deutet also 1) auf eine in Niederdeutschland vorgenommene Umarbeitung der 
dritten Strophe hin, so spricht 2) für eine ebendaselbst entstandene Fort- 
setzung, von der O allerdings nur wenige Verse überliefert, auffälliger Weise 
dieselben, welche sich in wenig veränderter Gestalt in a (Arnswaldtsche Hs., 
vgl. Z. f. d. Ph. 9, 107 f.) nach V. 62 eingeschaltet finden. 20 


Nu sterke vns, got, 

in vns° not, 

ik beuele my hir an dyn gebeth (!), 

la vns den dach mit genade ouer schinen. 

De namen dre 25 
de sijn bij my 

in allen noden, wor dat ik si: 

des eruces kraft sta my voor alle pine. 

Dat swerdt dar her symeon uan sprak, 

dat marien dor er herte stak, 30 
do se sach, | 

dat ıhs stont vorseret, 

dat sta my hude an myn not uor der hant, 

bescherme my hir vor houet sunde bant. 

Gar vngeschant 35 


3, 8—10 vgl. De soven langen vrouwede van unser leuen vrouwen (im Anhange 
zu Lübbens Mnd. Grammatik) V. 37 f. Du bist de busch gar unvorbrant 
Den Moyses doch vol vures vant, 
Kieler Hs.: O du busch al unvorbrant | den Moyses fant | de iss dy woll bekant. 


336 


10 


20 


25 


30 


40 


40—337, 2 sollte nach 337, 6 stehen, ausserdem fehlt nach 40 ein 


ANHANG 


sy myn lif, wor sik dat henne kere. 
Ach bloyede wonschelgarde, 

din stam ic (!) van iesse, 

wy hopen in vnsen note. 

mit iunevrouweliker vle 

tret, jücvrowe, vor üse schulde 

vn vorwerue uns gudes horde (!), 

maria mR gre. 

Dat cruce was breit 

dar got an leid, 

dat em sin menschlike herte dor sneit, 
der negelen dre, sper, eruze und ok de crone, 
des bessemes sirank (!), 

der gallen drank, 

de dot de na der menscheit rang: 

wo lude he screy ut barmichlik& done 
“hely, hely lamazabatani: 

my god worume heftu my vorlaten ? 


. der iamer screy, 


dar to der (!) mart’ here, 

ddat sta hude vor myne myssedat, 

dat ik vor houet schande si bewart; 

to my so si gekart 

dynes geistes lere. 

Mit «ynes geistes vure 

vntfange, here, my, 

lat my nicht werden dure 

din liflik ouge schin. 

din hulpe (!), her god, dat ik vorwerue 
dyne hulde, al er dan ic sterue 

des dodes ewichlike. 

Ach milder erist, 

gyf my der list, 

lat my geneten, dat my küdich is, 
dat ik dy leuendich kenne an eyne brole. 
wen ik vorsterue der selen myn, 
Bescherme se hir 

vor engestliken pin, 

wente ik «dy hebbe gekoren to eynen gode. 
wes myn sunden eyn voldich (!) vloet 


Vers. 


178 337 


vnde wes my gut 

dor dyner moder ere. 

Ok edele vorseynne (!) uan hemelrik, 

dor din swindigen oetmodige moet vorbarme dy, 

here, vnd do my eyn swich (!),. 5 
wende din torn is my to swar. 

Mines leuendes eyn gut ende 

vorlene, leue here, my, 

an dessen elende 

lat my dyn dener sin, 10 
lat my der truwe neten, 

des hemels tron up sluten, 

lat my mit dy dar in. 

Ach lichte morgen sterne 


Ne | 


vnd klaier (!) sonnen schin, 1 
by dy so werre (!) my gerne, 

keyser koniginne. 

wy ropen to dy s0 sere, 

help vns to dynem kinde 

to der hjmelschen porten in. amen. 20) 


e) Reimgebet Bl. 158°. 


God ihesu crist, ik bin din kint, 

vorgyf my sondige ding, 

vnd de ik mit mynen voten y beging 

vnd mit mynen heden boving, 2 
mit mynen ougen y besach, 

mit mynem munde y gesprach,, 

mit mynem herten y bedochte 

und mit mynen sundigen lyfe y vollen brochte. 

God vader, vorlene my sunte Peters myldecheid 30 
vnd sunte iohänes Jduldecheid 


N | 


vnd sunte marien magdalenen rouwe: 

des bidle ik dy, leue here, up alle truwe; 

gif my lutter bicht myner sunde 

vnd make my dy to vrüde, 35 
dat ık kome in de ewicheid, 

dar du bist in dyner heligen dreualdecheit. amen. amen. 


3 1. vorste; die weibliche Form durch V. 2 hervorgerufen. 
Deutsche Hss. in England I. 43 


338 ANHANG 


d) Ein anderes, anschliessend. 


God, schepper allir creature, 
wonte du bist barmhertich uan naturen, 
Sü an myne menschlike krankheit 
5 und deile nu (l. mit) my dyne helige salicheid. 
h‘e, dor din vnschuldige blut 
wes my vor dynem iungesten gerichte gut. 
here, dor dynen bitteren dot 
kum my to hulpe in myner lesten not. 
10 wen mynes levendes nicht in mach sin, 
so vorbarme dy, leue hero (!), ou® my, 
vod ou? myne arme secle, 
de to male arm is, dyne genade deile. (mit vns) amen. 


185. 


15 Die unten abgedruckten Prosastücke, welche dialectisch unzweifelhaft nach 
Alemannien zu setzen sind, erweisen sich mit Ausnahme von e), einer kleinen 
Reeeptsammlung, sämmtlich als mehr oder weniger freie Übersetzungen Beda’- 
scher Tractate oder einzelner Abschnitte aus solchen. Und zwar geht a) auf 
Bedae Prognostica temporum (Migne 90, 951) zurück, b) setzt im wesentlichen 

20. die entsprechenden Stücke aus seiner Ephemeris (a. a. O. 730 f.) voraus, zu 
c) vgl. den Libellus de tonitruis (a. a. O. 611 f.), d) endlieh scheint verwandt 
mit dem Tractat De phlebotomia (a. a. O. 959 f.). 


a) 1* (rot) Hie merke wie sich d'v iar erziehen an allen dingen vmb !vbel 
oder gvt. 

25 So das ingent iar kumet an einem sünentag. so werdent in de wint‘ 
starke winde von vngewittere. vnd wirt der lenze senfte vnd warm. der sumer 
trochen vnd schone. der windemot wirt güt. div schaf «vn wachsen. das hong 
sol fivr sich gan. die alten livte svn sterben. vn sol güt fride werden. 

So das ingent iar kumet an einem Möntag. so wirt d® winter. gemischet 

30 beide kalt vnd warn. der svmer manger hande vngewiter. der windemot wirt 
gvt. die I!vte syn gesvnt sin. div bige sterbent gerne. 

Zistag (rot). 

So das ingent iar kumet an einem zistag. so wirt der winter güt. (der 

lenze bringet starke winde. vnd wirt der sumer gät. div wib svn sterben. div 

35 schaf lident grosse erbeit in dem merzen. der windemot wirt erbeitsanı. 

Mitwucha (rot). 

So das ingent iar kumet an der Mitwuchvn. so wirt der winter hert vnd 

scharf. der lenze wirt !vbel. vnd wirt gvt chorn. vil ivngelinge sterbent. hong 

wirt t!vre. die bulivte vnd köflivte lident michel erbeit. 


178. 185 339 


Donrestag (rot). 

So das ingent iar kumet an einen donrestag So wirt der winter gvt. der 
lenze weiende genäg. der sum® wirt gvt vnd bringet michel genvcht. die k'vnge 
vnd die f!vrsten sterbent. 

Fritag (rot). 5 

So das ingent iar kumet an eim fritag. so wirt ein (Sp. 2) steter winter. 
der lenze wirt güt. der beste sumer wirt. das ser der ögen mvssen die I'vte han. 
der windemot wirt gät. Schäf vnd bige zergant. div phrvnde wirt tivre. 


Sanıstag (rot). 

So das ingent iar kumet an eine Samstag. so wirt der winter tvnkel der 10 
lenze misselieh. sam tät d° sumer d’v phrvnde wirt t!ure. die l'vte werdent 
siech. die alten sterbent. div hivser brinnent gerne. d’v bige sterbet. der winde- 
mot wirt gVt. 

b) (rot) Wie man sich in dem iare halten sol in ieglichen manot mit ar- 
zenie. 15 

Genner. 

In dem manot der da heisset Genner so en sol nieman blät lassen er 
sol [alllen den manot frYv trinken dri gVte trivnke wines. vnd neme ein trank 
oder ein latwerie vnder die...... get). vnd das trank das er neme das ist 
ingeber. vü solt niessen heisse ding. 20 

Redmanbot. 

In dem Redmanot sol man lassen ander ader vf dem tvmen das sol er 
also tvn das er katharticü mit scamonia neme gemischet. vnd sol das nemen 
mit warmem wine in eim sweisbade. vnd sol etwas vf dem höbte haben. 
vnd sol div ögen zv tvn. so er es neme. das ander trank das er neme. das 25 
ist ephe vnd veltkuelle. 

a Merzo. 

In dem Merzen sol man svsse essen vnd trinken. er sol öch essen velt- 
kuellvn vnd chosten. wan (!) sol öch sweis badon vnd sol danne essen vnd 
trinken. Retich sol er mischen (1®) mit honge vnd mit essich. vnd sol also 30 
ein nacht sin. vnd esse vnd trinke des selben morne. dar nach trinke warmes 
wasser vnd stosse denne den vinger I die kelvn. das er spient werde. vnd sol 
einzig sweis baden. er sol nit blvt lassen. wan an dem xvı. tage merzen wan 
das hilfet die gesicht vnd ist ir vil nivze. vnd sol teglich trinken rvtvn vnd 
lubstechen. 35 

abrello. 

In dem abrellen So ist gvt ze lassene. vnd sol latwerien nemen. vnd sol 
warmer essen spulchen vnd sol das trank nemen. das den magen fivrbe. Niu- 


2) Das punctierte unleserlich. 


En LT u 


340 ÄNHANG 


wes fleisch sol er des nıanodes essen. vnd sol heisse badon spulchen. vnd das 
trank das er nemen sol. das ist bethonica. vnd bibnella vnd livlien (?). 
Meio. 

In dem Meien sol man enhein höbt essen. noch füsse. wan an dem töwe 

$ist eiter des manodes. er sol alles än win trinken. vn sol das höbt fiurben 
mit gargarismo. er sol öch kervelli nvchterlingen essen. an der ader div da 
heisset epatica sol er lassen vi sol öch trinken wurmät. vi venkelsamen. vnd 
ephvn samen. vnd sol heisse badon. 

Brachot. 

10 In dem Brachot sol man nvchterlingen teglich trinken einen grossen zug 
wassers. gesotten milch sol er essen. vnd warme trinken. Löch sol man essen 
mit essich. Lattuch. ephen. vnd venchel sol er niessen. das trank das er 
neme (Sp. 2) das ist selbinvn blümen vnd sauinvn. vnd ruten in essich sol 
man nüchterlingen essen. 

15 Hömanot. 

In dem hömanot sol man nit ze ader lassen. wan (!) sol öch chivsch- 
lich leben. wan sol rutun vnd garwun essen. vnd sol trinken selbinvn vn 
wurmvt. vnd benedietvn vnd camandre nvchterlingen essen. 

ögsto. 

20 In dem ögsten sol man nit köle essen noch löches. wä es ist des man- 
des vil freislich. wä sol och nit maluam essen vnd bebennen. wan si aint 
denne bitter. vnd sol nit bier noch mette trinken. dv solt poleien vnd wure- 
mvt nvchterlin trinken. dv solt nit lassen enhein blät von dir. wä es ist 
nit gVt. 


LS) 
oı 


der erste herbst. 

In dem ersten herbst manot sol man brot I milch essen gesniten. des 
selben manodes ist es alles gvt vnd zitig das man essen vnd trinken sol. das 
trank das er nemen sol das sint rekolterber. 

d° ander herbst. 

3U In dem ander herbst manot sol man winber essen vä most trinken. wan 
(las machot die rvra. Löch mag mä gesotten wol essen. das trank das man 
nemen sol das ist pheffer vnd negelliv. venkel vnd mivnzen vnd berehtum'f). 
Geissin milch vnd scheffin solt nvchterlingen trinken. 

der dritte herbst. 

35 In dem dritten herbstmanot sol man nit sweis badon. noch vnk'vslich 
leben. er (22) sol öch ell!v höbt der vier fVssen tieren vermiden. das trank 
las er nemen sol das ist zinmint. dv solt nit badon. 

wint° manot. 
In dem winter manot nu so ist güt ze lassenne an der ader div zv dem 

40 höbt gat. vnd an allen adron so er wil. dv solt es aber tvn in ein’ warmen 

stvben. wan das bät (!) ist denne zerflossen. dv solt denne nit schrepho noch 


A nn 


185 341 


denne nit mit uentusen lassen. vnd solt der kolon nit essen. das trank das 
dv nemen solt das ist spizen. 
c) (rot) Was der tonre bet!utet der da kvmet in einem jeglichen manot. 
Der tonre der da kumet in dem Genner. bezeichnot starke wIde. chornes 


or 


genugsami. vnd strit vä vrlivge vnder dien luten. 
Der tonre in dem Redmanot bezeichuot ges'vchte. vnd tot lute!) vod 
aller meist der richon. 
Merzo. 
Der tonre der da kunet in dem Merzen. der k'vndet starke winde. vnd 
wirt chornes genvgsami. strit vnder dien luten. den tot der vnrechton Nuten. 10 
Abrello. 
Der tonre in dem abrellen bezeichonot regen vnd chornes genüg. 
Meio. 
Der tonre in dem Meien k'vndet wenig kornes. armvt vnd hvngers genüg. 
Brachot. 15 
Der tonre in dem Brachot. bringet chornes genvg. vnd mengerhande 
siechtagen. 


Hömanot. 
Der tonre in dem hömanot der k'vndet güt phrinde (Sp. 2) vnd michel 
verlust des viches. | 20 
v 
Ogsto. 


Der tonre in dem ögsten k'vndet kornes genvg vnd wines. vnd vnstetes 
wetter vnd regen. 
der erste herbst. 
Der tonre in dem ersten herbst manot. kivndet chornes genäg. vnd die 25 
schlecten (() siechtagen. 
der and® herbst. 
Der tonre in dem andern herbst manot. k'vndet armvt vnd aller schlacht 
wächer von akern vn von bönen. 
der dritte herbst. 30 
Der tonre in dem dritten herbstmanot. kfundet genvgsami chornes vnd 
wines. vn(!) genaden in dem iare. 
Winter manot. 
Der tonre in dem winter manot k'vndet michel genucht. vnd gvt phrvnde. 
vnd ebenhelli vnder dem volche. 35 
d) (rot) Von dien verworfenen vnd freissamen tagen. 
Dis sınt die verworfen freissamen tage. vnd vngel'vkhaftig. die die Meister 
vo kriechen also nandon. vnd swer an disen tagen mit smerzen wirt betruket. 


1) I. der liute? 


342 ANHANG 


der kvmet chvme wider ald er schlowetot.(!) lange. Sw° wunt wirt. der geniset 
von keiner arzenie. der geboren wirt. der lebet nit lange. lebet er aber. das 
ist mit erbeiten. der ein wib nimet. der hat si nit lange. vnd hat si öch mit 
vnfride vnd ane triuwe vnd ane liebi vnd belibent arn mit einand®. 
5 | 'Swer von sim huse ze strite vert. der kvmet kume wider. kvmet er 
aber wider das geschicht mit schaden. 
ji Hit dich das dv (2b) nit ze ader lassest. vnd nit niuwes anvahest. 
wan es genimet niemer gvt ende. 
|| vad dis sint die .xxxr. tage daran ıv dich hvten solt. 
10 | Der Genner hat .vır. tag. das ist der erste tag in demselben manot 
eine. vnd der ı1. vnd d® sm. vnd d® vı vnd d® .xı. vnd d® xv. vü d’ xıx. 
|} Redmanot hat drie tage das ist der .xvı. tag. vnd d‘ .xvır. vnd der 
.XIx. tag. || Der merze hat drie tag. das ist der xv. tag vnd d’ xvı. vn der 
xvum tag. || Der Abrello hat zwene. das ist der vı. und der .xv. tag. 

15|j| Der Meio hat drie. das ist der .ım. tag vnd d’ xv. vnd der xxv. tag. 
|| Der Brachot hat ein tag. das ist der erste tag. || Der hömanot hat zwene. 
das ist der .xvr. tag vnd der .xıx. tag. || Der ögste hat zwene das ist der 
‚I. tag vnd der .xıx. tag. | Der ander herbst hat ein tag. das ist der xv1. 
tag. | Der drite herbst hat zwene. das ist der .xv. tag und d’ xvır. tag. 

20fj Der winter manot hat drie. Das ist der .vı. tag vnd der .xvı. tag. vnd der 
.xvin. tag. || Dis vorgeschriben xxxı. tage verworfen. vnd!) als es die Mei- 
ster von kriechen bewerent hant. die sol man behalten. vh sich denne vaste 
hVten. 

e) Von dem inwendigem flosse. F'vr das inwendig flos. Schline als hi- 

25 nacht dr'v chörenli wisses wierochs. vnd aber die andrvn nacht. so (Sp. 2) 
schline dr'v chorn. vnd aber !'vber dri nacht so schline driv. so wirt dir bas 
des siechtagen. der en latin heisset. reuma intrinseca. 

Von dem vswendigem flosse. Fivr das vswendig flos. dv solt terren rvtvn 
samen in einer phannvn. vnd tü das in ein sekli. vnd hab das sekli also 

30 warmes an din antlivt. so verswint das flos zehant. 

Von den der die spise nit wol cowen mag. Swer essen noch trinken 
nit vercowen mag. der nem garwü vnd sivde die in altem wine. vnd trinke 
das so wirt im bas. 

Von kelti des magen. Swem der mag kalte ist. also das er das wasser 

35 nit behaben magen (!). der siede selbinvn in wasser. vn trinke das dike war- 
mes, es hilfe (!) vil wol. 

Von der brust. Swem vnder dien br'vsten we ist. also das er vil davon 
hvstot. der nem selbinvn vnd siede si in ein haven. vnd temper si dar nach 
mit wine. vnd trinke das frv vnd späte. es hilfe (!) vil wol. 


1) I. sint? 


185. 192 343 


Swem ze dien brivsten we ist. So dir ze dien brivsten we ist. so nim 
wilden kressen vnd geissin milch. vnd suffe das also lawes. so wirt dir bas. 
En mvgist dv des nit gewinnen. so nim rvtvn vnd sivt die in gvtem wine. 
vnd trinke das also lawes. so wirt dir bas. 

Fivr ziteron. Swer zitrot von vnkreften in sinen lidon. d® nem zitwar 
vnd minre galgans vn snide das I win vnd hong. vnd siede das. vn trinke 
es es (!) also warmes. es hilfet. 


192. 


Fragmente einer deutschen Beichte. 
(22) quamen mit mynen ougin das ich 
tzu uele. vn tzu lange. vn beger....) 
andirn luten habe gemachit nzt 
mynen ougen vi mit sehen das ist 
mir leit. Ouch han ich gesundigit 
mit myne oren Also daz ich hiuder- 
claffen. vn lugenmer vn affınspil 
dicke libir han gehort. dan vö gote 
redden. vn wu ich han gesundig:t 
mit mine oren das ist mer leid 
Ouch habe ich gesundigit mit mi- 
n& hendin di ....elbir..... 2) 
vn andir lute. vn wu ich habe gesun- 
digit mit rärunge (?) miner hende 
vi mynis libis das ist mir leid 
Ouch habe ich gesundigit mit ruche- 
n vn smacke das ist mir leid 


(2b)... ıapig.t?) das ist mir leid. Ouch 
han ich gesundigit mit vngeloubin 

vn zoubere das ist mir leid 

in dem and’n gebote habe ich gesun- 

dit das ich gotis name dicke neme 

... ne mi’so®) vnnutzliche mit swern 

aaı andacht. vnsin hre god ange- 

rife mit dem müde. also das da- 

s ich han gelobit gote vn Jen heilgin 

ich nicht geleistit. vü das ich habe geflucht 


1) Etwa unbegerunge = Widerwillen? ?) J. dicke an min selbis libe? °)1. 
gesundigit? 4). I mine müd? 


D 


10 


20 


25 


30 


10 


20 


30 


35 


344 


ANHANG 


tı dem dritten gebote 

han ich gesüdit daz ich mine vire 
habe gebrochin also das ich den fir- 
e{ag mit uppekeit habe hinnen b*cht 
vn acht mit heilekeit also ich solde 
tı dem uirden gebote habe ich ge- 


(12) betrubten nicht entroste I sime 
lidene vn in sime betrub- 
nisse Ouch das ich 
dem der mir leit hat ge- 
tan nicht uorgebe wolde 
uö allen myme herzen 
also ich solde Ouch das ich 
nicht meteliden han 
mit mime nesten in 
sime lidene Ouch das 
ich nicht enbede uor 
alle lude vn sundirlich- 
en uor alle mine fiende 
alse ich solde. Ouch das 
ich nicht enlere den vn- 
wisen vn den torechtigen 
menschen wie he lebe sol- 
de. das ruwit mich vä 
ist mir leid. 

(rot) von de sybn gabn. 
Ich habe ouch gesundligit wid- 
dir di subbin gabe des heil- 
gin geistis also das ich 
gotis uorchte noch ny ge- 
wan alse ich solde. Das 
ich me sorge Vme mines 
libis nodtorft dan uor 
mine sele. 


(1b) ich solde Ouch das ich noch 
miner uornüf vn noch 

miner bescheidinheit ny 

gelebete alse ich solde das 

is m’ leit vn ruwit mich. 


192 345 


Ich habbe oucu gesundigit 
. widdir die subbin sacra- 
ment also das ich di toufe 
den heilgin geist cresme 
den fron& licham dy pristir- 
scaft dy heilgin bichte vn 
ruwe dy heilgin ee. das 
heilge olei ny geerte alse 
ich solde das ist m® leit 
vn ruwit mich. 10 
Ich han gesundigit widdir 
di achte selikeit also das 
ich williclich gerne ny arm 
wart also vnser liebe herre 
Ihe xpüs was. Ouch das 1 
ich nicht senftmutig vn 
geduldig ben I mime 
lidene vn I myme be- 
trubnisze. ÖOuch das 


or 


zı 


Ich habe die beiden Blätter umgestellt, weil es höchst wahrscheinlich ist, 20 
dass die Sünden wider die fünf Sinne und die zehn Gebote denen wider die 
Werke der Barmherzigkeit, die sieben Gaben des hl. Geistes und die acht Selig- 
keiten vorausgegangen sind. Zu den MSD® 2, 460 zusammengestellten jüngeren 
Beichtformeln zeigt unser Text kein nüheres Verhältnis. 


Deutsche Hss. in England I. 44 


REGISTER. 


A...., Vicarius in Sultzmatt, Schreiber 
52 

Aachen '48. 186 

Aarau 194 

Abeceverse 175 

Adel des hl. römischen Reichs, sein Ur- 
sprung 28 

S. Adelbrecht s. Leben 

S. Aegidius 9 

Aegidius, Minorit 85 

S. Agatha s. Leben 

Alberts, Thomas 165 

Albrecht, Bischof, Predigt 137 

Albrecht, Bruder, Schreiber 36 

Album 17. 179. 326 

Aldemburg 128 

Alexander der Grosse, Prosa 100; s. Ari- 
stoteles 

Algorismus deutsch 113 

Alkemade, C. N., Besitzer 8 

Alphensis, Johannes, Besitzer 81 

Alphonsus, Brief des Bruders 59 

Amalia, Herzogin zu Jülich, Cleve und 
Berg 106; s. Liederbuch 

S. Ambrosius s. Leben; Osnabrück, Hein- 
rich von 

Ammenhausen, Konrad von, Schachzabel- 
buch 115 

Amsterdam 195; s. Sacrament 

Anathomia 183 i 

Andolo, Bartholomaeus de, Abt von Mur- 
bach 151. 189 Anm. 

S. Anna s. Bruderschaft 


S. Anscarius, angeblicher Besitzer 189 
Anm. 

Anstandslehre für Knaben, 
176 

Anthonine s. Massemen 

Antwerpen 158 

Apulejus, L. s. Sieder, Johann 

Aquino, Thomas von s. Leben 

Arberg, Peter von, Tageweise 105. 182. 
335 

Aristoteles, Lehren an Alexander 57; 
deutsche Übersetzung einzelner Schrif- 
ten 99 

Arnoldus s. Huls; Unna 

Ars praedicandi, arrengandi, 
nandi 6 

Arzneibuch 95. 117; s. Ortolf 

Ashburnham, Lord 1 

Ashburnham-Place 1 

Ashmole, Elias 181 

Asseborch, Edelinck van, Besitzerin 73 

Assendelf s. Gerijts, Beatris 

Augsburg s. Chronik ; Wilsegeuert 

S. Augustinus, Brief an Cyrillus 54; En- 
chiridion 76. 85. 187; Meditationes 85 

Aysma, Sibout 152 


altfrz.-mnl. 


collatio- 


Baeken, Peeter van der 169 
Bättringen 184 

Bailliere, H., Buchhändler 29 
Baker 38 

Balcarres, Earl of 188 

Bale, Speyer de 82. 84 


REGISTER 347 


Barlaam und Josaphat 74 

Barrois, Besitzer 1. 8 

Bartholomaeus s. Andolo 

Bateman, Besitzer 189 Anm. 190 

Beale, Dr. 38 

Beatris s. Gerijts 

Becter, Dr. Wilhelm 184 

Beda, Übersetzung von Tractaten 189. 
338; Wetterregeln 155 

Beestoltzs, Maria, Besitzerin 186 

Behaim, Michel, Gedichte 121. 295 

« Beichte 126. 195. 343 

Benedictinerregel deutsch 77. 145 

Bergpredigt, Auslegung der 31. 223 

S. Bernhard, Gebete 29; Goldene Kette 
153; Leben 76; Meditationen 76; Qua- 
liter unusquisque se et domum suam 
regere debeat 6. 112; Sermone auf 
Psalm xc 16. 47; Sermones de diversis 
16; Sermone über das Winterteil 69; 
einzelne 61. 163; Speculum vitae ho- 
nestae 164 

Bernhard, Johannes, de Ochsenfurt, Schrei- 
ber 75 | 

Berthold, Dominicaner, Bearbeitung der 
Summa des Johannes von Freiburg 
53 

Bettinga, Wolframnus de, Abt 188 Anm. 

Bibel und Bibelübersetzung: altes Testa- 
ment 55. 60. 144. 160. 165; s. Cantica 
canticorum; Genesis; neues Testament 
156. 160. 189 Anm. 

Blanca Maria, römische Königin 193 

Bleckenstadt, Lied auf die Schlacht bei 
70. 71 

Blutbesprechung 119 

Bodeken, S. Meinulphskloster 68 und 
Anm. 

Boec van der wraken, Gedicht 158 

Böhmen s. Landordnung 

Boethius, De consolatione philosophiae 30 

Bommel 112 

Boxhorn, M. Z., Besitzer 155 

Braband, Jan, Herzog von 2; s. Lehn- 
rechte 

Brandenstein, Heinrich von, Besitzer 56 

Brander, Gustav, Besitzer 180 

Brant, Sebastian, Pange lingua deutsch 7 


Braunschweig 101; Herzog von, Gedicht 
3. 197; Lied auf den Herrn von 232; 
s. Chronik 

Brevier 36. 45. 66. 107. 181 Anm. 187 

Breviloquus 101. 128 

Briele, Godeuaert van den 163 

Bronchorst, Nicolaes van 326 

Bruderschaft von S. Anna 28 

Brüder, Friesische 165; der waterlant- 
sche vergaderinge binnen Edam 165 

Brügge, Handschrift aus 174. 176; 
Rechtsbestimmungen 167 

Brüssel 2. 3 

Bruwer, Adolphus und Nese, Besitzer 44 

Buch von den zehn Dingen 127; von 
wahrer Geistlichkeit 48; der Reforma- 
tion der Klöster im Predigerorden 82; 
8. Boec 

Bücheim, Margarete, von Esslingen, Be- 
sitzerin 120 

Budenisheim, Vizo de 188 Anm. 

Bücher über die drei Wesen der Men- 
schen 114 

Bukelare, Johannes, Übersetzer des Wa- 
pene Martijn 173 

Burgund, Maria von 231; Philipp von 2; 
s. Karl der Kühne 

Burlfingen 75 

Busstaxen, Friesische 153 


Caecilienconvent 159 

Kaisertum, Vom römischen 125 

Calais 5. 6 

Kalenberch, Hans, Besitzer 96 

Kalender 13. 14. 28. 45. 50. 108. 160. 
169. 186; lat. 29. 155. 181 Anm. 182. 
189 | 

Kalenderprophezeiung 125 

Cambridge 15 

Kampe, Johann van, Schreiber 109 

Canonici, M. Luigi 172 

Canterbury, Abtei S. Augustin 16. 21 
Anm. 23 

Cantica canticorum 52. 73 

Capua, Raymundus von 84 

Caritt (?), Margaretha, Besitzerin 95 

Karl v, Wahl, Krönung, Labores 73 

Karl der Kühne 5. 6 


348 REGISTER 


Cassel s. Regenboden 

S. Katharina, Grab 99; s. Leben 

Katharina s. Daernick; Haitzfelt 

Cato 118; Fragment 111; altfrz. 174 

Kempis, Thomas a s. Christus, Von der 
Nachfolge 

Kentzingen, Margaretha von 83 

Cessolis, Jacobus de 116 

Chardin, Antiquar 80 

Cheltenham 42 

Chirurgie Lanfrancs und Jan Ypermans 
38. 39 

Christopherson, John 39 

Christus, über seine Geburt 31. 224; Ge- 
dicht auf seine Ritterschaft 58; Von 
der Nachfolge 65. 72. 163; Passion 9. 
28. 65. 75. 161; Rede am Kreuz 57; 
8. Jesus und Reimgebete 

Chronik 149; von Augsburg 78; Braun- 
schweig 70; Flandern 5. 159; Excerpta 
cronicarum deutsch 180; s. Königs- 
hofen; Windeck 

Chunich, Heinrich der, von Paumkirchen 
104 

Cicero deutsch 99; Orationes 21 

Cisioianus 174 | 

Clatta (?), Ursula, Besitzerin 104 

Kleinbasel, domus sanctae Margarethae 
44 

Clocker, Theodericus, Schreiber 48. 186 

Kloss, Dr. G., Besitzer 99. 100. 101. 102. 
103. 105. 107. 108 2). 111. 115. 127. 
128 

Knyvelt, Sir Thomas, Besitzer 169 

Koburg, Schloss 56 

Köln, Franke von, Predigt 138; Gedicht 
auf 109; Klöster 44. 47. 60. 64. 65. 
102; s. Lanceloer 

Coels, Digne, Besitzerin 169 

Könige, Die heiligen drei, Historie 109 

Königin von Frankreich, Gedicht 4 

Königsfelden, Kloster 194 

Königshofen, Jacob von, Chronik 55 

Königskinder, Lied 233 

S. Columbanus s. Leben 

Columna, Guido de, Historia Trojana 100. 
185 

Combe, Carolus, Besitzer 180 


Compendium theologicae veritatis deutsch 
80. 148 

Konrad 114; s. Ammenhausen; Lippia; 
Würzburg 

Conrath, Freiherr von 193 

Konstanz s. Mör, Johannes; 
Nicolaus 

Cornelia s. Lothringen 

Cornelis, Ariaen, Pastor 92 

Corsini, Theobaldi 193 

Corterelles, Hans 165 

Crashaw, William 38. 39 

Crawford, Earl of 188 

Credo deutsch 100; nl. 14; 5. Glaube 

Cresconius, Concordia canonum 146 

Kristgarten, Friedrich von 114 

Krogher, Mathias 96 

Culeman, Besitzer 34 

Culm, Handfeste 150 

Kursi, Johannes, Schreiber 75 

Cyprianus, Epistolae et opuscula 159 Anm. 


Winzurn, 


Daell, Hermann van 179 

Daernick, Katharina van, Besitzerin 36 

Dalberg, Friedrich von 99; Johannes von 
102. 103 

Dalheim 145 

Damme. Wasserrecht 154 

Demut, Von der wahren 57 

Dering, Besitzer 139 

Deutschold, Hartmann 29 

Diätregeln 155. 195. 314 

S. Digna s. Leben 

Dinge, Die vier letzten 57; lat. 112; Zehn 
s. Buch 

Dinkelsbühl, Nicolaus von 114 

Dionys s. Lieuwe 

Does, Jacob van der, Symonsz, Besitzer 
14 

D’Orville, Jacques Philippe 169 

Douce, Francis 178 

Duport, Dr. James 40 


Eberbach, Kloster 143. 144. 145 

Ebner von Eschenbach, Besitzer 37. 108 

Eckhart, Meister, Predigten 138. 139. 148; 
Spruch 49. 311; Tractat von der Edel- 
keit der Seele 137 


REGISTER 349 


Edam, Schwesternkloster 85 

Edelinck s. Asseborch _ 

Eemsteyn, Kloster 163. 164 

Eename, Kloster 181. 330 

Egmondt, Abtei 112; Johanna van, Be- 
sitzerin 14 

S. Elisabeth 230; s. Hooren 

Elucidarius 52 

Ems, Rudolf von, Willehalm 119 

Endras, Andreas, Schreiber 97 

Engel s. Lancloer 

Engelszell 143 

England, Herzogin von, Lied auf die 230; 
8. Georg I 

Enikel, Jans, Fürstenbuch 113 

Epistel, Eine leirhaftige 48 

Episteln für das Kirchenjahr 159; für die 
Österwoche und Heiligentage 160 

Ermenricus, Verfasser der Vita S. So- 
lae 115 

Erp, Hendrik van 9 Anm. 

Erzählungen, Altdeutsche 110 

Ess, Leander van, Professor 43 

Esslingen s. Bücheim 

Eulenborg, Margueret de 179 

Eurialus und Lucretia 78 

Eusebius, Brief an Damasus 54; Historia 
scolastica 51 

Evangelien s. Bibel; für das Kirchenjahr 
65 

Evangeliensynopse nınl. 19 

Ewich, Kloster 49 und Anm. 


Valbert, Johannes, Schreiber 69 Anm. 

Valk, Arnt, Besitzer 167 

Varrentrapp, Antiquar 43. 73 

Vaterunser, Auslegung 127; in Reimen 
163 | 

Feldkirch s. Huberrecht 

Velkener, Henricus, de 
Schreiber 101 

Fenwick, J. E. A. und Fitz Roy 42 

Vergil, Georgica und Aeneis 182 

Verse, Ascetische 17. 57. 76. 176; =. 
Schreiberverse 

Versus Godescaki 24; de laude cuculi 
21. 23; per tetrasticha in Salve re- 


gina 6 


Heynsbergh, 


Vijs, Hans der 165 

Virgiere 283 

Fisch, Joh. Ulrich 194 

Fitzwilliam, Viscount Richard 34 

Vizo s. Budenisheim 

Vledinc, Ypol 168 

Vlissingen 159 

Vlitius, Janus 152. 154 

Florysse, Dirck, Schreiber und Besitzer 
164 

Vocabularien 75. 101. 128. 145 

Voerst, Margryeta van 179 

Volkslieder 9. 141. 230. 311 

Volprecht s. Schwalbach 

Vondel, J.van den, Prosaübersetzung von 
Tassos Gierusalemme liberata 170 

Formulare 111 

Vos, Willem, Bruder 162 

S. Franciscus, Lied von 89; s. Leben 

Franckenberg, Kloster 72 

Franke s. Köln 

Frankfurt 77 

Freiburg, Augustiner-Eremitenkloster 142; 
Schloss 56; Johannes von, Sunma de- 
cretalium 53 

Freidank 59. 117. 118. 175 

Freytagk, Joachim, Besitzer 79 

Fride, Joh. Ulrich, Besitzer 55 

Friedrich ım, röm. Kaiser 295 

Friedrich s. Dalberg; Kristgarten 

Friesische Stücke 152 

Fryelonc, Besitzer 149 

Furstenburch, Guillaume de 329 

Vysam, Martin, Ritter 14 


Galc, Jan 8 

Gale, Roger 41; Dr. Thomas 40. 41 

Galenus, Techne 183 

Gauwer, Nicolaus 52 

Gebeno 101 

Gebetbuch 14. 20. 28. 30. 36. 44. 49.73. 
164. 169. 176. 181 Anm. 182. 185. 187 

Gebete, Prosaische 14. 19. 20. 29. 30. 31. 
36. 65. 66. 108. 125. 162. 177. 178; 
s. Reimgebete 

Gebhard, Ludwig Albr., Besitzer 97 

Geiger, Dr. Ulrich, Besitzer 55 

Generatio regum Francorum 2 


350 REGISTER 


Genesis deutsch 94 

Gent, Het belech van 159 

Geomancia, Werke über 187 

Georg I, König von England 15; =. 
Sachsen 

Gerden, Theodericus de, Schreiber 68. 
69 Anm. 

Gerichtsordnung s. Sachsen, Georg von 

Gerijts, Beatris, van Assendelf 35 

Gerning, J. C., Besitzer 52 

Gerson, Johannes, Brief 08 

Gesta Fresonum 154; Romanorum 116 

Gilbertus physicus 141 

Glaube und Beichte, Münchner 129. 304; 
s. auch Credo 

Gloria in excelsis nl. 14 

Glossar 125 

Glossen, Ahd. 94. 101. 115. 126. 144. 
146. 151. 155. 170. 182; Mhd. 30. 
125 

Gmünd in Schwaben, Urkunden 184 

Godescaleus s. Versus 

Godeuaert s. Briele 

Godeuerd, regulierter Canoniker 76 

Gorinchem, Kloster 160; Stadt 194 

Gotfrid, Johannes, Pfarrer 99 

Gravenberg, Wirnt von 120 

S. Gregorius, Cura pastoralis 145; Ho- 
milien 43. 47. 146 

Grimbergen, domini 2 

Grönendal 68. 76; 3. auch Ruusbroec 

Groot, Giherhart, Briefe 68; Übersetzung 
Ruusbroeescher Schriften 66 

Guido s. Columna 

Guilford, Lord, Besitzer 97 

Gunning, Bischof 38 


Haarlem, Kloster 35. 36; Rechtsbestim- 
mungen 154 

Hackeborn, Mathilde von 179 

Hacket, Bischof 16 

Haegh, Paulus van, Besitzer 13 

Hahn, Dr, August 184 

Haigh-Hall 188 

Haitzfelt, Kathryn van, Besitzerin 107 

Hamburg, Privilegien 95; Recess 79. 95; 
Stadtbuch 9 

Hans, Marienlieder des Bruders 10 


Havens, Franciscus, van Loovens, Be- 
sitzer 169 

Havich der Kellner aus Passau 28) 

Heber, R., Besitzer 98 

Hefelin, Michel, Schreiber 123 

Heilsbronn, Mönch von 139 

Heinrich, Meister im Predigerorden 127; 
s. Brandenstein; Chunich; Osnabrück ; 
8. Henricus 

Heinrico, De, Gedicht 22. 25. 27 

Heinsius, Besitzer 182 

Helias, Exempel von 112 

Helmont, Besitzer 169 

Helmstädt, Gründung von 71 

Hendrik s. Erp 

Henricus, Joh., Besitzer 96; s. Lippia 

Herlingesdorf, Waltherus de 188 Anm. 

Herlynkhusen, Bruder 41 

Hermann s. Daell; Novo castro 

Herold- und Wappenbuch von Jülich und 
Cleve 102 

Hersuelt, Jan van, Besitzer 174 

Herten, Johannes, Subprior in Ewich 49 

Hertzeberg, Frau von 73 

Heylant, Conradus, de Tzell, Schreiber 
128 

Heynsbergh s. Velkener 

S. Hildegard, Glossen 101; Liber com- 
positae medicinae 101; Vita et epistolae 
101 

Hildesheimer Fehde O0 

Hillegont, Aeronts Tochter 89 

Hippocrates, Aphorismi und Prognostica 
183 

Historienbibel 51. 56. 180 

Hoc dae Friesen Roem wonnen, Gedicht 
152 

Hoern 187; Katharinenkloster 8 

Holland, Lüdeke 70 

Holzschnitt, Farbiger 81 

Honorius, Speculum ecclesiae 126 

Honseem, Walther de 112 

Hooren, Elisabeth van, Besitzerin 36 

Horaz mit Scholien 170 

Hroswith s. Roswith 

Huberrecht, Feldkircher 125. 300 

Hugo, Meister im Predigerorden 59 

Huls, Arnoldus de 68 


REGISTER 351 


Hußlin 97 

Huunbertus, Bischof von Würzburg 144 

Hymnen, Lat. 24. 31. 32. 125. 126. 189 
Anm. ; Lat.-deutsche 33—34 ; Murbacher 
151; auf Ostern, deutsch 32 


Jacob s. Cessolis; Does; Königshofen; 
Maerlant 

Jan s. Braband; Hersuelt 

Jans, Marytghen, Besitzerin 36; Willem 
Tochter, Besitzerin 159 

Jans Teesteye, Gedicht 158 

Janssoon, Aernt, Schreiber 112 

Jesus, Gulden Croenken 30; Leben 18. 
35. 167. 219; Reimgebet an 59; s. 
Christus 

Ijsbrant, Claes 187 

Inglis, Sir Robert Harry, Besitzer 187: 

Ingold, Meister, Goldenes Spiel 111 

Job, Auslegung 65. 82 

Johan dz dem virgiere, Gedicht 98. 241 

Johann, Schreiber (?) 98; s. Dalberg; 
Freiburg; Kampe; Mör; Olmütz; Rech- 
berg; Sconouia; Worms 

Johanna, Herzogin 3; s. Egmondt 

S. Johannes, Geburt 153; Verzückung 50 

Johannicius, Liber isagogarum 183 

Jordaens, Guilelmus 66 

Isaac De dictis universalibus 183 

Isabella s. Spanien 

Isidorus, Synonyma deutsch 57 

Itinerarien 172 

Judeneid 150; Erfurter 145 

Jülich-Cleve 3. Amalia; 
Wappenbuch 

Juls (?), Carthause 139 

Junius, Franeiseus 151. 154 


Herold- und 


Laetus, Gregorius 29 

Lagen der Cambridger Hs. 21 

Lancloer, Engel van, Bruder in Köln 48 

Landordnung von Böhmen 69 

Landrecht Kaiser Ludwigs 37 

Lanfrancus s. Chirurgie 

Lant, Dat ander, Gedicht 153; vgl.320 ff. 
Anm. 

Laud, William, Erzbischof 143 

Laughton, John 40 


Leben s. Jesus 

Leben und Legenden von Heiligen: Samm- 
lungen 8. 53. 61. 73. 74. 75. 147; Ein- 
zeldarstellungen: S. Adelbrecht 112; 
S. Agatha 181. 330; S. Ambrosius 185; 
S. Columbanus 189 Anm.; S. Digna 
112; S. Franciscus 9. 85; 8. Hilde- 
gardis 101; S. Katharina 84; S. Maria 
Magdalena 112; S. Nicolaus 185; 8. 
Sebaldus 80; S. Sola 115; 8. Stepha- 
nus 113. 289; S. Thomas von Aquino 
66; S. Wernher 181. 331 

Lectionar 188 Anm. 

Lehnrechte von Braband 2. 112 

Leighton, J. & J., Antiquare 37 
pper, Jacob 105 

Leringe onser liever vrouwen 162 

Leutzerrardt (?), I. V. 106 

Leyden, Bildersturm 81 

Libri, G., Besitzer 1. 115. 119. 120. 221. 
124. 189 Anm. 

Liedekens 17; Gheestelijcke 86. 165. 316; 
s. Liederbuch 

Lieder, Cambridger 20—27; Geistliche 
177; Historische 70; Lateinische 24. 93; 
Mystische 67; s. Liederbuch 

Liederbuch der Herzogin Amalia zu Jü- 
lich-Cleve 105; Niederländisches 86. 
230 

Liedewyn s. Sciedam 

Lieuwe, Dionys van 27. 28 

Lindau, Marcus von 82 

Lindsay, David 188 

Lippia, Conradus et Henricus de, Schrei- 
ber 68 

Litanei 19. 20. 29 

Löwe, Gedicht vom jungen 110 

Löwen 2 

Lohier und Maller 3 

Loovens s. Havens 

Lothringen (?), Cornelia, Contesse de 179 

Lucian deutsch übersetzt 99. 102 

Lucy, Claes Ijsbrants Weib, Besitzerin 
187 

Ludolfus, Decan von Walbeck 189 Anm. 

Ludwig, Kaiser s. Landrecht 

Luther, Martin, Deutsche Sprüchwörter 
184 


Lyntgen, Jacops Tochter, Besitzerin 17 


Maerlant, Jacob van, Spieghel historiael 


Mühlen, H. zur, Besitzer 69. 110 
Mundi cursus, nd. Prosa 109 
Munten, Johannes 186 


352 REGISTER | 


168; Wapene Martijn 173 
Magdeburg, Schöffenbrief 150; Weich- 
bildrecht 149 


Mainz, Klöster 53. 143. 146. 148. 149 


Mamecranus, Nicolaus 73 

Marcus s. Lindau 

Mareschall, Thomas 155 

Margaretha s. Eulenborg; Kentzingen; 
Voerst; York 

S. Maria 29. 30. 36. 45. 66. 169. 186; 

ı Empfängnis 28. 69; Leben 30; Stamm- 
tafel 126; s. Leringe; Psalter; Reim- 
gebete 

S. Maria Magdalena s. Leben 

Maria s. Burgund 

Marienberg, Kloster 72 

Marienborn, Kloster 161 

Marienfeld, Bibliothekscatalog und Glos- 
sen 94 

Marienlegenden 69 

Marienlieder 87. 89. 92. 333; s. Hans, 
Bruder 

Marienwunder, Predigten über 136 

Martijn s. Thorout 


‚ Maskeroen, Gedicht 158 


Massemen, Anthonine van, Besitzerin 14 

Mathilde s. Hackeborn 

Meermann, Besitzer 94 

Meest...., Jan, Besitzer 81 

Meister, Sieben weise 116 

Melibeus, Gedicht 158 

Messe, Dinge bei der 125 

Messiasbuch 59 

Minttrin, Anna, Schreiberin 127 

Mischpoesie 33—34. 179 

Missale 27 

Modus vivendi 6 

Mönch, Sechs Stücke, die einem Mönch 
zugehören 82; s. Heilsbronn 

Mör, Johannes, de Constantia, Schreiber 5 

Monsasterio, Petrus de, Schreiber 141 

Monatsnamen nl. 181 Anm. 186 

Mondtafeln 160. 186 

Moore, John, Bischof von Ely 15 

Morton, J., Besitzer 139. 141 


Murbach s. Andolo; Hymnen 

Musschate, Die gulden 161 

Mystik s. Eckhart; Lieder; Predigten; 
Ruusbroec; Tractate 


Nack, Jo. Bernard, Besitzer 77 

Nevile, Dr. Thomas 39 

Newton, Sir Henry 40 

Niclas s. Wyle 

S. Nicolaus s. Leben 

Nicolaus s. Bronchorst; Dinkelsbühl 

Nider, Johannes, Büchlein des ordent- 
lichen Lebens 84; Vierundzwanzig gol- 
dene Harfen 72; geistlicher Tractat 84 

Nienroden, Joffrau van, Besitzerin 155 

Noondeloos, van, Besitzer 194 

Novo castro, Hermannus de 69 Anm. 

Nürnberg, Handschriften 143; Klara- 
kloster 127; s. Tucher 

Nymwegen, Kloster 10 


Ochsenfurt s. Bernhard, Johannes 

Offenbarungen 49 

Olmütz, Johann von, Brief des Augusti- 
nus und des Eusebius über den Tod 
des hl. Hieronymus 54 

Oppenheim 99 

Orden, Aufzählung geistlicher 77; Deutscher | 
189 Anm.; s. Statuten 

Oris, Peter, Besitzer und Schreiber 15°. 
158 

Ortolf von Baierland, Meister 140. 141 

Osnabrück, Heinrich von, Übersetzer von 
Werken des hl. Ambrosius 60 

Österhymnen 32 

Osterleis, Deutscher 32 

Österliturgie 34 

Östersequenz lat. 59 

Ottobeuern, Kloster 78 

Oxford 143 


Pabstverzeichnis 125 

Pange lingua s. Brant 

Paradies der vernünftigen Seele 148 
Passau s. Havich 


REGISTER 353 


S. Paulus, Lied auf 89 

Paulus s. Haegh 

Paumkirchen 104 

Pest, Recepte und Tractate gegen die 95 

Peter s. Arberg; Baeken; Monasterio 

Pfeiffer, F. 120 

Pfeilsegen 119 

Pflanzenglossar lat. 141 

Pharetra fidei 52 

Philipp der Schöne 2; s. Burgund 

Phillipps, Sir Thomas 42. 43 

Piccolomini, Aeneas Silvius s. Eurialus 

Pieter, Willams Sohn, Schreiber 85 

Plagen, Die zehn, und die zehn Gebote, 
Gedicht 158 

Pöhlde, Handschriften aus 143 

Poenitentiale 146 

Predigerorden s. Buch 

Predigten, Sammlungen: 45. 61. 65. 129. 
139. 148. 227; einzelne: 6. 72. 125. 
126. 128. 187. 301. 306. 309; s. auch 
Albrecht; S. Bernhard ; Eckhart; Heils- 
bronn, Mönch von; Köln, Franke von 

Processus judicii friesisch 152 

Prophezeiung 117 

Prosastücke geistlichen Inhalts 176 

Prüm, Marienkloster 188 Anm. 

Psalm L, Verwendung der Verseingänge 
326; Psalmen 50. 59. 165 

Psalter 13. 190; Marien 20. 29. 108 

Puttik & Simpson 127 


Ranshofen 172 

Rawlinson, Richard 166 

Raymundus s. Capua 

Recepte 25. 39. 81. 86. 95. 118. 119. 
140. 141. 145. 183. 189. 342 

Rechberg, Johann von 184 

Rechtssprüche, Friesische 152 

Refereyn 6 N 

Regenboden, Heinricus, de Cassel, Schrei- 
ber 149 

Regimen sanitatis 52 

Reijers Deijm, Sophia Maria, Besitzerin 
162 

Reimchronik s. Statwech 

Reime auf das Jahr 1588 71 

Reimgebete 182; an Christus 50. 337. 338; 

Deutsche Hss. in England 1. 


an Maria 50. 182; altfrz. 175; s. auch 
Jesus 

Reinhard s. Rumerisheim 

Reisebeschreibung s. Itinerarien; Suchen; 
Tucher 

Reisesegen 45 

Renner 118 

Reynerts, Heyndrick 165 

Richardus, Erzbischof von Armagh, De- 
fensorium 112 

Rietter, Sebolt 2. Tucher 

Rijmspreuken 175 

Rodd, Antiquar 107 

Rodolfus rex 31 

Roemer, Dr., Besitzer 96. 100 

Rosenkranz, Exempel vom 186 

Rosenkreuzer 193 

Rossarzneien, Rosssegen 118 

Roswith 71 

Rothe, Johannes, Gedicht von der Keusch- 
heit 97. 238 

Ruden, Kloster 49 

Rudolf s. Ems 

Rufen (oppidum Rubiacense) 52 

Rumerisheim, Reinhard de 188 Anm. 

Ruofertus, Abt von Prüm 188 Anm. 

Rutinck, Johann, van Sagan, Schreiber 
97 

Ruusbroec, Johannes, Buch von den 
zwölf Tugenden 76. 101. 161; Expo- 
sitie van den tabernacule 157; De gra- 
dibus scalae amoris 67; mystisches 
Lied 67; aus einem Tractat (?) 68; 
Werke ins lat. übersetzt 66 

Rykel, Kirche 27 


Sachsen, Georg von, Gerichtsordnung für 
Friesland 152 

Sachsenspiegel 150 

Sacrament van Amstelredam, Legende 112 

Sagan s. Rutinck 

Saladijn, Gedicht 158 

Samuel, Brief an Meister Isaac 59; an 
Rabbi Salomo 52 

Sandars, Samuel, Besitzer 34; Antiquar 36 

Santhofen 2 

Scharpenbach, Hans, Besitzer (?) 109. 110 

Scheidius, Besitzer 86 


45 


354 REGISTER 


Schelling, P. van der, Besitzer S 

Schleicher, Andreas, Besitzer 74 

Schmid, Ch. (?), Professor 97 

Schmieher, Dichter 110 

Schnell, Johannes, Schreiber 75 

Schoonhooven, Kloster bei 112 

Schreiberverse 44. 56. 57. 59. 64. 760. 116. 
128. 145. 146. 102 

Schwabach 128 

Schwalbach, Volprecht von 180 Anm. 

Schwarzer, Sebald 193 

Sciedam, Liedewyn van 162 

Scononia, Johannes de 68 

Scultetus, Heinrieus 28 

S. Sebaldus 3. Leben 

Sefflingen, Kloster 75 

Segen 45. 81. 118. 119 

Seifried, Alexandreis 103. 285 

Sempach 194 

Serrarius, Nicolaus, De xxxi1 artieulis 112 

Sieder, Johann, Übersetzer von Apulejus 
und Lucian 102 

Siegmund, Erzherzog von Österreich 184 

Sinnsprüche nl. 17 

Skutsch, H., Antiquar 184 

S. Sola 115 

Spanien, Isabella von 5 

Speculum sacerdotum 52; humanae sal- 
vationis 159 Anm. 

Speyer s. Bale 

Spiegel des Sünders 85; der Vollkom- 
menheit 9 

Spigel, Dr. Otto, Reise zum Grabe der 
hl. Katharina 99 

Spruchdichtung, Anfang einer 151 

Sprüche, Alehymistische 165; aus Salomo, 
‚den Vätern, Philosophen, Freidank cete. 
in Prosa 53. 60. 65. 86. 130; in Rei- 
ınen 58. 100. 105. 118. 175; s. auch 
Eckhart | 

Sprüchwörter s. Luther 

Stabat mater mn]. 160 

Stadtbuch =. ITamburg 

Stammbuch, Deutsches 195; =». Album 

Stanhope, Sir Edward 39 

Stargard, Antiquar 31 

Statuten des deutschen Ordens 40. 226 

Statwech, Johann, Reimchronik 1ıl 


Stein der Weisen 103 

Steinfurter, Paulus, Schreiber 115 

Steinhöwel, Heinrich, Register zum Büch- 
lein von der Pest 95 

S. Stephan =. Leben 

Storchach 184 

Stowe-Sammlung | 

Strassburg, Klöster 84 

Stricker, Karl der Grosse 96 

Sturvey, John, Abt 16 

Suchen, Petrus, Reisebuch 141 

Sultzmatt 52 

Suso, Heinrich, Buch von der ewigen 
Weisheit 64 

Sydrack 157 


Tafel des Christenglanbens 58 

Tafeln, Astronomische 14. 44; zur Be- 
rechnung der beweglichen Feste und 
des Österfestes 155; der verborgenen 
Tage 118 

Tannhäuser, Lied von 235 

Tasso, T. s. Vondel 

Theodericus s. Gerden 

Theodora s. Wassenaer 

Thomas s. Aquino; Kempis 

T'horout, Martijn van, Legendenwerk 181. 
330 

Thorpe, Antiquar 99. 100. 102. 103. 108 

Thwaites, E. 140 

Tierfabeln 4 

Tod, Gedicht auf den 175. 320 

Tractate, Alchymistische 190 — 193; Astro- 
nomische 154. 186; Astronomisch-medi- 
zinische 140; Geistliche 9. 28. 29; 
Grammatische 101; Medizinische 95. 
183; Medizinisch - alchymistische S1; 
Medizinisch-naturwissenschaftliche 117; 
Mystische 48; Theologische 51. 57. 73. 
74. 76. 103; vom Altarsacrament 20. 
48; von der Liebe Gottes 114; von den 
zchn Staffeln 139; von der letzten Zeit 
vor dem Tode 115 

Trappisten (?), Regel der 78 

Trojanerkrieg 98 

Tross, Antiquar 126 

Tucher, Hans, und Sebolt Rictter, Reise 
nach dem hl. Grabe 98 


au @ 
en 


REGISTER 35 


Tundalus, Prosa 101 
Tzell s. Heylant 


Uccele 2. 3 

Übungsbeispiele, Grammatische 101 
Ulm, Kloster Wengen 74 

Unna, Arnoldus de 69 Anm. 
Unterricht, Geistlicher, für Novizen 127 
Unvorloschen, Jorig, Schreiber 56 
Urkunden 2. 40. 104. 110. 184 
Urspringen 5 

Utrecht, Kloster 179 


Walahfrid Strabus, Visio Wettini 146 

Walbeck, Kloster 189 Anm. 

Walther s. Herlingesdorf; Honseem 

Wangen 9 

Wanley, Humphrey 146 

Wappenbücher 102. 193. 194. 195 

Wartenberg, Graf 189 Anm. 

Wassenaer, Theodora van 179 

Wassersegen 119 

Wehrsowitz, Wolf von 69 

Weichbildrecht 149 

Weigel, J. A. G. 118; T. O., Besitzer 
119. 120. 121 

Welmoet, Jan Gales Tochter, Schreiberin 8 

Welser, Veronica, Besitzerin 36 

Weltzustand 117 

Wenceslaus, Herzog 3 

Wengen, Kloster s. Ulm 


sb) | 


S. Wernher s. Leben 

Wesen, Drei, des Menschen 114 

Wideburg, J. Th., Besitzer 79 

Wigan 188 

Willibaldus diaconus, Schreiber 146 

Wilsegeuert, Hans, Pfarrer zu Augsburg 
114 

Windeck, Eberhard, Chronik 108 

Winzurn, Nicolaus, Constantinus, Be- 
sitzer 37 

Wirnt s. Gravenberg 

Wolderkum, Rechtsbestimmungen 154 

Wolf, Gedicht von einem 110 

Wolf s. Wehrsowitz 

Wolframnus s. Bettinga 


“ Worms, Handschriften 143; Johann von, 


Schreiber. 4. 218 

Wrake s. Boec 

Wriothesley, Thomas, Earl of Southamp- 
ton 38. 39 

Würzburg 95. 103; Bischof Huunbert 
144; Handschriften 143. 144. 116; 
Konrad von, Trojanerkrieg 98 

Wyle, Niclas von 78 


York, Margaretha von 5. 6 


Yperman, Jan s. Chirurgie 


Zapf, Hofrat 79 
Zell, J. M. 69 


NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN. 


S. 7: 1. Wackernagel, KL. 2 Nr. 570; handschriftlich auch im Codex Vindob. | 
15113. — 8. 68: die beiden Briefe G. Groots hat Dr. Nolte in der Theol. Quartal- | 
schrift 25 (1870), 281—285 und neuerdings W. Preger, Beiträge zur Geschichte der 
religwsen Beweguny in den Niederlanden in der 2. Hälfte des 14. Jahrh. (Abhand- 
lungen der hist. (lasse der kgl. bayerischen Akademie xxı, 1 (1895), 29—31. 50 f.) 
herausgegeben. — S.782.3 ist hinzuzufügen: Zwiefaltener Benedictinerregel, s. Laist- 
ner in Paul-Braunes Beiträgen 7, 548 ff. Auch auf Monte Cassino befindet sich 
eine deutsche Version der Regel. — 8. 93 Z. 6: I. Orti. — 5.93 Z.3 v. u.: das Lied 
auch in der Pariser Hs. Suppl. frang. 3326, ». Catalogue des mss. neerlandais de 
la bibliothöque nationale par G. Huet(1886) 5.44 Ar.39. — 8.102 Z.12: der Punct 


nach Phill. ist abgesprungen. — 8.152 Z 5: I (a—f). — S. 203 Note 21: der Punct | 
nach |. fehlt. 
\ 


EN 0 


DL — ee VERREe 


. » 
} } Pi Zu > 12. 
- . 


i . 


llsuken 
E Pelz ar 


ud 


Ur AN 7 
a /, L - 

= we Ä Cerch eh isre 

ji Ir 


| 


| 


4 
Go 
: 


in England, 
266 299 


Il 


III 


ry 


| 


3 2044 080 


Aeutsche handschriften 


Widener Libra 


B 3345.,5